Das unbedeutende Tagebuch eines RasharHo

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Gast

Das unbedeutende Tagebuch eines RasharHo

Beitrag von Gast »

  • Wir schreiben den 24. Cirmasium im Jahr 258. Es ist die Geburtsstunde für die Rashar. Sicherlich existieren wir schon länger, als es den Bewohnern Gerimors bekannt ist, aber bislang haben sie von uns nichts gehört oder gesehen. Sie wissen nichts von uns, wir nichts über sie. Die Zukunft verspricht spannend zu werden.

    Mein Name ist TroshKaMer. Seit meiner Geburt habe ich mir schon etliche Male meine Hörner abgestoßen. Dies ist buchstäblich und wörtlich zu nehmen, und ich kann versichern, es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis sie nachwachsen. Irgendwie fürchte ich, dass mir das sicherlich noch einige Male passieren wird.
    Für einen RasharHo zähle ich noch jung an Jahren. Ich habe also noch viel vor mir. Vieles, das nicht leicht fallen wird. Dazu gehören auch die gesellschaftlichen Gepflogenheiten. Als RasharHo lernt ein jeder schnell, dass er weniger wert ist als jede Rasharii, wobei sich der Wert eines jeden mitunter sicherlich auch daran bemisst, was er zu leisten bereit ist. Manchmal stellt genau diese Tatsache für mich eine rechte Herausforderung dar.
    Als junger Schlüpfling träumte ich immer davon irgendwann den Weg des BrakNa einzuschlagen. Letzten Endes zeigte ich aber schon früh eine andere Begabung, aus der sich für mich der Weg eines RashKi aufzeigte: Der Umgang und die Pflege von Pflanze und Tier. Schlüpflingsträume bleiben bisweilen eben Schlüpflingsträume. Anfangs beobachtete ich die, die den erträumten Weg einschlagen konnten und durften voller Neid. Inzwischen aber bin ich sehr zufrieden mit dem, was meine Hände zu schaffen vermögen und ich weiß, dass ich zwar im Stamm auf der niedrigsten Stufe stehe, aber dennoch gebraucht werde.
    Es ist auch nicht so, dass mich irgendjemand schlecht behandelt. Ganz im Gegenteil. Ich habe nichts zu beklagen. Selbst die schwere Arbeit macht mir nichts aus, ich habe mich an sie gewöhnt. Die Schellacs sind meine ganze Freude. Sie sind von Grund auf ehrliche, behäbige Viecher mit einem klaren Charakter. Sie sind riesig und gutmütig, zumindest solange niemand versucht darauf zu reiten. Das mögen sie nicht. Zum einen lässt es ihre Milch zu wenig schmackhafter Biestmilch werden, wenn nicht gar versiegen, zum anderen waren sie eben keine Reittiere an und für sich, so imposant es auch aussieht, wenn sich jemand darauf halten kann. Wenn…
    Die Unvernunft es zu versuchen packt den einen oder anderen Wagemutigen schon einmal, als gälte es dem Stamm und sich selbst etwas zu beweisen. Ich habe nun die ganz klare Anweisung erhalten solche hornverbrannten Rashar genau davon abzuhalten.

    Die neue Heimat ist noch sehr fremd. Die Reaktionen auf uns der Einheimischen sind so vielfältig wie sie selbst. Das reicht von Angst und Schrecken bis hin zur fast schon penetranten Neugier. Bei manchen bekomm ich den überwältigen Drang sie auf die Hörner zu nehmen und ihr Entsetzen ein bisschen zu schüren, halte mich aber zurück. Die Rasharii sind sehr deutlich in ihren Wünschen und wir sollen alle zusehen, dass es friedlich zugeht, damit irgendwann ordentlich Handel betrieben werden kann.
    Es sind viele Rasharii mit hergekommen. Mehr als RasharHo. Und wenn sie anfangen hitzig zu diskutieren, was gut ist und was nicht, halte ich lieber meinen Mund. Es ist selten gut sich da einzumischen. Der Sündenbock ist dann nämlich meistens ganz schnell der RasharHo, ohne dass er wirklich viel dazu beigetragen hätte. Ist mir schon öfter mal passiert. Sie meinen es nicht böse, das passiert dann einfach so. Da lernt ein RasharHo schnell, wann es besser ist, sich nicht einzumischen und vielleicht sogar lieber das Weite zu suchen.
    Ansonsten juckt es schon mal zwischen den Hörnern, sind ein paar Hübsche dabei. Aber laut würde ich das niemals sagen. Was hätten sie auch schon für ein Interesse an einem einfachen RashKi. Und die AlakKunBra! Die war gestern sogar auf dem Hof! Da ist mir das Herz fast in die Hose und gleich unten wieder raus gerutscht! Aber das sag ich lieber noch weniger laut. Ich glaube, dann krieg ich richtig eins auf die Hörner.
    Am besten gefällt mir aber eine ganz bestimmte. Schreibe den Namen auch nicht auf, das ist mir zu gefährlich. Wenn Ori das hier findet, biegt sie mir auch so schon bestimmt die Hörner gerade. Ich sollte mich sowieso lieber auf die Arbeit konzentrieren. Ich werde also später weiter schreiben, vorm Schlafen gehen am besten. Erstmal muss ich wieder aufs Feld.

    Möge Ahamanis Glut nie verlöschen.
Gast

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Eine zweite Lederhaut mit allerlei Rashar-Runen versehen wird zwischen die zwei flachen Obsidianplatten an diesem Tage dazu gelegt. Das Ganze wird danach wieder unter die Felle am Kopfende der eigenen Schlafstatt geschoben, um sie vor allzu neugierigen Hörnern zu verbergen.
  • 2. Eintrag – 29. Cirmiasum 258

    Nur wenige Tage sind vergangen, aber der Alltag schleicht sich langsam ein. Es wird ruhiger. Nur die Letharen sind jeden Tag da. Ich glaube, bald wohnen sie in RaKun. Scheint ihnen hier gut zu gefallen. Mich stört ihre Anwesenheit nicht, habe ich doch sowieso nur wenig mit ihnen zu tun. Sie unterhalten sich lieber mit den Rasho, BrakNa, ShoRa und so weiter. Ich, als RashKi, bin zu uninteressant. Das bekümmert mich allerdings wenig. Ich habe meine Arbeit und die Tiere. Und als Gesellschaft habe ich MarOriShar und die Gäste, die so kommen und gehen. Damit bin zufrieden.

