Arys

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Arys säuberte die Wurzel von der noch feuchten Erde, wusch sie und schabte die äussere Schicht ab. Sie führte all diesen kleinen Arbeiten gewissenhaft durch, denn die Alte lehrte sie, dass alles seine Wirkung habe, jedes kleinste Ding verlange seine Aufmerksamkeit und belohne mit Heilung und guter Seele. Die Sonne stand noch nicht hoch, drum wunderte sie sich umso mehr, dass Marie, die junge Magd raschen Schrittes in das Lager des Fahrendes Volkes eilte. Üblicherweise wurde das Mädel nicht vor Sonnenuntergang im Dorfe gesehen, hart war die Arbeit auf dem Felde und die Bauern bei denen Marie unter Brot und Logie stand, waren nicht grad zimperlich.

Arys legte die Wurzeln beiseite und trocknete sich die Hände an der Schürze ab. "Marie, ja wo kommst du denn her so früh?" rief sie ihr einladend entgegen und betrachtete verwundert das verquollene, verweinte Gesicht des jungen Mädels. "Oh mej, was ist geschehen?" Keine zwei Sätze später saß Marie weinend neben ihr auf der Holzbank und erzählte vom Hans, dem Stallburschen, wie er sie kaum mehr beachten würde, seit die neue Schneiderin ins Dorf gekommen war. Schon länger waren die beiden so gut wie ein Paar, jeder wusste es und jeder hieß es gut. Nur noch ein, zwei Sommer, dann würde Hans sicher soviel gespart haben, um Marie eine Zukunft bieten zu können. Arys Augenbrauen hoben sich fragend, und lauschte den verweinten Worten der jungen Magd. " Sie ist wunderschön, ihr Haar wie gold und ihr Gesicht strahlt wie die Sonne selbst. Alle Jungen Bajards versuchen sie zu freien...so auch mein Hans!" und schon liefen wieder herzzerreissende Tränen. Arys legte tröstend den Arm um das Mädel, fuhr beruhigend mit einer Hand deren Arm auf und ab. "Pah, was sie kann, kannst du schon lange", sprach sie Marie zu und ihre Stirn zog sich in angestrengte Denkerfalten. " Komm Morgen wieder und ich werde Rat wissen, doch nun lauf zurück, bevor der Bauer dich vermisst." Nachdenklich sah sie der davonhuschenden Marie nach und stieg schliesslich die drei Stufen hinauf in den Wagen der Alten. Diese lag noch auf ihrem Lager, das schlimme Bein schonend, ein zwei seidig, bunte Kissen im Rücken plaziert. "Arys, Liebe, welche Laus ist denn dir über die Leber gelaufen?" und während sie mit heiserer, krächziger Stimme sprach leuchteten die klugen dunklen Augen. "Die nette Marie ist's, die mir Sorgen bereitet. Ihr Verlobter sieht einer gepuderten Schneiderin hinterher und erkennt das Gute in seinem Mädel nicht mehr. Ich frage mich, ob du einen Rat hast." Arys findet ein Plätzchen zwischen weiteren Decken und Kissen und schaut der keckernden alten Frau entgegen. "Und das Mariechen weiss nicht, wie man Mannsbilder in den Bann schlägt?" wieder ein leises Keckern. "Als ob ich mich noch an sowas erinnern könnte!" immer wieder belustigt aufglucksend klopfte die Alte ein weiters Kissen unter ihr schmerzhaftes Bein. Arys lachte leise auf und tätschelte die Hand der alten Frau. "Hinter dir waren selbst noch die Männer her, als du schon weit über sechzig warst, liebes Tantchen!"und schenkt ihr ein fröhliches Zwinkern. Die Alte schmunzelte nun und schaute versonnen drein. " Es kommt garnicht drauf an, wie schön man ist, sondern wie sehr man sich selber liebt und somit die ganze Welt. Das allein ist das ganze große Geheimnis! Nur wie wir das der kleinen Marie erklären wollen, dass ist selbst mir noch ein Rätsel! Komm heute Abend wieder!"

Die Sonne war untergegangen, aus dem Wagen der Alten schimmerte ein güldenes Licht. Arys trat ein und schaute nicht ohne Verwunderung auf die Verwandlung die ihr da entgegenschlug. Die Alte schien verjüngt, nicht äusserlich, doch strahlte ihr Wesen so sehr, dass alles in und um den Wagen mit purem Leben und Heiterkeit erfüllt war. Den Wagen erfüllte ein ganz besonderer Duft, eine Mischung aus Frühling und Sonne, aus Meer und Salz, als würden alle Sinne nur dem einen zustreben, der Liebe. " Siehst du nun was ich meine, Liebes?" vergnügt giggelte die alte Frau und drehte sich einmal um sich selbst, gar das schlimme Bein missachtend und wedelte mit einem Fläschchen vor sich her. "Es kommt auf die Zusammensetzung an, darauf ob die Pflanzen dir ihren Segen geben! Dem Duft des Lebens kann niemand widerstehen, glaube mir Kind. Mariechen soll sich jedoch jeden Tag das Haar mit hellem Bier spülen, es wird goldig schimmern, wie das der begehrten Schneiderin... auch soll sie ihren Rock gern ein wenig heben, wenn sie über die Wiesen hüpft, hübsche Beine hat das Kind! Dann, am letzten Tag der Woche, am Tag der lieben Sonne, da soll sie von diesem Düftlein nur ein, zwei tropfen hinters Ohr geben und an ihrem Hans vorbeispazieren. Und glaube mir, sie wird es gut machen, denn keiner kann sich dem Duft des Lebens erwehren."

So nahm die Woche ihren Lauf, auf Arys Empfehlung wusch sie ihr Haar jeden Tag und spülte es mit hellem Bier aus, auf dass es glänzte und schimmerte wie pures Gold. Am letzten Tag der Woche, dem Tag der lieben Sonne, träufelte Arys dem Mädel einige Tropfen des wunderwirkenden Duftes hinter das Ohr und überließ es ihrem Schicksal.

