Glanz der Wüste
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Saheeb Masari
Tagelang wartete nur Arbeit auf ihn. Die Sonne brannte erbarmungslos vom Himmel und machte stundenlang ganze Gebiete auf Menek'ur selbst für Menekaner unzugänglich. Geplagt vom ständigen Durst, der Hitze und seinen Gedanken schien Arbeit die einzige vernünftige Lösung zu sein.
Der Salzberg spendete Ruhe, Schatten und Kühle. Und auch wenn das Salz sich am Ende des Tages in dicken Schichten auf seiner Haut abgesetzt hatte, dass selbige weißlich glänzte im Lichte der untergehenden Sonne, wenn es seine Haut auch rissig und spröde machte, so war der Schmerz, den er verspürte, wenn er sich abends ein kurzes erfrischendes Bad gönnte, belebend. Es schien das letzte zu sein, was ihn daran erinnerte, dass er noch lebte, tatäschlich noch empfand.
Empfindungen waren ständig vorhanden, überall und allgegenwärtig. Doch Saheeb hätte nie für möglich gehalten, dass man mit einem Mal so viel empfinden konnte, soviele Gefühle in sich tragen konnte, dass man beinahe resistent wurde. Das ständige Grübelnd und Denken war nicht mehr als die Bereitschaft, sich selbst zu quälen, sich dem Treiben zu unterwerfen, dass um einen herum geschah. Saheeb hatte nie vor gehabt, sich zu unterwerfen, und er würde es auch nicht der Frau seiner Träume - den Frauen seiner Träume - zuliebe tun.
Er hatte genug getan. Hatte beiden bewiesen, wie viel sie ihm bedeuteten und jeden Schritt gewagt, den er zu gehen imstande war, ohne seine Ehre und seinen Stolz zu verlieren. Viele Abende hatte er gelitten und sich selbst gequält mit lästigen "Aber was wäre, wenn ich doch..."-Fragen. Damit musste Schluss sein! Das Leben war ein langer Weg, nicht selten steinig und oftmals lagen Hindernisse darin, manchmal unüberwindbar, manchmal aber auch nur Illusionen.
Was stand am Ende dieses Weges? War es der Tod? War sein Weg zu Ende, wenn eines Tages seine Kinder oder Enkel seinen Leichnam in einem Grab zur letzten Ruhe betten würden, das Steintor verschlossen und damit das letzte Sonnenlicht nahmen?
War es die Liebe? Das Gefühl, zuhause anzukommen und sich wohl zu fühlen? Den Menschen gefunden zu haben, der einen verstand und mit dem man am liebsten pausenlos beisammen wäre?
Die Zeit hatte ihn wieder einmal gewandelt. Als Jugendlicher war Saheeb nach Zainas Verschwinden in die Wüste gegangen, hatte sich abgewendet von Familie und Volk, um sich selbst zu finden. Und Saheeb war dort gestorben, in der Einöde, zurück gekehrt war ein neuer, erwachsener Mann, den zu erkennen auch mancher Schwester noch schwer fiel. Und noch ehe die sich einstellen konnten auf einen Bruder, der plötzlich nicht mehr kindisch und jungenhaft war, hatte er sich schon wieder verändert. War wieder in sich gekehrt, um sich zu bewahren, um sich zu schützen vor allem, was auf ihn eindrang. Philosophische Gedanken waren zu keinem Zeitpunkt in seinem Leben jemals von Interesse gewesen, nun kam er sich selbst wie ein Quell vor, der mit Interesse das eigene Leben betrachtete und in Bilder fasste.
Liebe war - und ist - eines der mächtigsten Gefühle, die ein Mensch zu verspüren in der Lage ist. Und häufig ist diese Liebe Geschenk, Quell großen Glückes und Stolzes. Und doch gibt es immer wieder einsame Menschen, zerbrochen und zerstört durch dieses mächtige Gefühl. Saheeb war nicht bereit, sich von einer Emotion richten zu lassen. Noch nicht.
Der Salzberg spendete Ruhe, Schatten und Kühle. Und auch wenn das Salz sich am Ende des Tages in dicken Schichten auf seiner Haut abgesetzt hatte, dass selbige weißlich glänzte im Lichte der untergehenden Sonne, wenn es seine Haut auch rissig und spröde machte, so war der Schmerz, den er verspürte, wenn er sich abends ein kurzes erfrischendes Bad gönnte, belebend. Es schien das letzte zu sein, was ihn daran erinnerte, dass er noch lebte, tatäschlich noch empfand.
Empfindungen waren ständig vorhanden, überall und allgegenwärtig. Doch Saheeb hätte nie für möglich gehalten, dass man mit einem Mal so viel empfinden konnte, soviele Gefühle in sich tragen konnte, dass man beinahe resistent wurde. Das ständige Grübelnd und Denken war nicht mehr als die Bereitschaft, sich selbst zu quälen, sich dem Treiben zu unterwerfen, dass um einen herum geschah. Saheeb hatte nie vor gehabt, sich zu unterwerfen, und er würde es auch nicht der Frau seiner Träume - den Frauen seiner Träume - zuliebe tun.
Er hatte genug getan. Hatte beiden bewiesen, wie viel sie ihm bedeuteten und jeden Schritt gewagt, den er zu gehen imstande war, ohne seine Ehre und seinen Stolz zu verlieren. Viele Abende hatte er gelitten und sich selbst gequält mit lästigen "Aber was wäre, wenn ich doch..."-Fragen. Damit musste Schluss sein! Das Leben war ein langer Weg, nicht selten steinig und oftmals lagen Hindernisse darin, manchmal unüberwindbar, manchmal aber auch nur Illusionen.
Was stand am Ende dieses Weges? War es der Tod? War sein Weg zu Ende, wenn eines Tages seine Kinder oder Enkel seinen Leichnam in einem Grab zur letzten Ruhe betten würden, das Steintor verschlossen und damit das letzte Sonnenlicht nahmen?
War es die Liebe? Das Gefühl, zuhause anzukommen und sich wohl zu fühlen? Den Menschen gefunden zu haben, der einen verstand und mit dem man am liebsten pausenlos beisammen wäre?
