.... der silberne Bach

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Gast

.... der silberne Bach

Beitrag von Gast »

Der silberne Bach schlängelte sich leise gluckernd durch das friedliche Wäldchen in dem alles seine verdiente Mittagsruhe zu halten schien. Selbst der Specht hielt inne, sodass lediglich das Surren der Insekten zu hören war und die Welt in einen schläfrigen Bann zog. Die Sonne stand hoch, ihre warmen Strahlen sogar das tiefste Dickicht zu durchfluten anstrebten, einem jedem gewollt oder ungewollt die Botschaft des Sommers überbringend.
Johanna hatte ihre kleine Handaxt ins warme Gras sinken lassen und es dauerte garnicht lange, bis sie sich ebenfalls verschnaufend niederließ. Dieser schmale Waldrand erinnerte sie an ihre Heimat, dort, wo die Hütte ihrer Zieheltern stand, die Bognerei die ihr so viele Jahre ein Zuhause gewesen war. Ihr Blick schweifte versonnen über das hohe Gras, die Sonnewärme fühlend. Es war zu heiss zum Holzhacken, zu heiss zu irgendwas.. nur hier im Gras liegen, am Waldrand, den Duft und die Töne aufnehmend, nur das schien letztlich wichtig, Meister Othis würde es sicher verstehen, auch wenn der Bestand an Birkenholz geschrumpft war, würde er einsehen, dass es wichtigere Dinge gab als an einem heissen Sommertag wie diesem zu arbeiten? Sich so ihren trägen, wohligen Gedanken hingebend, ließ sie alles zurück was den Wohlklang des Augenblicks entweihen konnte, lediglich die guten und sanften Gedanken zulassend. Gedanken an Bejalt zum Beispiel, oh dieser Barde, wie sehr vermisste sie seine Blicke, seine Worte und Lieder, und wie sehr hatte sie sich gegen ein solches Gefühl doch zu Beginn zu wehren versucht. Doch war es schön sich treiben zu lassen, dahinzuplätschern wie der silberne Bach, selbst zum Bach werdend und frei und voller Lebensfreude die Welt entdeckend. Mit Bejalt schien dies möglich, denn auch er glich dem silbernen Wasser, seine Lebensfreude aus der Bewegung und dem Luftigen ziehend. Würde er bald wiederkommen, sie suchen?
Johanna's Gedanken schwebten hin und her, ein stückweit in die Vergangenheit, dann wieder nach vorn. Würde sie ihre Familie finden, die Herkunft ihres Namens? Würde ihr gefallen was sie entdecken könnte, würde sie weglaufen können, was wenn....
Da durchschnitten Rufe und das Gallopieren Berittener die verträumte Stille des Waldrandes. Geistesgegenwärtig packte Johanna die kleine Axt und zog sich rasch hinter das Gebüsch zurück, den aufgeregten Reitern nachblickend, sich bewusst werdend - es war Krieg!
Den schmalen, sicheren Pfad durch das Wäldchen nutzend, eilte sie zurück zur Freien Handwerkszunft, immer wieder den Blick wendend, ja nicht den rahaler Reitern in die Hände fallen wollend und den Schritt erst verlangsamend, als die Mauern des Hauses in greifbare Nähe rückten.

[img]http://i187.photobucket.com/albums/x177/GaidaO/sommer.jpg[/img]
Zuletzt geändert von Gast am Montag 4. August 2014, 21:28, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Gast »

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Zuletzt geändert von Gast am Montag 16. Mai 2016, 17:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Gast »

