Aus Sand geformt

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Abbas Wakur Omar

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Die Aufnahmeprozedur

„Am Abend“ stand auf dem Zettel, den er vor der Tür zu seinen Gemächern fand. Er wusste nicht welche Aufgabe Imraan für ihn bereit stellen würde. So saß er im Palast und wartete auf den Erhabenen. Niemand sonst schien im Palast zu sein, abgesehen von einigen Bediensteten. Dies war in der letzten Zeit jedoch nichts außergewöhnliches, man traf auch auf den Straßen nur weniger Menekaner an, und wenn doch, waren es zumeist die selben.

Als er dort saß und auf Imraan wartete, drehten sich seine Gedanken um die Ereignisse der letzten Zeit. Dann hörte er Schritte von der Treppe kommend, es war der Erhabene, voll gerüstet und mit einem Lächeln auf den Zügen. Es erfolgte eine kurze Begrüßung und die Anweisung, dass Abbas die Uniform der Janitschare anlegen solle. Leicht verwundert darüber eilte er zu seinen Gemächern und legte so schnell wie möglich die Rüstung und Uniform an. Der Erhabene wartete vor dem Palast und ging schweigend voraus, in Richtung des Tempels. Abbas folgte, doch war er sich noch nicht im Klaren, was ihn erwarten würde. Der Erhabene ging weiter schweigend voraus, hinein in den Tempel, ein kurzes Gebet gen der Mara und die Treppe neben dem Altar hinab. Abbas folgte ihm weiterhin, er stellte keine Fragen. Im Untergeschoss des Tempels angekommen, führte er ihn eine Treppe hinab. Es brannte kein Licht, nicht einmal die Hand vor Augen konnte man erkennen. Doch die Schritte des Erhabenen hörte man deutlich, er ging die Treppe hinab, als könnte er in der absoluten Dunkelheit alles klar sehen oder als ob er diesen Weg schon hunderte Male gegangen sei. Abbas beeilte sich so gut er in dieser Dunkelheit nur konnte. Als er vielleicht das erste Drittel der Treppe hinunter war, öffnete Imraan eine Tür und zog einen Vorhang zur Seite. Endlich, ein paar Lichtstrahlen fanden den weg und erleuchteten die Treppenstufen. Abbas eilte ihm nun schnell nach und huschte beinahe zögerlich nach ihm in den Raum hinein.

Sein erster Blick fiel auf den Tisch, dann sah er einen Menekaner vor einer Eluivestatur beten, zu seiner Rechten stand Khalida. Imraan befahl allen sich zu setzen, der betende Menekaner war Sahid. Langsam dämmert es Abbas, wo er hier war und was ihn nun erwarten könnte, auch wenn er nicht ahnte, was an diesem Abend geschehen würde. Alle vier setzten sich an den Tisch, Imraan begann sogleich zu erzählen. Abbas lag mit seiner Vermutung also richtig. Er war in den heiligen Ordens-hallen der Hadcharim. Abbas war einst bei der Verkündung in der Akademie, dass der Orden wieder aufleben soll, dabei. Daher waren ihm Imraans kommende Worte nicht ganz fremd. Anschließend stellte der Erhabene die Frage, ob sich Abbas anschließen würde, es wäre kein leichter Weg und er würde diese Entscheidung wohl oft verfluchen.

Doch natürlich wollte Abbas sich anschließen. Er wollte der Mara, dem Emir und dem Volke bestmöglich dienen. Welcher Weg wäre für ihn besser geeignet, als der eines erwählten Streiters. Die Einwilligung folgte demnach schnell und aus tiefster Überzeugung. Um dies zu bestätigen, sollte er vor der Statur Eluives niederknien und dies bekunden. Der Schwur erfolgte sogleich, doch war dies noch nicht das gesamte Aufnahmeritual. Imraan, für ihn nun Maleem, legte seine Hand an Abbas Kopf und drehte ihn zur Seite. Khalida und Sahid standen ebenso, sehr dicht, um ihn herum. Es wurden weitere Worte gesprochen, Abbas nickte zustimmend und blieb weiter auf den Knien.

Er ließ sein Leben hinter sich, ab jetzt wäre der Orden seine Gegenwart und Zukunft. Wonach er streben würde, wäre die Ausbildung, keine anderen Belange. Die Aufnahmeprozedur war alles andere als behutsam, doch als Janitschar und stolzer Sohn der Omar, mochte man ihm das nur bedingt ansehen. Selbst als der letzte Schritt von statten ging, und er wahrlich einen Teil von sich an Ort und Stelle hinterließ.

Es war nun also soweit, er wurde als Talif in den Orden aufgenommen. Nun sollte Sahid sich an Abbas Stelle vor der Statur niederknien. Bei ihm folgte ein ähnliches Ritual, doch mit einem anderen Hintergrund.
Als auch dieses abgeschlossen war, nahmen alle wieder am Tisch platz. Imraan würde ihn wohl noch einige Tage schonen, ehe seine Ausbildung beginnen würde. Zusammen mit Sahid verließ er die Räumlichkeiten und sie sprach noch einige Worte, ehe er sich zurück in Gemächer ging.

Dort angekommen, legte er die Rüstung ab und fand sich auf den bequemen Kissen ein. Es war spät, doch seine Gedanken ließen ihn nun keinen Schlaf finden. Es erfüllte ihn mit Stolz, dass die Mara ihn für diesen Weg als würdig erachtete. So gab es nun wieder eine Aufgabe für ihn, die letzten Wochenläufe waren dahingehend eher ziellos. Noch lange verweilte er auf den Kissen, ehe er sich in sein Schlafgemach zurückzog. Er müsse ausgeruht und bei voller körperlicher, wie geistiger Kraft sein.
Abbas Wakur Omar

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Die Erste Lektion des Erhabenen

Der Erhabene bestellte ihn am gestrigen Abend zum Kasernenplatz. Ihm war bewusst, dass es wohl heute zum ersten Mal an die körperliche Ausbildung gehen wird. Mit diesem Wissen schonte er sich ein wenig bei seinen morgendlichen Übungen, auch ließ er einige Schreiben unbeantwortet.