Die Zeit hatte ihn wieder einmal gewandelt. Als Jugendlicher war Saheeb nach Zainas Verschwinden in die Wüste gegangen, hatte sich abgewendet von Familie und Volk, um sich selbst zu finden. Und Saheeb war dort gestorben, in der Einöde, zurück gekehrt war ein neuer, erwachsener Mann, den zu erkennen auch mancher Schwester noch schwer fiel. Und noch ehe die sich einstellen konnten auf einen Bruder, der plötzlich nicht mehr kindisch und jungenhaft war, hatte er sich schon wieder verändert. War wieder in sich gekehrt, um sich zu bewahren, um sich zu schützen vor allem, was auf ihn eindrang. Philosophische Gedanken waren zu keinem Zeitpunkt in seinem Leben jemals von Interesse gewesen, nun kam er sich selbst wie ein Quell vor, der mit Interesse das eigene Leben betrachtete und in Bilder fasste.
Liebe war - und ist - eines der mächtigsten Gefühle, die ein Mensch zu verspüren in der Lage ist. Und häufig ist diese Liebe Geschenk, Quell großen Glückes und Stolzes. Und doch gibt es immer wieder einsame Menschen, zerbrochen und zerstört durch dieses mächtige Gefühl. Saheeb war nicht bereit, sich von einer Emotion richten zu lassen. Noch nicht.
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Ismaael Masari
Keuchend warf er das Brustteil seiner Knochenrüstung in den Sand. Fiel dann auf den Hosenboden und atmete tief ein. Wieder hatte er sich bis zur völligen Erschöpfung verausgabt. Sein Waffenarm war schwerer geworden, die Tage. Vielleicht war es die einseitge Belastung eben jenes. Oder hatte er sich doch noch bei Aalina angesteckt? Immerhin war er eine geraume Zeit bei ihr, hatte sich um sie gesorgt und sein Möglichstes getan, was ihr aber wohl nicht wirklich geholfen hat. Jedenfalls war er für eine Menekanerin da gewesen, vor allem war das auch noch die Ehefrau des Großwesirs. Er würde sein Leben geben für eine Person eines solchen Standes. Aber jetzt, da es ihm wirklich schlecht ging, war er sich dessen gar nicht mehr so bewusst. Er hatte direkt nach seinen täglichen Übungen Atemnot, nicht so, wie er es schon kannte - vielmehr war es Übelkeit, die hochstieg.
Er krallte sich seinen Schlafsack und zog ihn heran. Breitete ihn sorgfältig aus und stieg dann in diesen. Die braunschwarzen Augen wanderten zu dem Lederbeutel, dort befand sich sein gesamtes Vermögen. Bald würde er sich ein Haus leisten können, auf eigenen Beinen stehen - im Gegensatz dazu - wie es sein Vater mal von ihm behauptet hatte. Als Salzschürfer hätte er doch ein besseres Leben haben können, bekam er ständig zu hören. Wenigstens einer seiner Träume sollte doch alsbald in Erfüllung gehen. Er setzte alles daran, doch mal zu den bewundernswerten Wüstenjägern zu gehören.
Er krallte sich seinen Schlafsack und zog ihn heran. Breitete ihn sorgfältig aus und stieg dann in diesen. Die braunschwarzen Augen wanderten zu dem Lederbeutel, dort befand sich sein gesamtes Vermögen. Bald würde er sich ein Haus leisten können, auf eigenen Beinen stehen - im Gegensatz dazu - wie es sein Vater mal von ihm behauptet hatte. Als Salzschürfer hätte er doch ein besseres Leben haben können, bekam er ständig zu hören. Wenigstens einer seiner Träume sollte doch alsbald in Erfüllung gehen. Er setzte alles daran, doch mal zu den bewundernswerten Wüstenjägern zu gehören.
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Zaina Masari
Lange Zeit verstrich ... viele Tage, viele Wochen, sie konnte nie glauben, dass der Salzberg ihr allmählich zu wider wurde. Zaina stand immer gern in der Mine, um nach den wertvollen Tränen der Eluive zu schürfen, bis zu diesem Tag.
Lange schürfte sie nach dem weissen Gold, viel Gedanken schwirrten dabei in ihr. Wollte sie ein Leben lang so weiter machen? Immer die gleiche, langweilige Arbeit, die ihren Körper ausdörrte und schändete, jeden Abend schwitzend und salzig von der Arbeit nach Hause kommen, ein Husten der sie manchmal über mehrere Stunden im Hals quälte, die Leere ihres Hauses jedesmal wieder vorzufinden?
Es konnte nicht ewig so weiter gehen und in der Tat, an diesem Abend, als sie nach Hause gehen wollte, verlief alles anderst ... erschöpft nach der langen, anstrengenden Tätigkeit war sie auf dem Weg nach Hause, stand irgendwann vor der Tür und steckte den Schlüssel ins Schloß. Zaina wollte wohl aufsperren, doch änderte sie ihre Meinung, schob den Schlüssel wieder in ihre Tasche und ging wieder hinaus aus der Stadt, hinaus in die Wüste ... ein langer Spaziergang, das würde mir gut tun, vielleicht kann ich dort meine Gedanken ordnen, meine Gedanken um Saalih, um Saheeb ... ihre Schwester Aalina, die sie kaum noch sah ...
Ein langes Stück Wüste legte sie hinter sich ... sie kannte die Wüste in und auswendig, das glaubte sie zumindest, an der Oase entlang und weiter hinaus lief sie .... doch irgendwann wusste sie nichtmehr, ging sie südlich, östlich? Wie musste sie zurück, wie konnte ihr das passieren. Lange lief sie umher, rannte soweit der Sand es zulief, was war nur mit ihr los ... sie kannte den Weg, das wusste sie ... redete Zaina sich immer wieder selbst ein, bis sie schliesslich in sich zusammenbrach ... nahe der Stadtmauern, den Weg wieder gefunden, doch konnte sie nicht mehr, ihre Kräfte ließen nach....
Lange schürfte sie nach dem weissen Gold, viel Gedanken schwirrten dabei in ihr. Wollte sie ein Leben lang so weiter machen? Immer die gleiche, langweilige Arbeit, die ihren Körper ausdörrte und schändete, jeden Abend schwitzend und salzig von der Arbeit nach Hause kommen, ein Husten der sie manchmal über mehrere Stunden im Hals quälte, die Leere ihres Hauses jedesmal wieder vorzufinden?
Es konnte nicht ewig so weiter gehen und in der Tat, an diesem Abend, als sie nach Hause gehen wollte, verlief alles anderst ... erschöpft nach der langen, anstrengenden Tätigkeit war sie auf dem Weg nach Hause, stand irgendwann vor der Tür und steckte den Schlüssel ins Schloß. Zaina wollte wohl aufsperren, doch änderte sie ihre Meinung, schob den Schlüssel wieder in ihre Tasche und ging wieder hinaus aus der Stadt, hinaus in die Wüste ... ein langer Spaziergang, das würde mir gut tun, vielleicht kann ich dort meine Gedanken ordnen, meine Gedanken um Saalih, um Saheeb ... ihre Schwester Aalina, die sie kaum noch sah ...
