Zwischen Alkohol, Frauen und Prügeleien...

Geschichten eurer Charaktere
Zahrak Salberg

Beitrag von Zahrak Salberg »

Tag 4
Reden mit Zahrak? Nahezu unmöglich. Nicht, weil er sich wirklich nur noch für's tägliche Geschäft, zum Teekanne nachfüllen und seltenst mal was zu Essen holen sein Zimmer verließ. Sondern, weil er auch, wenn er angesprochen wurde, kaum mehr gradeaus reden konnte. Geschweige denn komplizierte Sätze bilden, die etwa die Wortanzahl von 10 überschritten. Jegliche Wortgewandtheit, die ihm einst von Leuten wie Adelena oder Keylon zugeschrieben wurde, hätte jeder ohne mit der Wimper zu zucken verleugnet, wenn er ihn so gesehen hätte. Auch sein Gedächtnis ließ Stück für Stück immer mehr nach. Er vergaß Dinge oft innerhalb von wenigen Stunden, seltenst sogar schon während des Gesprächs. Regelmäßig blinzelte er Amelie, die gelegentlich nach ihm schauen ging an und wenn sie nachfrug, erklärte er ihr, dass er den Faden verloren hatte. So hatte man wohl das Gefühl, man unterhalte sich mit einem 92-Jährigen und nicht einem geistig fitten 29-Jährigen. Es wurde wirklich langsam Zeit, dass es wieder bergauf mit ihm ging. Doch bei der Familie blieb nur die salbergtistisch närrisch-optimistische Hoffnung und Zahrak versuchte mittlerweile so wenig Gedanken wie möglich an das "Wann wird es besser werden?" zu verschwenden. Er konzentrierte sich in seinen hellen Momenten einfach nur auf den Gedanken es seiner Familie, seinem Ego und letzten Endes tatsächlich ja auch jeglichem Kollegen und Kunden schuldig zu sein. Er durfte sich einfach nicht ein 4. Mal in seinem Leben vom Alkohol übermannen lassen. Koste es, was es wolle!
Als Kind.. das war das Stichwort! Als Kind hatte er auch nicht in dem Ausmaß getrunken. Freude stieg in ihm auf. Unbeschwertheit, Sorglosigkeit, Heiterkeit, das Gefühl von Stärke, Verbundenheit.. All das mischte sich dazu und fühlte sich an wie.. Wie das Gefühl, dass er neben der Vogtin verspürt hatte, als sie ihn vertraut darum gebeten hatte ihre Hand zu greifen. Um sie herum war es eisig kalt gewesen. - Natürlich, mitten im tiefsten Winter auf Gerimor. - Doch als er ihrer Bitte nachgegangen war, mit geschlossenen Augen, da verspürte er eine Wärme, die er trotz aller Beherrschungen und Bemühungen in den vergangenen Monden nicht mehr oft und niemals in dem Ausmaß gespürt hatte. Es war das Gefühl, welches er genau so wirklich vor nun bald 15 Jahren verspürt hatte. Mit seiner Abreise aus Maradon waren die Male immer weniger geworden, in dem er Kind sein konnte und wollte. Als er dann mit 18 den Kontakt komplett abbrach und seine Familie fortan bald 10 Jahre lang nicht mehr sah, ging die Hoffnung auf eine Wiederholung des Gefühls verloren in dem Glauben, er müsse allen imponieren und wie ein gestandener Mann wirken.
Grübelnd saß er auf dem Bett, mit gekrümmtem Rücken, runterhängenden Schultern und dem Blick auf die Wolldecken über seinem Schoß gerichtet. Ja, er glaubte sich nun wieder zu erinnern, dass diese Worte mehr oder minder von Nyome genannt wurden. Dass er sich das im Kampf gegen die Sucht vor Augen führen musste, um zu gewinnen. Es war schon komisch, wenn selbst eine Hochedle, Vogtin und ein Ratsmitglied der neuen Heimat auf einen zukam, und einem bei solchen absolut privaten, nahezu intimen Problem helfen wollte. Und vielleicht war Zahraks Offenheit an jenem Abend der erste wirkliche Schritt in die richtige Richtung gewesen. Ein Weg weg von dem "Ich kann alles alleine schaffen." und mehr hin zu dem "Ich kann mit Anderen zusammen noch viel mehr schaffen." Ein Weg zum wirklich großen Mann, der seine Familie leiten, seine Freunde stärken, den Mitmenschen eine Hilfe und gleichzeitig mit sich selbst im Reinen sein kann..
Zuletzt geändert von Zahrak Salberg am Mittwoch 20. Januar 2016, 18:27, insgesamt 1-mal geändert.
Zahrak Salberg

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Tag 5
Das Schmerzmittel wirkte. Auch, wenn er immer noch etwas perplex darüber war, dass er es ohne die geringste Nachfrage erhalten hatte, war das Abklibgen des Fiebers eine Wohltat, auf die er lange gewartet hatte. Die Nächte wurden allmählich wieder länger und vor allem auch ruhiger. Denn das eine ging ja bekanntlich mit dem anderen einher. Gut, das Gesicht würde noch eine Weile brauchen, bis es wieder ansehnlich wäre. Die Haut musste noch aufhören zu fetten, seine Augenringe mussten verschwinden, die Rötung der Augen war schon dabei ganz langsam zurückzugehen und das Kopfhaar musste dann dringenst geschnitten werden. Ein Blick in den Spiegel hatte ihn erschrecken lassen. Sein Spiegelbild zeugte eher von einem Obdachlosen, als von einem wohlhabenden Schneider. Aber kommt Zeit, kommt Rat. Das Schlimmste war offenbar überstanden...
Zuletzt geändert von Zahrak Salberg am Samstag 4. März 2017, 21:11, insgesamt 3-mal geändert.
Zahrak Salberg

