Galdifeis, Soldaten bis zum Tod!

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Gast

Galdifeis, Soldaten bis zum Tod!

Beitrag von Gast »

Er war kaum da und dem Regiment beigetreten, wie es der Wunsch seines alten Herrn war, da musste wieder zurück in die Heimat. Mit einem Schiff, das nur wenige Tage nach dem Schiff, das Welf nach Gerimor brachte, ablegte, wurde eine schriftliche Nachricht an Welf geschickt. Seine Brüder erhielten auch jeweils eine. Alle sieben wurden zurück in die Heimat beordert.
Was war los? Da musste etwas passiert sein. Vielleicht ging es Mutter mit dem Verlust all ihrer Söhne, und das auch noch zeitgleich, nicht gut? Aber der Brief war von Mutter und das hätte sie geschrieben. Vater?
Welf wusste es nicht und es war ihm auch relativ egal, denn der Bote beharrte auf der Dringlichkeit seiner Rückkehr. Gerade seiner, als ältester Sohn.
Also doch Vater?!
Er nahm direkt das nächste Schiff in Richtung Heimat. Alrynes war das Ziel, Eherntrutz, genauer gesagt. Doch es würde noch ein paar Tage dauern, bis das Schiff die weite Strecke hinter sich gebracht hätte.
Das morgendliche Training war auf einem schwankenden Schiff direkt doppelt so schwer. Dennoch würde er es nicht aussetzen, immerhin lenke es ihn von dem ab, was er sich alles ausmalte, was ihn zurück in die Heimat trieb. Auch vor der Arbeit an Bord schreckte er nicht zurück. Wieso auch? Er war ein kräftiger junger Mann und wurde sogar dafür bezahlt, dass er aushalf. Es war nur ein ziemliches Armutszeugnis für die Mannschaft, dass der, was das Seefahren anging, unerfahrene Kerl weit mehr und besser anpackte, als ein Großteil der Crew. Welf war das egal, er war schon immer so stoisch wie sein Vater.
Die Überfahrt verlief weites gehend ohne Zwischenfälle, wenn man von dem einen Abend absieht, in dem ein paar Matrosen zu tief in die Flasche geschaut hatten und gleich drei von ihnen über Bord gingen. Der erste beim Pinkeln, der zweite beim hinterher gaffen und der dritte, als er versuchte die beiden an Bord zu ziehen. Hätte Welf so etwas gemacht, hätte ihn sein Vater erst zusammen gebrüllt, ihn auf die ‚Übungsrunde‘ geschickt und danach noch einmal zusammen gebrüllt, weil er zu langsam war, völlig egal, wie schnell er durch die einzelnen Stationen kam.
Die Abneigung seines Vaters gegenüber Alkohol war durchaus berechtigt und Welf verstand es. Sein Vater verlor durch dieses dämonische Gebräu zwei seiner besten Kameraden, als er noch einen der niederen Ränge bekleidete. Wer unter seinem Kommando auch nur ansatzweise, gleich in welcher Situation, an Alkohol dachte, wurde zusammen gebrüllt und bestraft. Aber das sei an einer anderen Stelle erzählt. Hier ging es um Welf, nicht um die Truppe seines Vaters.