Ein langes Stück Wüste legte sie hinter sich ... sie kannte die Wüste in und auswendig, das glaubte sie zumindest, an der Oase entlang und weiter hinaus lief sie .... doch irgendwann wusste sie nichtmehr, ging sie südlich, östlich? Wie musste sie zurück, wie konnte ihr das passieren. Lange lief sie umher, rannte soweit der Sand es zulief, was war nur mit ihr los ... sie kannte den Weg, das wusste sie ... redete Zaina sich immer wieder selbst ein, bis sie schliesslich in sich zusammenbrach ... nahe der Stadtmauern, den Weg wieder gefunden, doch konnte sie nicht mehr, ihre Kräfte ließen nach....
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Ismaael Masari
Der Leibwächter des Emirs? Ja, so fühlte er sich an diesem Abend. Kemail, der Emir, Aalina und er, Ismaael, Sohn der Numair, hatten zusammengefunden, um der körperlichen Ertüchtigung des Emirs nachzuhelfen. Er war ein begnadeter Bogenschütze, er war zwar etwas langsamer geworden, ob der ganzen Leckereien, die man ihm wohl im Palast serviert, doch konnte Ismaael von ihm behaupten, dass Aasim Omar einmal ein mächtiger Krieger gewesen sein muss.
Immer wieder hörte er die lobenden Worte des Emirs. "Du wirst es auch schaffen", meinte er zu dem jungen Menekaner. Es tat gut diese Worte zu hören. Stolz und mit enormen Selbstbewusstsein focht er gegen die untoten Kreaturen. Schlug ein Skelett nach dem anderen nieder, schoss mit schneller Schussfolge auf herannahende Ungeheuer. Gab sich der Wildheit des Kampfes einfach nur noch hin.
Als der Emir endlich genug hatte, sich durch die ganzen Wesen nur noch belästigt sah, machten sie sich wieder auf den Rückweg und Ismaael spielte wieder brav das schützende Schild des Emirs. Die erjagten Utensilien wurden unter dem Volk aufgeteilt - der Goldsack Ismaael füllte sich abermals und er freute sich sichtlich. Heute wollte er dann wieder Hadiya besuchen, wollte einfach nur entspannen und sich gepflegt unterhalten. Das konnte er bei ihr gut.
Sahar war ebenfalls anzutreffen und darüber freute er sich, denn auch mit ihr konnte man reden, sich austauschen, die Seele etwas baumeln lassen. Sie kamen darauf zu sprechen, dass Ismaael sich bald ein Haus kaufen würde und auch dass wohl Sahar nach einem neuen Zuhause sucht. Da machte er ihr ein Angebot...
Immer wieder hörte er die lobenden Worte des Emirs. "Du wirst es auch schaffen", meinte er zu dem jungen Menekaner. Es tat gut diese Worte zu hören. Stolz und mit enormen Selbstbewusstsein focht er gegen die untoten Kreaturen. Schlug ein Skelett nach dem anderen nieder, schoss mit schneller Schussfolge auf herannahende Ungeheuer. Gab sich der Wildheit des Kampfes einfach nur noch hin.
Als der Emir endlich genug hatte, sich durch die ganzen Wesen nur noch belästigt sah, machten sie sich wieder auf den Rückweg und Ismaael spielte wieder brav das schützende Schild des Emirs. Die erjagten Utensilien wurden unter dem Volk aufgeteilt - der Goldsack Ismaael füllte sich abermals und er freute sich sichtlich. Heute wollte er dann wieder Hadiya besuchen, wollte einfach nur entspannen und sich gepflegt unterhalten. Das konnte er bei ihr gut.
Sahar war ebenfalls anzutreffen und darüber freute er sich, denn auch mit ihr konnte man reden, sich austauschen, die Seele etwas baumeln lassen. Sie kamen darauf zu sprechen, dass Ismaael sich bald ein Haus kaufen würde und auch dass wohl Sahar nach einem neuen Zuhause sucht. Da machte er ihr ein Angebot...
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Sahar Taj
Je länger sie die Gastfreundschaft ihrer Verwandten nutzte, desto kühler wurden die Blicke die ihre Wege verfolgten. Sie war ihnen eine Last, und dem Onkel ein Ärgernis. Mit dem ersten Morgengrauen verließ sie ihre kleine Kammer und erst spät Abends kehrte sie zurück. So schmerzhaft die Ablehnung ihrer Familie auch war, die gewährte Zeit blieb dennoch ein wertvolles Geschenk. Sahar füllte ihre Tage mit Liedern, Unmengen an geschrieben, ausgestrichenen und umformulierten Zeilen. Sie suchte abgelegene Orte an der Küste auf, um sich im Schatten einer Palme ganz ihrer Musik hinzugeben. Auch ihre Abende begannen sich aufzuhellen seit sie Hadiya getroffen hatte. Die junge Frau hatte ein Licht in Sahars Leben getragen. Es war einfach mit ihr zu lachen, und einfach ihr das Herz zu öffnen. Ihr Haus war eine Quelle des Frohsinns und ein warmer Punkt inmitten der immer noch fremden Stadt.
Auch Ismaael fand sich abends bei Hadiya ein, ehe er sich - wie er immer betonte - zu den Skorpionen in den Sand schlafen legte. Es waren schöne Stunden die zu dritt verplaudert wurden, voll von Gelächter und gedankenvollen Momenten. Etwas schien ihnen gemeinsam zu sein: sie standen auf der Schwelle zu einem mit eigenen Händen erbauten Leben. Der Weg war mühsam und voller Stolperfallen. Hadiya sprach stets voller Tatendrang, sie brannte darauf die Welt mit eigenen Augen sehen zu können. Ismaael schien voller Gegensätze zu stecken, hinter seinem Lachen lag ein ernsthafter, nachdenklicher Mann voller Träume. Und Sahar - ja, Sahar zauderte auf der Schwelle. Ihre Kraft drängte sie vorwärts, ihre Träume wuchsen von Tag zu Tag und wurden doch von den schlichten Fesseln des Alltags zurückgehalten. Sie zerbrach sich den Kopf, wie sie an genügend Gold kommen konnte, um ein kleines Zimmerchen zu mieten.
