Es war kein besonderer Tag. Er war weder besonders kalt, heiß, stürmisch oder schön. Ein ganz normaler Tag im Dorf auf dem Berg Arnfinn. Die Anwohner gingen ihrer Arbeit nach, ein paar Männer waren auf der Jagd. Doch Brimyr, ein Schwert des Rudels, blieb an diesem Tage zurück. Sein Weib, Utha, lag schon seit den Morgenstunden im Geburtsbett. Der Sohn wurde schon früh hinaus geschickt, Brimyr und Utha benötigten nicht noch einen um sie herum – es genügte schon der Kräuterkundige. So war der 6 Jahre alte Steyn außen beschäftigt mit einem Stock Kreise in den Boden zu ziehen, während er auf einem Fass saß. Was da drinnen geschah wusste er gut, er war schon bei vielen Geburten vom Vieh dabei. Doch als eine neue Stimme auf der Welt erhoben wurde und all die schweren Stunden hinaus schrie, konnte er sich nicht mehr auf dem Fass halten und irrte vor der Tür auf und ab. Es dauerte noch gefühlte Stunden bis der Kräuterkundige ging und Steyn hinein durfte. Brimyr saß an Uthas Fellen, ein kleines Bündel lag in ihrem Arm. „Komm' her.“, erklang die tiefe Stimme des Vaters und er winkte den Sohn zu sich heran. Und da erblickte er sie. Das zerknautschte Gesicht, die Augen noch zugekniffen, nur hellen Flaum auf dem Kopf. Doch ein seltsames Gefühl breitete sich in ihm aus. „Das ys dey Sisstr. Dey bist nun ein großer Brottr, weißt dey was das heißt?“, er wartete die Antwort nicht ab und sprach gedämpft weiter: „Dey musst auf sey Acht geben, dey Leben lang.“ Das hätte sein Vater ihm nicht sagen müssen, bei dem Blick auf seine Schwester hinab, schwor er sich in seinen jungen Jahren schon etwas mit seinem Leben zu beschützen. Mit seinem Vater ging er danach in den Wald und beobachtete ihn wie er ein Loch unter einem alten Baum aushob, mit seinen blanken Händen. Schweigend half er ihn, denn verschwiegen war auch der Vater. Steyn war klug, er wusste was da im roten Bündel war und er wusste auch das sein Vater den Geistern danken und ehren wollte indem er es hier vergrub. Als das Loch wieder zugeschüttet war, blieb Brimyr noch auf den Knien sitzen und lauschte mit geschlossenen Augen dem Wind der in den Blättern des Baumes leise rauschte. Sein Sohn ließ ihn erst einmal allein.
„Mey hatte das Gefühl, also was syehst dey.“, brummte Brimyr wenige Tage darauf zur Schamanin. Wenn sie da war, war das Haus immer voll mit Räucherwerk. So stark das es in den Lungen brannte. So ging Utha mit ihrer Tochter hinaus und etwas spazieren. Brimyr bewunderte sein Weib, sie war ein Clansschwert, doch selbst dafür war sie sehr stark und überstand die Geburt – wie die Erste – als wäre es nicht der Redewert. Die Schamanin brummte etwas in ihre faltige Haut und holte ein paar Knochen heraus. Noch einmal wurde Rauchwerk entzündet, dann raschelten die Knochen in ihren Händen und sie ließ sie los. Sie rollten über den Boden, zwei sprengten zur Seite ab und landeten weit außerhalb der anderen Knochen. Langsam hob die Schamanin den Blick von einen der Knochenstücke an, über Steyns Füße in sein Gesicht. „Nicht dey wird sey rufen.“ Kam es dann zu Brimyr und die weisen Augen sahen zu ihm zurück. „Dey Kinder werden es seyn.“ Da sank der breitschultrige Krieger auf den Hocker hinter sich. Die Schamanin sammelte die Knochenstücke ein und verteilte erneut Rauchwerk in dem schon zugeräucherten Haus. Dann zog sie ein Fenster auf und ein Wind strömte in den Raum hinein. Sie betrachtete die Schwaden wie sie sich bogen und drehten. „Aye. Die Dame im Wind wird ihnen den Weg weisen. Eyne große Ehre.“ Steyn hörte dies alles, er kannte auch die Geschichte der Dame im Wind und ihre Führung, die Einzelne in das Land ihrer Ahnen zurück bringt. In das Land, dass die Balronfürsten und Alatars Schergen ihnen nahm. Brimyr nickte die Worte ab.
