Schemen, oh Schemen

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Victoria Dracones
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Schemen, oh Schemen

Beitrag von Victoria Dracones »

'Wo bin ich?'

'Wie... wie nur, bin ich hierher gekommen ?'

'Wer steht dort, mitten im dunklen Wald, verborgen zwischen Baum und Strauch?'



Braune, sanfte Locken hüllen Ihr lebloses Gesicht ein wie einen Mantel. Ein Kleid aus schwarzer, zarter Seide schmiegt sich eng an die milchige Haut und gleitet flüssig ihren Körper hinab, um mit Moos und Nebel zu verschmelzen. Die grauen Augen halten mich in ihren Bann gefangen. Ich kann mich ihnen nicht entreissen.... Diesen kalten, grauen Augen.

'Wer ist sie?'

'Woher nur kenne ich sie?'


''Achja... Heute Abend brachte ich Ihr Wasser und trocken Brot in den Kerker. ''

'Doch wieso ist Sie hier?'

'Wieso bin Ich hier?'

'Wieso... sind WIR hier?!'


Ihre Stimme so kalt und schneidend wie die glatte Klinge eines Schwertes. Geflüstert und vom stillen Wind zu mir getragen höre ich Sie, die bleichen Lippen bewegen sich tonlos.

''Hüte dich.''

Diese Worte... Zwei Worte die meine Welt erschüttern. Zwei Worte die wie Blitze aus Eis durch meinen Körper jagen.

'Warnen sie mich?'

'Und wenn ja, wovor warnen sie mich?'


Sprich mit mir... befreie mich von der schier endlosen Last. Gib sie mir... Die Antwort nach der ich mich schon so lange verzerre.
Wie oft habe ich sie schon in den vielen.... Waren es Monde? Oder gar Jahre in denen ich sie immer wieder vernommen habe? Diese Worte... welche meine Seele mit eisigen Griff umklammern. Immer und immer wieder kehre ich in diese stille, kalte Welt zuück, während die Welt um mich herum im Schlafe liegt. Ich tauche in ihr ein um den Sinn leerer Worte zu finden. Unbewusst... Sie ist jene die mich leitet, jene die mich stets begleitet. Auf Schritt und tritt. Doch ist es kein Traum in dem ich mich befinde. Nein... Das alles war real, IST real.

Kalter Schweiß bedeckt meine Haut. Alles um mich herum ist dunkel und kalt. Sitzt dort jemand? Dort, genau am Rande des Bettes? Blinzelnd blicke ich vorran, greife nach der Macht Krat'hors um das dunkel zu vertreiben, die meine Sicht verschlingt. Doch dort ist nichts. Wieder nur ein Hirngespinnst. Offenbar hat mich erneut Panik ergriffen. Darion hat seinen Griff um meinen Körper verstärkt. Sogar im Schlaf spürt er meine Unruhen. Darion... Er ist jener der die Bestie tief in mir besänftigt, die brodelnd aufzusteigen versucht und die Macht Krat'hors freisetzt, sobald meine Emotionen drohen mich zu überwältigen. Sogar jetzt.. während er sich tief im Schlaf befindet. Darion... Der Mann der meine schwarze und graue Welt in alle Farben taucht, wie ein Künstler der über eine leere Leinwand fährt und meine... nein, unsere Welt bunt erscheinen lässt. Der Prinz, der den jungen und unerfahrenen Blondschopf aus einer brodelnden, schweren Masse aus Furcht und Trostligkeit befreit hat.

Widerwillig löse ich mich von dem warmen, weichen Körper, um lautlos das Bett zu verlassen und mir eines der seidenen Kleider anzulegen. Barfuß gehe ich die Treppen hinauf, durchquere den Saal und schließe leise die Tür hinter mir, als ich das Haus verlasse. Wie benommen gehe ich ein paar Schritte. Durchlaufe das Waldstück, welches sich direkt hinter dem Haus befindet um mich alsbald auf das feuchte, weiche Moos zu setzen. Das Gefühl von Unbehagen sitzt noch immer tief in mir. Zwar meinte Bruder Fames, die Situation die ich ihm beschrieb, wäre kaum oder gar unmöglich. Doch wieso sonst sehe ich Sie? Diesen Geist? In welcher Verbindung stehe ich zu ihr?