    Ich habe es sogar geschafft, dass Ori zu mir gesagt hat, ich dürfte meine Meinung ruhig zu allem sagen, dann wird es vielleicht auch geändert, weil ich mitdenke. Das macht mich stolz. Allerdings glaube ich, habe ich diesen guten Eindruck direkt wieder ruiniert, als ich die Kuh mitgebracht habe. Nun ist sie geschlachtet und das Fleisch und die Innereien werden uns eben anderweitig dienlich sein. Ori hatte sie nicht behalten wollen. Und ich hatte noch versprochen mich gut zu kümmern und zu sorgen. Ich lerne also daraus: Versprich nichts, was du nicht mit Sicherheit halten kannst (also am besten gar nichts, denn das mit dem Einhalten der Versprechen ist als Niedrigster unter den Niedrigen ehrlich nicht immer so einfach, wie vielleicht gedacht). Allerdings grämt es mich nicht allzu sehr. Diese Kühe sind wie Schellacs, nur viel, viel kleiner und weniger ergiebig. Nutzvieh. Sie sterben damit wir satt werden. So ist eben der Lauf der Dinge. Danach war es auch wieder gut soweit, glaube ich. Ich hoffe es jedenfalls mal sehr.

    Ich habe nun auch mal Samen in solche ulkigen Tontöpfe getan, natürlich mit Erde und etwas Asche. Mal sehen, was es wird. Wenn es hübsch sein sollte, weiß ich jetzt schon, wer sich darüber freut. Ich hoffe, es wächst sehr schnell. Ich bin deshalb schon ganz aufgeregt!

    Trotz aller Beschäftigung, Arbeit und Erschöpfung am Ende des Tags, es juckt noch immer zwischen den Hörnern.

    31. Cirmiasum 259

    Ich muss mich wohl ein bisschen korrigieren. Es gibt doch eine unter den Kindern, die sich interessiert. Sie behauptet von sich genauso unbedeutend zu sein. Ich kann das nicht ganz verstehen, immerhin ist sie eine BrakNa.
    Inzwischen weiß ich also, dass es bei ihnen umgekehrt ist, dass die Männer dort mehr zu sagen haben. Ich weiß auch, dass es da „Magier“ gibt. Allerdings erschließt sich mir nicht, was das heißt. Es soll sowas ähnliches wie eine KunBra sein, aber das kann es nicht, weil sie ihr Können nicht von Alatar erhalten, sondern aus irgendeinem Lied. Ist mir alles viel zu kompliziert und abstrakt, also habe ich am Ende nur genickt und es so hingenommen. Sollen sich die damit beschäftigen, die etwas davon verstehen. Die Lethra emfpand ich als umgänglich und freundlich (und ein bisschen verfressen, aber wenn es ihr schmeckt, bin ich sehr zufrieden).

    Ich habe bei meinem letzten Ausflug nach Bajard noch ein oder zwei Kochbücher mitgebracht, und noch etwas anderes: Wiesenblumen. Dafür habe ich einen Schlag gegen die Hörner bekommen, auch wenn ich nicht verstanden habe, wieso. Denn eigentlich hat sie sich sehr gefreut über die Blumen. Dafür gibt es auch einen Beweis: Die hat sie nämlich in die Nachbildung vom RaKun gesteckt und bewässert sie darin. Sehr pfiffig.
    Und ich kann voller Stolz sagen, dass sie mich gefragt hat, ob ich bleibe oder ob ich auch in eine der Gemeinschaftshäuser zöge. Da RashoAkun mich zum Kochen da haben will, werde ich zum Kochen regelmäßig rüber, sobald die Küche steht. Ansonsten bleibe ich am Hof. Darüber war sie sehr erleichtert und hat sich auch gefreut. Was sie sonst gesagt hab, getrau ich mich aber nicht hinzuschreiben. Nachher findet das hier doch noch jemand, und dann? Ni, ni, lieber ni.

    Ansonsten ist der Tag angefüllt von Arbeit, ein bisschen schöpferische Kreativität beim Backen und Kochen und die Tage gehen dahin. Es gefällt mir wirklich gut hier und ich hoffe, das wird sich noch sehr sehr lange so halten.

    Möge Ahamanis Glut nie verlöschen.
Gast

Beitrag von Gast »

Einmal mehr findet eine weitere Lederhaut zu den vorangegangene und wird dort sorgsam versteckt, wo die anderen schon ihren Platz fanden. Auch diese ist beschriftet, mit einer für die Rashar üblichen Runenschrift, die der Keilschrift recht ähnlich scheint.
  • 3. Eintrag – 10. Ashatar 258
    Ich habe es endlich geschafft und kann mit Fug und Recht behaupten, dass mir im Kochen keiner mehr etwas vormachen kann, außer Ori. Und ich habe mich klammheimlich im Keltern versucht und warte nun gespannt auf das Ergebnis.