Und dann fielen an diesem Abend die Worte "Darf ich dir anbieten bei mir zu wohnen?" Sahar verschlug es den Atem. Sie hatte Ismaael über sein zukünftiges Zuhause, seine Pläne sprechen hören und ihn still beneidet. Es musste wunderbar sein, sich dieses Leben aus eigener Kraft zu schaffen und die Früchte zu genießen. Und dieses Haus bot er ihr, die er erst kurze Zeit kannte, als Unterkunft an? Vernünftige Gründe, dieses Angebot auszuschlagen schossen ihr in den ersten Augenblicken durch den Kopf. Doch nach außen drang nur die Freude, ein unbändiges Gefühl der Leichtigkeit. Sie fühlte sich zuhause und angenommen.
Auch Ismaael fand sich abends bei Hadiya ein, ehe er sich - wie er immer betonte - zu den Skorpionen in den Sand schlafen legte. Es waren schöne Stunden die zu dritt verplaudert wurden, voll von Gelächter und gedankenvollen Momenten. Etwas schien ihnen gemeinsam zu sein: sie standen auf der Schwelle zu einem mit eigenen Händen erbauten Leben. Der Weg war mühsam und voller Stolperfallen. Hadiya sprach stets voller Tatendrang, sie brannte darauf die Welt mit eigenen Augen sehen zu können. Ismaael schien voller Gegensätze zu stecken, hinter seinem Lachen lag ein ernsthafter, nachdenklicher Mann voller Träume. Und Sahar - ja, Sahar zauderte auf der Schwelle. Ihre Kraft drängte sie vorwärts, ihre Träume wuchsen von Tag zu Tag und wurden doch von den schlichten Fesseln des Alltags zurückgehalten. Sie zerbrach sich den Kopf, wie sie an genügend Gold kommen konnte, um ein kleines Zimmerchen zu mieten.
Und dann fielen an diesem Abend die Worte "Darf ich dir anbieten bei mir zu wohnen?" Sahar verschlug es den Atem. Sie hatte Ismaael über sein zukünftiges Zuhause, seine Pläne sprechen hören und ihn still beneidet. Es musste wunderbar sein, sich dieses Leben aus eigener Kraft zu schaffen und die Früchte zu genießen. Und dieses Haus bot er ihr, die er erst kurze Zeit kannte, als Unterkunft an? Vernünftige Gründe, dieses Angebot auszuschlagen schossen ihr in den ersten Augenblicken durch den Kopf. Doch nach außen drang nur die Freude, ein unbändiges Gefühl der Leichtigkeit. Sie fühlte sich zuhause und angenommen.
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Saheeb Masari
Wieder ein Tag wie jeder andere... morgens aufstehen, eine Qual, wie immer. Die sonnigen Strahlen kitzelten das nackte, charmante Gesicht Saheebs, der gerade von einem süßen Traum 'geplagt' lächelte. Die weißen, makellosen Zähne bildeten einen warmen Kontrast in dem dunkelhäutigen braunen Gesicht, das doch so selten ohne Kopfbedeckung zu sehen war. Wie jeden Morgen führte sein erster Weg zum Bad, Schweiß und Müdigkeit mussten fort gewaschen werden. Als Oberhaupt einer Familie, als Beauftragter für Handel und Salz und als stolzer und ehrbarer Mann konnte er es sich nicht erlauben, wie ein dahergelaufener Festländer auszusehen. Das kühle Nass wirkte erfrischend und erquickend, und auch wenn Wasser stets ein kostbares Gut war, tat der kleine Spritzer am Morgen dem ganzen Manne gut.
Nach einem kleinen Frühstück bestehend nur aus einigen Früchten und
einem Stück Brot lag das kleine Haus inmitten der goldenen Stadt auch schon wieder verlassen in der Landschaft. Saheeb war nur selten hier, mal holte er ein paar Kleider oder aß ein paar Früchte, noch seltener badete oder schlief er hier. Ja, sogar seinen Schlaf fand er immer häufiger im Sand rund um die Salzmine, die er nun stundenlang jeden Tag aufsuchte.
Immer mehr führte sein Weg ihn fort von Zuhause, aus der Stadt, von all den Freunden und Menekanern, die er in seiner kurzen Zeit kennen gelernt hatte. Wie damals, als er sich für ein ganzes Jahr in die Wüste zureück gezogen hatte, isolierte er sich auch jetzt mehr und mehr wieder. Er brauchte den Rückzug, die Stille, die Besonnenheit für sich. Musste mit sich selbst, mit der Welt, mit Eluive ins Reine kommen. Musste sich endlich selbst eingestehen, was ihn quälte und bedrückte, was WIRKLICH der Kampf in seinem Inneren war. Und der Schlußstrich mit sich selbst, der innere Kampf musste ein Ende finden.
Lange Zeit hatte er versucht, seinen Kummer und sein Leid zu ersticken. Seiner Schwester hatte er hin und wieder zu erklären versucht, was mit ihm los war, aber dieses Geständnis war ihm unmöglich. Niemand sonst schien je zu bemerken, dass etwas in ihm nicht mehr stimmte, dass er sein Glück lange verloren hatte. Das Fortlaufen und Davonrennen, die endlose Arbeit als Weg, den Kummer und die Sorgen zu ersticken und nichtig zu machen, wirkte immer weniger.
Seine Gedanken kreisten immer häufiger um Charis, um Zaina, um Amira, Fateen, Yasemeen... um die Personen, die ihm am Nächsten standen. Um eine bezaubernde und freche junge Frau, um Schwestern, denen er blind vertraute, um wundervolle Eltern, die er verehrte und liebte. Nicht selten wurde er von einer besorgten Wache angesprochen, als er mittem im Schwung mit der Picke innehielt und ein dümmliches Grinsen an den Tag legte.
"Geht es euch gut?", war dann häufig die Frage, die ihm gestellt wurde. Und nicht selten dauerte es eine ganze Weile, bis Saheeb überhaupt bemerkte, dass da jemand neben ihm stand, ihn ansprach...
La - Nein, das musste ein Ende haben. War es so schwer, zu seinen Gefühlen zu stehen? Waren der eigene Stolz und die Ehre der Familie wirklich so viel wert, dass man sich selbst jeden Glückes entsagte? Oder dass man zu sich selbst stehen konnte? Saheeb hatte stets den Emir und seine Gesetze, von Eluive gegeben, respektiert und geachtet, ja verehrt. Nun war er dabei, sich selbst zu verlieren, wollte er seiner Familie keine Schande bringen. Es war an der Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Mit diesem Gedanken legte er die Spitzhacke beiseite, klopfte sich den letzten Rest des Salzes aus den Gewändern und ging langsamen Schrittes richtung Zainas Haus...
