Die Pranke des Panthers

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Antorius
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Die Pranke des Panthers

Beitrag von Antorius »

Der Blick gen Himmel versprach, dass es ein schöner Tag werden würde. Nur wenige Wolken am Himmel und der noch feuchte Waldboden federte unter seinen Schritten. Die Sonne schien zwischen dem Blätterdach aus Buchen und Eichen hervor und spielte vorwitzig mit den schwirrenden Insekten des Waldes. Hier und da hatte er schon einen Bewohner des Waldes gesehen einen Fuchs, einen Hasen und sogar eines der zierlichen scheuen Rehe war ihm an diesem Vormittage begegnet. So zog er gutgelaunt durch den Wald, genoss diesen Spaziergang auf der Suche nach besonderen Kräuter und Pilzen.
Er fühlte sich sicher nahe dem Hort des Wissens tief im Innern des alumerischen Reiches. Er atmete tief die Luft ein und lächelte. Ruhe und Frieden... wie er jenes inzwischen zu schätzen wusste und diese absolute Stille keine lauten Geräusche und Stimmen zu vernehmen. Die Brauen zogen sich zusammen, nein.. da waren Stimmen. Er sah auf und sah hinüber zum Hof von Fräulein Levar. Er musste zweimal hinsehen als er dort dieses hässliche Echsenwesen und den noch viel hässlicheren Letharen sah. Nein, das konnte nicht sein, oder doch. Sein Blick ging zu seiner Sichel und dem Pilzmesser, zurück zu der schwarzen Gestalt und dann schalt er sich im Stillen für seine Dummheit seine gesamte Ausrüstung im Kloster gelassen zu haben. Eigentlich war es eine ganz dumme Idee, doch als Fräulein Levar laut um Hilfe rief kam er näher.
Den Dolch steckte er weg, es war lächerlich zu glauben diesem Wesen damit gewachsen zu sein.
Sorge stieg in ihm auf, wenn sie sich schon so weit vorwagten... was würde als Nächstes kommen? Während er versuchte das Wesen in ein Gespräch zu verwickeln und abzulenken, eilte Fräulein Levar davon. Ein kurzes erleichtertes Aufatmen, sie würde gewiss Hilfe suchen.
Er betrachtete jene Gestalt und versuchte ruhig zu bleiben, falsch verstandene Tapferkeit war hier im Augenblick genauso fehl am Platz wie Flucht. Früher oder später würde ihn beides dazu reizen anzugreifen, da machte er sich keine falsche Hoffnung, es war ein Spielen auf Zeit.
Er hatte schonmal einen von schwarzen Schatten besessenen Fuchs beruhigt, doch war dieser Lethar etwas anderes. Es war ein denkendes Wesen, dazu noch absolut fanatisch veranlagt. Wenige Zeit später kam Fräulein Levar zurück, in Begleitung eines gerüsteten Fräulein Janareys.
Kurze Zeit später tauchten zwei Panther auf, einer im Süden und einer im Westen und sie wurden dadurch in die Zange genommen.
Er bewunderte diese schönen Tiere, nun nicht unbedingt wenn sie danach trachteten ihn als als ihr Hauptgericht auf die Speisekarte zu setzen. Dann ging alles recht schnell, auf einen Wink des Letharen griff einer der Panther an und ehe er ihm ausweichen konnte wurde er von diesem mächtigen Leib zu Boden gerissen und unter ihm begraben. Ein glühend heisser Schmerz zog durch seinen linken Arm als die Pranke ihre Krallen in sein Fleisch bohrte und an ihm riss. Noch ehe die Zähne sich in seinen Hals bohren konnten, wurde der schwere Leib von ihm heruntergerissen und etwas benommen sah er zu wie vier Braunbären ihn zerrissen. Er rappelte sich rasch auf, so es sein angeschlagender Zustand ihm möglich machte. Fräulein Janarey forderte ihn zum Rückzug auf. Der Lethar zog sich finstere Drohungen ausstossend zurück, doch er ahnte, dass er sich damit nicht zufrieden geben würde.
Traurig sah er die leblose Raubkatze an, so ein wunderschönes Tier und er bedauerte seinen Tod.
Fräulein Janarey brachte ihn ins Hospital, um sich seine Wunde anzusehen. Sie wurde untersucht, gereinigt und er musste verschiedene Arzneien zu sich nehmen. Durch seine Benommenheit, ob nun durch den Blutverlust oder der eingenommenen Medizin konnte er nicht genau sagen ob die Schicklichkeit gewahrt wurde.
Als er jedenfalls wieder gen Abend klarer denken konnte zog er sich rasch die Robe über und die Decke bis an die Nase. Hm, die beiden Damen die ihn am Abend versorgten ahnten vielleicht, dass es da etwas gab was ihn arg in Verlegenheit bringen konnte. Er war erleichtert als sie der Meinung waren, dass er in Begleitung zum Kloster aufbrechen konnte.
Die Geweihtenschaft des Klosters wurde informiert, ebenso erging ein Bericht an das Regiment. Er wusste, dass es so kommen würde, ja er spürte Fräulein Wächterin Lilians Blick auf sich. Ja, er hatte einmal keine Rüstung getragen, entgegen zu seiner Gewohnheit sonst darin sogar zu schlafen. Dinge änderten sich eben, auch er änderte sich. Nicht das er deswegen verweichlicht oder schwach wäre, nunja leichter angreifbar allemal. Unbewusst hatte er ihr Nahrung gegeben und so versprach er das nächste Mal eine Wache mitzunehmen. Sogar das Angebot für Unterricht nahm er dankbar an, um sie zu beruhigen.
Aber er würde keine Frauen schlagen oder mit ihnen kämpfen, das machte er ihr mehr als deutlich. Das ging gegen seine Prinzipien, jawohl.
Zuletzt geändert von Antorius am Dienstag 5. Juli 2016, 11:05, insgesamt 1-mal geändert.
"Der Adler fliegt allein, der Rabe scharenweise;
Gesellschaft braucht der Tor, und Einsamkeit der Weise."
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Antorius
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Beitrag von Antorius »

