Da hatten wir unsere Lehrstunde über die Minze abgehalten. Es begann so unscheinbar, dass ich es fast nicht als Unterricht erkannt hätte, auch wenn ich alles interessiert und neugierig in mich aufsog wie ein trockener Schwamm die Nässe. Getrocknete Minze hatte sie mir hingehalten. Nun ja, halb getrocknete, denn ich sollte sie noch einmal in der Nähe vom Kamin aufhängen, da es ihrer Meinung nach im Keller um diese Jahreszeit zu feucht und kühl war dafür, und über Minze unterhielten wir uns auch über so einige Stunden hinweg. Wo wurde sie angewendet, was für eine Wirkung hatte sie, nahm diese Pflanze alleine oder mit anderen zusammen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen, ansatzweise folgte auch noch die Überlegung, welche Pflanzen das sein könnten, die die Wirkung der Minze unterstützten. Wie wurde Minze angewandt, was war am wirkungsvollsten, und wo sollte das Kraut am besten nicht eingesetzt werden.
Als mir anfing der Kopf zu schwirren, machte ich mir Notizen und zeichnete am Ende in raschen Zügen eine Minzpflanze daneben.
Auf einem zweiten Blatt folgte noch eine Skizze eines Menschen, ein paar Stichpunkte zu den Muskeln und Sehnen, die Unterschiede, die es bei diesen gab. Ein Skizze eines Skeletts folgte ebenso, auch hier kritzelte ich Vermerke daneben. Alles wurde noch recht fahrig notiert und erst Stunden später, als es draußen schon finstere Nacht war, wir bereits das Haus zusammen mit dem Jungen verlassen und auf der Sumpinsel Einkehr gehalten hatten, setzte ich mich an den niedrigen Tisch unten und holte frische Pergamentbögen heraus, um alles fein säuberlich und ordentlich aufzuzeichnen und aufzuschreiben.
Während der Arbeit kam mir der Gedanke die beiden Aspekte voneinander getrennt aufzubewahren und in ein Buch zu fassen und zu binden, wenn ich genug Material zusammen hatte. Die Kräuter in ein Buch, die Rezepte für Salben, Tees, Umschläge in ein zweites Buch. Alles zur Anatomie und Wundversorgung fernab der Kräuterheilkunde in ein drittes Buch, und so weiter und so fort.
Also fertigte ich meine Aufzeichnungen noch sorgfältig bis zum Ende an, ging danach zu meinem vollgestopften Ranzen und schaute nach, ob ich einige Ledermappen eingepackt hatte, die ich als Buchumschlag zweckentfremden konnte. Mit zwei Ledermappen in den Händen kehrte ich zurück und machte mich daran in mühevollster Fummelarbeit die Nähte in den Ledermappen aufzutrennen und damit eine Öffnung für eine hölzerne Verstärkung zu schaffen, die noch besorgt werden wollte. Danach kürzte ich das Leder um die Hälfte an Höhe und machte mich daran die zerschnittene Seite bei beiden Teilen nacheinander zu vernähen, so dass eine neue, kleinere Mappe entstand, deren Deckel zu beiden Seiten noch verstärkt werden konnten.
Schließlich bohrte ich mit einem spitzen Gegenstand zwei Löcher ins Leder, eines mittig oben und eines mittig unten, durch das ich wieder unter reinster Friemelei ein dünnes gezwirntes Hanfband zog, von dem ich ziemlich lange Enden zu beiden Seiten herabhängen ließ. Dies wiederholte ich auch bei dem zweiten Teil und hatte somit eine Art Buchumschlag geschaffen.
Das erste Pergament zu den Heilkräutern legte ich in eines der Umschläge hinein, zog die Hanfschnur darüber und band es dann mit einer Schleife unter der unteren Kante zusammen, so dass das Blatt in der Ledermappe nicht einfach verrutschen oder herausfallen konnte, und klappte es zu. Auch die anderen Pergamente wurden auf diese Weise in der zweiten Mappe verstaut.
Müde, erschöpft, aber ungemein zufrieden mit dem eigenen Tagewerk, stapelte ich die Mappen aufeinander und ließ mich einfach zur Seite kippen, um zu schlafen, mitten in der Eingangshalle des Schwesternhauses, Frau und Sohn sicher in der oberen Etage wissend.
Beim Stern, was war ich müde.
Und wo mir der Stern in den Sinn kam, fiel mir auch der kleine, mittlerweile große, Stern wieder ein, der mir eine Nachricht dagelassen hatte. Wenn es die Zeit erlaubte, sollte ich mich wirklich mal bei ihr blicken lassen. Aber erst einmal – Beim Stern, was war ich müde.
Aller Anfang ist viel Arbeit
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Lucien de Mareaux
Es war einer der stilleren Momente im Haus, die ich dafür nutzte, ein wenig zu der Minze aufzuarbeiten, über die wir schon gesprochen hatten. Ich ließ mir Zeit damit alles noch einmal sauber aufzuschreiben, die Pflanze im frischen Zustand sorgfältig aufzuzeichnen und klebte mit etwas Leim noch ein zwischen einige Buchseiten getrocknetes Minzeblatt dazu. Die Pergamentseite legte ich danach erst einmal zum Trocknen auf Seite.
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Die Minze
Sammelzeit:
Wirkungen der Minze:
- Krampflösend (Magen-Darm; Gallenblase) / lauwarmer Tee
- Entzündungshemmend, - abbauend (Zahnfleischentzündung) / kalter Tee
- blähungstreibend (gegen Bauchschmerz/Blähungen)
- beugt Appetitlosigkeit vor
Bei chronischen Leiden anteilig mit Kamille verwenden.
Minzöl:
Das Öl ist vorwiegend in den ältesten Blättern der Minze enthalten, die am meisten Sonne genossen haben.
Äußere Anwendung bei:
- Spannungskopfschmerz
- Verspannungen
Minzöl unterbricht die Anspannung zum einen durch die Kühlung beiKopfschmerzen, wenn das Öl an den Schläfen aufgetragen wird.
Bei Verspannungen der Muskeln fördert es die Durchblutung, wirkt muskelentspannend und schmerzlindernd. Das Öl sollte an den entsprechenden Stellen leicht einmassiert werden.
Bei Erkältung, Husten, rasselndem Atem hilft es Minzöl in eine Schüssel heißen Wassers zu geben, und den Kranken inhalieren zu lassen. Ebenso kann eine Salbe mit Minzöl dazu beitragen die Atemwege frei zu halten, das Atmen zu erleichtern, auch im Schlaf.
Wie bei allen Heilkräutern, ist auch die Minze im frischen Zustand am Wirkungvollsten.
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Danach widmete ich mich den Schilderungen zum Ausbrennen einer Wunde, sowie Wundbrand, die ich von Liska erhalten hatte. Auch diese Notizen wurden sauber aufgearbeitet und neu verfasst und am Ende, als die Tinte getrocknet war, ordentlich in die dafür vorgesehene Mappe gebunden, während das Pergament zur Minze irgendwann später in die Mappe der Heilkräuter finden würde.
Ich war zufrieden mit meiner Arbeit, ebenso zufrieden mit dem Fortschritt, den ich machte. Es kam an sich jeden Tag irgendetwas dazu, die Notizen häuften sich. Mir fehlte es allein an Zeit alles zügig aber dennoch ordentlich niederzuschreiben, damit ich es auch später noch verstand, wenn ich mal darauf zugreifen wollte. Also nutzte ich jeden freien Augenblick, um voran zu kommen.