Am Abend wartete er im Kasernenhof auf seinen Maleem, sie sprachen einige Worte über aktuelle Gegebenheiten, ehe Thahida aus der Kaserne trat. Der Erhabene schien über diesen Umstand recht erfreut und bat sie darum an der Übung teilzunehmen. Als Haras des Ordens folgte sie dem Verlangen des Maleems natürlich sogleich. So begaben sich alle in den kleinen Übungsbereich der Kaserne. Sie standen im Dreieck und Imraan erzählte, als er nebenbei in seiner Manteltasche kramte. Im nächsten Moment flog ein Apfel auf Abbas zu, er reagierte noch im letzten Moment, doch mehr als das er seine Hand hob und der Apfel daran abprallte war in dem Augenblick nicht möglich. „Erwarte das Unerwartet Talif“ sprach der Erhabene zu ihm. Er nickte und bückte sich nach dem Apfel.

Der Erhabene frage Abbas welcher Arm sein Schwertarm sei, wie bei allen Janitscharen war der rechte Arm sein Schwertarm, dies wurde einem jeden in der Ausbildung so beigebracht. Thahida sollte sich Abbas gegenüber aufstellen, Imraan stand hinter ihm. Auf einmal packte Imraan den rechten Arm von Abbas und drückte ihm diesen auf den Rücken. Einen Handgriff später zückte der Erhabene einen Lederriemen und band ihm den Arm auf den Rücken fest. Was nun also folgen sollte, konnte Abbas sich denken. Thahida sollte ihn angreifen und er sollte mit dem Säbel in der linken Hand ihre Angriffe parieren. Der Erhabene, immer noch hinter ihm stehend, drängte ihn dann Thahida entgegen. Die ersten Schläge konnte er besser parieren und ablenken, als er es im Vorfeld dachte. Doch als Thahida einen Schlag aus der Drehung ausführte, konnte er mit dem ungeübten linken Arm dem nicht viel entgegen setzen. So schlug sie den Säbel im der linken Hand mit Leichtigkeit zur Seite und die stumpfe Seite des Säbels schlug mit voller Wucht gegen seinen Oberarm. Der Schmerz fuhr durch seinen gesamten Körper, er benötigte eigentlich einen Moment, doch fuhr Thahida weiter fort. Noch zwei oder drei weitere Schläge fuhren auf ihn ein, ehe der Erhabene ihn zurück zerrte. In dem Moment war er ihm dankbar, er rechnete damit, dass der Maleem nun noch einige Worte sagen wollte. Doch war die Übung noch nicht beendet.

Nun sollte Abbas mit dem ungewohnten Schwertarm Thahida angreifen und sie sollte parieren, allerdings mit ihrem gewohnten Arm. Er war sich nicht sicher ob er noch einen vernünftigen Angriff ausführen könnte. Doch wollte er sich weder vor dem Erhabenen, noch vor Thahida die Blöße geben. Also erfolgte ein Nicken und er trat auf sie zu. In seinen Übungen hatte er schon einige Male mit dem linken Arm Hiebe auf die Übungspuppen ausgeführt. Daher war ihm dieser Part nicht ganz so fremd wie der Vorherige. Die ersten Schwünge und Hiebe hiebe parierte sie allesamt gut. Dann versuchte er mit einem kräftigen Schlag ihr Handgelenk zu treffen, sie wehrte den Schlag noch ab, doch bekam sie keinen festen Griff mehr und hatte dem nächsten schnell ausgeführten Säbelschwung nicht viel entgegen zusetzen. Damit zog er der Erhabene Abbas und Thahida wieder auseinander.

Als Strafe für ihr Versagen, musste Thahida das Schild über den Kopf halten und die Knie im Wechsel heben, als würde sie auf der Stelle laufen. Währenddessen wandte sich der Erhabene wieder Abbas zu und sprach einige Worte zu ihm. Auch wenn der Schmerz im linken Arm noch Allgegenwärtig war, lag all seine Aufmerksamkeit auf Imraan. Wie aus dem Nichts flog wieder eine Frucht auf ihn zu, dieses Mal konnte er die Frucht mit dem Säbel abwehren. Er traf sie zwar nicht sonderlich gut, aber so dass er die Frucht nicht abbekam. Der Erhaben schien soweit zufrieden mit ihm. Er band ihm auf den rechten Arm wieder vom Rücken los. Doch seine Aufgabe war es für die nächsten 2 Wochenläufe den rechten Arm nicht einzusetzen, außer es wäre eine Situation, in der er gegen dem Feind gegenüber stehen würde. Er sollte lernen mit dem linken Arm ebenso kämpfen zu können wie mit dem rechten, natürlich sollte er auch alles andere mit dem linken Arm beherrschen. Und dann zog sich der Erhabene zurück.

Abbas verließ den Übungsbereich und stellte fest, dass sich einige Menekaner eingefunden hatten, um der Übung beizuwohnen. Doch er verschwand schnell im Kasernenkeller, nahm sich einige Bandgagen mit und zog sich in seine Gemächer zurück. Dort angekommen, legte er die Rüstung ab, der Arm pulsierte und war stark gerötet, da wo Thahida ihn traf. Nachdem er es notdürftig verbunden hatte, legte er sich zu Bett. Der Schlaf stellte sich schnell ein, war traumlos und fest. Am nächsten Morgen nahm er den Verband ab und an seinem Arm zeichneten sich verschiedene Farben wieder. Ein langarmiges Hemd sollte dies verdecken. Danach suchte er einen Diener auf, der ihm den Arm stramm auf den Rücken band, so wird man ihn in der nächsten Zeit wohl immer antreffen.
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Eine beschwerliche Suche

Er ging am Morgen in seinen Gemächern auf und ab, es war eine kurze Nacht in der er kaum ein Auge zu bekam. Der rechte Arm war noch immer auf den Rücken gebunden, mittlerweile gingen ihn nahezu alle alltäglichen Dinge leicht von der Hand. Selbst bei den Kampfübungen schlug er sich mit dem ungewohnten Arm besser als zuvor. Noch einen Tag und einen Wochenlauf, dann wäre diese Aufgabe erfolgreich überstanden. Seine jetzige Aufgabe hingegen trieb ihn beinahe zur Verzweiflung. Der Maleem trug Sahid und ihm auf, ihren eigenen Ort der Macht zu finden. Dies war kein Ort im normalen Sinne, es war viel mehr ein Ort den man gedanklich aufsuchen sollte. An diesem gedanklich erreichten Ort, sollte man alle überschwänglichen Gefühle in den Hintergrund schieben können.

