Eine Hyäne im Tempel

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Gast

Eine Hyäne im Tempel

Beitrag von Gast »

Die ganzen vergangenen Tage hatte ich nervös und aufgeregt zugebracht. Dazu hatte ich mit Saajid genauso gesprochen wie mit Mina. Sie waren es besonders zu denen ich aufschaute. Saajid als Oberhaupt, Beschützer und Mina als Prekhaliq, als gute Seele der Familie. Beide redeten gut auf mich zu, sie erzählten mir wie warmherzig und hilfsbereit die Prehaatim sei. Dann endlich, am letzten Tag der Woche, sollte ich sie persönlich kennen lernen. Dabei war die Prehaatim mir gegenüber sehr offen gewesen. Sie hatte mich danach gefragt wie ich zum Tempel gefunden hatte. Ganz offen habe ich ihr dabei von der riesigen Welle, meinen Verletzungen und von der Erkenntnis erzählt der Allmara fortan dienen zu wollen. In der ganzen Zeit während des Gespräches hat sie einfach nur zu gehört. Ihr Gesicht verriet keine Regung keine Wertung nicht den geringsten Hauch von „Verurteilung.“ Auch und besonders nicht, als ich ihr davon erzählte, warum ich zuvor noch den Weg nach Menekur eingeschlagen hatte.


Sie hatte mich um meine Hand gebeten. Ich vertraute ihr blind, legte sie offen und sie berührte jene.
Fast umgehend habe ich dieses Kribbeln gespürt welches in meinen Fingerkuppen begann, es war wie ein Weg den es sich gebahnt hat, die Hand den Arm hinauf bis es an meinem Herzen, so glaube ich, angekommen ist. Dabei spürte ich eine innere Ruhe, eine Zufriedenheit ein Gefühl der Wärme und der Geborgenheit wie ich sie nur einst spürte als nach der Welle alles verloren schien. Dabei hörte ich Tritte im Sand und Palmen die sich im Wind wiegen. Das Rasseln einer Schlange im Wüstensand. Meine Nase hat den Geruch von süßen Datteln vernommen wie auch das leise Plätschern der Oase, dem Lichtblick der Wüste. Es war als würde ich alles auf einmal spüren und hören riechen und fühlen und das hier in einem geschlossenen Raum.

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Als sie die Hand weg nahm, verebbte langsam alles. So offenbarte sie mir, das es noch nicht klar sei. Die Weise der Oase oder die Weise der Wüste, beide Bilder wären noch in mir, beide Seiten wären ein Teil von mir, doch eine der beiden würde überwiegen, wenn die Zeit gekommen wäre.
So lud sie mich in den ersten Unterricht ein. Dabei lernte ich auch die anderen Schüler kennen. Prekhaliq Hamza wie auch Saman waren mir vorher noch fremd, allein Mina war mir vertraut und ich war froh nicht ganz allein zu sein. Doch der Respekt innerhalb jener Gemeinschaft, die Akzeptanz von anderer Meinung und anderen Ansichten gab mir Halt. Es stärkte mich zudem in meinem Vorhaben. So lauschte ich dem Unterricht, machte mir Notizen, dachte über jenes nach was ich hörte und wurde Teil dieser Klasse.
Gast

Re: Eine Hyäne im Tempel

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Nachdem der Unterricht geendet hatte, wurde uns allen noch eine Aufgabe zugeteilt. Zunächst klang diese sehr einfach und so war ich guter Dinge sie alsbald erledigen zu können. Wir sollten das gelernte vertiefen und unter diesen Aspekt das Buch Göttergeschichte lesen. Die Prehaatim nahm uns dabei sogar die Frage ab wo wir dieses Werk finden könnten, weshalb ich dachte das sei eine einfache Sache. Doch ich sollte mich irren. Weil mich Bücher dennoch sehr faszinierten las ich die Werke im Tempel und studierte sie. Dort fand ich nicht nur interessante Schriften sondern vertiefte mich auch in Ansichten Weisheiten und Ratschläge die mir so noch nicht bekannt waren.