Am nächsten Tag tänzelte Marie mit leichtem Schritt wieder in die Wagensiedlung und lachte Arys schon von Weitem entgegen. "Oh Arys, ich weiss nicht genau, was du getan hast, doch als ich gestern die Strasse hinab in Richtung des Hafens ging, liefen der Schuhmacher Jürgen , sowie auch Jörg der Bäckerslehrling hinter mir her und umschwärmten mich, als sei ich eine Blume! Und stell dir vor, dies gefiel meinem Hans so garnicht und er nahm meine Hand, nannte mich die Seine und verscheuchte die beiden, sprach liebe Worte und erzählte mir wie dumm er doch gewesen sei, dieser Schneiderin nachzulaufen. Noch diesen Herbst will er den Bauern um meine Hand bitten!!" Jubelnd und ausser sich vor Freude klatschte das Mädel in die Hände, umarmte Arys, dankte ihr und lief fröhlich weiter in Richtung des Hofes.

Arys jedoch setzte sich wieder in den Wagen zu der Alten, lächelte geheimnisvoll und ließ sich alle Zutaten des Duftes genauestens aufzählen... " Ringelblume, Jasmin, Rosenblüten und Hollunder, pflücke sie zur Mittagszeit und bitte um den Segen....."

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Noch am selben späten Abend verstarb die Alte in Arys Armen. Ein Lächeln, ein, zwei Ratschläge stets auf dem wahren Weg zu bleiben, niemals der Habsucht oder dem Hochmut zu verfallen und die gute Frau verließ diese Welt. Alles was ihr gehörte wurde so, wie es Sitte war, verbrannt. Nur der kleine silberne Dolch verblieb Arys zur Erinnerung.
Die Fahrenden verbrannten den Leichnam und spannten noch in derselben Nacht die Pferde vor die Wagen, diesen Ort verlassend, so wie es die Tradition verlangte. Der Name der Alten wurde nie mehr genannt.
Arys blieb zurück. Sie würde ihren Weg finden, das hatte die Alte ihr im Stillen prophezeit, und so setzte sie einen Schritt vor den anderen, das Herz noch schwer, doch die Neugierde auf ihr künftiges Leben schob sie weiter voran, so als stünde noch jemand hinter ihr, ihr zuredend und lächelnd.

Schon in den ersten Tagen erreichte sie ein kleines Fischerdorf mit Namen Bajard. Einige Handwerker waren dort ansässig und man erlaubte ihr in dem kleinen Handwerkshaus ihre Kräuter zu verarbeiten. Tagein, tagaus wanderte sie durch die Wälder, suchte nach Pilzen und Kräutern, sogar einige duftende Blüten fanden den Weg in ihre Tasche. Doch noch fehlte es ihr an Handwerkszeug und an einer Bleibe, in der sie sicher an ihren Düften und Tränken arbeiten konnte. Doch noch war der Herbst nicht gekommen, ein, zwei Monde blieben ihr einen Ort zu finden, an dem sie das Wissen ihrer Lehrherrin am Leben erhalten konnte.

Nach und nach lernte sie Menschen kennen, unter anderem auch eine Heilerin die ihr von Operationen und manch anderen unglaublichen Dingen berichtete. Den Leib eines Menschen aufzuschneiden, in jenem etwas zu reparieren, das hörte sich für Arys wie ein übler böser Bubenstreich an, und doch schien es wahr zu sein.
Von der Alten hatte sie gelernt, dass Heilung unterstützt werde von all den Kräutern die uns die Natur schenkte, von der talatierten Gabe der Tränkebrauerin, von der aufopfernden Zuwendung die eine Heilerin dem Kranken entgegen brachte. Sicher wurde ab und an, wenn nötig ein Schlangenbiss aufgeschnitten, ausgesaugt, oder ein Splitter gezogen, ein Zahn entfernt..aber den Leib aufschneiden?? Niemals. Vielleicht wäre es gnädiger den Verletzten in Frieden sterben zu lassen, als ihm solche Qualen aufzubürden. Doch was, wenn man ihm damit das Leben schenken konnte? Arys schüttelte den Kopf und lief tiefer in den Wald hinein. Nein, das würde sie nie und nimmer wagen.
Ihr Weg war der ihrer Lehrmeisterin, sie hatte versprochen Hochmut und Habsucht nicht zu erliegen.
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Und als würden die Hände ihrer verstorbenen Lehrmeisterin sie von den Sternen aus führen und lenken, so begegneten Arys Menschen, die ihr Hilfe und Unterstützung schenkten, oftmals auf eine nie erwartete und zuvorkommende Art und Weise. Arys traf auf eine junge Frau, ein beinahe elfengleiches Geschöpf, mit einem unvergleichlich großen Wissensschatz, was Kräuter, Düfte und Öle betraf und durfte sich bei ihr Rat und Hilfe holen, wo es nur nötig war. Sie schienen sich vom ersten Moment an gut zu verstehen, als würde sie beide dieselbe Luft atmen, dieselben Hoffnungen und Ahnungen haben. Zur Antwort auf so viele zwischenmenschliche Fragen drückte sie Arys einen dicken Folianten in die Hand. "Lies, und Du wirst verstehen!", sagte sie, und lächelte in ihrer so "kleinen, stillen Art". Von dem Zeitpunkt an, sah man Arys nicht nur über Wiesen und durch Wälder huschen, sondern man sah sie versunken über einem dicken Buch sitzen, begleitet von einem verstehendem Lächeln oder stillem Nicken. Sie nahm das Geschriebene von der ersten bis zur letzten Seite in sich auf, als würde alles, was sie je gedacht, gehofft und erfühlt hatte, in diesem wundersamen Buch gespiegelt werden.