Inzwischen war es wenigstens möglich, unserem Spross zu sagen, er solle sich eine Stundenkerze oder eine halbe allein beschäftigen. Meistens stellte er dann zwar irgendeinen Unsinn an, wie sich zum Beispiel den Bauch mit Süßigkeiten vollzuschlagen und dann nicht mehr gescheit zu Mittag oder zu Abend zu essen, aber der gehässige Vater in mir hoffte dann stets inständig, er möge irgendwann solche Bauchschmerzen davontragen, dass er es sich in Zukunft anders überlegte. Wusste der Dämon, wie Kinder das machten, aber sie bekamen von zu viel Süßkram dummerweise selten Bauchschmerzen. Vielmehr gewann der geneigte Vater irgendwann den Eindruck, diese kleinen Bäuche wären dazu gemacht mit dem klebrigen süßen Zeug vollgestopft zu werden, bis es zu den Ohren wieder rauskam.
Die Gedanken brachten mich zu dem Abend zurück, als Vater und Sohn Besuch hatten vom zukünftigen Ehepaar mit Kinderwunsch. Ich musste zugeben, mich schwer amüsiert zu haben, auch wenn unser Funke ein wenig übersprühte vor frechem Elan.
Ein paar Tage drauf glänzte dann der Herr Papa mit völliger Verpeiltheit, indem er Adoran halb zusammenbrüllte, um den unübersehbaren Eingang des Hauses zu finden, wo er einen Schreiner zu finden hoffte. Na ja, ich habe ihn gefunden, nein, eigentlich sie. Die Verpeiltheit hatte mit der Suche nach dem Eingang ja nicht mal ein Ende. Es war schon ungemein peinlich, im Nachhinein betrachtet aber mindestens so amüsant, wie Earons Besorgnis einer Vaterrolle nicht gewachsen zu sein. Es bewies einmal wieder, der glücklichste Mensch auf Erden war der, der auch herzhaft über sich selbst lachen konnte. Und das tat ich – im übrigen gerade nicht zum ersten Mal wegen dieser ungemeinen Peinlichkeit.
Aber daraus ist auch was Feines erwachsen. Nun kriegen wir zur Wochenmitte Besuch auf einen netten Abend bei Tee und Essen. So lassen sich auch neue Bekanntschaften schließen und eventuell ja auch Freunde finden.
Das würde sowieso wieder ein gutes Stück Arbeit bedeuten, alte Bekanntschaften aufzufrischen, neue zu finden, und so weiter. Was… mich wiederum zu der Frage zurück brachte, wer das Säckchen mit dem Kirschkernkissen, den Farben und.. ganz abwegig und völlig fehlplatzierten Glimmstängeln eingeworfen hatte zum Kleine-Geschenke-Tag.
Seit wann rauchte ich denn?
Wobei ich zugeben musste, mich über die anderen Präsente wirklich freute – und zugleich lachend feststellte, ich musste gealtert sein, Falten bekommen haben, wenn mir schon jemand irgendwelche Tinktürchen für die Haut schenkte.
Keine Ahnung, ob ich je herausfand, wer mir das Rauchen angewöhnen wollte, aber wirklich, es amüsierte mich köstlich. Diese Pestlümmel würden vermutlich vertrocknen und damit so stark werden, dass derjenige, der sie irgendwann fand und rauchte, daran die Lunge verlor. Da fiel mir ein: Ich sollte die Dinger unbedingt vorm Sohn verstecken. Der käme garantiert auf die seltendümmste Idee die mal auszuprobieren! Entschuldigt mich also!
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Die Minze
Sammelzeit:
- Kurz vor der Blüte werden die Blätter der Minze gepflückt. Es ist zu beachten, dass der Tag sonnig und warm ist, kein Morgentau oder Regenwasser mehr an den Blättern zu finden ist. Danach werden sie auf einer sauberen trockenen Unterlage zum Trocknen ausgebreitet.
Lassen sich die Blätter knisternd zwischen den Fingern zerreiben, einlagern in dunklen Gläsern. Getrocknete Minze kann ein Jahr genutzt werden.
- Randnotiz: Achtung! Feuchte Blätter können zu viel Wasser in sich gespeichert haben, was beim Trocknen zu Schimmel führen kann.
Wirkungen der Minze:
- Krampflösend (Magen-Darm; Gallenblase) / lauwarmer Tee
- Entzündungshemmend, - abbauend (Zahnfleischentzündung) / kalter Tee
- blähungstreibend (gegen Bauchschmerz/Blähungen)
- beugt Appetitlosigkeit vor
Bei chronischen Leiden anteilig mit Kamille verwenden.
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Minzöl:
Das Öl ist vorwiegend in den ältesten Blättern der Minze enthalten, die am meisten Sonne genossen haben.
Äußere Anwendung bei:
- Spannungskopfschmerz
- Verspannungen
Minzöl unterbricht die Anspannung zum einen durch die Kühlung beiKopfschmerzen, wenn das Öl an den Schläfen aufgetragen wird.
Bei Verspannungen der Muskeln fördert es die Durchblutung, wirkt muskelentspannend und schmerzlindernd. Das Öl sollte an den entsprechenden Stellen leicht einmassiert werden.
Bei Erkältung, Husten, rasselndem Atem hilft es Minzöl in eine Schüssel heißen Wassers zu geben, und den Kranken inhalieren zu lassen. Ebenso kann eine Salbe mit Minzöl dazu beitragen die Atemwege frei zu halten, das Atmen zu erleichtern, auch im Schlaf.
- Achtung: Nicht für Säuglinge und Kleinkinder geeignet. anwenden. Wirkung für diese zu intensiv.
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Wie bei allen Heilkräutern, ist auch die Minze im frischen Zustand am Wirkungvollsten.
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Danach widmete ich mich den Schilderungen zum Ausbrennen einer Wunde, sowie Wundbrand, die ich von Liska erhalten hatte. Auch diese Notizen wurden sauber aufgearbeitet und neu verfasst und am Ende, als die Tinte getrocknet war, ordentlich in die dafür vorgesehene Mappe gebunden, während das Pergament zur Minze irgendwann später in die Mappe der Heilkräuter finden würde.
Ich war zufrieden mit meiner Arbeit, ebenso zufrieden mit dem Fortschritt, den ich machte. Es kam an sich jeden Tag irgendetwas dazu, die Notizen häuften sich. Mir fehlte es allein an Zeit alles zügig aber dennoch ordentlich niederzuschreiben, damit ich es auch später noch verstand, wenn ich mal darauf zugreifen wollte. Also nutzte ich jeden freien Augenblick, um voran zu kommen.
Inzwischen war es wenigstens möglich, unserem Spross zu sagen, er solle sich eine Stundenkerze oder eine halbe allein beschäftigen. Meistens stellte er dann zwar irgendeinen Unsinn an, wie sich zum Beispiel den Bauch mit Süßigkeiten vollzuschlagen und dann nicht mehr gescheit zu Mittag oder zu Abend zu essen, aber der gehässige Vater in mir hoffte dann stets inständig, er möge irgendwann solche Bauchschmerzen davontragen, dass er es sich in Zukunft anders überlegte. Wusste der Dämon, wie Kinder das machten, aber sie bekamen von zu viel Süßkram dummerweise selten Bauchschmerzen. Vielmehr gewann der geneigte Vater irgendwann den Eindruck, diese kleinen Bäuche wären dazu gemacht mit dem klebrigen süßen Zeug vollgestopft zu werden, bis es zu den Ohren wieder rauskam.