''Bist du dir sicher das dein Verstand nicht noch immer angeschlagen ist und du dir Dinge... einbildest Schwester?''

''Deine Geschichte wiederspricht allem was ich über die Geisterwelt weiß Schwester. Geister sind rachsüchtig und eigendlich immer so verstandslos wie jene die ich grade ... herrauf beschworen haben so sie _einfach so_ auftauchen. Auch wiederspricht die Erfahrung im.. Sinn dennen die ich bei meinen zwei Besuchen in der Geisterwelt hatte... selbst in ihrer Welt bewegten sich ihre Lippen teilweise nur ohne das Worte höhrbar waren.''


Wie also ist es möglich? Wenn es doch nur eine Einbildung war, all die Jahre über, wieso fühlt es sich dann so wirklich an?


''Daher... ist es schlichtweg seltsam was dir passiert und ich kann dir nur sagen... das du vielleicht von etwas getäuscht wirst das sich als _Geist_ ausgibt oder sich... in deine Erinnerungen geschlichen hat und nun Personen daraus nutzt. Vielleicht ist es ein Geist... ja aber egal was für ein Wesen ... es ist immer fahrlässig, sogar leichtsinnig oder Dumm.. wenn man auf Wesen höhrt die nicht von dieser Welt stammen, denn sie haben andere Ziele als wir Lebenden. Die Geister dieser Welt sind nur hier.. weil sie den Weg ins Geisterreich... durch irgendwelche Umstände nicht finden konnten oder vor langer Zeit von.. Krathor gebunden wurden als seine Macht noch durch Alathara sehr wild über die Welt... verteilt wurde. Wirklich aus dem Geisterreich zurückkehren.. nunja wie gesagt, das ist schon für uns Schwer.. die wir noch einen Anker in dieser Welt haben.. für Geister ist es wohl um ein unermässliches... Schwieriger. Außerdem.. sind GEister für Gewöhnlich ehr _reisefaul_ da sie meist durch Erinnerungen.. an einen Ort an diesen Wiederkehren oder gar durch Rückstände ihres Lebens an einen.. Ort zurück kehren können oder gebunden sind. Daher wäre auch dieser Punkt ehr ein Indiz.. das es nicht die selbe Magierin ist, da sie wohl ehr in deiner Heimat erscheinen würde.''


Verwirrung gesellt sich zu der Beklommenheit die sich wie ein zarter Dunst in mir ausgebreitet hat. Irgendetwas stimmte nicht. Wenn Bruder Fames recht mit seinen Worten hat, frage ich mich umso mehr, was mich über die Jahre hinweg verfolgt. Welcher Ort um mich herum wabbert und noch mehr was dieses... 'etwas' von mir will. Fragen über Fragen die mich ohne Antworten zurück lassen. Doch nun ist die Zeit gekommen... Zeit um Antworten zu finden und sich endlich dem Elend zu entreissen, der mich wie ein Schatten begleitet.



Manch Nächte lag ich nieder
Denn aus der Dunkelheit da drang
Einst der Geiste, immer wieder
Um über mein Leid die Herrschaft zu erlang'

Doch so manches Mal
konnte ich mich wieder besinnen
Hatte doch ich die Wahl
diesem schrecklichen Unheil zu entrinnen

Kehrt Sie alsbald zu mir zurück
Auch heute ist sie wieder da
Zerrt sie doch an dem wenig Glück
Das nie mein eigen war

Im dunkeln kehrt sie wieder
In der Nacht sie wühlt in mir
Reißt mich zu Boden nieder
So still und eisig hier

Still der Geist den ich muss tragen
Tief in mir wohl jede Nacht
Schwarze Schwingen die mich umgarnen
Krächzt der Rabe , gib Acht, gib Acht!
Zuletzt geändert von Victoria Dracones am Mittwoch 11. Mai 2016, 20:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Victoria Dracones
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Beitrag von Victoria Dracones »

Wochen vergingen und noch immer hatte sich nichts an meinem Zustand geändert. Stattdessen wurde es schlimmer. Woche um Woche. Tag um Tag.

