Marsbergen,
den 07. Alatner 258
Ich grüße dich, mein Kind!
Wie geht es dir? Ich hoffe, du erfreust dich bester Gesundheit und vieler guter Bekanntschaften. Dein Vater, du kennst ihn, er wollte bereits nach Erhalt deines Briefes im Herbst zu dir kommen und er sprach immer von diesem Nordwind. Ich konnte ihn noch etwas zurückhalten und davon überzeugen, dass wir erst einmal den Hof winterfest machen müssen, bevor wir Hals über Kopf aufbrechen. Nun ist es aber tatsächlich so weit. Morgen früh fährt das Schiff aus dem Hafen und ich kann nicht leugnen, dass ich mich auf unser Treffen freue. So viele Jahre sind vergangen und ich weiß gar nicht, was ich dir sagen soll. Du hast nicht immer richtig gehandelt und sicher schmerzt mein Mutterherz beim Erinnern an solche deiner Taten. Doch du bist meine Tochter und ich gehe davon aus, dass du deinen Weg gegangen bist. Dass du eine angesehene Stelle als Assistenz in hohem Hause erhalten hast und wer weiß? Vielleicht ist es sogar dein Mann? Ach, es gibt so vieles, was ich dich fragen möchte. Aber alles zu seiner Zeit. Wenn du diesen Brief erhälst, werden wir bereits unterwegs sein und wenn alles planmäßig verläuft, hast du noch einen guten Wochenlauf Zeit, dir zu überlegen, wie du deinem Vater gegenüber trittst. Und denk daran, dass dieser Nordwind dabei ist. Ihn wollen wir Beide noch kennenlernen.
In Liebe
Post Scriptum: Dein Vater weiß nichts von diesem Brief.