Sahid schien schon bei der Erteilung der Aufgabe einen solchen Ort für sich gefunden zu haben. Abbas hingegen dachte seitdem gestrigen Abend an nichts anderes, doch wollte ihm kein solcher Ort einfallen. Die meisten schönen Orte verband er mit vergangenen Erinnerungen, die eher noch stärkere Gefühle auslösten, als dass diese dadurch in den Hintergrund geraten würden. Doch er wusste, dass er schnellstmöglich einen solchen Ort für sich finden muss, schließlich hing der weitere Verlauf seiner Ausbildung daran. So ging er also schon seit Stunden auf und ab, die Stirn mit tiefen Grübelfalten gefurcht.

Am gestrigen Abend hatte er dies betreffend eine längere Unterhaltung, doch auch aus dieser ergab sich für ihn die Lösung nicht. So entschied er seine Gemächer und den Palast zu verlassen, er wollte sich in der Stadt umschauen, vielleicht würde ihm dabei die Erleuchtung ereilen. So schritt er durch die Straßen Menek'Urs, auch gewisse Abschnitte der Durrah. Bei den Anblick verschiedener Orte, kreisten seine Gedanken entsprechend an gewisse Erinnerungen, manche zauberten ihn ein Schmunzeln auf die Züge, andere ließen ihn eher den Kopf schütteln. Am Ende seines Rundganges, landete er wieder in der Oase. Die Oase ein friedlicher Ort und wunderschön. Doch auch dies war kein „Ort der Macht“ für ihn. So beschloss er einen Rundgang auf der Stadtmauer zu machen, vielleicht würde ihm Ablenkung gut tun.

Einige Schritte und Begrüßungen der wachhabenden Janitschare später, stand er auf der Mauer und schaute hinaus aufs Meer. Sein Blick schweifte den Strand entlang, als ihm dieser besondere Ort ins Auge fiel. Auch wenn dieser nach der großen Flut verändert war, meinte er diesen Ort wieder zu erkennen. Er eilte schnell von der Stadtmauer und um diese herum, um den Ort den er erblickte genauer in Augenschein nehmen zu können.
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Eine gewisse Erlösung

Es war ein willkommenes Gefühl, beinahe schon eine gewisse Erleichterung. Heute war der erste Morgen, an dem Abbas keinen Diener befehlen musste ihm den Arm auf den Rücken zu binden. Nicht dass die Diener sich weigerten, doch musste er den Diener immer ermahnen, die Riemen auch wirklich festzuziehen. Er saß noch in seinem Bett und schaut auf den alten Lederriemen, der unweit auf einer Kommode lag. Der Maleem gab ihm den Riemen und erzählte, dass schon viele Anwärter vor ihm dieses Vergnügen hatten den Riemen zu benutzen. Das sah man dem Riemen sehr deutlich an. Das Leder war spröde und brüchig, doch würde wohl auch Abbas nicht der letzte sein, der mit dem Riemen diese Erfahrung sammeln wird. Mit einem Schmunzeln sah er noch eine Weile auf den Riemen, ehe er entschied aufzustehen. Den Riemen würde er dem Maleem beim nächsten Treffen überreichen.

So begann der Morgen nun wieder in gewohnter Routine, er machte sich frisch und kleidete sich ein. Auf dem Weg zum Tempel nahm er sich eine Handvoll Datteln zur Wegzerrung mit. Im Tempel selbst herrschte Stille, was ihn sehr gelegen kam. Hajifa hatte die Aufgabe bekommen, ihm die Kunst der Meditation beizubringen. Es war ein fremdartiges Gefühl von ihr unterrichtet zu werden und dies schien auch für sie ein wenig ungewohnt. Ihre Worte waren teilweise recht zögerlich, doch hat sie, soweit Abbas dies beurteilen konnte ihre Sache gut gemacht. Wie von ihr als Aufgabe gestellt bekommen, saß er nahezu jeden Abend in seinen Gemächer und ließ den Tag vor seinem geistigen Auge Revue passieren. Dabei ging er auf alle Gefühle ein, die er den Tag über erlebt und verspürt hatte. Es war nicht immer leicht, bei manchen Dingen konzentriert zu bleiben, doch mit jedem Abend, dem er sich der Meditation widmete schien es ihm besser zu gelingen. Doch im Tempel fiel es ihn noch etwas schwer, das ständige kommen und gehen riss ihn wieder und wieder aus seinen Gedanken. So betete er zur Mara, wie er es jeden Morgen tat und verließ den Tempel dann wieder.

Nun war es Zeit sich seinen körperlichen Übungen zu widmen. Durch die Gegebenheiten der letzten beiden Wochenläufe, war er gezwungen gewisse Übung mit nur einem Arm auszuführen, wie zum Beispiel den Liegestütz. Die ersten Tage schaffte er kaum mehr als ein halbes Dutzend. Doch gewöhnte sich der Körper auch an diese Art der Belastung. Zudem übte er mit Hajifa zusammen, diese sollte ihr Defizit in körperlichen Belangen ausgleichen. So sah man die beiden manchen Morgen im Kasernenhof Liegestütz und andere Übung ableisten. So kam es, dass Abbas nun die geforderten zwanzig Liegestütz der letzten Gardeübung auf einem Arm schaffte. Doch werden dies bestimmt nicht die letzten qualvollen Übungen sein, die er im Laufe der Ausbildung erfahren wird.

Danach war es an der Zeit, dass er den Kampf mit dem Säbel in der linken Hand wirklich erlernte. Die letzten beiden Wochenläufe waren hauptsächlich dazu gedacht, dass er das Feingefühl in der linken Hand bekam. Ab dem heutigen Tag würde er den Schild rechts tragen und den Säbel in der linken Hand. Er war sich bewusst, dass er nun einiges zu lernen hatte, doch würde der Vorteil am Ende vielleicht einmal entscheidend sein. Er war gespannt, ob wirklich passieren würde, was ihm die Sekban prophezeite, ihrer Meinung nach würde jetzt wohl ein jeder Akemi eine gute Chance gegen ihn haben. Wenn er ganz ehrlich zu sich selbst war, hatte sie damit wohl nicht ganz Unrecht. Zumindest für eine gewisse Zeit, denn er war festentschlossen, dies zu erlernen. So dass es keinen Unterschied macht, mit welcher Hand er den Säbel führt.
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Lehren des Tempels

Callista bestellte ihn in den Tempel, wo er nach und nach von und gemeinsam mit ihr gewisse Fragen des Glaubens und des Weltlichen erörtern sollte. Als er zur ersten dieser Unterrichtstunden erschien, sah er Callista zum ersten mal aus einem anderen Licht. Sie stand ihm nun als Prehaatim gegenüber und er war für sie in dem Moment ein Schüler. Ihre Gesichtszüge wirkten ein wenig ernster als sonst, keineswegs unfreundlich aber bestimmt. Sie stellte einige Fragen zur bezüglich der Entstehungsgeschichte. Abbas kannte den groben Umriss, doch war ihm die Gegenwart wichtigen und erschien ihm schon immer interessanter als die Vergangenheit. Dies spiegelte sich wohl in seinen Antworten wieder. Und so lenkte sich das Gespräch in eine andere Richtung, für den nächsten Unterricht, wäre die Entstehungsgeschichte wohl noch einmal zu erzählen. Des Weiteren sollte er sich Gedanken über Meditation machen. In den letzten Wochenläufen versuchte er im Tempel wie auch in seinen Gemächern eine Form der tiefer Meditation zu erreichen. Doch wusste er noch nicht wie er dies in Worte fassen sollte.

