Ums Krähennest und mehr

Jane Sylva

Beitrag von Jane Sylva »

Meine eigenen Leute hatten sie angeschossen, tödlich verletzt, im Glauben sie hätte La Cabeza verraten.Jaron wusste es besser, war sie doch als seine Spionin eingesetzt worden, doch was zu spät war, war zu spät.
Mit einem Zug waren all unsere Ziele für Cabeza erloschen,die gemeinsame Taverne, der Fuchsbau, der Schurken und Piraten gleichsam dienen sollte wurde geschlossen und hinterliess eine Leere die vorerst nicht gefüllt werden konnte. Was übrig blieb war Ratlosigkeit, der Hass auf meine Kumpanen die nicht mehr Verstand im Kopf hatten als die Schnösel auf dem Festland.
In Hayden hatte ich eine der wenigen Menschen gefunden,die mich verstanden,ja die mir sogar ähnelte,der ich bedingungslos vertraut hatte.Doch nun lag sie da wie eine Tote, wollte und wollte nicht erwachen,jedem Gemüse war mehr Bewusstsein zuzumuten als ihr .Würde sie so bleiben,würde sie je wieder erwachen und wenn, wäre sie noch dieselbe?
Ich wünschte diese Volltrottel von Bartolome und Sebastiano auf die Tiefen der Meere, in Gefolgschaft von Azyr dem Rabendiener.. welcher Irrsinn hatte Jaron bewogen diesem Kerl den Aufenthalt auf unserer Insel zu gestatten.Erst Ronja, nun Hayden... was, wenn so nach und nach Kra'thors Durst nach jungen Seelen gestillt wurde?
Solch trüben Gedanken nachhängend hatte ich mich seit Tagen in eine stille Bucht La Cabeza's verzogen, allein nur der Gedanke meinen Kumpanen zu begegnen liess mich nahezu erbrechen.
Gab's noch Rettung für Cabeza, würde Kra'thor uns verschlingen oder war es alles eine Ausgeburt meines wirren, vor Enttäuschung schreienden Geistes?

[img]http://i187.photobucket.com/albums/x177/GaidaO/Risen_2__new-02.jpg[/img]
Zuletzt geändert von Jane Sylva am Sonntag 10. März 2013, 21:27, insgesamt 2-mal geändert.
Jane Sylva

Beitrag von Jane Sylva »

Das Krähennest schien uns abzuschotten von allem Ungemach, Aufruhr und Alltäglichkeiten.Hier schien ich sogar die Unstimmigkeiten die innerhalb der Mannschaft aufkamen mit anderen Augen zu sehen .Hier schrumpfte alles zu einer nichtigen Unwirklichkeit, unwichtig und wert vergessen zu werden.
Auf dem alten Bärenfell liegend,die Annehmlichkeiten des tropischen Klimas nutzend liessen wir es uns gut gehen wie in alten Zeiten damals im Hafenviertel.Rum und Kraut, ein wenig von der guten Rumbananensuppe und wir lagen feixend da und lachten über die jüngsten Vorkommnisse auf dem Festland.
Jaron hatte sich einige Tage den Pflichten eines Gouverneurs entziehen können und berichtete schmunzelnd von der Ankunft Ador des 1., dem Kronprinzen und baldigem König Alumenas.Ein wahrlich buntes Bild zeichnete er, indem er das stocksteife Volk Adorans beschrieb,gepuderte Lackaffen, jeder sich selbst am nächsten, buckelnd zu Füssen des baldigen Königs.Mir sollte es nur recht sein.
Immer wieder senkte sich mein Blick auf Jaron,sein Gesicht hatte ich schon lange nicht mehr so wahrgenommen wir heute,jede Linie, jede Schattierung war mir ob all der gemeinsamen Jahre vertraut und doch betrachtete ich ihn heute Nacht mit anderen Augen.Es war, als gesellte sich eine andere Seite der so gewohnten hinzu, eine Seite die mir zuvor nicht so bewusst gewesen war - seine unerschütterliche Loyalität die er mir entgegen brachte. Still liess ich ihn erzählen, meine Augen nicht mehr von ihm abwenden könnend.
Plötzlich wusste ich wohin ich gehörte, es war wieder lebendig und ich blickte auf den Ring der wieder an meinem Finger steckte.


