An den Stromschnellen des Frostklammbachs sowie an dem Trockendock im Schutze der Frostklamm selbst wurden noch vor Sonnenaufgang Steintafeln aus feinstem Cirmit aufgestellt - ihrer Größe und Masse nach eine Art Aufruf.
Brüder und Schwestern unter dem Berge,
als Altnautlili der VII. Kohorte, mit der Erlaubnis des ehrwürdigen Kal Khazad Getwergelyn, richte ich ein Ersuchen an unser Volk. Der Aufruf richtet sich an alle Flößer, Opportunisten, verdeckt operierende, Technologen, Floßbauer und alle anderen wertgeschätzten professionierten der Graik.
Ein uraltes Artefakt, verschollen - seiner Heimat genommen. Der legendäre erste Einbaum Einâr welcher der ruhmreichen Sage nach allen anderen Einbäumen voranruderte und für sie die Stromschnellen der Flüsse brach. Jenes Artefakt ist es, das als verschollen und unauffindbar galt - bis zum heutigen Tag.
Heute Nacht wurde ein Einbaum mitsamt einer Steintafel an das Trockendock in der Frostklamm geschwemmt, wenn die Ströme richtig gedeutet worden sind stammt der Hinweis aus den tieferen Stollen - vermutlich einer der altgedienten Nautili oder aber Konteradmiral Nauti selbst von dem die Nachricht stammt!
Die Tafel selbst scheint pragmatisch und kurz gefasst, die untere linke Ecke mit der Signatur des Versenders ist halb herausgebrochen, der Rest der Botschaft jedoch zum Glück unversehrt geblieben.
"Die Nachricht, mrâ, so sie ankommt, soll denjenigen die strebsam sind unter den Nautisten einen Weg in die nächsttieferen Ströme weisen. Das Artefakt, das alle Flößer zu Einârn vermag wurde kürzlich gesichtet - an der Stelle, wo Bergfallbach und Frostklammbach die Ströme kreuzen verhedderte sich der legendäre Einbaum in dem Wurzelbett einer uralten Eiche.
Ob dem immer noch so ist - muss geprüft werden. Geht der Sache nach."
Dieser Hinweis ist es der genügt um die Euphorie aufkommen zu lassen die nötig für ein solches Vorhaben ist. Am dritten Tag der nächsten Woche, wenn die Walrösser friedfertig auf den Eisschollen brach liegen, wird es soweit sein und die Expedition wird beginnen.
Die absolute Seehoheit zu Bache hängt von dem gelingen des Vorhabens ab!
Schon völlig ausgelaugt von den Strapazen der Vorbereitungen erhielt der Alte knittrige Kalur schließlich die Tafel des Tharkosh, er huschte geschwind über die knappen Zeilen und stöhnte voller Erleichterung auf ehe er postwendend eine Anworttafel zu ihm sendet:
Die Ströme mit dâr, Tharkosh Rhukum von den Graufelsen!
Nach Rücksprache mit der Koordinationsabteilung des Zukunftsarchivs wurde der heutige Tag als optimaler Expeditionsbeginn festgelegt. Auf ein Bier und ein Stück gûl abgehangene Zottelratte komme akh gerne vorbei, mrâ!
Wir werden auf unserer Expedition einen Zugang zu den tieferen Stollen suchen, dazu werden wir in die nächstgelegenen Stollen einkehren, jene säubern und dann einen geeigneten Zustrom suchen.
Unter Zuhilfenahme von den übrig und zunehmend rar gewordenen, verbliebenen Nautisten der VII. Kohorte machte sich der altgediente und jüngst erneut aufflammende Zwerg auf und bereitete alles für die anstehende Expedition vor.
Obgleich es nicht viele waren die sich dem Vorhaben anschlossen, so war er doch guter Dinge; eine in die tieferen Ströme treibende Einbaumkolonne wäre dem heiklen Vorhaben wohl mehr abträglich als zuträglich gewesen.
Der Graufels und Rhukum Tharkosh schloss sich in all seiner jugendlichen Waghalsigkeit an um den sagenumwobenen Einâr ausfindig zu machen und hoffentlich unbeschadet an den Frostquell überführen zu können.