Ignoranz? Das half in keinster Weise.

Jeder Versuch dieses... 'Was auch immer' zu ignorieren, zerrte an meinen geistigen Kräften. Nein, es zerrte nicht nur an ihnen, es gab mir ausserdem das Gefühl immer wieder zurückgezogen zu werden. Dort... von dem einen Platz, von dem ich mich nicht zu lösen vermag. Langsam fing es damit an, sogar mitten am Tag, dass ich geistig abschweifte.

Wann fing es eigentlich an, schlimmer zu werden?

Nach dem ersten Gespräch mit Bruder Fames? ...Nein.

Als ich kläglich daran scheiterte den Geist zu ignorieren? Wohl kaum.

Es fing an... als ich am frühen Mittag aufwachte und 'Ihr' Gesicht so nahe vor meinem hatte, dass die Kälte, die von ihr ausging, mich bis ins Mark erschütterte.

Darion war schon recht früh bei seinem Bruder Vladimir. Schreiend rannte ich also die Kellertreppen hinauf, nachdem ich dem gewahr wurde, was ich beim aufwachen vor Augen hatte. Darion schien meinen Aufschrei gehört zu haben und eilte zum Haus zurück. Sogar Vladimir kam mit um sich zu vergewissern, dass auch alles in Ordnung sei. Doch 'Sie' war bereits weg. Damit ich wenigstens einen ruhigen Schlaf hatte, zog Darion noch am selben Tag einen Schutzkreis um sein Bett.

Ja... an diesen Tag hatte das größer werdende Unheil seinen Anfang genommen, wo 'Einbildung' zur eisigen Realität wurde.

Anfangs reichte es noch, wenn man mit der Hand vor meinem Gesicht herumwedelte, ein paar mal mit den Fingern schnippste oder gar ein lautes Geräusch, um mich aus dem wabbernden Schleier zu befreien, der mich gefangen hielt. Doch wie mehr Zeit verging, desto schlimmer wurde es. Ja... Auch die Zeit war es die an meinem Geist nagte.

Irgendwann... Doch wann? Konnte man mich nur noch aus dem geistesabwesenden Zustand befreien, indem man mich packte und an mir rüttelte. Es erschien mir fast als wäre die Zeit dort... an diesen fremden Ort, unbedeutsam geworden. Dieser Ort... er zog mich immer tiefer in seinen Bann. Immer größer wurde die Last die meinen Geist zu erdrücken drohte, nur um mich eines tages entzwei zu reissen. Der mangelnde Schlaf drängte mich genau in die Ecke, in die mich die Geisterfrau haben wollte.

Ich war gereizt und dennoch sensibel. Ich wurde zickig und frech und trotzdem war ich auf der Suche nach Geborgenheit und Wärme. Ein Schwall von Emotionen der mich verwirrte und mir eine heiden Angst einjagte. Zur Zeit war ich nicht mehr als eine leere Hülle. Oder zumindestens fühlte es sich so an. Wie eine Hülle die drohte von etwas fremden übernommen zu werden.

Ich wurde unachtsam... Nicht nur, dass ich mich immer mehr so fühlte, als würde ich von innen zerbersten. Auch die Maske die mit unwissen nicht erblickt werden konnte, gierte nach den ersten zarten Rissen. Die aufkeimende Gleichgültigkeit und der Leichtsinn der sich zu den verwirrenden Gefühlen gesellte schafften es, dass Darion mich von sich stieß. Mein Verstand nahm zwar das zerstörrerische Ausmaß wahr, doch schon der nächste Tag zermürrbte mich erneut von innen heraus.

