Ready to start...?
Tatsächlich fand die Decke ganz zuerst den Weg in den Rucksack, nicht einmal hineingestopft oder gar gequetscht, sondern so sorgfältig gefaltet, dass sie sich quasi in den Lederbauch der Tasche hineinschmiegen konnte. Ein längerer Blick glitt ihr hinterher, tastend fuhr er über das Wappen und ein schlecht vertuschtes Seufzen entwich der Kehle, als der Wolf darin entdeckt wurde. Wölfe, es waren irgendwie immer Wölfe, selbst wenn die Menschen dahinter keine waren. Wölfe, mit welchen sie sich scheinbar umgeben musste, welche sie schon magisch anzogen und auf deren Pfaden sie sowieso immer vom artigen, guten Weg abkam.
If I was scared... I would!
Irgendwo hinter den verschlungenen Schatten der Traumfresser und Angstsauger wartete ein Alb, der für sie und sich die Rolle des Wolfes grundlegend definiert und sie beide in jene bizarre Mär verstrickt hatte. Ihrer beider Rollen definierten sich hier, im Traum, über den jeweils Anderen... zumindest war das seine Ansicht der Dinge, welche sie zwar sehen, ja teilweise gar begreifen, doch nicht so recht als wahr und gegeben hinnehmen konnte. Er hatte Wort gehalten und ihr so viel beigebracht, was sie nun im Dienste des Herren, den sie nicht liebte, zur Nachtmär machte, zum dunklen Märchen inmitten all der Schatten. Ein Teil des großen Ganzen, welches sie so lange selbst gefürchtet und gehasst hatte. Furcht, ein weiterer, guter Punkt! Immerhin war das schon alles, was er dafür verlangte. "Nur" ihre Ängste, "nur", dass sie sich vor ihm fürchtete, "nur", dass er die tiefsten Schrecken in ihr hervorkramen konnte, wann immer er wollte und sie in jene stürzte.
Keine Partnerschaft, sondern eine reine Besitzangelegenheit.
Es war nun so langsam an der Zeit jenes Ungleichgewicht auszumerzen, zu verschieben und dem Alben zu verdeutlichen, dass das Mädchen mit der roten Kapuze eben kein kleines Kind mehr, sondern gewachsen war... selbst wenn die Sanduhr angehalten schien. Es war an der Zeit die verlorenen Jahre langsam zurück zu erlangen. Ja, langsam und vorsichtig, denn sonst...
Hastig schüttelte sie den Kopf und griff nach dem nächsten Gegenstand.
Ein leuchtblaues Kuscheltier, einem Bären nachempfunden, an welchem noch die kleinen Siegelzeichen des Schneidermeisters Wroth prangten. Eine der ersten und verspieltesten Gaben, die ihr die Zeit bei den Prätorianern eingebracht hatte. Kein Geschenk, mitnichten, darauf achtete der Präfekt. Im Grunde hatte sie den Bären nur mitgenommen, weil er sonst im Müll gelandet wäre und doch befand sie heimlich für sich, dass es sich dabei um ein Präsent des Ritters, Dazens, handelte. Kleine Schwester... vielleicht auch das, einst war das ihre Rolle, bis sie der Inbegriff der puren Enttäuschung wurde.
And if I was pure... you know I would!
Wobei "pur" bei der Sache wohl genau nicht so recht greifen wollte, immerhin war es ihr Verfehlen, eingeleitet vom Hang sich verderben zu lassen... dem Wunsch sich... wieder kam nur ein ächzendes Seufzen über die Lippen, diesmal aber glitt der Blick milde verzweifelt über die niedrige Decke des Hüttchens. Schöner Blödsinn, der sich so zusammenstöpseln ließ und sie bezweifelte, dass das die Gedanken des Ritters, den sie einst recht persönlich "Dazen" nennen durfte, wenn sie zu zweit oder in vertrauter Runde waren, in jene Richtung gingen. Doch mit der Enttäuschung lag sie vermutlich richtig - und das auf ganzer Linie. Hässliches Gefühl... zu wissen, dass man sich da eine bittere Suppe ganz selber eingebrockt hatte und den Verlust nun bedauerte, den man ebenfalls selbst und bewusst hervorgerufen hatte. Die Familie, die sie hatte sehen wollen und sich wünschte, war dahin, weil sie selbst ihnen allen nun den Rücken zukehrte.
Doch was hätte ich denn machen sollen? Alle um mich herum in Chaos und Verderben stürzen, indem ich auf zwei Hochzeiten tanze? Nein, eine Entscheidung musste irgendwann fallen....
Ja, musste sie, nur fiel sie fast zu spät und nun, wo sie endlich getroffen wurde, hast du kein Recht, auch nur irgendeinen Verlust zu beklagen.
KEINES!
Die Hand tastete fahrig nach den nächsten Utensilien, räumte Bücher und Notizen in die Tasche, strich über den Pelz des schwarzen Wachdrachen und fand schließlich ein sorgsam zusammengefaltetes Bildlein. Kohlrabenschwarz klebte das Augenmerk beinahe pappend daran und konnte sich nicht wirklich davon loseisen, die Brauen wanderten langsam tiefer, düstere Schatten malten sich auf den blassen Gesichtszügen ab.
Sie musste die Zeichnung nicht vollends entfalten, um sich zu erinnern, wen sie da mit Hilfe der Kohle aufs Papier gebannt hatte.
And if I was yours... but I'm not!
"Ich werde dich nicht gehen lassen! Ich habe dich durch Gefühle an mich gebunden und ich werde dieses Band nicht lösen. Ich werde meine Versprechen halten ob du willst oder nicht. Und ich werde dich im Auge behalten..."
Nie hatte sie ihn mehr gefürchtet, als in diesem Gespräch. Nie hatte sie eine solch entsetzliche Panik vor ihm gespürt und doch war es essenziell, ihm genau das nicht zu zeigen. Sie reagierte mit einer Haltung, die sie just von ihm selbst gelernt hatte und frostete eisige Kälte zurück. Wann immer sie so vor Zorn im Streit zu verglühen gedroht hatte, war er mit einem eisigen Hauch darüber hinweggestriffen und hatte die Flammen erstickt. Nur in diesem umgedrehten Fall schien es nicht zu fruchten. Vielleicht, weil er nicht zornig, sondern schlichtweg entschlossen wirkte, weil er das Band seinerseits nicht bereit war zu trennen und sich keinen Zoll von dieser Haltung wegbewegen ließ. So war es sie, die das Urteil sprach und von ihm in Trennung schied - mit dem schaurigen Wissen, dass das Ganze noch ein Nachspiel haben könnte... würde?
"Denke daran... ich werde dich nicht der Welt überlassen..."
Diesmal war es kein Keuchen oder Ächzen, kein Seufzen und Stöhnen sondern ein kurzer, wimmernder Schmerzlaut, als sie mit der Rechten hastig nach den Schläfen tastete. Wie hatte er es nur wagen können, in ihren Kopf hinein zu sprechen, wo er doch wusste, wie sehr sie solche ungewollten und ungebetenen Berührungen verabscheute? Und dann der Inhalt der Worte...
Um der aufkeimenden Angst zu entkommen, fischte sie rasch nach den nächsten Pack-Gegenständen, stopfte ein paar Schatullen und zwei weitere Bücher in den Rücksack, dann hatte sie den Zettel in der Hand.
Den Zettel!
Diesen.
Einen.
Now I'm ready to start.
Sie hatte geschlummert und das nicht nur viel zu lange, sondern ausnahmsweise auch noch reichlich friedlich, hatte es irgendwie geschafft dem Alben in dieser Nacht zu entkommen, als habe man sie in einen schützenden, weichen Mantel gehüllt, welcher dafür sorgte, dass sie unsichtbar blieb. Wohl versteckt vor den Eisaugen des alten Widersachers hatte sie sich frei im Traum bewegt, war in einem Meer aus Kirschblüten, Maiglöckchen und Veilchen versunken, hatte gespürt wie das Herz die Schwerelosigkeit mitempfand und wollte vorerst nicht wirklich scheiden. Erst als das Wissen, dass da irgendetwas fehlte, in ihr Bewusstsein eindrang, löste sie sich aus den zauberhaft schönen Gefilden und fand träge den Pfad in die angebliche Realität zurück. Als sich die Lider flatternd öffneten, brauchte sie diesmal tatsächlich einen kurzen Moment, um zu realisieren wo sie sich befand. Zu lange hatte sie nicht mehr hier im Bett aus Moos, weichen Blättern und dünnen Zweiglein geruht, dabei war es im Grunde... mehr ihr Bett, als das hübsche, kleine Holzgestell im oberen Bereich. Doch diese Schlafstätte hier unten bedeutete Zweisamkeit und jene hatte sie verloren geglaubt, bis...
Mit einem Ruck hatte sich aufgesetzt und den Schlaf aus den Augen gerieben, doch blieb der eigentliche Grund für die verjagte Einsamkeit weiterhin fort und stattdessen lag auf seinem Platz ein eher schmaler Pergamentbogen. Dieser wurde daraufhin benommen und verdattert blinzelnd in Augenschein genommen. Sie war sich nicht sicher, wie sie ihn hätte einstufen sollen und irgendwo kamen da die Erinnerungen an das letzte Schreiben dieser Art zurück. Mit ihnen fühlte sich die Fantasie, noch vollends im Rausch des Traumes, dazu animiert, recht grässliche Inhaltsmöglichkeiten leise lesend herabzurattern. Von so etwas wie "Du schnarchst zu laut/wirfst dich zu sehr umher/hast eiskalte Füße..." über "Ich glaube wir müssen das doch langsamer angehen..." bis hin zu "Wir sollten es sein lassen, es ist zu gefährlich!" war alles dabei und schlussendlich griff sie in hastiger, noch vollkommen unkoordinierter Bewegung haschend danach, entfaltete es mit zittrigen Händen und starrte auf einen einzigen Satz. Auf drei kleine Worte. Drei.