"Die sieben Gesetze"

..... "Das Prinzip von Ursache und Wirkung"
Jede Ursache hat eine Wirkung, jede Wirkung eine Ursache... jedes Verrichten, jede Handlung erzeugt eine bestimmte Kraft, ein Lied, eine Schwingung, die mit selber Intensität in der sie ausgeht, auch zurückkehrt. Die Wirkung entspricht der Ursache in Qualität und Quantität. Gleiches muss Gleiches erzeugen. Aktion-Reaktion. Jeder Mensch ist Schöpfer, Träger und Überwinder des Schicksals.
Somit gibt es keine Sünde, keine Schuld, keinen Zufall und kein Glück, nur Ursache und Wirkung......


Arys fühlte sich wieder in den Wagen der Alten zurückversetzt, zurück zu den Stimmungen, so lichten und tiefsinnigen Schwingungen, solchen, die das Leben Aller verändern konnten. Heute war sie seit Langem wieder glücklich. Es schien, als täte sich ihr Weg auf, der erst gänzlich verloren schien. Ihre Schritte waren noch zaghaft, aber es ging voran...
Sie wünschte sich die Fülle, mochte nicht eingeschränkt sein zwischen den Glaubenskriegen, die hier auf Gerimor tobten und Schicksale bestimmten, lebten doch auf beiden Seiten des Landes Menschen, die ihr etwas bedeuten könnten.
Es würde sich zeigen, ob sie auf diesem schmalen Seil balancieren konnte, ein Seil ohne Netz. Jedoch gerade dieses machte ihr Leben so lebenswert, wie Innen, so Aussen, im Großen wie im Kleinen... alles hatte seine Ursache, alles seine Wirkung.


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Das fahle Licht des Mondes schimmerte durch das offene Fenster, es hatte etwas abgekühlt, entfernt war das leise Plätschern des Kanals zu hören und sie schmiegte sich dichter an den warmen Körper neben ihr. Eine Weile lag sie schon wach, lauschte seinem gleichmässigen, ruhigen Atem und ließ ihren Blick wandern über die Narbe auf der Brust und zu der Schlange, die ihr eigenes Ende zu verschlingen schien, einen Kreis bildend. Gerne wüsste sie die Bedeutung, doch ließ sie ihn schlafen, ihren Blick zart an ihn heftend. Ein paar Häuser weiter schlief Melissa, ihre Vertraute, ihre Ratgeberin. Ihr war es zu verdanken, dass sie beide hier nun doch lagen, sie hatte Arys gelehrt, dass nichts gehalten werden kann, was nicht bleiben möchte, Loslassen war das magische Wort, Freiheit und Vertrauen. Seine stoische Art konnte sie regelmässig in der Wahnsinn treiben, ein Stein, der keiner war, der sich jedoch selbst von seinen Gefühlen nicht zum Sklaven machen ließ. Arys wusste nicht, wohin es sie führen würde, es war auch nicht wichtig, einzig das Jetzt zählte.
Doch war da nun auch Gerald, ihr älterer, verschollener Bruder. Heimgekehrt nach langer Gefangenschaft, war anfänglich die Freude groß, doch mit jedem Tag, an dem er Arys an Will's Seite wusste, wuchs seine Verbitterung und Sorge, hatte er sich für seine kleine Schwester doch einen ehrbaren Kaufmann oder Handwerker erhofft. Stattdessen fand er sie umgeben von zweifelhaften Charakteren, Seeleuten, Dieben und Mördern womöglich, Huren und anderem Volk. Es folgten Beleidigungen, Handgreiflichkeiten seitens des Bruders und Arys beschloss das Band zu lösen, so sich dieser nicht gebändigt bekäme.
"Aber ich kann dir dazu nur eins sagen, ungeachtet meiner ersten Begegnung mit ihm.
Ihr solltet Euch nicht darum bringen, das Bisschen Familie, dass ihr noch habt einfach so aufzugeben, insbesondere, nachdem ihr euch so lange nicht gesehen habt.
Und das sagt dir jemand, der seine eigene Famile gänzlich hinter sich gelassen hat. Ist tatsächlich seine Aufgabe als Bruder, mehr oder weniger. Gib ihm ein wenig Zeit Arys," sprach Will noch am Abend und ließ sie verwundert dreinblicken. Dieser Mann war für einige Überraschungen offen.
Ihre Hand legte sich sanft an ihn, die Gedanken wurden träger und der Schlaf schien sich allmählich ihrer Sinne wieder zu bemächtigen. Stille Sorgen versanken im silbrigen Nebel der winzigen Kammer, das im Moment einzig Wichtige schlief hier, neben ihr, alles andere wird sich geben und in Wohlgefallen auflösen... so schlief sie wieder ein und erwachte erst als die Sonne bereits hoch am Himmel stand.
Zuletzt geändert von Gast am Mittwoch 7. September 2016, 15:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Arys erwachte mit schmerzendem Rücken und der Umstand, sich in den Kerkern Rahals wiederzufinden, war alles andere als erbaulich. Mit einem leises Seufzer drückte sie sich aus der liegenden Position auf, rieb sich die Handgelenke, die am Abend zuvor gefesselt gewesen waren und blinzelte ins Zwielicht. War es schon Morgen, die Nacht vorbei? Die Zelle besaß kein Fenster, sie hörte nur leise, ferne undefinierbare Geräusche, alles schien noch zu ruhen. Die Beine dicht an sich ziehend, die Arme um die Knie geschlossen, kauerte sie in der Ecke der schmutzigen Kerkerzelle. Das Stroh musste schon Einige vor ihr beherrbergt haben, niedergedrückt und streng riechend. Arys versuchte ihre Angst wegzudrängen, suchte nach Halt und unwillkürlich wanderten ihre Gedanken zu William. Der Hauch eines Lächelns zog sich kurz auf ihre Lippen, nur schwach, als ihr in Erinnerung trat, wie Will stets versprach sie aus jeder misslichen Lage zu erretten, ihr beizustehen. Ihr Kopf sank schwer auf ihre Knie, denn anscheinend gab es kein "William und Arys" mehr, sie war auf sich gestellt, würde hier entweder den Weg zu den Sternen antreten oder hinausfinden. Nur gut, dass Melissa die Flucht geglückt war. Und wie sagte sie stets? "Lass dich nicht von der Angst lenken, bleibe bei dir, sei Arys." Doch wer war Arys, war es wert, Arys zu sein, bedeutete dieses Leben nicht einen Verlust nach dem anderen zu ertragen? Sich ihrem Selbstmitleid ergebend, drückte sie sich an die kühle Kerkerwand, versuchte ihren Kopf leer zu bekommen als ihre Hand die zarte goldene Kette erfühlte, Symbol der Alchemie, Symbol ihrer Bestimmung. Wie im Innen, so auch im Außen, Ursache und Wirkung, und sie leise in sich erinnerte sie sich an die tröstenden Worte Ama's. " Füchslein, eines Tages wirst du hinter die Sterne sehen können, besinne dich darauf und nimm jede Erfahrung die du kriegen kannst, denn sie sind die Stufen zur Erkenntnis. Ein Heiler kennt keine Grenzen, kennt keinen Krieg, er kennt nur das Leben." So hockte Arys weiter in der Ecke, noch nicht wirklich dem Leben zugewandt, zu schwer war ihr noch das Herz ob ihrer verlorenen Liebe.
Aus der Ferne näherten sich schwere Schritte und Arys blickte auf als jemand hereintrat.....