[img]http://i187.photobucket.com/albums/x177/GaidaO/JampJaron.jpg[/img]
Gast

Beitrag von Gast »

Müde klatschten die Wellen gegen den Rumpf des Schiffs, das Geschrei der Möwen weckte mich aus dem Halbschlaf. Möwen! Das bedeutete Land! La Cabeza! Jaron! Esteban?
Es waren lange Mondläufe vergangen seit der Sturm das Schiff ergriffen hatte, mich an ein Eiland werfend, wo ich mit Gelbfieber und dem nahen Tode rang. Die Einheimischen dieser kleinen tropischen Insel hegten mich, gaben mir wochenlang von dem furchtbaren, Würgreiz hervorrufenden Gebräu zu trinken, verboten mir jeglichen Alkohol. Ich weiss nicht wie lange es gedauert hat, bis mich meine Beine tragen konnten ohne dass ich wie ein knochenloser Körper in mich zusammen sackte.
Wie oft dachte ich an Jaron, an unseren Sohn Esteban... im Fieberwahn saß ich mit ihnen im Krähennest, mit wirr tanzenden Masken vor den Gesichtern, Masken wie sie die Schamanen der Insel zu tragen pflegten, mal lachend, mal angstvoll niederkauernd. Niemand wusste wo ich abgeblieben war, würde Jaron sich sorgen, ja mich sogar tot wähnend?
Ein kalter Schauer durchlief mein Gebein, nun trennten mich nur noch Stundenläufe von der Heimat, meine Insel, meine Zuflucht.. Jaron!
Ich rappelte mich auf bis zur Reeling, fest legten sich meine Hände an das salzige Holz und meine Augen vernahmen einen dünnen Landstrich in der Ferne... La Cabeza .. und mein Herz schlug schneller.
Gast

Beitrag von Gast »

Vom leichten Schaukeln erwachend, wähnte ich mich an Bord der Torro, mit noch geschlossenen Augen nach Jaron tastend, schlaftrunken und fernab der Welt, und ihren Späßen, zu begegnen. Doch fehlte das eintönige Schwappen der Wellen welches meinen Geist unruhig werden ließ, mich Stück für Stück der Realität näher bringend, bis ich schliesslich ein Auge zu öffnen wagte und mich im cabezianischen Teil des Heerlagers wiederfand.
Es gab keinen passenden Fluch für solch ein Ungemach, wie hatte ich mich nach unserem Eiland gesehnt und wie entmutigend war die Tatsache, das Wiedersehen mit dem Pack auf dem Festland feiern zu müssen.
Meine Hand tastete ins Leere, keine Spur von meinem Gatten, kein Holzbein, welches da an der Zeltwand hing! Beim Henker, es sollte mir wirklich weniger ausmachen, so viele Stümpfe und Narben, offene Wunden und fauliges Gewebe welches ich bereits gesehen hatte. Doch Jaron's Bein, es fehlte mir, sein Fuß, der sich an den meinen schmiegte, sein so eigener Gang, das alles war nun anders. Doch verdammt nochmal schalt ich mich und mein elendiges Lamentieren, ich konnte froh sein, dass ihn nicht die Fische gefressen hatten, noch immer waren wir beisammen, fast so schien es, als seien wir doch unsterblich, und wenn, dass starben wir gemeinsam, so wie erträumt, wenn auch nicht erwünscht, am Galgen, hoch über den Kopfen der Landratten, ihnen selbst im Tode hämisch zulachend! Ja, so und nicht anders!
Mit neuem Mut schwang ich mich aus der Hängematte, Jaron suchend aus dem Zelt schreitend, allen Landratten zum trotz, verdammt.. wo waren wir? Krieg? Das Gelbfieber hatt mir scheinbar doch mehr zugesetzt als mir lieb sein sollte, meine Eingeweide stachen, ich drückte meine Hand flach auf die rechte Seite, verdammich, ich musste mich vom Rum fernhalten, sonst hing Jaron alleine am Galgen, und wer wollte das schon.