Immer wieder traf er sich mit der Prehaatim um über Themen des Glaubens und der Geschichte der Menekaner zu sprechen. Nach und nach handelten sie Themen wie Rituale und Traditionen ab, aber auch Glaubensfragen und mögliche Konflikte innerhalb und außerhalb des Volkes. Er stellte dabei fest, dass er wohl eine schärfere Ansicht der Dinge inne hatte, als dies bei Callista der Fall war. Als beide diesen Umstand bemerkten, wurde das Gespräch darauf vertieft. Sie unterhielten sich über das Für und Wider dieser Ansichten seinerseits. Auch wenn er das nicht gern zugeben würde, in gewissen Dingen war sein Sichtfeld wohl etwas vorurteilsbelastet und sie konnte ihn eine andere Sichtweise auf diese eröffnen.
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Lehren der Akademie

Die Akademie, da stand er nun vor dem großen Gebäude, bisher war er nur selten hier gewesen. Doch heute würde er hier als Schüler sein, nicht nur als Gast. Ein etwas komisches Gefühl, da er sich mit dem Lied nur bedingt auskannte. Er atmete noch einmal durch und ging hinein, im großen Unterrichtsraum saß nun Hazar. Sie bat ihn zu sich, und beide saßen nun in der obersten Reihe des Raumes. Sie stellte ihm Fragen bezüglich des Liedes, die Elemente des Liedes bekam er noch zusammen, dies wurde ihm in seiner Jugend einst beigebracht. Bei den weiterführenden Fragen wuchs die Unsicherheit in seinen Antworten zunehmend. Und so wurden auch seine Fragen teilweise abstrakter, woraufhin sie lächelte, aber diese trotzdem beantwortete. In den Stunden bei ihr wurde ihm sehr viel über das Lied und über dessen wirken bewusst. Doch genoss er ebenso das Gespräch mit ihr und nicht selten schweiften sie für einige Momente vom eigentlichen Thema ab. Alles im Allem schien ihm die Zeit mit ihr recht kurz, doch wusste er nun um das Lied besser Bescheid als zuvor. Im weiteren Verlauf seiner Ausbildung, würden sie sich wohl wiedersehen und an dieser Stelle würde sich der Unterricht mit ihr wohl auch verändern.
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Der schmale Pfad

Da lag er nun in seinen Gemächern, die Zeit stand still im Stundenglas, doch hatte ihm Selim dieses Mal die Bettruhe angeordnet. Im inneren wusste er, dass dies auch wirklich nötig sei, trotzdem gefiel ihm dieser Umstand nicht einmal ansatzweise. So blieb ihm nicht viel, als über Geschehnisse und Dinge der Vergangenheit nachzudenken. Er dachte an die letzte Aufgabe, welche er vom Maleem gestellt bekam, als es ihm körperlich noch gut ging und er nicht im Bett verweilen musste.

Imraan war mit ihm auf dem Kasernenhof und sie sprachen einen Moment über allgemeine Dinge, ehe er Abbas die Aufgabe für diesen Abend stellte. Einen Wasserkrug sollte er über die Mauer des Kasernenhofes balancieren, die Mauer war ungefähr eine Unterarmlänge breit, dies stellte demnach kein Problem dar. Doch hielt der Maleem eine Stock in den Händen, was für ihn untypisch war denn zum Laufen war dieser nicht nötig. Und so stellte sich heraus, dass er mit diesem Stock nach Abbas schlagen würde, wenn dieser auf der Mauer, mit dem Wasserkrug, entlang balancierte.
Der ersten Versuch den Abbas wagte war recht zögerlich. Auch wenn er es hätte besser wissen sollen, hatte er nicht erwartet, dass der Maleem den Stock mit voller Kraft nach ihm schwingt. So gelang es Imraan nach wenigen Schritten Abbas von der Mauer zu fegen. Den Wasserkrug hielt er dabei so gerade wie möglich, denn er durfte dieses nicht verschütten. Im zweiten Anlauf versuchte es Abbas mit Geschwindigkeit, doch auch dieses ging deutlich schief, beinahe hätte er den Krug fallen lassen, als Imraan ihn traf. Dann standen beide einige Augenblicke da und schauten sich gegenseitig an. Abbas überlegt krampfhaft, wie er diese Aufgabe erfolgreich beenden könnte. Gerade als Imraan die Übung abbrechen wollte, kam Abbas die Idee. Dann sprang er mit einem Satz wieder auf die Mauer und schaute gen Imraan. Dieser nickte kurz und der nächste Versuch wurde gewagt. Den ersten Hieben wich er aus, dann witterte Abbas seine Chance und huschte den Rest der Mauer entlang, auf den letzten Schritten traf ihn der Stock mit vollen Wucht am Schienbein. Abbas sackte auf die Knie nieder, aber schleppte sich dann zum Ende der Mauer, ehe ein weiterer Hieb ihn treffen konnte. Der Maleem war zufrieden, dass er das Rätsel lösen konnte, dass er den letzten Hieb allerdings abbekam, gefiel ihm nicht.

Danach kam eine Nachricht, welche Abbas aus allen Wolken riss. Die nächste Aufgabe könnte seine letzte sein, zehn verschiedene Gifte nahm er zu sich, wenn die Mara es wollte, würde er dies überleben und damit als würdig für weitere Prüfungen erscheinen. Ihm wurde in diesem Moment schon heiß und kalt zugleich, wobei die Gifte nicht so schnell wirken konnten. Der Maleem teilte ihm mit, dass es bei den meisten anderen wohl ungefähr zwei Wochenläufe dauerte, bis wirklich jedes Gift seine Wirkung verloren hätte. Welche Wirkungen er erwarten müsste sagte er ihm nicht. Damit war die Übung nun auch abgeschlossen und er stand allein auf dem Kasernenplatz, auch wenn er dies niemals zugeben würde, ergriff ihm die Panik in diesem Moment.