Die Kohleaugen wurden langsam runder, glasiger, der Schrecken wich zusammen mit der Restfarbe aus dem eh schon etwas käsigen Gesicht und als das folgende Blinzeln diese drei Worte auch nicht wirklich veränderte, durchzuckte sie die Antworterkenntnis so heftig und wortwörtlich, dass ihr nicht nur der Pergamentbrief entglitt, sondern sie auch das Gefühl hatte, sich daran verbrannt zu haben. Ein zappeliger, hastiger Rückwärtssatz sorgte aber nur dafür, dass sie die Balance verlor und aus dem Bett polterte.
Für einige Momente herrschte Stille im Raum...
... dann erst kletterte sie schweigend und behutsam, als könne sie ein kleines, zartes Tier mit jeder zu rascher Geste verschrecken und vertreiben, langsam wieder in das Moos zurück, näherte sich auf allen Vieren krabbelnd der unscheinbar wirkenden Nachricht, legte langsam einen Arm beschützend um das Schreiben, rollte sich still daneben ein und schloss die Augen ein weiteres Mal.
Nicht, um zu träumen, sondern um zu fühlen.
Ja, die Entscheidung trug Konsequenzen noch und nöcher mit sich, doch war es für sie die Richtige gewesen!
My mind is open wide,
And now I'm ready to start!
Nachtmahr
-
Gast
When you were here before
Couldn't look you in the eye...
Es war der Stein.
Ganz sicher.
Irgendwie.
Zum ersten Mal würde es sich jähren, das vermalledeite, pechfarbene Ereignis, welches im blutroten Meer das ertränkte, was ihr so wertvoll gewesen war - nein, noch immer im Wert bestand. Es war der Stein, welcher es seltsamerweise vollbrachte selbst im reinen, glitzernden Puderschnee noch etwas mehr zu leuchten. Eingetaucht in das liebkostend zarte Licht der Kerzen glomm dort irgendwo die Sonne und sandte Wärme mitten in die Brust hinein. Hier spürte sie nur noch die äußere Kälte und die war leicht zu ignorieren, mit ein klein wenig Disziplin.
Anders das frostige Eis, welches die Adern nach und nach gefror und sie innerlich zittern ließ. Sorge war ein stetiger Begleiter, noch nicht einmal um die drei Seelen, welche er mit todesfarbenen Krallen gezeichnet hatte. Sie hatten die freie Entscheidung getroffen und sich alle drei dazu verleiten lassen, die Seele statt dem Leben zu geben. Bedauernswert irgendwo, doch konnte sie sich zum einen nicht noch mehr Mitleid leisten, als sie es eh schon verspürte und dann wiederum war es sicherlich nicht an ihr in just diesem Fall zu urteilen, immerhin hatte sie exakt den gleichen Weg gewählt... oder?
Eben NICHT!
Mein Leben war es nicht, was in der Waagschale lag, sondern eine andere Seele.
Um genau zu sein, Kindchen, liegt sie da immernoch, hm?
Ein Seufzen entwich, wie so oft an diesem Abend, der gequälten Brust. Es war so leicht sich im winterlichen Abendzauber, in dieser Mischung aus Kerzenlicht, Schneegeglitzer, Sonnensteinwärme und der duftigen Mischung diverser blumigen Öle, zu verlieren. Dann war sie die junge Frau, die den unglaublichen Luxus hatte mit dem Mann, für den das Herz schlug unter einem Dach zu leben und sich dann und wann der Zweisamkeit erfreuen konnte.
You float like a feather
In a beautiful world
I wish I was special
You're so fuckin' special
Ah, aber im Grunde bist du das nicht, mein Liebchen. Du bist die kleine Natter, das Wechselbalg, die mit den Geheimnissen, die...
... ihm nicht in die Augen blicken konnte, weil...
... du eben nicht nur in diese Welt gehörst.
Sie zuckte heftig zusammen, die Kohleaugen weiteten sich derweilen, hervorgerufen durch eine wilde Gefühlsmischung aus Erstaunen, Entsetzen und Irritation. Seine Stimme klang weder im Traum, noch im Kopf wirklich oft zärtlich oder sanft und dann war es immer ein Indiz oder eher eine Vorankündigung für etwas Schreckliches gewesen. Diesmal aber war fast schon etwas Warmherziges in der Stimmfärbung des Albtraumwesens zu vernehmen. Ekelhaft, denn es passte keineswegs zu ihrer beider Beziehung.
Aber immerhin gibst du zu, das wir das haben, Kindchen.
Du und ich.
Eine Beziehung!
Wahrscheinlich erwartete er irgendeine patzige Retorte, doch war es an ihr zu schweigen und die Schwappflut von Schuldgefühlen zu ertragen. Er hatte auf gewisse Art und Weise Recht. Nichts von alledem, ihrem Dienste unter den Schwingen des Raben, ihrem Leben hinter den Traumschleiern, den Wölfen und Maren, nichts wusste er. Sie belog ihn und sich eben gleich mit, würde still ihren nächsten Auftrag erfüllen und diese drei Gezeichneten in ihren Träumen aufsuchen, um sie dem Seelenkönig zu bringen. Kra'thor, verdammt, das ist der Name. Beschönigender Mist!
I don't care if it hurts
I wanna have control
I want a perfect body
I want a perfect soul
Richtig, du dienst Kra'thor und gehörst...
Wage es!
Oh bitte, Kindchen, das haben wir doch schon geklärt.
So ein unglaublicher Schwachsinn, nichts haben wir!
Hmm, wem dann? Ihm? Naaaa? Meinst du denn, dass er dich will? Dich, Mio, nicht das artige, halbe Leben, sondern die ganze Mio?
Sie schwieg. Er ebenso.
Es brauchte keine Worte mehr, denn sie beide wussten, dass er schon wieder Recht hatte. Zurück blieb Stille, eine neue, schmerzliche Schuldwelle und plötzlich, ganz unvermittelt, Heimweh.
But I'm a creep
I'm a weirdo
What the hell am I doin' here?
I don't belong here...
Couldn't look you in the eye...
Es war der Stein.
Ganz sicher.
Irgendwie.
Zum ersten Mal würde es sich jähren, das vermalledeite, pechfarbene Ereignis, welches im blutroten Meer das ertränkte, was ihr so wertvoll gewesen war - nein, noch immer im Wert bestand. Es war der Stein, welcher es seltsamerweise vollbrachte selbst im reinen, glitzernden Puderschnee noch etwas mehr zu leuchten. Eingetaucht in das liebkostend zarte Licht der Kerzen glomm dort irgendwo die Sonne und sandte Wärme mitten in die Brust hinein. Hier spürte sie nur noch die äußere Kälte und die war leicht zu ignorieren, mit ein klein wenig Disziplin.
Anders das frostige Eis, welches die Adern nach und nach gefror und sie innerlich zittern ließ. Sorge war ein stetiger Begleiter, noch nicht einmal um die drei Seelen, welche er mit todesfarbenen Krallen gezeichnet hatte. Sie hatten die freie Entscheidung getroffen und sich alle drei dazu verleiten lassen, die Seele statt dem Leben zu geben. Bedauernswert irgendwo, doch konnte sie sich zum einen nicht noch mehr Mitleid leisten, als sie es eh schon verspürte und dann wiederum war es sicherlich nicht an ihr in just diesem Fall zu urteilen, immerhin hatte sie exakt den gleichen Weg gewählt... oder?
Eben NICHT!
Mein Leben war es nicht, was in der Waagschale lag, sondern eine andere Seele.
Um genau zu sein, Kindchen, liegt sie da immernoch, hm?
Ein Seufzen entwich, wie so oft an diesem Abend, der gequälten Brust. Es war so leicht sich im winterlichen Abendzauber, in dieser Mischung aus Kerzenlicht, Schneegeglitzer, Sonnensteinwärme und der duftigen Mischung diverser blumigen Öle, zu verlieren. Dann war sie die junge Frau, die den unglaublichen Luxus hatte mit dem Mann, für den das Herz schlug unter einem Dach zu leben und sich dann und wann der Zweisamkeit erfreuen konnte.
You float like a feather
In a beautiful world
I wish I was special
You're so fuckin' special
Ah, aber im Grunde bist du das nicht, mein Liebchen. Du bist die kleine Natter, das Wechselbalg, die mit den Geheimnissen, die...
... ihm nicht in die Augen blicken konnte, weil...
... du eben nicht nur in diese Welt gehörst.
Sie zuckte heftig zusammen, die Kohleaugen weiteten sich derweilen, hervorgerufen durch eine wilde Gefühlsmischung aus Erstaunen, Entsetzen und Irritation. Seine Stimme klang weder im Traum, noch im Kopf wirklich oft zärtlich oder sanft und dann war es immer ein Indiz oder eher eine Vorankündigung für etwas Schreckliches gewesen. Diesmal aber war fast schon etwas Warmherziges in der Stimmfärbung des Albtraumwesens zu vernehmen. Ekelhaft, denn es passte keineswegs zu ihrer beider Beziehung.
Aber immerhin gibst du zu, das wir das haben, Kindchen.
Du und ich.
Eine Beziehung!
Wahrscheinlich erwartete er irgendeine patzige Retorte, doch war es an ihr zu schweigen und die Schwappflut von Schuldgefühlen zu ertragen. Er hatte auf gewisse Art und Weise Recht. Nichts von alledem, ihrem Dienste unter den Schwingen des Raben, ihrem Leben hinter den Traumschleiern, den Wölfen und Maren, nichts wusste er. Sie belog ihn und sich eben gleich mit, würde still ihren nächsten Auftrag erfüllen und diese drei Gezeichneten in ihren Träumen aufsuchen, um sie dem Seelenkönig zu bringen. Kra'thor, verdammt, das ist der Name. Beschönigender Mist!
I don't care if it hurts
I wanna have control
I want a perfect body
I want a perfect soul
Richtig, du dienst Kra'thor und gehörst...
Wage es!
Oh bitte, Kindchen, das haben wir doch schon geklärt.
So ein unglaublicher Schwachsinn, nichts haben wir!
Hmm, wem dann? Ihm? Naaaa? Meinst du denn, dass er dich will? Dich, Mio, nicht das artige, halbe Leben, sondern die ganze Mio?
