Ein Schreiben an Seine Majestät

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Der Erzähler

Ein Schreiben an Seine Majestät

Beitrag von Der Erzähler »

*Mit einem der im Hafen von Adoran anlegenden alumenischen Handelsschiffe erreicht ein Bote in den Farben des Hauses von Nharam die Hauptstadt des Reiches, nur um sich schnurstracks auf den Weg zum königlichen Schloss zu machen. In seiner Tasche trägt er ein Schreiben des Herzogs von Nharam an Seine Majestät Ador I. von Alumenas*


***


Seiner Majestät Ador I. von Alumenas, einziger und rechtmäßiger Herrscher des Königreiches Alumenas unter den Augen der Lichtbringerin, entbietet förmliche Grüße Sein treuer und ergebener Diener Andurion III., Herzog von Nharam



Euer Majestät,

Erlaubt mir zunächst, meiner Hoffnung Ausdruck zu verleihen, dass sich Euer Majestät bei bester Gesundheit befinden. Auch hier in Alumenas hat sich herumgesprochen, dass große Festlichkeiten geplant sind, um das dritte Jubiläum Eurer Krönung zu feiern. Ich hätte selbstredend nichts lieber getan, als den Feierlichkeiten zu Euren Ehren beizuwohnen, auch um in Erfahrung zu bringen, wie sich mein Neffe Partian als Euer Page schlägt. Jedoch hält mich Nharam dieser Tage sehr beschäftigt, was die weite Reise nach Lichtenthal erschwert. Ich hoffe Ihr seht mit Milde und Nachsicht auf mein Fehlen und erlaubt mir, meine Gratulation und unverbrüchliche Treue mit diesen Zeilen zum Ausdruck zu bringen.

Der weitere Gegenstand meines Briefes ist von solcher Natur, dass ich Euch, wie ich fürchte, erneut um Eure Duldung und Euren Langmut bitten muss, da ich annehme, dass Euch der Anlass nicht behagen wird. Haben Euer Majestät in den letzten Wochen oder Monden den Gedanken einer Eheschließung erwogen? Wir waren alle tief erschüttert über Johannas Tod. Gleichwohl werden Adel und Volk langsam unruhig. Eure Dynastie ist ohne Erben und sollte Euch, Temora bewahre, ein Unglück ereilen, wären die Folgen für das Königreich kaum auszudenken. Ich will mich nicht in Schwarzmalerei üben, aber ein zweiter Fall 'Meritor' könnte das Reich an den Rand des Ruins bringen. Da die damaligen Ereignisse nun mehr als drei Jahre zurückliegen, hoffe ich, Euer Verständnis für meine Worte zu finden.

Es steht mir selbstredend nicht zu, Euer Majestät in dieser Angelegenheit zu einer Entscheidung zu drängen, aber falls Majestät erlauben, möchte ich Euer Augenmerk auf Agatha Cecilia Isabella, Komtess von Dorwacht, lenken. Wie Majestät wissen, sollte sie auch für das Haus Alrynes annehmbar sein. Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass Isabella den Segen ihres Bruders zur Hochzeit ihrer Tochter erwirken kann. Angesichts der Verluste, die Iustitian durch den Tod seiner einzigen Tochter erlitten hat, schiene mir das keine ganz unwichtige Voraussetzung. Was ihren Charakter angeht, habe ich Agatha als sehr kluge und überaus scharfsinnige Person kennengelernt. Zugegeben ist sie nicht von solch erhabener Schönheit und Anmut wie Johanna, aber ich würde sie doch als angenehm beschreiben. Stand und Ansehen ihrer Familie stehen ohnehin außer Frage. Aber selbstredend liegt die Entscheidung ganz bei Euch.

Was die weitere Verfassung Eures Reiches angeht, so wissen Majestät selbst, dass der Verlust Konrads und Phillips und der Verrat Theobalds das Königreich deutlich geschwächt haben. In Eirensee akzeptieren nicht alle Adelsfamilien die Entadelung des alten Herzogsgeschlechts. Mit Bedauern lässt sich beobachten, dass es parallel hierzu auch in Greifenhain zu Spannungen gekommen ist, da nicht alle Grafen und Barone bereit sind, einen Spross als Herzog anzuerkennen, in dessen Adern Eirenseer Blut fließt. Seit Theobalds Verrat sind die Gräben zwischen Greifenhain und Eirensee tiefer denn je und bewaffnete Auseinandersetzungen nicht auszuschließen. Auf eine rasche Lösung ist, auch aufgrund des jungen Alters des Herzogssprosses, nicht zu hoffen. Auch der alte Carisan ist uns weiter ein Dorn im Fleisch und man munkelt, es flössen Gelder aus Schwarzwasser, um die Aufwiegler in Eirensee zu unterstützen. Mein Mitgefühl gilt Josephine, die hilflos zwischen den Fronten steht. Meines Wissens wollte Ihre Erlaucht selbst nach Lichtenthal reisen, um den Feierlichkeiten zu Euren Ehren beizuwohnen, und kann Euer Majestät zweifellos einen tieferen Einblick in die Geschehnisse geben.

Möglicherweise könnten Majestät sich gleichwohl entschließen, sich selbst ein Bild von der Lage im Reich zu machen. So sehr wir Euren Entschluss verstehen und gutheißen, macht sich die Verlegung des Hofes nach Adoran in Alumenas doch bemerkbar und die Dinge drohen etwas in Unordnung zu geraten. Darf ich Euer Majestät in diesem Zusammenhang erinnern, dass die königliche Hofkanzlei und das Reichshofarchiv weiterhin ohne Leitung sind? Eine Liste möglicher Kandidaten habe ich beigefügt und hoffe, dass die Auswahl zu Eurer Zufriedenheit erfolgt ist.



Euer Euch treu ergebner Diener


Andurion III. von Nharam
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