    In den vergangenen Tagen ist ein bisschen was passiert. Neben einem weiteren Zwergen, haben wir eine Elfe kennengelernt. Während der Zwerg uns durchaus freundlich und interessiert begegnete, auch wenn wir zunächst dank der etwas hirnlosen menschlichen Wachen der Kaluren mit anderem rechneten, war die Elfe ein ganz eigener Fall. Erst schien sie aufgeschlossen und freundlich, dann begann sie ungemein nervig zu werden, und ganz so schlau wie sie von sich glaubt, ist sie auch nicht. Fünf Mal die gleiche Frage, fünf Mal die gleiche Antwort. Am Ende hatte ich keine Lust mehr mich mit ihr zu befassen. Sie nahm uns nicht ernst, sie hielt sich für etwas Besseres und uns offenbar für so dämlich, dass selbst ich nach einer Weile innerlich zu kochen anfing. Das dauert für gewöhnlich etwas länger, aber die hat es redlich geschafft. Ich bin trotzdem stolz auf mich. Ich habe es mir nämlich nicht anmerken lassen.
    Womit sie sich für mich völlig disqualifizierte, war die Drohung. Traurigerweise konnte ich vorhersagen, dass die Drohung ausgesprochen würde und einen Satz später war es dann auch schon soweit gewesen. Jemand der Drohungen nötig hatte, dem fehlte es an Argumenten seinen Standpunkt zu vertreten. Solche Geschöpfe waren in meinen Augen ein trauriger Abglanz dessen was sie sein könnten. Bedauernswert, bemitleidenswert und zugleich verachtenswert. Ich stelle für mich in diesem Moment fest: Diese Elfe mag ich nicht.
    Denn nicht wir sind auf Krieg aus. Sie machte sehr deutlich, dass sie es selbst war, die diesen Weg bevorzugte und von dem Weg des Handelns nichts verstand. Der Zwerg hingegen hatte es sofort begriffen.
    Ich kann also getrost sagen: Der Zwerg war die bessere Elfe. Dumme, dumme Elfe. Im Stillen für mich prophezeie ich schon jetzt, dass wegen ihr noch Kriege ausbrechen werden. Vielleicht mit uns, aber sie wird bestimmt Kriege beginnen, wo Worte mehr richten können. Davon bin ich überzeugt. Aber wer bin ich schon, dass ich solcherlei am Ende zu entscheiden habe, geschweige denn nach einer Meinung gefragt werde.

    Es hat mich schon genug verwirrt, dass ich gefragt wurde, wie ich mit dem verstorbenen Rasho vorgehen würde, wann ich die Bestattung als sinnvoll ansehe und so weiter. Bislang bin ich allerdings noch nicht geholt worden, um ihn zum Tempel rüber zu tragen und frage mich, was daraus geworden war. Aber vielleicht hat das auch wer anders übernommen.

    Ich habe mich auch sehr amüsiert über die Neugier von RashoAkun und KaChaRii, als ich etwas besorgen wollte, das auch Schellacs fressen. Sie rätseln noch heute, was das wohl sein könnte. Würden sie Ori fragen, hätten sie eine minimale Chance es zu erfahren. Aber da sie nicht wissen für wen ich etwas besorgt habe, und was es genau war, kommen sie sicher auch nicht auf die Idee sie zu fragen. Besser so! Sie würde mir bestimmt die Hörner stutzen, wenn sie sie fragen, und denken, ich hätte etwas verraten! Habe ich aber nicht. Aber gefreut hat sie sich über die Blumen. Und ich habe sie genau rechtzeitig mitgebracht, wie ich finde. So als Dank für den Kochtopf, für alles andere und so fort.
    Sie hat nachgefragt, weshalb ich das getan habe. Die ganze Wahrheit habe ich nicht fertig gebracht zu sagen, gelogen habe ich aber immerhin auch nicht.

    Und als sie zu Bett ging, haben sich unsere Hörner kurz berührt! Ich wäre fast gestorben! Bestimmt!

    Möge Ahamanis Glut nie verlöschen.
Gast

Beitrag von Gast »

  • 4. Eintrag – 17. Ashatar 258

    Wir werden weniger. Einige gingen zurück, andere stürzten sich aus mir unbegreiflichen Gründen in den Tod. Jeder, der ging, egal auf welche Weise, ist ein Verlust, und etwas, womit ich mich nicht befassen will. Wir sind erst so wenige Wochen hier. Ich will nach wie vor voranschauen und für die das tun was ich kann, die da sind. Die Toten und die Gegangenen haben davon so oder so nichts mehr. Also verdränge ich Wut, Trauer und Enttäuschung und widme mich lieber dem, was mir gefällt: Dem Hof, den Dagebliebenen, dem Unbekannten, den neuen Bekanntschaften und dem geheimen Etwas, das auch Schellacs fressen.

    Inzwischen reift in mir ein sehr kühner Plan. Ich habe ja nun ein paar von den jeweiligen Völkern kennengelernt. Auf die Idee hat mich an sich Ori gebracht. Vielleicht sollte ich auch unbedingt drauf achten sie mitzunehmen.
    Ich habe ihr von dem Verkauf in Bajard erzählt, von dem, was dort passiert ist, von der Rettung der kleinen Menschenfrau. Rri, gut, ich habe angegeben wie ein Sack Weizenmehl, aber das muss keiner wissen. Ich wollte sie halt unbedingt beeindrucken. Ist mir sogar gelungen! Na gut, jedenfalls habe ich ihr davon erzählt und ihr das Schiffchen gezeigt, das ich zum Dank bekommen habe. Jetzt möchte sie mit mir die großen Schiffe im Hafen ansehen. Ich finde, das ist ein bedeutender Anfang.

    Ich glaube allerdings ich bin ein bisschen zu auffällig. Sie fragt mich ständig, ob ich irgendeine Absicht verfolge. Hab mir eine Antwort verkniffen. So wie sie das ja auch tut, wenn ich sie frage, was denn wäre, wenn’s so wäre.

    Jedenfalls hat Ori gesagt, sie sei neugierig auf die Gerichte und Getränke der fremden Völker. Wie lernt ein Rashar die also am besten kennen? Er sucht die fremden Völker auf und probiert. Und genau dieser Plan reifte und brannte bereits unter den Fußsohlen und im Magen. Es ist vielleicht auch klug ein bisschen Schutz mitzunehmen. Mal sehen, wer sich dafür so findet und wann Ori das mal machen mag. Jedenfalls hat sie mich sehr mit ihrer Neugier angesteckt.
    Und es gilt auch noch ein kleines Fest zu planen, für unsere Ankunft, jetzt da wir uns alle inzwischen ein wenig mehr eingefunden und eingerichtet haben. Irgendetwas, das alle wieder zusammen brachte für ein paar Stunden. Manche habe ich schon ewig nicht mehr gesehen, und finde das äußerst schade. Und das obwohl der RaKun gar nicht so groß ist.