Einige Zeilen meißelte der Nautist noch zurecht, bestimmt für den Kal-Khazad und obersten Befehlshaber der Legionen des Cirmias:
Das Vorhaben den legendären Einâr zu bergen wird in Kürze beginnen, rechnet nicht vor dem nächsten Wochenlauf mit einer Meldung.
Tharkosh Graufels, tapferer Rhukum, meldete sich bereitwillig mir unterstützend zur Seite zu stehen bei diesem gefährlichen Unterfangen, ob dies einer Würdigung bei gelungener Mission wert ist wird die Kommandoinstanz wissen, mrâ.
Unmittelbar nach unserer Rückkehr wird ein umfassender Bericht verfasst und in die Graikkommandantur übersandt.
Möge Cirmias über unser Vorhaben wachen und die Ströme gnädig stimmen, auf dass der legendäre Einâr geborgen werden kann und als Zeichen von Stärke und Ruhm auf der erwählten Kalurenschulter lasten wird.
*Nachdem die Elitekrieger der Kal Khaz-Graik die Nachricht gelesen haben, lässt Daz Getwergelyn eine Steintafel für seinen Waffenträger Tharkosh 'Rhukum' von den Graufelsen anfertigen.
Sie ist wegen ihres altmodischen Stils mit katzengoldgeschwemmten altkalurischen Runen auf ersten Blick als Tafel aus der Meißelstube des Kal Khazads zu erkennen:*
Cirmias Segen dem Waffenträger des Schlachtenheiligen, Tharkosh 'Rhukum' von den Graufelsen!
Deine Initiative, Dich dieser wichtigen Mission anzuschließen, begrüßen wir. Dein Auftrag, der Dir hierfür von den Kal Khaz-Graik zugeteilt wird, ist die bedingungslose Bewachung des verdienten Altnautisten Alric von den Donnerfäusten: Schütze ihn mit Deinem Leben! Eine erfolgreiche Absolvierung wird Dir als Begleitschutzaufgabe im Rahmen Deiner Ausbildung zum Wühler angerechnet.
Da jedoch ein Wühler immer mehr leisten muss, als es jeder andere tapfere Graik könnte, kommt folgende Bedingung erschwerdend hinzu: Entzünde ein Kerzlein am heiligen Feuer der Bauhütte und führe es während Deiner Mission in, auf und unter dem Wasser stets bei Dir. Es darf erst erlöschen, wenn das Wachs ganz aufgebraucht ist. Erlöscht es vorher, gilt dieser Auftrag als gescheitert und es folgt eine harte Strafaufgabe zur Läuterung der Schande.
Für die Dauer des Auftrags wirst du als rhukumischer Leibwächter der VII Kohorte zugeteilt.
Ruhm und Ehre den Kal Khaz-Graik!
Gez. Daz Kal Khazad Getwergelyn
*Daunter prangt das Wühlerwappen des Kal Khazads:*
*Am selben Abend wird ein kleines und unscheinbares Stück Katzengold auf heimlichem Wege an Geodiz von den Getwergelyn übermittelt. Fein und unauffällig sind einige Runen im geheimen Steno der Sonderbeauftragten der Kal Khaz-Graik eingeritzt:*
Sonderauftrag der KK-G: Versuche in einem günstigen Moment das Kerzlein des Rhukums zu löschen. Prüfe seine Aufmerksamkeit. Gez. K.K.
*Und so war der große Tag des Aufbruchs gekommen, Tharkosh hatte bisher alles bereit gelegt. Seinen extra flauschigen Überlebensrucksack welchen ihn Theaghan genäht hatte an und in welchem er alle nützlichen Dinge mitführen konnte welche für einen Kaluren auf so einer Mission wichtig waren. Aber auch die Laterne von Arthox führte er auf dem Weg zur Bauhütte mit sich in welcher er die Kerze platzieren, auf das sie zumindest von äußeren Einwirkungen geschützt wäre und kein Lüftchen sie ausblasen würde. In der Bauhütte angekommen galt es erst einmal seine Worte und Gedanken an Cirmias zu wenden. Leise murmelte der bärtige Kalure seine Gebete durch den Bart in die große Halle hindurch, gefolgt von Bitten welche Alric und den anderen Begleitern der Expedition galten. Aber auch für Theaghan, Arthox, Jaz und seinen anderen Brüdern sowie Schwestern wurden bittende Worte an Cirmias gerichtet. Nach ein paar Stunden richtete sich der Kalure sodann mit brennender Laterne wieder auf, um sich auf dem Weg zu Alric zu machen.