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Zuletzt geändert von Gast am Dienstag 13. September 2016, 18:25, insgesamt 3-mal geändert.
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Es geschieht sicherlich nicht alle Tage, dass ein Mensch durch gewisse Erlebnisse seine Jugend einbüßt, das Kindliche, Offene, gegen eine gehörige Portion Misstrauen, Enttäuschung und Vorsicht eintauscht. Einzelne Bilder fügten sich jetzt zu einem großen Ganzen zusammen, eine Landschaft entstand und Arys wusste nun zum ersten Mal wo sie sich wirklich befand.
Deutlich sah sie ihre Freunde, diejenigen denen sie vertrauen konnte, doch sah sie auch ihre Feinde, und jene, die nur sich selbst am nächsten waren. Zu den Letzten gehörte auch Will.
Arys bestieg das Schiff, sowie sie die Kerker Rahals verlassen durfte, stinkend, gedemütigt, nur mit einer Verwarnung und Strafe davon gekommen, dank dem Glück das ihr hold geblieben war. Allerdings würde man ihr auf die Schliche kommen, früher oder später, und sie musste somit
das alatarische Reich von ihrer Landkarte streichen. Entgegen all ihren Hoffnungen, dass ein Heiler Neutralität besäße, eine Art diplomatischen Status, zeigte sich, dass in einem solchen Land, in dem der Fanatismus die Oberhand hatte, keine Aussicht auf freies Leben bestehen würde. Arys lehnte an der Reeling, die Brise zerzauste ihr rotes Haar und endlich erhob sich die Insel aus dem Nebel. Noch am selben Abend stiefelte sie über die vom Salzwasser ausgeblichenen Planken der Pier und hielt Ausschau nach Melissa. Sie hatte sich entschieden.