    Ich muss so oder so noch mit Ori sprechen. Da gibt es eine Rasharii, die interessiert sich sehr für den RashKirro und das Tagewerk der RashKi. Ich habe ihr erklärt, wie sie Käse herstellt, vom Melken der Kuh an bis zum Käse hin. Und sie sagte, sie wolle gerne noch mehr lernen.
    Ori sollte davon erfahren und vor allem ist es ja wichtig, dass sie die Ordnung hier kennenlernt und all das, wenn sie wirklich ihren Platz auf dem Hof finden will. Wieder viel Arbeit, aber ich freue mich trotzdem darüber, auch wenn wir dann etwas enger zusammenrücken müssen. Bis das Zusammenspiel dann klappt, dauert es wieder ein bisschen, aber ich bin da zuversichtlich, dass wir das hinbekommen. Hat ja auch so gut geklappt, warum sollte es dann jetzt anders sein? Sechs Hände schaffen mehr als vier. Das ist eine naturgegebene Sache.

    Die freie Zeit verbringe ich oft mit KaChaRii. Wir haben ja auch das Thema schlechthin: Rasharii und ihre Eigenarten. Während er seine Probleme hat mit unserer RakBro und ihren Eigenarten, amüsiere mich sehr, aber über alle beide. Ich muss unbedingt das nächste Mal die gerösteten Feuerbeeren mitnehmen, wenn ich den zweien zuschaue bei ihren Balzereien. Vermutlich artet es dann wieder in Schmollerei, Wutausbrüchen, noch mehr Schmollerei und einem kräftigen Aufstampfen mit dem Fuß aus.
    Es ist halt ein Kreuz, wenn sie verlangt, wir RasharHo sollen wir selbst sein. Sind wir es, ist das nicht gut, sind wir es nicht, ist es nicht gut. Alles ist nicht richtig, alles falsch und überhaupt nichts so wie es sein soll. Witzig ist für mich: Das Problem habe ich mit meiner Herzens-Rasharii nicht. Aber darüber rede ich ja gar nicht erst. Mit keinem. Ist besser so. Sonst ziehen sie mich auch noch auf, so wie ich sie. Ni, so dumm bin ich nun auch wieder nicht. Wäre ich ja schön blöde, wenn ich mir mein Grab selbst schaufele. Ni ni, so dumm bin ich nicht.
    Ich träum lieber ganz klammheimlich vor mich hin und hoffe. Das ist besser.

    Möge Ahamanis Glut nie verlöschen.
Gast

Beitrag von Gast »

  • 5. Eintrag – 18. Ashatar 258
    Ich glaube, ich muss sterben! Mir ist das Herz ungemein in die Hose und bestimmt aus dem Hosenbein rausgerutscht! Ich hätte… ni, ich hab‘… sie hat! Ich glaube, ich muss sterben!
Das Leder hat dort eindeutig einen Brandfleck abbekommen. Ein kleines Loch ist hineingeschmorrt, als wäre jemandem ein Stück glühende Kohle drauf gefallen und dort vergessen worden. Daneben prangt ein Kleks Wein, Schnaps oder etwas Ähnliches, aus roten Früchten gemacht.
  • Zweiter Versuch.
    Sie stand so dicht vor mir, da hätte fast das Leder hier nicht mehr zwischen gepasst! So dicht! So richtig ganz dicht! Und schon ist’s vorbei. Ich kann nicht schlafen, mir juckt’s ungemein zwischen den Hörnern und es hilft nicht, das kann ich versichern, sich die Stelle zwischen den Hörnern am Baum wund zu scheuern. Es juckt immer noch! Kann ich wirklich nicht empfehlen. Neben dem Jucken hab ich nun auch Kopfweh.

    Ich bin so ein verflucht hornloser Schellac! Warum hab ich mich nicht getraut? Die Gelegenheit war doch da! Bestimmt war sie das! Und ich bin so endlos krarkisch dumm und verpass es! Ach, ich sollte nochmal rausgehen und mir den Schädel an dem Baum einschlagen. Verdient ist verdient! Sowas Blödes aber auch.
    Und dann hab ich mich für so mutig gehalten, als ich mir die Beeren an ihr vorbei vom Tablett gemopst habe. Sie ist sogar zusammengezuckt. Noch eine Gelegenheit, wieder verpasst. Diese Frage! Wo ist der Haken? Wo sind die Schwächen? Viel zu perfekt! Wäre ich das, hätte ich ja wohl nicht die Gelegenheiten verpasst!
    Während mir das völlig klar ist, brabbele ich dann auch noch etwas von die Handelssprache nicht lesen und schreiben zu können! Vollkommen hornloser Schellac mit Krarkverstand, den ich hab!
    Ich könnte so ins Strohkissen beißen! Ach was, ins Steinregal!

    Bei der Hitze des RaKun! Mir will einfach auch gar kein schlauer Plan einfallen, wie ich damit jetzt noch umgehen soll. Und Schlafen kann ich noch immer nicht. In drei Stunden kräht der Krark und ich kann wieder aufs Feld, ohne Schlaf. Es ist zum Schellacmelken. Auf dem Bauch liegen hilft auch nicht. War sogar schon im kalten Meer baden deshalb. So kalt! Hat nichts geholfen. Nichts hilft! Mein Verstand ist in der Lava dahingeschmolzen. Futsch. Keine Ideen. Ich könnt mich nur durchgängig selbst verfluchen. So ein hornverdrehter dämlicher Schellac bin ich!