Sie schwieg. Er ebenso.
Es brauchte keine Worte mehr, denn sie beide wussten, dass er schon wieder Recht hatte. Zurück blieb Stille, eine neue, schmerzliche Schuldwelle und plötzlich, ganz unvermittelt, Heimweh.
But I'm a creep
I'm a weirdo
What the hell am I doin' here?
I don't belong here...
-
Gast
Prolog:
Closing time...
Open all the doors and let you out into the world
Closing time
Turn all of the lights on over every boy and every girl
Zusammenfassung - Erster Akt:
Der zaghafte Versuch, so etwas wie mögliche Sesshaftigkeit und den fernen Traum einer gemeinsamen Zukunft unter einem Götterbunde ins Gespräch und somit der Dame des Herzens näher zu bringen endet in einem Fiasko aus fast greifbaren Lügen, heller Verzweiflung und plötzlicher, aus Panik geborener Ablehnung...
Es musste eine charmante Art gewesen sein, ihr zu zeigen, dass er grundlegend glücklich war, als er in einem Nebensatz ein Zukunftsgespinst über einen gemeinsamen Bund unter der Lichtbringerin sprach, doch statt dem Hochgefühl, welches einen solchen Antragsausblick mit sich bringen könnte, stahl sich die heißkalte Panik in ihre Gliedmaßen und kündete gleichermaßen von einer Hitze, die an ein Fieber erinnerte und einem Frost, der jegliche Schmetterlinge im Bauch sofort erfrieren ließ. Temorabund - wohl einer der interessantesten Wege für eine Dienerin des Seelenkönigs aufzufliegen und nicht nur das, viel schlimmer wäre es wohl, all die Umstehenden damit zu treffen. Es war nicht das Ende, welches sie in dem Moment schreckte, sondern die letzten Blicke in all die enttäuschten, betrogenen Gesichter. Auf die eigenen Züge achtete sie bei diesen Gedanken nicht und so war es kaum verwunderlich, dass da plötzlich etwas irritierte Nachfragen an ihr Ohr drangen. Ertappt war sie dann augenscheinlich eine noch schlechtere Schauspielerin, als sonst eh schon. Sie versuchte ihre Ablehnung gegenüber dem Bunde auf Lucias Dahinscheiden unter den Schwingen des großen Raben zu schieben und verstrickte sich so nur noch weiter im eigenen Netz. Zuletzt war er nicht nur misstrauisch, sondern wusste, dass sie ihn anlog. Nachdem sie auch auf alles Weitere an Fragen und Nachforschungsversuchen nicht wirklich Antwort geben konnte, sondern lediglich weitere Haarspaltereien fabrizierte, war es die wütende Kälte, die ihr nach und nach entgegenschwappte.
Der nussartige Pudel lang im Raum, doch war sie nicht bereit seinen eigentlichen Kern zu präsentieren. Noch nicht...
Zusammenfassung – Zweiter Akt:
Frostige Kälte und Beharrlichkeit knacken eine harte Nuss. Doch das Innere ist schwärzlich faul und so zieht eine nicht minder dunkle Nacht ins Land...
Sie wusste im Nachhinein nicht wirklich wem oder was sie die Schuld für den plötzlichen Ausbruch an Wahnsinn und das Aufgeben schlechthin geben konnte oder wollte. Sicherlich leistete der plötzlich eisige Frost in der Beziehung zwischen Ritter und Rotkäppchen seinen Beitrag dazu, wohl war aber auch der mangelnde Schlaf oder aber der Umstand, dass, wenn sie dann doch irgendwann mal schlief und träumte, der verdammte Albtraumwolf seinen schallenden Hohn und beißendes Amüsement nicht verbergen konnte, nicht zu verachten. Ganz irgendwo war dann noch das Gespräch zwischen ihr und Phönix päsent, in welchem er ihr anvertraut hatte, dass seine Liebste sehr wohl wusste, was er war und sie dieses Geheimnis eben nicht auseinander riss, sondern nur noch fester aneinander schweißte, Grund für den letzten Schritt über den Klippenrand. Verzweiflung, Hoffnung, Dummheit, blindes Vertrauen?
Als er sie irgendwann wieder in beharrlich störrischer Art und Weise auf ihr Verhalten ansprach, brach das große Mysterium um die eigentliche Berufung und das Wirken unter seinem ewigen Blick in nur wenigen Sätzen flapsig aus ihr heraus. Mit angehaltenem Atem lauschte sie der Resonanz.
Zuerst war da Stille und sie begann zu mutmaßen, dass er sie wahlweise für einen vermeintlich schlechten Witz ohrfeigen, schelten oder auslachen würde, doch nichts dergleichen geschah. Stattdessen fand die Veränderung in seinen Zügen statt und die hellen Augen weiteten sich zunehmends, als er zu begreifen begann.
Sie hatte ihm damit das letzte Stück gereicht, um ein riesengroßes Mosaik zu vervollständigen und er machte im Geiste einige Schritte zurück, um dieses Bild vollends zu sehen und zu verstehen. Die Nähe zur Cousine, deren Liebe sie beide gleichermaßen ergeben waren und welche sich zuletzt als Werkzeug des Verschlingers entpuppte, die seltsame Bewandtnis um ihr Grab, welches schon vor Hochwürden Aureas Arbeit bereits gesegnet, geziert und durch mächtereiches Wirken versteckt worden war, die starke Verbindung zu Fames, selbst ein offener Diener des Schwingenherren, die unheimlichen Besuche des dunklen Bruders, die Dohlenfedern am Balkon, die mottenartige Nachtschwärmerei...
… nun ergab alles einen Sinn.
Das Bild weckte nach der Stille erst kleine Wellen. Sie kamen herangeschwappt in Form von verwirrten Fragen und verständnislosen Feststellungen, mauserten sich dann aber bald, angesichts der aufkeimenden Verzweiflung und der Aussichtslosigkeit zu bitteren Anklagen hinsichtlich ihrer langen Lüge und dem Déjà-vu-Erlebnis die Liebste an den Rabenherren gekettet zu wissen, zu Schaumkronengezeiten.
Zuletzt aber entwicklelten sich die Wellen zur rauschenden Brandung und schrien wütend gegen ihre Klippenwände an, warfen ihr die Gischt tosend entgegen und strotzten nur so vor Urgewalt. Sie hatte ihn einmal zumindest in ähnlicher Form der Wut erlebt – auch damals war es eine Lüge ihrerseits gewesen, die ihre eigene Identität kaschieren sollte und ihn plötzlich in Lebensgefahr gebracht hatte – doch war die Beziehung zu diesem Zeitpunkt noch keine von Zweisamkeit gesegnete und folglich die Intensität eine ganz andere.
Bizarr nur, dass sie damals glaubte er würde sie auf der Stelle erschlagen, nur um dann einen innigen Kuss zu erlangen. Diesmal allerdings wusste sie, dass weder Tod noch Leidenschaft über sie hereinbrechen würden, das verdeutlichte die klaffend offene Hilflosigkeit in seinen Zügen.
Rasch ging es dann aber plötzlich doch.
Gegenseitiges Anstarren, nur für den Bruchteil weniger Momente.
Seine Absätze gaben ein hässlich knirschendes Geräusch auf dem hölzernen Küchenboden von sich, als er sich jäh von ihr abwandte und den Raum verließ. Die Haustüre fiel krachend ins Schloss und die Marionette Mio sackte zusammen, als man ihre Fäden löste.
Erst die Worte des Albtraumwesens, die von seinem endgültigen Triumph posaunten, weckten eine Art Regung im Holzgesicht, säten Tränen und kitzelten sogar schluchzende Laute aus der Brust hervor. Da hatte der Wolf also offensichtlich gewonnen, denn seine Vorhersehung war eingetroffen und somit müsste seine Aussage, dass der Ritter sie nicht haben könne, sondern sie eben doch dem Albtraumwolf gehörte, stimmen. Das Mädchen im Wald hatte sich ganz verirrt und war verloren.
Irgendwie. Hoffnungslos. Verloren.
Doch irgendetwas in ihr weigerte sich, dieses garstige Ende der Geschichte so gelten zu lassen. So hörte es nicht auf, so konnte es nicht vorbei sein!
Oh nein, sie rannte ihm nicht hinterher, rief nicht seinen Namen in die Nacht hinaus oder stolperte umher, um ihn zu suchen.
Aber sie blieb sitzen.
Stur und entgegen jeder Hoffnung weiterhin blind hoffend, wie eine dreiste Dohle im Nest...
Zusammenfassung – Dritter Akt:
Nach der Nacht, kommt der Tag und dieser leuchtet umso heller, klarer, strahlender, je schwärzer die Dunkelheit davor war.
Es muss irgendwann in den ersten Morgenstunden gewesen sein, denn mit seinem Erscheinen verschwand das verstörende Zwielicht und die Schemen und Nachtmahre in der Zwischenwelt darin. Wo zuvor noch ein Mahr nach ihren Gedanken haschte und ihr groteske Szenen in finsteren Ecken zu zeigen versuchte, war da plötzlich eine Hand, die nach ihrem Arm griff und sie vielleicht nicht allzu zärtlich-liebevoll, doch fern von brutal oder grob auf die steifen, eingeschlafenen Beine zog.
„Komm...“
Die Stimme leise, ernst und irgendwie endgültig. Jemand haschte nach dem Marionettenkreuz und der Körper bewegte sich wie von selbst, folgte ihm ohne zu wissen, wohin die Reise gehen sollte.
Erst am Kamin hielt er inne, drückte sie in den Sessel, brachte sein Gesicht auf ihre Höhe und statt einer Gretchenfrage folgte eine klare, unausweichliche Aufforderung.