Welf erinnerte sich an die ‚Übungsrunde‘ zurück. Ein Parcour mit mehreren Stationen. Angefangen mit einem Lauf 5 mal um das Gelände, gefolgt vom Schwimmen in einem mehr matschigen Wasser, bei welchem Welf mit jedem durch’schwimmen‘ mehr an dem Vorhandensein von Wasser zweifelte, weitere 5 Runden rennen, dann von einem Rundschild zum anderen springen, je nach Laune 10 bis 20 Stück, die Vater auch gerne einfach mal umdrehte, dass die Wölbung nach unten zeigte, gefolgt vom Slalom durch die Baumstämme, an denen auch gerne mal quer Hölzer angebracht wurden, an denen sich Welf nicht nur einmal den Kopf stieß, oder sie sich in den Magen rannte. Das fast schon berechnete versetzt setzen der Baumstämme verhinderte natürlich, dass man sah, wo genau die Querhölzer waren. Was durchaus spaßig war, was das dann folgende Schwingen an Seilen über das matschige ‚Wasser‘, durch das teils auch noch einer seiner Brüder schwamm. Hach war das schön, wenn man noch eine Rechnung offen hatte und einfach vom Seil ‚abrutschte‘, nur um auf seinem Bruder zu landen. Vor allem, da man sich ganze sechsmal auf verschiedenen Höhen (in der richtigen Reihenfolge!!!) rüber schwingen musste. Nach der 3 Meter hohen Wand, später 5, kam die letzte Station. Und damit auch die schwierigste. Holzschwert, Holzschild in die Hände und Zweikampf gegen Vater. Das gute, je nachdem wie schnell seine Brüder waren wurde aus dem Zweikampf ein einer gegen sieben. Aus irgendeinem Grund gelang es Vater trotzdem immer zu gewinnen. Und wenn Vater mal keine Lust hatte wurde es eben ein ‚groß gegen klein, gegen noch kleiner‘, also Welf gegen 2 Gruppen mit je drei seiner Brüder. Aber Welf war nicht umsonst der älteste und beste Kämpfer der sieben.
Das Schiff legte in einer Hafenstadt am Festland an, von der Welf nicht wirklich viel sah, eine Kutsche wartete schon auf ihn, die ihn direkt weiter ins Inland brachte. Welf nutzte die Fahrt nach Eherntrutz zum Schlafen, er wollte ausgeruht sein, wenn er zuhause ankam. Nur einige, wenige Male, öffnete er während der Fahrt seine Augen.
Sonnenschein, der durch die Baumwipfel glitt, dessen einzige Aufgabe es wohl im Moment war, ihn zu blenden. Er drehte sich zur anderen Seite.
Eine steinerne Wand, von Moos und anderem kleineren Grünzeug bewachsen, hier und da versuchte sich ein Baum, oder etwas, das wohl mal ein Baum werden will, am Wachsen an dieser völlig unvorteilhaften Stelle. Naja, die Natur war auch nicht unfehlbar.
Ein klarer See, der ihn nur allzu bekannt vorkam. Sie waren fast da, hier war er oft mit seinen Eltern und Brüdern gewesen. Es waren die wenigen Tage, ohne Training, ohne Drall, ohne Gebrülle. Ja, die Galdifeis hatten auch eine harmonische und familiäre Seite.
Beim nächsten Öffnen der Augen stand die Kutsche und er sah auf nackten kalten Stein einer Stadtmauer, vor der ein mürrisch drein blickender Soldat stand. Die Farben kannte er, sogar den Soldaten. Er war zuhause angekommen, Eherntrutz. Er setzte sich auf und sah zum anderen Fenster der Kutsche raus, vor dem ein weiterer Soldat stand, der ihn an starrte. „Krone und Reich zur Ehr, Welf..“ Die Stimme des Wachkommandanten der Stadttore und Mauern (ja, die Stadt war so groß, dass man mehrere Wachkommandanten einsetzte, einen für das umliegende Gebiet, einen für die Tore und Mauern und drei weitere, die sich ständig um das Adelsviertel, das Handelsviertel und das Bürgerviertel stritten) klang auf eine seltsame Art und Weise belegt. „Krone und Reich zur Ehr, Kommandant Triffon!“ entgegnete Welf schon fast als trug er gerade seine Uniform.
Die Kutsche wurde weiter durch gewunken und brachte Welf schließlich zum großen Haus seiner Eltern.