Der erste Weg
„Beweg dey!“, blaffte der 12-Jährige mit dem Stock in der Hand. „Du bist zu schnell!“, hechelte sie hinterher und da drehte er sich herum und sah sie wütend an: „Frowe, wenn dey nuad mithalten kannst. Dann sag nicht mey soll dey immer mitnehmen!“ Das Mädchen mit den weißblonden Haaren, welches zu kunstvollen Zöpfen geflochten war machte halt und stemmte die Hände in die Hüfte. „Wenn des mey nuad mitnimmst dann sag mey das Mah!“ Auf die Worte drehte sich ihr Bruder herum und schlug mit dem Stock ein paar hohe Grashalme weg als wären sie der Feind. Sie wanderten höher auf die Hänge des Arnfinn. Steyn hatte einen geheimen Ort entdeckt, ein Quell der aus dem Stein schoss. Doch mit seiner Schwester im Anhang war es eher ein lästiger Weg. „Schau mal! Wie schön!“ Da rannte Frowe an ihm vorbei und ließ sich in der Mitte einer Wiese sinken. Umringt von Bergblumen begann sie diese zu einem Kranz zu machen. „Für den Weiberkram hab ich jetzt keine Zeit!“ - „Bääääh“, bläkte sie ihm die Zunge raus und ließ sich nicht weiter beirren. Wieder schnaubte der große Bruder genervt auf, wie schon so häufig auf dem Weg hinauf und erkundete daraufhin eher die nahe Waldgrenze. „Schau mal!“, rief sie plötzlich auf und rappelte sich auf ihre Füße. Freudig rannte sie zu ihrem Bruder hinüber. „Schau mal wye hübsch der ys!“ Sie präsentierte ihn den Blumenkranz und wollte diesen ihm direkt aufsetzen. „Der ist für dey! Damit dey nuad so böse auf mey bist.“ Kurz blieb Steyn stehen, ehe er den Kranz nahm und neben sich wegwarf. „Das ys Weyberkram! Mey bin ein Kerl!“, rief er nun wütend. Das kleine Gesicht sah ihn einen Moment stumm an, ehe die Tränen ausbrachen. Sie drehte sich herum und rannte quer über die Wiese den Weg zurück nach Hause. Eine Zeitlang sah er ihr nach und blickte dann zu dem Blumenkranz hinab.
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Die Arme der Mutter schlossen sich um sie, als sie sich ausweinte. „Scht.. erzähl' doch erst einmal was los ys.“ Die kräftigen Hände schoben ihre Schultern etwas zurück und das geliebte Gesichter wurde betrachtet. „Tränen lassen dey schwach wirken. Dey bist eyne Wikrah.“ - „Aber er war so gemein!“ Da öffnete sich auch schon die Tür des Hauses und Steyn trat herein. Im Hintergrund war Gelächter von Jungen zu hören, ehe die Tür zugeschoben wurde und das Gelächter verstummte. Die Mutter, die zur Tür gedreht war, lächelte. Dann nickte sie zu Frowe hinab. „Sieh' mal.“, und ohne zu Wissen was vorgefallen war, löste sie die Arme von der Tochter und kümmerte sich um das Abendbrot. Frowe drehte sich zur Tür herum und als sie Steyn sah weiteten sich die Tränen unterlaufenen Augen. Er hatte den Kranz genommen, an einer Stelle gelöst und um seinen vorderen Gürtel gebunden. „Lachen sie über dey?“ - „Ys doch egal.“, brummte er zu ihr. Da stürmte sie voran und umarmte ihren Bruder. „Mey zieh' ihn aber nuad auf meinen Kopf.“, machte dieser deutlich als er die Arme um sie legte. Dann nahm er ihren Kopf und legte seine Stirn gegen ihre. Die dunklen blauen Augen, die Frowe immer an einen Ozean erinnerten, sahen in ihre nahen Augen. Ihre waren hell, so blau und hell wie der Himmel. „Der Himmel berührt den Ozean immer über den weiten des Meeres.“ - „Und so werden auch wir immer zusammen gehören.“
Dann löste der Bruder den Griff und gab ihr einen Stoß gegen die Schulter. Sie kniff die Augen zusammen, ließ sich aber sonst den leichten Schmerz nicht anmerken. „Setzt euch und esst.“, unterbrach die Mutter die Beiden dann doch. Wie gerufen kamen schwere Schritte durch die Tür. Ein Hase wurde an der Feuerstelle abgelegt und die Mutter erhielt einen Kuss vom Vater. Dann saß die Familie zusammen.
