Da saß er nun. Im Dunkeln, im Wald auf einem achtlos umgefällten Baum worauf schon einige Pilze und Moose sich breitgemacht hatten. Drückend schwül lag die Luft, selbst Nachts, auf der Erde und ein leichter dunstiger Nebel, zusammen mit dem Fahlen Lichtschein der Sterne der sich durch die Blätter der Pflanzen brach, gab der Umgebung einen unwirklichen Ausdruck. Verloren, wie eine achtlos liegengelassene Puppe, saß er, mitten in der unheimlichen Stille die sich über den Wald gelegt hatte. Ein Häuflein Elend, das eine Flasche Rum, schon halb geleert, wie den rettenden Anker in den Runzelhänden hielt. Wie lange suchte er jetzt schon? Fünf Jahre? Zehn? Oder doch schon über die Hälfte seines Lebens? Wo war sie? Die Frau fürs Leben, welche sein altes Herz nochmal mit den jungfräulichen Flammen der Liebe entfacht. Wo war sie? Die wunderbare Persönlichkeit, die ihre Schönheit nichteinmal unter einer gealterten Haut verbergen konnte. Wo war sie? Die Frau, die ihn anlächelte, seine Socken vielleicht stopfte und gemeinsam mit ihm vor einem Kamin saß?
War er vergeblich hierhergestapft?
Seine alten Knochen machten sich schmerzhaft bemerkbar von der Herumsitzerei und er verlagerte sein Gewicht auf die andere Pobacke.
Keine war richtig gewesen bisher, oder war schon verheiratet. Ay, eine Liebe zerstören wollte er nicht, und so suchte er weiter. War denn ein bisschen Liebe schon zuviel verlangt?
Er hatte sich extra nach 4 Monaten wieder gewaschen und war sich neu einkleiden gegangen. Diese nette und nicht zu verachtende hübsche Dame, hat sich auch noch größtmögliche Mühe gegeben, das Beste aus ihm rauszuholen. Seine Haare waren gekämmt, der Fischmief größtmöglich mit einem Parfum überdeckt und sein Bart sauber gestutzt. Doch bisher.. Nur junge Leute. Große, kleine, dicke, dünne, hübsche und auch häßliche Leute waren ihm begegnet. War es denn zuviel verlangt eine alte, ebenso einsame Frau zu finden?
Wieder nahm er einen, seinen Hals hinunterbrennenden Schluck aus der Schnapsflasche. Billiger Fusel..
Vielleicht..vielleicht brauchte er erst eine Wohnstatt, ein wenig Ansehen und genug Gold. Ja.. Das wird es sein. Frauen stehen auf Gold. Je mehr desto bessere Kleider können sie sich kaufen. Ihm sollt es recht sein. Er selbst kauft ja auch nur einmal im Jahr ein wenn er selbst findet er miefe zu arg. Wahrscheinlich schwitzen Frauen mehr, deswegen brauchen sie so oft frische Kleider. Ihm sollt es recht sein.
Er schwankt etwas auf dem morschen Baumstamm, schüttelt brummend seinen behaarten Kopf (abgesehen von der Glatze auf der Schädldecke) und schmeißt darauf entschlossen die Flasche von sich...