Die ersten Tage waren vor allem von Fieber, Schweißausbrüchen, Übelkeit und Schüttelfrost gezeichnet. Nach zwei Tagen hielt er es nicht mehr im Palast aus, so schleppte er sich zur Oase hin, er hoffte dort Linderung und Ruhe zu finden. Doch war dies nicht der Fall, eine minimale Linderung vielleicht, aber keineswegs fand er dort Ruhe. Zum einen waren dort Menekaner, die ihm so in diesem Zustand sahen, was ihm überhaupt nicht gefiel. Zum anderen, was noch schlimmer war, schien nun ein weiteres Gift seine Wirkung zu erfüllen, auch wenn er dies in dem Moment nicht realisieren konnte. Seine Sinne schärften sich, zumindest für sein Verständnis, er sah überall gewisse Dinge und litt an Verfolgungswahn. Kreaturen und Gesichter erschienen ihm, er fühlte sich von ihnen beobachtet und wusste dass es nur eine Frage der Zeit war, bis etwas geschah...

An die nächsten Tage konnte er sich im Nachhinein überhaupt nicht mehr erinnern. Das nächste was ihm aus dieser Zeit in Erinnerungen geblieben ist, ist wie er vor dem Tempel zu sich kam. Dort völlig abgewetzt in einer Robe, welche mit Erbrochenen und Dreckflecken überzogen war. Etwas abseits liegend kam er zu sich, als ihm Eluive in Form eines Feneks erschien.
Er schüttelte den Kopf als er darüber nachdachte, was dieses Zeug mit ihm angestellt hatte.
Die Erinnerungen fehlte ob Eluive wirklich mit ihm sprach oder ob sie in der Fenekgestalt ihm anders mitteilte, was sie nun von ihm erwarten würde. Er wusste noch, dass sie ihm zur Kaserne schickte. Natürlich befolgte er diesen Befehl und eilte zur Kaserne hin, so schnell dass er beim Abstieg vom Tempelberg fiel und nun wohl noch schlimmer aussah als das zuvor der Fall war. In der Kaserne abgekommen sah er eine Menekaner an den Puppen ihren Übungen nachgehen. Er schlich sich an ihr vorbei und suchte nach einem Zeichen, was Eluive von ihm nun erwarten würde. Kein Zeichen erschien ihm und er wurde unachtsam, so bemerkte ihn die Natifah. Ein kurzes Gespräch erfolgte doch schenkte er diesem kaum Aufmerksamkeit, schließlich suchte er nach Eluives oder einem Zeichen von ihr. Erst spät erkannte er, dass Eluive wohl ihre Gestalt als Hülle nahm um ihm weitere Weisungen zu erteilen. Als er dies nun endlich erkannte, fiel er auf die Knie und dankte ihr dafür und verschwand so schnell wie er zuvor erschienen war.

Danach war fehlte ihm scheinbar wieder einiges an Erinnerungen, denn er kam mit anderer gute Kleidung in einer Ruine nahe der Stadt zu sich. Scheinbar waren es die letzten Tage der Zeit, die das Gift brauchte um aus seinem Körper zu gelangen. Er konnte sich kaum bewegen, erheben war nahezu unmöglich da sich dieser Zustand eine, für ihn undefinierbare, Zeit hinzog. War er einerseits froh, dass er hier allein lag und niemand ihn fand. Doch hatte er diesen unsagbar großen Durst, das Rauschen des Meeres schien nicht weit entfernt. Er wusste dass er dieses Wasser nicht trinken durfte und doch zog es ihn so magisch an, bis er sich zum Wasser zog und dort trank wie ein elendiges Tier.

Rückblickend konnte er nicht mehr entscheiden, was ihm wirklich widerfahren war und welche Dinge nur dem Wahn entsprangen. Er konnte sich auch flüchtig erinnern, dass er eines Nachts wie ein Falke über Menek'Ur kreiste und die einzelnen Häuser der Stadt erkennen konnte. Dabei hörte er jedes einzelne Wort, welches in der Stadt gesprochen wurde, dazu sah er so scharf wie noch nie zuvor. Allerdings schien es ihm sehr unwahrscheinlich, ob dies wirklich geschah. Bei allen anderen Ereignissen war er sich nicht sicher. Die Hoffnung blieb, dass ihn nicht zu viele andere Menekaner in diesem Zustand sahen.

Seufzend schaute er, auf seinen Fellen liegend, an die Decke und hoffte, dass solch eine Prüfung nie wieder auf ihn zukommen würde. Doch erfüllte es ihn auch mit Stolz schließlich lebte er noch was nichts anderes bedeuteten konnte, als dass Eluive ihn als würdig erachtet. Wenn nun endlich diese Verletzung ausheilen würde und er sich wieder allen anderen Dingen widmen könnte. Er murrte noch einmal und schlief wieder ein, viel mehr konnte er derzeit nicht tun.
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Unerbittliche Übungen

Es war wieder einmal so weit, nachdem so viele Dinge geschehen waren und die Ausbildung ruhen musste. Weder er noch der Maleem waren in den letzten Mondläufen dazu gekommen. Er bedauerte diesen Umstand sehr und dem Maleem tat es scheinbar auch wieder einmal gut, von den Kindern wegzukommen und einen Talif etwas beibringen zu können.

So saßen die beiden im Orden der Hadcharim, und schauten auf den kleinen Bereich, der für den Kampf abgesteckt war. Der Maleem fragte ihn über Tränke mit heilender Wirkung aus. Abbas wusste um deren Wirkung, doch zu den Zutaten oder dem Brauvorgang konnte er nicht wirklich etwas sagen. Er kannte einige Reagenzien, die besonders wertvoll waren, damit hörte es allerdings auch schon auf. Doch wollte der Maleem nicht darauf hinaus, sondern ging es ihm um die Wirkung und dass diese heilende Wirkung auch anders erzielt werden kann, wenn man seinen Körper daran gewöhnt. Natürlich ging dieser Prozess nur langsam zu erlernen und auch nur bis zu einem gewissen Punkt. Für den heutigen Tag sollte es erst einmal genügen, dass Abbas schwächere Heiltränke zu sich nahm, um dem Körper einen Anreiz zu schaffen sich selbst zu heilen. Dies galt natürlich auch für die Zukunft, bis der Körper mehr und mehr entwöhnt wurde.

