Man kann deutlich sehen, wieviel Mühe es die Schreiberin gekostet hat möglichst ordentlich zu schreiben.
Dennoch endet das was sie in den Händen hält sehr krakelig und wohl bekannt schmierig, mit einiger Übung und Mühe wird sie die wohlbekannte Handschrift allerdings entziffern können.
Seinen Segen Tante Aylia,
tut mir leid, dass ich dir jetzt erst schreibe, aber irgendwie ist die
Zeit rasend schnell vergangen und jetzt komm ich mal zur Ruhe.
Da hab ich gleich an dich gedacht!
Und damit erhältst du etwas verspätet die versprochene Nachricht.
Ich bin gut in Düstersee angekommen.
So ziemlich zuerst hab ich Cara besucht.
Stell dir vor, sie wohnt immernoch in Düstersee! Sie hat einen wunderschönen Laden, nicht weit vom letzten Familienanwesen.
Meine Ängste waren völlig umsonst, denn sie hat mir erlaubt bleiben zu dürfen!
Sie hat mich recht warm empfangen und ich hab mich gleich wieder wie zu Hause gefühlt.
Um nicht nur Cara auf den Keks zu gehen und wieder eine Aufgabe zu finden, hab ich beschlossen mich der Garde anzuschließen.
Aber das ist noch in Arbeit, immer einen Tag nach dem Anderen.
Es läuft aber gut bisher, glaub ich.
Bestimmt.
Außerdem hab ich Dazen wieder getroffen, er hat leider den ausstehenden Reitunterricht nicht vergessen. Und will den bald nachholen.
Ich übe mich im davonlaufen oder unsichtbar machen, muss aber gestehen, ich bin nicht gut darinnen.
Oder er ist verdammt gut im Finden.
Ich glaub es ist Beides - davon ab, ist es aber schön ihn wieder gesehen zu haben.
Immerhin gehört auch das zur Heimat.
Uh! Und du wirst es nicht glauben, ich war auf einem Markt im Fischerdorf.
Da hat Fräulein Wintereich, die Schneiderin dort - sehr begabt! - Zauberbären verkauft.
Es war einer von Xontor dabei, den ich mitgenommen hab.
Und schwups! Ein paar Tage später hab ich ihn wieder gehabt.
Er ist ganz weiß geworden.. Aber er möcht die Haare nicht färben, dabei sieht er so echt alt aus.
Vielleicht kannst du mal mit ihm sprechen?
Auf mich hört er da nicht.
Oh und er ist immernoch so grummelig wie früher - trotz weißer Haare.
Es ist schön ihn wieder zu haben.
Außerdem hab ich einen jungen Mann kennen gelernt.
Also ich hab nichts angestellt, würd ich doch nie!
Ich war völlig anständig.
Er wollte auch zur Garde und irgendwie da wir das gleiche Ziel hatten, haben wir uns ein wenig geholfen.
Leider ist er dann in Ärger geraten. In ziemlich großen wohl sogar.
Ich hab versucht ihn zu überzeugen, dass er bleibt und es wieder hin biegt, aber ich glaube er hat sich schon entschieden lieber zu gehen.
Also muss ich da jetzt alleine durch.
Kein Rücken mehr hinter dem man sich verstecken kann, wenn man mal einen Fehler macht.
Ah wobei, ich hab ja nicht vor welche zu machen!
Gestern Abend war ich bei der Musterung.
Davor hab ich Tara getroffen, sie wohnt jetzt in Rahal und hat dort einen kleinen Laden.
Sie hat mir sogar angeboten bei ihr unter zu kommen, was ich sehr nett finde.
Ich muss sie unbedingt mal besuchen, ich scheine sehr viel verpasst zu haben.
Sie hat sogar einen Sohn mit dem du gerade spielst?
Er will Ahad werden!
Man braucht ja große Ziele wenn man groß werden will, sehr ehrgeizig, der Kleine.
Schade das er noch zu klein ist, sonst könnten wir es zusammen probieren, wobei Ahad... äh, ich versuchs kleiner, erstmal nur mit der Garde.
Oh! Ich hab ein Zimmer gefunden in Düstersee.
Es war gar nicht so einfach und es ist noch komplett leer, aber..
mit ein paar Blumen wirds sicherlich hübsch.
Falls du mich mal besuchen magst, gibts natürlich bald auch ein Gästebett! Darum kümmer ich mich zu erst.