Als ich aufwachte war ich verwirrt. Was war am gestrigen Tag geschehen? Das erste woran ich mich erinnerte, war der Streit mit Darion.... Warum saß ich eigentlich unverkleidet mit meinen drei 'Brüdern' am Lagerfeuer? Und dann wurde ich auch noch frech zu Darion... Niemals hätte ich mich getraut mich ihm gegenüber so zu verhalten... dachte ich zumindest. Ein zum ersticken einladender Schleier aus Nebel und Dunst blockierten meine Erinnerungen. Das war also eines was ich noch an Erinnerungsfetzen übrig hatte... Unverkleidet am Lagerfeuer sitzen mit drei Rabendienern... Was noch? Gesichter... Enomis, Alister und... Cadan. Richtig... Ich war bei Enomis. Der Nachgeschmack von Rum lässt mich bereits nichts gutes erahnen. Und der brennende Schmerz meiner linken Hand weckte nun auch einen letzten Erinnerungsfetzen. Die Grabkammer. Aus irgendeinem Grund bin ich in der Grabkammer gelandet. Ich hatte mir wohl mehrmals in die Hand geschnitten, um einen scheiternden Versuch zu wagen eine Art 'Pentagramm' auf den Boden zu 'zeichnen'.

Mit Kopfschmerzen wagte ich mich vorsichtig hinaus, um festzustellen, dass bereits die Mittagsstunde anbrach. Die Sonne brannte in meinen empfindlichen Augen.

Gedankenlos irrte ich durch die Wälder und lies die kühle des Schattens auf mich wirken, in der Hoffnung, eine geistige 'Klarheit' zu erlangen. Doch wieder machte sie mir einen Strich durch die Rechnung. Dieses unangenehme, kalte Gefühl überkam mich wie aus dem Nichts. Als würde sich etwas in mir lösen, nur um durch etwas anderes ersetzt zu werden. Der Blick vernebelt und dunkel, so undurchdringlich wurde alles um mich herum, als sich vor meinen Augen alles zu verschwimmen begann. Und doch spüre ich, wie ich mich vorran bewege. Wie sich mein Kopf hin und wieder zur Seite dreht, als würde ich etwas erblicken. Ich spüre festen Stoff unter meinen Fingern. Eine Tasche oder mehr ein Beutel gleich einem 'Wäschesack'. Ich kannte dieses Gefühl. Der feste Stoff in den ich mein weniges Hab und Gut packte, als ich das Gefängnis verlies in dem ich mein Leben verbrachte. Kaltes Metall schloss sich um mein Handgelenk. Und so kalt das Metall sich an meine Haut schmiegte, so war das äußere warm, weich und samtig zu erfühlen. Und es... fühlte sich vertraut an. Ich spüre es... Ich spüre.. 'Sie'. Ich spüre wie 'Sie' versucht mich immer mehr einzunehmen um mich von Innen zu vertilgen.


Ein Geist welch war einst eine Frau,
blickt mich an mit trister leere.
Die Augen leblos, glanzlos grau,
die meinen Geist so sehr begehre.

Du tratst in meine Träume,
stach ich in deine Welt hervor.
Wir sterben wenn sich Eines,
im andern ganz verlor.

Tief der Griff nach meinem Leid,
des Raben Flügel mich umhüllt.
Der Abgrund der Unendlichkeit,
die kälte einst mein Leben füllt.

Wohlig warm die schwarzen Federn,
welch' sich schmiegen um den Leib.
Droht der Körper zu zerbrechen,
der Rabe tief in ihr gedeiht.
Zuletzt geändert von Victoria Dracones am Samstag 11. Juni 2016, 20:04, insgesamt 4-mal geändert.
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Victoria Dracones
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Beitrag von Victoria Dracones »

'Hörst du Sie...? All die Stimmen?'
'Siehst du Sie...? All diese niederträchtigen Menschen?'

