Es war schon spät gewesen, die Sonne verschwand vor wenigen Augenblicken erst hinter dem Horizont und der Mond war schon gut zu sehen. Wolkenlos war diese Nacht in der man die Sterne mehr als deutlich erkennen konnte. Der laue Wind schlich um die Häuser Berchgards und hinterließ ein leises surren, welches man in einem stillen Moment der sonst gut belebten Handwerkerstadt vernehmen konnte. Auch viele Fledermäuse waren zu jener Stunde aus den Höhlen des Berges, welcher Hoch hinter der Stadt empor zog, geflogen und auf Futtersuche.
Von all dem bekam Sophia aber nichts mit. Den Kopf über den Schreibtisch gebeugt, die Hände von einem Schriftstück zum nächsten gegriffen, saß sie dort. Eine einzelne Kerze schenkte ihr wenig Licht um die Schriften noch identifizieren zu können. Seid wann habe sie das Schwert gegen ein Federkiel getauscht. War einer ihrer Gedanken als sie für einen Augenblick ihre Aufmerksamkeit zum Fenster lenkte, auf welchem der Mond einen Schein geschickt warf. Dann aber wieder zu ihrer Arbeit schaute, die Hände in die Haare fuhr und Grübelnd da saß. Es musste doch für all dies eine Lösung geben. Warum auch immer alle so Stur sein mussten. Ein verärgertes Brummen brachte sie hervor welches mit einem angestrengtem Seufzen und dem Niederlassen der Hände auf die Schriften endete. Abwechslung wäre das was ich mal wieder Bräuchte. Einfach für ein paar Tage weg von dieser Insel, weg von den Problemen und wen von diesem Rat. Wieder seufzte sie schwer und mit dem letzten Hauch dessen, löschte sie das Licht der Kerze. Ihr Heim war dunkel. Lediglich der Mondschein spendete ein wenig Licht um den Weg bis zum Keller zu finden in welchem ihr Schlafgemach lag. Stille brach kurz darauf ein und sie fand ruhe in etwas Schlaf.
Am nächsten Morgen, viel zu unruhig war die Nachtruhe gewesen, stand sie recht übellaunig auf.
Nach den morgendlichen Ritualen wie Waschen und etwas Essen dazu ein frischer Saft, war es ein junger Rekrut vor der Stadtverwaltung welcher ihren Unmut abbekam. Völlig Hilfesuchend wusste der Arme nicht einmal was er falsch gemacht haben könnte und verbrachte den Rest seines Dienstes mit niedergeschlagener Miene. Im Schreibzimmer schaute sie über die jüngsten Dokumente, eine Bürgerschaft jagte die nächste worauf abermals eine folgte. Sie griff nach ihrer Waffe, dem Federkiel, und fing an los zu schreiben. Schließlich musste ja alles genaustens Dokumentiert sein.
Eine Unachtsamkeit führte auch noch dazu dass das Behältnis mit der Tinte umgestoßen wurde und über die jüngst geschriebenen Dokumente floss. Alle waren ruiniert und ein lautstarkes Brummen kam aus dem Schreibzimmer. Erbost über ihre eigene Ungeschicklichkeit verleitete sie dazu die Faust stark auf den Tisch zu donnern, mitten in die Pfütze der Tinte. Noch lauter wurde das Brummen woraufhin sie auf stand und den Raum verließ.
Heute wollte auch nichts gelingen, so schaffte es ihr ungestümes Verhalten das ihr ein Unglück nach dem nächsten widerfuhr. Sei es dass ihr beim anzünden einer Kerze der Wachs auf das Kleid tropfte oder ein Bücherregal komplett geleert wurde nachdem sie versuchte sich lediglich eines zu nehmen.
Eines war gewiss, die brauchte einmal Feinzeit für sich, fern ab von all dem hier.
Die Woche neigte sich dem Ende zu und kurzerhand entschloss sie sich davon zu stehlen. Ganz früh am Morgen, kaum dass die Sonne es wagte ihre Strahlen über die Berge zu werfen, packte sie die Taschen und belud ihr Pferd. Ihr Ziel, der Hafen Adorans. Den Wachen die sein Fragten sollten, wohin die Reise gehen solle, entgegnete sie lediglich mit den Worten Nur für zwo oder drei Tage Weg und mit einem lächeln winkte sie dann beiläufig verabschiedend.
So schaffte sie es fast unerkannt und ungestört ein Schiff zu betreten und mit jenem in See zu stechen. Ein neugieriger Soldat kann vielleicht in Erfahrung bringen dass das Schiff Richtung Festland Segeln wird und binnen sieben Reisetage dort ankommen wird. Eine Rückreise wird eben so sieben Tage in Anspruch nehmen.
Dennoch liegt keinerlei Schreiben oder ähnliches vor, welches das kurzzeitige verschwinden der Ritterin erklären würde. Außer bei einer Person, Thelor hat eine recht unscheinbare und nichtssagende Nachricht auf seinem Schreibtisch liegen, lediglich die Unterschrift darauf deutet an von wem sie stammt.
Meinen Gruß, Sir Thelor.
Ich entschuldige mich für diese recht spontane Entscheidung doch sehe ich sie als dringend notwendig.
Ich werde für einige Tage auf Reisen gehen um wieder einen Freien Kopf zu haben.
Wann ich wieder kommen werde ist leider noch nicht ab zu sehen, denn die Schiffsreise wird einige Tage in Anspruch nehmen.
Ich bitte Euch daher die anfallenden Bürgergespräche vielleicht direkt an die Vogtin von Thronwall weiter zu leiten, damit jene bearbeitet werden können.
Möge Temora Euch stets schützen.