Stille...
diese undurchdringliche Stille...
Sie nagt an mir...
Sie flüstert mir zu...
Diese Stille ist nicht still...
"Bring ihn zu mir"
hatte Er gesagt.
"Sie sind alle nicht mehr wert als der Dreck, welcher in ihren Adern fliesst"
So hatte Vater manchmal gesprochen.
Leith drehte sich unruhig im Schlaf hin und her, trunken von den Gedanken und den Alpträumen die er dieser Tage manchmal hatte. Gedanken über Malon... die verehrte und nun weit entfernte, nichtmehr greifbare Malon... schöne braune Haare, die grazilen Bewegungen, die glatte Haut, der wohlduftende Atem, die strahlenden Augen... er hätte stundenlang aufzählen können, doch niemals wäre es den Gefühlen gleichgekommen, die er im Inneren trug, die er in einem kleinen Bereich seines Herzens verschlossen hatte, ... die er begrub.
Alpträume über Kailen und Tuirean... der Eine, welcher ihn betrug, ihn verwirrte mit seinen guten Worten, die nur schlechtes im Sinn hatten. Der Andere, welcher ihn schlug und manchmal zu laut wurde, die Fassung verlor ob der dummen Dinge, welche sein Sohn anstellte... und ob des Buches, welches er in seiner Tasche trug. Kailen musste es ebenfalls wissen.
Sie waren beide hinter ihm her... gerade jetzt, gerade in diesem Moment. Er rannte und rannte, nahm all seine Kraft, um seinen Beinen den gehörigen Marsch vorzuschreiben, der nötig war um zu entrinnen, zu entrinnen vor dem Unvermeidlichen. Doch sie waren schneller, erreichten ihn, zerrten an seinen Schultern. Und sie verwandelten sich in wilde Fratzen, geisterhafte Schauerbilder aus einer unwirklichen Welt. Sie wollten das Buch. Doch er konnte nicht loslassen, obwohl es ihm zuwieder war. Er hasste dieses Buch doch er konnte es nicht los werden. Und sie wussten es, wollten es besitzen.
Leith erwachte mit verschwitztem Nachthemd und schweißgebadeter Stirn mitten in der Nacht in der kleinen Hütte, die er sich mit einigen seiner Familienmitglieder teilte. Doch sie alle schliefen immernoch tief und fest.
Warum musste er immer wieder von neuem mitten in der Nacht erwachen? Gepeinigt von Gedanken, schmerzvollen Gedanken und diesen Träumen? Hatte es einen Zweck? Hatte es einen Sinn?
"Warum ich?"
Was hatte er getan, dass es soweit gekommen war?
Schon lange sehnte sich Leith nach einer ruhigen Nacht... einer Nacht in der er durchschlafen konnte, nicht träge von Gedanken war.
Cathal wirkte fast wie ein Bruder... vielleicht schon mehr als es Tarleed war. Mit ihm hatte er sich nicht nur manchmal gekabbelt, sondern teilweise heftig gestritten, ihn nicht verstanden, seine Prügel eingesteckt als der Jüngste, den Kopf für dessen Schandtaten hingehalten.
Owyn hielt zu ihm... der größte Lichtblick in fahlen Momenten wie es Leith schien. Er war immer bestens mit ihm ausgekommen. Auch trotz der kleinen Streitigkeiten, die meist nur aus Spass abgehalten wurden.
Owyn war wirklich jemand auf den er sich verlassen konnte. Sollte er ihm vielleicht davon erzählen? Würde er das Geheimnis wie bei Tarleed mit Schweigen hinnehmen? Würde er es halten können und nie jemandem sagen?
Vielleicht Vater... das wäre genau das, wovor Leith Angst hatte.
Und Una? Wo war sie nun... beschützt von dem Magier, der Leith beeindruckt hatte durch seine Freundlichkeit, seine Verschwiegenheit, sein Vertrauen? Oder doch an einem anderen Ort? Was dachte sie über Kailen? Und weshalb war sie in letzter Zeit nicht so glücklich wie man hätte vermuten sollen? Hätte er nur einen freien Kopf um sich um Dinge anderer zu kümmern, so hätte er es getan. Leith hätte wohl alles getan. Alles für etwas so kleines... das Gefühl des Glücks.