Das Gespräch mit Hochwürden Aurea hatte ihn zum Nachdenken angeregt und so begab er sich alsbald an die neue Aufgabe, welche sich ihm offenbahrt hatte. Es hatte durchaus etwas für sich die 'Anderen' besser kennen zu lernen... ihre Kultur, ihren Glauben und ihre Verbündeten. Wobei der Glaube seine eigentliche Aufmerksamkeit fesselte, da er durchaus schon anhand der Bücher Ähnlichkeiten und Parallelen in den eigenen Schriften und Aufzeichnungen gefunden hatte.
So ging er zunächst mit seinem Ansinnen mehr zu erfahren behutsam vor und verbrachte viel Zeit im Hort des Wissens, besonders die Sparte über den Westen und die Rabendiener hatte es ihm angetan.
Tief versunken fügte er Zeile um Zeile in sein kleines Buch, manche mit einem Zusatz versehen, um später Hochwürden näher dazu zu befragen, während andere Dinge noch mehr Fragen aufwurfen. Vielleicht sollte er einmal versuchen jemanden zu befragen?
Zuerst ging er in Gedanken jene im Reich durch die ihm da vielleicht weiter helfen konnten. Ja, so würde er beginnen, das es schon einige Tage später ganz anders werden würde, ahnte er da noch nicht.

Einige Tage später...


Die Gruft war dunkel, feucht und die Gerüche verursachten ihm immer wieder Übelkeit, wenn nicht seine Neugier gewesen wäre herauszufinden wohin die ganzen Geheimgänge sich zogen... wäre er vermutlich umgekehrt.