    Ich geh nochmal ins Meer.
Gast

Beitrag von Gast »

  • 6. Eintrag – 25. Ashatar 258
    Sie ist so fleißig. Ohne sie wäre der Auftrag für Linei noch längst nicht soweit, wie er es jetzt ist. Bald haben wir die Bestellung fertig. Ich habe mir ja erlaubt ein paar kleine Veränderung in der Ordnung vorzunehmen, das ohne zu Fragen. Und weil ich schlau bin, habe ich einige Blumen unter den Zitronenbaum gepflanzt. Na gut, ein paar viele, aber ich will wirklich, wirklich nicht, dass sie sauer auf mich wird, weil ich die Ordnung geändert habe.
    Gut, was ich geändert habe, erleichtert uns die Arbeit ein wenig. Es verkürzt einige Wege. An und für sich ist das bestimmt etwas Gutes, aber ich habe nun in der kurzen Zeit hier an der Oberfläche gelernt, dass die Rasharii mal so oder mal so sind. Wobei sie sich dem ja nie so ganz angeschlossen hat, dem mal so oder mal so sein.
    Aber als sie die Änderung der Ordnung bemerkt hat, da hat sie vorgegaukelt mal so zu sein! Bei Ahamani kann sie böse gucken! Und ich hab wirklich geglaubt, sie ist zornig auf mich. Sie hat sogar die Blumen gemerkt und angefangen mich bitterböse gefragt, wer das gewesen ist, dann aber deutlich gezeigt, dass sie sich freut. Auf den Arm genommen hat sie mich! Und mir ist das Herz fast in die Hose und aus selbiger rausgerutscht! So gemein…
    Aber wirklich übel nehmen kann ich es nun auch wieder nicht. Denn eigentlich ist es ja lustig, so bei Licht besehen. Hab ich mich eben ganz schön an der Nase herumführen lassen. Hab auch eine Entschädigung dafür bekommen, wenn man so will. Gestern hat sie mir etwas Selbstgekochtes hingehalten. Sie hat gesagt, sie hat das nur für mich gekocht.
    Nur mal gut, dass keiner gesehen hat, wie ich davon abgebissen hab, als sie es noch in der Hand hielt. Es war jedenfalls tüchtig lecker! Ich bedaure ein bisschen es so hinunter geschlungen zu haben und nun ist es weg. Dabei könnt ich noch etwas davon vertragen, so gut ist das gewesen!
    Jedenfalls renne ich seither mit einem ungemein breiten Grinsen herum, so breit, dass ich mir selbst schon blöde vorkomme, aber ich kann es einfach nicht unterdrücken.

    In drei Tagen ist die AlakKunBra wieder da und ist dann im Tempel zu sprechen. Da werde ich ihr erstmal von den Thyren erzählen. TaOriShar scheint auch einiges zu berichten zu haben. Allerdings deckt sich das gar nicht mit den Aussagen der Wolflinge. Irgendwas passt oder stimmt da nicht. Ich glaube ja, dass wir da sehr, sehr vorsichtig sein müssen, egal, in welche Richtung. Rri, sogar im Reich selbst müssen wir vorsichtig sein. Immer vorsichtig sein. Sie sind alle so neugierig, wie wir selber. Sogar noch schlimmer neugierig, habe ich festgestellt, und ein bisschen macht es mir Angst.

    Jetzt könnte man natürlich sagen: TroshKaMer, du bist ein Riese, wovor hast du Angst? Ich bin aber auch nur ein RashKi. Das Kämpfen habe ich zwar ganz rudimentär gelernt, aber ich bin nicht annähernd gut genug, um mich darin zu behaupten. Darum bin ich, was ich bin. Ich habe auch keine Zeit es zu vertiefen, weil der RashKirro alle Zeit braucht, die ich habe. Wenn ein wenig Luft ist, bin ich eher auf den Austausch mit anderen, insbesondere mit meinen Geschwistern bedacht.
    Die neusten Unruhen im Reich stimmen mich sehr, sehr nachdenklich. Ich glaube nicht, dass wir der von Ahamani und Alatar gestellten Aufgabe gerecht werden können, weil die Menschen es nicht wollen. Sie schreien sehr laut nach Krieg untereinander, dort im Nordosten des Reiches. Sie haben nichts gelernt und fangen nun genauso an, wie die Kinder vor einiger Zeit.

    Ich hoffte inständig, dass sich die anderen Geschwister aus diesen Kriegstreibereien, die das Reich nur schwächten, heraushielten. Das war nicht unser Streit, und wir sollten uns den Zorn der Götter nicht zuziehen.
Gast

Beitrag von Gast »

  • 7. Eintrag – 01. Searum 258
    Vor einigen Tagen habe ich den Tempel der Menschen besucht. Ich war neugierig darauf, was sie zu sagen haben, worüber sie reden, woran sie glauben. Es stand an dem Tag keine Messe oder dergleichen an, trotzdem waren einige Besucher da, und eine der KunBra sprach gerade mit einer jungen Menschenfrau, die vor ihr stand und ihr aufmerksam zuhörte. Ich fand auch Shar dort. Allerdings brach sie unmittelbar nach meinem Erscheinen auf, weil unser Bruder sie suchte und sie ihn nicht warten lassen wollte.
    Also saß ich dort als einziger Rashar, lauschte dem Gespräch der beiden Menschenfrauen aufmerksam und neugierig. Es schien so, als wollte die KunBra die andere Menschenfrau davon überzeugen, dass Alatar den für sie richtigen Weg bereit hielt. Ich fragte mich, wem sie bis jetzt folgte. Die KunBra nannte sie Alreidis.
    Irgendwann während dieses Gesprächs stand plötzlich der Menschenmann auf, der auf der anderen Flügelseite des Tempels saß, stellte hinter Alreidis und trat ihr in die Kniekehlen, um sie zu Boden zu bringen.

    Eigentlich geht mich das Gewese der Menschen nichts an. Vielleicht hätte ich mich heraushalten sollen. Aber als guter RasharHo sieht man nicht zu, wenn ein Weibchen, ob nun Rasharii oder nicht, so behandelt wird. Dafür schäme ich mich noch immer. Ich habe nichts getan, nicht sofort jedenfalls, außer zu grollen und diesem Menschenmann meine Missbilligung mit meinen Blicken darzulegen. Irgendwann gab ich mir einen Ruck, stand auf und hielt der Frau die Hand hin zum Aufhelfen.
    Die KunBra schien nicht weiter irritiert von dem Handeln des Mannes zu sein, nutzte es sogar gezielt für ihr Glaubensgespräch aus. Aber das kümmerte mich nicht. Sie war es ja nicht gewesen, die die Frau angegriffen und so grob und respektlos behandelt hatte.