Er war nicht der erste, um genauer zu sein sogar der letzte, der ankam. Seine Mutter sah alles andere als gut aus, als sie aus der Tür heraus trat, um ihn in Empfang zu nehmen. Sie schien erleichtert zu sein, als sie ihre Söhne um sich sah, anscheinend wusste jedoch noch keiner seiner Brüder, was genau los war. Seine Mutter setzte sich in ihren Sessel und deutete ihre Söhne sich ebenso zu setzen.
„Jungs, ich muss mit euch reden. Es gab einen mehr als triftigen Grund, euch alle wieder zurück zu rufen.“ Sie schluckte einmal kurz. „Ihr wisst ja, dass euer Vater noch am Tag eurer Abreise los gezogen ist, auf diese Expedition, jenseits der Grenzen. Nun, sie trafen auf eine feindliche Streitmacht und..“ sie stockte kurz „.. er hat es nicht überlebt.“
Der Raum füllte sich mit einem bedrückten Schweigen, für einige Herzschläge hörte man nicht einmal das Atmen der anderen. Der Blick Mutters fixierte eine der hölzernen Bodendielen, die Söhne sahen sie stillschweigen an, der ein oder andere schluckte. Welf erhob sich langsam und schaute kurz jeden der Anwesenden an. Ohne auch nur ein Wort zu sagen verließ er den Raum. Er ging eine ganze Weile, schweigend, durch das Haus, sah sich sein altes Zimmer an, das Büro Vaters, bis er im Keller im Trainingsraum ankam. Er ging langsam an den Waffenständern vorbei, strich mit der Hand über das kalte Metall. Vor einer der Übungspuppen blieb er stehen und starrte sie an. Seine Hand ballte sich zu einer Faust und sein Arm spannte sich an. Er holte aus und schlug, so feste er konnte, die Übungspuppe, ein einziges und kräftiges Mal. Er kippte nach vorne und lehnte sich mit dem Arm an der Puppe ab, der Blick gesenkt. Tränen breiteten sich rasch auf seinen Augen aus, bis diese sie nicht mehr halten konnten und sie Welfs Wange hinunter liefen und dann eine nach der anderen gen Boden tropfte.
„Ist alles in Ordnung mein Sohn?“ Seine Mutter stand in der Tür zum Raum, an den Türrahmen gelehnt. Welf wusste nicht, wie viel sie gesehen hatte. Er wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und drehte sich zu ihr um. „Ich habe mit den anderen gesprochen. Die Beerdigung findet morgen statt.“ Welf nickte knapp. „Ich weiß, wir hart das für euch ist. Ihr hattet ja nicht mal die Gelegenheit ihn Stolz zu machen.“ „Sei still Mutter!“ Welf stockte nach den Worten. Sie waren lauter und harscher, als er es wollte. Er schluckte, eine weitere Träne glitt seine Wange hinab, was er mit einem Kopfschütteln und einem weiterem Wischen mit seinem Ärmel übers Gesicht verdecken wollte. „Es.. tut mir leid Mutter“ Sie schüttelte mit einem leichten Lächeln den Kopf. „Schon gut Welf. Mach dir keinen Kopf. Jeder von uns muss damit fertig werden. Und gerade du hast es schwer. Du bist der älteste. Du weißt, was das bedeutet, richtig?“ „Ja.“ „Ich unterstütze dich natürlich wo ich kann, aber du bist jetzt das Familienoberhaupt:“ „Was ist mit..“ Seine Mutter unterbrach ihn. „Es gibt im Moment wichtigeres.“
Die beiden gingen wieder hinauf zu den anderen. „Brüder!“ Seine Worte klangen leicht zittrig, wenn auch fest und durchaus militärisch. „Vater wusste, dass dieser Tag einmal kommen würde. Dieser Tag kommt in jedem Leben eines Soldaten einmal. Darauf kann man sich weder vorbereiten, noch weiß man, wann es so weit sein wird. Dennoch! Er hat uns zu guten Männern, guten Soldaten ausgebildet! Erweisen wir ihm die letzte Ehre, so wie er es gewollt hätte!“ Seine Brüder nickten alle knapp zu den Worten des ältesten.