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Tag 6-8
Fieber und Schüttelfrost waren nahezu komplett verschwunden. Er hatte noch eine eher kühle, fettige Haut und seine Augen waren bisher glasig geblieben. Doch alles in allem begann er wieder ansehnlich zu werden. Adelena trug ihren Teil dazu bei, als sie den Schneider mit seinen noch latent zittrigen Händen davon abhielt sich selbst rasieren zu wollen und es an seiner Stelle tat. Auch das länger schon nicht mehr geschnittene Haupthaar bekam eine Kürzung und die Worte der bald-Schwägerin trafen den Nagel wohl auf den Kopf: "Jetzt siehst du fast wieder schön aus." Es fehlte wirklich nur noch der altbekannte Glanz in den strahlend ozeanblauen Augen des Schneiders. Aber den würde wohl allein die Zeit zurückbringen. Die Zeit, in der er sich von den Suchtgedanken losreißen und wieder selbst spüren konnte, wie viel Kraft in ihm steckte, die er in Form von guter Laune auf die Anderen ausstrahlen konnte. Ansätze waren zwischenzeitig schon zu spüren und zu sehen. Doch so richtig gelöst wirkte er noch nicht.
Die Leute, die er irgendwann mal endlich in die Problematik eingeweiht hatte, gaben ihr Bestes ihm zu helfen. Allen voran Lena und eine Person, bei der er es sich nicht einmal zu denken wagte. Irgendwer hatte ihm ein Geschenk gemacht. Nicht aber ein solches, wie er sie gelegentlich schon von offenbaren Verehrerinnen erhalten hatte, sondern ein viel persönlicheres. "In der Dunkelheit höre auf Dein Herz, oder denke an Deine Familie und Du wirst alles schaffen." Nachdenklich betrachtete Zahrak das Medallion stundenlang und immer wieder. Zu dumm, dass der Gang zum goldenen Amboss nichts ergeben hatte. Der Schenker wollte anonym bleiben. Dennoch ließ Zahrak seinen Dank über die Schmiedin ausrichten. Es war eine kleine Geste, aber sie erfüllte ihn mit Freude und bestätigte ihn nur ein weiteres Mal darin weiterzumachen.
Die Nachricht schließlich, dass Tania nach Lichtenthal zu Besuch kommen würde gab ihm den letzten Schub Motivation, um irgendein Ventil zu finden. Angestrengt ging er seine Erinnerungen an die letzten Male durch. Wodurch hatte er sich denn noch gleich abgelenkt? Arbeit - Nein, das kam nicht in Frage! Zumindest keine Ladenarbeit. Die Familie würde ihm den Kopf abreißen, wenn er jetzt wieder nicht aus dem Laden raus kam, vor lauter Kunden. Sport - Dadurch hatte er irgendwie immer das Essen und Trinken vergessen. War also auch eher so Plan B.. Musik!? Ja, klang irgendwie nach nem guten Plan. Er müsste mal mit Aries reden. Hatte sie nicht jetzt schon zum zweiten Mal erwähnt, dass sie Straßenmusik machen wollte, sich aber nicht so richtig dazu aufraffen konnte? Zahrak kannte da jemanden, dem ging es merkwürdigerweise ähnlich. Der hatte stellenweise so komische Anwandlungen sich extra zu verkleiden, um nicht als der aufzufallen, der er wirklich war. Vielleicht würden die Beiden ja gut zusammenpassen und sich gegenseitig Mut geben.. Doch erst einmal wurde ein Zimmer für Tania hergerichtet. Und als er eh schon einmal dabei war, beendete er auch zu großen Teilen die Umbauarbeiten im Keller. Ablenkung für die nächsten Tage gefunden!
Zuletzt geändert von Zahrak Salberg am Samstag 4. März 2017, 21:14, insgesamt 2-mal geändert.
Zahrak Salberg

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Sein Herz begann allmälig schneller zu schlagen und gelegentlich meinte er schon zu spüren wie es auch fester schlug. Der Atem hatte sich darauf beschränkt nur noch über den leicht offenen Mund ein und aus zu gehen und die Haut ließ bereits die ersten Schweißtropfen über sich hinab laufen, während sie sich aufheitzte und an leichter Röte gewann. Währenddessen vollführten die Füße in zügigem Tempo immer wieder einen Schritt nach dem anderen und führten den Körper so im schnellen Lauf durch den Wald. Der tauende Schnee unter ihm platschte stupide vor sich hin, wenn die 80 Steine Gewicht auf eine Fußfläche beschränkt auf den Boden traten. Die mittlerweile kaum mehr als kalt zu bezeichnende Luft zog in Strömen am Körper vorbei und gab sich dem Widerstand durch den Läufer geschlagen.
Ein ozeanblauer Blick war unterbewusst aufmerksam, aber augenscheinlich geistesabwesend nach vorne gerichtet, um den Gliedmaßen nur mitzuteilen, wenn ein Baum oder ähnliches sich dem Salberg in den Weg stellte. Das Gehirn arbeitete also auch auf Sparflamme und während Andere sich mit Entspannung, Essen oder Freunden ablenkten, entkräftete ein gewisser Zahrak Salberg seinen Körper gerade gezielt. Eine Methode, die er schon längst für sich entdeckt und als Hauptmethode auserkoren hatte, wenn Musik und noch mehr Kunden nicht mehr ablenkten.
Immer wieder machte er zackige Ausfallschritte, hob die Füße mal stärker an, sodass es wie ein kleiner Sprung aussah, streckte reflexartig die Arme aus, wenn die Bäume doch zu schnell nahe kamen und er sich abdrücken musste und ansonsten lief er einfach stur weiter. Nicht darauf achtend, wohin er lief oder seit wann er schon lief. Vermutlich lediglich darauf achtend, dass er keinen roten Grenzsteinen begegnete. So trieb es ihn also von Kronwalden aus durch den Wald Richtung Tiefenberg, in Berchgard über die Hindernisse der Stadt, am Westtor durch weiter gen Varuna und kurz davon südlich runter nach Schwingenstein. Zwischendurch wurde dort eine Pause zum Trinken und Beten gemacht und dann ging es im selben Laufschritt wieder über den Nebelpass hinweg nach Kronwalden, wo er sich schließlich erst einmal wusch, umzog und dann mit einem heißen Mocca auf auf das Sofa fläzte. Die Beine ausgestreckt, den Kopf hinten angelehnt und nur noch genießend..