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Wenn es drauf ankam, Düfte und Salben zu kreieren, Kräuter zu finden und jene entsprechend zu verarbeiten, konnte man der jungen Heilerin keinerlei Fahrlässigkeit nachsagen, kaum dass es jedoch an gewisse Tränke ging, begann sich das Blatt zu wenden. Es schien fast, als würden sich die verwendeten Reagenzien mit aller Kraft sträuben, sich in vorgesehenem Maße einzufügen, als würde der Geist der Reagenz noch nicht die Zustimmung gegeben haben, und somit den Erfolg vereiteln. Arys bemühte sich wirklich, sie öffnete gar das Fenster zu mitternächtlichen Stunde, ließ den Mond die Reagenzen silbrig bestrahlen, diese Prozedur mit Ehrfurcht und Zuneigung unterstützend. Doch kaum, dass das neue Gemisch auf dem Brenner, und kurz vor der Vollendlung stand, explodierte es und verteilte seinen Inhalt über den Raum und die Heilerin. Vorhänge, Teppiche, Kräuter und gar die junge Frau selbst waren von einem überaus hartnäckigem Violett bedeckt. Arys tastete sich ab, verletzt war sie diesmal nicht, keine Brand-, keine Schnittwunden, nur diese furchtbare Farbe die sich wohl vom Körper, jedoch nicht aus ihrem Haar entfernen ließ. Sie kassierte so manches Schmunzeln, manchen neckischen Blick als sie sich nach draussen wagte, doch trug sie es stoisch als Opfer der Alchemie und gab sich keine Blöße. Erst nach vielen violetten Tagen weckte Leo sie aus dieser seltsamen Lethargie, als er den Haarton mit 'rosa' bezeichnete. Rosa?? Es war violett, so war es ihr zumindest erschienen, rosa gehörte Prinzessinnen und adligen Jungfrauen, und plötzlich sehnte sie ihr naturgegebenes rotes Haar herbei. Sie suchte Pedro den cabezianischen Barbier auf, überantwortete ihm ihr Äusseres und konnte es kaum glauben, dass es diesem leicht ölig wirkenden Kerl tatsächlich gelang, das Violett anhand verschiedener Tinkturen aus ihrem Haar zu befreien, sodass schliesslich wieder das natürliche Rot zu Vorschein kam. " Wäre es grün, oder gar blau gewesen, Señorita, dann hätten wir eine Problema, sí." Und gab ihr diese Worte verwegen grinsend als eine Art Mahnung mit auf den Weg.
Zum Glück gab es wenig Reagenzien die blau oder grün explodieren könnten, grübelte Arys, band sich ein Tuch um den Kopf, so wie Lyvien es ihr geraten hatte, und machte sich wieder an die Arbeit.
Bald schon sollte die Heilerstube, das Nebelfeuer eröffnet werden, Seifen, Tinkturen, Salben, Räucherwerk, Duftöle und Tränke mussten bis dahin zu Genüge hergestellt sein.
Cabeza war nun ihre Heimat, ihre Zuflucht und ihre Hoffnung. Schon jetzt kamen Inselbewohner und ließen sich Messerstiche, Kratzer, Läuse und andere Kleinigkeiten versorgen. Sie schien gar soviel Vertrauen und Rebellisches an sich zu haben, dass sich manche mit kleinen Nöten an sie wandten, "Arys, mein Mann hört nicht auf mich zu Brei zu schlagen, weisst du einen Weg, wie ich ihn loswerden kann?" Das cabezianische Volk war zwar unberechenbar wenn man ihm die Freiheit rauben wollte, doch war es ehrlich, es heuchelte nicht, ließ lieber ehrlich die Fäuste oder Waffen sprechen. Mit dieser Art konnte der Rotschopf besser umgehen, hier zeigte wer Freund oder Feind war. Eine kurze Erinnerung an Vergangenes ließ ihren Gesichtsausdruck dunkler erscheinen, doch begann Arys die vielen Kräuter zu sortieren, Fläschchen und Behältnisse herbeizuschaffen. Der Herbst war da, noch blühte alles und wuchs, doch bald schon würde es kälter werden und Schnee die Erde in den Schlaf schicken.
Es gab noch so viel zu tun.....
Zuletzt geändert von Gast am Freitag 30. September 2016, 22:51, insgesamt 8-mal geändert.
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Früher oder später musste es so kommen, dass sie mit den härteren, unliebsameren Variationen der Inselbewohner zusammenstieß. So geschah es am Abend des 4ten Goldblatt, dass sie sich mit einem Messer am Hals wiederfand, einem Angriff aus dem Nichts, hervorgerufen, weil die Angreiferin entweder Auseinandersetzungen wie die tägliche Luft zum Atmen benötigte, ihr der nötige Verstand fehlte um Worte in die entsprechenden Kategorien zu fügen, oder aber schlichtweg ein brutales Miststück war, welches sich beweisen musste. Zwei sich schlagende Weiber am Feuer Bajards, begleitet von den geifernden Anstachelungen einiger grober Dummköpfe, denen nichts anderes einfiel, als die irre Angreiferin anzufeuern, nach Opfern und Blut lechzend. Arys schämte sich für solch eine Darbietung. Die Cabezianerin wollte ihr einen Denkzettel verpassen, ein " Ich zeig dir wo dein Platz ist, Mädel." Doch täuschte sie sich in der jungen Heilerin, die nicht umsonst Jahre mit den Fahrenden gezogen war. Dieser lag nichts ferner als Blutvergießen, doch verteidigte sie das Einzige war ihr noch geblieben war, ihre Freiheit und ihr Leben, mit allen ihr zur Verfügng stehenden Kräften.
Arys war sich sicher, hätte man sie töten wollen, wäre es auch gelungen, dies war eine Abreibung, eine Warnung lieber den Kopf zu senken, zu schweigen und sich ja nicht einzubilden, dazuzugehören. "Diesmal wird dich Lis nicht schützen können", kam es drohend und Arys entging um Haaresbreite der Faust, die ihr geradewegs die hübsche Nase brechen wollte. Nach einer gefühlten Ewigkeit, gingen die beiden auseinander, lebend und mit zornerfülltem Blick, die eine mit blutenden Schrammen und Leberschmerzen, die andere mit einem zünftigen Veilchen und schmerzenden Gliedern.
Der Traum von einer in Freiheit zusammenstehenden Gemeinschaft war wohl nur in ihrer naiven Vorstellung vorhanden. Arys nahm das Schiff und verbrachte den Abend ihr blaues Auge kühlend, zuvor jedoch ein Messer im Stiefelschaft, das andere hinter ihrem Taschengürtel verwahrend. Es war Cabeza, die Hure, das Piratenloch und kein himmischer Ort der sich Paradies nannte. Mal wieder bröckelte es um Arys herum, wo stand sie, wo war sie? Sie musste an Alanna denken, die junge Schwangere mit der scharfen Zunge, sie musste sie warnen vorsichtiger zu sein.
Dennoch machte sie sich Gedanken um die Rivalin, denn der Kerl mit dem sie fortging und dessen Blick von einer krankhaften Gier beim Anbick blutender Schrammen war, wirkte alles andere als vertrauenserweckend.
Arys erschauderte, doch war die Abneigung größer als etwaige Sorge und sie versperrte die Tür und ließ in dieser Nacht niemanden mehr hinein.

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Die ersten Sonnenstrahlen ließen die Wassertropfen schimmern und glänzen, wie tausend und abertausende kleiner Perlen bot die See heute ein ganz besonderes Schauspiel. Arys hatte die Nacht am Strand verbracht, als würde sich alles in ihr sich gegen Mauern und Türen stellen, heute Nacht brauchte sie die Weite des Himmels, einen Hauch des Unendlichen.
Ihr Blick folgte dem Flug der Schwalben, ihrem verspielten Segeln, den Drehungen und plötzlichem Richtungswechsel, einem Ziel folgend und dann wieder davon ablassend. Schwalben fliegen fort, doch sie kommen immer wieder, hieß es, doch Arys wusste es diesmal besser.
Die Erinnerung an den gestrigen Abend lag ihr noch schwer auf dem Herzen, ein Stein und noch ein weiterer flog durch die Luft und platschte, die Stille des Morgens durchbrechend, ins Wasser.
Die Sonne jedoch erhob sich als wäre nichts gewesen, sie stieg höher und höher und es wurde Tag. Ein Tag, der mehr an Überraschungen bringen sollte, als sie je zu träumen gewagt hatte.

