Schiff, Stadt, Gesetz

Geschichten eurer Charaktere
Antworten
Gast

Schiff, Stadt, Gesetz

Beitrag von Gast »

Ein paar Tage waren nun schon vergangen, als ihn der garstige Kapitän vom Schiff warf. „Hier, das darfst du sogar mitnehmen“, rief er Terbon hinterher und deutete auf ein halbstumpfes Schwert und ein Laib Brot auf einer der unzähligen Kisten.
Innerlich fluchend nahm er die Sachen mit und zog ziellos durch Bajard. War es überhaupt Bajard? Er hatte keine Ahnung, aber die Marktschreier priesen zumindest ihre Waren als die besten in eben jener Stadt an. Nun gut, dann war er eben hier.

Grundsätzlich war er keinem Gott zugehörig und so konnte er an niemandes Adresse Wünsche, Bitten und Hoffnungen richten. Er war dem Schicksal überlassen, doch dieses meinte es zumindest an diesem Abend noch gut mit ihm, als er seinen ersten Bekannten traf.
Lemo. Lemo aus Rahal. So stelle er sich vor. Nett war er ja schon, hilfsbereit auch. Und so nahm Letztgenannter ihn mit in die Stadt Rahal.

Er hatte erst wenige Schritte durch das mächtige Tor gesetzt, als Wachen, Lichter und allerhand zivile Personen vor dem dortigen Gardesitz versammelt waren. „Los, Herr Terbon, rein mit dir“, meinte Lemo gutmütig und noch ehe er ein Wort des Zögerns äußern konnte, sah er sich in einem großen Raum um, in dessen Mitte ein riesiger Steintisch stand.
Es muss irgendeine Frau, mit irgendeinem Rang gewesen sein, denn sie stand gerüstet auf Höhe der Tischmitte und ordnete die Meute. Sie stellte sich mit Alreidis Farinor vor.
Sie stellte die Gesetze der Stadt und des Reiches vor und stellte Fragen.
‚Durchaus gut gemacht und durchaus viel zu beachten hier‘, dachte sich Terbon, als er versuchte das Gehörte zu verarbeiten.

Den ein oder anderen Tag würde er schon noch benötigen, um alles auch restlos zu verstehen, aber er hatte ja Zeit. Viel Zeit. Er hatte ja nicht mal eine Aufgabe. Aber das würde schon werden…
Gast

Beitrag von Gast »

Die Sonne zog ihren eifrigen Weg über den Horizont nun schon einige Tage. Und das war auch schon das einzige, was sich wirklich änderte. Und auch das änderte sich ja eigentlich auch nicht wirklich.
So ging es auch Terbon.
Er erkundete die Stadt und gab sein, ohnehin weniges Gold, für Brot und Wasser aus. (Und natürlich auch Alkohol. Aber nicht weil er dies als Luxus empfand, sondern als bittere Notwendigkeit) Immer neue Ecken der Stadt offenbarten sich ihm und so langsam erlangte er einen Gesamtüberblick über Rahal und sich. Und natürlich dauerte es nicht lange, ehe er die einschlägigen Tavernen kannte, die einzelnen Lieblingsgetränke der Wirte und natürlich ihre schmutzigen Tricks, wenn sie ihm im Glücksspiel über den Tisch zogen.
Aber gut, so war ein Leben eben, was sich zu großen Teilen in den Tavernen der Stadt abspielte.

Doch Alkohol und vielleicht gedimmtes Licht hatten auch ihre guten Seiten. Denn so lernte er ein junges Mädchen kennen. Lauren Erlias. Nett anzuschauen war sie, das musste man ihr lassen. Bei dem Gedanken grinste Terbon breit. Doch nicht nur Lauren lernte er kennen, sondern auch einen gewissen Jean Laval. Er war großzügig (auch was Schnaps anbelangt), überaus interessiert an der Situation Terbons und auch sonst, ein sehr angenehmer Zeitgenosse. Mit ihm verbrachte er gerne Zeit. Und natürlich trank er mit ihm auch gerne!