[img]http://i187.photobucket.com/albums/x177/GaidaO/Jaron.jpg[/img]
Zuletzt geändert von Gast am Sonntag 27. Juli 2014, 12:10, insgesamt 1-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

Doch hatte mich der Rum wieder im Griff, ließ mich Jaron's armes Bein vergessen, verleitete mich jeden Tag in einem neuen Nebel aus Traumgebilden, Phantasien und weiteren Lügen ausharren. Es ist verwunderlich, wie weit der menschliche Geist seine wahren Bedürfnisse verleugnen kann, natürlich immer vorausgesetzt, dass er genügend Hilfsmittel die seinen nennen und nutzen kann. Es müssen an die sieben bis acht Mondläufe vergangen sein, als ich mich mit rasenden Leibschmerzen in der Gosse eines widerlichen Schmugglerdorfes wiederfand. Die Nacht durchzecht und meine Gedärme mit dem billigsten aller Fusel durchspült, kam nun die wohlverdiente Rechnung, Schmerzen und das, was ein jeder Säufer als das Schimmste bezeichnet, die nackte und simple Wahrheit die einem zähflüssig wie Blei in die Seele kriecht und einem das Herz einzuschnüren suchte. Verflucht wie ich es hasste!
Dort saß sie mir gegenüber, die andere Jackie, sich vor mir ekelnd, ihr Haar ordnend, den Dreck von ihrer Kleidern bürstend und starrte mir in die Seele- verflucht und verdam'mich, hau ab! Verpiss dich und lass mich!
Doch sie dachte nicht daran, sondern starrte weiter, mir ihren schönen und siegreichen Blick schenkend, stolz und so weit von dem versoffenen Ich meinerselbst entfernt.
"Du bist doch nicht etwa feige geworden?" sprach sie mit klarer Stimme ohne ihren starrenden Blick von mir zu lösen, "so feige, dass du es noch nicht einmal mehr erträgst die Qual deines Liebsten zu lindern?" Ihr Blick ließ mich erschaudern, sprach dieser doch plötzlich von all der Liebe die ich für Jaron empfand und im Rum zu ersäufen suchte. Feige, aye, das bin ich wohl geworden, ich, die ihm doch versprochen hatte ihm beizustehen, im Leben wie im Tode, und nichts davon hatte ich gehalten.
Mühsam und mit wankenden Beinen rappelte ich mich aus der Gosse hoch, suchte nochmals vergebens nach der "anderen", nach ihren mutigen, zuversichtigen Blick, doch war sie fort, dieses Gespinst meiner versoffenen Seele.
Und doch, als sich mein Blick in einem Kupferkrug spiegelte, entdeckte ich den "ihren". "Verdammt, wie hatte ich dich nur verlieren können, Jackie!"
Und es dauerte keine drei Wochen, dass ich wieder die Planken der Toro unter meinen Stiefeln fühlte, und Jaron sah, wie er pflichtbewusst Schießübungen an den großen Drachenrohren vornahm, seine Leute trainierte, eifrig und zielbewusst.
Ich folgte ihm später in die Kajüte hinab, ihn begrüßend und schwor mir, die Feigheit nie wieder Oberhand gewinnen zu lassen.