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Zuletzt geändert von Gast am Montag 17. Oktober 2016, 11:44, insgesamt 3-mal geändert.
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Der Tag spülte einen Schiffbrüchigen auf die Insel, einen, der noch weniger besaß als sie. Aber er mochte Arys und sie ihn, und so sah man sie des Öfteren zusammen, ob nun angelnd, einander neckend ins Wasser werfend oder gar schimpfend, weil Arys an seinen Piratenmanieren das Ein oder Andere auszusetzen hatte. Er schien geradezu auf die Insel geworfen zu sein, nur um die Gedanken des Rotschopfs zu erhellen, abzulenken von den enttäuschenden Erfahrungen der vergangenen Tage und sie wieder zum Lachen zu bringen. Schiffbrüchig, was musste es für ein Gefühl sein, wenn das sichere, vertraute Schiff seinen Dienst versagte, wenn Wasser eindringt, alles durcheinander wirbelt, brach und jegliche Kontrolle verloren geht, wenn der einzige Weg der Sprung ins kalte Wasser ist, in die endlosen Tiefen und der Tod das einzig Sichere darstellt.
Arys bewunderte die Seeleute, ihren Mut und die Fähigkeit jeden Tag als einzigartig zu nehmen, denn schon der nächste konnte das Ende bedeuten.
Was war das nur in ihr, welches nach Beständigkeit suchte, was Vorhaben, Ziele, Freundschaften und Liebesschwüre nicht als Eintagsfliegen wünschte, sondern als festes Fundament. Und das obwohl es ersichtlich war, dass jeder sein eigenes kleines Leben lebte und sich nicht viel um seinen Nächsten scherte. War dieses Sehnen noch ein Restbestand aus ihrer noblen adoraner Kindheit, waren es die Vorsätze, die man ihr schon mit der Muttermilch eingeflüstert hatte. Zumindest verwirrte es den Rotschopf immer wieder von Neuem, als würde auch sie sich auf offener See befinden, inmitten eines Sturm der ihr Schiff, ihre Sicherheit jeden Augenblick mit in den tosenden Abgrund reissen könnte. Auf La Cabeza zeigte sich ihr eine andere Art des Lebens, eines, welcher der Gegenwart Aufmerksamkeit schenkte und weniger dem Morgen und Übermorgen. Vielleicht gab es einen Mittelweg, das volle Leben, dass einem nicht die Seele wegfraß? Sie würde es herausfinden, und so sah man Arys immer öfters an den beiden neuen Schiffen vorbeispazieren, diese tief in Gedanken betrachtend.

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Zuletzt geändert von Gast am Dienstag 25. Oktober 2016, 18:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Als ich einst Ama fragte, warum die Fahrenden so ruhelos wären, keinem festen Wohnort zustreben würden, da antwortete sie mit ihrem so eigenen Lächeln, dass das einzig Feste und Sichere die Seele sei, kein Heim, kein Leben wäre nötig um sie am Leben zu erhalten.
Und wie so oft, erinnerte ich mich ihrer Worte, so auch jetzt, als ich die Insel auf Immer verlassen hatte, fort von der rauhen Gewalt und der Unbeständigkeit. Wenn Freiheit gleichgedeutend war mit dem was sich dort zutrug, so war es gewiss nicht das, was ich von ihr erwartete, denn nichts Erhabenes, bis auf die ehrliche Freundschaft einiger Weniger, hatte ich dort finden können.
Die Erkrankung meines Bruders Gerald half mir den letzten entscheidenden Schritt zu tun, löste alle Verträge und ich wechselte von der Wärme der tropischen Insel in das kalte Spätherbstwetter des Festlandes und bezog ein zwar recht baufälliges, jedoch heimelig wirkendes Häuschen im adoraner Hafenviertel.
So war ich wieder zurück an meinem Ausgangspunkt, sicher, die Wohnverhältnisse waren deutlich anders, doch liebte ich die frische Seeluft, die den oftmals unguten Geruch des Hafenviertels fortnahm und mit ihrer salzig frischen Brise Hoffnung und Zuversicht verströmte.

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Zuletzt geändert von Gast am Mittwoch 16. November 2016, 14:38, insgesamt 1-mal geändert.
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Dieser Tage machte ich mich mit meiner Geburtsstadt bekannt, genoss die frühen Morgenstunden indem ich durch die noch stillen Gassen wanderte, hier und da ein Kräutlein und eine der letzten Blüten für meine Öle und Seifen fand. Frühmorgens noch ruhte diese große Stadt, nach und nach sah man seine Bewohner erwachen, die Bäckerei des Handelshauses verströmte den betörenen Duft von frisch gebackem Brot, hier und dort eilten Lehrlinge mit ersten Aufträgen von Bezirk zu Bezirk und es kehrte Leben in ein in die morgendliche Stille. Ich versuchte das Adoran meiner Kindheit wiederzuerkennen, doch hatte es sich nach dem Erbeben und der großen Flut so sehr verändert, dass kein Stein mehr auf dem anderen stand und unser ehemaliges Anwesen nicht mehr zu finden war. Ebenso verhielt es sich mit dem Schuldturm in dem Vater verstorben war und den Gebäuden meiner Kindheit. Es schien einem anderen Leben anzugehören, einem Leben, dem ich ohne brennenden Schmerz zu begegnen versuchte. Ama sagte stets:" Vergib deinen Feinden, doch vergiss nie ihre Namen." Und somit wandte ich mich meiner Gegenwart und der Zukunft entgegen.
Das kleine Hüttchen im Hafenviertel war wie gemacht für mich, fernab der noblen Gesellschaften mit einem Hauch endloser Freiheit, leicht mürben Wänden die schnurstracks mit etwas Schafswolle und Moos abgedichtet waren und meinem ersehnten Studierkeller, indem ich mich ohne Angst, das gesamte Viertel in die Luft zu jagen, verwirklichen konnte. Meine Tage verbrachte ich angelnd, Kräuter suchend, vereinzelt Tränke herstellend und genoss die Gespräche im Lehrhospital gleich nebenan. Welch ein Unterschied zu La Cabeza von Menschen umgeben zu sein, die einem zugetan und freundlich gesonnen schienen. Gespräche über Magier die sich in kleine Küken verwandeln konnten, über die Wirkungen einzelnder Früchte und Beeren und letztendlich das, was mich mit Neralon verband, schenkte meinem neues Leben ein gänzlich neues Licht.