"Weißt du.. ich bin ja immer gelaufen, als ich es noch konnte. Egal was war, ich lief weg. Gut, das war nicht förderlich in vielen Fällen. Denn oft lief ich weg, weil ich bleiben sollte. Aber solange du mit den Konsequenzen leben kannst, lebe. Und damit meine ich, dass du genießen sollst, was du tust. Ganz fern ab davon, was Andere von dir erwarten."
"Echt jetzt?"
"Klar. Was nützt es dir, wenn du eine Rolle spielst, die du nicht bist? Lass sie doch ahnen, dass du dich wieder abregen bist. Ist doch auch so. Warum solltest du sie belügen? Ändern können sie daran nichts. Mir hat mein Alter immer gesagt: "Für freie Menschen sind Drohungen wirkungslos." Er hatte den Spruch selbst schon von wem Anderen. Aber ich finde, er trägt einen wahren Kern in sich. Und jeder, der das genauso sieht wird es akzeptieren, wenn du dich zeitweise zurück ziehst. Du darfst nur nicht den Fehler machen und nie wieder zurückkommen! Verstehst du, mein Junge?"
"Ich glaube, ich verstehe Großvater."
"Gut. Dann geh nun. Sie werden deinen Brief erhalten und von mir eine Erklärung, wenn sie es wünschen. Viel Glück, Zahrak!"
"Danke.."
Zuletzt geändert von Zahrak Salberg am Mittwoch 3. Februar 2016, 16:50, insgesamt 6-mal geändert.
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Die nahegelegenen Kirchturmglocken läuteten gerade zur 9. Tagesstunde, als die Sonne auch schon von Osten her ihren Weg über die Stadtmauern und anderen Häuser bis ins Fenster neben Zahraks Bett gefunden hatte. Sanft kitzelte sie den Schneider aus dem Schlaf und ließ ihn verwundert blinzeln. Ein Blick auf die Bettwäsche verriet gleich, dass es nicht sein Bett war, in dem er lag. Weder das im Eigenheim, bei Amelie, noch das im bunten Kessel. Fragenden Blickes richtete er sich auf und schlug die Decke von seinen Beinen. Ein weiterer Blick durch den Raum sorgte schließlich für Klarheit im noch etwas Schlaf trunkenen Kopf. Thias Haus! Und da kamen auch schon die Erinnerungen vom Vorabend zurück. Sie hatten Stunden lang geredet und sich gegenseitig zum Anziehen von peinlichen Klamotten genötigt. Das Narrenkostüm lag sogar noch auf dem Boden. Da, wo Zahrak es letzte Nacht abgelegt hatte.
Entschlossen schwang er erst einmal seine Beine aus dem Bett, erhob sich und streckte seine Glieder, bevor er dann das Bett grob ordentlich machte und das kleine Nebenzimmer verließ. Es war ein reichlich später Morgen für seine Verhältnisse.. Wie lange hatten sie gestern noch geredet? Seine letzte Erinnerung galt dem Mitternachtsläuten der Kirchturmglocken. Aber da hatte er noch nicht mal den pink-grünen Fetzen angehabt. Ein Schmunzeln huschte über seine Züge, während er bei diesem Gedanken auf den Kostüm artigen Kleidersatz schaute. Ob Thia schon wach war? Seine Augenmerk richtete sich auf die Tür, welche die Treppe nach unten und das Obergeschos voneinander trennten. Barfuß stapfte er einfach mal runter und blickte sich prüfend im Raum um. Zumindest war sie gerade nicht da. Vielleicht noch unten, da schlief sie, wenn er sich recht erinnerte. Möglichst leise ging er die Treppe zum Keller runter und schaute sich um. Auch dort begegnete er ihr zumindest nicht sofort und so machte er sich für den Moment erst einmal frisch. Es wurde sich gewaschen, der Bart auf die gewohnte Tageslänge gestutz und das Haar gekämmt. Jenes hatte gestern ordentlich leiden müssen unter dem ständigen Oberteilwechsel und dafür bedankte es sich nun herzlichst mit ordentlichem Ziepen. Das Leid wurde stillschweigend ertragen, bis er fertig war und dann ging er schon wieder die Treppe hoch. Immer noch kein Zeichen von Thia, aber so im Nachhinein betrachtet konnten es gerade mal 7 Stundenläufe sein, die sie schlief. Da musste man noch keinen wecken. Stattdessen wurde ein kleiner Brief auf dem Esstisch hinterlassen, bevor Zahrak rüber zum bunten Kessel ging und sich an die Arbeit für Taryas Klamottenbestellung machte..


Heyho Thia,

bin wieder nebenan. Die Arbeit ruht bekanntlich nicht gern. Hoffe, du hast gut geschlafen und wir sehen uns nicht erst in einem Mondlauf wieder.

Danke und liebe Grüße!
Zak
Zuletzt geändert von Zahrak Salberg am Freitag 5. Februar 2016, 14:18, insgesamt 4-mal geändert.
Zahrak Salberg

Beitrag von Zahrak Salberg »

So viel schlussendlich zum besseren Start ins neue Jahr. Thia war abgereist, Kiaras Tod war eine Gewissheit geworden und Drakhon machte sich an seiner Nichte zu schaffen. Gut, Keylon war nun Knappe von Sir von Gipfelsturm, Amelie offenbar immer noch glücklich mit Jakob zusammen und Nia, eine entfernte Verwandte hatte zu der Familie gefunden. Das waren auch alles positive Aspekte. Aspekte, die er sich nun mehr denn je vor Augen führen musste. Denn er musste weiter für die Familie stark bleiben. Viele von ihnen neigten dazu sich fallen zu lassen, wenn sie sich der Gegenwart gewahr wurden. Um ihnen also etwas von ihrer heilen Welt zu lassen oder zumindest vorzugaukeln, dass ihr Dasein nicht nur vom Glaubenskrieg bestimmt wurde, hielt er seinen eigenen Kopf über Wasser und watete weiter. Weiter in der hoffnungsvollen Annahme, dass irgendwo zwischendurch auch noch einmal ein kleines Ufer kommen würde, an dem er sich ausruhen konnte. Die erste Möwe des Ufers war Diakon Antorius als Vertreter das Kloster, auf das er sich zumindest dieses Mal wirklich verlassen konnte. Zügig hatten sie sich gemeldet und ihm für seine Familie zugesichert, dass sie die Seele Kiaras sicher zur Herrin geleiten würden. Am 26. Eisbruch, einem der letzten Abende des aufregenden Winters. Die 2. Möwe war der Schritt zur Besserung des Ansehens vom Hort des Wissens. Nachdem bald ein ganzes Jahr lang der Name Salberg auf der Hausverbotsliste gestanden hatte, hatte die Freiherrin von Nebelpass sich bereit erklärt den Namen auszutragen. Als Zeichen ihres Verständnisses. Wie viele Möwen genau brauchte es noch gleich, bis man sich des Ufers sicher sein konnte? Mit diesen und ähnlichen Gedanken schlief er auch diese Nacht ein. Ganz ohne irgendwelche Gedanken an Glimmstängel oder Alkoholika. Immerhin etwas.. 4 zu 3 für die positiven Aspekte im neuen Jahr!
Zahrak Salberg