„Erzähle es mir. Alles. Deine ganze Geschichte.“
Sie begann zögerlich und stockend, doch mit der Zeit wurden die Sätze flüssiger und die Nachtmär spann sich ein zweites Mal, als reine Erzählung. Sie berichtete vom Tod ihrer Mutter und der Schuld, die sie damit verbunden teilweise den Nymoris und vor allem ihrem leiblichen Vater zusprach, von den Veränderungen im Wesen des Stiefvaters, von der Flucht in die Katakomben und dem beginnenden Albtraum. Vom Verlust Marians und dem Pfand seiner Seele, welches der Herr aller Albtraumwölfe als Druckmittel nach wie vor in seinen Klauen hielt. Davon, wie sie so von ihm eingewiesen auch seinem Herrn zu dienen begonnen hatte und selber machtlos mitansehen musste, wie Lucia die gleiche Teufelsspirale entlangschlitterte, nur um ungleich rascher darin zu verglühen.
Sie erwähnte keine Namen, offerierte ihm keine Details, die nur ansatzweise die bestehende Dienerschaft belasten und ihr Versprechen brechen könnten. Doch wozu auch? Es war ihre Geschichte, die er hören wollte. Jene konnte sie ihm liefern und sich somit endlich einiges von der Seele reden. Von einer Seele, die immerhin noch in ihrem Besitz war. Ganz im Gegensatz zu der des geliebten, verstorbenen Bruders.
Irgendwann war gesagt, was gehört werden sollte und bevor sie die Leere danach ergreifen konnte, schloss er sie seltsam schützend in seine Arme. Benommen von der Glückseligkeit, die sie auf Grund der vermissten Wärme durchflutete, konnte sie seinen leise gesprochenen Worten nur schwer folgen und es sollte auch noch einige Augenblicke dauern, bis sie sein Versprechen verstanden hatte. Doch brauchte es Tage, um ihr die Tragweite des Inhalts zu verdeutlichen und Wochen, bis sie angesichts seiner Verabschiedung im Regiment wirklich begriff, wie ernst es ihm damit war.
Der Ritter legte seine Rüstung ab und wurde zum Jäger,
um das Ende der Geschichte zu verändern.
Zusammenfassung – Vierter Akt/Finale:
Zwar ist die Feder mächtiger als das Schwert und Worte können Wunder vollbringen, doch müssen auf manche Worte wohl noch Taten folgen. Amüsant nur, wenn jemand dann das Schwert einer Nadel gleich zu schwingen vermag und mit dem Faden namens „Worte“ Fragen stellen kann, die Anfang und Ende verbinden... beziehungsweise sowieso der Inbegriff der Bindung zweier Seelen bedeuten.
Die Feder schweigt und lässt das Bild erzählen...
I know who I want to take me home
Take me home
Epilog:
Nun, in der noch so jungen, sternenreichen Nacht zeichnete sich das Schiff malerisch und mächtig vor dem Himmelszelt ab. Es wäre eigentlich die rechte Zeit und das passende Bild sich, in Anbetracht der Weite des Firmaments und dem endlosen Horizont, klein und unbedeutend zu fühlen, doch strahlte das Sternenlicht an diesem Abend nicht kalt und knöchern, sondern warm und wegweisend, das Knattern der Segel im Nachtwind klang nur zart und flattrig, wie der Flügelschlag vieler Schmetterlinge, die Brandung rauschte im einlullenden Wiegemodus und der sanfte, stete Druck der Hand, welche die ihre umschlungen hielt, kündete wortlos von treuem Beistand.
Dennoch wollte sie den Blick zurück wagen, bestand darauf später die letzten Lichter Bajards in der Ferne nach und nach verschwinden sehen zu wollen, denn es war ein Abschied, das Ende einer langen Geschichte und selbst, wenn diese in einer neuen mündete, so war es ihr Wunsch sich die Gesichter all jener, die sie darin begleitet hatten, noch einmal in Erinnerung zu rufen. Ganz gleich ob Antagonisten, Helden, Partner, Freunde, Geliebte, Familie... keines davon wollte sie je vergessen, denn sie waren wertvoll. Allesamt.
Ein Ziehen in der Brust machte sich bemerkbar und das Herz wurde einen Moment lang wieder sehr schwer, doch auch das war gut so, erinnerte sie sich innerlich, denn wenn der Abschied leicht fällt, war das "Davor" die Zeit nicht wert. Gerimor und seine wunderlichen, wundersamen, wundervollen Bewohner aber waren jeden Tag wert gewesen und somit vollends zurecht ihre Heimat.
Als der Druck um ihre Hand kurz fester wurde und sie einen Lidschlag lang zum Mann an ihrer Seite aufsah, da schlich sich ein Hauch frischer Zuversicht in die Brust und sorgte dafür, dass die Schwere zu erdulden war.
„Weißt du, ich glaube der Spruch mit dem Zuhause und dem Herzen ist nicht ganz verkehrt...“
Und so muss eine Passage wohl revidiert werden.
Ein Abschied würde es sein, ja, jedoch kein Ende.
Die letzte Seite eines Kapitels einer Geschichte, die noch lange nicht vollends erzählt wurde und allein deshalb weitergeschrieben gehört.
Aber für heute ruht nun die Feder...
Closing time
Every new beginning comes from some other beginning's end
Closing time...
Open all the doors and let you out into the world
Closing time
Turn all of the lights on over every boy and every girl
Zusammenfassung - Erster Akt:
Der zaghafte Versuch, so etwas wie mögliche Sesshaftigkeit und den fernen Traum einer gemeinsamen Zukunft unter einem Götterbunde ins Gespräch und somit der Dame des Herzens näher zu bringen endet in einem Fiasko aus fast greifbaren Lügen, heller Verzweiflung und plötzlicher, aus Panik geborener Ablehnung...
Es musste eine charmante Art gewesen sein, ihr zu zeigen, dass er grundlegend glücklich war, als er in einem Nebensatz ein Zukunftsgespinst über einen gemeinsamen Bund unter der Lichtbringerin sprach, doch statt dem Hochgefühl, welches einen solchen Antragsausblick mit sich bringen könnte, stahl sich die heißkalte Panik in ihre Gliedmaßen und kündete gleichermaßen von einer Hitze, die an ein Fieber erinnerte und einem Frost, der jegliche Schmetterlinge im Bauch sofort erfrieren ließ. Temorabund - wohl einer der interessantesten Wege für eine Dienerin des Seelenkönigs aufzufliegen und nicht nur das, viel schlimmer wäre es wohl, all die Umstehenden damit zu treffen. Es war nicht das Ende, welches sie in dem Moment schreckte, sondern die letzten Blicke in all die enttäuschten, betrogenen Gesichter. Auf die eigenen Züge achtete sie bei diesen Gedanken nicht und so war es kaum verwunderlich, dass da plötzlich etwas irritierte Nachfragen an ihr Ohr drangen. Ertappt war sie dann augenscheinlich eine noch schlechtere Schauspielerin, als sonst eh schon. Sie versuchte ihre Ablehnung gegenüber dem Bunde auf Lucias Dahinscheiden unter den Schwingen des großen Raben zu schieben und verstrickte sich so nur noch weiter im eigenen Netz. Zuletzt war er nicht nur misstrauisch, sondern wusste, dass sie ihn anlog. Nachdem sie auch auf alles Weitere an Fragen und Nachforschungsversuchen nicht wirklich Antwort geben konnte, sondern lediglich weitere Haarspaltereien fabrizierte, war es die wütende Kälte, die ihr nach und nach entgegenschwappte.
Der nussartige Pudel lang im Raum, doch war sie nicht bereit seinen eigentlichen Kern zu präsentieren. Noch nicht...
Zusammenfassung – Zweiter Akt:
Frostige Kälte und Beharrlichkeit knacken eine harte Nuss. Doch das Innere ist schwärzlich faul und so zieht eine nicht minder dunkle Nacht ins Land...
Sie wusste im Nachhinein nicht wirklich wem oder was sie die Schuld für den plötzlichen Ausbruch an Wahnsinn und das Aufgeben schlechthin geben konnte oder wollte. Sicherlich leistete der plötzlich eisige Frost in der Beziehung zwischen Ritter und Rotkäppchen seinen Beitrag dazu, wohl war aber auch der mangelnde Schlaf oder aber der Umstand, dass, wenn sie dann doch irgendwann mal schlief und träumte, der verdammte Albtraumwolf seinen schallenden Hohn und beißendes Amüsement nicht verbergen konnte, nicht zu verachten. Ganz irgendwo war dann noch das Gespräch zwischen ihr und Phönix päsent, in welchem er ihr anvertraut hatte, dass seine Liebste sehr wohl wusste, was er war und sie dieses Geheimnis eben nicht auseinander riss, sondern nur noch fester aneinander schweißte, Grund für den letzten Schritt über den Klippenrand. Verzweiflung, Hoffnung, Dummheit, blindes Vertrauen?
Als er sie irgendwann wieder in beharrlich störrischer Art und Weise auf ihr Verhalten ansprach, brach das große Mysterium um die eigentliche Berufung und das Wirken unter seinem ewigen Blick in nur wenigen Sätzen flapsig aus ihr heraus. Mit angehaltenem Atem lauschte sie der Resonanz.
Zuerst war da Stille und sie begann zu mutmaßen, dass er sie wahlweise für einen vermeintlich schlechten Witz ohrfeigen, schelten oder auslachen würde, doch nichts dergleichen geschah. Stattdessen fand die Veränderung in seinen Zügen statt und die hellen Augen weiteten sich zunehmends, als er zu begreifen begann.
Sie hatte ihm damit das letzte Stück gereicht, um ein riesengroßes Mosaik zu vervollständigen und er machte im Geiste einige Schritte zurück, um dieses Bild vollends zu sehen und zu verstehen. Die Nähe zur Cousine, deren Liebe sie beide gleichermaßen ergeben waren und welche sich zuletzt als Werkzeug des Verschlingers entpuppte, die seltsame Bewandtnis um ihr Grab, welches schon vor Hochwürden Aureas Arbeit bereits gesegnet, geziert und durch mächtereiches Wirken versteckt worden war, die starke Verbindung zu Fames, selbst ein offener Diener des Schwingenherren, die unheimlichen Besuche des dunklen Bruders, die Dohlenfedern am Balkon, die mottenartige Nachtschwärmerei...
… nun ergab alles einen Sinn.