Auch hatte Gerald, mein Bruder, das Schlimmste überstanden, kurierte sich und ich half soweit ich konnte seine Seelenpein zu lindern. Auch er würde es schaffen sich zurecht zufinden, die Zeit würde ihm helfen zu vergessen.

Ebenso war ich nun auch Jarik näher, wir trafen uns öfters auf ein Gespräch und unsere Freundschaft war ohne Makel, ich konnte mich glücklich schätzen, hatte er mich stets gestützt, mich sogar zum Teil in meinem Beschluss, die Insel zu verlassen, bekräftigt. Ich zählte ihn zur Familie, so wichtig war er mir geworden.

Bedauerlicherweise war das Verhältnis zu Alanna eingebrochen, denn wie so oft, stand sie ihrem Zukünftigen bei und legte meine Beobachtungen als 'böse Geister' aus. Vielleicht war es prinzipiell ein Fehler, gewisse Eigenarten der Paare zu impulsiv zu kritisieren, vielleicht wäre es besser in weiser Voraussicht einfach nichts zu sagen, jeden Einzelnen seine Früchte nach geraumer Zeit ernten zu lassen und dann sagen können 'Ich habs gesehen, doch wer traut sich da schon einzumischen...'
War sowas die Sackgasse "Ehe"? Entschuldigte man wirklich alles, verdrängte man jeden Kritikpunkt nur um die Harmonie nicht kippen zu lassen? Leid tat es mir um meine Freundschaft zu Alanna, aber sie hatte sich entschieden und konnte Zadrael's Eigenschaften besser tolerieren als ich. Nur ich ertrug ihn nicht, und so wurde zumindest dieses geregelt, anstatt gute Miene zum bösen Spiel machen zu müssen.

Dann war da noch der junge Inselschmied Philip, dem ich so viel zu verdanken hatte und von dem ich mich nicht persönlich verabschieden konnte. Ich hoffte ihn in den Bajarder Minen finden, ihm alles zu erklären und meinen übereilten und unangekündigten Auszug aus seiner Werkstatt endlich entschuldigen könnte.

Meine morgendliche Kräutertour war beendet und ich eilte heimwärts mit freudigen Gedanken, denn vielleicht war Neralon bereits wach und ersehnte meine Heimkehr .. der Winter würde wunderschön werden, mit eisbedeckten Seen, heißem Glühwein, Kaminfeuer und wunderbaren Gedanken.

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Zuletzt geändert von Gast am Mittwoch 23. November 2016, 13:44, insgesamt 1-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

Trotz des nahen Winters, des alten Häuschens, der rauhen Gegend, des strengen Windes, der stets vom Meer her wehte, schien es grad' keine schönere Zeit zu geben als diese im Hier und Jetzt. Vergangene Sorgen rückten in den Hintergrund, mein Herz öffnete sich wieder und mit einer wieder neu aufflammenden Lebensfreude teilte ich die Tage und Nächte mit dem Einen, der mich liebte und wollte, der es ehrlich meinte und all die Lügen der Vergangenheit als nichtig empfinden ließ. Zuerst vorsichtig, doch mit jedem neuen Tag mutiger schenkte ich Neralon mein Herz, so dass es nicht mehr einsam für sich allein zu schlagen schien, sondern zu zweit, in einem Rhythmus den ein jeder der einst geliebt hat, zu kennen weiss.
Er zeigt mir Adoran, so wie er es kennt, nimmt meine Hand und gibt mir Zuversicht, tauscht das Dunkel gegen Licht, was mich so lange Zeit gemieden hatte.
Zur Krönung meines Glücks, bot mir Malena, die Leiterin des Königlichen Lehrhospitals zu Lichtenthal an, meine Kenntnisse zu vertiefen, und Mitglied zu werden. Ich fühlte in mich hinein, zu einer Gemeinschaft zu gehören, deren Sinn die Heilung aller bedeutete, war mehr, was ich erwartet hatte. Hier würde ich Ama's Erbe anwenden können, es integrieren in das Wissen, welches mir bislang noch verwehrt geblieben war.
Einzig der Umstand, dass es der jungen Schülerin Amber so garnicht zu passen schien, dass sich meine Wege mit den ihren kreuzten, warf einen kleinen Schatten auf meine Freude. Aus unerklärlichen Gründen heraus, hasste und fürchtete sie mich. Leider waren das keine guten Voraussetzungen um in Eintracht zu heilen und zu lernen. Malenas' Bemühungen, diesen Umstand in Wohlwollen aufzulösen schlug fehl, Amber stellte sich stur und weigerte sich vehement weiter über ihr Problem zu sprechen, es endlich zu klären. Sicherlich, ich wusste nicht, was ich von diesem Mädel halten sollte, ihre Art sich schüchtern zu zeigen um im nächsten Augenblick eine dominate Seite zu offenbaren, verwirrte mich, ließ mich nicht wirklich an eine Amber glauben, die es mit allen gut meint.
Anstatt das Problem zu bewältigen, beschloß sie, das Lehrhospital zu verlassen, gab ihre Schlüssel ab und ward nicht mehr gesehen. Ich fühlte mich vor den Kopf gestoßen, hatte ich doch dieser Person nichts getan, ja kannte sie noch nicht einmal gut genug. Das sie meine Anwesenheit zum Anlaß nahm, ihre Lehrstelle aufzugeben tat wir leid, doch erfuhr ich erst später, dass es schon vor meinem Auftauchen Probleme gegeben habe, was mich letztlich etwas beruhigte.
Menschen sind eigenartige Geschöpfe, sie sind zu den wundervollsten Gefühlen in der Lage, doch kann es auch dunkel in ihren werden und jegliches Licht erlischt.
Zuletzt geändert von Gast am Mittwoch 7. Dezember 2016, 16:31, insgesamt 1-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