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"Und? Gehst du wieder zu IHR?", hatte Keylon mit diesem gewissen Unterton gefragt, den man eben hatte, wenn man Anspielungen machte und dabei seinen Spaß hatte. "Nein, sie hat Dienst.", war Zahraks einzige Antwort gewesen, bevor die beiden Brüder dann auch schon am Hause Mederic standen und ihrer Pflicht der Entschuldigung nach gingen. Nachdem das geschafft war und erstaunlicherweise sogar reibungslos, entschied man sich noch rüber zu Zahrak zu gehen und dort ging das leidige Thema wieder von Neuem los: "Was war denn eigentlich gestern los?" Zahrak hatte erst nicht reagiert, weil er den ersten Satz nur gehört und nicht richtig realisiert hatte. "Moira ist ja schon niedlich.." Da hatte Keylon dann doch wieder die ungeteilte Aufmerksamkeit seines älteren Bruders. "Was soll gestern gewesen sein?" "Na, du weißt schon. Du und sie.. sie und du." "Gestern war ein verdammt langer Tag. Dass ich sie sympathisch finde, hab ich dir gestern schon gesteckt, mein ich. Was für ne Antwort erwartest du nun also genau?" "Ist ja schon gut." Keylon wollte offenbar einfach nicht locker lassen. Jede Frau, mit der sich Zahrak etwas besser verstand - gut, sie verstanden sich so gut, dass sie ihn hatte sie küssen lassen, eines reinen Spaßes wegen - Aber jede Frau, bei der nur irgendein Grund zur Hoffnung auf Liebeserfolg bestand, war sofort Thema Nummer 1 zwischen den Brüdern, sobald Keylon nur davon erfuhr. Und ja, der Badeausflug war wunderschön gewesen und lange hatten alle Beteiligten, auch ein Zahrak nicht mehr so viel Spaß gehabt. Aber das gegenseitige Necken von Moira und Zahrak hatte offenbar nur für neuen Redestoff gesorgt. Auch eine Nia fing nun schon damit an. "Nia geht nun. Viel Spaß beim Balzen!" Ernsthaft? Balzen? Balzen taten Tiere! Und was bitte sollte Zahrak darauf antowrten, außer: "Äh, danke..." Balzen - Anbändeln war normalerweise was Anderes. Oder machte man das in Nias Heimatstamm vielleicht so? Er würde es noch erfahren, früher oder später..
Zahrak Salberg

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Arwan ist Vater... Allein die, mehr zufällige, Erkenntnis hatte ja schon eine Weile gebraucht. 20 Jahre hatte die Familie nichts von Lucilla gewusst. Und als sie dann wie angekündigt in Bajard mit einem Schiff anlegte, war sofort klar, wer sie war. Knöchel bedeckt, Ärmel bis zu den Handgelenken, Ausschnitt bis zum Schlüsselbein hoch, adrette Frisur, gut gepflegt und dann diese unmissverständliche Selbstverständlichkeit des Knicksens vorm eigenen Vater. Gut, auf dem zweiten Blick sah sie dann zumindest auch aus wie eine von ihnen. Langes, dunkles, nicht zwingend glattes Haar, dunkelblaue Augen, eher blasser Hauttyp, wenn auch leicht von der Sonne gezeichnet.. Also insgesamt gar nicht so schlecht, der erste Eindruck.
Das folgende Gespräch des Kennenlernens in Amelies Haus bestätigte eigentlich nur dieses erste, spontane Bild und festigte es. "Herr Vater" hier "Darf ich dir behilflich sein?" dort und immer gepaart mit einer allen anderen Salbergs nahezu fremden Zurückhaltung. Auch in den Folgetagen schien sich der Besuch aus der Heimat nicht anders zu verhalten. Die Momente zwischen Arbeit, Organisation und Kopfschmerzen nutzte Zahrak möglichst zum Kennenlernen der "Base" - wie man normal ja sagen würde. Aber gut, er war eh nicht normal. Er hieß Salberg. Also die Cousine jedenfalls konnte gut kochen und die mitgebrachten Speisen, naja es war Haifischfleisch. Was sollte man dazu noch sagen? Zahraks Leibspeise aus der Kindheit und auch heute offenbar noch ein sicherer Pluspunkt. Gelegentlich unterhielt man sich also über Hai, Maradon, Kindheit und Lichtenthal. Leicht wirre Mischung, aber in jedem Fall fühlte es sich heimischer an, als vermutet.
Zuletzt geändert von Zahrak Salberg am Freitag 17. Januar 2020, 14:55, insgesamt 1-mal geändert.
Zahrak Salberg

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-Doppelpost-
Zuletzt geändert von Zahrak Salberg am Samstag 9. April 2016, 14:43, insgesamt 2-mal geändert.
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"Wir rollen dich also gleich zurück, ja?"
"Manchmal frag ich mich, wo du das alles hin drückst."