„Was ys denn das um dey Gürtel, Steyn.“, kam es mit tiefer Stimme vom Vater zwischen zwei Bissen. „Ein Geschenk von Frowe.“ Da nickte der Vater es ab. „Guad, sonst hätte mey nun gezweifelt.“, feixte der Vater und stieß den Sohn rau gegen die Schulter. Dieser nahm die Herausforderung an und ein Gerangel ging los. Nachdenklich betrachtete Frowe dieses Schauspiel, dass sich häufiger abspielte – bis Brimyr keine Lust mehr hatte und Steyn einfach beiseite stieß. Er wurde ausgelacht.. da rappelte sie sich auf und ging zur Truhe mit den Leder und Stoffstücken hinüber. „Was suchst dey?“, fragte die Mutter. „Einen langen Stoff der für einen Gürtel reicht. Und.. grauen Faden.“ Die Mutter legte ihr alles hin und betrachtete kurz nachdenklich ihre Tochter. Sie hatte sie noch nie so ehrgeizig gesehen. Bisher hatte sie zwar immer im Haushalt geholfen, sich um das Vieh und das Essen mitgekümmert, aber nun leuchteten ihre Augen.
Frowe arbeitete bis in die Nacht. Bis das laute Schnarrchen ihres Vaters alle Bäume in der Umgebung absägte. Die Kerze beschien ihre erste Arbeit, bis sie zu müde war um den Faden zu sehen: Ein Gürtel aus grünen Stoff, der Anfang einer Stickerei wurde gesetzt. Am nächsten Morgen, nachdem sie schnell das Frühstück hinein spachtelte, bat sie ihre Mutter heute weiter zu machen. „Erst wenn dey das Vieh gefüttert hast.“, kam es daraufhin schlicht. Die Männer zogen los auf die Jagd, Steyn hatte die mittlerweile verwelkten Blumen noch immer um seinen Gürtel hängen und dies freute Frowe. Als das Vieh endlich gefüttert war, setzte sie sich wieder an die Arbeit. Bis zum Abend saß sie an dem Gürtel, die nachdenklichen Blicke der Mutter im Nacken. Als die Männer zurück kehrten, rannte Frowe Steyn entgegen. „Sieh mal!“, kam es stolz und sie reichte ihm den eingerollten Gürtel. Mit nachdenklichen Blick entrollte Steyn den Gürtel, dann staunte er. Ebenso wie der Vater. Auf dem schlichten grünen Stoff windeten sich Bergblumen, wie sie im Kranz verarbeitet wurden in verschiedenen Grausilbertönen. „Das ys..“ - „Nun musst dey dye Blumen nuad mehr um dey Gürtel tragen, sondern hast sey direkt darauf! Und keiner lacht dey mehr aus.“ Brimyr strich seiner Tochter über das Haar. „Das ys eyne guade Arbeit.“ Daraufhin kam auch Steyn wieder zu Worte. „Aye, das sieht toll aus. Danke Frowe.“ Und so löste er direkt vor Ort seinen bisherigen Gürtel und legte sich den grünen um. „Und?“ - „Hübsch!“, kam das Urteil der Schafferin und sie lachte glücklich.
Am Abend schlief Frowe schnell ein, die lange Arbeit an dem Gürtel und die wenigen Stunden Schlaf der letzten Nacht waren ausschlaggebend dafür. So hörte sie nicht das leise Gespräch der Eltern.
