Ein Leben in Angst und Schrecken

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Victoria Dracones
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Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Ein Leben in Angst und Schrecken

Beitrag von Victoria Dracones »

''Na los, bring mir meine Robe. Und achte ja darauf, dass dich niemand sieht! Hast du verstanden?''

''Ja.. Mutter.''

Mit einer abwertenden Handbewegung, deutet mir meine Mutter an, mich auf den Weg zu machen. Die Robe für die bevorstehende Zeremonie befindet sich auf der anderen Seite der Burg. Undzwar in dem Raum, in dem sie zum einen ihren Unterricht abhält und zum anderen in der sich die Bibliothek und der Umkleideraum befinden. Mylanthe, so lautet der Name meiner Mutter, ist eine große Magierin. Noch nie kannte ich eine Person mit einer solch beachtlichen Macht. Sogar Dominor, mein Vater, hatte großen Respekt vor ihr. Mit einem zügigen Kopfschütteln verdränge ich meine Gedanken um meine Aufgabe zu erfüllen. Als ich den langen Gang zum Unterrichtssaal entlang schreite, begegne ich einigen der Diener meiner Familie. Auch ich gehöre nun seit einigen Jahren dazu, ohne das einer von ihnen weiss wer ich eigentlich bin. Das knappe Nicken ihrerseits entgeht mir nicht und um nicht unhöflich zu wirken erwiedere ich es, ehe ich meine Schritte beschleunige. Gerne würde ich mich einmal mit ihnen unterhalten. Wenn man es mir nicht verboten hätte... Wieso sie so grausam zu mir sind? Weil ich eine Schande bin. So nennt Mylanthe mich zumindest. Das Gefilde mündet am Garten, in dem sich mein Vater und Trevor, mein Bruder befinden. Während Dominor mich gekonnt ignoriert, beobachtet mich Trevor aus seinen Trostlosen Augen. Auch er scheint mich als Schande zu sehen, obwohl wir nie miteinander zu tun hatten. Ich weiss nicht wieso, doch sein Blick ängstigt mich. Als auch Dominor seinen Blick auf mich richtet fange ich zu zittern an und renne zügig los, bis ich mich hechelnd gegen die Tür der Bibliothek lehne. Mein Herz rast und dennoch fühle ich eine gewisse Erleichterung. Mit einem leisen quitschen öffnet sich die Tür zur Bibliothek. Da bald die Einweihungszeremonie beginnt, fällt der Unterricht heute aus. So kann ich ungestört die Robe aus der großen Garderobe entwenden.

Heisse Tränen laufen meine Wangen herunter, als ich die schallende Ohrfeige meiner Mutter einernte. Wut glimmt in ihren Augen auf, weil ich getrödelt habe. ''Verzeiht.'', raune ich ihr mit leicht brüchiger Stimme zu. ''Zur Strafe wirst du heute ohne Abendmahl zu Bett gehen! Und nun geh! Ach, und ehe ich es vergesse, heute wirst du im Kerker schlafen.''. Mit einem erneuten, schweigsamen Nicken wende ich mich ab um meine restlichen Aufgaben zu erledigen.

Am späten Abend im Kerker, lege ich mich auf einen aufgestappelten Strohhaufen. Der Geruch von Fäkalien und fauligem Stroh machen mir mittlerweile nichts mehr aus. Es ist nicht das erste mal, dass ich hier liege. Ein schmaler Schein des Mondes schimmert in seinem zarten gold und blau in den Kerker hinein und wecken mich mit einer Sanftigkeit die nur der Mond mir bisher gab. Mit einem beruhigenden lächeln blicke ich die Gitter hinaus und beobachte die Sterne. Sie glänzen wie kleine Diamanten und geben mir das Gefühl von Geborgenehit. Eine wohlige wärme breitet sich in mir aus und wieder bekomme ich das Gefühl einfach nur verschwinden zu wollen. Als ich mich auf meine Zehspitzen stelle kann ich hinaus auf das Meer blicken. Wie schön es doch wäre dieser Hölle zu entfliehen. Nur einmal will ich die Welt dort draußen sehen. Mit ausgeweiteten Armen auf den Wiesen liegen und meine Freiheit genießen. Morgen werde ich all meinen Mut sammeln und während der Zeremonie verschwinden. Da die Einweihung drei Tage anhält werde ich genug Zeit haben. Morgen werde ich frei sein!
Zuletzt geändert von Victoria Dracones am Montag 10. August 2015, 22:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Victoria Dracones
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Beitrag von Victoria Dracones »