Die Gedanken brachten mich zu dem Abend zurück, als Vater und Sohn Besuch hatten vom zukünftigen Ehepaar mit Kinderwunsch. Ich musste zugeben, mich schwer amüsiert zu haben, auch wenn unser Funke ein wenig übersprühte vor frechem Elan.
Ein paar Tage drauf glänzte dann der Herr Papa mit völliger Verpeiltheit, indem er Adoran halb zusammenbrüllte, um den unübersehbaren Eingang des Hauses zu finden, wo er einen Schreiner zu finden hoffte. Na ja, ich habe ihn gefunden, nein, eigentlich sie. Die Verpeiltheit hatte mit der Suche nach dem Eingang ja nicht mal ein Ende. Es war schon ungemein peinlich, im Nachhinein betrachtet aber mindestens so amüsant, wie Earons Besorgnis einer Vaterrolle nicht gewachsen zu sein. Es bewies einmal wieder, der glücklichste Mensch auf Erden war der, der auch herzhaft über sich selbst lachen konnte. Und das tat ich – im übrigen gerade nicht zum ersten Mal wegen dieser ungemeinen Peinlichkeit.
Aber daraus ist auch was Feines erwachsen. Nun kriegen wir zur Wochenmitte Besuch auf einen netten Abend bei Tee und Essen. So lassen sich auch neue Bekanntschaften schließen und eventuell ja auch Freunde finden.
Das würde sowieso wieder ein gutes Stück Arbeit bedeuten, alte Bekanntschaften aufzufrischen, neue zu finden, und so weiter. Was… mich wiederum zu der Frage zurück brachte, wer das Säckchen mit dem Kirschkernkissen, den Farben und.. ganz abwegig und völlig fehlplatzierten Glimmstängeln eingeworfen hatte zum Kleine-Geschenke-Tag.
Seit wann rauchte ich denn?
Wobei ich zugeben musste, mich über die anderen Präsente wirklich freute – und zugleich lachend feststellte, ich musste gealtert sein, Falten bekommen haben, wenn mir schon jemand irgendwelche Tinktürchen für die Haut schenkte.
Keine Ahnung, ob ich je herausfand, wer mir das Rauchen angewöhnen wollte, aber wirklich, es amüsierte mich köstlich. Diese Pestlümmel würden vermutlich vertrocknen und damit so stark werden, dass derjenige, der sie irgendwann fand und rauchte, daran die Lunge verlor. Da fiel mir ein: Ich sollte die Dinger unbedingt vorm Sohn verstecken. Der käme garantiert auf die seltendümmste Idee die mal auszuprobieren! Entschuldigt mich also!
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Lucien de Mareaux
Da wäre die erste Schwangere nach etwas längerer Zeit, um die sich Majalin zu kümmern hatte. Rein aus diesem Anlass war ich dann auch losgezogen, hatte alles mir bekannte durchforstet, wo eventuell etwas Schriftliches dazu festgehalten war. Die Funde waren spärlich, aber immerhin konnte ich gleichzeitig auf die Erfahrung zurückgreifen, die ich während der Schwangerschaft meiner Frau hatte machen können – und das war einiges.
Hinzu kam die Durchforstung nach dem Wissen über diese und jene Kräuter und so machte ich mich an die Arbeit etwas Brauchbares gegen Übelkeit während der Schwangerschaft zu finden, dass weder Mutter noch Kind schadete.
Nach einer Weile des Stöberns und Studierens fand ich mögliche Gründe für die Übelkeit. Zum einen lag es an der Umstellung, den der Körper der Frau mitmachte, während er sich darauf einstellte, eine ganze Weile lang ein heranwachsendes Kind zu tragen, zum anderen aber konnte das auch Ursachen haben, wie die Angst vor dem Kommenden oder auch eine Ablehnung der Schwangerschaft.
Wie stets notierte ich mir die Fakten in mein Notizbuch mit eigenen Worten, zum einen, um es mir besser einprägen zu können, zum anderen, um es am Ende vollständig, kompakt und ordentlich als Werk zuhause zu haben, wenn ich einmal darauf zurückgreifen wollte. Es ersparte mir einfach die Wege durch die halbe Weltgeschichte, vor allem in den Momenten, wo ich die Zeit dafür nicht haben sollte. Zwar war die Angelegenheit der Hebamme Frauensache, so fand ich, aber mir war nur zu klar, dass ich auch in Situationen geraten könnte, wo eben keine Hebamme in der Nähe war.
Ich lernte auch, dass die Übelkeit in der Anfangszeit nicht als schlimm zu betrachten war. Setzte das Erbrechen aber über die 6. Woche hinaus fort und wurde schlimmer, fand nicht nur am Morgen nach dem Erwachen statt, sondern über etliche Male am Tag, dann kann es zu dem kommen, was Majalin passiert war: Gewichtsabnahme, Schlappheit, das Befinden verschlechtert sich und die Gefahr das Ungeborene zu verlieren steigt.
Nach einigen Stunden der Prüfung, des Suchens, des Wälzens und des Hervorkramen aus den Erinnerungen, begann ich dann zu notieren:
Damit würde ich noch Stunden beschäftigt sein, aber das kümmerte mich nicht. Wie stets fing ich an mir Notizen aufzuschreiben, bevor ich daran Machen wollte auszuformulieren.
Hinzu kam die Durchforstung nach dem Wissen über diese und jene Kräuter und so machte ich mich an die Arbeit etwas Brauchbares gegen Übelkeit während der Schwangerschaft zu finden, dass weder Mutter noch Kind schadete.
Nach einer Weile des Stöberns und Studierens fand ich mögliche Gründe für die Übelkeit. Zum einen lag es an der Umstellung, den der Körper der Frau mitmachte, während er sich darauf einstellte, eine ganze Weile lang ein heranwachsendes Kind zu tragen, zum anderen aber konnte das auch Ursachen haben, wie die Angst vor dem Kommenden oder auch eine Ablehnung der Schwangerschaft.
Wie stets notierte ich mir die Fakten in mein Notizbuch mit eigenen Worten, zum einen, um es mir besser einprägen zu können, zum anderen, um es am Ende vollständig, kompakt und ordentlich als Werk zuhause zu haben, wenn ich einmal darauf zurückgreifen wollte. Es ersparte mir einfach die Wege durch die halbe Weltgeschichte, vor allem in den Momenten, wo ich die Zeit dafür nicht haben sollte. Zwar war die Angelegenheit der Hebamme Frauensache, so fand ich, aber mir war nur zu klar, dass ich auch in Situationen geraten könnte, wo eben keine Hebamme in der Nähe war.
Ich lernte auch, dass die Übelkeit in der Anfangszeit nicht als schlimm zu betrachten war. Setzte das Erbrechen aber über die 6. Woche hinaus fort und wurde schlimmer, fand nicht nur am Morgen nach dem Erwachen statt, sondern über etliche Male am Tag, dann kann es zu dem kommen, was Majalin passiert war: Gewichtsabnahme, Schlappheit, das Befinden verschlechtert sich und die Gefahr das Ungeborene zu verlieren steigt.