Cabeza wie auch Jaron hatten auf mich gewartet, und ich konnte mich glücklich schätzen, dass keiner von Minfay's Mädels Jaron's Koje besetzt hielt. Lag ihm so viel an mir, oder so wenig an Frauen, dass er all dies so ertrug und sich wie ein Edelmann gab? Ich würde ihn fragen, doch nicht heute.... ich hatte noch etwas zu erledigen, etwas, was nun keinen Aufschub mehr zuließ. Ich wollte Jaron für seinen Edelmut danken und ihm eines der schönsten Geschenke die Cabeza für uns bereithielt aushändigen, das verschollene Rezept des alten Rumbrenners!
Auch hatte ich dafür bereits einen Komplizen gefunden, den Bootsmann der Toro namens Dieto. Während Jaron noch grübelnd über dem Logbuch brütete, kamen wir ins Gespräch, um schliesslich festzustellen, dass sich unsere Ziele überschnitten. Cabeza zum Leben zu erwecken, unsere Insel in die Unabhängigkeit zu führen, sie zu einem Quell der Lebenslust zuführen, dass war es woran wir glaubten. Und das Rumrezept war der Schlüssel dafür.
Jaron hatte schon längst das Licht gelöscht, als wir noch über unseren Plänen saßen. Stunden später erst, schlich ich mich leise zu meinem Mann, strich sanft über sein Bein und schwor mir ihm eine gute Frau zu sein.

[img]http://i187.photobucket.com/albums/x177/GaidaO/mmmrum.jpg[/img]
Gast

Beitrag von Gast »

Cabeza, oh, wie ich diese Insel liebte! Wo Festländer froren, genossen wir die sanfte Brise der tropischen Breiten, die feuchtwarme Luft die einem die Sinne betörte, einem die Trauer geradezu aus dem Knochen sog.
Und doch schwebte eine Wolke über meinem Gemüt.
Das Pack hatte sich in der Zeit meiner Abwesenheit merklich verändert, hatte seine Fühler mehr und mehr auf's Festland gestreckt, war einen Pakt mit Rahal eingegangen, ja einige von uns lebten anstatt auf Cabeza im alatharischen Reich. Es rumorte in mir, nicht, weil ich keine Rahaler mochte, doch das zu welcher Tag- oder Nachtzeit auch immer gerufene "Seinen Segen!" schnitt mir ins Gedärm, ließ mich den Alka auf dem cabezianischen Thron sitzen sehen und über uns herrschen.
Am Abend des Strandfestes dröhnte mir dieser Gruß mindestens zwanzigmal und mehr entgegen, ich konnte nicht anders, und verfiel in die alte Manier und behandelte die "Gäste" als simple Landratten, Festländer die es nur auszurauben und einzukerkern lohnt. Bartos' Geist schwebte quasi über mir, doch allzu rasch musste ich feststellen, dass die Zeiten sich geändert hatten. Ich stand allein auf weiter Flur, ein Urgestein der alten Zeit, während das Pack mich unfreundlich anfauchte ich solle ihre Gäste in Ruhe lassen.
Dieto allein munterte mich auf, nahm mich fort von Rumlikör, Eis und Schirmchen, fort von Sandkuchen und fröhlich, seichtem unpiratischem Strandgezwitscher und ließ mich Teil eines eher lustigen Racheaktes werden, dem Tapezieren einer Taverne in purem Rosa!
Mit ihm schien alles unkompliziert, den Schalk im Nacken schien dieser Pirat das Leben zu geniessen, wenn auch auf keine dumme und oberflächliche Art, sondern begleitet von Tiefen die ich ihm zu Beginn nicht zugetraut hätte.
Den Rest des Abends tranken wir die Reste seines Rumbestandes leer, einen alten, jedoch trotzallem aus Melasse gebrannten Fusel. Doch mussten wir den Tatsachen ins Auge sehen und solange das REZEPT nicht gefunden war, solange galt es die Schnauze zu halten. Es sind schon Leute vor lauter Rumgenörgel gestorben, so zumindest predigte mein alter Vater. Dieto wurde mit jedem Schlücklein redseeliger, ich nicht minder und alte Geschichten wurden hervorgekramt, Geschichten, bei denen es unserem rumgeschwängerten Herzen gar rührseelig zumute wurde. Der Pirat hatte sein eigenes Päckchen zu tragen, eines, welches ich ihm beim Henker nicht abnehmen konnte. Arme Sau! Zu guter letzt wankte ich die Gassen des rahaler Labyrinths in Richtung Hafen zurück und forderte mich auf, das Alte gehen zu lassen und dem Neuen aufgeschlossener entgegen zublicken. Es wird schon werden, wir waren Piraten und hatten letztlich nur ein Ziel, die Freiheit, den Rum und das Gold der anderen.
Die Nacht verbrachte ich zwischen den Rumfässern der alten Brennerei, irgendwie meinen Frieden gefunden habend, zumindest für diese eine Nacht! Hoch lebe Cabeza!

