Ein junger Bote erreicht das Rathaus von Rahal. In seinen feingliedrigen Händen hält er einen versiegelten Briefumschlag der an den Statthalter Rahals adressiert ist. In blauer Tinte und mit einer feinen Feder geschrieben steht in geschwungenen Lettern folgendes:
Hoch geachteter Statthalter Bruchsteig,
ich wende mich mit dem Ansinnen an euch, als Bürger im alatarischen Reich aufgenommen zu werden. Obgleich ich vorhatte, mich in La Cabeza niederzulassen, wurden die Würfel nun neu gerollt, wie man so schön zu sagen pflegt.
Die verehrte Lille verfolgt den Plan ein Hospital in Rahal zu errichten. Da ich mich unter ihre Fittiche begeben habe und unter ihr eine Anstellung gefunden habe, wird es wohl nicht verwunderlich sein, dass mir ein Wohnsitz in der Nähe des Hospitals äußerst gut zu Pass käme.
Ich würde mich über ein persönliches Gespräch in Kürze freuen.
Wie die letzten Abende auch, zieht Ludovig seine Kreise durch die Straßen und Gassen Rahals, ehe er die Bank erreicht. Wie sonst auch begrüßt er freundlich den Bankiers und fragt nach Nachrichten, welche für ihn hinterlegt sein könnten. Nachdem der Bankiers ihm den Brief des Statthalters überreicht hat, öffnet Ludovig diesen sogleich und liest ihn neugierig. Ein leises Seufzen mag ertönen, woraufhin er den Bankiers um Pergament und Feder bittet, um ein Antwortschreiben aufzusetzen.
Hoch geachteter Statthalter Bruchsteig,
ich bin außerordentlich ob eures Antwortschreibens erfreut, doch muss ich euch, sofern es euch nicht möglich ist mich vor der siebten Abendstunde zu empfangen, um Verzeihung bitten, da mich wichtige Verpflichtungen über die Nacht hinweg in Anspruch nehmen werden - in dieser und den folgenden zwei Nächten werde ich vor der achten Stunde nicht zugegen sein können.
Daher bitte ich euch inständig um einen weiteren Termin, in der Hoffnung euch nicht wieder enttäuschen zu müssen.
Hochachtungsvoll,
Er überreicht dem Bankier das Schreiben und bittet ihn, nach entsprechender Aufwandsentschädigung, den Brief Statthalter Bruchsteig zukommen zu lassen.
Ludovig lächelt erfreut, als er bei seinem nächtlichen Besuch das Antwortschreiben beim Bankier in Empfang nimmt. Rasch liest er den Brief, quittiert ihn mit einem kräftigen Nicken und ebenso rasch setzt er ein kurzes Schreiben auf, dass ein Bote sogleich überbringen mag.
Hoch geachteter Statthalter,
ich bin euch für euer Entgegenkommen zutiefst zu Dank verpflichtet. Ich werde zur angegebenen Stunde zugegen sein.