Die Beerdigung war, trotz des Anlasses, eine sehr beeindruckende gewesen. Soldat neben Soldat neben Soldat neben Soldat. Jeder der Rang und Namen in Eherntrutz hatte war anwesend. Der Oberst der Garde Alrynes, Welfs Vater, hatte eine beachtliche Anhängerschaft. Kaum zu glauben, dass Welf sogar einen Großteil von ihnen kannte. Seine Nachfolgerin, Oberstleutnant von Drachenhang, hielt eine Rede. Von den Söhnen wollte und konnte niemand etwas sagen.
Der Rest des Tages verlief eher ereignislos mit der ständig bedrückten Stimmung im Nacken. Lediglich bei der Beileidsbekundung von gefühlten tausend Personen zwangen sich die Mutter und ihre Söhne ein dankendes Lächeln auf. Doch schon nach nicht mal der Hälfte wurde es jedem der acht zu viel. „Kopf hoch, Brust raus, stark nach außen scheinen und durchhalten!“ Die Worte Vaters hallten in Welfs Kopf wieder. Er musste sich nach außen stark zeigen, immerhin war er der älteste Sohn.
Die nächsten Tage, Wochen, war Welf mehr als beschäftigt damit, Familienangelegenheiten zu klären. Und irgendwie wollte fast jeder aus der Stadt irgendetwas. „Euer Vater war ein guter Mann.“ „Er hatte mir da noch etwas versprochen..“ „Wollt ihr vielleicht bei einer Trauerfeier in meiner Taverne etwas zum Tod eures Vaters sagen?“ „Was mache ich jetzt mit den bestellten Waren eures Vaters?“. Es war eine ätzende Aufgabe. Seine Mutter und Brüder unterstützten ihn, wo sie nur konnten. Gar nicht so leicht, eine Familie zu führen.
Als sich die ganze Aufregung langsam legte und die Familie am Abendesstisch saßen, erhob Welf seine Stimme: „Mutter, Brüder. Es ist jetzt schon ein paar Wochen her, dass wir Vater beerdigt haben. Ich danke euch für eure Hilfe, ohne euch wäre ich sicher gnadenlos unter gegangen. Dennoch liegt mir etwas am Herzen, dass ich gerne ansprechen würde. Vater schickte uns in die Herzogtümer, aus einem guten Grund. Jeder einzelne von uns sollte in einem anderen der Armee beitreten und den Namen Galdifei weiter tragen, berühmt machen. Aber letzten Endes, wollte er, dass die Familie Galdifei im gesamten Königreich vertreten ist und Krone, Reich und seine Bürger beschützt. Auch, oder gerade weil Vater tot ist, habe ich folgende Entscheidung getroffen. Wir werden in unsere, von Vater zugeteilten, Herzogtümer zurückkehren und in seinem Namen unserer Familie Ehre machen. Ich würde lediglich einen von euch bitte, hier bei Mutter zu bleiben und sich um sie zu kümmern. Darian, übernimmst du das?“ Sein Bruder nickte. „Jawohl, Bruder.“ Welf nickte ebenso, zufrieden lächelnd. „Also Brüder, erheben wir unsere Gläser zu Ehren Vaters und machen ihm alle Ehre, so, wie er es gewünscht hatte!“ „Auf Vater“ erklang es wie aus einer Kehle von der Familie.

Es war beschlossen, jeder, bis auf Darian, würden zurückkehren. Welf war zufrieden mit seiner Arbeit und so fiel es ihm auch nicht sonderlich schwer, seiner Mutter und seinen Brüdern erneut lebe wohl zu sagen. Sie wussten, dass sie sich vielleicht nicht wieder sehen würden, aber genauso wussten ein jeder, dass sie einen Auftrag hatten und dass ein jeder von ihnen diesen Auftrag, so gut er kann, erfüllen würde.

Galdifei, Soldaten bis zum Tod! Ha-Roo!
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