[img]http://i187.photobucket.com/albums/x177/GaidaO/5591971242_55e205e0ea_b.jpg[/img]
Zuletzt geändert von Gast am Samstag 7. März 2015, 17:55, insgesamt 8-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

La Cabeza bot den verschiedensten Sorten Mensch Zuflucht, vom fleißigen Handwerker hin zur bedachten Heilerin, vom rohen Matrosen hin zur belesenen Kartographin, vom Fischhändler bis hin zur feinen und eleganten Dame, alles fand sich hier auf der kleinen Insel. Ich hatte einen Teil des alten Krähennestes bezogen, Jaron war kaum dazu zu bewegen, die Toro allzulange ohne Aufsicht zu lassen und so ließ er die anderen Räumlichkeiten verkommen und überließ sie der Öffentlichkeit. Dem Krähennest war sein Sinn genommen. Esteban war fort, Jaron kaum an Land und an mir nagte immer öfter die Gewissheit, dass ein neuer Teil unseres Lebens begonnen hatte, diese vier Wände waren nicht mehr die meinen. Zu schwer wog das Vergangene und erfüllte die Luft mit fauler Essenz.
Schon hatte sich ein klebriger, unfeinfühliger Kerl von Pirat in Jaron's Zimmer verguckt, sich bereits als Besitzer aufführend und den Rest der Aura des alten Krähennestes dahinmetzelnd, auf dass es mich fortzog, weiter Inseleinwärts, zum Wasser und den Kanälen, denen ich Entspannung suchend folgte und fischte.
Die Abende jedoch verbrachte ich meist am Wasser, zur Toro spähend, wissend, dass Jaron dort bis in die Nacht hinein über den Büchern hockte und mit dem Käptn beratschlagte.
Oft beließ ich es dabei und ruderte nicht hinüber sondern saß am Strand und betrachtete das Schiff, wissend, dass es Macht über jeden von uns hatte, uns rief und unsere Seelen fest im Griff hatte. Wie friedlich es da lag, im schimmernden Bernsteinmeer, und doch fühlte ich wie es wartete, still und gar dämonisch und unsere Seelen fraß.

[img]http://i187.photobucket.com/albums/x177/GaidaO/9782203393103_2b.jpg[/img]
Gast

Beitrag von Gast »