Nach dieser Lektion, erhob sich der Maleem und ging zu dem kleinen abgesteckten Areal hin, wo Kämpfe stattfinden sollten. Abbas vermutete schon schlimmes, doch blieb dieses aus. Einige vergleichsweise einfache Übungen und der Maleem begann erneut zu erzählen. Er zeigte und erläuterte ihm welche Stellen am Körper besonders verletzlich waren, wenn man mit den bloßen Händen kämpfen musste. Denn nur so würde man einen körperlich überlegenen Gegner auch besiegen können. Hals, Augen, Ohren und viele andere Stellen zählte der Maleem auf, manche davon waren Abbas durchaus bekannt, andere wiederrum nicht. Nachdem der Maleem auch die Angriffstechniken auf diese Stellen vermittelt hatte, war es nun an Abbas diese zu verinnerlichen. Dafür schickte ihn der Maleem zur Kaserne.

Seitdem wird man den Erhabenen jeden Abend ab den späten Abendstunden bis in die frühen Morgenstunden an den Übungspuppen stehen sehen. Er wird immer wieder die gleichen Angriffe machen, unermüdlich wird er dies Stundenlauf um Stundenlauf tun. Die Knöchel werden dabei wohl einen Großteil der Haut verloren haben. Die Oberfläche der Puppe wird an den besagten Stellen mit Blut beschmiert sein. Doch wird man im Laufe des Tages auf die Knöchel des Erhabenen schauen, wird man von Tag zu Tag sehen, wie die Wunden langsam abheilen, obwohl diese Prozedur Nacht für Nacht wiederholt wird.
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Neue Erkenntnisse

Seit einigen Tagen schweiften seine Gedanken immer wieder zur Unterhaltung zwischen der Prehaatim und ihm. An sich war diese Unterhaltung nichts besonderes aber das Thema schien ihn so nicht mehr loslassen zu wollen. Es war wohl das letzte Mal, dass er ihr als Schüler gegenüber saß für die Zukunft wäre wohl die alte Ordnung wiederhergestellt. Doch vergaß er in dem Moment die Kleidung und den Ring des Ordens zu tragen, welche ihn als Schüler ausweisten. Allerdings schien ihr das nicht aufgefallen zu sein oder sie wollte es nicht sehen.

So saß er ihr gegenüber und sie unterhielten sich darüber welche Rolle die Dschinn im Glauben der Menekaner inne haben. Es war für ihn ein aufschlussreiches Gespräch. Natürlich wusste er schon vorher verschiedene Dinge über die Dschinn, der Maleem wie auch die anderen Hadcharim sprachen ab und an von ihnen. Allerdings wusste Abbas bis zum heutigen Tage nicht was es mit den Dschinn auf sich hat. Auch musste er zu seiner Überraschung feststellen, dass dieses Wissen wohl nur wenigen Menekaner vorbehalten sein wird.
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Der neue Maleem

Es war ein ruhiger Abend im Palast und so entschloss sich Abbas die Rüstung anzulegen und sich zum Ahnengrab zu begeben, um dort ein wenig Bewegung zu bekommen. Als er gerade den Palast verlassen wollte stand Radeeh vor ihm, dieser hatte wohl ein Anliegen. Doch nicht so wie es sonst der Fall war, Radeeh wollte Abbas einer weiteren Lektion unterziehen.

Stoffkleidung und einen warmen Mantel sollte er sich anziehen und mitnehmen. Als Imraan noch sein Maleem war, verging keine Übung ohne die vollständige Rüstung. Aber ein neuer Maleem bringt wohl auch neue Methoden mit sich, also folgte Abbas der Weisung und zog sich Stoffkleider an und packte einen dicken Mantel ein. Radeeh wartete vor dem Palast auf ihn und nun ritten beide los und verließen die Durrah. Sie ritten lange Zeit nebeneinander her und keiner von beiden verlor auch nur ein einziges Wort. Irgendwann waren sie bei den Kaluren angekommen, in der Frostklamm. Den Namen trug dieser Ort nicht zu Unrecht und Abbas wurde augenblicklich kühler in seiner dünnen Kleidung, doch ahnte er noch nicht was ihn erwarten würde.

An einem kleines zugefrorenen Tümpel angekommen, welcher von einem Wasserfall gespeist wurde, machten sie halt und gingen ein Stück herum. Sie setzten sich beide in den Schnee und nun folgten die ersten Worte seit langer Zeit. Es war eine Prüfung ob Abbas in der Lage war durch Meditation die Schmerzen seines Körpers zu unterdrücken. Ein wacher und erhabener Geist musste zu jeglicher Zeit vorhanden sein können, egal welchen äußerlichen Umständen er ausgesetzt sein würde. So begaben sich beide in die Meditation und die Kälte die von unten in seinen Körper kriechen wollte, wurde so ignoriert und er war völlig ruhig.

Scheinbar war es für den Maleem zu langweilig und so erhob er sich und schüttelte einen Ast, dessen gesamter Schnee landete nun auf Abbas und riss ihn aus der Meditation. Der Schnee legte sich auf seine dünne Kleidung und begann sofort zu schmelzen, nun wurde es für Abbas wirklich schwer sich zu konzentrieren und die Kälte nicht zu zulassen. Es brauchte eine Weile, bis er wieder in die Meditation fand und sein Körper begann zu zittern. Als weitere gefühlte Ewigkeiten verstrichen, erhob sich Radeeh erneut und auch Abbas sollte sich erheben. Nun schaut Radeeh zum Wasserfall hin und forderte, dass er einen Stein von dort haben wollte, einen der mit Reif besetzt war.

