Mit einem dumpfen Geräusch schlug Adelena das Buch zu und lauschte einem Moment dem Widerhall in der großen Bibliothek.
Wiederwillig seufzend rieb sie sich an der Nasenwurzel, denn sie konnte sich einfach nicht mehr konzentrieren. Die Bibliothekarin bedachte sie mit einem bösen Blick ob des unerwünschten Geräusches, doch Adelena merkte es nicht einmal.
4 Wochenläufe war sie nun schon hier, schon einen ganzen Mond! Dabei wollte sie nur ein paar Abschriften haben für Ihre Studien, doch statt der Abschriften schickte man ihr eine freundliche Einladung. Es wäre äu0erst unhöflich gewesen sie abzulehnen und so begab sie sich auf Studienfahrt nach Alumens um dort in der großen Bibliothek der Hauptstadt selbst die Bücher zu wälzen.
In den folgenden Tagen und Wochen war sie akribisch die Bücher durchgegangen, welche die Gestirne behandelten und hatte sich das ein oder andere für nähere Studien heraus gesucht um sich selbst die wichtigsten Dinge abzuschreiben, wie die Zusammenhänge der Gestirne, die Laufbahnen, die historischen Erwähnungen, vermutliche Beschaffenheit und so weiter. Die Tage vergingen wie im Flug und sie kam auch wirklich gut voran, aber in letzter Zeit merkte sie, wie ihre Gedanken immer öfter und immer länger abschweiften und an die Familie dachten.
Wie es wohl Amelie und Zahrak ging, und ob wohl Nathelia noch weiter wuchs? Sie hatte kurz vor der Abreise einen ziemlichen Wachstumsschub gemacht und war nun auf dem besten Weg zu einer jungen Frau zu werden. Und sie vermisste natürlich auch Keylon ganz schrecklich. Er war sicher schwer beschäftigt mit dem Bau der Burg von Sir Thelor und den ganzen geplanten Änderungen in Kronwalden. Sie hatte sich nicht mal mehr im neuen Haus richtig einrichten können, da musste sie auch schon abreisen.
Noch einmal seufzte sie tief, was ihr ein strafendes Hüsteln der Bibliothekarin einbrachte und so stellte sie das Buch über die Wanderung der Gestirne am nördlichen Himmel wieder zurück an seinen Platz im Regal und packte so leise wie möglich ihre Notizen zusammen.
Es wurde Zeit, der Wahrheit ins Auge zu sehen! Sie hatte furchtbares Heimweh und es wurde bei aller Freundlichkeit und allem Wissensdurst nun doch Zeit nach Hause zurück zu kehren. Schließlich war es nirgends schöner als daheim, oder? Und vielleicht war ja ihr Vater auch schon wieder von seinen Reisen zurück? Es wäre schön, mit ihm mal wieder einen Abend zu verbringen. Aber Keylon vermisste sie von allen natürlich am meisten und er würde sich sicher riesig freuen, wenn sie endlich wieder da wäre. Aber es waren auch die vielen durcheinander plappernden Stimmen der anderen Salbergs in Amelies Wohnzimmer, das freundliche Lächeln von Taliana und die Herzlichkeit von Liliana, die ihr fehlten, ebenso wie die strengen Blicke des Präceptors oder die Befehle von Lady Helisande. Das alles war für sie mittlerweile "Heimat" geworden und je länger sie darüber nachdachte, desto mehr schmerzte es sie in der Brust beim Gedanken daran.
Also wurde das nächste Schiff nach Gerimor ausfindig gemacht und die Passage gebucht und sie freute sich schon riesig auf Zuhause… endlich wieder zuhause!!