Das Bild weckte nach der Stille erst kleine Wellen. Sie kamen herangeschwappt in Form von verwirrten Fragen und verständnislosen Feststellungen, mauserten sich dann aber bald, angesichts der aufkeimenden Verzweiflung und der Aussichtslosigkeit zu bitteren Anklagen hinsichtlich ihrer langen Lüge und dem Déjà-vu-Erlebnis die Liebste an den Rabenherren gekettet zu wissen, zu Schaumkronengezeiten.
Zuletzt aber entwicklelten sich die Wellen zur rauschenden Brandung und schrien wütend gegen ihre Klippenwände an, warfen ihr die Gischt tosend entgegen und strotzten nur so vor Urgewalt. Sie hatte ihn einmal zumindest in ähnlicher Form der Wut erlebt – auch damals war es eine Lüge ihrerseits gewesen, die ihre eigene Identität kaschieren sollte und ihn plötzlich in Lebensgefahr gebracht hatte – doch war die Beziehung zu diesem Zeitpunkt noch keine von Zweisamkeit gesegnete und folglich die Intensität eine ganz andere.
Bizarr nur, dass sie damals glaubte er würde sie auf der Stelle erschlagen, nur um dann einen innigen Kuss zu erlangen. Diesmal allerdings wusste sie, dass weder Tod noch Leidenschaft über sie hereinbrechen würden, das verdeutlichte die klaffend offene Hilflosigkeit in seinen Zügen.
Rasch ging es dann aber plötzlich doch.
Gegenseitiges Anstarren, nur für den Bruchteil weniger Momente.
Seine Absätze gaben ein hässlich knirschendes Geräusch auf dem hölzernen Küchenboden von sich, als er sich jäh von ihr abwandte und den Raum verließ. Die Haustüre fiel krachend ins Schloss und die Marionette Mio sackte zusammen, als man ihre Fäden löste.
Erst die Worte des Albtraumwesens, die von seinem endgültigen Triumph posaunten, weckten eine Art Regung im Holzgesicht, säten Tränen und kitzelten sogar schluchzende Laute aus der Brust hervor. Da hatte der Wolf also offensichtlich gewonnen, denn seine Vorhersehung war eingetroffen und somit müsste seine Aussage, dass der Ritter sie nicht haben könne, sondern sie eben doch dem Albtraumwolf gehörte, stimmen. Das Mädchen im Wald hatte sich ganz verirrt und war verloren.
Irgendwie. Hoffnungslos. Verloren.
Doch irgendetwas in ihr weigerte sich, dieses garstige Ende der Geschichte so gelten zu lassen. So hörte es nicht auf, so konnte es nicht vorbei sein!
Oh nein, sie rannte ihm nicht hinterher, rief nicht seinen Namen in die Nacht hinaus oder stolperte umher, um ihn zu suchen.
Aber sie blieb sitzen.
Stur und entgegen jeder Hoffnung weiterhin blind hoffend, wie eine dreiste Dohle im Nest...
Zusammenfassung – Dritter Akt:
Nach der Nacht, kommt der Tag und dieser leuchtet umso heller, klarer, strahlender, je schwärzer die Dunkelheit davor war.
Es muss irgendwann in den ersten Morgenstunden gewesen sein, denn mit seinem Erscheinen verschwand das verstörende Zwielicht und die Schemen und Nachtmahre in der Zwischenwelt darin. Wo zuvor noch ein Mahr nach ihren Gedanken haschte und ihr groteske Szenen in finsteren Ecken zu zeigen versuchte, war da plötzlich eine Hand, die nach ihrem Arm griff und sie vielleicht nicht allzu zärtlich-liebevoll, doch fern von brutal oder grob auf die steifen, eingeschlafenen Beine zog.
„Komm...“
Die Stimme leise, ernst und irgendwie endgültig. Jemand haschte nach dem Marionettenkreuz und der Körper bewegte sich wie von selbst, folgte ihm ohne zu wissen, wohin die Reise gehen sollte.
Erst am Kamin hielt er inne, drückte sie in den Sessel, brachte sein Gesicht auf ihre Höhe und statt einer Gretchenfrage folgte eine klare, unausweichliche Aufforderung.
„Erzähle es mir. Alles. Deine ganze Geschichte.“
Sie begann zögerlich und stockend, doch mit der Zeit wurden die Sätze flüssiger und die Nachtmär spann sich ein zweites Mal, als reine Erzählung. Sie berichtete vom Tod ihrer Mutter und der Schuld, die sie damit verbunden teilweise den Nymoris und vor allem ihrem leiblichen Vater zusprach, von den Veränderungen im Wesen des Stiefvaters, von der Flucht in die Katakomben und dem beginnenden Albtraum. Vom Verlust Marians und dem Pfand seiner Seele, welches der Herr aller Albtraumwölfe als Druckmittel nach wie vor in seinen Klauen hielt. Davon, wie sie so von ihm eingewiesen auch seinem Herrn zu dienen begonnen hatte und selber machtlos mitansehen musste, wie Lucia die gleiche Teufelsspirale entlangschlitterte, nur um ungleich rascher darin zu verglühen.
Sie erwähnte keine Namen, offerierte ihm keine Details, die nur ansatzweise die bestehende Dienerschaft belasten und ihr Versprechen brechen könnten. Doch wozu auch? Es war ihre Geschichte, die er hören wollte. Jene konnte sie ihm liefern und sich somit endlich einiges von der Seele reden. Von einer Seele, die immerhin noch in ihrem Besitz war. Ganz im Gegensatz zu der des geliebten, verstorbenen Bruders.
Irgendwann war gesagt, was gehört werden sollte und bevor sie die Leere danach ergreifen konnte, schloss er sie seltsam schützend in seine Arme. Benommen von der Glückseligkeit, die sie auf Grund der vermissten Wärme durchflutete, konnte sie seinen leise gesprochenen Worten nur schwer folgen und es sollte auch noch einige Augenblicke dauern, bis sie sein Versprechen verstanden hatte. Doch brauchte es Tage, um ihr die Tragweite des Inhalts zu verdeutlichen und Wochen, bis sie angesichts seiner Verabschiedung im Regiment wirklich begriff, wie ernst es ihm damit war.
Der Ritter legte seine Rüstung ab und wurde zum Jäger,
um das Ende der Geschichte zu verändern.
Zusammenfassung – Vierter Akt/Finale:
Zwar ist die Feder mächtiger als das Schwert und Worte können Wunder vollbringen, doch müssen auf manche Worte wohl noch Taten folgen. Amüsant nur, wenn jemand dann das Schwert einer Nadel gleich zu schwingen vermag und mit dem Faden namens „Worte“ Fragen stellen kann, die Anfang und Ende verbinden... beziehungsweise sowieso der Inbegriff der Bindung zweier Seelen bedeuten.
Die Feder schweigt und lässt das Bild erzählen...
I know who I want to take me home
Take me home
Epilog:
Nun, in der noch so jungen, sternenreichen Nacht zeichnete sich das Schiff malerisch und mächtig vor dem Himmelszelt ab. Es wäre eigentlich die rechte Zeit und das passende Bild sich, in Anbetracht der Weite des Firmaments und dem endlosen Horizont, klein und unbedeutend zu fühlen, doch strahlte das Sternenlicht an diesem Abend nicht kalt und knöchern, sondern warm und wegweisend, das Knattern der Segel im Nachtwind klang nur zart und flattrig, wie der Flügelschlag vieler Schmetterlinge, die Brandung rauschte im einlullenden Wiegemodus und der sanfte, stete Druck der Hand, welche die ihre umschlungen hielt, kündete wortlos von treuem Beistand.
Dennoch wollte sie den Blick zurück wagen, bestand darauf später die letzten Lichter Bajards in der Ferne nach und nach verschwinden sehen zu wollen, denn es war ein Abschied, das Ende einer langen Geschichte und selbst, wenn diese in einer neuen mündete, so war es ihr Wunsch sich die Gesichter all jener, die sie darin begleitet hatten, noch einmal in Erinnerung zu rufen. Ganz gleich ob Antagonisten, Helden, Partner, Freunde, Geliebte, Familie... keines davon wollte sie je vergessen, denn sie waren wertvoll. Allesamt.
Ein Ziehen in der Brust machte sich bemerkbar und das Herz wurde einen Moment lang wieder sehr schwer, doch auch das war gut so, erinnerte sie sich innerlich, denn wenn der Abschied leicht fällt, war das "Davor" die Zeit nicht wert. Gerimor und seine wunderlichen, wundersamen, wundervollen Bewohner aber waren jeden Tag wert gewesen und somit vollends zurecht ihre Heimat.
Als der Druck um ihre Hand kurz fester wurde und sie einen Lidschlag lang zum Mann an ihrer Seite aufsah, da schlich sich ein Hauch frischer Zuversicht in die Brust und sorgte dafür, dass die Schwere zu erdulden war.
„Weißt du, ich glaube der Spruch mit dem Zuhause und dem Herzen ist nicht ganz verkehrt...“
Und so muss eine Passage wohl revidiert werden.
Ein Abschied würde es sein, ja, jedoch kein Ende.
Die letzte Seite eines Kapitels einer Geschichte, die noch lange nicht vollends erzählt wurde und allein deshalb weitergeschrieben gehört.
Aber für heute ruht nun die Feder...
Closing time
Every new beginning comes from some other beginning's end
-
Gast
Zwischen den Stücken irgendwo im Wald:
Mit einem hellen Platschen verschwand der nächste Stein unter der , ansonsten klaren, jetzt getrübten Oberfläche des verschlafenen Sees im Wald. Einer von ungezählten, die immer und immer wieder aufgenommen und von dannen geworfen wurden, als wollte der Täter damit gleichsam auch die Wirren der eigenen Gedankengänge von sich weisen.
Ein Jahr war nunmehr vergangen, seit er das letzte Mal einen Punkt wie diesen erreicht hatte.
Ein Jahr in der Hoffnung, nie mehr wieder diesen Weg gehen zu müssen und endlich einmal nicht das Spielzeug irgendeiner höheren Macht zu sein, die danach drängte, sein Leben ihrem Humor Untertan zu machen.
Aber offenkundig sollte es eben nicht so sein.