Abbas seufzte schwer und stieg aus den Stiefel um sich in das eiskalte Wasser zu begeben. Das kalte Wasser stach förmlich in seine Füße wie Nadelstiche als er hineinging, doch wusste er dass er dies nun tun müsste, egal wie schmerzvoll und schwer es sein würde. So beeilte er sich im hüfthohen Wasser und ging schnell zum Wasserfall um dort irgendeinen Stein zu greifen, dabei prasselte das Wasser auf ihn nieder und er war endgültig nass bis auf die Knochen. Schnell huschte er aus dem Wasser und übergab den Stein, der Maleem schien zufrieden und erlaubte nun dass Abbas sich anziehen dürfte. Als er sich bückte und nach seinen Stiefeln greifen wollte, schubste Radeeh ihn und er landete komplett im Wasser. In diesem Moment hätte er Radeeh erschlagen können, doch lähmte ihn die Kälte zu sehr. Er versuchte nur noch so schnell wie möglich aus dem Wasser zukommen und sich in die trockenen und warmen Kleider zu hüllen. Doch es blieb keine Zeit zum ausruhen, sie machten sich sofort auf den Rückweg. Abbas fror nun endgültig durch und erst am späten Abend erholte er sich langsam von dieser Tortur.
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Schärfung der Sinne

Es traf ihn aus heiterem Himmel. Er saß ganz entspannt beim Essen und genoss die Gesellschaft der Personen um sich herum, als es sich auf einmal anfühlte als hätte er etwas ins Auge bekommen. Reflexartig rieb er sich also die Augen und blinzelte einige Male. Doch es wurde nicht besser, ganz im Gegenteil seine Fähigkeit zu sehen schwand drastisch, ohne dass er etwas dagegen tun konnte. Panik kam in ihm auf, er wollte das nicht vor den anderen Preis geben, doch sein Verhalten und sein Blick der die anderen nicht mehr traf wie zuvor ließen keine andere Möglichkeit mehr als zuzugeben, dass er nichts mehr sehen würde. Tausend Fragen schossen ihn durch den Kopf, doch im ersten Moment gab es darauf keine Antwort. Allerdings wurde ihm einige Zeit später bewusst, dass dies wohl zu seinen Prüfungen gehören würde. Radeeh sprach einst davon, dass man ihn dahingehend ausbilden wird seine Sinne zuschärfen. Nun war es wohl an der Zeit.

Er dachte von sich, dass er recht geschickt und sicher wäre, doch gerade in den ersten Momente tat er sich damit sehr schwer. Die Person anzuschauen, welche mit ihm sprach gelang ihn wohl meist nicht einmal. Als er versuchte einen Schluck zu trinken begoss er sich dabei selbst. Dazu kamen freche aber doch wahre Worte von der Seite, die ihm in diesem Moment allerdings nicht sonderlich gefielen. Zum Ende des Abends wurde er dann in seine Gemächer geleitet, wenigstens ein Ort wo er sich in absoluter Dunkelheit oder nun blind auskannte. Die Nacht war alles andere als erholsam, wobei alle sagten er solle nun ruhen, fand er die besagte Ruhe nicht, viel zu viele Gedanken schweiften in seinem Kopf umher.

Als wohl endlich der Tag hereinbrach und er die ersten Diener im Palast hörte, stand auch er auf und verließ seine Gemächer. Jeder Schritt im Palast wurde vorsichtig und bedacht gesetzt, allerdings auch mit dem Wissen, nicht so langsam wie eine Wüstenschnecke zu sein, denn es sollte den Dienern am besten gar nicht erst auffallen. So streifte er beinahe lautlos durch den Palast, die Hand streichte immer an der Wand oder am Geländer entlang, ab und an stand er auch in einer Ecke oder stieß gegen einen Blumentopf. Da er aber seine Schritte mit Bedacht wählte ging nichts zu Bruch, bisher. Ein jedes Geräusch versuchte er zu lokalisieren und zu bestimmen welche Quelle es entsprang.
Der Abend des zweiten Tages, eigentlich erwartete er einen Bittsteller im Palast, doch erschien dieser nicht. Dafür erschien Khalida mit zwei Janitscharen, um zu prüfen ob er seine Sinne geschärft hätte und sich auf die neue Situation ohne Augenlicht einstellen konnte. Natürlich gelang ihm dieses nicht sonderlich gut, er kassierte an dem Abend viele Schläge mit dem Stock und ging mehrfach hart zu Boden. Als sie mit ihm fertig waren kündigte die Sekban an, dass sie morgen wiederkommen würde, allerdings schien das mehr eine Drohung als alles andere zu sein. Er schleppte sich zu den nächsten Kissen und verweilte dort erst einmal eine ganze Weile. Später am Abend bekam er noch sehr angenehmen Besuch und verließ das erste Mal ohne Augenlicht den Palast. Es war ein befreiendes Gefühl und ließ ihn neuen Mut schöpfen, auch wenn Draußen alles noch schwerer schien als im Palast.

Diese Nacht fand er mehr und schneller Ruhe, vielleicht auch weil sein Körper so geschunden war und er diese Ruhe einfach brauchte. Als er am nächsten Morgen erwachte, ging die Prozedur von vorn los, durch den Palast wandeln, auf Geräusche und Gerüche reagieren und versuchen so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf sich zu lenken, so verbrachte er einen Großteil des Tages in der Oase, er achtete auf das Rascheln der Blätter, wenn eine leichte Brise diese bewegte. Ebenso auf die Laute der Tiere in der Oase, vor allem auf die Laute der kleinen Tiere in seiner unmittelbaren Umgebung. Der Tag verlief ereignislos, er weilte wartend auf dem Thron, auf das Khalida erscheinen würde.

Und es kam eine Person in den Palast, allerdings nicht allein aber damit hatte er gerechnet. Er konnte noch nicht ausmachen wie viele es heute waren. Allerdings sprach man heute mit ihm und schlug nicht nur auf ihn ein. Nach einigen Angriffen, die er nicht sonderlich gut abwehren konnte, entschied er sich selbst zum Angriff überzugehen, allerdings wurde ihm schnell klar gemacht, dass das nicht das Ziel der Übung sei. Also wurde er ruhiger und versuchte alle Geräusche und Bewegungen zu bemerken, natürlich gelang ihm das nicht fehlerfrei und jeder Fehler zog eine Strafe nach sich. Doch mit jedem Versuch stellte er sich besser auf seinen oder seine Gegenüber ein, er wusste nicht wer es war, Khalida sagte nur 'Janitschar'. Nach einigen Fehlschlägen jedoch bemerkte er den Bewegungsablauf seines Gegenübers. Sie lieferten sich einen Kampf, natürlich war dieser nicht vergleichbar mit einem Kampf, wenn er sein Augenlicht gehabt hätte. Aber er konnte selbst einige Treffer landen.

