Der letzte Tag im Leben eines stolzen Menekaners

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Gast

Der letzte Tag im Leben eines stolzen Menekaners

Beitrag von Gast »

Schon während der Audienz im Palast verspürte Rahim immer und immer wieder ein ziehen inmitten seiner Brust, ein stechender Schmerz der nach Lust und Laune zustach gleich eines lästigen Insekts das Gefallen daran fand. Ungeachtet dessen brach er einen Tag später auf, das gelobte Land zu verlassen und die Grenze zu passieren, er ritt vorbei an der Akademie und weiter abseits des Weges in Richtung Varuna.

Dort angekommen führte er sein Pferd an den einstigen Burggraben und lies es rasten während er sich dem Getier annehmen würde das in der Ruinenstadt hauste. Er schritt sodann hinein, das Schild in der linken und den Dolch in der rechten Hand führend, stets bereit und gewappnet gegen einen lästigen, kriechenden Feind zu fechten.

Er steuerte zielstrebig einige dunkle Ecken an und schnitt hier und da einen Büschel der wuchernden Kräuter und pflanzen ab. Jene steckte er in eine Umhängetasche. Da war es wieder, das ziehen, der stechende Schmerz der ihn schon seit einigen Tagen plagte. Doch dieses Mal war es anders, der Schmerz, derart heftig das er sich an einer bröckelnden Mauer abstützen musste um nicht ins wanken zu geraten. Derart beengend das er ihm den Atem raubte und er gezwungen war, hilflos wie ein Welpe nach eben jener zu japsen als würde ihn die Mara jeden Moment zu sich holen.

Einige quälende Augenblicke später schließlich ebbte der Schmerz ab und er entschied es gut sein zu lassen. Als er die Brücke auf dem Rückweg erneut überquerte begann er den Schild zu schultern und den Dolch in der Halterung zu verstauen als ihm etwas auffiel...

An seinem linken Hosenbein riss die Naht. Ein etwa zwei Fingerbreit langer Spalt tat sich auf und zeigte eine bereits geronnene Wunde vergangener Tage, nurmehr der darauf befindliche, rotbraun schimmernde Schorf erinnert an die Verletzung. Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen...

…Es war diese lästige Infektion, eine Verletzung die er sich bestimmt schon mehrere Dutzend Male in seinem Leben zugezogen hatte....Diese sollte nun sein Ende bedeuten? Er beschloss keine Zeit mehr zu verlieren, sprintete hastig zu seinem Pferd und sprang in den Sattel.

Auf dem Ritt zurück ins gelobte Land fiel ihm das Atmen zunehmend schwerer, die Glieder erschlafften und es schien als würde er jeden Moment aus dem Sattel seines Pferdes fallen. Gerade noch so schaffte er es vor die Pforten der Stadt ehe er aus dem Sattel fiel und dumpf auf den kargen Steinboden aufschlug.

Als sich der Staub um ihn legte war es lediglich sein Pferd welches ihm die letzte Ehre erwies und ihm sein anmutendes Haupt neigte. Die Nüstern schnaubten, die Hufte scharten und klirrten auf dem steinernden Boden.
Ein Ende auf der Spitze, das hatte er immer gewollt. Scheint als habe ihm die Mara dies vergönnt.

Da lag er nun, vor den Toren, jegliches Leben aus seinem Körper gewichen, endgültig und unwiederbringlich - tot. Lediglich die fleischliche Hülle die überbleibt, auf dass ihm jene die ihn zu schätzen wussten die letzte Ehre erweisen würden.
Samija Tijen Azeezah

Beitrag von Samija Tijen Azeezah »

Die Wachen fanden ihn als Erstes. Kurz darauf wurde der Rais Efendi in die Stadt getragen, das Maristan war ihr Ziel. Auch wenn sich alle Beteiligten des Todes sicher waren, vielleicht konnte das Maristan heraus finden an was er starb. So verbreitete sich die Kunde vom Tor aus, ein paar verschleierte Blicke und entsetztes Japsen von Menekanerinnen, die mit geflochtenen Körben gerade Kakteen sammeln wollten, war zu hören.

Der Duft nach frischen Mocca durchdrang die Räumlichkeiten. Ein Summen, sie hatte es erst vor ein paar Wochen wieder gefunden nach den schrecklichen Ereignissen, schlafen konnte sie trotzdem nur mit Hilfe von Orcems Tropfen, war zu hören. Als es klopfte richtete sie ihren Schleier hoch und huschte zur Tür. Ob es Saajid war, der den Mocca roch und um ein paar Datteln im Speckmantel hoffte? Vielleicht war es Diyo, nach seiner Arbeit sah er vielleicht einmal vorbei? Oder Orcem, es war zwar Mitten am Tag, doch das Maristan konnte auch einen Moment ohne ihn sein. Nasir würde nun gewiss ihren frischen Mocca genüsslich verschlingen. Mina? Sie war bestimmt noch im Tempel und ging fleißig ihrer Arbeit nach. Oder es war Rahim und er kam hinüber um bei ihr zu sein und sich wieder in den Haaren zu liegen - nur um sich danach vertraut bei einer Tasse Mocca auszusprechen. Mit den Gedanken an ihre Familie zog sie die Tür auf und erstarrte. Zwei Wachen.

Ihre Blicke sprachen von Bedauern und Trauer. Sie kannte diese Blicke. Sie hatte sie schon zweimal gesehen. Bei ihrem Vater und ihrem Bruder. Neda, wer nun? Mit zittriger Hand hielt sie sich an der Tür fest bis der Name erklang: "Rahim." Und da zog es ihr den Boden unter den Füßen weg. Knapp entschuldigte sie sich und schloss die Haustür wieder. Kaum war sie zu, hielten ihre Füße sie nicht mehr und sie schlug mit den Knien auf dem Boden auf. Fassungslosigkeit. Rahim, ein Leben ohne ihn? Sie riss sich den Schleier vom Gesicht, hatte das Gefühl zu ersticken. Ein lauter qualvoller Schrei durchstieg die vom Mocca duftende Luft. Ihr Herz verkrampfte. Sie japste nach Luft als salzige Tränen sich ihren Weg über ihre heißen Wangen bahnten. Der Kohlestift verschmierte und färbte ihre Tränen dunkel.

Mit zittriger Schrift fand ein Pergament seinen Weg auf den Familientisch: "Rahim ist verstorben. Er liegt im Maristan." Zu mehr war sie nicht mehr in der Lage bevor sie sich im Natifahzimmer in ihre Kissen legte und Orcems Tropfen leerte.. sie wollte schlafen, schlafen um zu vergessen.
Zuletzt geändert von Samija Tijen Azeezah am Donnerstag 7. Januar 2016, 16:11, insgesamt 2-mal geändert.
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