Die Zeit des Lernens..

Gast

Beitrag von Gast »

"Und daran gewöhn dich besser auch direkt. Das danach."

'Fürn Arsch.' Das war das letzte was ihr bei der Erinnerung an Shalaryls Worte noch kurz durch den Kopf ging, die den Abschluss des Improvisationstheaterstückes "Denn sie wissen nicht was sie tun" gebildet hatten, das wenige Minuten zuvor von den drei Akteuren "Die, die nicht weiß wie, aber muss", "Die, die weiß wie, aber nicht kann" und "Der, der nicht weiß wie ihm geschieht" aufgeführt worden war. 'Fürn Arsch.' ... der letzte Gedanke, als sie ins Bett gefallen und dann direkt eingeschlafen war.

Keine zwei Stunden später zuckte ein Finger, dann die Hand, dann die Mundwinkel, aber nicht zur Freude. Die Rüstung zwickte, der Rücken fühlte sich irgendwie steif an ... ein müdes herumtasten und vorsichtige Bewegungen identifizierten den Schild als Ursache, der noch immer auf dem Rücken festgeschnallt war. Ein zwei lahme Handgriffe, eine metallisches Scheppern, das im Raum widerhallte, als der Schild gelöst wurde und zu Boden fiel. Der Gedanke, dass das andere wecken könnte blieb aus, der schlief noch tief und fest, während sie sich irgendwie aus dem Bett quälte. Sie hatte noch etwas zu erledigen.

Erholt war anders, aber zum erholen war auch keine Zeit. Sie griff sich einen Beutel von der Kommode und schlurfte los. Draußen sog sie die kalte Nachtluft einige Male tief ein, das sorgte zumindest für einen kurzzeitigen Schock, der hoffentlich lang genug anhielt, dass sie nicht gleich wieder einschlief. In eine dicke Decke gewickelt ging sie durch das Atrium des Klosters und hinaus in den kleinen Vorraum mit den Gedenktafeln und dem aufgebahrten Toten. Die noch etwas steifen Finger wurde gelockert, solange bis sie das Gefühl hatte die Hände seien ruhig genug, um zu tun, was noch getan werden musste. Der Akoluth hielt noch immer Totenwache, während sie die Wunden des Aufgebahrten sorgsam vernähte und anschließend wieder abdeckte. Sie ging ebenso leise wieder wie sie gekommen war, um die Totenwache nicht länger als nötig zu stören.

Zurück im Atrium, ein Abstecher in die Küche, die sie wenig später mit der Nase über einem großen Becher Tee mit guten Anteil Schnaps, wieder verließ, hinten hinaus in den Garten und dort zu gestapeltem Holz und Werkzeug. Auf dem Holz- und Bretterhaufen ließ sie sich nieder, wickelte die Decke noch enger, wärmte die Hände einige Momente am heißen Becher Tee, ehe sie die Pläne hervorholte und draufstarrte. Es gab noch einiges zu tun. Die Ordensburg, die nicht weit entfernt war, war eingenommen worden, es mussten weitere Sicherungsmaßnahmen getroffen werden, noch mehr Improvisation war gefragt. Ob man darin irgendwann einmal Meister werden konnte? Das war vermutlich abhängig vom Erfolg durchgeführter improvisierter Maßnahmen. Ein paar weitere Tropfen auf heißen Stein, aber irgendwas musste man ja tun.

'Keine Zeit zum schlafen.' Noch ein weiterer letzter Gedanke, ehe sie der Müdigkeit zum Opfer fiel und in die dicke Decke gehüllt auf dem Bretterhaufen im Klostergarten einschlief.
Gast

Beitrag von Gast »

Es war einfach nicht ihr Tag.

So oder so ähnlich konnte man es wohl zusammen fassen.
Eigentlich war der erste Ausflug ganz gut gelaufen, sie hatte den Akoluthen in die Wüste begleitet und beide waren unbeschadet zurück gekehrt.
Ganz ohne in den Feind zu laufen, oder verloren zu gehen.
Aber da hörte das Glück für den heutigen Abend auch schon auf.
Als sie zurück kamen zogen gerade die lichten Streiter wieder aufs Schlachtfeld.

Für einen kurzen Augenblick hatte sie gezögert, als der Akoluth sich herum wendete und sich noch rasch den Streitern anschloss. Dann aber hatte sie das derzeit unbewachte Tor gesehen und sich dem Kloster zugewandt.