Krathor hatte den Alten also in die Tiefe gezogen, auf ewig dessen verrottende Seele bindend. Die Toro war mit ihm gegangen, gesunken, uns genommen worden und man mags kaum glauben wenn ich es sage, ich vermisste dieses alte Schiff. Sie war uns allen eine Heimat gewesen, wenn auch eine verfluchte und verdammte.
Es waren zahlreiche Monde verflogen seit ich Cabeza betreten hatte, Esteban war der Grund meines Fernbleibens, hatte ich doch tatsächlich erwachende Muttergefühle entwickelt und mich nach meinem Jungen umsehen müssen. Man hatte ihn zum Toppgast befördert, hoch oben in den Masten fand ich ihn, noch grad rechtzeitig bevor das Schiff abzulegen bereit war. Mir hämmerte das Herz, ein ungewohnter Augenblick der Nähe als ich den "Kleinen" erblickte und erkannte, dass er tatsächlich noch immer die Mutter in mir sah. Doch anstelle eines kleinkindlichen "Mama" kam ein "Ahoi Mutter, in stimmbrüchiger Stimmlage während die Augen funkelten und sich sein dunkles Haar keck über den Kragen wellte. Verdammt, Esti würde es den Mädels nicht leicht machen, er war größer und kräftiger als Jaron, schien die Wildheit seiner Mutter in seiner Seele zu tragen und war einfach der Sohn, auf den jede Piratin stolz sein konnte. Wir hatte gerade mal soviel Zeit um einander das Notwendigste zu berichten, die Familienbande zu stärken und einander das Versprechen abzugeben auch künftig am Leben zu bleiben. Esteban, mein Abkömmling, mein Sohn. Noch lange stand ich an der Pier, dem auslaufenden Schiff nachblickend und den Klabauter um die Sicherheit meines Kindes bittend.
Danach gings endlich heim, nach La Cabeza. Doch hatte sich dort Vieles geändert. Die Piraten so wie ich sie kannte, gab es so nicht mehr. Viele fremde Gesichter blickten mir entgegen und Sebastiano, unser Kanonier hatte sich zum Gouverneur der Insel gemausert. Auch Barthos war wieder zurück, benahm sich verrückter als je zuvor und hackte seinem Sklaven den Finger ab, bereit den auch zu verspreisen, wäre da nicht ich gewesen...Retterin aller Sklaven und Gebeutelten.
Doch wertschätzte man mein Eingreifen keinesfalls, eher schien's, als wolle man mich in die Schranken weisen, mir verdammt nochmal klarmachen, dass seit dem Tode Pereras hier nun ein anderer Wind wehte. Sebastiano zwang mich meine Flöhe loszuwerden, was mich in Erstaunen versetzte, war doch der Großteil meiner ehemaligen Kamaraden verlaust und verfloht gewesen? Unwillig kam ich seinem gepuderten Wunsch nach, Blutvergiessen zu verhindernd, höchstwahrscheinlich gar mein eigenes....
Ich hielt mich abseits, erkundete meine Insel auf eigene Faust, schlief mal am Strand, mal im alten Schamanenquartier, dem Ort an dem Jaron und ich unsere Ehe besiegelten. Ich suchte ihn und doch fand ich ihn nicht, konnte es sein, dass auch er sich verändert hatte, mich womöglich nicht mehr erwartete? Ich begegnete einem Piraten namens Leo, von ihm erfuhr ich Einzelheiten und die Pläne der Piraten. Wir würden ein neues Schiff bauen! Ein Schiff ohne den Alten? Etwas sprachlos saß ich noch lange da, wissend, dass unser Pakt weiterhin bestehen würde, unsere Seelen gebunden, mit oder ohne Schiff.
Doch zuerst musste ich Jaron finden und durchstreifte weiter die Insel.
Zuletzt geändert von Gast am Freitag 17. Juni 2016, 23:27, insgesamt 1-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

Wie Schuppen fiel es mir von den Augen, trat der einst gestohlene Schatz wieder in mein Bewusstsein. Ob's die verdammte gebackene Banane, oder Noliks mieses Gerede um Sklaverei und Schuld und was weiss ich nicht alles.... eins war sicher...Philip hatte damals die Insel verlassen, doch NIE den gestohlenen Schatz ersetzt! Hatte Hayden ihn damals freigekauft, allerdings ohne mir die geschuldeten Moneten zurückzugeben? Oder dachte Philip, dass ich mein Hirn eh bald gänzlich versoffen hätt', die alten Kamellen vergessen hätte???
Verflucht... ich hatte es tatsächlich vergessen!!
Na warte Bursche...
Noch in dieser Nacht begab ich mich an seine Wohnungstüre.... und hämmerte dagegen...
"Mach auf du verdammter Dieb!!! Gib mir meine Kröten wieder oder ich versenk dich im Hafenbecken, mache vorher Fischhack aus dir du Kröte!"
Noch lange vernahm ganz Cabeza dieses Getöse, bis es leiser wurde....
Jedoch kann der junge Schmied nicht hoffen, dass diese Erinnerung, einst wieder erwacht, so schnell wieder in Vergessenheit rutscht!