Doch ein Abend war anders. Er hatte eine Frau dabei. Wie sich später herausstellte, war es seine Frau. Dieser Umstand wurde natürlich durchaus gewürdigt, denn schließlich war damit ein potentieller Konkurrent ausgeschaltet. Aber er freute sich auch für ihn, denn er schien glücklich. In der heutigen Zeit ein unbezahlbarer Glücksfall!
Doch irgendetwas stimmte an dieser, an seiner Frau nicht. Drei Schnäpse später, die übrigens alle von Terbon selbst vernichtet wurden, wusste er was an dieser Frau seltsam war, denn sie benahm sich nicht wie die übrigen leichten Mädchen in den Tavernen.
Sie war…der General. Ahad Laval.

Ein objektiver Beobachter hätte das erste Aufeinandertreffen von Terbon und Muireall Laval als „peinlich“ oder „beschämend“ bezeichnet. Aber Terbon ließ sich nur ungern in derartige Raster stecken. Er wusste es einfach nicht besser, versuchte aber dennoch sein Bestes. Und das zählte ja wohl, oder?
Natürlich wusste er zu Beginn nicht, wer sie war – gut, Frau Laval, war nicht richtig, wie er schnell erkannte. Und Schnaps war auch nicht richtig – gut, dass er ihn ohnehin selbst trank. Und auch die Verabschiedung war nicht ehrerbietend genug, aber…trotzdem ein gelungener Abend.
Denn nichtsdestotrotz konnten sich beide über Sichtweisen und Blickwinkel unterhalten. Ein kleines bisschen tauchten sie sogar in das tiefe Meer, was sich Philosophie nennt.

Er saß auf einem Steg im Hafen Rahals, den er nun dank Jeans‘ Rat gefunden hatte. ‚Heute gehe ich erstmal in diesen Tempel hier‘, formten sich seine Gedanken und er lehnte sich zurück, ‚mal sehen was sie so erzählen‘.

Dann hätte er nun auch diesen Stadtbrief, er wäre Bürger. Vielleicht nicht sonderlich viel, aber immerhin etwas.
Gast

Beitrag von Gast »

Es war ein hartes Stück Arbeit.
Den Weg zum Rathaus finden. Ihn erfragen. Diesen erklärt bekommen. Und der Beschreibung von Alreidis Farinos folgen. Sie hatte sich zwar sichtlich Mühe gegeben, aber dieses rechts, links, gerade aus, links oder dieses gerade aus, bis es nicht mehr geht, rechts, links. Uff...

Aber es war geschafft.
Sichtlich außer Atem kam er im ersten Stock des Rathauses an. Fräulien Lilien erwartete ihn schon und gab ihm sogar einen leckeren (Gott sei Dank) kalten Tee. Also das fing ja schonmal vielversprechend an.
So kam er erstmal zur Ruhe und blickte sich auf dem Stockwerk in Ruhe um. Der Statthalter war ohnehin noch nicht anwesend.
Doch da durchbrach schon ein ziemlich lautes: "TAUBEN..TAUBEN..TAUBEN..überall TAUBEN!", die Stille des Stockwerkes und sowohl er, als auch Lilien schreckten hoch. Er in bedeutend schlimmeren Maße, als sie - anscheinend kannte sie das schon. Er wusste es nicht, aber da sie keinerlei Anstalten machte, den Statthalter sofort in seinem Büro aufzusuchen, beruhigte sich auch Terbon wieder. Der Stadthalter war wohl kurzzeitig eingenickt.

Nachdem wieder Ruhe einkehrte und der normale Trubel im Rathaus auch schon für Terbon fast Nomalität war, wurde er auch schon reingerufen. Ihm wurde ein Platz am massiven Schreibtisch des Stadthalters angeboten. Soweit so gut. Auch das war schonmal erledigt. Denn bis vor wenigen Monden hatte er nicht gedacht, dass er mal hier sitzen würde. Einigermaßen anständig gekleidet und im Begriff die Bürgerschaft zu beantragen.

Was nun folgte war das Gespräch. Ein kurzes Vorstellen, ein kurzes Darstellen seines möglichen Nutzens für Rahal und ein Überprüfen des erlangten Wissens der erforderlichen Besuche bei Garde und Vicarius.

Es war deutlich anstrengender, als er es erwartet hatte. Knifflige Fragen und eine komische Atmosphäre. Bohrende Blicke und anstrengendes Nachhaken.

Doch nachdem er alle Fragen beantwortete und Fräulein Lilien ernstgemeinten Honig ums Maul schmierte, war es nun soweit.
Er war Bürger der Stadt Rahal.

Der erste Erfolg!
Antworten