Bald waren die Tore mit den Verbliebenen bemannt, doch heute wurde es keine ruhige Wacht.
Zu ihrem Schrecken näherte sich tatsächlich eine Truppe des Feindes dem Lager.
Nachdem ein Pfeil den Weg durch den Stoff des Umhanges fand, zog sie sich nach drinnen zurück. Jemand wurde los geschickt die Eigenen darüber zu informieren.

Als die Ersten zurück kehrten überkamen sie recht unverhofft starke Kopfschmerzen.
Vielleicht lag es am wenigen Schlaf der vorigen Nächte, sie musste sich zurück ziehen. Raus aus dem Trubel in das ruhige kleine Zimmer.
Dort angekommen fiel sie auch alsbald in einen tiefen, erholsamen Schlaf.
Ein lautes Scheppern von Metall riss sie unsanft aus den Träumen.
So aufgeschreckt, warf sie sich rasch ihre Kleidung über und verließ das schützende Zimmer.
Noch den Schlaf aus den Augen reibend wandelte sie durch das nur spärlich beleuchtete Kloster.
Völlig verträumt wollte sie dann auch in den kleinen Raum zur Kirche durchschreiten.
Dabei kollidierte sie fast mit dem dort wachenden Akoluthen, gerade so konnte sie noch einen Zusammenprall verhindern. Dann fiel ihr Blick auf den aufgebahrten Leichnam.
Nur die vor den Mund geschlagenen Hände verhinderten einen lauteren Schreckensschrei.
Sie murmelte noch eine Entschuldigung und verließ dann Rasch die Kirche, dank Cassians Hinweiß über den Platz hinweg zum Garten.
Sie war immer noch etwas blass um die Nase als sie die Schlafende entdeckte.
Der Plan wurde vorsichtig entwendet, dann machte sie sich daran die Improvisation umzusetzen.
Der Umhang wurde gelöst und zum Schutz über der Ruhenden ausgebreitet.
Kurz darauf konnte man im Klostergarten regelmäßiges Hämmern und gedämpftes, aber stetiges Fluchen hören.
Die Nacht war wohl vorbei....
Gast

Beitrag von Gast »

Seit Tagen immer wieder dieses Gefühl, dass einem die Zeit zwischen den Fingern zerrann, regelrecht davonlief. Zu wenig Zeit für ... irgendwie alles. Wie viele Tage waren vergangen, seit dem ersten Angriff, die Tage davor, die sie in hektischen Vorbereitungen verbracht hatten gar nicht mitgezählt. Von Stillstand keine Spur. Die Tage waren zu kurz, und die Nächte ebenso. Sie umrundete einige Male das Atrium im Kloster, in dessen Mitte der Baum des Lichts stand ... ein starker Stamm, eine gewaltige Krone, ein volles Blätterdach ... als würden die Ereignisse um ihn herum ihm nichts anhaben können. Beneideswert.

Lange hatten sie gestern miteinander gesprochen, Ideen gehabt, Ideen verworfen, und sich letztendlich auf einen Plan einigen können, einen Versuch, den Wald vor Varuna wieder in Ordnung zu bringen. Hatten sie alles bedacht? Würde es gelingen? Wie viele waren bereit mitzumachen, zu unterstützen. Über das was alles schief gehen konnte, wollte sie sich gar nicht erst den Kopf zerbrechen. Nur war das dem Kopf aber egal, die Gedanken ließen sich nicht vertreiben. Sie kreisten und kreisten und zermürbten den Verstand. Ein Blick in den Himmel, ein Blinzeln, war es wirklich schon so spät? Gerade war es doch noch dunkel gewesen? Das war doch zum Becka melken!

Sie rollte einmal mit den Schultern, schüttelte Arme und Hände aus und dann ging sie die Stufen hinab, betrat den Bereich, den sie sonst immer noch doch eher mied. Der Boden hier zeigte keine Spur des nahenden Winters, das Gras grün, unverwüstlich scheinbar, ebenso wie der Baum selbst. Eine Weile starrte sie den Stamm an, lenkte den Blick hinauf zur Krone und wieder hinab. Dann ließ sie sich davor nieder. Ein Versuch war es wert, ein Versuch ein wenig zur Ruhe zu kommen. Noch einmal durchzuatmen, bevor der Abend ganz hereinbrach. Und so schloss sie die Augen, vertrieb nach und nach störende Gedanken, suchte den Ruhepol in sich selbst und meditierte.

