Der schwache Schatten seiner selbst

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Malachai Schwarzmourne
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Registriert: Montag 2. April 2007, 01:04

Beitrag von Malachai Schwarzmourne »

Ermüdet vom Ausritt, betrat Malachai das Heim. Die Sachen wurden vorerst auf den Stuhl gestellt, ein Ruf ins Haus, ob wer Anwesend war. Nichts, und das war eine Wohltat für ihn. Sicher, Malena zu sehen, sie in den Armen zu nehmen, war das sehnlichste, was er sich gerade wünschte. Aber dass andere Leute gerade nicht ein und ausgingen, war ebenso entspannend und luden förmlich dazu ein, hinab zu steigen und ein Bad zu nehmen, ehe er sich dann aufmacht, Malena zu suchen.
Die Fußspuren auf dem Boden und das unordentliche Durcheinander in der Küche, waren vielleicht ungewöhnlich, angesichts der Tatsache, dass viele Personen hier lebten und freien Zugang hatten, nichts, weshalb Malachai darüber groß nachdachte.
Erst fiel ihm der versiegelte Brief auch nicht auf, bis er sich entsann, dass Briefe für andere des Hauses woanders gelagert wurden.
So setzte er sich, nahm sich eine Karotte und begutachtete das Siegel eingehender.
Der lange Ritt durch die Nacht, der mangelnde Schlaf, schienen erst seine Sinne getrübt zu haben. Selbst wenn der Schattenlord seine Waffe immer bei sich trägt, selbst wenn er instinktiv schon jede Sekunde mit einem Angriff rechnete, selbst wenn der letzte Jahre zurücklag, dachte er nicht, dass ihm jemand schreiben würde.
Umso erstaunter, und gleich um einiges wacher, öffnete er den Brief und lass die vielen Worte nach und nach.
Soviel ging durch sein Kopf in den wenigen Minuten, die ein Buch voller Emotionen füllen könnten.
Sorgenvoll....aufbrausend....anerkennend....wieder sorgenvoll....wütend....ja doch....alles vertreten.
Das Bad war vergessen, auch seine Ankunft und die Suche nach Malena waren wie weggewischt.
Abermals laß er den Brief, abermals liess er die Worte durch seinen Kopf wandern.
Er hatte schon immer eine Ahnung, er erkannte gewisse Situationen an, akzeptierte die Entscheidungen von jenen, die ihm wichtig waren und wollte selbst nicht mit denen brechen.
Ein Grund, warum er das enge Band all der Seinen löste, dass er die Traditionen der Familien aufbrach und den Fluch entfernte. Er erkannte, dass jeder seine Wege gehen musste und nur er vielleicht noch ein alterndes, aussterbendes Relikt in dieser neuen, jungen Welt ist.
Dass kein Platz mehr für Schwertschwingende Schatten besteht, die durch Neutralität ein Gleichgewicht halten möchten und sie zuwenige sind, um sich dem Sog der großen Mächte zu entziehen.
So erhob er sich, seine Klingen sowie der Brief wurden an sich genommen und er verliess auch schon wieder das Haus.
Schattenhuf, wohl noch erschöpft vom langen Galopp, blickte förmlich ungläubig auf Malachai, so wie es ein Pferd halt tun könnte, als er besattelt wurde und Malachai ihn bestieg.
Er ritt in der Nacht hinfort. Er wusste, was er nun tun musste. Er musste überlegen, die Situation erkennen und analysieren. Er würde sich informieren. Denn das schlimmste, was er nun tun könne, wäre, falsch zu handeln.
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Malachai Schwarzmourne
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Registriert: Montag 2. April 2007, 01:04

Beitrag von Malachai Schwarzmourne »