Sie wusste nicht wie lange sie der Wald gefangen gehalten hatte, waren es Wochen, Monde? War der Krieg vorbei? Die schiere Vorstellung, dass sie von wilden Tieren gefressen und einsam sterben müsse, hatte dem Mädel die Kraft verliehen, ihre Axt nicht aus dem Händen zu legen. Die Götter hingegen schienen zusätzlich schützend ihre Hand über die junge Frau zu halten, sodass ihr Schlimmeres als Angst und Hunger erspart blieben. Erdlöcher, gefüllt mit trockenem Blattwerk boten ihr Schutz für die Nacht, Schnecken, Wurzeln und anderes Gewürm füllten ihren stets leeren Magen und hielten sie wohl am Leben. Die Tage wurden zunehmend wärmer, trotzallem plagte Johanna ein arger Husten, so schlimm, dass sie befürchtete, die wilden Tiere des Waldes anzulocken. Da trug es sich zu, dass der Holzfäller fand, ein alter Mann, kaum noch in der Lage sein Bündel Astholz zu tragen. Er führte sie zu sich heim, gab ihr zu essen, zu trinken und ließ sie zu Kräften kommen, um ihr schliesslich den Weg nach Bajard zu zeigen.. würde Meister Othis sie noch erkennen, noch als Lehrling wollen? Würde sie noch Schreinerin sein wollen, je wieder Bäume und den Wald lieben können?
Mit diesen Gedanken trug sie sich, als ein furchterregend gekleideter Mann ihr einen Heiltrank schenkte, sie von ihrem Husten erlöste und ihr etwas zu Essen spendierte. Sehr wohl wusste sie was Diener Krathors sind, und trotzdem machte sie dieser Mensch neugierig, auch wenn ihr Herz vor Furcht pochte und ihre Hände kalt werden ließ.
Er ließ sie am Leben, nahm nicht ihre Seele, noch nicht.
Zuletzt geändert von Gast am Montag 25. Juli 2016, 23:16, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitrag von Gast »

Die Tage konnten derzeit nicht schöner sein, es schien ihr Alles nur so in den Schoß zu fallen und sie erlebte diesen Frühling in all seiner Lieblichkeit. Die Tage im Wald erfrischten ihr Gemüt, vergessen war die Zeit der Irrungen und Wirrungen. Fleissig studierte sie die Hölzer, beobachtete Othis und lernte von ihm. Doch war da nun auch Harrald. Ein Bogner aus dem fernen Land Fenyz, jenseits des Meeres im Westen. Sowie sie sich getroffen hatten, vermochte Nichts und Niemand die beiden zu trennen, selbst Meister Othis warnenden Worte verblassten, sowie Johanna den Bogner wiedersah. Von ihm lernte sie nicht nur die Bognerkunst, sie lernte über Köder, über das Angeln, sie lernte wie es war mit einem Mann einfach nur übers Meer zu blicken und was vielleicht am wichtigsten war, sie lernte langsam wieder sich wie eine junge Frau zu fühlen.
Sie beide schmiedeten Pläne, seine liebevolle, unkomplizierte Art gab ihr Zuversicht, Vertrauen, dass sie vorerst verschnaufen könne. Und doch hielt sie insgeheim Ausschau nach wonach es sie so dringend verlangte, ihren wahren Wurzeln. Harrald entsprang einer Bognerfamilie, ihm war es in die Wiege gelegt worden, er war der Bogner der er sein wollte. Doch wie stand es um sie? Wer waren ihr Vater, wer die wahre Mutter, was stand in ihrem Blut geschrieben? Mit jedem Pfeil den Johanna fertigte, wuchs die Gewissheit, dass ihr Schicksal noch anderes bereithielt, Unentdecktes und Wichtiges. Sie fürchtete es und doch zog es sie unwillkürlich voran, sie wusste, dass sie erst ruhen könne, bis sie gefunden hatte, wonach es sie so sehr verlangte. Immer wieder fragte Johanna vorsichtig nach dem Namen "Silbergut", doch alles was sie erntete, war ein Kopfschütteln und Schulterzucken. In welchen Teilen Gerimors sollte sie suchen, im Lichten oder gar im Alatarischen? Warum hatte man sie ausgesetzt, warum, ihr das Taschentuch mit dem Namenszug mitgegeben? Ein Hinweis, eine Hoffnung die dem Kinde geschenkt werden sollte? Johanna hatte sich mittlerweile gänzlich in diesen Gedanken verloren und lehnte sitzend an einem Baum im Walde. Der Nachmittag warf seine schon länger werdenden Schatten über die kleine Lichtung und das Licht flimmerte durch das Geäst. Sie würde sich einen Plan erdenken müssen, vorerst allein, niemand sollte unter ihrem Vorhaben zu leiden haben.
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Beitrag von Gast »