    Eigentlich habe ich damit gerechnet, dass Alreidis sich vor mir fürchtet. Abe stattdessen nahm sie meine Hand und ließ sich aufhelfen. Ich blieb danach in ihrer Nähe stehen und behielt diesen hornlosen Schellac im Auge, damit er sie nicht nochmal anging. Als er dann noch eine Äußerung von sich gab, wollte sich mein Zorn und meine Missbilligung nicht mehr nur in Blicken ausdrücken und ich sagte ihm, er sollte besser schweigen solange er die Weibchen wie Dreck behandelte. Und schon erhielt ich das, was ich von seinem erwartete: Eine Drohung, mir meinen Platz im Reich zu zeigen, also eine Drohung gegen meine Gesundheit und mein Leben.
    Immerhin sagte er mir noch seinen Namen, und ich machte ihm klar, was er sich damit verdient hatte. Für mich war er ein genauso großer hornloser Schellac wie Kelsos. Damit hatte sich meine Aufmerksamkeit für ihn auch schon erschöpft und ich lauschte wieder dem Gespräch der KunBra und Alreidis, und wollte mich allenfalls noch mit diesem Krem befassen, sollte er Alreidis nochmal angehen. Das tat er aber nicht. Er ging nicht viel später seiner Wege. Besser so!

    Und die KunBra gab Alreidis die Aufgabe, sie möge sich alles ansehen im Reich, bei den Rashar beginnen. Da hatte ich unangenehmerweise alle Aufmerksamkeit auf mir. Ich fragte mich im Stillen, was die KunBra sich dabei dachte, ausgerechnet einen RashKi da mit reinzuziehen, immerhin wusste ich im Gegensatz zu diesem Bran sehr gut, wo mein Platz war. Genauso wusste ich aber, dass ich hier besser nicht widersprach, also nickte ich und lud Alreidis zum RaKun ein.

    Ich hatte ein bisschen später noch ein Gespräch mit ihr vor dem Tempel. Da war sie wie ausgewechselt. Drinnen war sie angespannt, verkrampft, distanziert gewesen. Draußen, als wir allein sprachen, entspannte sie sich, lächelte sogar und wirkte wesentlich gelöster. Und sie schaffte es sogar mich sehr zu überraschen, in dem sie ihre Freundschaft anbot. Das war die erste unter den Menschen, die das mit Worten tat, offensiv und offenherzig.
    Warum sie mir die Hand hinhielt, begriff ich nicht so ganz. Aber ich lehnte diese Freunschaft mit Sicherheit nicht ab! Ich lehne sie auch jetzt nicht ab. Wenn ich ehrlich bin, erfüllt es mich noch immer mit Stolz und Freude, dass sie das ausgerechnet mir, einem RashKi, angeboten hat.

    Und heute wird sie in den RaKun kommen. Mal sehen, was sie von den anderen Rashar hält. Ich habe einigen Bescheid gesagt, sicherheitshalber. Oh, und Ori war richtig zornig, als sie von der Drohung hörte. Das hat ihr gar nicht gefallen.

    Ich hoffe darüber hinaus bald nochmal auf ShaRoKi zu treffen. Da gab es einiges, was sie für mich tun könnte.

    Und ich will anfangen alles für ein Fest vorzubereiten. Es wird Zeit, dass eines stattfindet. Da muss ich auch nochmal zu RashaToar für. Das werde ich die kommenden Tage dann angehen, nach dem Besuch heute, auf den ich mich sehr freue und ich schon sehr gespannt bin!

    Möge Ahamanis Glut nie vergehen!
Gast

Beitrag von Gast »

Die sonst sauberer Runenschrift wirkt auf diesem Leder eindeutig aufgeregt, zackig, wie in Hast geschrieben, als fehlte dem Schreiber die nötige innere Ruhe.
  • 8. Eintrag – 06. Goldblatt 258
    Ich weiß noch gar nicht, wie ich das beschreiben soll, oder gar erklären, oder begreifen! Ich tu es einfach: Sie will bei der ehrenwerten AlakKunBra nach dem Segen fragen! Und sie hat mich geküsst! Gut, vorher hat sie mich mit ihren Hörnern umgestoßen, aber das war nicht schlimm, sondern eher lustig. Ich hab nämlich einfach behauptet, sie sei schüchtern. Da ist sie sauer geworden und hat mir zeigen wollen, wie schüchtern sie ist. Ich muss jetzt schon wieder grinsen, wenn ich daran zurückdenke.

    Irgendwie weiß ich noch gar nicht so recht, wie das alles überhaupt so plötzlich passiert ist. Angefangen hat das Ganze damit, dass sie sauer auf mich war (rri, ist sie öfter mal), weil sie gedacht hatte, ich hätte überall die Blumen verteilt. War ich aber gar nicht. Dann war sie sauer, weil ich so lange weg war. Das war ich! Ich habe nämlich die Reise in die Heimat angetreten, um zu schauen wo die Reittiere bleiben. Sie waren so lang überfällig, dass ich unbedingt einmal nachsehen und nachfragen wollte. Ich kam sogar mit guten Nachrichten wieder – und einen Tag später waren sie dann auch da, die Tiere.
    Leider sind sie noch so sehr an die unteren Höhlen gewöhnt, dass sie sich nicht paaren wollen, aber vielleicht kommt das ja noch, wenn sie sich eingefunden haben in ihrer neuen erstaunlichen Welt an der Oberfläche.
    Die Begrüßung nach der Rückkehr hatte ich mir allerdings ein bisschen anders vorgestellt. KaChaRii hat sogar das Weite gesucht bei der ganzen dicken Luft, die sich aufbaute. Das habe ich ihm anfangs schwer übel genommen, mich da so im Stich zu lassen mit einer wütenden Rasharii. Hinterher war ich froh und dankbar darum, sonst wäre das rri alles nicht passiert!