Endlich bricht die Dämmerung an. Draußen vor meiner Kammer hört man bereits aufgeregte Schritte hin und her huschen. Bald beginnt die Zeremonie und damit auch meine Chance auf ein Leben weit weg von dieser Burg. Immer wieder wende ich meinen Blick zur Tür, während ich das wenige das ich besitze in eine kleine Tasche packe. Allmählich scheint sich die Lage auf den Fluren zu beruhigen. Aus dem winzigen Fenster in meinem Zimmer kann ich bereits das große Feuer erkennen, ausserhalb der Burg. Ich möchte mir nicht ausmalen, welches Opfer man sich dieses mal ausgesucht hat. Eine Zeit lang schaue ich noch aus dem Fenster heraus, kurz darauf öffne ich leise die Tür nach draußen und versichere mich, dass auch wirklich alle ausserhalb der Burg sind. Mit rasendem Herzen schnappe ich mir meine Tasche und laufe schnell den Gang bis zur Treppe. Beinahe stolper ich die Treppen herunter kann mich aber gerade noch so halten. Meine Beine zittern und ich fühle mich als würde sich alles in mir zusammen ziehen. Ich höre Schritte und bleibe abrupt auf der Treppe stehen. Ich sehe einen Schatten und wie jemand über den Garten läuft. Mit einem leisen, erleichterten Seufzen laufe ich weiter. Meine Schritte werden schneller, bis ich beinahe renne. Nun muss ich nur noch durch die große Halle. Noch nie war ich so dankbar das es dunkel ist. Ich lehne mich an die Wand und schleiche mich zum Ausgang. Bisher konnte ich den Wachen und den Spionen meiner Mutter entgehen und als ich die schwere Holztür hinter mir schließe fange ich zu rennen an. Ich renne und renne bis meine Lungen brennen. Erschöpft lasse ich mich auf die Wiese fallen und genieße das weiche Gras unter mir. Die Wiese unter mir ist leicht feucht und fühlt sich weich an. Mit geschlossenen Augen fahren meine Finger immer wieder über den Untergrund auf dem ich liege. Mein Augenmark ruht nun auf dem Himmel über mir. Nie hätte ich gedacht etwas so schönes zu sehen. Hier draußen scheint es mir, sehen sie ganz anders aus. Sie leuchten wie winzige Diamanten und geben mir ein Gefühl, dass ich noch nie hatte. Langsam stehe ich wieder auf und blicke den Waldweg entlang. Der Pfad vor mir wird vom vollen Mond beleuchtet und deutet mir den Weg in Richtung Hafen. Mit eile betrete ich Waldweg um bis zum Morgengrauen am Hafen zu sein. Bisher scheint noch niemand mein verschwinden bemerkt zu haben, was gut ist. Der Himmel ist frei was mir zeigt, dass der Falke, der treueste Spion von Mylanthe nicht hinter mir her ist. Vielleicht habe ich auch Glück und sie wird erst gar nicht nach mir suchen. Doch allein der Gedanke ist ein wahrer Irrsinn. Niemals würde sie wollen mich in die Öffentlichkeit hinaus zu lassen. Die Schande die ich für sie darstelle und die Gefahr ihren Ruf zu schaden wäre, ihrer Auffassung nach, zu groß. Einige Stunden später komme ich am Hafen an. Er ist sehr schlicht und besteht nur aus drei kleinen Häusern und zwei Ankerplätzen die nur für Handelsschiffe gedacht sind. Ich ziehe die Kapuze meiner abgenutzten Robe über, die mir meine Mutter zum flicken gab und reiche ihm einen satten Beutel mit Gold gefüllt. Nachdem ich ihm erklärte, man würde etwas wichtiges benötigen und das ich zum Handel hinaus geschickt wurde, lies er mich auf das kleine Handelsschiff. Der Kapitän wirkte anfangs skeptisch und wollte wissen was ich denn besorgen sollte. Es reichte ihm zu sagen, dass Mylanthe mich im geheimen losschickte, um meine Ruhe zu haben. Mehrere Tage sind vergangen, als in der späten Nacht das Schiff anlegt und ich erst einmal forschend die Umgebung betrachte bevor ich vorsichtig das fremde Land betrete. Ehe man sich versieht verschwindet meine Gestalt im Schatten der Häuser. Mal sehen was dieses Land alles mit sich bringen wird.
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Victoria Dracones
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Beitrag von Victoria Dracones »