Wochen waren vergangen, es gab Hinweise auf ihre Herkunft, die weisen, zahnlosen und doch recht furcheinflößenden Frauen aus dem Sumpf sprachen von einer interessanten Verbindung zwischen Ost und West. Lange grübelten sie über diese Aussage nach. Die magischen Karten wiesen eindeutig drauf hin, doch welchem Weg musste sie folgen, welchen Hinweisen.
Stattdessen traten keine Hinweise, doch Menschen in ihr Leben. Der Umzug ins Hafenviertel war der richtige Schritt gewesen, der Gestank hielt sich in Grenzen, die frische Brise der See überlagerte die kleinen Hütten aus Holz und Stein mit ihrem kräftig salzigen Duft und ließ sie gar vergessen, wo sie hier untergekommen war. Hier trafen Menschen aller Gesellschaftsschichten zusammen, verwunderlich aber wahr. Ritter und Knappen, Seeleute und Huren, einfache Handwerker wie sie und einer den sie besonders ins Herz schloß, der Streuner. Sie war nicht mehr allein, wurde zu Törtchen und Bier eingeladen, durfte am fröhlichen Miteinander teilnehmen. Mit jeder weiteren Woche die Harrald unterwegs war jedoch, musste sich die junge Frau bewusst machen, dass ihrem Gefährten die abhanden gekommenen Familientitel und Rechte deutlich wichtiger waren als das Leben mit ihr. Immer wieder führte sie sich die Gründe vor Augen, sie konnte ihn so gut verstehen, doch tröstete es nicht. Er war ein guter Gefährte, ein so sanfter Liebhaber, doch ständige Einsamkeit vergrämte die junge Bognerin. Die Nächte wurden wärmer, eine drückende sommerliche Hitze zog über das Land und ließ die Leere in ihrem Herzen immer größer werden. Als dann selbst ein Brief mit liebsten Worten seine Sehnsucht nach ihr beschrieb, brannte ihr Gemüt zu sehr, als dass es eher schmerzte als Hoffnung schürte. Sie beschloss alles hinter sich zu lassen, hatte genug von Trauer und Verlorenheit. Johanna entschied sich.

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Zuletzt geändert von Gast am Dienstag 9. August 2016, 00:16, insgesamt 5-mal geändert.
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Beitrag von Gast »

Sie entschied sich eine zeitlang mit dem Streuner zu gehen, an seiner Seite wieder öfter zu lachen und Stunden plätscherten dahin, während ihnen die Themen nie auszugehen schienen. Mit ihm konnte sie über alles reden, schlief in seinem Haus, in seinem Bett, in seinem Arm, und verbrachte viele Tage mit ihm in trauter Zweisamkeit. Bis zu dem Tag, als sie zum Festland aufbrechen musste, ihren Zieheltern einen letzten Dienst erweise musste. Tag um Tag zogen Zweifel um den neuen Gefährten auf. Zweifel, ob er auch wirklich der Richtige sein konnte, Zweifel, ob da nicht doch zuviel Gefühl für Harrald in ihrer Brust schlummerte, ob es zu früh war, eine neue Bindung einzugehen. Zugegeben, sie beide waren wie Dynamit, Sprengstoff, wenn es darum ging, seinen Willen durchzusetzen. Weder sie, noch er waren in der Lage nachzugeben. Konnte das ein Grundstock für eine solide Verbindung sein? Während sich ihre Entscheidung festigste, fürchtete sie, dass er in seinem Eifer das Haus umbauen, ihr sie versprochene Werkstatt bauen könnte und ihre Schuld noch schwerer wiegen lassen würde. Weitere Tage vergingen, bis schliesslich ein Brief Düstersee erreichte und Viryo über ihre Gedanken und den bitteren Entschluss in Kenntnis setzte. Grausam? Sicher. Johanna fühlte sich grottenschlecht, voller Schuld aber auch mit Herzschmerz besetzt bestieg sie das Schiff nach Gerimor und traf ihn, den Mann, der ihr jedesmal so sehr den Kopf zu verdrehen verstand.
All ihre Vorsätze beiseite kehrend, mit wieder seelig pochendem Herzen, war sie dann doch bereit an seiner Seite zu leben, all seine Marotten zu verstehen, sogar die Trauben von Frauen, die sich um ihn scharrten zu akzeptieren.
Aber er sagte "Nein", ihr lediglich die Freundschaft anbietend. Der Mistkerl und das kleine Biest.
Ob es verletzter Stolz oder mangelnde Liebe war, wird sie nie erfahren, nur wusste sie, dass es schmerzte und kein Rum dieser Welt konnte es lindern.

