Familienchroniken des Berges | Doch nicht Alleine

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Geodiz Getwergelyn

Familienchroniken des Berges | Doch nicht Alleine

Beitrag von Geodiz Getwergelyn »

Ein geschäftiger Tag für das unermüdliche Volk der Khaz-Aduir. Schubkarrenweise wurden diverse Erze, schimmernde Rüstungsteile, Waffen, Gussformen und der tägliche Bedarf der Bergarbeiter aus den Stollen zu deren Werkstätten transportiert. Ein gewöhnlicher Tag. Eine riesige, immense Menge an Weizen wurden dem Bhir Dar geliefert. Der Weizen duftete und weckte sehnsüchtige Gedanken an das dickflüssige und heilige Getränk. Einige Langbeiner, die wohl gekommen waren um das Göttererz in gegossener, geschmiedeter Form zu erwerben. Was für ein ruhiger und unaufgeregter Abend in Nilzadan. Geodiz ließ die Beine vom Dach des Sippenhauses baumeln und drückte sein Auge wieder auf das Fernglas. Auch wenn er selbst kein Anhänger der körperlichen Arbeit war, beobachte er sie gerne, all seine Brüder und Schwestern wie sie Cirmias Werk verrichtet. Er hatte unzählige Defizite, aber auch Cirmias war gütig zu ihm gewesen und hatte ihn mit anderen Attributen gesegnet, seine Aufzeichnungen, Schriften und Dokumentationen waren nötig, so er doch das meiste in einigen Wimpernschlägen wieder vergaß. So diente auch er Cirmias mit vollem Herzen und Verstand aber auf eine andere Art und Weise als die meisten des Volkes. Er ließ das Fernglas auf Brusthöhe herabsinken und öffnete seinen Bhirschlauch, genüsslich trank er einige Schlucke und blickte abermals in die Ferne. Eine Familie, der Vater eine Spitzhacke geschultert, die Mutter ein Körbchen voll Pilzen bei sich und der kleine Sohn eilte voraus. Hier und da wurde er zurückgerufen, vorallem als er einem der Lavaflüsse zu nahe kam. Schmerzliche Erinnerungen ereilten Geodiz. So war er doch bereits als junger Kurzbart tief in die Stollen abgestiegen, fernab seiner Eltern, seiner Familie, seiner Sippe und als er nach über einem Jahrhundert zurückgekehrt war, waren sie beide bereits seit Dutzenden von Jahren verstorben. Er vermisste sie, er war das letzte Überbleibsel, der letzte Stein in einer langen Dynastie. Er hatte sich nie sorgfältig mit dem Stammbaum, der Familienchronik befasst. Sehnsüchtig dachte er an die wenigen Kindheitserinnerungen die er noch hatte. Es wurden immer weniger, sein Geist war sein größter Gegner. Er merkte sich vieles, vergaß aber im gleichen Atemzug genauso viel.

Seine Wissbegierde trieb ihn aber zu dem alten Uthkam Goldzunge, welcher einen Großteil der administrativen Arbeiten in der Bibliothek des Berges erledigte. Mit vielen Büchern über seinen Familienbaum kehrte er zurück, in sein Zuhause. Die mittig platzierte Truhe als Tisch nutzend, breitete er alte Steintafeln, vergilbte Wälzer, Dokumente aus und begann zu blättern. Tausende verschiedene Namen und er fürchtete, all diese Zweige, diese großartigen Gerinnsel seiner Familie, in einem alten Stein enden zu sehen. Sein Stein, seine Last – der letzte direkte Nachkomme. Er näherte sich über Jahrtausende hinweg der heutigen Zeit an.

Da waren sie, bekannte Namen, sein wulstiger Finger fuhr die Zeile entlang.


Ihz Getwergelyn ----------------- Diri Eisenkiefer
| Sohn: Thranuk Getwergelyn |

Karmosh Trollspalter ----------------- Inka Goldstein
| Tochter: Mahrsa Trollspalter |


Seine Großeltern, nur sehr vage Erinnerungen hatte er an die Vier, aber irgendwo in seinem Hinterkopf klopften alte Geschichten. So waren es doch seine Großväter gewesen, die es ihm ermöglichten den Bhirvorrat zu erwerben, welcher ihm über ein Jahrhundert in den tiefsten Stollen Nilzadans ein Leben ermöglichte. Nachdenklich hob sich sein Blick und seufzend sah er für eine Weile in die Ferne, einige Bhire später fand sein Finger auf die Tafel zurück und fuhr weiter nach Unten.

Thranuk Getwergelyn ----------------- Mahrsa Trollspalter


Seine Eltern. Seine geliebten Eltern. Thranuk Getwergelyn, der allseits geschätzte Schlachtenpriester. Er diente vielen Kurzbärten als Vorbild, so war er doch stets furchtlos und schritt oder sprang einer jeden Gefahr entgegen. Dies wurde ihm auch zum Verhängnis, so sprang er doch von einem Steinvorsprung der Wachtmauer auf der Frostklamm fünfzig Fuß in die Tiefe als er eine größere Gruppierung der Letharen entdeckte. Er gilt als unbesiegt. So erschlug er bei dem Aufprall doch ein halbes Dutzend der Blauhäute, verstarb jedoch an Ort und Stelle durch den hohen Sturz.

