Vollkommener Friede

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Eileen von Hohenfels

Vollkommener Friede

Beitrag von Eileen von Hohenfels »

Die Morgesonne war noch nicht aufgegangen, als Eileen wie mittlerweile praktisch jeden Morgen am Hof ankam.

Nun was hies schon Hof, ... eher ein Höfchen bislang, aber eines worauf sie stolz sein konnte. Aus eigener Kraft errichtet, trotz aller widrigen Umstände.

Die allmorgentlichen Vorbereitungen zum Gang in den Wald, zu schier unmöglicher Zeit, waren ihr wichtig. Sie legte keinen gesteigerten Wert darauf sonderlich viel Publikum zu haben, wenn sie ihrer Arbeit nachging.
Zum einen aus Sicherheitsgründen zum andern aus Gründen der Etikette. Man streckte sich zum Himmel wenn es nicht anders ging und sie hatte diesen süß-sauren Apfel aus freien Stücken gewählt.

Ihr Weg führte über die Wiese hinter das Haus zum Wassertrog, und der von den Gräsern gefallene Tau trug Zeugnis davon.
Neben dem Trog stand der Schleifstein in der noch grau in grauen Welt, das Handwerkszeug musste in Ordnung sein und dieses kleine Ritual, hatte sich schnell eingebürgert.

Das scharrende Geräusch des Steines wurde in der frischen Morgenluft nur von den aufwachenden Vögeln des nahen Waldes und dem plätschern des kleinen Wasserfalls begleitet.

Ein wunderbarer Ort, er strahlte vollkommenen Frieden aus.

Vollkommener Friede.

Eileens Blick fiel auf das kleine Grab. Das Grab eines Kindes wie man sich in Berchgard erzählte, umgekommen in den Wehen des Krieges. Die letzte Ruhestätte hier im vollkommenen Frieden.
Die Einsamkeit und Ruhe des Morgens ließen die Gedanken treiben.

Anfangs noch war es beklemmend gewesen.

Sie wusste nichts über das Kind, das dort lag, ausser dass es ein Kind war.
Ein kleines Wesen unfähig zu begreifen, was rund um es geschehen war. Ein heranwachsender Mensch, der an Hilfe geglaubt hatte wenn er nur laut genug schrie.
So einfach mochte die Welt gewesen sein, die es mit großen runden Augen gerade erst zu erkennen und zu entdecken vermochte.

Und nun tot, ... seiner einzigen Zukunft beraubt die es hatte. Zu Ende bevor sie recht anfing.

Der Ort war geeignet die Tränen immerfort in die Augen zu treiben, wenn man früh morgens darüber nachdachte was geschehen sein mochte.

Das beklemmende Gefühl wandelte sich über die Tage, seid sie beschlossen hatte, den Hof in der Nähe zu errichten, in Ohnmacht.

Ohnmacht gegenüber jenen Geschehnissen die dazu geführt hatten, dass dieses Kind nicht leben durfte.
Warum nur sollte es nicht möglich sein in Frieden zu leben und leben zu lassen ?
Eileen kannte die Antwort.

Es waren Dinge die mit Vernunft und Einsicht nicht zu lösen waren.
Das naturgegebene Empfinden des Menschen, dass nicht gut sein kann, was man für sich selbst nicht ebenso gut und recht fänd, hatte seine Grenzen an den Orten, wo Zerstörung und Unterwerfung zur Prämisse wurden.
Willkür und Mordlust gingen einher.

Was wollte man auf das Verständnis von Bestien hoffen ? Was sollte man tun ? Ohnmacht ...

Weitere Tage waren vergangen und immer klarer wurde, dass es Positionen gab, in denen Niemand mehr zu fragen war, was man tun solle.
Wer letztlich entscheidet welcher Weg zu gehen ist war einsam in diesen Dingen.
Wurde überhäuft von Meinungen und Ansichten, musste wählen welchem Freund man vor den Kopf stieß, wenn man nicht konform ging.

Die Ohnmacht wich der Gewissheit, dass eben jene nicht half. Sie führte zu nichts und Tatenlosigkeit bedeutete wie das Huhn auf den Schlächter zu warten.
Zu warten auf den Tag, andem es wieder passieren würde.

Der Tag, an dem wieder ein kleines unschuldiges Kind sterben mußte und viele mit ihm, weil es Menschen gab die das toll fanden und dieses Handeln duldeten oder befehlten.

Dulden und befehlen ... wer die Hand nicht schützend hob, machte sich schuldig, denn Schuld trägt immer der, der etwas als Letzter hätte verhindern können und alle vor ihm.

Das Mahnmal des toten Kindes rief lange keine Ohnmacht mehr hervor. Es war zum Symbol der Tatenlosigkeit geworden. Ein Symbol das auf vordergründige Weise sagte, wer nicht handle töte unschuldige Kinder.
Zumindest empfand Eileen das so.

Sie konnte keine Befehle erteilen, nicht in der Art, aber sie konnte Einfluss nehmen, .. sie musste es, die Anklage lag dort hinten, an diesem wunderbaren Platz eingebettet im Erdreich und starrte sie in Form eines Grabsteines Morgen für Morgen schweigend an.

Konnte der Preis, den man zu zahlen hatte, .. den ein Volk zu zahlen hatte noch größer werden. Konnte er größer werden, wenn die Raten mit unerbitterlicher Regelmässigkeit fällig wurden ?
Das Grab lies mehr und mehr die Gewissheit wachsen, dass es eine Schlusszahlung geben sollte, die so klein wie möglich ausfallen musste.

Eine knappe Stunde später verlies Eileen mit Mirage, umgeben vom Nebel des Flusslaufes, den Hof gen Wald.

Frische Sträucher säumten das sauber hergerichtet Grab, um in den nächsten Tagen weiße Rosen hervorzubringen.
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