„Frowe, mey werde dey heute zu Ine bringen.“, stutzig sah sie von ihrem Morgenbrot auf. „Ine? Wieso?“ Der Vater nickte die Frage nur ab. „Das wirst dey schon sehen.“ Und so ließ er sich auch auf keine weiteren Fragen mehr ein. Nach dem Frühstück durchschritten sie das kleine Dorf und klopften an den Türrahmen eines schlichten Holzhauses ehe sie eintraten. „Ine?“ Diese saß an einem Tisch über mit Lederlagen und Fellen. „Ach, was kann ich denn für euch Beide tun?“ Das folgende Gespräch verfolgte Frowe nur halb, sie war fasziniert von den verschiedenen Stofflagen in der Ecke des Hauses. „Frowe, dey bleibst heute hier und schaust dey einmal an was Ine macht.“, da schreckte sie auf und nickte zum Vater hoch. „Gern! Danke!“ - „Na dann komm' mal her.“, Ine lächelte ihr zu und winkte sie zu sich. Wissbegierig zog Frowe alles ein was Ine ihr erzählte. Und am nächsten Tag kam sie wieder und den darauf folgenden.. ihre Ausbildung hatte begonnen.
Der Scheideweg
Laut war es. Gröhlend. Die Tropfen Met an die Ahnen stiegen in Dampfschwaden gen Decke des Langhauses. Sie feierten nach einer großen Jagd die Geister des Waldes. Die jährliche Jagd war erfolgreicher als sonst und würde ihnen gut über den Winter helfen. Frowe war eine Frau geworden. Ine, die in die Jahre gekommen war, nahm sie immer mehr Arbeit ab. Steyn war schon lange ein Mann geworden. Den grünen Gürtel band er bei seinem ersten Schwert um seine Schwertscheide, er war irgendwann zu klein geworden für die Hüften. Der Gürtel war schon verschlissen, von all den Jahren, doch er nahm ihn nicht ab. Umwickelte stets die Schwertscheide mit der er loszog damit. Er brachte ihr das Kämpfen bei – oder eher, versuchte es. Sie war nicht sonderlich gut am Schwert. Das erkannte auch Steyn schnell. Sie blieb kleingewachsen, war nicht so muskulös und trainiert wie ihre Mutter. Das Einzige wo sie passabel war, war der Bogen. So fixierte sich Steyn irgendwann in seinen Übungen mit ihr auf diesen. Bis sie irgendwann - sie war vielleicht 16 - ihr erstes Wild schoss. Ein seltsamer Moment, sie wusste zwar wo die Felle und das Leder herkam, sah auch schon Vieh von ihrem Vater schlachten. Doch selbst es zu schießen, war wieder etwas anderes. Damal sank sie neben dem Tier nieder, dankte ihm.. dankte den Geistern für die Gabe und versprach, nichts zu verschwenden.
Nachdenklich betrachtete sie ihren Bruder in der Gruppe der Männer, wie sie riefen und grölten. Er hörte die Dame im Wind, sagte er. Er würde gehen, wusste sie. „He! Frowe.“, ein verschmitzten Lächeln wurde ihr geschenkt. Die Worte von Ratar zogen sie aus den Gedanken. „Was gibt’s?“, sie drehte den Kopf zu ihm herum. „Hast aye gar keyn Met mehr.“, die nuschelnde Stimme sprach dafür das er zu viel hatte. Lächelnd betrachtete sie ihren Krug, er war noch halbvoll. "Geht schon." Kaum waren die wenigen Worte gesprochen, schob sich eine massige Schulter vor Frowe zu Ratar zeigend. „Alles guad hier?“, Ratar wich in seinem angetrunkenen Zustand zurück als Steyn sich vor im aufbaute. Er hatte schnell den Respekt alle jungen Kerle im Dorf erlangt. „Alles guad! Habn nur geredet.“
„Das stimmt.“, kam es ruhig an Steyns Rücken hoch. Ratar verschwand und der Bruder drehte sich zu ihr herum.
„Unnötig“, urteile Frowe.
„Ach?“
„Aye.“
„Und was ys wenn er..“
„Hat er nuad .“, kam es genervt.“
„Und wenn..“, er wurde unterbrochen.
„Hat er aber nuad.“
„Ach.“, er war weniger überzeugt davon.