Bajard... Ein seltsames kleines Dorf, indem sich Victoria nun seit einigen Wochen Tag ein Tag aus befand. Froh, endlich wieder an dem kleinen Lagerfeuer nord-westlich, im Waldstück weit vor Bajard zu sein, lehnte sich Victoria gegen den großen Felsen und rutschte zu Boden. Rosig fiel der Abend über das Waldstück. Ging wie ein Atemstoß durch Gräser, Holz und Wildblumen und schwemmte ihren schläfrigen Duft auf. Noch flackerte die Wärme des Tages im Dickicht und die Luft schmeckte nach Sommer, roh ung jung. Hauchdünn hing dazwischen eine Ahnung von vergangenem: Es war der süße Geruch von kälte und... Tod. Victorias Schläfen pochten förmlich als sie über die Begegnung von vorhin nachdachte. Noch nie war sie einem Rabendiener begegnet. Gelesen hatte sie auch noch nie davon und das obwohl Bücher bisher ihre einzigen Freunde waren. Als sie auf der Suche nach Federn und ein paar stabielen Ästen war hatte sich die ziehrliche Schützin verlaufen. Der Wald kam ihr kälte vor und mit jeden Schritt änderten sich die Farben der Bäume von einem satten grün und braun zu einem schmierigen dunkelbraun und schwarz. Die Luft wurde immer kühler und immer mehr fühlte sich Victoria beobachtet. Mitten im Wald blickte sie sich um, ohne zu wissen wo sie war oder wie sie zurück kam. Die Schritte wurden nur noch mit bedacht gewählt und als sie schon die Hoffnung langsam verlor, fand sie zu einem schmalen Trampelpfad. Gleich gegenüber stand ein großes Gebäude und mit einem mal kribbelte ihr ganzer Körper. Ein übliches Zeichen dafür, dass sich Angst und Panik in ihr ausbreiteten.
Moos und Efeu schmiegten sich um Bäume und Steine und ebenso hinterliesen sie eine Spur der Zeit auf den Grabsteinen die sich dort befanden. Ein leises knarzen zerschnitt die eisige Stille. Victoria fühlte sich, als würde ihr das Herz im Halse stecken bleiben. Vollkommen versteift blickte sie langsam hinter sich. Ein Mann stand mit einem mal da. Sein Haar war weiss wie Schnee und da wo sein eines Auge sein sollte war nicht mehr als eine Augenklappe zu sehen. Die Robe die er trug lies ihn bedrohlich wirken. Ganz im Gegensatz zu seinem verhalten, was... nicht unhöflich wirkte. Er begrüßte sie, wollte wissen was sie hier suchte und recht schnell stellte er fest, dass sich Victoria verlaufen hatte. Der fremde stellte sich ihr als Fames, einen Rabendiener vor. Und wie es die Höflichkeit verlangt, stellte sich auch Victoria mit ihren Namen vor. Noch nie zuvor hörte sie von solchen Menschen und auch in den ganzen Büchern hatte sie nie von solchen 'Seelendieben' gelesen. Fames selbst warnte sie vor sich von Rabendienern fern zu halten, sagte ihr was für Gefahren auf sie lauern könnten. Victoria verstand den Sinn dahinter nicht. Weshalb jemanden die Seele rauben? Auch wenn es manche nicht anders machten... So wie all die Bandieten dort draussen im Wald. Anscheinend waren auch die Seelenräuber nicht die einzigen, die anderen das Leben nehmen würden. Blitzartig schossen ihr Bilder von ihrem alten 'Zuhause' durch den Kopf. Mylanthe, ihre Mutter war erbarmungslos. Nahm für jedes ihrer Rituale ein Menschenopfer in kauf. Die Art wie die Opfer starben sorgten für ein übelerregendes Gefühl in ihr. Fames bemerkte ihre nachdenkliche Miene. Die junge Schützin wusste nicht weshalb, doch das erste mal seit sie in Bajard ausgesetzt wurde, sprach sie über ihre Mutter und ihr Leben in der Burg. Über die Schande die auf ihr lastete und über ihre Angst. Angst davor das man sie finden und zu Mylanthe bringen würde. Ehe würde sie ihrem eigenen Kind das Leben nehmen als das man wüsste, dass Victoria die einzige ihrer Blutliene ist, die keine Magie in sich trägt. Wahrscheinlich wäre sie sogar als Opfer zu wertlos. Zu oft dachte Victoria daran. Vielleicht war das auch der Grund, weshalb sie sich von anderen Menschen lieber fern hielt. Weil sie sich selbst als Wertlos sah. So freundlich Fames auch wirken mochte, machte ihr eines an ihm besonders angst. Man konnte den Tod der an ihm haftete förmlich spüren... beinahe schon ergreifen. Seine ruhige Offenheit und strich das ganze und verlieh ihm etwas beängstigendes. Als er sie fragte, ob es etwas gäbe womit man sie erpressen könnte und sie etwas aus ihrem Leben noch nicht preisgab, gefror ihr das Blut in den Adern. Sie musste mehrmals blinzeln, ihn erneut ansehen, um zu verstehen was er sagte. Diese banale Frage, in diesem Moment - für eine Sekunde war sie überzeugt, dass er den Verstand verloren hatte. Panisch versicherte sie ihm, dass es nichts geben mochte womit er sie je erpressen könnte und erst recht, dass sie so oder so nichts weiter aus ihren Leben preis geben würde. Es war als hätte man der jungen Schützin den Boden unter den Füßen weggerissen. Erst langsam wie eine Katze entferne sie sich von ihm, ehe sie die Flucht ergriff. Nach diesem Gespräch war ihr egal wohin sie rannte. Sie wollte nur noch weg. Äste peitschten ihr ins Gesicht und hinterliesen winzige, blutige Kratzer in ihrem Gesicht. Hin und wieder rutschte sie auf einem glitschigen Ast aus und knickte leicht um. Niemand ausser den Göttern wusste wie lange sie durch den Wald rannte, bis sie endlich die ihr bekannte Lichtung traf. Atemlos lies sie sich auf die Knie fallen. Als Victoria wieder zu Atem kam, ging sie zu einer Wasserstelle nicht weit von ihrem Schlafplatz entfernt. Nachdem sie sich gewaschen und ihre alte, lumpige Kleidung angelegt hatte, lehnte sie sich gegen den Felsen und glitt zu Boden. Dort wo sie mit ihren Gedanken zurückkehrten.
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