Nach einem kleinen Frühstück bestehend nur aus einigen Früchten und
einem Stück Brot lag das kleine Haus inmitten der goldenen Stadt auch schon wieder verlassen in der Landschaft. Saheeb war nur selten hier, mal holte er ein paar Kleider oder aß ein paar Früchte, noch seltener badete oder schlief er hier. Ja, sogar seinen Schlaf fand er immer häufiger im Sand rund um die Salzmine, die er nun stundenlang jeden Tag aufsuchte.
Immer mehr führte sein Weg ihn fort von Zuhause, aus der Stadt, von all den Freunden und Menekanern, die er in seiner kurzen Zeit kennen gelernt hatte. Wie damals, als er sich für ein ganzes Jahr in die Wüste zureück gezogen hatte, isolierte er sich auch jetzt mehr und mehr wieder. Er brauchte den Rückzug, die Stille, die Besonnenheit für sich. Musste mit sich selbst, mit der Welt, mit Eluive ins Reine kommen. Musste sich endlich selbst eingestehen, was ihn quälte und bedrückte, was WIRKLICH der Kampf in seinem Inneren war. Und der Schlußstrich mit sich selbst, der innere Kampf musste ein Ende finden.
Lange Zeit hatte er versucht, seinen Kummer und sein Leid zu ersticken. Seiner Schwester hatte er hin und wieder zu erklären versucht, was mit ihm los war, aber dieses Geständnis war ihm unmöglich. Niemand sonst schien je zu bemerken, dass etwas in ihm nicht mehr stimmte, dass er sein Glück lange verloren hatte. Das Fortlaufen und Davonrennen, die endlose Arbeit als Weg, den Kummer und die Sorgen zu ersticken und nichtig zu machen, wirkte immer weniger.
Seine Gedanken kreisten immer häufiger um Charis, um Zaina, um Amira, Fateen, Yasemeen... um die Personen, die ihm am Nächsten standen. Um eine bezaubernde und freche junge Frau, um Schwestern, denen er blind vertraute, um wundervolle Eltern, die er verehrte und liebte. Nicht selten wurde er von einer besorgten Wache angesprochen, als er mittem im Schwung mit der Picke innehielt und ein dümmliches Grinsen an den Tag legte.
"Geht es euch gut?", war dann häufig die Frage, die ihm gestellt wurde. Und nicht selten dauerte es eine ganze Weile, bis Saheeb überhaupt bemerkte, dass da jemand neben ihm stand, ihn ansprach...
La - Nein, das musste ein Ende haben. War es so schwer, zu seinen Gefühlen zu stehen? Waren der eigene Stolz und die Ehre der Familie wirklich so viel wert, dass man sich selbst jeden Glückes entsagte? Oder dass man zu sich selbst stehen konnte? Saheeb hatte stets den Emir und seine Gesetze, von Eluive gegeben, respektiert und geachtet, ja verehrt. Nun war er dabei, sich selbst zu verlieren, wollte er seiner Familie keine Schande bringen. Es war an der Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Mit diesem Gedanken legte er die Spitzhacke beiseite, klopfte sich den letzten Rest des Salzes aus den Gewändern und ging langsamen Schrittes richtung Zainas Haus...
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Ismaael Masari
Die Sonne knallte ihm, wie jeden Morgen natürlich, ordentlich auf die Stirn. Kein schöner Moment um wach zu werden. Der Speichel hing ihm noch im Mundwinkel, er hatte wohl die ganze Nacht auf dem Rücken gelegen und geschnarcht, lauter als eine menekanische Salzmühle. Dann rieb er sich die Augen, der Schlaf in diesen, verklebte die Augenlider. Mit lautem Gähnen drehte er sich im Schlafsack herum, kratzte sich mit der rechten Hand am Hintern und zog die Öffnung dieses wieder über den Kopf, um sich Schatten zu spenden. Sein Blick fiel auf ein Objekt in einigen Schritten Entfernung. Sofort sprang er auf, griff mit der einen Hand nach links zum Säbel, mit der anderen versuchte er den Schlafsack hochzuziehen. Beides gelang ihm natürlich nicht ordentlich, so flog er direkt im Schlafsack steckend, wieder um, was ungefähr die Eleganz einer betrunkenen Raupe bot. Schließlich krabbelt er diesmal doch lieber vorher auf allen Vieren aus dem Schlafsack, nahm dann den Säbel wieder an sich. Erhob sich zu voller Größe und sah sich das Objekt abermals aus dieser Entfernung an. Es bewegte sich nicht.
So musste er sich also daraufzubewegen. Ja, verdammt - er war neugierig! Als dann Bild dann schärfer wurde, er ungefähr einzuschätzen vermochte, was es sein konnte - Ein Bündel Kleidung? Ein toter Skarabäus? - nein, ganz eindeutig, es war ein Menschenleib. Sogar der einer Frau, wie er es jetzt deuten konnte. Hastig rannte er jetzt, es galt immerhin einer wertgeschätzten Menekanerin zu helfen. Völlig außer Puste kniete er sich neben den Körper, rollte die Frau mit beiden Händen auf den Rücken und sah entsetzt drein: Zaina! Er kannte sie doch. Sie gehörte der Familie Masari an. Er gab ihr einige Schlücke aus seinem Wasserschlauch, sofern sie das Wasser herunterschlucken konnte. Ansonsten befeuchtete er ihr das Gesicht, die Lippen. Hob sie schließlich an, warf sie vorsichtig über seine Schulter und ging leicht in die Hocke, um sich besser fortbewegen zu können. In gebeugter Haltung schaffte er es nach einer halben Stunde in die Stadt zu kommen. Er wusste glücklicherweise, wo ihr Haus stand. Immerhin war er schonmal drin gewesen. Alle Wachen schauten ihn völlig entsetzt an, als habe er gerade einen Mord begangen, dabei wollte er doch nur helfen. Er tastete ihre Tasche ab, die sie über die Schulter hängen hatte und schloß ihre Tür auf, um sie erstmal in ein schattiges Plätzchen zu legen. In ihrem Haus würde es ihr bald besser gehen. Hier war es kühler als draußen, hier hatte sie Heimat und viele gemütliche Kissen.
Sein Blick fiel an sich herunter. Ihm wurde schlagartig klar, wieso die Wachen so auf ihn geschaut hatten. Er hatte sich den Säbel mit dem Waffengurt übergezogen, hinzu steckte er immernoch lediglich in seinem Lendenschurz. Verdammt, er hatte immernoch keine Hose an...