Immer wieder hörte er die Stimme seines Bruders im Kopf. Zumindest, nachdem Moira und er sich in den frühen Morgenstunden, bei Sonnenaufgang endlich vom Dienst hatten befreien können. Gefühlt 10 Mal hatte sie dem Schneider gesagt, er könne auch nach Hause gehen, wenn er müde sei. Aber er war nicht gegangen und hatte beteuert, dass er erst dann richtig müde sei, wenn er wie ein Baum geradeaus auf den Minenboden sinken würde. Unverständnis und Amüsanz zugleich waren die Entgegnung auf diesen Vergleich gewesen.
Aber jetzt, wo er ausnahmsweise wirklich mal ganze 8 Stundenläufe lang geschlafen und sogar ausgiebig gefrühstückt hatte, hatte er wieder die Gedanken bei den drei großzügig geschnittenen Kuchenstücken im Dorfkrug. Schokolade, Blaubeeren, ein Kaffee dabei.. So erhob er sich also irgendwann vom Frühstück, ließ Lucilla den Abwasch machen, wie es Beide mittlerweile gewöhnt waren und zog sich etwas Bequemes, aber Straßentaugliches an. Seine Lieblingsklamotten kamen nach Wochenläufen wieder zum Einsatz. Vorfreudig und doch eher entschlossen wirkend, legte er sich die fingerlosen, stabilen Handschuhe aus Rauhleder an, nur um dann auch schon das Haus zu verlassen. Das Wetter war gerade 'warm' genug, um ihn während der bevorstehenden Anstrengung nicht frieren zu lassen. Aber wer weiß? Vielleicht würde es ja auch noch wärmer werden..
Noch einmal tief die Frühlingsluft einatmend und gleichmäßig wieder raus lassend, lief er da auch schon los. Den Weg durch das heimische Dorf, weiter durch Meerswacht, am Flaggenspielfeld des Regiments vorbei, weiter den leer stehenden Außenposten des bunten Kessels hinter sich lassend und durch das Nordtor Adorans. Den Wachen, kaum langsamer werdend, freundlich grüßend und sich somit auch schon verratend. Alles geplant, denn anhalten wollte er ja nur jetzt nicht. Sie ließen ihn also passieren und für ihn ging es weiter, die Hauptstraße entlang. Schnaufend hielt er den Kurs und merkte nur am Rande, wie ihm die ersten Schweißtropfen bereits die Schläfen und die Stirn hinunter liefen. Kalt war es jetzt definitiv nicht mehr. Die umher gehenden und stehenden Menschen mussten etwas verwundert gucken, kannten sie es doch nicht, dass der Schneider um solche Uhrzeiten einfach so durch die Stadt lief. Panisch sah er ja nicht dabei aus. Das Tempo ließ gerade etwas nach, als die Beine versuchten sich zu entspannen. Doch da erstreckte sich auch schon die Kommandantur des Regiments, Keylons Arbeitsplatz zu seiner Linken und er schnaufte nur, um neuerlich schneller zu werden. Am Westtor der Stadt angekommen, musste er unweigerlich grinsen, als er die nächsten verwunderten Wachen sah, denen er nur noch ein knappes "Morgen" zu rief. Für mehr war keine Luft mehr vorhanden. Er bog schließlich wieder nach rechts ab, in Richtung Kronwalden zurück. An der bereits errichteten Startlinie des Wettreitens am 24. blieb er schwer atmend stehen, stützte sich auf den Oberschenkeln ab und hört den nächsten Satz Keylons im Kopf..


"Ja, Ausdauer hast du. Aber ich trainiere damit ja meine Kraft."

Ein neuerliches Schnaufen, gepaart mit einem Seufzen. Gut, das war das, was er konnte. Das war sozusagen jetzt gegen's schlechte Gewissen gewesen. Und nun musste er noch was für sein Ego tun. Deutlich langsamer als zuvor, ging er nun den Dorfweg entlang und suchte sich einen Baum mit halbwegs tief hängenden, stabilen Ästen. Dem kleinen Bruder nacheifern kam gar nicht in Frage! Aber Krafttraining musste nun trotzdem sein. Also sprang er schließlich an einen Ast dran, als er ihn für geeignet empfunden hatte und begann sich daran immer und wieder hochzuziehen. Klimmzüge nannte man das, wenn er sich recht erinnerte. Aber war auch nicht wichtig. Hauptsache effektiv. Brummend merkte er nun die Auswirkungen der Fürsorge Lucillas. Aus den während des Alkoholentzugs auf 80 Steine runter gefallenen Gewichts, waren schnell wieder die alt bekannten 90 Steine geworden. Leider nicht wirklich reine Schneidermuskelmasse, wie er noch mit Moira so herzlich gescherzt hatte. Er zog sich hoch, ließ sich möglichst kontrolliert wieder runter sinken und zog sich neuerlich hoch. Immer und immer wieder, bis er irgendwann nur noch ab sprang und durchatmete. Die Arme wurden einen Moment lang ausgeschlackert und der nächste, etwas tiefere Ast nahezu böse angestiert, bevor er dann in einen Handstand über ging und die Kniekehlen gegen jenen Ast lehnte, um mit den Beinen darum greifen zu können. Die Arme wurden nun vor dem Oberkörper gekreuzt und so begann er den Oberkörper wiederholenderweise gen Knie anzuziehen und wieder sinken zu lassen.
So verging der halbe Mittag mit dem Laufen und anschließenden, unterschiedlichsten Kraftübungen, bis er erstmal auf dem Rasen liegen blieb und abwartete, bis der nass geschwitzte Körper den kühlen Wind als störender empfand, anstelle der Schwäche. Erst da stapfte er zum nahe gelegenen Haus zurück und begann sich frisch zu machen, bevor dann der normale Schneideralltag viel zu spät startete.
Zahrak Salberg