Sorcha... Leith sah sie nur wenig. Wenn, dann war sie entweder damit beschäftigt sich mit Owyn zu streiten oder das Kommando zu ergreifen. Vielleicht versuchte sie die Familie zusammen zu halten? War dies ein nobles Ziel? Oder vergebene Mühe? Gingen sie wirklich alle einen Weg zusammen oder jeder für sich Allein?
Viljo und Alleen. Beide waren für Leith nicht richtig einschätzbar. Viljo war sehr ruhig. Fast wie das Wasser an der Oberfläche eines kleinen Sees. Leith wusste nicht was sich unter der Oberfläche verbergen mochte. Doch konnte er deutlich sehen, dass ihm ein guter Geist innewohnte. Alleen war ebenfalls nicht zu durchblicken. Was war ihr Platz in dieser Familie? Konnte sie mehr sein als die hysterische Kämpferin, wenn man etwas schlechtes über sie sagte? Warum zeigte sie nicht wer sie wirklich war?
Und das brachte seine Gedanken zu Tara. Sie war in den Tagen seit ihrer Ankunft verschwiegen, eher in sich selbst gekehrt und wirkte beinahe immer etwas traurig, egal was sie tat. Was sie auch tat.
Leith stand von seiner kleinen Pritsche auf, die gerade so für ihn Platz bot, ließ die dünne Decke sanft auf den Boden gleiten ohne darauf zu achten. Er zog das Schlafgewand über den Kopf und legte es auf die vorübergehende Schlafgelegenheit aus Holz. Still wie ein Tier in der Nacht öffnete er seinen Reiserucksack, holte eine lange Hose und ein Leinenhemd heraus, zog beides an und ging zur Tür hinaus, ohne auch nur einen Laut von sich zu geben.
Nicht lange dauerte es bis er an den Strand gekommen war. Der Mond war hell und rund am Himmel, schien ihm auf das Schneeweiße Haupt, dessen kinnlange Haare ihm halb über das Gesicht hingen.
"Warum ich? Wohin geht das?"
Der letzte Gedanke war bisher immer Malon gewesen. Der letzte Gedanke...
Leith stapfte über die sandige Böschung hinunter zum weiten Meer, welches grau-blau rauschend und behutsam in Bewegung vor ihm lag.
Er starrte Stunden hinaus auf die See, stellte sich vor wie es wäre ein Vogel zu sein, hoch oben bis hinauf in die Wolken zu gleiten.
Er trug noch etwas ausser seinen Klamotten bei sich. Ein kleines Kästchen mit einer Sommerblüte... eine getrocknete Sommerblüte aus ihrem Haar.
Er nahm das Kästchen aus der Innentasche seiner Hose, öffnete sie und betrachtete die Blüte. So schön geformt war Sie. Schön in jedem Detail. Und dennoch verging sie durch die Hand. Sie entschwebte vom Wind, getragen durch die Kräfte einer höheren Macht. Verschwand im Dunkel.
Malon.
Zurück blieb nur die Erinnerung.
Der Abschied von etwas Wertvollem
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Leith Llastobhar
Der Abschied von etwas Wertvollem
Zuletzt geändert von Leith Llastobhar am Montag 10. Juli 2006, 14:49, insgesamt 1-mal geändert.
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Leith Llastobhar
Ohne Begleitung zum Familienessen... ja
Leith war froh über diese Erleichterung.
Es sollte wohl bald stattfinden und man sollte hübsche Kleider anhaben. Leith hatte nur wenig Geld von seinem Vater bekommen und konnte sich gerade so das Essen und die täglichen Unannehmlichkeiten leisten. Der Reiserucksack wurde zu einem gewohnten Gepäckstück, dass er fast ausschliesslich bei sich trug. Teils weil er keinen festen Platz zum Schlafen hatte, teils weil das Buch darin lag. Das Buch der sieben Artefakte.
Doch es war nun nichtmehr wichtig. Die Begleitung...
Hätte er es fertig gebracht jemanden zu finden? Hätte er sich nicht blamiert?
Warum dachte er so viel darüber nach?
Man brauchte doch garkeine Begleitung.
Leith war sich zu unsicher ob er die anderen nach Geld fragen sollte, war sich unsicher ob er nicht doch Vater nocheinmal schreiben wollte. Seit einiger Zeit verfasste er immer die gleichen Briefe nach Hause. Sie wollten auch garnichts anderes hören.