Was als beiläufige Bemerkung , gepaart mit einem Körnchen Wahrheit, begonnen hatte, war nur allzu rasch gänzlich aus dem Ruder gelaufen. Worte, geboren aus Wohlbefinden, die Andeutung einer gemeinsamen Zukunft, gewiss auch ein nicht unbeträchtlicher Hang zur Romantik.
Heirat. Einfach nur Heirat. Irgendwann. Irgendwie. Wie es sich geziemte, wenn Mann und Frau beisammen leben wollten. Im Grunde nicht kompliziert, eine Entscheidung, die eben getroffen wurde.
Aber was war schon einmal nicht kompliziert.
Platsch. Der nächste Stein.
Die Worte, die folgten, hätten erschütternder nicht sein können. Abwehr und dann Schweigen hatte er ertragen, eine ganze Weile sogar. Dass es nicht die Wahrheit war, das war ihm rasch bewusst gewesen. Der Hinweis auf das Schicksal Lucias war nur ein müder Vorwand. Der Nachfrage nicht gewachsen. Offensichtlich, dass ihr mehr auf der Zunge lag. Verständlich, warum sie es nicht sagen wollte. Wie sollte man einem geliebten Menschen schon gestehen, dass man ihn belogen hatte. Dass man ihm etwas vorgetäuscht hatte und nunmehr, da der Moment gekommen war, nur wenig blieb als eine bittere Erkenntnis.
Schon wieder. Es war nicht genug gewesen, dass er sich eine verlorene Seele ins Haus geholt hatte.
Nicht genug, dass der Rabe Anspruch auf eine von ihnen erhoben hatte. Nein. Er musste auch noch die andere haben, seine verkommenen Klauen in sie schlagen und sich nehmen, was ihm nicht zustand.
Und wie schon einmal würde kein Bitten, kein Flehen und kein Gebet an die Herrin etwas daran ändern, dass die Dinge nun einmal waren, wie sie waren.
Bitterkeit. Ein wenig Verzweiflung. Ein wenig Hass.
Aber worauf eigentlich? Auf sie. Kaum. So sehr er es vielleicht in diesem Moment versuchte, er konnte es nicht. Eigentlich musste er. Eigentlich wäre die Sache klar gewesen. Aber wo der Kopf das eine wollte, wollte das Herz das andere. Nein, sie zu hassen kam nicht in Frage.
Dann vielleicht die Herrin, dass sie wieder einmal nicht da sein würde, um in dieser Angelegenheit zu helfen. Sie würde zusehen, so wie sie immer zugesehen hatte und den kleinen Menschen allein ums Überleben kämpfen lassen. Der Preis der Freiheit, der Preis der Sterblichkeit, der eigenen Entscheidung.
Was blieb, war wohl nur, den Raben für alles verantwortlich zu machen. Volkommen gleich, ob es denn tatsächlich so war. Der Preis des eigenen Verstandes war es, einen Schuldigen zu finden. Einen Weg, die Dinge zu begreifen, ihnen Sinn zu verleihen und eine Lösung dafür zu finden.
Und eine Lösung musste es geben. Für alles musste es eine Lösing geben. Das oder wahnsinnig zu werden.
Und die Lösung war doch simpel, oder nicht?
Der Seelenernter erhob Anspruch auf die Seele, die eigentlich ihm, dem Ritter , gehören sollte.
Nichts leichter als das, nichts leichter als die Klinge zu erheben und dem Raben zu zeigen, wo er hin gehörte. Wo sein Platz war. Überall, nur nicht hier. Nichts leichter, als sich gegen einen Dämonen aufzulehnen, vielleicht gar gegen einen Gott. Was hatte man schon zu verlieren, da man ohnehin nur sterblich war.
Nichts leichter als das. Alles leichter als das.
Alles war leichter als die Gewissheit, dass man scheitern würde. Dass man ausgelöscht werden würde wie die Flamme einer Kerze. Dass man nichts sein würde als ein Funke, der suchte, eine Glut zu sein.
Aber wenn der Dienst ihm eines gelehrt hatte, dann dass es eben stets so war. Dass sie immer nur das unmögliche suchten und das unwahrscheinliche verfolgten. Dass nur der siegen konnte, der es auch versuchte, ganz gleich, wie gering die Aussicht auf Erfolg.
So würde er diesesmal nicht zurück weichen und dem Schicksal seinen Lauf lassen. Er würde nicht anerkennen und nicht verzagen. Nicht eingestehen, dass er verlieren könnte und nicht zugeben, dass er unterlegen war.
Es war an der Zeit, den trüben Gedanken Lebewohl zu sagen. Sich aufzurichten und die Hürden zu nehmen, eine nach der anderen, wie sie eben kamen. Das zu nehmen, was ihm gebührte. Die Hand der Frau zu greifen, die ihn liebte und das zurück zu erobern, das er liebte.
Mensch. Dämon. Gott.
Es würde keine Rolle spielen.
Wenn er nach Hause kam, würde sie auf ihn warten. Und er würde sie fragen. Würde erfahren, warum die Dinge waren, wie sie waren. Und dann würde er sie in die Arme nehmen und eine Lösung finden. Zuversichtlich. Hoffnungsvoll. Für sie beide, wenn es eben sein musste.
Temora beschützt.
Und wenn nicht sie, dann würde eben er es für sie tun.
Mit einem hellen Platschen verschwand der nächste Stein unter der , ansonsten klaren, jetzt getrübten Oberfläche des verschlafenen Sees im Wald. Einer von ungezählten, die immer und immer wieder aufgenommen und von dannen geworfen wurden, als wollte der Täter damit gleichsam auch die Wirren der eigenen Gedankengänge von sich weisen.
Ein Jahr war nunmehr vergangen, seit er das letzte Mal einen Punkt wie diesen erreicht hatte.
Ein Jahr in der Hoffnung, nie mehr wieder diesen Weg gehen zu müssen und endlich einmal nicht das Spielzeug irgendeiner höheren Macht zu sein, die danach drängte, sein Leben ihrem Humor Untertan zu machen.
Aber offenkundig sollte es eben nicht so sein.
Was als beiläufige Bemerkung , gepaart mit einem Körnchen Wahrheit, begonnen hatte, war nur allzu rasch gänzlich aus dem Ruder gelaufen. Worte, geboren aus Wohlbefinden, die Andeutung einer gemeinsamen Zukunft, gewiss auch ein nicht unbeträchtlicher Hang zur Romantik.
Heirat. Einfach nur Heirat. Irgendwann. Irgendwie. Wie es sich geziemte, wenn Mann und Frau beisammen leben wollten. Im Grunde nicht kompliziert, eine Entscheidung, die eben getroffen wurde.
Aber was war schon einmal nicht kompliziert.
Platsch. Der nächste Stein.
Die Worte, die folgten, hätten erschütternder nicht sein können. Abwehr und dann Schweigen hatte er ertragen, eine ganze Weile sogar. Dass es nicht die Wahrheit war, das war ihm rasch bewusst gewesen. Der Hinweis auf das Schicksal Lucias war nur ein müder Vorwand. Der Nachfrage nicht gewachsen. Offensichtlich, dass ihr mehr auf der Zunge lag. Verständlich, warum sie es nicht sagen wollte. Wie sollte man einem geliebten Menschen schon gestehen, dass man ihn belogen hatte. Dass man ihm etwas vorgetäuscht hatte und nunmehr, da der Moment gekommen war, nur wenig blieb als eine bittere Erkenntnis.
Schon wieder. Es war nicht genug gewesen, dass er sich eine verlorene Seele ins Haus geholt hatte.
Nicht genug, dass der Rabe Anspruch auf eine von ihnen erhoben hatte. Nein. Er musste auch noch die andere haben, seine verkommenen Klauen in sie schlagen und sich nehmen, was ihm nicht zustand.
Und wie schon einmal würde kein Bitten, kein Flehen und kein Gebet an die Herrin etwas daran ändern, dass die Dinge nun einmal waren, wie sie waren.
Bitterkeit. Ein wenig Verzweiflung. Ein wenig Hass.
Aber worauf eigentlich? Auf sie. Kaum. So sehr er es vielleicht in diesem Moment versuchte, er konnte es nicht. Eigentlich musste er. Eigentlich wäre die Sache klar gewesen. Aber wo der Kopf das eine wollte, wollte das Herz das andere. Nein, sie zu hassen kam nicht in Frage.
Dann vielleicht die Herrin, dass sie wieder einmal nicht da sein würde, um in dieser Angelegenheit zu helfen. Sie würde zusehen, so wie sie immer zugesehen hatte und den kleinen Menschen allein ums Überleben kämpfen lassen. Der Preis der Freiheit, der Preis der Sterblichkeit, der eigenen Entscheidung.
Was blieb, war wohl nur, den Raben für alles verantwortlich zu machen. Volkommen gleich, ob es denn tatsächlich so war. Der Preis des eigenen Verstandes war es, einen Schuldigen zu finden. Einen Weg, die Dinge zu begreifen, ihnen Sinn zu verleihen und eine Lösung dafür zu finden.
Und eine Lösung musste es geben. Für alles musste es eine Lösing geben. Das oder wahnsinnig zu werden.
Und die Lösung war doch simpel, oder nicht?
Der Seelenernter erhob Anspruch auf die Seele, die eigentlich ihm, dem Ritter , gehören sollte.
Nichts leichter als das, nichts leichter als die Klinge zu erheben und dem Raben zu zeigen, wo er hin gehörte. Wo sein Platz war. Überall, nur nicht hier. Nichts leichter, als sich gegen einen Dämonen aufzulehnen, vielleicht gar gegen einen Gott. Was hatte man schon zu verlieren, da man ohnehin nur sterblich war.
Nichts leichter als das. Alles leichter als das.
Alles war leichter als die Gewissheit, dass man scheitern würde. Dass man ausgelöscht werden würde wie die Flamme einer Kerze. Dass man nichts sein würde als ein Funke, der suchte, eine Glut zu sein.
Aber wenn der Dienst ihm eines gelehrt hatte, dann dass es eben stets so war. Dass sie immer nur das unmögliche suchten und das unwahrscheinliche verfolgten. Dass nur der siegen konnte, der es auch versuchte, ganz gleich, wie gering die Aussicht auf Erfolg.