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"Moira, wie schön dich zu sehen. Grüß dich!",
strahlte Mara auf und steuerte gleich die beiden Gäste an. Freudig erwiderte ihre Freundin Moira den Gruß und umarmte sie erst einmal herzlich.
"Hallo Mara, ich freu mich auch, dich zu sehen. Alles gut bei dir?"
"Och, natürlich. Man kann nicht besser klagen, was? Aber wen hast du denn da mit gebracht?" Mit diesen Worten schaute sie geradewegs zu Zahrak auf, der schmunzelnd meinte:
"Zahrak Salberg. Wir kennen uns bisher nur vom Hören Sagen. Freut mich."
"Oooh, der Göttergatte. Es freut mich auch sehr, Zahrak. - Wenn das in Ordnung ist?", gluckste Mara und zwinkerte Moira vielsagend zu.
"Klar, gern. Ich hab's eh nicht so mit den steifen Umgangsformen."
"Ha, das passt gut. Hier auf dem Hof sind wir alle etwas.. naja persönlicher."
"Kommt mir gelegen. Fühl ich mich wenigstens wie zu Hause.", grinste Zahrak und setzte sich mit einem Arm um Moira gelegt in Bewegung, als Mara die Beiden mit sich winkte.
"Sehr schön. Kommt mal mit, dann zeig ich euch euer Zimmer, das ihr nutzen könnt, solange ihr hier seid. Zwei Tage waren es, oder?"
"Richtig. Wir haben leider nicht so viel Zeit. Aber ich wollte dir auf jeden Fall helfen und hab auch tatkräftige Unterstützung mitgebracht." Ein nahezu liebliches Lächeln traf Zahrak von unten rechts, was jedoch alle Beteiligten zum Lachen brachte.
"Ach, das macht nichts. Jede Hilfe ist willkommen. Ich bin dir wirklich dankbar, Moira. Du tust immer so viel für mich."
"Wozu sind denn Freunde da? Ich mache das gerne, Mara.", lächelte Moira auf.
In den nächsten Stunden wurden sie und Zahrak sodann auf dem Hof herum geführt, in alles Wichtige eingewiesen und schließlich erst einmal zum Abendessen eingeladen, ehe es dann noch hieß, den Hof nachtfertig zu machen. Der nächste Morgen fing zu gewöhnlichen Zahrak-Zeiten, so kurz vor Sonnenaufgang an und forderte alle helfenden Hände zu Genüge. Die Tiere wurden auf die Koppeln gebracht, deren Ställe ausgemistet, Tröge aufgefüllt, die Blumen gegossen, zwischendrin etwas gegessen und zum Nachmittag hin ging es dann auf's Feld. Nebenher nutzte man die Gelegenheit immer wieder und erzählte sich gegenseitig ein paar Geschichten, informierte über die neusten Ereignisse der jeweiligen Heimat und tauschte Interessen aus. Deutlich spürte Zahrak, wie sein Körper zwar nicht erschöpft war, die Muskeln jedoch an gewissen Stellen in einen Streikmodus gingen, der es ihm am zweiten Tag tatsächlich schwer machte, noch weiter die hohen Leistungen zu erbringen. Aber er biss auf die Zähne, fand er doch ab und an immer wieder Spaß an der alt bekannten, fast vergessenen Arbeit.
Die Rückfahrt schließlich nutzten er und Moira, um sich auszuruhen, bevor es in Lichtenthal wieder an die gewohnten Arbeiten ging. Während Moira Unterrichte vor sich hatte, stand bei Zahrak noch ein Umzug auf dem Plan. Berchgard sollte es nun werden, um Arbeit und Privatleben sauber von einander trennen zu können. Dafür zog Enndres in sein altes Haus ein, sodass die Salbergquote in Kronwalden sich nicht änderte. Aber dafür musste natürlich dann auch alles erst mal sinnig zusammen geräumt werden, altes, nicht mehr gebrauchtes Zeug aussortiert und weggeschmissen und dann der ganze Mist durch Tiefenberg transportiert werden. Zu gut, dass er sich grundlegend mit der Schreinerei auskannte und so zumindest die noch zwingend für den Übergang benötigten Möbel auseinander nehmen konnte, sodass sie möglichst klein auch transportfähig waren. Die armen Packpferde sollten es ja schließlich nicht zu schwierig mit ihrer Arbeit haben. In Berchgard selbst begann jedoch nach dem Bürokratischen erneut die handwerkliche Arbeit. Es musste alles ausgeräumt werden, die neuen Möbel erwartet, aufgebaut und eingeräumt werden. Dann folgte noch Papierkram, der sich vor allem im Verfassen allgemeiner Geschäftsbedingungen, Lehrplänen, Lehrbedingungen und Preislisten auswirkte. Jedoch auch das Vollenden des Moderatgebers, den er vor einer gefühlten Ewigkeit einmal angefangen hatte, sowie das Fertigstellen der Sommerkollektion, die nun wirklich bald möglichst heraus gebracht werden musste. Der Geburtstag von seiner Nichte Millie stand noch an, Keylon wollte Faustkampfübungen mit ihm machen, der traditionelle Tanz unterm Besen wollte noch organisiert werden und und und.. Nicht zu vergessen Moira, Essen, Trinken, Schlafen! Es blieb zu hoffen, dass er sich das alles mithilfe von schmierigen Notizzetteln während des Atmens merken konnte.
Zahrak Salberg

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Lenzing 259

"Ein Soldat wäre unermesslich reich, wenn es jemanden gäbe, der die Geschichte seiner Taten malen würde. Auf dass sie nicht vergessen werden." Wie Recht der Urheber jener Worte doch hatte. Wir Menschen, das Leben auf unserer Welt ist dazu verurteilt endlich zu sein. Die Zeit, die uns gegeben ist, um Taten zu vollbringen ist endlich und auch die Möglichkeit sie festzuhalten, für die Nachwelt. Sieben Monde ist es bereits her, seit Taliannas Leben viel zu früh ein Ende fand. Ich selbst kannte sie nicht gut, aber viele andere, viele die noch leben. Und so möchte ich dafür sorgen, dass es noch viele nach ihnen tun werden. Denn sie soll ein Vorbild für Andere bleiben. Für all jene gewillten Streiter der Herrin, die ihren Weg zu uns nach Lichtenthal gefunden haben.



































Umgeben von einem fast zu Ende eingerichteten Laden und den letzten Umzugskisten saß er am neuen Thresen, hielt einen Kohlestift in der Hand und tippelte mit ihm immer hin und her. Jede zweite Bewegung des Stiftes traf das Pergament unter der vernarbten Hand des Schneiders, während der ozeanblaue Blick gedankenverloren auf eben jenes gerichtet war. Immer wieder überflogen sie die bisher geschriebenen Zeilen, die er im Aus- und Einräumwahn gefunden hatte. Irgendwie, irgendwann musste er das noch zu Ende verfassen. Aus den sieben Monden waren mittlerweile zehn geworden. Doch bisher hatte er es nicht geschafft, seinen Kopf von Streit, Arbeit, Gesundheit, Familie und Liebe loszureißen, um sich den Erinnerungen an seine ehemalige Kollegin zu widmen. Eine Schande streng genommen.. Seufzend ließ Zahrak sich schließlich über den Thresen hängen und schob das Blatt samt Kohlestift von sich. Die ersten Worte waren voller Herz verfasst und nur das würde Talianna wohl gerecht werden. Er durfte nun nicht weiter schreiben, allein um der Vollendung Willen. Es würde sich noch ein Moment finden, in dem es angebracht sein würde...
Schlussendlich dann doch davon überzeugt drückte er sich auf, um noch etwas an der Sommerkollektion zu arbeiten, die er unter anderem ebenso auf seiner Aufgabenliste stehen hatte. Und so in zwei, drei, vielleicht auch vier Stunden würde er sich sicher daran erinnern, dass es langsam Zeit wird schlafen zu gehen. Moiras Haus war ja nun nah genug, sodass er es wenigstens nicht weit bis dort hin hatte. Und um Mitternacht schlief sie vielleicht zumindest schon, damit er sie nicht aus dem Halfschlaf reißen musste. Er würde wohl einfach so bis zum 1. Glockenschlag abwarten, damit sie auch sicher schon schlief. Heute war definitiv nicht der Tag für Gesellschaft, sie würde es verstehen..
Zahrak Salberg

