Mit festem Willen

Antworten
Eileen von Hohenfels

Mit festem Willen

Beitrag von Eileen von Hohenfels »

Es nahm Form an.
Langsam zeichnete sich ab, wie alles werden würde, welche Lager sich gegenüberstanden.

Eileen mochte nicht recht in die Welt des Adels passen. Sie gab ein Bild ab, welches nicht zum Selbstverständnis dieser Leute passte und, ja, es würde Streit und Niederracht mit sich bringen.
Eine fortwährende Kraftprobe zwischen ihr, Adrian so er hinter ihr stand, und dem Rest der hohen Gesellschaft, löbliche Ausnahmen ausgenommen.
Eine Gratwanderung.

Sie wusste es.
Eileen lief nicht unbedacht oder naiv in das Messer unterschwelligen Rufmords, billiger Polemik und hinterhältiger Intrigen.

Lang genug hatte sie über die Begleitumstände ihres Auftretens nachgedacht.
"... für das Volk dasein ..." Hatte Adrian gewusst, was er damit in ihr ausgelöst hatte ?

Sie hatte sich unter das Volk gemischt, am Anfang unerkannt. Hatte sich angehört was die Menschen über die Grafschaft und ihre Führung dachten, hatte diskutiert als eine unter gleichen, und hatte vieles nachvollziehen können was die Bewohner Varunas bewegt.
Das konnte nicht ewig so weiter gehen, und natürlich sprach sich im Laufe der zeit herum, wer sie war und wessen Zuneigung sie genoss.

Aber im gleichen Maße wie sie bekannter wurde, hier ein Haltung annehmender Gardist, da ein "Milady", wunderten die Leute sich mehr und mehr was sie tat.
Das sollte die Verlobte des Grafen sein ? Was tat sie da ? Geht die etwa in den Wald .. arbeiten ?

Was im Kreise der Adligen für Spott sorgte, erfuhr Eileen auf der Strasse innerhalb der letzten Monde durchweg als Bestätigung, und Anerkennung schlug ihr entgegen.
Sie biederte sich nicht an und tat einfach was sie wollte, was sie tun musste, um neben dem ganzen Hofstaat etwas eigenes kleines aufbauen zu können, etwas wo sie zurecht mit Stolz draufschauen konnte, was einen Ausgleich bildete.
Die Menschen registrierten das und sagten ihr offen was sie davon hielten, so es zum Gespräch kam.

"Für das Volk dasein !"
Zugehörigkeitsgefühl entsteht nicht indem man etwas zu sein vorgibt, was gänzlich anders ist, wie diejenigen, zu denen man gehören soll und will. Zugehörigkeit hat etwas mit Vertrauen zu tun.
Sich das Einfache zu bewahren und bodenständig zu bleiben, war kein Fehler. Nichts was man ausmerzen musste um einem Bild zu genügen.
Wer war man, dass man sich über einfache Arbeiten erhob und sie als nicht schicklich bezeichnete ?

War die gute, harte, entbehrungsreiche Arbeit eines Fischers etwa unwürdig zu nennen ?

Was hatte Rafael gesagt ? Sie , Eileen, sei nun an Etikette gebunden.
Wer sagte das ?
Diese Art der Etikette hatte nichts mehr mit Anstand zu tun.
An solche Etikette banden sich die Menschen nur selbst um sich abzugrenzen.

Und sie wollte sich nicht abgrenzen, ganz bewusst nicht.
Wenn sich ein Gedanke gefestigt hatte, dann der, dass es das allerwichtigste war zum Volk zu gehören, und eben nicht sich abzugrenzen.
Miteinander nicht gegeneinander.

Eileen würde das in ihren Augen Richtige zu tun, und sich nicht an eine imaginäre Leine legen lassen.
Und wenn es sein musste würde sie dafür jede Etikette zum Teufel jagen, wenn es sein musste.
Sie war weder ungehobelt noch rethorisch unbegabt. Aber sie hatte beschlossen nicht zu übertünchen wer sie war und wo sie herkam, auch nicht einer Etikette wegen.

An Adrians Seite zu stehen brachte Verantwortung mit sich und eine unglaublich Chance, die sie behutsam nutzen wollte.
Sie würde sich nicht in ein Ungetüm aus Stein am Rande der Stadt zurückziehen.

Mit den Menschen sein, ein Ohr für sie haben, ihre Interessen weitergeben, nach oben vertreten, überzeugen wenn irgends möglich.
Wenn nicht sie, wer dann ?

Das war die eigentliche Verantwortung, die sie trug. Und wer zu Hofe dagegen anging, disqualifizierte sich in ihren Augen schlicht selbst um seiner Position willen.
Der Spott würde sie nicht treffen, man musste sich eben manchmal mit mangelndem Niveau abfinden, das gehörte dazu.

Sie übte keinen Verrat an Reich und König. Sie würde hier wo sie es konnte und so gut sie es konnte, dafür sorge tragen, dass die Menschen Varunas hinter ihrer Führung stehen konnten, an der Seite des Mannes von dem sie fest glaubt, dass er das gleiche will, an der Seite des Mannes den sie liebte.
Rafael de Arganta

Beitrag von Rafael de Arganta »

Rafael sah ihr immer noch kopfschüttelnd nach, dann fluchte er vernehmlich als er hinaus ging, was einem der Gardisten ihm einen fragenden Blick zuwerfen ließ.
Rafael beachtete ihn gar nicht sondern ging weiter.
Fische verkaufen!!!
Die Leute würden sich das Maul zerreissen über die neue MAGD!!! des Grafen.
Vor allem jene die von Anfang an gegen diese Verbindung waren würden sich bestätigt fühlen in ihren Zweifeln.
Sicher wollte sie den Bürgern nah sein, sie war was sie war... aber verstand sie nicht das sie genau DAS nicht mehr sein durfte?

Es gab genug Neider.
Viele die auch nur darauf warteten das man Adrian das Wasser abgraben konnte.
Er verstand Eileen ja sogar.
Aber man konnte auch Herzen von Menschen gewinnen wenn man ihnen gutes Tat.
Sich zeigte mit ihnen Sprach ihnen so nah war. Wie zum Beispiel bei der Armenspeisung.
Vielleicht war es eine Idee sie da mit ein zu binden. Als Schirmherrin quasi, würde sie Gutes tun... nicht aber als ... als... Fischweib!
Sie musste doch sehen das dies keine Arbeit war für eine Frau die neben dem Grafen stand, Diplomatisch auftreten musste und...
Rafael seufzte. Er musste, wollte mit Adrian darüber sprechen.
Der Freund musste selber entscheiden was er dazu meinte, aber Eileen...
Sie musste begreifen das das Leben so wie sie es kannte vorbei war.

Zu Lieben hieß nicht sich und sein Leben auf zu geben, aber aufeinander zugehen, und kompromisse machen.
Antworten