Die letzten Mondläufe waren für ihn wie ein langer Nebel, den er kaum durchqueren konnte. Jeder Tag glich dem vorherigen und dem Nächsten auf die selbe Art und Weise. Nur sehr selten konnte er sich überhaupt aufraffen, die Nische im Axorn zu verlassen, welche er bewohnte seit Ritter Durion verurteilt wurde. Wenn er an die Oberfläche kam, zog er ziellos durch die Gegend, kaum einen der alten Gemeinschaft traf er an. Scheinbar waren alle ihrer Wege gegangen, nur er konnte dies irgendwie nicht. Wenn er von seinen Ausflügen, welche meist recht kurz waren, zurückkam stach es ihm in den Lungen, die stickige Luft im Axorn tat ihn scheinbar nicht sonderlich gut. Doch wo sollte er sonst hin, er wollte auch nicht anderen Orten sein.
Heute war nun wieder so ein Tag, an dem er sich durchringen konnte und das Axorn verließ. Er stellte überrascht fest, dass der Winter Einzug gehalten hat. So schlug er den Stoff der Gugel noch weiter um, als es sonst der Fall war. Die Kälte war nicht sein größter Freund, das stellte er in diesem Moment wieder fest. Vor allem taten ihm seine Lungen bei jedem Atemzug der kalten und sauberen Luft noch mehr weh als sonst. So beschloss er durch den Wald zu reiten um der Kälte nicht solange ausgesetzt zu sein. Die Gugelkrempe hing ihm tief im Gesicht, was seine Sicht ziemlich einschränkte. So trieb er das Pferd nur langsam und behutsam voran. Einige Meter machte er so, wobei ihm das Atmen nicht leichter viel. Ein rascheln im Gebüsch unweit von ihm, welches er wahrnahm, das Pferd bemerkte dieses ebenso, ehe es einen Laut gab. Er konnte nicht sagen, was für ein Tier diesen Lauf von sich gab, vielleicht ein Bär oder auch ein Wolf, es spielte auch keine Rolle. Das Pferd schreckt und galoppierte wild los, er hatte alle Mühen sich auf dem Pferd zu halten. Die Anstrengung wurde immer größer und das Pferd ließ sich nicht beruhigen. So kam also was kommen musste, er konnte sich nicht mehr auf dem Rücken des Tieres halten und stützte zu Boden. Es war ein harter Aufprall auf dem gefrorenen Boden, für eine Weile schien er wohl bewusstlos gewesen zu sein. Denn als er die Augen wieder aufschlug, war von seinem Pferd weder etwas zu hören noch zu sehen.
So lag er da nun im Schnee, der Brustkorb schmerzte ihm noch mehr als zuvor. Die harte Landung brachte wohl den einen oder anderen Knochenbruch mit sich. Er versuchte sich wieder auf die Beine zu kämpfen, doch kam er nicht einmal dazu sich aufrecht hinzusetzen. So sank er wieder in den Schnee zurück, liegend waren die Schmerzen noch am geringsten. So schaute er sich nun um, ob er irgendwo jemanden erblicken konnte, der ihm helfen würde. Doch niemand schien in der Nähe zu sein, niemand hörte sein Rufen. Einige Stundenläufe vergingen, ihm wurde immer kälter und er realisierte, dass sich hierhin wohl niemand mehr verirren würde, zumindest nicht rechtzeitig für ihn. Die Gedanken schweiften nun umher, soll das so sein Ende sein? Krank und geschwächt erfroren.... Das gefiel ihm gar nicht, er wollte nicht so sterben wie ein Bettler. Lieber wäre er in der Schlacht gefallen oder man hätte ihn damals mit Ritter Durion zusammen einsperren und zum Tode verurteilen sollen. Dann wäre er mit einem Lächeln abgetreten, doch hier so im Schnee zu erfrieren, war einfach nur armselig. Aber vielleicht spiegelt dies sein Leben am ehesten wieder....
Irgendwann wird er aufgehört haben vor Kälte zu zittern, ehe auch langsam die Augen zufallen und der Brustkorb aufhört sich zu heben und zu senken. Sollte jemand in den nächsten Tagen durch den Wald um Grenzwart streifen, so wird man die Leiche finden, sofern die Tiere des Waldes sich daran nicht gelabt haben.