'Spürst du Ihre Intriegen? Ihre Blicke? Wie sie auf die haften, mit ihrem falschen Lächeln! Sie lachen dich aus Victoria! Sieh nur, wie SIE ALLE über dich spotten!'


'Hör auf...! Hör... endlich auf!'

'Komm mein Kind... Komm zu mir...'


Stille... Ich öffne meine Augen und das einzige was ich vernehmen kann ist.. Stille. Wieder befinde ich mich an jenem Ort. An diesem so seltsamen, leblosen Ort.

Daphne...

Wie viele Nächte schon landete ich hier? Gezerrt aus meinen Träumen. Die dicken Nebelschwaden, die einen Blick auf den Boden unmöglich werden liesen, hatten sich verändert. Mein Blick schweifft umher und erst jetzt merke ich, dass sich alles verändert hatte. Der Nebel der sonst ein freudloses, helles grau an sich hatte, nahm ein sattes pechartiges schwarz an und wirkte dick und zäh. Die Bäume die sonst an ein altes Kunstwerk erinnerten waren morsch und bildeten Risse im Holz. Und zum ersten mal lies mich die kälte, die sich dieses mal wie ein eisiger Odem auf mich niederlegte, frösteln.

Daphne stand vor mir. Ein sanftes und selbstsicheres Lächeln lag auf den grauen, farblosen Lippen. Kaum hatte ich geblinzelt spürte ich sie hinter mir. Ihre Arme schlangen sich um meinen Körper und ihre kalte Wange legten sich, fast schon liebevoll, auf meine.

'Sieh hin mein Kind... Sieh und erkenne die Wahrheit.', wisperte Daphne mir sanft in mein Ohr. Ein Schauer erfasste meinen ganzen Körper den ich zu unterdrücken versuchte.

Der Nebel vor mir stieg quälend langsam empor um sich kurz darauf zu teilen und eine Fensterartige Form anzunehmen. Wie bei einem Gebilde lichtete sich der Nebel in der Mitte und gab die Sicht auf etwas frei. Nur langsam erkannte ich die Umrisse einiger Personen die sich langsam zu Schemen entwickelten. Und plötzlich erkannte ich sie. Vladimir und Lille.. Vincent und Darion. Daphnes Griff um meinen Körper verfestigte sich ein wenig, als würde sie mir den passenden Halt geben wollen. Die Rückseite ihrer rechten Hand strich über meine Wange. Es fühlte sich beinahe... 'mütterlich' an und auch so fremd. Ein flüsternder Hauch erklang tief in mir.

'Gib mir... was ich so sehr begehre.'

Ihr Stimme wurde weicher aber auch eindringlicher und verlor kein Stück von ihrer Kälte.

Als das flüstern verstummte, hörte ich es. Wie Sie alle über mich lachten!
Wie Sie dort saßen... dort draußen auf der großen Wiese! Unter Ihnen lagen ein paar Felle und gleich daneben ein großer Korb mit Speiß und Trank. Sie wirkten glücklich miteinander.

'He Darion! Meinst du Victoria wird merken, dass wir sie nur zum Vorwand die Kräuter und das Obst abholen lassen?'
, fragte Lille lachend und nahm einen Schluck Rotwein zu sich, während sie sich an Vladimir anschmiegte. Vladimir lachte in einem, wie üblich, donnernden Ton auf und erfüllte die ganze Umgebung. Plötzlich lachte auch Darion und sogar Vincent trug seinen Teil dazu bei. Darion hingegen winkte nur ab, nachdem sein Lachen verklang.

'Ach so dumm wie sie ist merkt sie das schon nicht. Ein richtiges Blondchen eben! Und auch wenn sie es merken sollte... Was solls! Ich brauche nur meinen Charme spielen zu lassen und schon ist die kleine wie Wachs in meinen Händen!'