Während er durch die Straßen Nilzadans marschierte beladen wie ein Steinbeißer nur beladen sein konnte, begann es in seinem Bauch zu rumoren und ein ekelhaftes Kneifen zwang ihn dann doch eiligen Schrittes den Donnerbalken aufzusuchen. Sich auf diesem um Dunkeln nieder gelassen spendete ihm die mitgeführte Kerze einen kleinen Lichtschein welcher förmlich einladend auf einige Illustrierte auf der Ablage leuchtete.*
Whooooaa eine neue Ausgabe von ''Besonders haarige Kalurinen?''
*Tharkosh weitete seine Augen und begann sogleich während des Donnerns die Bildchen zu verschlingen. Die Stunden vergingen ehe sich die Tür des Häuschens öffnete und Tharkosh wieder ans Tageslicht kam um sich auf zu Alric zu machen noch immer mit der leuchtenden Laterne in seiner Hand bewaffnet.*
Das Vorhaben des tapferen Nautisten und des Rhukums Tharkosh dauerte einige Tage an, indessen erhielt man keinerlei Meldung über deren Verbleib oder darüber, ob die Expedition bereits erste Früchte tragen würde...
Die Tage vergingen und die vernetzten Ströme waren unübersichtlicher und unzureichender Kartographiert worden als zunächst von dem Altnautisten angenommen, das Vorhaben wurde dadurch unverhältnismäßig erschwert.
Die beiden rüstigen Kaluren begegneten auf ihrem Weg den skurrilsten Kuriositäten, wie beispielsweise einem vor sich hinbic'kelnden Gnom, der den lieben langen Tag nichts weiter trieb als ein und denselben Bic'kel erneut auszuwerfen - dabei triefte er wie ein trächtiges Walrossweibchen, als würde sein Weiterleben von dem Ausgang des Wurfes abhängen.
Eine Misere die von den beiden nur mit einem korrespondierenden Kopfschütteln abgetan wurde.
Der Verlauf der untergründigen Ströme wurde während des andauernden Vorhabens auf den neuesten Stand gebracht und die fehlenden und neu entstandenen Ströme eingezeichnet, dann, an der Stelle wo sie den legendären Einâr glaubten finden zu können machten sie halt und sondierten die Umgebung auf etwaige Hinweise.
Und tatsächlich:
So, wie es an die Oberfläche drang, so sollte es sich auch bewahrheiten. Eingebettet in uralte Wurzeln verhedderte sich der legendäre Einâr um gefunden zu werden und zurück an den Frostklammquell überführt zu werden!
Gemeinschaftlich machten sich die beiden Opportunisten daran das Wurzelgestrüpp um den Einâr gewaltsam freizulegen und schließlich mit dem Relikt an die Oberfläche zurückzukehren...
Gleich am nächsten Tag, in den frühen Morgenstunden, setzte Alric eine entsprechende Tafel auf um der Berichterstattung genüge zu tun. Jene Tafel wurde dann an den Pforten der Graikkommandantur abgegeben, zu Händen des Kal-Khazads Daz Getwergelyn: Cirmias' Gnade möge die reißenden Ströme gnädig stimmen, ehrenwerter Kal-Khazad und oberster militärischer Führer der Graik!
Das Expeditionsvorhaben 'Einâr' der VII. Kohorte wurde abgeschlossen. Der legendäre und zu lange als verschollen gegoltene Einâr wurde mit Erfolg zurück an die Oberfläche überführt.
Der Rhukum Tharkosh von den Graufelsen behütete meinen felsalten Kalurenleib vor dutzenden Gefahren, gleichwohl rettete er mehrmals mein Leben, man kann also zweifelsohne von Gefahr für Leib und Leben sprechen, mit der das Vorhaben an vielen Stellen gespickt war.
Ob die Expedition mit Erfolg abgeschlossen wurde, ehrenwerter Kal-Khazad, kann nur der Oberste Gotteskrieger allein beurteilen, mrâ.
Die Karten der tieferen Ströme wurden ebenso aktualisiert, für künftige Vorhaben der VII.