So musste er sich also daraufzubewegen. Ja, verdammt - er war neugierig! Als dann Bild dann schärfer wurde, er ungefähr einzuschätzen vermochte, was es sein konnte - Ein Bündel Kleidung? Ein toter Skarabäus? - nein, ganz eindeutig, es war ein Menschenleib. Sogar der einer Frau, wie er es jetzt deuten konnte. Hastig rannte er jetzt, es galt immerhin einer wertgeschätzten Menekanerin zu helfen. Völlig außer Puste kniete er sich neben den Körper, rollte die Frau mit beiden Händen auf den Rücken und sah entsetzt drein: Zaina! Er kannte sie doch. Sie gehörte der Familie Masari an. Er gab ihr einige Schlücke aus seinem Wasserschlauch, sofern sie das Wasser herunterschlucken konnte. Ansonsten befeuchtete er ihr das Gesicht, die Lippen. Hob sie schließlich an, warf sie vorsichtig über seine Schulter und ging leicht in die Hocke, um sich besser fortbewegen zu können. In gebeugter Haltung schaffte er es nach einer halben Stunde in die Stadt zu kommen. Er wusste glücklicherweise, wo ihr Haus stand. Immerhin war er schonmal drin gewesen. Alle Wachen schauten ihn völlig entsetzt an, als habe er gerade einen Mord begangen, dabei wollte er doch nur helfen. Er tastete ihre Tasche ab, die sie über die Schulter hängen hatte und schloß ihre Tür auf, um sie erstmal in ein schattiges Plätzchen zu legen. In ihrem Haus würde es ihr bald besser gehen. Hier war es kühler als draußen, hier hatte sie Heimat und viele gemütliche Kissen.
Sein Blick fiel an sich herunter. Ihm wurde schlagartig klar, wieso die Wachen so auf ihn geschaut hatten. Er hatte sich den Säbel mit dem Waffengurt übergezogen, hinzu steckte er immernoch lediglich in seinem Lendenschurz. Verdammt, er hatte immernoch keine Hose an...
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Saheeb Masari
Was war das nur für ein Abend gewesen? Eine ganze Weile hatte er vor Zainas Tür herumgestanden, unsicher, unschlüssig, ehe er endlich den Mut fand, sie um Rat zu fragen. Sie war eine Frau, wer konnte ihm besser einen Rat geben? Und sie war seine Zwillingsschwester, wer konnte besser verstehen, wieso Saheeb diesmal solche Probleme hatte?
Leise und auch noch etwas zaghaft klopfte Saheeb an die Türe. Während er ungeduldig und nervös darauf wartete, dass seine liebe Schwester die Tür öffnete, wechselte er ungeduldig von einem Bein auf das andere und starrte den Boden an. Er war sauber gekehrt - ganz im Gegensatz zu dem Boden, der sein Haus zierte. Er musste dringend etwas dagegen unternehmen, sollte er jemals wieder nach Hause kommen.
Keiner öffnete. Saheeb war überrascht - es war so gar nicht Zainas Art, so spät noch weg zu gehen. Schon als kleines Mädchen war sie lieber früher ins Bett gegangen, wenn er sich an ihre Kindheit zurück erinnerte. Und so fest konnte sie ja auch nicht schlafen, das wusste er von sich selbst - schon eine kleine Schlange, die draußen über den Sandboden huschte, konnte ihn wecken.
Ob sie etwa mit... Saalih? Dann würde sie bestimmt nicht viel mitbekommen... weder von ihm noch seinem Geklopfe... aber nein, die beiden waren noch nicht getraut worden, einen solchen Verstoß gegen die menekanischen Sitten hätte Zaina niemals gewagt. Erneut trat Saheeb an die Tür heran, klopfte wieder, diesmal etwas lauter, energischer.
"Zaina? Bist du da?", rief er diesmal halblaut. Er hatte nicht vor, ganz Menek'ur mit seinem Geschrei aus dem Schlaf zu schütteln, aber zumindest Zaina hätte es hören müssen. Doch noch immer rührte sich nichts. Kein Geräusch war aus dem Haus zu vernehmen, keine Schritte, keine Stimme, und die Türe war weiterhin verschlossen.
"Zaina!", rief er nun doch etwas lauter und knapper. Sollten die anderen Menekaner ihn verfluchen, er musste mit seiner Schwester sprechen. Aber auch diesmal keine Reaktion.
"Verdammt... wieso macht sie nicht auf?" Ein verhängnisvoller Satz. Saheeb nahm sich vor, in Zukunft nie wieder allgemeine Fragen in de Raum zu stellen, zu groß war die Gefahr, dass Leute es auf sich bezogen.
"Weil es mitten in der Nacht ist und alle schlafen...", antwortete eine bekannte Stimme aus der Dunkelheit. Saheeb fuhr erschrocken herum. "Aalina?" Mitten in der Nacht einsame Gestalten auszumachen gehörte sicherlich nicht zu Saheebs Stärken. Und so blieb er ziemlich überrumpelt und orientierungslos stehen, den Blick verzweifelt durch die Nacht schweifen lassend.
"Ja... irgendwo im Dunkel." Kryptische Antworten, das hatte ihm gefehlt. Trieb sie wieder irgendein makabres Spiel mit ihm? Vielleicht mit Zaina zusammen? Aber er musste sich zusammen reißen. Seine letzte Begegnung mit ihr war nicht glücklich gewesen, also waren Vorwürfe oder gar ein Streit das Letzte, was er nun brauchen konnte.
"Irgendwo im Dunkel...", wiederholte er ihre Worte nur leise. Kindische Worte, so empfand er sie in diesem Moment. Waren sie nicht aus dem Alter heraus, in dem man sich im Schatten versteckte und den anderen zu übertölpeln versuchte? Er zumindest war es.
Sein nächster Blick ging wieder zu der Tür. Noch immer war sie fest verschlossen. "Selbst wenn sie schläft, sie müsste es gehört haben...", meinte er besorgt, eine Mischung aus Nervosität und aufgebrachter Erregung schwang in seiner Stimme mit.
Nun kam Aalina doch etwas näher - und nun vernahm Saheeb auch das Hufgeklapper, das er zuvor ignoriert haben musste. Aalina saß auf ihrem roten Mustang und kam nur wenige Schritte näher, aber nah genug, dass er sie im Dunkeln ausmachen konnte.
"Dann ist sie nicht da... oder sie schläft sehr fest." Ja, das hätte er nun auch gesagt, wenn er Zaina nicht besser kennen würde. Wofür war er eigentlich ihr Bruder? Aber es hieß freundlich bleiben, keine Provokationen, sondern ein sachliches Gespräch beibehalten.