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Zuletzt geändert von Gast am Dienstag 9. August 2016, 00:20, insgesamt 8-mal geändert.
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Viryo
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Registriert: Dienstag 2. Februar 2016, 22:11

Beitrag von Viryo »

Zeit war ein wertvolles Gut welches oft nicht geschätzt wurde. Nicht selten kam es daher vor, egal ob gut oder schlecht genutzt, dass sie viel zu schnell verging. Mittlerweile war ihr letztes aufeinander treffen einige Wochen her. Eigentlich hatte er ihr schon viel früher berichten wollen was er zu sagen hatte, doch seine Tätigkeiten neben einer Reise zum Festland verschoben es immer wieder.

An diesem Nachmittag erreichte er jene Behausung im Hafenviertel, die einst selbst ein Heim für ihn gewesen war. Mit einem gemütlichen Spazierschritt umrundete er das Mauerwerk im Versuch herauszufinden ob sich ein Klopfen lohnen würde. Die Stille im Inneren zusammen mit prüfenden Blicken so weit die Fensteröffnungen es zuließen, verrieten Viryo allerdings schnell das niemand anwesend war. Vermutlich war sie im Wald unterwegs und Harrald folgte wieder eigenen Pfaden. Vor der Tür inne haltend, starrte er ihren Briefkasten an. Gern hätte er es ihr selbst erzählt, ihr während dessen in die Augen gesehen aber womöglich war es sogar besser so.

Das Gute das er auf Gerimor kennen lernte, war mit einer handvoll Menschen verbunden. Es war anfangs fremd für ihn und kostete einiges an Überwindung, doch stellte der Streuner fest, dass es sich durchaus lohnte. Johanna zählte zu jenen Menschen, denn trotz ihrer kurzen Zeit hatten sie ein Band geknüpft. Diese Bänder wollte er um nichts in der Welt durchtrennen. Daher hatte er auch sein Wort ihr gegenüber nicht vergessen.

Den Blick auf sein Bündel senkend, zog er gezielt ein dreckiges Leinentuch hervor. Durchtränkt mit eingetrocknetem Blut zeigte es nur noch wenige unberührte Stoffstellen, allerdings auch kleine Schnitte im Gewebe. Vermutlich wurde es benutzt um einige Klingen zu reinigen. Schnell legte er es zusammen, schob es danach in ihre Postschatulle. Erst danach entnahm er seinem Notizbuch eine Pergamentseite um mit einem Kohlestift auch eine Nachricht zu hinterlassen.

Er hat bekommen, was er verdiente. Willst du mehr erfahren weisst du wo du mich findest.
V
Mit einem langgezogenen Murrlaut atmete er aus. Erneut hob er den Blick um das Haus ein weiteres mal anzustarren. Selbst wenn er es oft nicht zugab oder zeigte, hatte der grünäugige Streuner tief in seinem inneren sowas wie ein Herz. Eines das hoffte, dass "sein Biest" irgendwann wieder offen lächeln konnte sobald sie sich das nächste mal über den Weg laufen würden. "Mal sehen ob Zeit wirklich so mächtig ist", murmelte er mit einem rauhen Klang zu sich selbst als er sich umdrehte um sich auf den Rückweg zu machen.
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