Nach einigen Stunden der Prüfung, des Suchens, des Wälzens und des Hervorkramen aus den Erinnerungen, begann ich dann zu notieren:
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Übelkeit in der Schwangerschaft, nebst Fallstudie: Die Übelkeit nimmt in der 6. Bis 16. Schwangerschaftswoche zu.
Ist dies der Fall, Appetitlosigkeit noch nicht gegeben, kann durch die Aufnahme bestimmter Nahrungsmittel dafür gesorgt werden, dass das Wohlbefinden trotzdem einigermaßen erhalten bleibt, der Körper bekommt, was er benötigt. Hier ist eine Gewichtsabnahme unwahrscheinlich.
Gegen die auftretende Schlappheit und dem Verlust von zu viel Wasser hilft trinken: Kräutertees, Wasser, verdünnte Obst- und Gemüsesäfte. Kleine Mahlzeiten am Tag erleichtern die Nahrungsaufnahme. Gut sind hier Gerste, Mais, junge grüne Erbsen, Kartoffeln, Reis, Tomaten und Weizenkeime. Nach jeder Mahlzeit sollte ein Kräutertee, ungesüßt, getrunken werden.
– Randnotiz: Die Zusammensetzung des Kräutertees folgt weiter unten.
Ferner sollte die Schwangere auch auf Nahrungsmittel wie Hafer, Bierhefe, Trockenobst, Kartoffeln und grünes Blattgemüse zurückgreifen.
Brechreiz kann durch diverse Heilpflanzen gelindert warden. Darüber hinaus stärken diese auch den Magen und den Darm.
– Randnotiz: Heilkräuter warden weiter unten aufgeführt.
Die Öle diverser Heilpflanzen können ebenso dem Brechreiz entgegen wirken, sowohl über die Haut, Schleimhäute oder auch die Nase.
Warme Wickel helfen darüber hinaus den Brechreiz unter Kontrolle zu bekommen.
Heilpflanzen, die helfen können
Ingwer: Öle und Scharfstoffe wirken direkt.
Kamillenblüten: Entzündungshemmende Wirkung bei Erbrechen.
Pfefferminzblätter: Krampflösend und lindernd für den Brechreiz.
Melissenblätter: beruhigend
Bitterorangenblüten (Neroli): stimmungsaufhellende Öle, erfrischen Körper und Geist; Zitrone ist hier ebenso geeignet
Bewährte Anwendungen
Folgende Getränke sind empfehlenswert:
Noch im Bett sollte eine Tasse heiße Milch getrunken werden. Mag die Schwangere keine Milch, sind auch Kräutertees möglich. Ingwerwurzel ist hier für den Tee oder auch als Öl zu bevorzugen.
Zu beachten: Öle aus Salbei, Myrrhe, Ysop oder Majoran sollten während der ganzen Schwangerschaft gemieden werden – Randnotiz: Salbei Majalin sagen.
In den ersten vie rMonden sollte ebenso Abstand von Pfefferminz-, Fenchel-, Rosen-, Rosmarin- und Weihrauchöl abstand genommen werden. Tees aus Fenchel und Pfefferminz sind allerdings möglich.
Anwendung von Neroli
Einige Tropfen in ein Riechfläschchen geben (für unterwegs, um daran zu riechen).
Wahlweise kann das Öl ins Wasser gegeben werden und über eine Duftlampe im Raum verbreitet werden.
Tees
Grob gepulverte Ingwerwurzel (1 Teelöffel) mit Wasser (1 Tasse) übergießen. Maximal eine Sechstel Stundenkerze ziehen lassen, dann abseien. – Eine Tasse täglich.
(Randnotiz: Leicht kandierter Ingwer hilft ebenso, behält man ihn möglichst lange im Mund)
Eine Teemischung aus Kamillenblüten, Melissenblätter, Pfefferminzblätter und Ingwerwurzel wirkt krampflösend, beruhigend und stärkt den Magen. Die Mischung wird mit heißem Wasser übergossen und eine viertel Stundenkerze ziehen gelassen. – Täglich bis zu 5 Tassen.
Wickel
Ein Leinentuch in heißes Wasser tauchen, auswringen und dann auf das untere Ende des Brustkorbs, rechts bis zur Mitte, legen. Mit einem trockenen Baumwolltuch abdecken und zudecken, sowie warm halten. Dauer: Eine drittel Stundenkerze. Beste Anwendungszeit ist der späte Abend.
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Damit würde ich noch Stunden beschäftigt sein, aber das kümmerte mich nicht. Wie stets fing ich an mir Notizen aufzuschreiben, bevor ich daran Machen wollte auszuformulieren.
Zuletzt geändert von Lucien de Mareaux am Samstag 26. Dezember 2015, 19:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Lucien de Mareaux
Ich war nur kurz eingenickt und alles war wieder da. Restlos. Genauso schnell war ich auch wieder aus dem Schlaf hochgeschreckt und hatte den Entschluss gefasst, das Schlafen überbewertet wurde und ich mir die Nacht in meiner heimeligen Zelle so um die Ohren schlagen würde. Keine Ahnung, wie lange ich geschlafen hatte. Gefühlt vielleicht eine zehntel Stundenkerze.
Also suchte ich in meiner Beuteltasche nach einem Pergament und einen Kohletisch hervor. Das Pergament hatte inzwischen etwas gelitten. Mit meiner selbstdiktierten Therapie in Form von Pergament und Kohlestift setzte ich mich an den Tisch und fing aus dem Gedächtnis an aufzulisten, was für welche Krankheiten, wann erforderlich war zu tun. Rezeptlisten, und so weiter.
Heinrik war inzwischen abgelöst worden, der Kamerad vor der Zelle war mir unbekannt, und gerade war mir auch überhaupt nicht nach plaudern zumute. Mir fing die Enge in dieser Zelle an auf den Sack zu gehen. Nein, das war nicht ganz richtig. Eigentlich war es hier recht gemütlich für eine Kerkerzelle. Sie war einigermaßen geräumig, sauber, annehmbar. Nicht weiter schlimm.
Zu schaffen machten mir die Erinnerungen ans Loch in der Heimat. Die sorgten auch dafür, dass die Wände scheinbar näher rückten, sobald ich die Augen wieder schloss, was sie natürlich nicht wirklich taten. Was dagegen half war Beschäftigung und Licht. Licht brannte hier zum Glück ständig.
Die Erinnerung wurde verdrängt von denen des Vortags und ich hätte wetten können, der Kamerad vor der Zelle hielt mich garantiert für Irre. Denn ich fing ungehemmt an zu kichern, was schließlich in ein Lachen überging, bis mir die Tränen liefen. Die besorgte Frage, ob mir was fehlte, verneinte ich mit einem Kopfschütteln, denn Worte brachte ich nicht heraus.
Was mich zum Lachen brachte, war einfach die Tatsache, warum ich hier saß.
„Ja, ich könnte mir schönere Abende vorstellen, als einer Piratin.. ach.. lassen wir das.“ Ich glaube, so oder so ähnlich lautete der Satz, den ich begann und nicht gewillt war zu beenden. Bis jetzt noch nicht. Das Ende, wenn eine Hinrichtung bevorstand, war doch auch logisch, nicht wahr? Aber nun, es gab geistig begabte Menschen und solche, die jede Silbe vorgekaut haben mussten. Ohne, dass ich es wollte, kamen mir ziemlich kindische Bilder in den Sinn, die ich direkt auf eine Ecke des Pergaments zeichnete, begleitet von einem breiten Grinsen im Gesicht.