Ich hab was fürchterliches nach der Musterung genommen und kann jetzt ohnehin nicht mehr vor die Tür, also plan ich in der Zwischenzeit was wo hin kommt.
Du fehlst mir!
Und ich hab noch nichts angestellt, ehrlich nicht.
Deine
Bitte red doch nochmal mit ihm, das weiß ist ehrlich fürchterlich.
Zuletzt geändert von Keyra Drugar am Freitag 4. November 2016, 09:02, insgesamt 1-mal geändert.
Glück besteht darin, zu leben wie alle Welt und doch wie kein anderer zu sein.
Wieder wird ein Brief nach Hagadun getragen, die Handschrift keinesfalls besser als beim ersten Versuch, jedoch findet man eingerollt ins Pergament ein kleinen duftenden Lavendelstengel.
Seinen Segen Tante Aylia,
wir machen langsam gemeinsam Fortschritte - der alte Mann und ich.
Er ist immernoch weiß, dein Brief ist bestimmmt noch nicht angekommen?
Unser Raum ist schon wirklich hübsch geworden und irgendwie trotz der
kurzen Zeit vollgestopft bis unters Dach.
Manchmal glaube ich, wenn ich über etwas stolpere, dass wir mehr ein Museum sind,
als das es wirklicher Wohnraum ist.
Aber ich liebe es!
Jedes kleine Stück aus der Vergangenheit, die an die Tage mit der Familie erinnern.
Wir haben sogar Zuwachs bekommen, nicht wie du denkst!
Niemals, so schnell eh nicht - oh er schläft auf dem Balkon!
Nein, es ist Xanti. Xanti ist ziemlich frech, anfänglich habe ich sie für ein
Mädchen gehalten, aber er hat mich aufgeklärt, dass es sich hierbei tatsächlich
um ein männliches Hörnchen handelt.
Männlich oder nicht - es klaut gerne meine kleine Mahlzeiten und versteckt sie
irgendwo in unserem Museum.
Du glaubst gar nicht wo ich meine letzte Brotzeit gefunden hab!
Ich meine, es war unterm Bett. Brr.
Xanti durfte sie dann behalten... Bäh.
Inzwischen hat die neuste Mode Einzug in meinen Schrank gehalten, du glaubst gar nicht
was es hier alles tolles gibt!
Ich glaube ich schicke dir ein kleines Päckchen nach Hagadun.
Die werden ja alle Augen machen!
Meinen Terminen bin ich treu geblieben und warte was die Garde angeht, jetzt nur noch
das sich der Hauptmann bei mir meldet.
Ich bin mir gar nicht mehr so sicher, ob das eine gute Idee war.
Es ist hier etwas komplizierter als bei uns, was das falsch machen an geht.
Daheim wußt ich wenigstens ab wo meine Fehler anfangen, hier habe ich das Gefühl ich werd
die neuen Grenzen erst einmal rausfinden müssen.
Keine Sorge!
Ich stell dabei nichts Großes an, niemals!
Auch nichts Kleines hoffe ich, Xontor passt ja auf mich auf.
Das wird schon, bestimmt.
Leider ist es in Düstersee recht ruhig geworden, weshalb wir ab und zu ins Fischerdorf gehen.
Dort trifft man weiterhin jeder Zeit Jemanden.
Ich hätte gerne wieder einen Ort geöffnet, an dem man sich trifft und immer Trubel herrscht,
aber eigentlich hat es hier eine Menge Tavernen die bewirtschaftet werden.
Da die Taverne in Düstersee nicht in Frage kam, helfe ich in der Hafentaverne in Rahal aus.
Zumindest glaube ich das. Naja, gestern hab ich helfen dürfen. Sehen wir mal was noch so kommt.
Das Essen ist dort in jedem Falle sehr gut.
Ich glaube es würde dir auch gefallen.
Ich arbeite noch an einer Idee in Düstersee wieder mehr Leben zu haben.
Aber noch bin ich nich weit - man muss ja auch klein anfangen.
Erst einmal einleben und dann den Unsinn anstellen.
Uh. Ich hab nicht wirklich Unsinn geschrieben, ich meint natürlich... die Pläne!
Das Wetter ist in einen ordentlichen Dauerregen umgeschlagen.
Wirklich eklig.
Die Landschaft bleibt wunderschön.
Ich vermiss dich weiterhin - denk an seine Haare!