Seine Mutter, die Kalurin mit dem größten Herzen, welches sich ein heranwachsender Khaz-Aduir nur wünschen konnte. Er schmeckte noch den letzten Bhirbraten, die herb gewürzten Kartoffeln und Pilze, die mit Zottelrattenmilch verfeinerte Bhirsauce.. Er schmatzte mehrmals und kleine Getwergelyntränen sammelten sich in seinen Augenringen. Wie sie geweint hatte, als er hinabschritt, in die absolute Dunkelheit der Stollen, in eine fast leblose und lebensfeindliche Umgebung. Doch es war nötig. Er wusste was für eine Last er gewesen war, was für eine Schande, unfähig auf Augenhöhe mit den anderen zu trainieren. Seine Schmiedelehre endete frühzeitig, so interessierte ihn die Beschaffenheit mehr, als das Formen und die hohe, traditionsreiche Verarbeitung des blauen Cirmiaserzes. Sein seit Geburt leicht gekrümmter Rücken und der bereits in jungen Jahren wirre Geist, hatte ihm ein gewöhnliches Leben verweigert. Seine letzte Bitte an die, ihn trotz allem liebenden Eltern war, ihn fortan nichtmehr zu erwähnen, so würde er doch Zeit seines Lebens nichtmehr an die Oberfläche zurückkehren. Sein Finger hielt an der Rune für „Sohn“ an. Er wischte sich mit dem Roben Ärmel über die bewässerten Augen und las seinen eigenen Namen.


| Sohn: Geodiz Getwergelyn |


Einige Zeit verharrte er schweigend, ehe er seine Hand löste und so auch den restlichen Teil der Tafel freigab.

| Sohn: Baz Getwergelyn |


Ungläubig blinzelte er. Immer wieder fuhr der Finger über den Namen. Die Augen so weit aufgerissen, ähnelte er einer Frostklämm’schen Schneeeule. Baz… Getwergelyn… einige Runen dokumentierten ein Adoptionsverfahren. Baznuk Donnerfaust. Er.. er war doch nicht der letzte Stein. Er war einer der Steine. Der Kalure, den er bewunderte, den er schätzte, welcher sich seiner Gedanken und Ideen so sicher war. Der ihn stets an seinen Vater erinnert hatte. Der Rationale und der Irrationale. Er hatte einen Bruder. Einen kleinen Bruder, der doch um so viel größer war als er.

Ein halbes Fass später, schleppte er sich zu dem Sippenhaus der Donnerfäuste und lehnte die Steintafel gegen die Liefertruhe.


*Ein Pergamentfetzen mit dem Siegel von Geodiz Getwergelyn, wird ihn als Überbringer identifizieren.*
[img]http://puu.sh/oPe0A/824a0ba2fa.png[/img]
Zuletzt geändert von Geodiz Getwergelyn am Donnerstag 12. Mai 2016, 18:50, insgesamt 2-mal geändert.
Baznuk Donnerfaust

Beitrag von Baznuk Donnerfaust »

Eine harte Nacht hatte er hinter sich, kauernd vor dem Bett von Eirin und die Nacht mit beten und flehen verbracht. So Hilflos, so angreifbar hatte sich der Kalure noch nie gefühlt. Ein Steinwurf davon entfernt etwas zu verlieren was er nie wieder bekommen würde, etwas verlieren dessen Wert für einen Kaluren unermesslich ist. Müde und angeschlagen treiben Ihn die Schritte langsam aus dem Sippenhaus um ein wenig freie Gedanken bei einem Rundgang durch den Nilzadan zu bekommen.

Doch weit kam er nicht, mit halb geöffneten Augen stieß er direkt beim verlassen des Hauses über etwas. Ein wirklich entnervtes schwaches brummen entfährt dem kurze dabei. Der Blick senkt sich langsam auf die Tafel die er umgeschubst hatte. Während er gerade dabei ist sie wieder aufzurichten stockt er sofort als er einige der Worte mit dem Auge erfasst. Es dauert einige Minuten bis er die Tafel dann doch aufstellt und sich vor Ihr nieder lässt.

Bei Cirmiâs, er hatte einen richtigen Bruder. Nie haben seine Eltern auch nur ein Wort über Ihn verloren. Die Finger streichen immer wieder langsam über den Namen von Geodiz. Einen Bruder, einen richtigen Bruder. Die Zeit ist verrückt, auf der einen Seite kommen Schläge des Lebens denen er kaum gewappnet ist und jetzt offenbart sich eine weitere Wendung im Leben des kurzen. Lange verharrte er vor der Tafel, Gedanken kreisen lassend.
Alle Khaz Aduir, egal aus welcher Sippe waren für Baznuk Brüder und Schwestern. Ein Volk, sein Volk. Er machte keinen Unterschied, sie teilten sich alle den selben Vater, hatten alle von Geburt an das gleiche recht und vor allem Pflicht den Götterberg zu beschützen.
Doch der Gedanke erfüllte ihn langsam mit Freuden, einen richtigen Bruder, mit den gleichen Eltern. Einen Bruder bei Cirmias! Die Finger glitten noch immer über Geodiz Namen.
Dies würde auch so einiges erklären dachte er sich. Es dauerte nur wenige Tage bis Baznuk und Geodiz als er den oberen Nilzadan erreichten ein inniges Verhältnis hatten. Vertraut. Verstanden.
Geodiz war um einiges älter, somit hatte er nun einen großen Bruder. Ein Gedanke der in Ihm die Zuversicht wieder ein zurück brachte. Geodiz war speziell, das stand außer Frage. Doch auch solche Köpfe brauch der Berg, Köpfe die anders denken und neue Wege aufzeigen können. Gepaart mit Fähigkeiten die im Berg nur kaum vorhanden sind.

Wo zuvor noch Tränen der Trauer und des Leides geflossen sind, folgten nun Tränen der Freude. Ein richtiger Bruder, weitere enge Familie neben der Sippe. Würde Eirin das elendige Gift überstehen wäre er wohl der gesegnetes Kalure im Berg. Sobald er die Zeit hat würde sein Weg eiligst zu Geodiz führen, doch noch kann er nicht fort. Seine Eirin brauchte Ihn.
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