"Zaina? Du kennst doch deine Schwester. Es passt nicht zu ihr, dass sie um diese Zeit noch unterwegs ist... und so fest schläft sie nicht."
"Du wirst es wissen... ist es doch die einzige Schwester, um die du dich wirklich kümmerst."
Was? War sie nun vollkommen durchgedreht? Tausende von Gedanken schossen ihm durch den Kopf, die er ihr am liebsten lautstark und vor Zainas Haus an den Kopf geknallt hätte - aber wäre das klug gewesen? Er versuchte es diplomatischer. Diese Frau musste wieder zur Vernunft kommen. Langsam nur drehte er seinen Kopf von der Tür wieder zu Aalina hin.
"Ich geh nach Hause. Ich habe die Tasche voller Reagenzien, die ich einsortieren muss."
Oh ja. Das war typisch für sie. Kaum wurde es ärgerlich, kaum stand sie einem Konflikt gegenüber, da rannte sie weg. Wie bei Eluive sollte er sich denn um sie kümmern, wenn sie jedesmal wie ein verzogenes Gör nach Hause floh? Sollte er bei Raakin ankriechen und ihn 'bitten', er möge sie doch mal vor die Türe schicken, damit er wenigstens mit ihr sprechen konnte? Sie würde in die Wüste fliehen. Es war nicht der rechte Zeitpunkt, sich zu erklären. Und noch viel weniger, ihr Vorwürfe zu machen - dazu war nie der rechte Zeitpunkt. Sich als Opfer mangelnder Aufmerksamkeit zu fühlen, ist immer leicht - die Ursachen liegen aber nicht immer nur bei anderen.
"Aalina, du tust mir Unrecht." Mehr brauchte er nicht zu sagen. Sie würde es abstreiten. Würde ihm sagen, wieviel er sich um Zaina kümmerte und wie wenig um sie. Würde ihm zuletzt zu verstehen geben, dass sie sein Verhalten erbärmlich fand und dann enttäuscht und ohne seine Reaktion abzuwarten davonreiten. Zumindest konnte er sich das nur zu gut vorstellen.
"Saheeb, nein. Wenn ich das hier sehe, treibt es mir fast die Tränen ins Gesicht... sehe ich dich NIE vor meiner Tür stehen oder sonst irgendwas... du hast nicht einmal mitbekommen, dass ich erkrankt war... bin... wie auch immer."
Innerlich rollte Saheeb die Augen gen Himmel. Möge Eluive ihm diese Szene ersparen! Oh ja, er stand nie vor Aalinas Türe - wozu auch? War sie wirklich in der Lage, IHN zu verstehen? War sie jemals zuhause, als er es versucht hatte? Und - war sie jemals bei ihm gewesen? Zaina hatte er lange Zeit auch nicht besucht, bis sie sich ein Herz gefasst und zu ihm gekommen war. Bestand geschwisterliche Zuneigung bei Aalina darin, vor ihrer Tür anzukriechen? Saheeb war zu beschäftigt, als dass er bei allen Geschwistern stündliche Aufwartungen machen konnte, und bei Eluive - das war auch nicht seine Aufgabe. Und ja, er hatte nicht mitbekommen, dass sie erkrankt war - streng genommen hatte er gar nichts aus den letzten Wochen mitbekommen. Wieso bezog Aalina wieder einmal alles auf sich? Dieses Verhalten kannte Saheeb wirklich gut - von kleinen, jugendlichen Menekanerinnen, die sich unbeachtet fühlen. Aber das war doch seine erwachsene, verheiratete Schwester?
"Ja... und Eluive sei dir gnädig, das ist auch besser für dich. Ich habe nicht nur von dir nichts mitbekommen." Herrje. Der erste Satz war ihm heraus gerutscht. Nein, das waren Dinge, die Aalina nichts angingen - nichts angehen durften. Auch das würde sie ihm vorwerfen, da war er sich sicher, aber das war nicht zu vermeiden. Nur noch ein Kiesel in einem Meer sinnloser und haltloser Beschuldigungen.
"Für dich zählt immer nur Zaina, Zaina, Zaina... es ist auch sonst so!" Hm... ja. Dass sich seine Gedanken in Wirklichkeit mehr um Aalinas eigenen Schneiderlehrling drehten, konnte sie nicht wissen - er hatte ihr nie davon erzählt. Sie hatte es auch nie wirklich zur Kenntnis genommen - im Gegensatz zu Zaina. Denn die hatte sofort bemerkt, dass etwas mit ihm nicht gestimmt hatte. Und Zaina zählte ja soviel mehr, in der Tat. Schließlich hatte er Zaina und ihren Saalih in seinem Hause schmoren lassen, bis er ihnen endlich den Bund der Ehe genehmigt hatte. Hatte es je Zweifel gegeben, dass Aalina ihren Raakin bekommen würde? Hatte er nicht damals sein ganzes Vermögen, dass er in der kurzen Zeit nach seiner Wiederkehr gesammelt hatte, für sie abgegeben? Das war nun der Dank. Aber all dies waren nur Gedanken, die zu äußern für schreckliche Lärmbelästigung bis zum Palast des Ehrwürdigen geführt hätten. Am besten war es wohl, ihr Recht zu geben. Das konnte die Sache beschleunigen.
"Aiwa, und genau das macht mich zu einem der verzweifeltsten Menschen, der zu dieser Stunde in dieser Stadt unterwegs ist. Ich weiß, dass ich dir meine Liebe als Bruder nie so zeigte, wie ich es Zaina gegenüber getan habe. Aber auf eine gewisse Art bist du mir als Schwester wichtiger als sie. Glaube es... oder nicht."
Sollte das nicht als Beschwichtigung reichen? Er erkannte seine Schuld an, auch wenn er keine hatte. Was wollte sie noch mehr?
"Sicher, sofern du Teppiche oder Kissen benötigst." Innerlich musste Saheeb an dieser Stelle schmunzeln. Er hatte seine Schwester bisher ein einziges Mal um eine Rüstung gebeten, kein anderes Stoffteil aus seinem Haus entsprang einer Bitte an sie. Wohlweislich bat er seine Schwestern um so wenig wie möglich - er hatte genau das verhindern wollen. Betrachtete man das Ergebnis, so war es wohl doch besser, niemals zu heiraten. Das schien schlimme Folgen zu haben.