So würde er diesesmal nicht zurück weichen und dem Schicksal seinen Lauf lassen. Er würde nicht anerkennen und nicht verzagen. Nicht eingestehen, dass er verlieren könnte und nicht zugeben, dass er unterlegen war.
Es war an der Zeit, den trüben Gedanken Lebewohl zu sagen. Sich aufzurichten und die Hürden zu nehmen, eine nach der anderen, wie sie eben kamen. Das zu nehmen, was ihm gebührte. Die Hand der Frau zu greifen, die ihn liebte und das zurück zu erobern, das er liebte.
Mensch. Dämon. Gott.
Es würde keine Rolle spielen.
Wenn er nach Hause kam, würde sie auf ihn warten. Und er würde sie fragen. Würde erfahren, warum die Dinge waren, wie sie waren. Und dann würde er sie in die Arme nehmen und eine Lösung finden. Zuversichtlich. Hoffnungsvoll. Für sie beide, wenn es eben sein musste.
Temora beschützt.
Und wenn nicht sie, dann würde eben er es für sie tun.
-
Gast
Tage später, irgendwo im Wald bei Varuna:
Der Abend neigte sich dem Ende entgegen. Und mit ihm die Zeit, die ihnen noch in diesen Landen geblieben war. Die Dinge, die zu tun waren, waren getan. Was gesagt werden musste, gesagt.
Die Gesichter auf dem Apellplatz , während er seine abschliessenden Worte gesprochen und das Kommando in fähige Hände gegeben hatte, würden ihn sicherlich noch lange Zeit begleiten.
Ebenso wie die Worte jener, die sich im privaten Rahmen von ihm verabschiedet hatten.
Viele Gesichter, alle mit ihrer eigenen Geschichte und Erinnerungen. Manche besser bekannt als andere und dennoch auch Teil der seinen. Sollte die Herrin geben, dass jene Geschichten noch lange währen würden.
Alles war getan, beinahe. Die Stunden vor dem Fest hatte er geschäftig damit zugebracht, Meister aufzutreiben, die ihm das fertigen konnten, was sein Herz ersehnte. Erfolgreich.
Und als der Abend herein brach, brachte er den wohl bezaubernsten Anblick mit sich, den er seit langem erfahren durfte. Selten hatte er das Mädchen, die Frau an seiner Seite, so schön erlebt und selten hatte ihn ihr Anblick so berührt. Umwerfend. Perfekt. Jede Träne, jede Mühe, jeden Tropfen Blut wert und noch mehr, wenn es sein musste. Umso heftiger brannte das Kleinod in seiner Tasche, das er ihr noch nicht gegeben hatte. Später, wenn sie unter sich waren. Es folgten Reden, Worte, Verabschiedungen, Glückwünsche. Vielleicht eine Bestätigung dafür, dass er in seiner Zeit doch etwas richtig gemacht hatte. Ab und an zumindest. Dennoch waren seine Gedanken zumeist bei dem, was noch folgen würde.
Nicht mehr hier. Sondern fern im Wald. Da, wo so vieles begonnen hatte und manches sein Ende gefunden.
Dort, unter einem Baum an einem Stein, eine Laterne, Kerzen. Der letzte Ruheort gemeinsamer Erinnerungen.
Hier musste es sein, dass die Worte gesprochen wurden, die ihm auf der Zunge brannten.
Und zusammen mit jenen , einem Schwur, und einer Bitte, fand auch das Kleinod endlich seinen angestammten Platz.
Zwei Herzen und zwei Seelen. Ein Ring und eine Hand.
Ein Versprechen und ein Blick in die Zukunft. Hoffnung und Zuversicht. Gemeinsam, nicht mehr allein. Und auch wenn erwartet wurde, dass der Mann in jenen Momenten die Ruhe bewahrte , so konnte er die Erleichterung dennoch nicht verbergen, als der Ring endlich ihren Finger zierte und leise Worte der Bestätigung aus ihrem Munde drangen.
Der Schritt war getan, die Worte gesagt. Was jetzt folgt, wie auch immer es sich gestalten mochte, war keine Angelegenheit mehr, die er allein bewältigen musste. Von nun an nie mehr, nie wieder allein. Keinen Schritt, keinen Atemzug, keinen Augenblick.
11.Wechselwind 259, Bajard.
Knarrend bogen sich die Planken, als der stattliche Dreimaster dazu ansetzte, durch den Ozean zu pflügen. Die Segel wurden von einer regen Briese gebläht und versprachen eine zügige Abfahrt, während die Mannschaft in farbenfroher Art und Weise über das Deck plärrte. Irgendwo über ihnen zog eine Schar aus Möwen ihre Kreise und ergänzte den Moment in hellem Kreischen, das durch und durch nach Abenteuer und unbegrenzten Möglichkeiten klang.
Tief über dem Horizont schickte sich die Sonne gerade dazu an, gänzlich zu versinken und das Meer in rotes Licht zu tauchen. Und wie so oft im Leben, war auch diese Reise nur ein Anfang und kein Ende.
Begleitet von Delphinen und dem aufziehenden Sternenhimmel, mochte das Schiff seine Passagiere an fremde, unbekannte Orte trage.
Mochte die beiden Gestalten in dunklem Blau, die Seite an Seite nach Vorne blickten, dem nächsten Kapitel ihrer Geschichte näher bringen. Wohlmöglich einem von vielen … überall... nur nicht hier.
Der Abend neigte sich dem Ende entgegen. Und mit ihm die Zeit, die ihnen noch in diesen Landen geblieben war. Die Dinge, die zu tun waren, waren getan. Was gesagt werden musste, gesagt.
Die Gesichter auf dem Apellplatz , während er seine abschliessenden Worte gesprochen und das Kommando in fähige Hände gegeben hatte, würden ihn sicherlich noch lange Zeit begleiten.
Ebenso wie die Worte jener, die sich im privaten Rahmen von ihm verabschiedet hatten.
Viele Gesichter, alle mit ihrer eigenen Geschichte und Erinnerungen. Manche besser bekannt als andere und dennoch auch Teil der seinen. Sollte die Herrin geben, dass jene Geschichten noch lange währen würden.
Alles war getan, beinahe. Die Stunden vor dem Fest hatte er geschäftig damit zugebracht, Meister aufzutreiben, die ihm das fertigen konnten, was sein Herz ersehnte. Erfolgreich.
Und als der Abend herein brach, brachte er den wohl bezaubernsten Anblick mit sich, den er seit langem erfahren durfte. Selten hatte er das Mädchen, die Frau an seiner Seite, so schön erlebt und selten hatte ihn ihr Anblick so berührt. Umwerfend. Perfekt. Jede Träne, jede Mühe, jeden Tropfen Blut wert und noch mehr, wenn es sein musste. Umso heftiger brannte das Kleinod in seiner Tasche, das er ihr noch nicht gegeben hatte. Später, wenn sie unter sich waren. Es folgten Reden, Worte, Verabschiedungen, Glückwünsche. Vielleicht eine Bestätigung dafür, dass er in seiner Zeit doch etwas richtig gemacht hatte. Ab und an zumindest. Dennoch waren seine Gedanken zumeist bei dem, was noch folgen würde.
Nicht mehr hier. Sondern fern im Wald. Da, wo so vieles begonnen hatte und manches sein Ende gefunden.
Dort, unter einem Baum an einem Stein, eine Laterne, Kerzen. Der letzte Ruheort gemeinsamer Erinnerungen.
Hier musste es sein, dass die Worte gesprochen wurden, die ihm auf der Zunge brannten.
Und zusammen mit jenen , einem Schwur, und einer Bitte, fand auch das Kleinod endlich seinen angestammten Platz.
Zwei Herzen und zwei Seelen. Ein Ring und eine Hand.
Ein Versprechen und ein Blick in die Zukunft. Hoffnung und Zuversicht. Gemeinsam, nicht mehr allein. Und auch wenn erwartet wurde, dass der Mann in jenen Momenten die Ruhe bewahrte , so konnte er die Erleichterung dennoch nicht verbergen, als der Ring endlich ihren Finger zierte und leise Worte der Bestätigung aus ihrem Munde drangen.
Der Schritt war getan, die Worte gesagt. Was jetzt folgt, wie auch immer es sich gestalten mochte, war keine Angelegenheit mehr, die er allein bewältigen musste. Von nun an nie mehr, nie wieder allein. Keinen Schritt, keinen Atemzug, keinen Augenblick.
11.Wechselwind 259, Bajard.
Knarrend bogen sich die Planken, als der stattliche Dreimaster dazu ansetzte, durch den Ozean zu pflügen. Die Segel wurden von einer regen Briese gebläht und versprachen eine zügige Abfahrt, während die Mannschaft in farbenfroher Art und Weise über das Deck plärrte. Irgendwo über ihnen zog eine Schar aus Möwen ihre Kreise und ergänzte den Moment in hellem Kreischen, das durch und durch nach Abenteuer und unbegrenzten Möglichkeiten klang.
Tief über dem Horizont schickte sich die Sonne gerade dazu an, gänzlich zu versinken und das Meer in rotes Licht zu tauchen. Und wie so oft im Leben, war auch diese Reise nur ein Anfang und kein Ende.
Begleitet von Delphinen und dem aufziehenden Sternenhimmel, mochte das Schiff seine Passagiere an fremde, unbekannte Orte trage.
Mochte die beiden Gestalten in dunklem Blau, die Seite an Seite nach Vorne blickten, dem nächsten Kapitel ihrer Geschichte näher bringen. Wohlmöglich einem von vielen … überall... nur nicht hier.
To be continued ... somewhere...
- Christo
- Beiträge: 1230
- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42
Wenn du mein warst und ich dein,
wenn dein Weg der meine war,
wenn unsere Schwüre meine werden... was dann ?