Drei oder vier Mal lehnte ich in aller Höflichkeit ab den Satz vor den anwesenden Damen zu beenden, es wäre schlicht pietätlos gewesen. Seither warf der eine, sowie der andere auch schon mal vor, ich würde die beiden Damen, die schon für Tod und Verderben gesorgt hatten, diskriminieren und sie davon frei sprechen für sich selbst zu entscheiden, wie sie damit umgehen wollten.
Witzigerweise hatten beide Damen keine Einwände erhoben als ich den Satz nicht beenden wollte. Nur die unstillbare kindliche Neugier des kleine Mannes, den es unendlich wurmen musste, dass sein Gegenüber ihm einen rhetorischen Schnickser verpasst hatte und dem Aufstampfen mit dem Fuß nicht folgte (ganz so wie es ein Vater bei einem Kind eben auch nicht täte), fühlte sich in seinem Jungenstolz verletzt. Erst recht wohl, weil ich ging ohne Erlaubnis.
Da war es wieder, ich spürte einen erneuten Lachanfall aufsteigen – und wie verdammt gut das tat! Ich wusste nicht mal, worüber ich mehr lachen sollte. Über ihn, die Tatsache, dass ich tatsächlich für so einen Unfug inhaftiert wurde, oder über mich. Der einzige, der mir bei der ganzen Sache wirklich, also wirklich, wirklich, leid tat, war Glenkell, der über diese Ausgeburt an Blödsinn auch noch einen Bericht schreiben musste. Und das wegen einem Hirnfurz, den ein kleiner Mann nicht allein und ohne Hilfestellung bis zum Ende denken konnte. Ich sollte mal in Erfahrung bringen, wann er seinen Ehrentag hatte. Mir fiel auf Anhieb das passende Geschenk für ihn ein.
Ebenso amüsant war die Tatsache, dass ich nun nur noch Dienst unter strenger Aufsicht verrichten sollte. Ja, dann… sollte sich das Regiment mal ein Klotz ans Bein binden. Das Ganze war nicht in der Dienstzeit vorgefallen. Schien ihnen irgendwie entgangen zu sein, aber gut, wenn sie denn meinten, dann widersprach ich doch nicht! Mir macht es das Leben nicht schwer. Eher anderen. So nahm meine Erheiterung ob des Ganzen schlicht kein Ende.
Das einzige, was mich wirklich störte am Ganzen, waren die verdammten Erinnerungen an eine Zeit, die ich glaubte längst hinter mich gelassen zu haben. Wie viele Jahre war das her? Mehr als zehn Jahre bestimmt. Ich fragte mich, was aus James und Virginie geworden war. Gleichzeitig kam die Frage auf, ob Erzeugerin und Halbschwester noch lebten, oder ob sie inzwischen von irgendwem endlich um die Ecke gebracht worden waren.
Wie ein Schlag ins Gesicht war alles wieder da. Restlos. Jede kleine dreckige, schäbige und überaus unerwünschte Erinnerung. Ich drehte das Pergament um, und zeichnete weiter, versuchte ein Bild meines Vaters zu Pergament zu bringen, mehr schlecht als recht. Es war einfach zu lange her, und zu viele Details in Vergessenheit geraten. So ging es mir auch bei dem Gesicht meiner Mutter oder Schwester, James und Virginie.
Irgendwann gab ich es auf und sah aus dem monströs großen Fenster. Es wurde langsam heller, sehr zu meiner Erleichterung. Bei Tag würde ich sicher besser schlafen können in diesem Zimmerchen.
Ganz im Stillen stellte ich fest, dass ich nach wie vor keinen einzigen Gedanken über meinen Ruf hier oder dort verschwendet hatte. Genauso wie ich für mich klar hatte, dass mir seine Meinung über meinen Ruf nicht wichtig genug war, um damit Zeit zu vergeuden. Weder kannte er mich, noch hatte er ein Talent für richtige Interpretationen.
Am Lustigsten bei all den Vermutungen, Urteilen oder Einschätzungen, die er abgeliefert hatte, war der Fanatismus, der mich leiten musste. Ich, ein Fanatiker der Lichtbringerin. Sollte ich mir merken und meiner Frau später erzählen.
Mein Kieselchen. Sie war auch eine Wucht gewesen, als sie am Abend noch zu Besuch kam, und ein weiterer Grund für meine stete Erheiterung hier in der Zelle. Sie hatte getobt und geschimpft und soviel in diesen Zeilen gesagt, was gut tat. Und ich wusste zugleich, dass sie nicht ernstlich wütend mit mir war, beruhigt, als ich sagte, es ginge mir gut, und zufrieden, als sie ging.
Meine Wache zu der Zeit hatte ihre helle Freude an der Standpauke gehabt. Er konnte ja nicht wissen, dass sie ganz anders war, wenn sie wirklich wütend war. Der Stab war da für sie keine Option. Ihre Möglichkeiten waren ganz andere. Und wenn.. sie wütend war, war ich auch keineswegs gewillt in der Nähe zu sein. Das hätte mich wirklich zur Flucht angetrieben, anstatt brav da hocken zu bleiben, wo ich war. Ich fürchte allerdings, meine Wache hätte das auch nicht erleben wollen, aber das konnte ich ihm natürlich nicht sagen. Nicht nur weil ich es nicht wollte, ich konnte ja schließlich auch wirklich nicht.
Ich stellte noch etwas fest für mich: Götter, ich konnte Streber noch nie leiden. Schätze, das wird sich im Leben nicht mehr ändern. Zu diesen gesellten sich Möchtegern-Semantiker und die, die Blasphemie zur Schau trugen, als wäre es hübscher Tand. Ach nein, ich musste mich korrigieren. An und für sich gesellten sie sich nicht dazu. Sie sorgten nur dafür, dass ich am hellen und wachen Verstand selbiger zweifelte.
Oh, und natürlich würden sie mich vermutlich zu dem größten Streber des gesamten Stalls schicken für meinen gut überwachten Dienst. Das hielt mich garantiert körperlich richtig frisch und gesund, bei dem was ich alles würde laufen dürfen. Wieder huschte ein Schmunzeln über meine Züge. In einem hatte mein Kamerad recht: Ich war kein Soldat, ich würde es vermutlich nie sein. Aber sonst hielt ich mich eigentlich für sehr tauglich und vorzeigbar. Es sträubte sich einfach alles in mir diesen ultimativen Ehrgeiz an den Tag zu legen, den unser Jungspund zum Beispiel mit brachte. Aber ich freute mich stetig darüber, solchen Ehrgeiz hier und da zu sehen und zu finden, wenn er sich in einem sympathischen Bild zeigte – und nicht in einem Streberkostümchen. Natürlich war die Betrachtung, was ich für Streberkostümchen hielt oder für sympathisch, eine ganz subjektive Angelegenheit. Von Objektivität konnte da keine Rede sein. Wer das behauptete, log, dass sich die Balken bogen. Ich würde das niemals behaupten.
Ich war auch davon überzeugt, dass meine „Liebe“ für diesen und jenen, in gleicher Form irgendwie erwidert wurde. Trotzdem hatte Ernst in einem Recht: Wenn es Not tat, würde ich auch dem letzten Arschloch helfen, wenn er zur Truppe gehörte. Freunde, Familie und Kameraden ließ Mann eben nicht im Stich. Ich mochte ja sonst gerne ein Querulant sein, aber in dem Fall gab es kein wenn und kein aber. Nicht, dass sie es schon hätten feststellen können, aber so eine Situation hatte sich bislang auch noch nicht ergeben. Fraglos aber würde sie kommen.