'Da hast du wohl recht!', merkten die anderen noch an und nickten fest, eher sie wieder zu lachen begannen und den Tag wohl bis spät in die Nacht genießen würden.

Ein stechender Schmerz machte sich in mir breit und die Kälte die von Daphne ausging, drang nach und nach in mich ein, als würde sie meinen Schmerz teilen.

Der Nebel verformte sich erneut und formte ein neues Bild. Es schien Nacht zu sein. Der Mond stand voll und leuchtend weit oben im Himmel. Wieder erkannte ich erst ein Schemen, dann eine menschliche Gestalt.
Darion... Er schwamm mitten im See, bewegte sich in regelmäßigen Zügen auf das Ufer zu. Langsam und gemächlich tritt er aus dem Wasser. Kaum das er auf der Wiese stand erklang das helle Lachen einer Frau. Ihre Gestalt gesellte sich Darions hinzu. Ihr Anblick war das vollkommene Gegenteil von dem was ich war. Ich... eine schmale, große Blondine. Blass und nicht gerade das was man als stark und ansehnlich bezeichnen konnte. Diese Frau jedoch... Sie wirkte nahezu 'perfekt'! Die zarte Bäune ihrer Haut... diese strahlend blauen Augen die an dunkle Saphire erinnerten. Ihre ovale Gesichtsform, gepaart mit den dunklen, lockigen Haaren. Der Körper füllig und so weiblich. Feminin eben... Wer oder was war ich da schon? Ich war nicht so wie Sie... Während ich aussah als würde ich aus dem eisigen Norden kommen, so leblos und trist, strahlte sie das pure Leben aus, als hätte die Sonne selbst sie geküsst. Eine wahre Südländerin. War das etwas das Ideal, welches Darion sich vorstellte? Wieso dann aber lies er mich denken, ich würde ihm etwas bedeuten?

Eng umschlungen lagen sie nun im Mondschein auf der Wiese. Darions Blick strahlte so viel Gefühl aus... So viel Wärme und noch vieles mehr. Der stechende Schmerz wurde dumpf und lies die Kälte in mir immer weiter in mich eindringen.

'Siehst du nun die Wahrheit, mein Kind? Wie sie dich hintergehen... Wie ER dich hintergeht? Spürst du... diesen Schmerz? Der wie eine Sprosse in dir aufkeimt? Sieh nur meine kleine Vic... Sie lassen dich leiden... Meine arme... kleine... Vic...'


Mit einem mal stand Daphne vor mir. Ihre eisigen Finger schlossen sich um meine Wangen, die vor Schmerz und Schamgefühl zu verbrennen drohten.

'War nicht Ich es die immer für dich da war? War nicht Ich diejenige die sich immer um dich sorgte... sich um dich gekümmert hat? Nacht um Nacht habe ich dich hier her.... zu mir geführt, nur um dich vor der Welt dort draussen zu schützen. Und nun...? Willst du wirklich zulassen, dass sie dich dermaßen demütigen? Dich erniedrigen?'

'Was... verlangst du von mir...?'
, fragte ich mit gesenkten Kopf. Mehr als ein Wispern brachte ich nicht zu stande. Daphnes Blick ruhte immernoch auf mir und nahm etwas liebevolles... etwas... 'mütterliches' an und auch Ihre Stimme war nicht mehr als ein Wispern, ein Hauch, der Odem der vom eisigen Wind an meine Ohren getragen wurde.

'Weisst du es denn immernoch nicht? Lass mir deinen Körper, mein kleines Mädchen... und ich verspreche dir Rache zu nehmen. Du musst mir nur das Armband besorgen... Geh! Geh und hole es!'