Direkt von dort aus hatte ich den Prekhaliq aufgesucht, Hamza war sehr freundlich gewesen und seine Gastfreundschaft dabei ist unvergleichlich. So hatte er mir Speisen gegeben als Proviant und auch einen starken heißen Mocca. Das Anwesen der Familie besaß einen prächtig gedeihenden Garten, das grün war saftig und voller Leben. Kleine Palmen Blumen und Sträucher entfalteten hier ihre Pracht. Im Hause selbst erkannte ich schnell, das hier Wert auf Traditionen Bräuche und Sitten gelegt wurde. Der Prekhaliq bot mir auch direkt seine Hilfe an, doch ich wollte es allein schaffen und so kam ich dankbar und voller Respekt auf sein Angebot zurück, in der Bibliothek des Hauses nach der Schrift zu suchen. Obwohl die Regale des Hauses Ifrey voll von Wissen standen, suchte ich dennoch vergebens nach diesem Buch. Doch auch hier war mein Erstaunen immens, alte Sagen und Legenden waren untermalt von Glaubensbekenntnissen und tiefgreifenden Texten.


Nachdem ich auch im Hause Ifrey nicht fündig wurde beschloss ich, eine längere Reise zu unternehmen. Schließlich hatte die Prehaatim Orte genannt an dem das Werk zu finden sei. So nahm ich das Schiff in Richtung Bajard. Ein kleines verschlafenes Fischerdörfchen in dem die einfachen Leute rege Fischfang betrieben und dabei neue Wege entwickelten. Von hier aus nahm ich ein weiteres Schriff in Richtung Alumenapracht, vom Hafen Adorans ging ich zu Fuß, da mir nicht bekannt war wie weit der Weg noch sein würde. Mein Ziel sollte die große Bibliothek sein. Langsam schmerzten meine Füße. Diesmal hatte ich einen weiten Weg auf mich genommen um das Werk „Göttergeschichte“ zu finden. Hier in den Hallen wurde ich herzlich empfangen, auch wenn ich als Fremder für sie seltsam wirken musste. Es wurde mir gezeigt wo ich alles über den Glauben und die Götter finden konnte. So las ich, den ganzen Abend, die ganze Nacht. Sie überließen mir sogar ein Werk über Götter was nicht in den Reihen der unzähligen Regale zu finden war. Dankend nahm ich es an.

War diese Reise auch eine Prüfung?
Letztendlich fand ich auch hier nicht was ich suchte. So kehrte ich am nächsten Morgen mit aufgeplatzten Blasen an den Füßen zurück. Doch auch jetzt merkte ich das die Allmara mich auf jeden Weg begleitete. Ich lernte meinen Cousin Ahamet kennen, der als Hakim verstand wie meine Schmerzen gelindert werden konnten. Er nahm mich brüderlich unter seine Fittiche, gab mir eine kühlende Salbe, stach eine der Blasen noch auf und verband dann alles ordentlich. Sein Wissen war in seinem Handeln zu erkennen. Auch hier innerhalb der Familie wurde ich wieder der Gastfreundschaft meines Volkes bewusst. Ahamet gab mir einen stärkenden schmerzstillenden Saft mit, den er mir je morgens und abends anriet. Dazu kam noch Verpflegung und seine milde aufopfernde Art. In diesen Tagen hatte ich nicht nur viel über den Glauben erfahren, sondern auch über Hilfsbereitschaft, Großzügigkeit, Aufopferung, und Gastfreundschaft Tugenden die mehr waren als hohle Worte.

Allmara, gütige Mutter, barmherzige Blüte der Wüste,
Dein will ich sein, Dir dienen bis ans Ende dieser Tage.
Führe mich bei dieser Reise, gebe mir Halt und deute den Weg
auf das ich Dir folgen und Dein Wort in die Welt hinaus tragen kann.

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