Liebe Grüße
deine
Glück besteht darin, zu leben wie alle Welt und doch wie kein anderer zu sein.
Behutsam wickelt Aylia das Pergament auseinander und schnuppert gleich an dem Lavendelstängelchen, danach setzt sie sich in Schreibtisch und beginnt mit einem Antwortschreiben
Seinen Segen meine liebste Nichte,
es freut mich zu hören, dass du wohlauf bist und auch Xontor sich um dich kümmert.
So schnell wie du deine Briefe verfasst kann der Bote gar nicht laufen um meine Antworten an dich zu überbringen.
Du musst auch bedenken, dass ich nicht mehr die jüngste bin, wenn auch mein Haar nicht so grau ist wie das von dem alten Kautz. Da sollten wir wirklich einen Plan verfassen wie wir ihm das austreiben.
Es beruhigt mich das so viele für dich da sind und auf dich aufpassen. Falls ihr irgendetwas benötigt lasst es mich wissen, ich werde versuchen was ich kann.
Der kleine Bengel von Tara macht sich hervorragend und benimmt sich, allerdings denke ich, das sein Wunsch eines Tages Ahad zu werden noch in weiter Ferne liegt. Was nicht nur an seinem Alter liegt…
Bitte Grüße doch auch Cara ganz lieb von mir, wenn du sie das nächste Mal siehst.
Ich drücke dir die Daumen das sich der Hauptmann bald bei dir melden wird und hoffe du lässt mir dann gleich Nachricht zukommen. Sieh die Garde als einen Schritt über deine Grenzen hinauszuwachsen.
Was dein Unsinn betrifft hoffe ich, das Xontor wirklich Acht gibt. Ich möchte keine Beschwerden hören die bis nach Hagadun getragen werden. Sonst muss ich wohl persönlich vorbeikommen und dir die Ohren langziehen.
Wobei ich auch so plane euch in naher Zukunft einen Besuch abzustatten. Vielleicht hab ich bis dahin ja schon dein Paket erhalten, so dass ich in der neusten Mode glänzen kann.
Wieder macht sich einem Brief auf den Weg nach Hagadun,
die Schrift weist keinerlei Besserung auf, beim Öffnen des Briefes jedoch,
fällt ihr buntes Herbstlaub entgegen.
Seinen Segen Tante Aylia,
danke für deinen Brief!
Ich hab mich riesig gefreut, schön dass du uns bald besuchen kommst!
Ich war sogar schon bei Fräulein Wintereich und hab ein Päckchen der neusten Mode für
dich besorgt in hübschen dunklen Farben.
Damit hast du dann alles was du vielleicht nicht im Keiderschrank hast, hat sie gesagt.
Soll ich es dir schicken?
Oder noch besser, wann bist du da, dass ich es dir geben kann?
Oh! Bringst du den Kleinen von Tara mit?
Wenn ja, muss ich ihm noch ein kleines Schwert besorgen.
Das brauch man ja als Bald-Ahad!
Du glaubst nicht wer hier noch aufgetaucht ist!
Arion!
Ich hab ihn erst gar nicht erkannt, er ist furchtbar gewachsen.
Jetzt ist er größer als ich! Glaub ich zumindest, wir hatten leider
mehr ein kurzes Aufeinandertreffen.
Ich war hundemüde, mir sind ständig die Augen zugefallen und ich wäre beinahe
einfach vornüber ins Feuer gekippt - aber ich hab ja Xontor.
Du musst dir keine Sorgen machen, ist also nichts passiert.
Nur war ich zu müde ihn zu löchern und so kann ich dir leider nur wenig berichten,
ausser das er wieder da ist, samt dem wohlbekannten Mundwerk und.. das ist so toll!
Ich hoffe, ich sehe ihn bald wieder.
Uhhh und warum ich eigentlich schreib - ich habs endlich geschafft.
Ich war gestern zum Gespräch beim Hauptmann und danach hatte ich direkt eine Einführung.
Gestern konnte ich gar nicht einschlafen, weils mir noch durch den Kopf gegangen ist.
Ist wirklich viel auf einmal, dass man sich erstmal merken muss.
Keine Ahnung, ob ich das hinbekomm. Aber ich versuchs.
Bestimmt, hoffentlich.