Gerade als er den schmalen Treppenaufgang wieder nach oben gehen wollte, hörte er Stimmen disharmonisch einem Zischen und Schaben gleich und schmerzhaft für sein Gehör. Rasch, die Treppen wieder hinunterstolpernd drückte er sich in eine dunkle Nische. Er hielt den Atem an während die dunklen Schemen an ihm vorbeiglitten, sein Herzschlag setzte einen Moment aus... Letharen und ihre Verbündeten, nicht gut.. garnicht gut.
Ihm wurde abwechselnd heiss und kalt und er wusste, dass seine Chancen das unbeschadet zu überleben gering waren... er wusste aber auch, dass eine Flucht an ihnen vorbei mit höchster Wahrscheinlichkeit ebenfalls nicht gelingen würde. Er dachte nach und sah angespannt nach vorn.
Er bewegte sich etwas, das Geräusch gab sein Versteck preis und sofort war er im Focus ihrer Aufmerksamkeit gelandet. In der Dunkelheit konnte er nicht viel erkennen, einige erschienen zierlicher, weiblicher während im Hintergrund ein etwas größeres Männchen stand und eher zu beobachten schien. Sein Blick ging wieder nach vorn auf die kleine Gestalt die sich zu ihm hinbewegte.
Einen Kampf zu provozieren war hier das Dümmste was er machen konnte also befolgte er ihre Anweisung und ging auf ein Knie. Es erstaunte sie, doch er erreichte damit zwei Dinge, er wirkte kleiner und hoffte sie so näher an sich zu locken, vermutlich würde sie versuchen ihm die Waffe zu entziehen.
Sie kam näher und zerrte an seiner Waffe, welche er nicht losliess. Kräftemässig schien er ihr überlegen zu sein, das Gezerre schien ihr nicht zu gefallen und ein agressiver Laut folgte und so stemmte er sich wieder hoch um sie von sich zu stossen, nicht viel nur ein wenig. Kurz rechnete er damit dass Bolzen in seinen Körper einschlagen würden, doch nichts geschah? Was hatten sie vor?
Etwas flog an ihm vorbei, eindeutig muffiger Geruch und prallte an die Wand hinter ihm, sein Blick ging auf den Boden... Dunkelheit... Schwärze... Nichts.
Ein anderes Geräusch liess ihn wieder aufblicken. Eine andere zierliche Gestalt näherte sich ihm, vermutlich weiblich. Er verzog etwas das Gesicht, ein Mädchen.. also nein eine Frau, eine Lethra. Man kämpft nicht gegen Frauen, das ist unehrenhaft. Man beschützt sie ja, aber man kämpft nicht gegen sie. Er bezweifelte, dass das junge Letharenweibchen für seine Argumente zugänglich gewesen wäre und versuchte sich darauf zu beschränken sich zu verteidigen und ihr nicht weh zu tun. Nach einigen Schlagabtäuschen zwischen ihnen war er deutlich anderer Meinung was den Umgang mit Lethras betraf, sie hatte ihn versucht abzustechen, ihn zu entmannen und selbst als er versuchte ihr die Luft aus den Lungen zu pressen hatte sie sich gewehrt wie ein wildes Tier. Sein Gesicht war geschwollen und eine klebrige Flüssigkeit rann an seinem Gesicht hinunter, erst später erkannte er an dem Geruch, dass es Blut war, seines.
Er war benommen, während er sich versuchte aufzurichten hörte er die schweren Schritte die sich ihnen näherten, das Weibchen entfernte sich und er schloss kurz die Augen. Harsche Worte drangen zu ihm, dessen Sinn und Bedeutung er nicht mehr verstand, seine schwachen Versuche sich zu wehren oder dem Griff zu entziehen waren zwecklos. Er wurde vom Boden halb angehoben, etwas hatte ihn an der Brust gepackt, dann donnerte etwas gegen seinen Schädel und es wurde schwarz um ihn...
"Der Adler fliegt allein, der Rabe scharenweise;
Gesellschaft braucht der Tor, und Einsamkeit der Weise."
Friedrich Rückert
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