Natürlich könnte ich ins Feld führen, dass ich nicht mal Ratte genug war zu gehen, um mich einer anderen Wache anzuschließen, die eine Führung besaß, die ich kannte und die ebenso wusste, was sie an mir hatte. Aber was würde das wohl nützen?
Gar nichts. Es brächte allenfalls schiefe Blicke und war den Atem nicht wert, der danach noch genutzt werden müsste für weitere Erklärungen.
Die Sonne glitt still über den Vorplatz hinweg und schlich sich auf das gegenüberliegende Hausdach des Regimentsgebäudes. Ich blinzelte träge und völlig übernächtigt. Der arme Kerl draußen würde auch bald wieder abgelöst werden. Ich stand auf, steckte meine Kritzeleien wieder ein, ebenso den Stift und streckte mich einmal ausgiebig, dankte dem Kamerad für seine stille Gesellschaft und legte mich wieder hin.
Ich war eben doch nicht mehr der Jüngste. Der Schlaf kam, überrannte mich regelrecht, die Träume waren indes kaum besser als beim ersten Versuch vor Stunden. Der Schrecken allerdings war gewichen in dem Wissen, dass es draußen Tag war und das Licht hier hereindrang. Außerdem hatte ich Begleitung in meinen Träumen, wie so oft. Ein Bengel, der inzwischen etwa neun Sommer zählte. Das war wirklich ein Trost.
Also suchte ich in meiner Beuteltasche nach einem Pergament und einen Kohletisch hervor. Das Pergament hatte inzwischen etwas gelitten. Mit meiner selbstdiktierten Therapie in Form von Pergament und Kohlestift setzte ich mich an den Tisch und fing aus dem Gedächtnis an aufzulisten, was für welche Krankheiten, wann erforderlich war zu tun. Rezeptlisten, und so weiter.
Heinrik war inzwischen abgelöst worden, der Kamerad vor der Zelle war mir unbekannt, und gerade war mir auch überhaupt nicht nach plaudern zumute. Mir fing die Enge in dieser Zelle an auf den Sack zu gehen. Nein, das war nicht ganz richtig. Eigentlich war es hier recht gemütlich für eine Kerkerzelle. Sie war einigermaßen geräumig, sauber, annehmbar. Nicht weiter schlimm.
Zu schaffen machten mir die Erinnerungen ans Loch in der Heimat. Die sorgten auch dafür, dass die Wände scheinbar näher rückten, sobald ich die Augen wieder schloss, was sie natürlich nicht wirklich taten. Was dagegen half war Beschäftigung und Licht. Licht brannte hier zum Glück ständig.
Die Erinnerung wurde verdrängt von denen des Vortags und ich hätte wetten können, der Kamerad vor der Zelle hielt mich garantiert für Irre. Denn ich fing ungehemmt an zu kichern, was schließlich in ein Lachen überging, bis mir die Tränen liefen. Die besorgte Frage, ob mir was fehlte, verneinte ich mit einem Kopfschütteln, denn Worte brachte ich nicht heraus.
Was mich zum Lachen brachte, war einfach die Tatsache, warum ich hier saß.
„Ja, ich könnte mir schönere Abende vorstellen, als einer Piratin.. ach.. lassen wir das.“ Ich glaube, so oder so ähnlich lautete der Satz, den ich begann und nicht gewillt war zu beenden. Bis jetzt noch nicht. Das Ende, wenn eine Hinrichtung bevorstand, war doch auch logisch, nicht wahr? Aber nun, es gab geistig begabte Menschen und solche, die jede Silbe vorgekaut haben mussten. Ohne, dass ich es wollte, kamen mir ziemlich kindische Bilder in den Sinn, die ich direkt auf eine Ecke des Pergaments zeichnete, begleitet von einem breiten Grinsen im Gesicht.
Drei oder vier Mal lehnte ich in aller Höflichkeit ab den Satz vor den anwesenden Damen zu beenden, es wäre schlicht pietätlos gewesen. Seither warf der eine, sowie der andere auch schon mal vor, ich würde die beiden Damen, die schon für Tod und Verderben gesorgt hatten, diskriminieren und sie davon frei sprechen für sich selbst zu entscheiden, wie sie damit umgehen wollten.
Witzigerweise hatten beide Damen keine Einwände erhoben als ich den Satz nicht beenden wollte. Nur die unstillbare kindliche Neugier des kleine Mannes, den es unendlich wurmen musste, dass sein Gegenüber ihm einen rhetorischen Schnickser verpasst hatte und dem Aufstampfen mit dem Fuß nicht folgte (ganz so wie es ein Vater bei einem Kind eben auch nicht täte), fühlte sich in seinem Jungenstolz verletzt. Erst recht wohl, weil ich ging ohne Erlaubnis.
Da war es wieder, ich spürte einen erneuten Lachanfall aufsteigen – und wie verdammt gut das tat! Ich wusste nicht mal, worüber ich mehr lachen sollte. Über ihn, die Tatsache, dass ich tatsächlich für so einen Unfug inhaftiert wurde, oder über mich. Der einzige, der mir bei der ganzen Sache wirklich, also wirklich, wirklich, leid tat, war Glenkell, der über diese Ausgeburt an Blödsinn auch noch einen Bericht schreiben musste. Und das wegen einem Hirnfurz, den ein kleiner Mann nicht allein und ohne Hilfestellung bis zum Ende denken konnte. Ich sollte mal in Erfahrung bringen, wann er seinen Ehrentag hatte. Mir fiel auf Anhieb das passende Geschenk für ihn ein.
Ebenso amüsant war die Tatsache, dass ich nun nur noch Dienst unter strenger Aufsicht verrichten sollte. Ja, dann… sollte sich das Regiment mal ein Klotz ans Bein binden. Das Ganze war nicht in der Dienstzeit vorgefallen. Schien ihnen irgendwie entgangen zu sein, aber gut, wenn sie denn meinten, dann widersprach ich doch nicht! Mir macht es das Leben nicht schwer. Eher anderen. So nahm meine Erheiterung ob des Ganzen schlicht kein Ende.
Das einzige, was mich wirklich störte am Ganzen, waren die verdammten Erinnerungen an eine Zeit, die ich glaubte längst hinter mich gelassen zu haben. Wie viele Jahre war das her? Mehr als zehn Jahre bestimmt. Ich fragte mich, was aus James und Virginie geworden war. Gleichzeitig kam die Frage auf, ob Erzeugerin und Halbschwester noch lebten, oder ob sie inzwischen von irgendwem endlich um die Ecke gebracht worden waren.
Wie ein Schlag ins Gesicht war alles wieder da. Restlos. Jede kleine dreckige, schäbige und überaus unerwünschte Erinnerung. Ich drehte das Pergament um, und zeichnete weiter, versuchte ein Bild meines Vaters zu Pergament zu bringen, mehr schlecht als recht. Es war einfach zu lange her, und zu viele Details in Vergessenheit geraten. So ging es mir auch bei dem Gesicht meiner Mutter oder Schwester, James und Virginie.