Ich war direkt nochmal im Fischerdorf als du geschrieben hast, das du uns wohmöglich bald
besuchen kommst. Jetzt habe ich einen kleinen Wald aus hübschen Blumen und unser kleines
Museum ist nicht mehr ganz so trostlos.
Jetzt muss ich nur noch rausfinden wo ich ein Bett unterbekomme!
Dir macht es doch nichts aus zwischen ein paar Blumen zu schlafen?
Die duften gut!
Und sollen sehr belebend sein - hab ich gehört.
Das hilft bestimmt beim morgendlichen Aufstehn!
Xontor ist weitehrin nicht sonderlich begeistert von meiner Einkaufslust.
Weißt du, es wäre manchmal schon hilfreich, wenn er was tragen würd.
Er doch durchaus für sein Alter noch recht stark, vermutlich käme er nicht mal ins
Schwitzen!
Die Haare sind auch noch weiß, aber ich bin zuversichtlich, dass wir das gemeinsam
in den Griff bekommen, wenn du da bist.
Vielleicht trägt er dann auch mal was?
Ich freue mich auf dich!
Liebe Grüße
Glück besteht darin, zu leben wie alle Welt und doch wie kein anderer zu sein.
An dem Schreiben baumeln festgebunden zwei Tannenzapfen,die den Geruch des späten Herbstes
verströmen.
Auf das Schreiben selbst wurde von außen etwas unbeholfen ein kleiner Panther gezeichnet.
Liebe Tante Aylia,
fangen wir einfach mit dem Guten an:
Caleo ist hier wohl behalten angekommen.
Er hatte eine, ein wenig kuriose Garderobe, die er als Arbeitskleidung bezeichnet hat,
aber gestern konnten wir das Problem endlich beheben.
Gemeinsam haben wir schon unsere ersten Pläne um mehr Farben in das derzeit sehr graue
Gerimor zu bringen!
Es ist sehr schön ihn wieder hier zu haben, auch wenn ich glaube dass er nach dem
Garderobenwechsel einen kleinen Schwarm Frauen nach sich ziehen wird.
Ich vertreib sie einfach alle - außer die Vernünftigen natürlich.
Eine vernünftige Frau würd ihm sicherlich gut tun.
Da fällt mir ein, wir haben gestern Tara Einkäufe nach Hause getragen.
Sie hats wirklich schön eingerichtet, es war ein richtig schöner Abend bei ihr.
Und ich hab jetzt sogar den Schlüssel zu ihrem Haus, weil sie zu dir reisen wird für
zwei oder drei Wochen.
Ich werd ihre Blumen anständig gießen und nicht ertränken!
Vielleicht kommt ihr nach der Zeit einfach gemeinsam zurück?
Ich würd mich freuen.
Caleo sicher auch, er sollt dir aber lieber mal selbst schreiben!
Ich werds ihm sagen, sobald ich ihn sehe.
Mh, kommen wir zu dem weniger Guten.
Ich hab dir doch erzählt das ich es in die Garde geschafft hab?
Mein Einstieg war gleich nicht der Beste.
Mir war etwas unklar und ich hab deshalb nachgefragt, ohne allerdings Namen zu nennen,
ich würd da nie wen in die Pfanne hauen, sowas macht man einfach nicht.
Dennoch haben sie irgendwie rausgefunden um wen es ging und ihn bestraft.
Also hat mein Dienstantritt damit begonnen, neben dem Kameraden zu sitzen, der direkt
Ärger hatte - weil ich was gefragt hab.
Es ging nicht unbedingt besser weiter, beim ersten Appell gab es eine ordnetliche Verzögerung
vom Beginn, weil ich es nicht geschafft hab anständig zu salutieren.
Und als wäre das nicht genug ging es im Anschluss um körperliche Ertüchtigung,
du kennst mich ja noch.. Das war jetzt nicht unbedingt meine Paradedisziplin.
Weil ich so langsam und schlecht war, hat sich dann alles noch mehr verzögert.
Alles in Allem wirklich kein guter Einstand - ich glaube sie sind jetzt schon alle
genervt von mir. Aber ich geb mir Mühe, ehrlich.
Am nächsten Tag wurde es nicht besser, da wurde mir dann nahe gelegt, dass ich
beweisen sollte, dass ich keine Sonderstellung trage.
Ich kam mir am Tag davor wirklich nicht vor, als wäre irgendwas gesondert oder besonders
Toll, außer vielleicht das ich besonders viel Ärger sammel.
Und das, ist ja wirklich nichts Neues.