"Mir geht es gut, ich lerne viel auf der Akademie"
und etliche weitere Halbwahrheiten in geschwungener Schrift, die er sich schmerzhaft bei einem Privatlehrer angeeignet hatte.
Malon schrieb niemals... vielleicht hatte sie ihn vergessen.
Vielleicht sollte er nichtmehr an sie denken. Vielleicht....
War es etwas neues? Ein neues Gefühl? Vielleicht brauchte er eine Ablenkung. Vielleicht auch nicht. Vielleicht sollte er sich nicht ablenken, sondern vielmehr jemand anderem etwas geben was er selbst doch brauchte. Vielleicht würde er so das bekommen was gerade fehlte.
Vielleicht...
Erstmal blieb abzuwarten, was geschah
Leith war froh über diese Erleichterung.
Es sollte wohl bald stattfinden und man sollte hübsche Kleider anhaben. Leith hatte nur wenig Geld von seinem Vater bekommen und konnte sich gerade so das Essen und die täglichen Unannehmlichkeiten leisten. Der Reiserucksack wurde zu einem gewohnten Gepäckstück, dass er fast ausschliesslich bei sich trug. Teils weil er keinen festen Platz zum Schlafen hatte, teils weil das Buch darin lag. Das Buch der sieben Artefakte.
Doch es war nun nichtmehr wichtig. Die Begleitung...
Hätte er es fertig gebracht jemanden zu finden? Hätte er sich nicht blamiert?
Warum dachte er so viel darüber nach?
Man brauchte doch garkeine Begleitung.
Leith war sich zu unsicher ob er die anderen nach Geld fragen sollte, war sich unsicher ob er nicht doch Vater nocheinmal schreiben wollte. Seit einiger Zeit verfasste er immer die gleichen Briefe nach Hause. Sie wollten auch garnichts anderes hören.
"Mir geht es gut, ich lerne viel auf der Akademie"
und etliche weitere Halbwahrheiten in geschwungener Schrift, die er sich schmerzhaft bei einem Privatlehrer angeeignet hatte.
Malon schrieb niemals... vielleicht hatte sie ihn vergessen.
Vielleicht sollte er nichtmehr an sie denken. Vielleicht....
War es etwas neues? Ein neues Gefühl? Vielleicht brauchte er eine Ablenkung. Vielleicht auch nicht. Vielleicht sollte er sich nicht ablenken, sondern vielmehr jemand anderem etwas geben was er selbst doch brauchte. Vielleicht würde er so das bekommen was gerade fehlte.
Vielleicht...
Erstmal blieb abzuwarten, was geschah
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Leith Llastobhar
Ein weiterer Traum
In dieser Nacht war Leith ein weiteres Mal schweißgebadet aufgewacht.
Der Traum hatte ihn zurück zum Tag seiner Ankunft auf Gerimor gebracht.
Er stand auf dem Deck des Schiffes, wollte sich gerade daran machen zum Steg zu laufen um sich auf dem neuen Land umzusehen. Er schnupperte die Salzige Meeresluft und den Geruch von frisch gefangenem Fisch. Dann sah er eine Seemöve ihre Kreise über dem Hauptmast drehen.
Plötzlich übermannte ihn ein unangenehmes Stechen in der Bauchgegend. Etwas war hinter ihm. Nein ... jemand war hinter ihm. Eine ungenau zu erkennende Gestalt mit weißen Haar und einem düsteren Blick.
Dann fiel das Buch aus Leiths Rucksack und das Schiff begann zu brennen.
Weshalb dies alles so geschah konnte er nicht sagen. Was sicher war, war die Angst in seinen Augen und die böse Ahnung, dass der, der dort hinter ihm gerade aufgetaucht war, einer seiner Verwandten sein musste.
Strand... und das weite blaue Meer
Leith tat das selbe wie in der Nacht zuvor. Er holte seine Klamotten aus dem Reiserucksack und war inmitten der Nacht aus dem kleinen Haus verschwunden.
Der nun schon gewohnte Weg zum Strand war schnell gefunden.
Er setzte sich auf eine trockene Stelle garnicht weit vom Wasser und sammelte kleine flache Steinchen aus dem Sand um sie darauf folgend über die Wasserfläche zu werfen.