Irgendwann unterbrach die Sekban und sie schien zufrieden zu sein, zumindest so zufrieden wie man sie erleben konnte. Scheinbar hatte Abbas seine Sache soweit gut gemacht, dass sie damit zufrieden war. Sie teilte ihm mit, dass er ab morgen wieder sehen können sollte. Blind aber doch glücklich ließen sie ihn stehen, er hörte wie die Laute ihrer Schritte immer leiser wurden, ehe sie verhallten. So ging auch er mit sicheren Schritten zu seinen Gemächern, er konnte es nicht abwarten den neuen Morgen erblicken zu können.
Abbas Wakur Omar

Beitrag von Abbas Wakur Omar »

Eine unerwartete Reise

Nun saß er hier mit seinem Maleem der ihn auf dem Weg bringen und ihn begleiten würde. Hier in der Grabkammer seiner Familie, wo die meisten seiner Familie verweilten, frühere Emire und einige ebenso Hadcharim von ihnen. Heute war der Tag also gekommen, an dem er zum Beni Geraghi aufbrechen würde. Wie dies ausgehen würde war er sich nicht sicher, trotz dass er hoffte die Mara würde seinen Lebensfaden nun nicht dort und auf diese Weise enden lassen. Dessen war er sich im Vorfeld eigentlich sehr sicher, doch als er hier nun saß und der Aufbruch immer näherkam, wuchs in ihm doch ein wenig die Unsicherheit. Aber es war zu spät um nun nicht die Reise anzutreten, er atmete einmal tief durch und nickte bei der Frage des Maleems ob er bereit wäre. So wurden einige Räucherstäbchen angezündet und die Luft wurde von einem beruhigenden Rauch erfüllt und beide sowohl Maleem, als auch der Talif glitten in die Meditation ab.

Im nächsten Moment kam Abbas auf dem Rücken liegend zu sich, er blinzelte einige Male und konnte im ersten Moment kaum seinen Augen trauen. Am Himmel standen drei Sonnen und zwei Monde, alle schienen in diesem Moment, wenn auch nicht gleich hell. Einige Augenblicke lag er nun dort und schaute nachdenklich in den Himmel. Ehe er einen leichten Tritt an die Schulter bekam, als er den Blick dorthin erhob sah er dort Radeeh, der ihn schweigend anschaute. Aber es war klar, dass es nun Zeit war sich zu erheben, schließlich waren sie nicht hier um die Himmelskörper zu betrachten. Also erhob sich Abbas nun und schaute sich noch einen Moment um. Er sah kein Tier oder eine Pflanze, bis auf den Wind der durch die unendlich weite Durrah pfiff, war kein Geräusch zu vernehmen. Der Boden unter ihm wirkte Tod, nur Risse und Spalten durchzogen den Boden, hier und da hatte der Wind einen Spalt mit losen Sand gefühlt, ansonsten schien sich hier nichts zu verändern. Erneut blickte er zu Radeeh und dieser deutete auf einen Berg ganz in der Ferne am Horizont. Abermals nickte der Talif sachte und beide begaben sich nun auf den Fußmarsch.

Sie liefen nun schon den ganzen Tag, zumindest würde Abbas das so einschätzen, denn die Gestirne am Himmel änderten ihre Position und es wurde ein wenig dunkler, auch wenn nicht alle drei Sonnen untergingen, hatten die beiden Monde nun die Überhand erlangt. Der Maleem gab Abbas ein Zeichen ging dann auf die Knie um in der Meditation zu verweilen, so tat es der Talif seinem Maleem gleich. So vergingen viele Tage und Nächte sie liefen und sie meditierten, dabei schien es so, als würde das Gebirge am Horizont nicht näher kommen. Auf der gesamten Reise wurde kein Wort gesprochen, das war auch nicht nötig, es wurde alles im Vorfeld gesagt und so war es nun an ihm. Radeeh war nur an seiner Seite um auf ihn acht zu geben, die Aufgabe musste er allein meistern.

Mittlerweile waren bestimmt zwei gesamte Wochenläufe vergangen und sie schienen dem Gebirge am Horizont noch keinen Schritt nähergekommen zu sein. Doch veränderten sich die Spalten und Risse um sie herum, also kamen sie wirklich voran. Im Boden klafften mittlerweile tiefere Risse auf, so dass sie diese manchmal umgehen mussten. Als sie wieder vor einer dieser Spalten standen, wog Abbas gerade ab ob er diese zu seiner Linken oder besser zu seiner Rechten umgehen sollte. In diesem Moment ertönte eine ihm fremde Stimme, aber diese schien nur in seinem Kopf zu sein 'Geh hinab Talif, wir sind da'. Er schaute zu Radeeh, seine Stimme war es nicht, aber er schien zu wissen, was Abbas gerade gehört hatte und abermals kam nur ein sachtes Nicken vom Maleem. Und schaute wieder voran und sah nun einen schmalen Pfad den er zuvor nicht wahrgenommen hatte. Er ging auf diesen zu und schaut über die Schulter zum Maleem, dieser war nun schon in der Meditation und die Stimme von eben erklang erneut in seinem Kopf 'Er wird dich hier nicht begleiten, nun liegt es an dir'. Abbas atmete einmal durch und stieg die Stufen hinab.

Der Pfad wurde immer schmaler und steiler, diese führte tief in die Erde und das Licht der fünf Himmelskörper wurde mit jedem Schritt schwächer. Es kam Abbas vor, als würde er zum Kern der Erde hinabsteigen, er war sich nicht sicher ob er rasten sollte oder ob er vielleicht gerade mal einen Stundenlauf unterwegs war. In dieser Welt verspürte er weder Hunger, Durst noch Erschöpfung, also ging er einfach immer weiter. Irgendwann kam er am einem Punkt an, an dem es nicht mehr tiefer ging, er schaute nach oben und sah nur noch einen kleinen Spalt mit Tageslicht. Als er sich nun umschaute sah er ein Tor in der Ferne im Fels. Er ging darauf zu es war ein sehr großes mächtiges Tor, an den Seiten des Tores leuchteten blaue Runen. Wieder hörte er die Stimme in seinem Kopf 'Wir erwarten dich und wir werden dich prüfen'. So machte sich der Talif auf den Weg zum Tor vor ihm. Die Prüfungen die er im Beni Geraghi absolvieren musste waren lang und raubten ihm jegliche Kräfte, nicht die Körperlichen sondern die geistigen.

Als er aus der Meditation erwachte, erwachte Radeeh ebenso. Das Schweigen zwischen den beiden wurde noch immer nicht gebrochen, sie nicken und gingen in den frühen wieder zurück in die Stadt und dort ging jeder seiner Wege. Abbas machte kurz im Palast halt um einen Moment zu ruhen, danach würde er eine ganz bestimmte Person aufsuchen und ihr alles von der vergangenen Nacht erzählen.
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