~ ~ ~

Als sie später das Kloster verließ ging sie recht zielstrebig zum Klosterwachhaus und zapfte ein kalurisches Bier in den Reisekrug, den sie vor ein paar Tagen erhalten hatte. Baznuk war nicht sicher, ob er es rechtzeitig schaffen würde, aber sollte er es schaffen, würde sie das wichtigste für ihn dabei haben. Sollte er es nicht schaffen, so war sie sich sicher, dass er andererorts für den Segen des Bergvaters sorgen würde.
Gast

Beitrag von Gast »

Mit angezogenen Schultern stapfte sie durch den Schnee, begleitet von einer laut schnatternden Tierhorde.

Weiß!
Weiß?!?
Aber warum denn jetzt Weiß!

Die Antwort waren die Jahreszeiten.
Ob man nun zu alt und zu langsam wurde, wenn einen Jahreszeiten überholten?
Eine Jahreszeit ist schneller als ich.
Hrm.

Wieder wurde an Beckas Strick gezogen, das die Kuh auch ständig stehen bleiben musste!
Sie hatte nicht einmal Zeit zum Grün werden, also erst recht keine Zeit um Stehen zu bleiben!
Zurück zur Bibliothek sollte es gehen, irgendwann, wenn sie denn mal an kamen.

Ein tiefes Brummen entfuhr ihr, dann schlängelte sie sich vorsichtig durch den kleinen Waldpfad, immer darauf achtend Niemanden zu verlieren.
Als die treue Kuh das nächste Mal stehen blieb, beschloss sie einfach leicht von hinten zu schieben.

Die Fersen in den Schnee gestemmt, bemühte sie sich mit dem Rücken sie dazu zu bewegen, den nächsten Schritt zu wagen.


„Ich weiß, dass es rutschig ist, aber glaub mir du willst noch viel weniger vom Alka geschlachtet werden.“

Ein Zähneknirschen.

„Also rühr dich endlich, Becka!“

Endlich setzte sich das Vieh wieder in Bewegung, dabei verlor sie das Gleichgewicht und landete Rücklings im weichen Schnee.

„Mhmpf“

Die ersten Sonnenstrahlen ließen den Schnee in einem ganz anderen Licht erstrahlen, als sich eine gänzlich weiße Gestalt zurück auf den Weg ins Kloster machte.
Über und über mit Schnee bedeckt, schritt sie zielstrebig in Richtung eigenes Zimmer.
Sollte ihr in dieser frühen Morgenstunde tatsächlich Jemand begegnen, wurde dem missgelaunt entgegen gebrummt.


„Weiß hab ich viel schneller gelernt als Grün“ ...


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Gast

Beitrag von Gast »

Feuer und Rauch an den Palisaden, Trubel überall. Eiligst wurde Wasser herangetragen, einige Elementare aus Wasser erschaffen. Überall Rufe. Nachfragen, die an sie gerichtet wurden. Und inmitten all dessen ein Rauschen in ihrem Kopf, wie von Flügeln, zusammen mit einigen Worten. Sie rieb sich den Nacken. An das Gefühl hatte sie sich noch nicht gewöhnen können, ebenso wenig an diese neue Stimme. Nicht, dass sie nicht Stimmen gewohnt war, die in ihren Gedanken herumschwirrten. Aber diese war anders, sie war ... einfach anders.

Ein tiefes Durchatmen, der Versuch sich etwas zurückziehen, nachdem mehr Rauch als Feuer zu sehen war und die Palisaden unter Kontrolle schienen. Ein lauter Ruf über die Sichtung von Rauch aus Richtung Südtor, der im ersten Moment weitgehend ungehört blieb. Sie machte sich auf den Weg dorthin, einige wenige starrten dort bereits angestrengt in die Ferne, nichts zu entdecken. Nichts, außer diesem Adler, der sich einen Moment lang fern am Himmel in Form einer Wolke abzuzeichnen schien und sich dann vom Himmel löste. Sie blinzelte. Neuerlicher Rückzugsversuch, nachdem sie festgestellt hatte, dass das offenbar niemandem sonst aufgefallen war.