"Früher war es so lustig gewesen das zu tun"
dachte Er.
"Der Stein fliegt nach vorn... trifft die Wasserfläche... fliegt wieder ein Stück... wiederholt seinen Tanz noch ein paar mal, immer dichter gegen die Oberfläche gezogen, bis er schliesslich versinkt."
Leith saß etwas krümmlich mit angezogenen Beinen auf dem Sand und ließ den Kopf hängen.
Ein paar Nächte zuvor noch hatte er Una gesehen... wie sie nach draussen schlich. Hatte sie ihn bemerkt? Wusste sie, dass er es ähnlich tat?
Überhaupt... was sie heute gesagt hatte brannte noch etwas in seinem Kopf nach, wie die Erinnerung an den ersten Schluck, den er von der farblosen Flüssigkeit im Gasthaus probiert hatte.
Leith überlegte ebenfalls noch lange, weshalb Tara immer so seltsam mit ihm umsprang. In einem Moment lachte sie ihn an, im anderen schimpfte sie über seine kläglichen Manieren und dass seine Eltern wohl die falsche Erziehung gewählt hätten. Was wollte sie damit bezwecken?
"Jedenfalls lasse ich mir von der nichts erzählen..."
schoss es ihm dabei in den Kopf.
Das neue Gefühl
Er hatte Malon vergessen.
In dieser Nacht war Leith ein weiteres Mal schweißgebadet aufgewacht.
Der Traum hatte ihn zurück zum Tag seiner Ankunft auf Gerimor gebracht.
Er stand auf dem Deck des Schiffes, wollte sich gerade daran machen zum Steg zu laufen um sich auf dem neuen Land umzusehen. Er schnupperte die Salzige Meeresluft und den Geruch von frisch gefangenem Fisch. Dann sah er eine Seemöve ihre Kreise über dem Hauptmast drehen.
Plötzlich übermannte ihn ein unangenehmes Stechen in der Bauchgegend. Etwas war hinter ihm. Nein ... jemand war hinter ihm. Eine ungenau zu erkennende Gestalt mit weißen Haar und einem düsteren Blick.
Dann fiel das Buch aus Leiths Rucksack und das Schiff begann zu brennen.
Weshalb dies alles so geschah konnte er nicht sagen. Was sicher war, war die Angst in seinen Augen und die böse Ahnung, dass der, der dort hinter ihm gerade aufgetaucht war, einer seiner Verwandten sein musste.
Strand... und das weite blaue Meer
Leith tat das selbe wie in der Nacht zuvor. Er holte seine Klamotten aus dem Reiserucksack und war inmitten der Nacht aus dem kleinen Haus verschwunden.
Der nun schon gewohnte Weg zum Strand war schnell gefunden.
Er setzte sich auf eine trockene Stelle garnicht weit vom Wasser und sammelte kleine flache Steinchen aus dem Sand um sie darauf folgend über die Wasserfläche zu werfen.
"Früher war es so lustig gewesen das zu tun"
dachte Er.
"Der Stein fliegt nach vorn... trifft die Wasserfläche... fliegt wieder ein Stück... wiederholt seinen Tanz noch ein paar mal, immer dichter gegen die Oberfläche gezogen, bis er schliesslich versinkt."
Leith saß etwas krümmlich mit angezogenen Beinen auf dem Sand und ließ den Kopf hängen.
Ein paar Nächte zuvor noch hatte er Una gesehen... wie sie nach draussen schlich. Hatte sie ihn bemerkt? Wusste sie, dass er es ähnlich tat?
Überhaupt... was sie heute gesagt hatte brannte noch etwas in seinem Kopf nach, wie die Erinnerung an den ersten Schluck, den er von der farblosen Flüssigkeit im Gasthaus probiert hatte.
Leith überlegte ebenfalls noch lange, weshalb Tara immer so seltsam mit ihm umsprang. In einem Moment lachte sie ihn an, im anderen schimpfte sie über seine kläglichen Manieren und dass seine Eltern wohl die falsche Erziehung gewählt hätten. Was wollte sie damit bezwecken?
"Jedenfalls lasse ich mir von der nichts erzählen..."
schoss es ihm dabei in den Kopf.
Das neue Gefühl
Er hatte Malon vergessen.