Schnee hatte sich wie eine weiche Decke über das Land gelegt, eisige Böen zogen durch die schmalen Gassen des Hafenviertels, das neue Jahr hatte Einzug gehalten. Zurückgezogen in unserem kleinen Häuschen, die Ritzen der Wände mit Moos versiegelt, genossen wir den Frieden dieser Jahreszeit. Wir ließen das Feuer des Kamins niemals ausgehen, Decken und Kissen unterstützten das wohlige Leben, hielten uns warm. Es war die Zeit der Geschichten und der Gespräche, als würden wir nicht müde werden mehr und mehr voneinander zu erfahren. Die Tage begannen mit heißem Tee und endeten meist ebenso, als wäre dies das Elixier für Gemütlichkeit ohnehin. Unsere Liebe wuchs, mal stürmisch und wild, dann wieder sanft wie ein seeliges Schneeflöckchen, alles war gut und Angst und Sorgen traten in den Hintergrund.
Die Arbeit im Hospital würde in diesem neuen Jahr weiter vorangehen, Lehrstunden würden abgehalten werden und ich würde womöglich die Abteilung der Geburtshilfe übernehmen können.
Alanna hatte sich endgültig entschlossen ihr Kind in Adoran zur Welt zu bringen und mich als Hebamme auserkoren. Anfänglich bereitete mir ihr Entschluss ernsthafte Gewissensbisse, denn diese Aufgabe war Melissa Leraund zugedacht worden. Diese jedoch ward nicht mehr gesehen, antwortete nicht auf Briefe und schien wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Alanna's Leib wölbte sich mit jedem weiteren Wochenlauf, Mutter und Kind schienen wohlauf zu sein und ich mittlerweile entschlossen genug, diesem Kind auf die Welt zu helfen. Lediglich der Vater Zaedrael lag mir weiterhin wie ein Stein im Magen. Einerlei aus welchem Blickwinkel ich diese Beziehung betrachtete, stets wünschte ich Alanna einen besseren Ehemann. Zaed war zuzutrauen im Eifer des Gefechts diese kleine Familie eher zu zerstören als sie zu beschützen, ich traute ihm einfach nicht mehr über den Weg. War ich ungerecht, schätzte ich ihn doch falsch ein? Alanna hatte sich entschieden und vielleicht bedeutete Freundschaft gerade in solchen Situationen füreinander da zusein und sich zu stützen. Doch konnte ich sie stützen ohne Zaed ans andere Ende der Welt zu wünschen? So hielt ich mich bedeckt und genoss stattdessen still die sanften Stunden mit Nera.
Doch dann machten auch vor uns traurige Botschaften nicht halt. Eine gute Freundin Neralon's hatte sich das Leben genommen, sich bewusst entschieden dem Pfad nicht mehr zu folgen, Freunde zurückzulassen ohne Trost und Hilfe einzufordern. Ein Schatten zog kurz durch unser kleines Haus. "Neralon, sag mir bitte, kann ich dir irgendwie helfen?"da lächelte er nur sanft, umarmte mich und sagte:"Bleib die Frau an meiner Seite."
Zwischen uns war alles so einfach, alles was wir benötigten war einander zu lieben und trotz der Trauer um die Freundin schaffte es kein Schatten düster in den Ecken zu verweilen.
Noch spät in der Nacht wurde nahe der Küste ein Licht entzündet.

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Gast

Beitrag von Gast »

Lange hatte ich nicht mehr an die Insel gedacht, den Spuk vergessen, doch als mir Alanna berichtete, dass Leo davon sprach, dass La Cabeza meinen Tod wünscht, versetzte es mir einen Stich und es schlich sich etwas wie Enttäuschung in mein Gemüt. Hatte er meine Loyalität vergessen, die Unterstützung die ich seiner Gefährtin gab, während sie mich im Stich ließ? Hatte er vergessen, wem ich es zu verdanken hatte, dass ich Cabeza verlassen wollte? War es einer rumgeschwängerten Tavernenrunde zu verdanken, der allgemeinen Ansicht, dass alle die fortgehen potentielle Feinde seien? La Cabeza stand für Verrat, Enttäuschug, Egoismus und Wahnsinn. Sie wollten meinen Tod? Wirklich? Vielleicht nicht alle, aber gewiss jene, die mich schon vorher vertreiben wollten, jene, die mich hassten, aus welchen niedrigen Gründen auch immer. Ich würde sie erwarten und ihnen ins Gesicht spucken. Aus Enttäuschung wurde tiefe Abneigung, ich versuchte diese beschissene Insel zurück in ihre Tiefen zu schicken, denn in mein Leben gehörte sie nicht.

Noch schien keine Zeit zum Sterben zu sein, zuviel Arbeit wartete, das Hospital brauchte mich, und ich sie, gerne würde ich mehr lernen und noch viel lieber den vielen Hilfesuchenden beistehn.

Auch musste ich mich um Alanna kümmern, ihr gut zu reden, ihr Kraft geben und sie an ihr wahres Potential erinnern, die Stärke in ihr hervorlocken damit sie gegen Zaed gewappnet war.

Zudem, zu sterben wäre das Dümmste was mir passieren könnte, nun, da ich Neralon gefunden hatte und endlich wirklich fühlte, was Zusammenhalt und Liebe bedeuten konnte. So trat ich vor unser kleines Haus, den Blick erhoben und den kleinen blinkenden Punkten entgegen blickend, bis sowas wie Ruhe und Frieden eintrat.

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