Ruhig lag er da, lauschte ihrem Herzschlag, spürte ihren Atem auf seinem Arm. Fest hielt er sie, roch ihren Duft und blieb selber stumm, um sie nicht zu wecken. Es gab für ihn keinen schöneren Moment, als ihr beim Schlafen zuzusehen, einfach diese Stille, gepaart mit der Fürsorge und Geborgenheit, zu geniessen.
Malena schlief recht schnell ein. Es war sowieso erstaunlich, wie diese Frau, tagsüber voller Energie und Tatendrang, während des entkleidens in einen komatösen Zustand verfiel und förmlich auf das Bett prallte.
Doch Malachai kam es entgegen. Dieser schöne Moment liess ihn durchatmen, gab ihm die Chance, seine Gedanken zu sortieren. Ja, nun konnte er rekapitulieren, was alles geschehen war und seine Sorgen zumindest geistig versuchend zu lösen.
Allen vorran Keylon und Adelena und das Problem mit dem Raben. Das Gesräch mit Drakhon gab ihm viele Aufschlüsse, selbst wenn er noch den einen oder anderen Satz auf Wahrheit oder Irreführung prüfen müsse. Zu gerissen schien dafür sein vermeintlicher Gegner...zu unklar die Parteien der einzelnen Figuren, seine eingeschlossen. Ja hier, würde er mehr als genau überdenken, was er tut und jede Entscheidung auf seine Konsequenzen abwiegen. Und er müsse genau selektieren, wen er in dieses Spiel involviert und welche Rollen er sich dabei erdacht.
Das nächste Problem war Selina. Sie war schon mehr wie eine Schwester für ihn. Seit Jahrzehnten kannten sie sich, gingen durch gute, wie durch schlechte Tage, standen oft Rücken and Rücken mit der Klinge aneinander. Doch zu Selina gehörte auch Arsen. Jenen Mann, den er als Bruder betitelte. Jenen Mann, der ihn und auch umgekehrt, den Malachai verraten hat. Sicherlich, wenn man nun, nach all den Jahren, wieder darüber nachdenke, rekapituliert, was man alles gemeinsam erlebt hat, wie man sich gegenseitig das Leben gab, dann wären das Lapalien. Dennoch, es wurden Dinge getan, die die Kluft zwischen den Beiden, die sich so ähnlich waren, weiter vergößerte. Gerade jetzt, wo Malachai ihn und seine Fähigkeiten gut gebrauchen konnte. Doch vielleicht liessen sich hier mehrere Probleme mit einer Klappe schlagen.
Denn Selina ging es nicht gut. Man musste sie nicht so gut kennen, wie Malachai es tat, um den bitteren Unterton aus dem Brief herauszulesen. Sicher, er kann nicht hingehen, ihr einen Sack über den Kopf stülpen und sie daraus holen. Nur mit ihr Reden, ihr Optionen aufweisen...den Rest, müsse sie alleine entscheiden...nunja, nicht alleine....aber mit Arsen und nicht mit Malachai.
Sacht streift Malachai der schlafenden Malena durchs Haar, drückt ihr einen sachten Kuss auf die Stirn und, er mag es sich einbilden, glaubte er aber, ihre Lippen formten sich zu einen Lächeln.
Das letzte Problem, das, wo er mit die meiste Sorge trug und doch am ratlosesten war. Malenas Traum, oder doch mehr diese Vision? Sie glich in zuvielen Momenten dem, was er erlebte. Was er tat, als er sich entschied, das Übel an der Wurzel zu packen und auf ewig aus dieser Welt zu tilgen. Da, wo er glaubte, er würde sein Leben beenden, damit andere, die ihm lieb waren, frei davon leben konnten. Er erzählte nie jemanden genau, was er einst auf dieser Insel mit dem speienden Vulkan tat und das war auch gut so. Umso bedenklicher die Visionen von Malena. Ob es doch mit dem Artefakt zu tun hatte?
Er will in ihre Heimat reisen, Malachai füllte schon ein ganzes Notizbuch mit all den Personen, bei denen Malena aufwuchs, was sie erlebten und welche Hintergrundgeschichte sie haben. Wie man am besten mit ihnen umging und was man tunlichst vermeiden sollte.
Und dann trat er als ihr Verlobter auf.
Malachai musste schmunzeln. Malena benutzte das Wort sehr oft in Verbindung mit ihm: Verlobter.
"Das ist mein Verlobter, Malachai."
Sicher, sie sagte es, nach ihrer Aussage, weil es einfacher und schneller ging. Andererseits, Lebensgefährte oder Freund würde es wohl auch tun?
Das Thema ist etwas, was im Raum stand...doch nicht so plagativ und offensichtlich, als es vielleicht bei anderen der Fall ist. Eher soetwas wie...ja, wenn es so ist, dann machen wir es einfach.
Nunja, aber was das angeht, da würde Malachai sich doch etwas kreativeres Überlegen. Egal, ob Malena es will oder nicht.
Noch einige Zeit verharrt Malachai nachdenkend in dieser Position, bis auch er den Schlaf finden wird, den er braucht.
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