Ein Wolf saß in seiner Höhle und starrte aus einem Auge ins Leere, die Arme auf den Lehnen ruhend, eine Hand offen und die Andere geballt das die Knöchel weiß hervor stachen. Dieser Wolf war erschaffen worden, so wie die Diener Krathors sonst mit einem Wink Schmerz erschaffen konnten, doch dieser Wolf war voller dauerhaften Schmerzes der ihn erneut zu verändern drohte. Fames war zum Wolf geworden weil es gepasst hatte, weil es einen Zweck erfüllt hatte und es auf die eine oder andere Art immer in ihm gelauert hatte. Doch herraus gelassen hatte Mio diesen Wolf der nun Fames war, der ein Fell trug in dem Lucia verwoben war, in dem seine Vergangenheit Leim gewesen war und das ihn gekenzeichnet hatte wie sonst kaum etwas.
Ja, Mio hatte den Wolf erschaffen und sich auf ihn eingelassen. Doch keine süße Erinnerung wollte die Bitterkeit um sein Herz herrum durchdringen. Rabenauge und Menschenohren hatten spioniert und Münder berichtet das sie ihre Wahl getroffen hatte. Eine Wahl die nur bewies was er als Lehrer für ein unfähiger Narr gewesen war ! Die Beine spanten sich und er sprang so aus dem Sessel als wäre gerade eine Beute vor der Schnauze des Wolfes entlang gesprungen, doch es war nur eine Erinnerung die seine Faust gegen die Steinwand schmetterte. Noch immer lag in der offenen Hand balanciert sein Kleinod.
Die Schritte die ihn von der Wand in die Mitte seines unterirdischen Arbeitszimmers brachten waren nun wieder gefasster, Schmerz , die Kraft die ihn immer wieder aufgerichtet hatte, ließ auch diesmal von seiner Hand aus seinen Geist zur Ruhe kommen. Anders als Mio wusste er was er wollte ! Die zuvor geballte Faust öffnete sich und nahm im gehen eine Phiole auf, in der das frische Blut schlieren ziehend schwappte und die er mit sich in den Kreis nahm. Ein Kreis den er auf den Boden gezogen hatte, entstanden aus einfachsten Reagenzien und nur zum Zweck seinen Eid soweit es möglich wahr zu Krathor zu tragen, eine Geste vielleicht nur, doch eine die seinen Entschluss so hart wie Stahl werden lassen sollte.
Mit den Zähnen entkorkte er die Phiole und vergoss bereits das Blut in ihr .. welches von jemanden Stammte der diesen Schwur vermutlich nie unterstützt hätte... zu einem inneren kleinen Kreis, während er auch die Augenbinde entfernte. Niemand war da um sein Auge zu sehen, starr lag es in der Augenhöhle, doch anders als sonst glomm es wie das andere auch. Zeugniss seiner Anstrengung... oder Zeuge auf Pfoten ?
"Seelenfresser, Rabenkönig, Seelenrichter Krathor.
Deine erwählte Seele schwört dir und sich hiermit,
egal wie lange es dauern wird, ich werde für dich leben !
Seelenfresser, Rabenkönig, Seelenrichter Krathor.
Fames schwört dir das seine ehemalige Schülerin Rem,
egal wie lange es dauern wird, dir _seine_ Seele opfer wird !
Seelenfresser, Rabenkönig, Seelenrichter Krathor.
Ich schwöre dir so wie unseren Seelen und unser Tod dir gehöhren,
so wird sie am Ende meiner Tage ihr Herz so oder so mein sein !"
Seine Worte hallten noch lange in seinem Kopf nach, wie es die Worte sonst in der Grabkammer getan hätten und erst als er sie nichtmehr höhrte, tratt er aus dem Kreis herraus und blickte auf den Kreis in der noch immer offenen, bettenden Hand auf den Haarkreis darauf.
"Ich könnte dich immer finden meine Liebste.. und wenn ich erst in Jahren nach dir würde suchen dürfen ... selbst am Ende der Welt würde ich dich noch finden... Aber... ich werde auf dich warten...hier wo du hingehöhrst."
Alles war gesagt und nichts anderes blieb als den kleinen Ring aus geflochtenem Haar in seine versteckte Schatulle zu legen und die Augen zu verschließen, um in _ihre_ Welt abzutauchen, in den Schlaf und den Traum.
Manchmal muss man einen geliebten Menschen loslassen, damit er glücklich ist. Auch wenn es einen selber zerreißt.
wenn dein Weg der meine war,
wenn unsere Schwüre meine werden... was dann ?
Ein Wolf saß in seiner Höhle und starrte aus einem Auge ins Leere, die Arme auf den Lehnen ruhend, eine Hand offen und die Andere geballt das die Knöchel weiß hervor stachen. Dieser Wolf war erschaffen worden, so wie die Diener Krathors sonst mit einem Wink Schmerz erschaffen konnten, doch dieser Wolf war voller dauerhaften Schmerzes der ihn erneut zu verändern drohte. Fames war zum Wolf geworden weil es gepasst hatte, weil es einen Zweck erfüllt hatte und es auf die eine oder andere Art immer in ihm gelauert hatte. Doch herraus gelassen hatte Mio diesen Wolf der nun Fames war, der ein Fell trug in dem Lucia verwoben war, in dem seine Vergangenheit Leim gewesen war und das ihn gekenzeichnet hatte wie sonst kaum etwas.
Ja, Mio hatte den Wolf erschaffen und sich auf ihn eingelassen. Doch keine süße Erinnerung wollte die Bitterkeit um sein Herz herrum durchdringen. Rabenauge und Menschenohren hatten spioniert und Münder berichtet das sie ihre Wahl getroffen hatte. Eine Wahl die nur bewies was er als Lehrer für ein unfähiger Narr gewesen war ! Die Beine spanten sich und er sprang so aus dem Sessel als wäre gerade eine Beute vor der Schnauze des Wolfes entlang gesprungen, doch es war nur eine Erinnerung die seine Faust gegen die Steinwand schmetterte. Noch immer lag in der offenen Hand balanciert sein Kleinod.
Die Schritte die ihn von der Wand in die Mitte seines unterirdischen Arbeitszimmers brachten waren nun wieder gefasster, Schmerz , die Kraft die ihn immer wieder aufgerichtet hatte, ließ auch diesmal von seiner Hand aus seinen Geist zur Ruhe kommen. Anders als Mio wusste er was er wollte ! Die zuvor geballte Faust öffnete sich und nahm im gehen eine Phiole auf, in der das frische Blut schlieren ziehend schwappte und die er mit sich in den Kreis nahm. Ein Kreis den er auf den Boden gezogen hatte, entstanden aus einfachsten Reagenzien und nur zum Zweck seinen Eid soweit es möglich wahr zu Krathor zu tragen, eine Geste vielleicht nur, doch eine die seinen Entschluss so hart wie Stahl werden lassen sollte.
Mit den Zähnen entkorkte er die Phiole und vergoss bereits das Blut in ihr .. welches von jemanden Stammte der diesen Schwur vermutlich nie unterstützt hätte... zu einem inneren kleinen Kreis, während er auch die Augenbinde entfernte. Niemand war da um sein Auge zu sehen, starr lag es in der Augenhöhle, doch anders als sonst glomm es wie das andere auch. Zeugniss seiner Anstrengung... oder Zeuge auf Pfoten ?
"Seelenfresser, Rabenkönig, Seelenrichter Krathor.
Deine erwählte Seele schwört dir und sich hiermit,
egal wie lange es dauern wird, ich werde für dich leben !
Seelenfresser, Rabenkönig, Seelenrichter Krathor.
Fames schwört dir das seine ehemalige Schülerin Rem,
egal wie lange es dauern wird, dir _seine_ Seele opfer wird !
Seelenfresser, Rabenkönig, Seelenrichter Krathor.
Ich schwöre dir so wie unseren Seelen und unser Tod dir gehöhren,
so wird sie am Ende meiner Tage ihr Herz so oder so mein sein !"
Seine Worte hallten noch lange in seinem Kopf nach, wie es die Worte sonst in der Grabkammer getan hätten und erst als er sie nichtmehr höhrte, tratt er aus dem Kreis herraus und blickte auf den Kreis in der noch immer offenen, bettenden Hand auf den Haarkreis darauf.
"Ich könnte dich immer finden meine Liebste.. und wenn ich erst in Jahren nach dir würde suchen dürfen ... selbst am Ende der Welt würde ich dich noch finden... Aber... ich werde auf dich warten...hier wo du hingehöhrst."
Alles war gesagt und nichts anderes blieb als den kleinen Ring aus geflochtenem Haar in seine versteckte Schatulle zu legen und die Augen zu verschließen, um in _ihre_ Welt abzutauchen, in den Schlaf und den Traum.
Manchmal muss man einen geliebten Menschen loslassen, damit er glücklich ist. Auch wenn es einen selber zerreißt.
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Gast
Lieber Märchenleser,
ein "Auf Wiedersehen" bedeutet genau das - der Wunsch nach einem Wiedersehen, wie auch immer das geartet sein mag. Ganz gleich dabei die Frage nach der Zeit, dem Ort oder gar der Konstellation.
Wenn man ein Buch vorerst schließt und das Ganze mit einem lachenden und einem weinenden Auge vollbringen kann, dann ist doch ein Wiedersehen gewiss, nicht wahr?
Somit ist es nun meine letzte Aufgabe genau das zu vollbringen und das Märchenbuch erst einmal zu schließen - die Geschichte spinnt sich woanders mit Sicherheit weiter... ein kleines Versprechen.
[img]http://www2.pic-upload.de/img/30332942/Zwo2.0.jpg[/img]
ein "Auf Wiedersehen" bedeutet genau das - der Wunsch nach einem Wiedersehen, wie auch immer das geartet sein mag. Ganz gleich dabei die Frage nach der Zeit, dem Ort oder gar der Konstellation.
Wenn man ein Buch vorerst schließt und das Ganze mit einem lachenden und einem weinenden Auge vollbringen kann, dann ist doch ein Wiedersehen gewiss, nicht wahr?
Somit ist es nun meine letzte Aufgabe genau das zu vollbringen und das Märchenbuch erst einmal zu schließen - die Geschichte spinnt sich woanders mit Sicherheit weiter... ein kleines Versprechen.
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