Irgendwie liegts mir aber im Magen und zwar sehr.
Etwas nicht zu können, oder gerügt zu werden für etwas, das man nicht schafft ist das Eine,
das hab ich verdient.
Ermahnt zu werden wegen etwas, dass nicht so ist... Mhrm.
Ich glaube nicht, dass es irgendwo einen Vorteil gibt, ganz im Gegenteil.
Ich bin ein kleines ungeschicktes Mädchen, das nicht mal einen Apfel am Baum mit dem Pfeil
trifft, die Rinde bekomm ich hin, ja. Aber das ist weniger Kunst.
Ein kleines Mädchen mit einem großen Namen, der dazu beiträgt, dass man gern mal
genauer hin sieht.
Und das genauer hinsehen kann wirklich unangenehm sein.
Außerdem muss man darauf achten nicht zuviel Ärger oder blödsinn zu sammeln, um den
großen Namen nicht zu beschmutzen.
Am ersten Tag danach wollt ich mir gern verkriechen und einfach irgendwo verstecken bis
sich keiner mehr an mich erinnert.
Inzwischen aber glaub ich.. dass ich ihnen einfach zeigen werde wer ich bin und das ich eben
nicht in eine von ihnen ausgedachte Schublade passe.
Ich möchte da raus und gesehen werden als die, die ich bin.
Ich hoffe, ich bekomme das hin.
Und ich hoffe, dass ich irgendwann für irgendwas was ich tue auch geschätzt werde.
Du fehlst mir sehr und ich würd mich freuen, mich ab und zu an dich anlehnen zu dürfen,
zumindest wenn es keiner von ihnen sieht.
Xontor verpasst mir bei sowas eher einen Tritt, das mit dem in den Arm nehmen ist nicht so
seins. Das ist wie mit dem Einkaufen.
Komm bitte Heim, ich brauch dich.
Deine
Glück besteht darin, zu leben wie alle Welt und doch wie kein anderer zu sein.
Auf dem Schreiben tollt ein junger kleiner Panther, auf dessen Rücken kleine schwarze Punkte hüpfen, um ihn herum springen und dann in eine schlecht gemalte Pfütze kullern.
Liebe Tante Aylia,
soviel Neues ist gar nicht geschehen, aber ich mag dich ja auf Stand halten, deshalb hier mein neuester Bericht zur aktuellen Lage:
Ich gehe seit dem ersten Appell wie angeordnet jeden morgen zur körperlichen Ertüchtigung und anschließendem Reitunterricht zu Ritter Wolfseiche.
Ich hab nicht wirklich das Gefühl besser geworden zu sein, nach einer Weile ist mein Kopf Puderrot angelaufen und ich hab das Gefühl, dass er sich bald in Rauch auflöst.
Ich glaube, dass werd ich niemals los - ich bin da einfach nicht begabt was das angeht.
Was den Reitunterricht angeht, hab ich aber schon erste Fortschritte gemacht, beim Aufsteigen fallen ich zumindest nicht direkt wieder Links oder Rechts runter - naja.. immerhin nicht sofort.
Manchmal dann schon noch und das am Boden landen tut weh kann ich dir sagen! Vor allem weils kein buntes Herbstlaub mehr hat. Der Boden hat den ersten Frost und uh.. ich sollte dich da wirklich nicht mit Details belästigen. Halten wir fest: es tut weh! Verdammt weh!
Aber... ich hab nicht aufgegeben. Bisher.
In der Garde fühl ich mich langsam ein wenig wohler, ich mach immernoch total viel falsch. Es ist einfach viel zu viel zu merken!
Aber beim letzten Appell hatte ich sogar Freude am Lernen.
Allerdings hab ich danach .. was mitgebracht.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es vielleicht aus den Höhlen kam, ich hab da eher einen anderen Verdacht, aber das darfst du niemals erzählen! Keinem hörst du?
Sonst komm ich bestimmt, vielleicht in Schwierigkeiten und gerade läufts eignetlich halbwegs gut, glaub ich.
Also da war ein Leutnant dabei von den Letharen, und der hat uns wirklich tolle Sachen gezeigt und ich hab gern von ihm gelernt, aber bevor es los ging und wir da standen, da ist eine eklige dicke, fette Made irgendwo aus ihm gegrabbelt und auf dem Boden gelandet.
Mir war furchtbar schlecht!