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Morgens früh, noch vorm Sonnenaufgang wachte Zahrak auf und erblickte Moira, die wohl mitten in der Nacht erst nach Hause gekommen war. Nachtdienst stand im Moment an und so wollte er sie auch nicht wecken. Stattdessen wuselte er heimlich aus dem Bett und stapfte barfuß die Treppen hoch, gen Küche. Dort begann er ein Frühstück für sich zuzubereiten. Spiegelei, Brot, Käse und - ganz wichtig - Kaffee!! Während dieses also gemütlich und in salberg'sch großen Mengen zu sich genommen wurde, durchwühlte er den Essenstisch, um zwischen wichtigem und unwichtigem Kram zu unterscheiden. Moira neigte gelegentlich dazu, einfach alles auf einen Haufen zu schmeißen und vor lauter Schreibkram einen Panikanfall zu erleiden. Als er eine dieser besagten Schreibarbeiten fand - oder zumindest dessen Vorarbeit -, machte er sich daran jene zu überarbeiten und anhand der beim Unterricht erlangten Informationen zu erweitern. Ziemlich zeitgleich mit dem letzten Schluck Kaffee war er schließlich fertig und hinterließ für die Gardistin nur noch eine Notiz, damit sie sich nicht wunderte...

Heyho,

glaub, jetzt haste alles. Die Form müsste auch passen, aber schreib das am besten noch mal ab. Meine Sauklaue wollen die Vorgesetzten bestimmt nicht darin lesen. Bin nebenan was arbeiten. Bis heute Abend!

Zak


Holzarten, 08. Schwalbenkunft 259:

Birken: sehr schnellwachsend, nach etwa 5 Jahren bis zu 8 Metern hoch, augewachsen bis 30 Meter, vereinzelt bis zu 160 Jahre alt
Verwendung: durch alchemistische Vorgänge eine Art Pech herzustellen, verwendbar in Arzneien und als Leimersatz, Gebrauchsgegenstände, oftmals auch Pfeilschäfte, Feuerholz ist es brauchbar aber bei weitem nicht das Beste, gut für Funiere, Schnitzereien, keine Baugerüste oder Belagerungsmaschinen!
Beschaffenheit: nicht sehr hart und beständig, nicht sehr verwindungssteif

Weidenholz: unterschieden zwischen Zwergsträuchern, grösseren Sträuchern und Bäumen, zwischen 3 cm und bis zu 35 Meter Höhe, sehr schnellwüchsig, aber meist sehr kurzlebig, wachsen bevorzugt in Uferbereichen oder Feuchtgebieten
Verwendung: oftmals zur Befstigung von Uferwällen gepflanzt, eigent sich recht gut zur Pfeilherstellung, windet sich im Flug, passt sich Gegebenheiten an, für Bogenbau etwas zu weich, Weidenruten gut zur Herstellung von Körben oder Reitgerten gut, hauptsächlich für Möbelherstellung geeigent

Zeder: zweigeschlechtlich (weibliche und männliche Zapfen für Fortpflanzung ohne zweiten Baum), halten ihre Blätter, im Gegensatz zu Laubbäumen, bis zu 6 Jahre bevor sie sie abwerfen, Zedernholz enthält Öle, die Motten fernhalten,
Verwendung: Bögen, mehr ein reines Möbelholz, Zedernöl neuerdings für Herstellung von Duftwässern interessant

Zypresse: hierzulande recht selten, immergün, sowohl als Bäume, wie auch als Sträucher wachsen, wachsen recht schnell, sehr hartes und dichtfaseriges Holz,
Verwendung: werden in Strauchform gern zum Windschutz anegpflanzt, auf Friedhöfen als Grabbepflanzung, ihr Öl fördert die Wundheilung und wirkt auch krampflösend, gut für Belagerungsmaschinen, Möbel, Instrumente, Bogenbau (Kompositbogen mithilfe von Dämonenknochen)

Eiche: sehr hartes Holz, über 1000 Jahre alt möglich, Stammumfang bis 10 Metern, bis 45 Meter hoch, normal um 160 Jahre alt
Verwendung: Kompositbogen (siehe Zypresse!), gutes Bauholz, gutes Feuerholz, schlecht für Pfeilherstellung, weil zu festes Holz, Fässerherstellung

Walnussbaum: um die 15-25 Meter hoch, bis zu 150 Jahren, Früchte/Kerne sehr wohlschmeckend,
Verwendung: Fruchthüllen können von Schneidern für Färbung von Kleidern und Stoffen verwendet werden, edle Möbel, Furnier, Bögen mit recht viel Durchschlag, zum Teil im Schiffbau verwendet

Mahagoni: teuerste und dunkelste Holz, härteste hiesige Holz, an wenigen Orten zu finden, sehr gefragt, höchstens bis zu 18 Meter hoch, Stammumfang von 40-80 cm, wachsen sehr langsam (bedingt Festigkeit, Dichte und Höhe des Holzes)
Verwendung: Instrumentenbau, Schiffsbau (Kapitänskabinen, sehr der Witterung ausgesetzte Schiffselemente), Möbelbau, Doppelbogen
Zahrak Salberg

Beitrag von Zahrak Salberg »