„Steyn. Ich bin alt genug.“, sie löste sich von dem Holzbalken an dem sie stand.
„Und außerdem.. gehst dey doch oder? Also kannst dey eh nicht mehr auf mey aufpassen.“ Mit den Worten verließ sie das Langhaus und trat in die Nacht hinaus. Eine Hand griff sie außen am Oberarm und sie wurde zurück gedreht. Ein ernster Blick aus den geliebten dunkelblauen Augen traf sie. „Woher weißt du das.“
„Wir sind eins.. weißt dey nuad mehr?“, da kämpfte sie schon mit den Tränen. „Mey sehe doch deyn Blick über die Weiten. Sehnsucht und doch Schmerz.“ Er atmete tief durch: „Sey rief mey, aye. Doch mey kann nicht im Winter die Reise antreten... Doch im Frühjahr, werde mey gehen.“ Auch wenn sie es schon wusste, schmerzten diese Worte sie. So löste sie sich von ihm und ging in die Nacht hinaus.
Der Winter ging schneller rum als jeder andere Winter zuvor in ihrem Leben. Und bald darauf begleitete sie ihren Bruder zu den Schiffen. Er griff nach ihrem Nacken und ihre Stirne wurden aneinander geschlagen als er in die hellblauen Augen sah:
„Der Himmel berührt den Ozean immer über den weiten des Meeres.“
„Und so werden auch wir immer zusammen gehören.“
Sie sah ihm nach, er sah zurück. Selbst als das Schiff nicht mehr zu sehen war, stand sie da. Die Tränen ließ sie einfach laufen. Es war ihr gleich wer sie so sah. Sie konnte jetzt keine Stärke mimen. Ihr Herz wurde in Zwei gerissen. Sie war zu jung für die Fahrt, dies war das Urteil ihrer Eltern. Sie hasste ihr Leben..
Ihr Weg über das Meer
Die Leere konnte nichts füllen. Keine Arbeit, keine Liebe der Eltern, keine Annäherungen der Männer. Sie ließ Niemanden an sich heran. Nur in den Armen ihrer Mutter vergaß sie für Augenblicke die Realität. Ihre Arbeit wurde schlechter. Die Dorfbewohner kamen zurück, mit offenen Nähten und gerissenen Lederbändern. Sie hatte nun selbst einen Lehrling - Haldis, Ine war zu alt für die Arbeit geworden. Frowes Entschuldigungen für die Fehler wurden irgendwann zur Routine. Sie bemühte sich mehr um die Lehre, keiner ihrer Stücke bereitete ihr noch Freude. Im Frühling darauf übernahm Haldis dann die meiste Arbeit und Frowe zeigte ihr nur noch etwas wenn sie nicht mehr weiter wusste. Sie kümmerte sich nun um das Gerben. Eine eklige, stinkende Arbeit. Doch ihr war es gleich. So ging sie eines Tages auch mit den frischen Fellen der Tiere aus dem Dorf heraus. Die Gerberstände waren weit weg davon, da es sonst zu sehr roch. Nach der getanen Arbeit, zog es sie tiefer in den Wald. Sie legte ihre Kleidung ab und stieg in den kalten Bergsee der aus einer Quelle des Arnfinn entsprang.
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Einen Moment blieb sie im seichten Wasser sitzen. Über ihr der Himmel, der See unter ihr. Und da weinte sie wieder, nachdem sie schon lange aufhörte damit und sich schwor nie wieder wegen ihrem Bruder zu weinen. Nach den ersten Tränen, sah sie um sich. Ein Wind durchzog den Wald. Irgendetwas ließ sie lauschen. Rauschend war es zwar, doch auch als würde sie gerufen werden. Spielte ihr ihre Sehnsucht einen Streich? Doch als das Flüstern lauter wurde, war es deutlicher für sie. Die Dame im Wind rief sie! Aufgeregt eilte sie nach Hause an diesem Tag, der alte Glanz stand in ihren Augen. Sie berichtete von dem Flüstern. Die Weissagung der Schamanin vor 23 Jahren bewahrheitete sich also. Brimyr und Uthas Tochter folgte 3 Jahre später, mit 23 Jahren ihrem Bruder Steyn in das Reich das einst ihre Ahnen bewohnten.