Irgendwann gab ich es auf und sah aus dem monströs großen Fenster. Es wurde langsam heller, sehr zu meiner Erleichterung. Bei Tag würde ich sicher besser schlafen können in diesem Zimmerchen.
Ganz im Stillen stellte ich fest, dass ich nach wie vor keinen einzigen Gedanken über meinen Ruf hier oder dort verschwendet hatte. Genauso wie ich für mich klar hatte, dass mir seine Meinung über meinen Ruf nicht wichtig genug war, um damit Zeit zu vergeuden. Weder kannte er mich, noch hatte er ein Talent für richtige Interpretationen.
Am Lustigsten bei all den Vermutungen, Urteilen oder Einschätzungen, die er abgeliefert hatte, war der Fanatismus, der mich leiten musste. Ich, ein Fanatiker der Lichtbringerin. Sollte ich mir merken und meiner Frau später erzählen.
Mein Kieselchen. Sie war auch eine Wucht gewesen, als sie am Abend noch zu Besuch kam, und ein weiterer Grund für meine stete Erheiterung hier in der Zelle. Sie hatte getobt und geschimpft und soviel in diesen Zeilen gesagt, was gut tat. Und ich wusste zugleich, dass sie nicht ernstlich wütend mit mir war, beruhigt, als ich sagte, es ginge mir gut, und zufrieden, als sie ging.
Meine Wache zu der Zeit hatte ihre helle Freude an der Standpauke gehabt. Er konnte ja nicht wissen, dass sie ganz anders war, wenn sie wirklich wütend war. Der Stab war da für sie keine Option. Ihre Möglichkeiten waren ganz andere. Und wenn.. sie wütend war, war ich auch keineswegs gewillt in der Nähe zu sein. Das hätte mich wirklich zur Flucht angetrieben, anstatt brav da hocken zu bleiben, wo ich war. Ich fürchte allerdings, meine Wache hätte das auch nicht erleben wollen, aber das konnte ich ihm natürlich nicht sagen. Nicht nur weil ich es nicht wollte, ich konnte ja schließlich auch wirklich nicht.
Ich stellte noch etwas fest für mich: Götter, ich konnte Streber noch nie leiden. Schätze, das wird sich im Leben nicht mehr ändern. Zu diesen gesellten sich Möchtegern-Semantiker und die, die Blasphemie zur Schau trugen, als wäre es hübscher Tand. Ach nein, ich musste mich korrigieren. An und für sich gesellten sie sich nicht dazu. Sie sorgten nur dafür, dass ich am hellen und wachen Verstand selbiger zweifelte.
Oh, und natürlich würden sie mich vermutlich zu dem größten Streber des gesamten Stalls schicken für meinen gut überwachten Dienst. Das hielt mich garantiert körperlich richtig frisch und gesund, bei dem was ich alles würde laufen dürfen. Wieder huschte ein Schmunzeln über meine Züge. In einem hatte mein Kamerad recht: Ich war kein Soldat, ich würde es vermutlich nie sein. Aber sonst hielt ich mich eigentlich für sehr tauglich und vorzeigbar. Es sträubte sich einfach alles in mir diesen ultimativen Ehrgeiz an den Tag zu legen, den unser Jungspund zum Beispiel mit brachte. Aber ich freute mich stetig darüber, solchen Ehrgeiz hier und da zu sehen und zu finden, wenn er sich in einem sympathischen Bild zeigte – und nicht in einem Streberkostümchen. Natürlich war die Betrachtung, was ich für Streberkostümchen hielt oder für sympathisch, eine ganz subjektive Angelegenheit. Von Objektivität konnte da keine Rede sein. Wer das behauptete, log, dass sich die Balken bogen. Ich würde das niemals behaupten.
Ich war auch davon überzeugt, dass meine „Liebe“ für diesen und jenen, in gleicher Form irgendwie erwidert wurde. Trotzdem hatte Ernst in einem Recht: Wenn es Not tat, würde ich auch dem letzten Arschloch helfen, wenn er zur Truppe gehörte. Freunde, Familie und Kameraden ließ Mann eben nicht im Stich. Ich mochte ja sonst gerne ein Querulant sein, aber in dem Fall gab es kein wenn und kein aber. Nicht, dass sie es schon hätten feststellen können, aber so eine Situation hatte sich bislang auch noch nicht ergeben. Fraglos aber würde sie kommen.
Natürlich könnte ich ins Feld führen, dass ich nicht mal Ratte genug war zu gehen, um mich einer anderen Wache anzuschließen, die eine Führung besaß, die ich kannte und die ebenso wusste, was sie an mir hatte. Aber was würde das wohl nützen?
Gar nichts. Es brächte allenfalls schiefe Blicke und war den Atem nicht wert, der danach noch genutzt werden müsste für weitere Erklärungen.
Die Sonne glitt still über den Vorplatz hinweg und schlich sich auf das gegenüberliegende Hausdach des Regimentsgebäudes. Ich blinzelte träge und völlig übernächtigt. Der arme Kerl draußen würde auch bald wieder abgelöst werden. Ich stand auf, steckte meine Kritzeleien wieder ein, ebenso den Stift und streckte mich einmal ausgiebig, dankte dem Kamerad für seine stille Gesellschaft und legte mich wieder hin.
Ich war eben doch nicht mehr der Jüngste. Der Schlaf kam, überrannte mich regelrecht, die Träume waren indes kaum besser als beim ersten Versuch vor Stunden. Der Schrecken allerdings war gewichen in dem Wissen, dass es draußen Tag war und das Licht hier hereindrang. Außerdem hatte ich Begleitung in meinen Träumen, wie so oft. Ein Bengel, der inzwischen etwa neun Sommer zählte. Das war wirklich ein Trost.
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Lucien de Mareaux
Das persönliche Empfinden ist meist ein anderes, als die Gesellschaft einem widerspiegelte. Genauso oft verhielt es sich so, wenn einer aus der Gesellschaft seine Meinung über jemand anderen bildete, die Mehrheit aber wiederum anderer Meinung war und das auch wiedergab.
So beobachtete ich nun wieder einmal über längere Zeit das Ticken der besagten Gesellschaft und auch wo sich die Geister schieden. Es gab vielerlei Ecken und Kanten, wo die Wege sich sehr voneinander unterschieden. Am meisten erheiterte mich aber wohl der Versuch mancher Menschen der totalen Lossagung von dem zu leistenden Gehorsam gegenüber der Schwertherrin, die ihr gegenüber als Schutzpatronin des alumenischen Reiches sehr wohl eine Verpflichtung gegenüber eingegangen waren oder in Ihrem Namen berufen wurden, ob nun von Geburt an oder aber durch den König.
Ich fragte mich, was dieser wohl darüber denken mochte, und ob ihm das so bewusst war, was seine Untertanen so trieben, wenn er nicht hin sah. Gleichzeitig keimte in mir die Frage auf, ob er sich eigentlich auch einen kleinen Geheimrat oder auch Augen und Ohren hielt, wie es Konrad gehalten hatte. Vermutlich, denn welcher Herrscher kam schon ohne aus? Alles konnte einer alleine nicht sehen. Und nein, ich würde wohl nie wieder zu irgendwelchen Augen und Ohren gehören, es sei denn ich wurde in die Nähe dessen befohlen und konnte dem ohne Mühe nachkommen.