[URL=http://www.directupload.net][img]http://fs5.directupload.net/images/160616/v55ya9cn.jpg[/img][/URL]
Gast

Beitrag von Gast »

Der alte Lobewein lebte nicht mehr auf Cabeza, sondern im Hafenviertel. Die Pier war mit rahaler Wachen besetzt, eine wahre Mühe, ungesehen an denen vorbei und ins Haus des Alten zu gelangen. Schliesslich konnte sie die knarrende Tür von Innen schliessen,ein kurzer Blick....
Niemand war daheim, er musste vergessen haben, die Türe zu verschließen, still betete sie zum Klabauter niemals so vergesslich und senil zu werden wie dieser Tränkebrauer.
Sie ließ ihren Blick wandern, immer mal paranoid die Türe im Blick haltend, betrachtete sie auch die vollgestopften Regale, Kisten und Fässer. Es roch streng nach Kräutern, Tabak, See und nach ungewaschenem alten Mann. Nach einer gefühlten Ewigkeit durfte sie ihn endlich mit geladenem Schießeisen begrüßen. „Wird aber auch Zeit, Lobesang!“ „Lobewein“, verbesserte der Alte sogleich und hüllte das Hüttchen mit dem Rauch billigen Tabaks ein.
Mit schmerzverzerrtem Gesicht lag ihre Hand flach auf der rechten Bauchseite, ungeduldig murrte sie dem Alten entgegen.
„Das Gelbfieber hat mir die Leber zerschossen, so sehr, dass mir gar der Rum nicht mehr recht schmecken will! Einst hast du mir ein Mittelchen dagegen verabreicht, genau so eines brauch ich genau Jetzt!“
Der Alte nebelte sie weiter mit dem Rauch seiner Pfeife ein, erhob sich, beugte sich vor uns musterte ihre Erscheinung. „Siehst doch noch ganz ordentlich aus,“ ihre gelben Augen schlichtweg ignorierend und begab sich ins Nebenkabuff wohl suchend... leise derweil mit sich selbst sprechend... „Rum, aah da isser... hmm... aah hier!! „ Schließlich kehrte er wieder mit Rum und drei kleinen Fläschchen zurück. „Brauchst gar nicht zu gieren, der Rum ist für mich!“
„Der gelbe Trank wird dir deine Kräfte zurückgeben, ist ne wahre Kraftschleuder! Der Rote stärkt Geist und Körper und schließlich der Blaue, Lobewein's Tilger, der wird dich schlafen lassen, wenn die Schmerzen zu arg werden sollten. Nur trink nicht nicht alles auf einmal, wirst alles erbrechen sonst!!“
Endlich die Heilung in der Hand haltend, konnte sie nicht schnell genug zurück auf die Insel kommen, es lag ihr so gar nichts an Tagen und Nächten in rahalischen Kerkern.
Auf La Cabeza angekommen, machte sie sich auf die Suche nach ihrem Gemahl, hoffte ihn an seinem Schiff zu finden. Ihre Hand befingerte die Fläschchen und schon wurde eines unbesehen aus der Tasche gezogen, entkorkt und an die Lippen befördert. Sogleich fühlte sie sich stärker, ja gar mutiger! Ein Weiteres wurde aus der Tasche gezogen , entkorkt und getrunken... dieser Trank schien sie tatsächlich wacher zu machen, ihre Gedanken schienen klar wie Kristall.
Wenn da nur nicht dieser verdammte Schmerz, diese elenden Stiche gewesen wären. Da erblickte sie auch schon Jaron und lächelte ihm schief entgegen. Hatte er sich doch endlich von der Besprechung loseisen können.
Die Abendsonne tauchte den Horizont in ein dunkel, schimmerndes Rot, als würden sich Tonnen an Blut ins Meer ergießen wollen. Solche Abende waren selten, dazu noch allein, an der Seite von Jaron. Sie saßen an der Pier, Schulter an Schulter, und heute schien's ihr, als wären sie wieder zwanzig, damals im Hafenviertel. Zugegeben, er hatte sich verändert, das Haar war schütterer geworden, mancher Zahn durch einen Goldenen ersetzt, doch sein Wesen war so gewieft wie früher, jemand wie Jaron wurde nicht langweilig oder gar alt. Sie lehnte ihren Kopf dicht an seine Schulter, ließ ihn ihre Nähe und Zuneigung fühlen. Wenn nur diese beschissenen Stiche nicht gewesen wären.
„Lobewein gab mir das Zeug vorhin, soll den Schmerz nehmen, damit ich wieder besser Schlafen kann. Wusstest du, dass der Alte nun im Hafenviertel nahe der Pier lebt? In einem Loch von Hütte, umzingelt von Wachen. Wieso ging der eigentlich von Cabeza fort? Kann mich garnicht mehr recht erinnern.“ So plapperte Jackie daher und lupfte kurzentschlossen das blaue Fläschchen und hält es so, dass auch Jaron einen Blick erhaschen kann, und trinkt es in einem Zuge leer. Es dauert nicht lange, als Jackie sich aus der trauten Zweisamkeit windet, die Hände schmerzverzerrt gegen den Leib presst und leidend stöhnt. „Verflucht, Lobewein, du bringst mich um!“ gibt sie unter Stöhnen von sich, Blut rinnt ihr mittlerweile die Mundwinkel herab, Jaron kniet vor ihr, ohnmächtig vor Sorge versucht er ihr noch den Finger in den Hals zu stecken, doch umsonst, Lobewein's Tilger leistete ganze Arbeit. Jaron hielt sie fest, musste zusehen, wie das Leben langsam aus ihr wich, die Herzschläge immer langsamer wurden. Sie starb in seinen Armen und das Rot der Sonne legte sich wie ein Schleier über den Hafen Cabezas.