Um Luft ringend wachte ich auf. Von kalten Schweiß bedeckt und frierend lag ich im Bett des Bajarder Gasthauses. Mein Puls rasste... Erst nach einigen Augenblicken gewöhnte ich mich an die Dunkelheit die das kleine Gastzimmer einhüllte. Mein Gefühl sagte mir, dass es falsch war ausserhalb des Schutzkreises zu schlafen. Ich hätte bei... Als mir die Bilder wieder in den Kopf kamen und sich der Schmerz der sich in mir einnistete bemerkbar machte, schüttelte ich den Gedanken von mir. Es war richtig hier zu sein. Denn erst dadurch konnte Daphne mir die Wahrheit offenbaren. Nun wusste ich... was sie alle wirklich von mir dachten... Wie welchen Augen sie mich wirklich sahen... Nur langsam beruhigte sich mein Herzschlag. Ich zog mich an, ging zur Kutsche und lies mich nach Wetterau fahren. Ich würde mir schon das Armband besorgen...

Bei Darion angekommen drehte ich den Haustürschlüssel nur sehr langsam um. Auch wenn er unten schlief, war das Risiko das er noch wach war oder die Tür trotzdem hörte, zu groß. Ohne Schuhe an den Füßen schlich ich mich nach unten um meine Kleidung einzupacken. Und ein kurzer und giftiger Blick seitens meiner ging zu Darion der dort, in seinem Bett, tief und fest schlief. Wie 'unschuldig' er doch wirkte... Doch nicht mit mir... Nicht nocheinmal. Ich wusste wo er das... wo er 'Mein' Armband versteckt hatte. Angeblich zu meinen Schutz... zu meiner 'Sicherheit'. Das Armband hatte seinen Platz zum Glück noch nicht verlassen, obwohl Bruder Fames uns angeraten hatte es in der Grabkammer niederzulegen. Der Schlüssel jedoch war an Darions Bund befestigt und es würde viel zu viel Aufmerksamkeit erregen. Doch was nicht passt wird eben passend gemacht! Also nahm ich mir die kleine Truhe und verlies das Anwesen. Sie alle würden es noch bereuen...

Weit weg von Wetterau, mitten im Wald nahm ich mir den nächstbesten, größeren Stein zur Hand. Es polterte laut und dauerte eine ganze Weile bis ich das Schloss endlich zerstört hatte und sich der Deckel der Schatulle endlich öffnen lies. Da war es... Mein wunderschönes Schmuckstück. Das Band zwischen Ihr und mir. Erst als sich das kühle Metall sich fest um mein Handgelenk schloss seufzte ich wohlig auf. Jetzt würde ich endlich in frieden schlafen können...


Mehrere Tage vergingen....

Wieder war es Abend und mit jedem mal spürte ich wie die Verbindung zu Daphne intensiver wurde. Das Band zwischen ihr und mir. Doch wusste ich noch nicht was mich heute erwarten würde. Erst als Darion in Bajard ankam überkam mich ein ungutes Gefühl. Doch vor all den Menschen hier machte er keine Anstalten.... zum Glück. Sogar jetzt noch spielte er seine Rolle ganz gut. Das er sich zu meinem Schutz von mir fernhielt war mit Sicherheit nicht mehr als eine Ausrede! Denn würde ich ihm wirklich etwas bedeuten würde er sich auch mit mir an seiner Seite blicken lassen. Immer mehr erkenne ich die Wahrheit in Daphnes Worten...

Es wurde immer später und mir fiel nicht auf das bereits alle das Lagerfeuer verlassen hatten. Alle... bis auf Darion. Er bemerkte, dass ich das Armband an meinem Handgelenk trug und war, kein Wunder, nicht gerade begeistert davon. Er streckte mir die Hand entgegen, wollte es in seinen Besitz nehmen doch ich weigerte mich. Er wollte nicht verstehen das ich es brauchte. Das Daphne meinen Körper brauchte! Ich wehrte mich, selbst als er mich mit seinen Schatten festhielt. Zwar konnte ich sie für wenige Augenblicke auf Distanz halten. Doch reichte meine eigene Macht bei weiten nicht um mir die Schatten des erfahreneren Dieners von mir fern zu halten. Als er mir dann doch das Armband wegnahm, stellte er als Daphne als diejenige hin die mir böses wollte und ich spürte wie die Verbundenheit zu ihr beinahe gänzlich abriss. Sie würde mich ihm nicht wegnehmen... Und sollte sie es versuchen würde er sie vernichten... Es fühlte sich fast schon so an als wäre ich irgendein Spielzeug das immer wieder aus den Händen eines Kindes entrissen wurde.