Und er hats nicht mal gemerkt scheinbar!
Naja und nach der Übung hats mich gejuckt und gebissen und ich konnt gar nicht aufhören zu Kratzen. Stell dir vor.. ich hatte die Flöhe!
Ich bin sie mit einem ausgiebigem Bad los geworden, ich bin einfach solange unter Wasser geblieben bis ich selbst keine Luft mehr hatte - sind scheinbar alle ertrunken!
Hah! Luft anhalten kann ich!
Jetzt hab ich nur das Problem... die werden ja jetzt alle die Flöhe haben also... und ich will sie nicht zurück!
Also müsst man jetzt alle tunken, vielleicht nicht unbedingt ins Wasser schupsen, eher so unauffällig zum Wasser bringen..
Konditionsübungen im Wasser!
Wenn ich sowas bringe, glaubt mir aber kein Mensch und sie werden sofort misstrauisch. Ich brauch noch einen guten Plan!
Vielleicht schenk ich ihnen einfach gut riechende Seife, aber das könnt auch missverstanden werden.
Ich arbeite noch an einem sinnvollen Plan das Ganze umzusetzen...
Oh und ich glaube ich hab sowas wie Freunde gefunden, ich bin mir noch nicht ganz sicher und eher vorsichtig, nicht dass es wieder irgendwie schief geht, aber wohlmöglich hab ich jetzt sogar wen bei dem ich mal reden kann.
(Was dich und deine Rückkehr natürlich nicht ersetzt!)
Vermisse dich immernoch, drück mal Tara von mir und habt eine schöne Zeit.
Liebe Grüße
Glück besteht darin, zu leben wie alle Welt und doch wie kein anderer zu sein.
Dieses Mal liegt dem Schreiben keinerlei Zierde bei, auch eine Zeichnung fehlt.
Die Schrift ist dafür mit einem gewissen Schwung geschrieben, der wohl den Zustand des
Gemüts des Schreiberlings wiederspiegelt und bei der ohnehin schon schwer zu lesenden
Schrift nicht förderlich ist:
Seinen Segen Tante Aylia,
ich wollte mal fragen, ob du mich vielleicht daheim brauchst?
Ich könnt auf den Kleinen von Tara aufpassen?
Dann hättest du und sie ein wenig mehr Luft und ihr könntet zusammen was unternehmen?
Ich komm ehrlich gern, wenn du mich brauchen solltest.
Du weißt, dass du dann nur was sagen musst?
Wollte es nur nochmal lieber erwähnt haben..
Ich könnt morgen da sein!
Eigentlich wollt ich dir gar nicht schreiben, also zumindest das nicht, aber
bevor du es von wem anderen hörst, sollte ich es vielleicht doch tun:
Ich hab in der letzten Zeit ein wenig Mist gebaut, najaaaa.. streich das ein
wenig.
Ich hab ein Signalfeuer verhauen, bin nicht gerannt als der Beschützer sagte,
ich soll laufen - und hab dann einen unfreiwilligen Ausflug gemacht.
Als Folge dessen sind alle ziemlich stinkig auf mich.
Der Beschützer war umgedreht (weil ich ja nicht nach kam) und ist jetzt grün und blau.
DER ist vielleicht sauer!
Sieht aber auch schlimm aus und tut mir furchtbar leid, ehrlich.
Ansonsten hab ich mir dadurch ein paar Strafdienste eingehandelt..
Bei den morgendlichen Übungen wars ein Steinrucksack..
Nicht, dass ich auch so genüg zu schnaufen hätte, nein, der passte noch oben drauf!
Fand zumindest der Ritter, ich nicht, aber mich hat ja keiner gefragt.
Beim Tempel muss ich mich melden... also ich hab immerhin hin geschrieben, ich find,
das ist ein Anfang? Ich hab's versucht.
Naja jedenfalls dacht ich, ich helf dir vielleicht ein wenig daheim, weil du ja
immer soviel Arbeit hast und.. auch mal durchatmen kannst.
Nur ums nochmal zu sagen, ich helf gern!
Also falls ich mich je wieder rühren kann.
Wir hatten gestern Appell und ich glaub, ich rühr mich nie, nie, nie, nie wieder!
Mir tut alles weh, der Hals kratzt.. und... du brauchst mich doch bestimmt?
Liebe Grüße
Glück besteht darin, zu leben wie alle Welt und doch wie kein anderer zu sein.