Hektisch tippelte der Kohlestift zwischen seinen Fingern immer wieder erst mit dem angespitzten, dann mit dem gegenüberliegenden Ende auf das Walnussholz unter sich. Der ozeanblaue Blick des Schreibers stierte auf das Pergament, mehrere Atemzüge lang, ehe er wie von irgend etwas ferngesteuert Zeile um Zeile niederschrieb...
Keller, Mahagoni: Bühne, 3 Tische, keine Stühle!, Bar, Instrumente!, Umkleide (Herr Gruenwald?)
Liedtexte niederschreiben, Essen und Trinken besorgen, Mitarbeiter oder Helfer, Programm
Stoff vorweben für die Eröffnung, Aushänge für die Eröffnungsverkündung vorbereiten
Den Kopf auf die Hand stützend, kratzte er sich etwas am, in den letzten Tagen länger als gewöhnlich getragenen, Bart und unterdrückte ein Gähnen. Das schien soweit alles zu sein, nachdem er schon ein paar Dinge von seiner gedanklichen Liste erledigt hatte. Mit einem schielden Blick zu wieder einmal leeren Kaffeetasse seufzte er und drückte sich schließlich vom Hocker auf. Die Arbeitsfläche so belassend, wie sie gerade war, verließ er den Laden, schloss hinter sich ab und ging die paar Meter rüber zu Moira. Es war mittlerweile wieder spät nachts und so bemühte er sich sehr leise zu sein. Gefühlt auf Zehenspitzen und extra schon nur noch auf Socken schlich er die Kellertreppe runter, um sich auch schon ohne Lichtquellen, durch die Vorhänge hindurch zum Bett hindurch zu tasten. Dabei möglichst nicht irgendwo anstoßend und sich auch heile dort angekommen nicht mehr die Mühe des Umziehens machend. Lediglich der Gürtel und die Jacke wurden abgelegt, damit es die Nacht nicht so ungemütlich werden würde. Ein aufmerksamer Blick traf Moira noch in der umhüllenden Dunkelheit, ehe der Körper aus einem natürlichen Reflex heraus den Schneider in einen kaum abwendbaren Schlaf fallen ließ. Wie so oft, wenn er übernächtigt war, lag er nicht gemütlich auf der Seite, sondern stur auf dem Rücken, was ein sonores, wenn auch lange nicht thyrisch oder kalurisch lautes Schnarchen mit sich zog. Und ausnahmsweise wird man wohl am nächsten Morgen auch noch um 9 Uhr jenen Anblick haben, sollte man sich um jene Tageszeit im Raum aufhalten. Fast mag der Schlaf etwas komatös wirken, doch Brustkorb und Bauchdecke heben sich unverändert regelmäßig, bis der Schneider seinen Arbeitstag irgendwann gen der halben 10. Stunde wieder in Angriff nehmen wird.
Zahrak Salberg

Beitrag von Zahrak Salberg »

Da saß er nun. Auf einer kahlen Holzbühne, in einem dunklen Keller, in Straßenklamotten und ohne einen wirklichen Plan davon, was er die nächsten Stunden nun machen sollte. Nach Schlafen war ihm nicht zu Mute, seit er Drakhon erkannt hatte. Sicher, der Puls hatte sich wieder beruhigt, war in keiner Minute hoch genug gewesen, um dem Gegenüber Angst zu vermitteln, aber die Gedanken schwirrten dennoch weiter um diesen Rabendiener. Streng genommen war es auch keine Angst, die Zahrak ihm gegenüber verspürte. Es waren Verachtung, im ganz entferntesten Sinne Unverständnis und vor allem Wut. Hass nicht, nein. Er würde nicht einmal im betrunkenen Zustand auf die Idee kommen, ein zweites Mal nach Grenzwarth zu reiten und dem älteren Feind gegenüberzutreten. Aber er war wütend darüber, dass eben jener das anders sah. Er hatte ihn während eines gängigen Ladenbetriebs, unfern der Heimat aufgesucht und auf ein Neues mit der Psyche des Salbergs zu spielen versucht. Er hatte es sogar in Ansätzen geschafft und am Ende.. hatte Zahrak doch eine Angst in sich. Verlustangst! Er wollte weder, dass seiner Familie noch einmal etwas zustieß, noch dass Drakhon auf Moiras Spur kommen würde. Es war schlimm genug, dass er Alba nun als seine Mitarbeiterin, Schülerin oder sonst etwas ähnliches gesehen hatte. Das Mädchen hatte es am aller wenigsten verdient, da mit hineinzugeraten.
"Besonnenheit, Zahrak! Streue keine Funken, wo ohnehin schon Flammen lodern.",
hörte er seinen Onkel mit ruhiger, zuversichtlicher und doch bestimmter Stimme sprechen. Natürlich nur in Gedanken. Aber seit letztem Frühjahr war es vor allem diese Aussage des alten Familienmitglieds, welche ihn immer öfter runter holte und wirklich in gewisser Weise erwachsen handeln ließ. Es würde wohl nichts Gutes mit sich bringen, wenn er nun auch nur einen der Familie darüber in Kenntnis setzen würde, dass Drakhon zu Besuch gewesen war. Ohnehin war es doch auch nur bei einem Besuch und einer Drohung geblieben! Helisande, ja, sie sollte schon davon erfahren. Schließlich stand es in ihrer Macht, irgendwie möglichst diskret da vielleicht ein Auge mehr auf Kronwalden zu haben, während Zahrak mit Moira schon zurecht kommen und, wie abgesprochen, ohnehin bald eine Auszeit nehmen würde. Damit war sie soweit sicher und ohne Anreize für Panik war die Familie wohl auch sicherer, als es jede Wache es gewährleisten könnte. Nur Alba war in gewisser Weise auf sich selbst gestellt. Zahrak konnte nur für sie hoffen, dass Drakhon ihn richtig einschätzte und in ihr keine wunde Stelle sehen würde. Wie er es schon dem Rabendiener durchaus ehrlich entgegengebracht hatte: "Das wäre der Sache [...] wohl nicht sonderlich dienlich." Er seufzte lautlos, ließ sich rücklings auf den Bühnenboden sinken und streckte die Arme locker nach oben, über den Kopf. Gemütlich würde es diese Nacht nicht werden und warm vermutlich auch nicht. Aber er traute sich für diese Nacht nicht zu Moira. Zu groß war am Ende doch die Angst, dass Drakhon das mitbekommen und die wahre Schwachstelle ausmachen könnte. Am nächsten Mittag, wenn sie einen ihrer letzten Dienste vor der Auszeit haben würde, dann könnte oder müsste er es ihr einfach sagen. So, dass es aussieht, wie ein normaler Plausch unter Bürgern und Soldaten. "Genug der Egozentrik, Zahrak.", sagte er schließlich zu sich selbst und drehte sich auf die Seite, um eine pseudogemütliche Haltung zu finden. So wichtig war es Drakhon sicher nicht, gerade Zahrak Schmerzen zufügen zu können. Sicher wollte der Typ nur, dass eben genau das gedacht und sich somit Sorgen gemacht wurde. Das würde er ihm auf jeden Fall nicht gönnen. Nicht dieses Mal...!
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