  • Ich will mit dir sprechen.
„Ich versuche es ja“, brubbelte sie leise vor sich hin, als von der Seite schon wieder Worte an sie herangetragen wurden. Die schnelle Bitte sie doch für einen Moment zu entschuldigen, das Überhören weiterer Worte, sie suchte ihr Heil in der Flucht und fand sich dann mit einem tiefen Atemzug vor dem Baum des Lichts wieder. „Ich glaube jetzt sind wir ungestört...“
Nur wenige Augenblicke löste sich eine unbekannte männliche Gestalt aus dem Schatten im Kreuzgang.

Alles was dann geschah war irgendwie unwirklich, schwer greifbar. Es war nicht einfach den Drang zu unterdrücken diese fremde Person aus dem Kloster zu 'werfen', stattdessen folgte sie ihr, den Kreuzgang entlang, Stufen hinab, skeptisch, wachsam, bis in eine große Krypta.

"Du hast keinen Grund mir zu vertrauen, du hast einen scharfen Geist. Ich erwarte auch kein Vertrauen, verstehen wirst du erst später. Ich bin hier, um dir einige Fragen zu stellen."

Sie vertraute auch nicht, behielt ihn zweifelnd im Auge, verschränkte die Arme locker vor sich und sah ihn fragend an. Und Fragen hatte er gestellt ... zu Stärken, Schwächen, Hoffnungen. Als hätte sie sich bisher je darüber Gedanken gemacht. Hatte sie nicht. Das wurde ihr bewusst. Und warum antwortete sie ihm überhaupt etwas. Er bewegte sich nicht, keine Regung in den Zügen, Nachfragen, dann doch mal ein Lächeln, flüchtig nur, die nächste Frage, Wortspielereien die ihr nachgesagt wurden, ruhiges Dementieren. Merkwürdiges Spiel. Und dann war es vorbei, er trat auf sie zu, reichte ihr ein Geschenk. Offenbar hatte sie irgendeine Prüfung … bestanden?

Sie betrachtete die kleine Fibel in Form eines aufgeschlagenen Buches, strich mit den Fingern sacht darüber, ein Lächeln brach sich Bahn, ein Danke in seine Richtung, ehe seine weisende Geste in die Mitte des Raumes sie wieder einige Schritte gehen ließ. Einige Worte klangen noch in ihr nach, Worte über die sich sich später Gedanken machen, die sie später zu verstehen und ergründen versuchen würde … über Schatten, Zweifel, Zuversicht, Humor. Und auch über die Fragen, die ihr gestellt worden waren. Als sie sich umdrehte fand sie sich allein, die Gestalt war verschwunden, gerade als sie ansetzen wollte noch etwas zu fragen. Oh ja, eindeutig Humor.

  • Es wird Zeit...
Fast versonnen betrachtete sie nochmal die kleine Fibel, dann war sie im Begriff den Ort zu verlassen. Weit kam sie nicht, eigentlich hatte sie sich noch nicht einmal von der Stelle gerührt, als sie von einem leichten Prickeln erfüllt würde, ähnlich dem Gefühl, wenn sie versuchte die einst geschenkte Kraft zu rufen, zu nutzen. Ein kurzer Anflug von Panik. Sie hatte doch gar nichts gemacht! Der etwas hektische Versuch das Gefühl unter Kontrolle zu bringen, einzuschränken, zurückzudrängen, das sich ihrer da bemächtigte. Ein erschrockenes Keuchen, als es misslang, sie davon regelrecht überspült wurde und wie eine nicht zu kontrollierende Macht ihr Innerstes erfüllte; erfüllte mit Stärke, Zuversicht und einem erfrischenden Gefühl; dann war es vorbei. Mehrmaliges Durchatmen. Die Haltung straffend widerstand sie dem dringenden Bedürfnis sich abzuklopfen, zu prüfen, ob noch alles dran war. Ihr blick fiel auf das kleine Bündel, dass sich neben ihr auf dem steinernen Boden ruhte. Behutsam nahm sie es auf, lauschte dem Rauschen von Flügeln, das sich gen Decke erhob und entschwand. Dann folgte Stille.

Humor, ja, eindeutig. "Ich hoffe Schwingenstein ist in der Zwischenzeit nicht abgebrannt."
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