Umfassen, fesseln bald den Geist
All derer, die zu schwach,
Die taumeln unter ihrer Last."
Schandmaul - In deinem Namen
05. Eluviar 257
Forschungsarbeit Nr.11, Das Buch der Namen
Unterthema Nr.1: Dominanz
Es gestaltete sich schwieriger als ich zuerst angenommen hatte. Seit vielen Wochenläufen trat ich auf der Stelle und das was ich in Erfahrung bringen konnte über das Buch der Namen war mehr als kümmerlich. Anfangs nur etwas Gehörtes, eine wage Vermutung, dass sich mit jenem Wissen schonmals im Konzil beschäftigt worden war, die Ergebnisse eher unbefriedigend, beschloss ich nun meine Ordensgeschwister hinzuzuziehen... vielleicht hatten sie Interesse daran gemeinsam für den Orden zu forschen?
Magister Githago schlug mir vor meine Suche auf die Akademie auszuweiten, ich persönlich zog es vor da nachzuforschen wo ich wusste, dass die Versuche anscheinend unbefriedigend ausgefallen waren, im Konzil des Phönix. Magistra Tangran wollte sofort mit den Versuchungen beginnen, ihr Eifer in Ehren hörte sie doch auf meinen Vorschlag erst einmal die anderen Institutionen zu befragen, was die Forschungszeit erheblich abkürzen könnte. Obwohl ich das Konzil eher als unseren Feind ansah, nunja wie dem auch sei. Ungewöhnliche Forschungen erforderten ungewöhnliche Massnahmen.
Manche einer sagte ich wäre verrückt es überhaupt in Erwägung zu ziehen, einfach hinzugehen und ein Gespräch zu wagen, immerhin stand viel zwischen uns. Sie, Abkömmlinge dieser verfluchten Magier von Tirell und wir, die Erben Korows. Jene die meinten sie würden ihre Pforten nur für die öffnen, die verantwortungsvoll damit umgehen könnten und wir, die keine Grenze akzeptierten und weiter erforschen würden, als je einer sich gewagt haben würde.
Es gab keine Grenzen, der Geist war frei und dennoch achtete ich darauf, jene Forschung nicht so weit zu treiben, dass niemand überlebte. Mir war wichtig dem Orden zu mehr Macht und Stärke zu verhelfen, dass unsere Schüler überlebten... der Nachwuchs unseres Ordens, meine Brüder und Schwestern und natürlich ich selbst.
Wahrscheinlich fing ich deswegen nun an meine Erkenntnisse auf Pergament festzuhalten, damit es für die Zukunft erhalten bleiben würde...
Also besuchte ich vor einigen Monden das Konzil, nicht unbedingt gesundheitsfördernd, dennoch hörte mich Magistra Nyome van Belfa wenigstens an, wohl auch wahrscheinlich deswegen, dass ich ihr von einer Vermutung meinerseits berichten wollte was das abstruse Verhalten der Magistra von Nebelpass erklären könnte, ohne ihr direkt zu verrraten, dass vielleicht der Geist unseres Magisters Githago in Lilians Körper stecken könnte.
Der Austausch war recht spärlich und gefährlich für mich damals noch dazu.
Dort etwas direkt zu erfahren einen Austausch der Gedanken zu versuchen erwies sich als eine Sackgasse, ein Gedankenaustausch mit Magistra von Nebelpass scheiterte mehrfach. Ich wusste, dass es nun fast unmöglich geworden war mit ihr zu reden. Ich musste das obere Stockwerk des Hort des Wissens verwüsten, um meinem Schüler und mir den Rückzug vor dem Regiment zu ermöglichen.
Es würde bei ihr nicht auf großes Verständnis stoßen, immerhin konnte ich Wort halten und Feuer wurde vermieden. Es ärgerte mich, dass hier jeder sie bevormundete wie ein kleines Kind, dass keinen eigenen Willen besaß. Also hieß es wieder einen halben Jahreslauf zu warten, bis das Regiment sich beruhigt hatte und es dem Zufall zu überlassen, dass unsere Wege sich wieder kreuzen würden.
Vielleicht tat sie es auch als meine kleine persönliche Rache für den Auflauf der aufgehübschten Bajader Weiber an meiner Bibliothek in Grenzwarth ab, wer weis.
Weswegen ich dazu über ging nicht Andere zu befragen, sondern mit dem was den Orden ausmachte zu beginnen. Erforschen durch Versuche an Mensch und Tier, um zu Ergebnissen zu kommen.
So war ein Themengebiet dass ich mit zu dieser Forschungsarbeit zählte die Bedeutung von Dominanz.
„Niedergeschrieben am 5. Eluivar 257
Begriffserklärung, Dominanz:
Dominanz bedeutet im allgemeinen Sprachgebrauch Herrschaft.
Dem Wort Herrschaft ist meist etwas negatives anbehaftet, dabei
ist sie grundsätzlich nicht einmal schlecht.
Die meisten Menschen setzen Herrschaft sofort gleich mit
grausamer Diktatur und bedingungslosem Gehorsam. Aber sind
wir einmal ehrlich, der Begriff Herrschaft bekommt dann einen
negativen Beigeschmack, wenn man die Bedürfnisse des Wesen
was man beherrschen möchte nicht erfüllen kann.
So bedeutet Herrschaft auch Macht und Einfluß. So eine Macht,
wenn sie denn von Dauer sein soll bedeutet eine große
Verantwortung.
Ist sie nicht von Dauer so ist es nur eine illusionärische Macht und
nicht lange von Bestand, da die Bedürfnisse des Wesens, das wir
beherrschen wollen nicht erfüllen.
Dem Wesen muss das Gefühl vermittelt werden, dass man sich
seiner Bedürfnisse annimmt und das was wir tun ihm zugute kommt.
Werden diese Voraussetzungen erfüllt so wird es sich unterordnen
und unsere Herrschaft anerkennen.
Fordert man Unterordnung mit Gewalt ein, so ist sie nicht von Dauer
und hat nicht lange Bestand.
Sobald aber diese Unterordnung aus freien Stücken erfolgt wird sie
Bestand haben. Das Wesen muss dann lernen den Entscheidungen die
man für es trifft zu vertrauen.
Um jene Herrschaft auszuüben, muss es etwas geben was wir
beherrschen können.
Dies kann alles sein beim Tier angefangen bis hin zu einem Dämon,
wobei letzteres mit einem gewissen Risiko verbunden sein wird.
gez.
Magistra Tangran und Adeptus Aemilius waren dem nicht abgeneigt mich zu unterstützen und so begannen wir. Einen Schritt vor den Anderen. Der erste Schritt würde uns in die Akademie führen, um jenes Thema nur anzureißen getarnt unter einem langen Gespräche was am Abend bald stattfinden sollte.
Ich bin gespannt was uns erwartet...