[URL=http://www.directupload.net][img]http://fs5.directupload.net/images/160815/j73oxmuf.jpg[/img][/URL]
Peder Lobewein
Beiträge: 27
Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Beitrag von Peder Lobewein »

Nur ein Blick in seinen Schrank genügt ihm, daß ihm die Auskunft gegeben ist, die er so auch gleich äußert: "Wer hat das eingeordnet, es ist alles durcheinaner". "Gift, gegen Gift, gegen anderes Gift... was ist das Blaue?.. das Etikett ist kaum zu lesen. Wahrscheinlich Gift." Für einene Moment lang scheint er etwas realisiert zu haben, ein Schauer mag ihn über die Rücken gefahren sein. Doch nur sehr kurz, ordnet er weiter; spricht dabei: "Ich hoffe, daß ich das nicht verabreicht habe- Tilger; was ein dummer Name.. wie mein Schmerztilger. So vieles ist so ungeordnet hier.. ha.. es könnte ein Leben kosten"
Zuletzt geändert von Peder Lobewein am Donnerstag 18. August 2016, 02:05, insgesamt 2-mal geändert.
Peder Lobewein
Beiträge: 27
Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Beitrag von Peder Lobewein »

""
Zuletzt geändert von Peder Lobewein am Donnerstag 18. August 2016, 01:54, insgesamt 1-mal geändert.
Antworten