    Ich erklärte ihr jedenfalls von der Reise, in einem einzigen Satz, weil mir die Geduld verloren ging, und zog sie dann mit, um ihr die Höhle zu zeigen, die ich gerade versuche irgendwie einzurichten und wohnlich zu machen. Ist schwierig, weil die Handwerker ein bisschen faul sind in dieser Region, und schwer zu bekommen obendrein. Wenn sie erstmal da sind, machen sie es aber ganz toll. Na ja, wie dem auch sei. Ich nahm sie also mit in diese Höhle und sie staunte gar nicht schlecht.
    Da habe ich dann all meinen Mut zusammen genommen, und sagte ihr, dass sie wenn sie mich nicht so angrollt zur Begrüßung, ich ihr einen Zugang zur Höhle geben würde. Als sie dann erklärte, dass sie nur immer brummliger wird, wenn ich länger weg sei, konnte ich mir die Frage nicht mehr verkneifen. Sie platzte einfach so raus. Die Frage, ob sie mich denn haben wolle. Ich musste Gewissheit haben. Es ist wirklich unerträglich immer auf Eiern zu laufen und zu glauben, zu hoffen, aber nicht zu wissen, wie es steht. Und sie war gemein! Sie ließ mich nämlich im Ungewissen, sagte, sie hätte das nicht gesagt. Tja, da hab ich es dann herausgefordert, hab gesagt, eine andere will bestimmt. Da wurde sie wieder sauer und meinte, die dann herauszufordern, wenn sie es wagen sollte. Und da habe ich sie dann schüchtern genannt, dass sie es deshalb nur nicht sagen wolle, dass sie ihn will. Und rums! Hatte ich ihre Hörner an meiner Brust und saß auf dem Hosenboden.
    Ich musste so sehr lachen, ich kann noch immer nicht sagen, ob mein Bauch mehr wehtat, oder meine Brust.

    Dann zählte sie auf, was für einen RasharHo sie haben wolle, beschwerte sich kurz darauf, ich zeige ihr nicht, wie sehr ich sie mag. Fast hätte ich wieder lachen müssen. Immerhin hatte ich ihr Blumen gepflanzt, eine kleine Topfblume gezogen, Blumen gepflückt, Blumen über Blumen – nur nicht die verteilt, die überall standen. Ich habe ihr das Essen gegeben, das ich von anderen zum Probieren bekam, anstatt es selbst zu essen, und so weiter.
    Und dann, dann hat sie erst ihre Hörner an meine gelehnt und dann! Dann hat sie mich geküsst. Was schmeckt sie gut! Ich hätt sie fressen mögen!
    Die Ernüchterung folgte danach auf dem Fuße, wie ein Bad im eiskalten Meer:
    „Sie kommt ni runter in die Höhle, bevor der Segen da ist.“
    Da hatte ich den Salat. So nah dran, und doch so weit weg. Ehrlich gesagt, dämmert mir jetzt erst, was sie da gesagt hat. Den Segen! Was ist denn, wenn die AlakKunBra das ablehnt?
    Seitdem hab ich im Bauch einen dicken Klumpen, der abwechselnd kribbelt und weh tut, weil er sich nicht entscheiden kann, ob er sich freuen oder Angst haben soll, dieser blöde Klumpen.

    Jetzt bete ich jeden Tag inbrünstig, dass Ahamani macht, dass die AlakKunBra mich als würdig für sie ansieht. Müsste ich nicht zwischenzeitlich arbeiten, ich glaube, ich würde im Tempel einziehen.

    Möge Ahamanis Glut nie vergehen!
Gast

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  • 9. Eintrag – 21. Goldblatt 258

    Ich wäre heute fast mitten auf dem Feld eingeschlafen, aufgestützt auf der großen Sense. So erschöpft und übermüdet war ich noch nie gewesen, wie an diesem Morgen. Verwunderlich war das allerdings auch wieder nicht. Hatte rri kaum geschlafen. Gegen war ich fast so weit gewesen die Krark zu melken und die Schellacs zu beschimpfen keine Eier zu legen vor lauter Müdigkeit.

    Am Vorabend hatte die AlakKunBra ein Ritual abgehalten, ein Findungsritual für ReKaSha. Sie ist nun eine vollwertige BrakNa, und ich glaube, darin geht sie auch ganz und gar auf. Mich hat es sehr gefreut, dass Ahamani ihr diesen Weg offenbart hat, auch wenn es mir ganz kurz nur einen stillen und leisen Stich versetzte, als ich so an meine Träume zurück dachte, als ich noch ein RasharLo gewesen war.
    Danach war die AlakKunBra mit uns, also mit Ori und mir, zum RashKirro gegangen, und sprach mit uns über den Segen. Ich hatte sie ja schon darum gebeten gehabt an dem Tag, wo wir zu den Elfen gegangen waren. Mein Vorhaben Ori noch davon zu erzählen, war nicht so ganz gelungen und ich kann mich sehr gut an das Gefühl der Erleichterung erinnern, dass die AlakKunBra mich dahingehend nur insoweit verriet, dass sie Ori fragte, warum sie mich ausgewählt hatte und dergleichen.
    Ori schien das gar nicht aufgefallen zu sein, dass die AlakKunBra irgendwoher wusste, oder es kümmerte sie nicht. Auch später nicht, als wir allein waren.
    Das Gespräch dauerte gar nicht so lange, wie ich zunächst dachte, dass es das dauern würde. Es war viel unkomplizierter, als ich befürchtet hatte. Und dann überschlug sich alles ganz gewaltig. So ganz habe ich es bis jetzt noch nicht begriffen.

    Es ist aber nun so, dass wir ihren Segen erhalten haben und wir am Anfang des nächsten Monds, also am fünften Tag davon genau, im Tempel auch Ahamanis Segen bei einem Verbindungsritual erhalten. Danach waren wir alleine und Ori ist auch geblieben, wie sie es versprochen hatte.
    Wenn sie den Segen von der AlakKunBra hat, sagte sie, bleibt sie. Hat sie wahr gemacht. Ich weiß gar nicht, wie oft ich an dem Abend am liebsten in den Boden versunken wäre, und ich kann auch gar nicht erklären, wie sehr ich das kurz darauf schon wieder vergessen hatte, dass ich es wollte. Das Ende vom Lied: Ich war völlig erschöpft, übernächtigt, müde und zugleich himmelhochjauchzend und tagträumend, unaufmerksam und unkonzentriert, dabei aber auch glücklich und völlig durcheinander.