Die nächsten ein, zwei Tage verbrachte ich in Wetterau, beobachtete sie alle mit einer bestimmten Distanz. Wie scheinheilig sie doch alle waren... wie verlogen...

Als ich mir sicher sein konnte, dass Wetterau sogut wie verlassen war nahm ich meine Sachen und ging. Diesmal würde ich an verschiedenen Orten verweilen. Und trotzdem zog es mich immer wieder nach Bajard.

Die Tage vergingen wie im flug. Das Wetter wurde immer besser und in Bajard tummelten sich die Menschen am Lagerfeuer bis spät in die Nacht hinein. Meist waren es die selben Gesichter, oftmals auch Neulinge die sich hilfesuchend hinzu gesellten. Einer davon wirkte nicht gerade wie ein Neuling, doch das Gesicht war trotzdem ein fremdes. Als Ralph stellte er sich vor. Ein ziemlich arroganter Kerl wenn man mich fragt, unverschämt noch dazu. Das einzige was an ein gutes Benehmen erinnerst ist es wohl einen des Nachts wenigstens nicht alleine ausserhalb des Dorfes herum laufen zu lassen. Sein Verhalten erinnerte mich irgendwie an... mein altes Zuhause... Diese überhebliche Art. Diese Blicke, als wäre er etwas besseres als alle anderen Anwensenden. Ich habe gelernt mit meiner Vergangenheit abzuschließen. Nochmals würde ich mir ein solches Verhalten nicht mehr gefallen lassen. Jedes seiner Kommentare, so kühl, frech und distanziert erwidere ich auf die selbe Weise. Einerseits auch interessant... Zu gerne würde ich wissen wie Mutter auf mein Verhalten reagieren würde, obwohl ich mir sicher bin die Antwort darauf bereits zu kennen. Ja... Sie würde mich auspeitschen lassen, immer und immer wieder, bis das Blut in strömen meinen Rücken herabfließt. Bis heute spüre ich das kalte, glatte Leder auf meiner Haut und den stechenden Schmerz. Wie dem auch sei... Der Kerl dort ist und war nicht meine Mutter und möge er noch so Eitel und überheblich sein. Ich für meinen Teil würde ihn schon noch in seine Grenzen verweisen.

Seltsam... Was das Schicksal mit einem so treibt. Mittlerweile habe ich mich an die Umstände gewöhnt und da es wohl niemanden interessiert, dass ich fort bin sehe ich nur noch mehr die wahren Worte die mir Daphne eingeprägt hat. Stattdessen kreuzte Ralphs Weg immer wieder den meinen und mit jeden aufeinander treffen würde ich ihn am liebsten Krathor zum Fraß vorwerfen. Nicht nur das er unverschämt, eitel und arrogant war, nein nun unterstellte er mir auch noch, ich würde ihm nacheifern? Eine Art die ich gar nicht ausstehen kann, auch wenn ich gestehen muss das er sich, ohne größere Menschenmassen, beinahe... freundlich verhalten kann. Mal sehen was das Schicksal noch so für Spiele mit den Menschen spielt.
Ralph Thelrey Vendoc

Beitrag von Ralph Thelrey Vendoc »

-bitte löschen, danke-
Zuletzt geändert von Ralph Thelrey Vendoc am Sonntag 24. Juli 2016, 22:19, insgesamt 2-mal geändert.
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