Dass ich mir mal die Frage nach Loyalitäten stellte, die ich zu leisten im Stande und zu leisten gewillt war, verblüffte und verunsicherte mich selbst zutiefst. Eindeutig waren die Zeiten des Ganoven Geschichte, der keinen Fliegenschiss auf Loyalitäten gab, außer der eigenen Familie gegenüber. Irgendwo auf meinem Weg hatte mich die Lichtbringerin quasi überholt, oder zumindest einmal eingeholt und hielt sich nun gleichauf mit dem Sternenvater. Wann das genau geschehen war, wusste ich nicht einmal zu sagen. Das kam ganz von alleine irgendwann, irgendwie. Und es fühlte sich gut an, also konnte es meinethalben so bleiben.
Es war auch nicht so, dass die übrigen Götter mir deshalb gleichgültig wurden. Tatsächlich fand ich ja, dass sie alle ihre Aspekte hatten, die sich lohnten näher betrachtet zu werden – aber es gab Dinge die sagte man besser nicht laut.
Ich hatte inzwischen auch gelernt auf mein Bauchgefühl zu hören und ließ mich da nicht weiter beirren, tatsächlich von niemandem. Eine Tatsache, die mir ebenso gut tat, wie sie mir manchmal sicher auch Scherereien einbrachte – aber die waren stets einkalkuliert und absehbar. Wildleder heranschaffen gehörte zum Beispiel zu dieser einkalkulierten Schererei. Es war gut so. Auch das fühlte sich richtig an.
Was mir indes allerdings Sorge bereitete, und das eben nicht nur mir, waren diese Schattenviecher. Es schien keinerlei wirklich gangbare Lösung zu geben, nichts wollte sich vorwärts bewegen. Nun hatte der Elfenrat zugestimmt zu einem Ritual, von dem ich auch nicht wusste, wohin uns das führen würde. Meine Befürchtung war ja, dass es dadurch noch mehr Probleme geben würde, und ins Gegenteil führte zu dem, wo wir hin wollten. Aber letztlich blieb nur die Option es auszuprobieren, denn alles andere, was bis dahin eingefallen war, wurde schon versucht.
Auch wenn die jungen Schwestern und Brüder von Sumpf und Wald bislang verschont geblieben waren, so schloss ich nicht aus, dass da noch eine ganze Menge Arbeit auf uns zukommen würde. Ich ging auch davon aus, dass sich die Angriffe bald auf alle Liedkundigen ausweitete und sich nicht nur auf die Magier beschränkte.
Und ganz nebenbei ging ich derzeit voll in meiner Arbeit auf. Mir gefiel es allerlei Zeug anzusetzen, das am Ende sogar gerne gekauft wurde. Waren es nun Düfte, Salben, Tränke, was auch immer sich da gerade anbot, es kam mir alles recht. Gleichzeitig war ich mit der Ausarbeitung meines Unterrichts beschäftigt, wobei mir einfiel, dass ich noch mit Theaghan sprechen wollte, ob sie nicht auch etwas dazu beitragen wollte, und erklären mochte, wie es in dem Fall bei den Kaluren so zu ging. Ich war gespannt darauf.
So beobachtete ich nun wieder einmal über längere Zeit das Ticken der besagten Gesellschaft und auch wo sich die Geister schieden. Es gab vielerlei Ecken und Kanten, wo die Wege sich sehr voneinander unterschieden. Am meisten erheiterte mich aber wohl der Versuch mancher Menschen der totalen Lossagung von dem zu leistenden Gehorsam gegenüber der Schwertherrin, die ihr gegenüber als Schutzpatronin des alumenischen Reiches sehr wohl eine Verpflichtung gegenüber eingegangen waren oder in Ihrem Namen berufen wurden, ob nun von Geburt an oder aber durch den König.
Ich fragte mich, was dieser wohl darüber denken mochte, und ob ihm das so bewusst war, was seine Untertanen so trieben, wenn er nicht hin sah. Gleichzeitig keimte in mir die Frage auf, ob er sich eigentlich auch einen kleinen Geheimrat oder auch Augen und Ohren hielt, wie es Konrad gehalten hatte. Vermutlich, denn welcher Herrscher kam schon ohne aus? Alles konnte einer alleine nicht sehen. Und nein, ich würde wohl nie wieder zu irgendwelchen Augen und Ohren gehören, es sei denn ich wurde in die Nähe dessen befohlen und konnte dem ohne Mühe nachkommen.
Dass ich mir mal die Frage nach Loyalitäten stellte, die ich zu leisten im Stande und zu leisten gewillt war, verblüffte und verunsicherte mich selbst zutiefst. Eindeutig waren die Zeiten des Ganoven Geschichte, der keinen Fliegenschiss auf Loyalitäten gab, außer der eigenen Familie gegenüber. Irgendwo auf meinem Weg hatte mich die Lichtbringerin quasi überholt, oder zumindest einmal eingeholt und hielt sich nun gleichauf mit dem Sternenvater. Wann das genau geschehen war, wusste ich nicht einmal zu sagen. Das kam ganz von alleine irgendwann, irgendwie. Und es fühlte sich gut an, also konnte es meinethalben so bleiben.
Es war auch nicht so, dass die übrigen Götter mir deshalb gleichgültig wurden. Tatsächlich fand ich ja, dass sie alle ihre Aspekte hatten, die sich lohnten näher betrachtet zu werden – aber es gab Dinge die sagte man besser nicht laut.
Ich hatte inzwischen auch gelernt auf mein Bauchgefühl zu hören und ließ mich da nicht weiter beirren, tatsächlich von niemandem. Eine Tatsache, die mir ebenso gut tat, wie sie mir manchmal sicher auch Scherereien einbrachte – aber die waren stets einkalkuliert und absehbar. Wildleder heranschaffen gehörte zum Beispiel zu dieser einkalkulierten Schererei. Es war gut so. Auch das fühlte sich richtig an.
Was mir indes allerdings Sorge bereitete, und das eben nicht nur mir, waren diese Schattenviecher. Es schien keinerlei wirklich gangbare Lösung zu geben, nichts wollte sich vorwärts bewegen. Nun hatte der Elfenrat zugestimmt zu einem Ritual, von dem ich auch nicht wusste, wohin uns das führen würde. Meine Befürchtung war ja, dass es dadurch noch mehr Probleme geben würde, und ins Gegenteil führte zu dem, wo wir hin wollten. Aber letztlich blieb nur die Option es auszuprobieren, denn alles andere, was bis dahin eingefallen war, wurde schon versucht.
Auch wenn die jungen Schwestern und Brüder von Sumpf und Wald bislang verschont geblieben waren, so schloss ich nicht aus, dass da noch eine ganze Menge Arbeit auf uns zukommen würde. Ich ging auch davon aus, dass sich die Angriffe bald auf alle Liedkundigen ausweitete und sich nicht nur auf die Magier beschränkte.
Und ganz nebenbei ging ich derzeit voll in meiner Arbeit auf. Mir gefiel es allerlei Zeug anzusetzen, das am Ende sogar gerne gekauft wurde. Waren es nun Düfte, Salben, Tränke, was auch immer sich da gerade anbot, es kam mir alles recht. Gleichzeitig war ich mit der Ausarbeitung meines Unterrichts beschäftigt, wobei mir einfiel, dass ich noch mit Theaghan sprechen wollte, ob sie nicht auch etwas dazu beitragen wollte, und erklären mochte, wie es in dem Fall bei den Kaluren so zu ging. Ich war gespannt darauf.