    Heute Morgen säte ich falsch aus, verschüttete die Milch, sortierte das Obst falsch ein, vergaß die Eier, ließ das Essen anbrennen und verschreckte die ShriRaks als ich mitten auf der Wiese stand und gegen dieses Gefühl schier platzen zu wollen einmal laut ausjubeln musste. Ich kann versichern: ShriRaks können auch völlig beschellact glotzen!
    Und am frühen Nachmittag fiel ich einfach in die Felle und schlief schon, bevor die Hörner das Fell überhaupt berührten. Irgendwann weckten mich die Viecher unsanft mit ihrem Gebrüll, als sie wieder Futter wollten. Konnte mir aber alles die viel zu gute und viel zu enthusiastisch überschwängliche Laune nicht verderben.

    Jetzt ist es dunkel, alles getan, mehr oder weniger gut, und ich sitze in meiner, nein, jetzt unserer Höhle, noch alleine, und nutze rasch die Zeit ein wenig aufzuschreiben. Ich kann das alles noch immer nicht begreifen, habe trotzdem neben mir ein Leder liegen, auf der ich eine Liste mache, was alles noch bis zum fünften Tag des neuen Monds getan sein will.

    Einladungen, steht da. Da ich die Handelssprache nur sprechen kann, nicht schreiben, muss ich jeden aufsuchen, den ich erwische, um ihn einzuladen. Vielleicht finde ich noch jemanden, den ich überreden kann für mich zu schreiben. Die AlakKunBra sagte nämlich, wir können einladen, so viele wir möchten.
    Dann müssen das Essen und die Getränke passen, da werde ich noch einiges vorzubereiten haben.
    Dazu muss ich noch schauen, wo wir das ganze überhaupt feiern können. Der RashKirro alleine wird zu klein sein. Und irgendwer muss dann auch immer die Törchen öffnen. Das wäre lästig. Also irgendwo davor. Aber nicht zu weit außerhalb vom RaKun, sonst frieren wir Rashar uns den Hintern runzlig. Ich habe auch noch nichts zum Anziehen. Und…
    Ich könnte schon wieder raus und schreien, einfach nur, um nicht zu platzen! Hier riecht noch alles nach ihr, und ich frag mich inzwischen schon, wo sie bleibt. Vielleicht habe ich sie doch enttäuscht? Ich geh mal nach ihr schauen.

    Möge Ahamanis Glut nie vergehen!
Gast

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  • 10. Eintrag – 09. Rabenmond 258
    Vier Tage ist es jetzt her, dass wir den Tempel betraten, den vollen Tempel. Voll von Gästen und einigen Rashar.

    Sie war schon weit vorher so aufgeregt gewesen, wie ein aufgescheuchtes ShriRak, während ich mich noch um die Felder kümmerte, wie eben an jedem Tag. Die Arbeit musste ja doch getan werden, egal, was bevor stand. Außerdem gab die Gewohnheit mir eine gewisse Ruhe, die meine eigene Aufregung milderte, genug, um bei ihr den Anschein zu erwecken, gar nicht aufgeregt zu sein.
    Als alle geladenen Gäste den Tempel aufsuchten und an uns vorbeizogen, die AlakKunBra vor uns stand und leise mit uns sprach, fand ich die in mir aufsteigende Nervosität ganz allmählich schier unerträglich. Sie versuchte uns zu beruhigen, das war mir da schon klar, aber es verfehlte die Wirkung bei mir völlig. Ich musste mich tatsächlich nochmal entschuldigen und stob davon, um nochmal rasch Wasser zu lassen. Fast wäre es buchstäblich in die Hose gegangen. Sehr peinlich!

    Wie dem auch sei, wir betraten den Tempel als letzte. Während der Zeremonie tobte Asha sich gehörig kreativ bei der Bemalung unserer Hörner und Haut aus. An den Hörnern klebt die Farbe noch immer. Ihre rot wie die tiefe Glut und meine schwarz wie der erkaltete Stein und die Asche.
    Ich muss gestehen, ich kann mich gar nicht mehr so genau an alles erinnern. Nur an das Band, mit dem die AlakKunBra unsere Hände umwickelte, an die Nähe der Geschwister, an die von Rauschkräutern geschwängerte Hitze im Tempel, und natürlich an sie, ihren Blick, das überwältigende Gefühl und der Rest schien derweil überhaupt nicht so wichtig.
    Ich glaube übrigens, der Kuss zum Abschluss der Zeremonie hat einige sehr verstört. Bedauerlich, dass sie sowas nicht verstehen. Aber es gibt, das habe ich inzwischen festgestellt, so vieles, das sie nicht verstehen, und auch genauso viel, was ich bei ihnen nicht verstehe. Es ist eben so, macht ja nichts.

    Die kleine Feier im Anschluss am großen Lagerfeuer vor dem RaKun war schön. Es war mehr ein geselliges Beisammensein, als ein rauschendes Fest, aber mir gefiel das ganz gut so, und ich glaube, ihr gefiel es auch sehr, und als wir uns dann kurz bevor alle Gäste verschwunden waren, davonstallen, kehrte die Nervösität gepaart mit Ungeduld wie ein Hammerschlag zurück.

    Vier Tage ist das nun her, und begreifen kann ich das noch immer nicht ganz. Die Paste färbt die Hörner noch immer schwarz und wenn ich mich in der Wasseroberfläche im See sehe, kommen die Erinnerungen an das Ritual zurück, und ich kann nochmal die Aufregung spüren, die an diesem Tag die ganze Zeit mein Begleiter gewesen ist.

    Ich war ganz gewiss der glücklichste RasharHo der ganzen weiten Welt.
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