"Nun, ich darf vermutlich nicht damit rechnen, dass du mich verstehst. Und ich bin froh darüber." Ja, und froh war er wirklich darüber. Wer weiß, was für eine Szene sie ihm gemacht hätte, hätte sie wirklich gewusst, um wen und was es hier ging. "Denn... würdest du es, Schwester... du würdest mich hassen." Falls sie das nicht schon tat. Sie würde ihn hassen, dass er ihr nichts erzählt hatte, sondern nur ZAINA, dass er ihr nicht vertraute, sondern nur ZAINA, dass er nicht ihren Rat wollte, sondern nur ZAINAS. Saheeb wusste zwar, dass er durchaus ein stattlicher Mann war, aber Machtkämpfe unter seinen Schwestern um seine Gunst? Eine seltsame Vorstellung, für einen besorgten Bruder aber dennoch irgendwie belustigend.
"Inshallah... edler Führer des Hauses Masari" Ja, das war zu erwarten gewesen. Die lief davon und gab ihm noch eine letzte Spitze mit. Vielleicht hoffte sie, dass es ihn aufwühlte, dass er ihr nachlief, oder dass er sich nun um sie bemühte? Wie auch immer, er hatte den Kopf für solche Spielereien nicht frei. Sollte sie zu ihrem Raakin laufen, sollte sie in ihrem Hass auf ihren Bruder Freude finden. Wenn Eluive in seinem Verhalten jemals Grund zur Strafe sah, sie sollte ihn züchtigen, wie es sich gehörte. Aber er, Saheeb, Oberhaupt der Masari und Salzschürfer, würde ihr bestimmt nicht nachlaufen, solange nicht Eluive selbst oder der Emir es ihm befahlen. Nicht, solange sie nicht ernsthaft mit ihm sprach.
"Ma'asalema, Aalina. Auf dass du mich eines Tages verstehst." Bei diesen Worten drehte sie sich noch einmal herum. "Nein, ich verstehe es nicht... dass du deine kleineren Schwestern außen vor lässt... und es ist... ja.. es ist wahrlich... TRAURIG"
Damit ritt sie von dannen. Oh ja, es war wirklich traurig. Traurig, wie sehr sich Aalina verändert hatte, seit Raakin sie zur Frau nahm. Sollte er ihm leid tun? Aber sie würde es nicht wagen, ihrem Raakin auch nur einen kleinen Vorwurf zu machen. Wieso hatte nur sie das Recht, zu lieben? Sich dadurch zu verändern?
Aus dem Dunkeln trat nun ein fremder Menekaner heran, Kemail aus dem Hause der Razin. Für einen kurzen Moment freute er sich über die Gesellschaft eines Menekaners, mit dem man noch reden konnte. Etwas musste Zaina zugestoßen sein, denn anderenfalls wäre sie nach diesem Intermezzo in der Tür gestanden und hätte ungeduldig mit dem Fuß getippelt. Aber... nein. Es war zu spät. Er würde am Morgen nach ihr suchen, er brauchte seine Ruhe. Musste seine Schwester vergessen, seine jüngere Schwester, die so sehr an mangelnder Beachtung litt. Oh ja, bei Eluive und allen großen Göttern, ein älterer Bruder zu sein ist nicht immer leicht.
Leise und auch noch etwas zaghaft klopfte Saheeb an die Türe. Während er ungeduldig und nervös darauf wartete, dass seine liebe Schwester die Tür öffnete, wechselte er ungeduldig von einem Bein auf das andere und starrte den Boden an. Er war sauber gekehrt - ganz im Gegensatz zu dem Boden, der sein Haus zierte. Er musste dringend etwas dagegen unternehmen, sollte er jemals wieder nach Hause kommen.
Keiner öffnete. Saheeb war überrascht - es war so gar nicht Zainas Art, so spät noch weg zu gehen. Schon als kleines Mädchen war sie lieber früher ins Bett gegangen, wenn er sich an ihre Kindheit zurück erinnerte. Und so fest konnte sie ja auch nicht schlafen, das wusste er von sich selbst - schon eine kleine Schlange, die draußen über den Sandboden huschte, konnte ihn wecken.
Ob sie etwa mit... Saalih? Dann würde sie bestimmt nicht viel mitbekommen... weder von ihm noch seinem Geklopfe... aber nein, die beiden waren noch nicht getraut worden, einen solchen Verstoß gegen die menekanischen Sitten hätte Zaina niemals gewagt. Erneut trat Saheeb an die Tür heran, klopfte wieder, diesmal etwas lauter, energischer.
"Zaina? Bist du da?", rief er diesmal halblaut. Er hatte nicht vor, ganz Menek'ur mit seinem Geschrei aus dem Schlaf zu schütteln, aber zumindest Zaina hätte es hören müssen. Doch noch immer rührte sich nichts. Kein Geräusch war aus dem Haus zu vernehmen, keine Schritte, keine Stimme, und die Türe war weiterhin verschlossen.
"Zaina!", rief er nun doch etwas lauter und knapper. Sollten die anderen Menekaner ihn verfluchen, er musste mit seiner Schwester sprechen. Aber auch diesmal keine Reaktion.
"Verdammt... wieso macht sie nicht auf?" Ein verhängnisvoller Satz. Saheeb nahm sich vor, in Zukunft nie wieder allgemeine Fragen in de Raum zu stellen, zu groß war die Gefahr, dass Leute es auf sich bezogen.
"Weil es mitten in der Nacht ist und alle schlafen...", antwortete eine bekannte Stimme aus der Dunkelheit. Saheeb fuhr erschrocken herum. "Aalina?" Mitten in der Nacht einsame Gestalten auszumachen gehörte sicherlich nicht zu Saheebs Stärken. Und so blieb er ziemlich überrumpelt und orientierungslos stehen, den Blick verzweifelt durch die Nacht schweifen lassend.
"Ja... irgendwo im Dunkel." Kryptische Antworten, das hatte ihm gefehlt. Trieb sie wieder irgendein makabres Spiel mit ihm? Vielleicht mit Zaina zusammen? Aber er musste sich zusammen reißen. Seine letzte Begegnung mit ihr war nicht glücklich gewesen, also waren Vorwürfe oder gar ein Streit das Letzte, was er nun brauchen konnte.
"Irgendwo im Dunkel...", wiederholte er ihre Worte nur leise. Kindische Worte, so empfand er sie in diesem Moment. Waren sie nicht aus dem Alter heraus, in dem man sich im Schatten versteckte und den anderen zu übertölpeln versuchte? Er zumindest war es.
Sein nächster Blick ging wieder zu der Tür. Noch immer war sie fest verschlossen. "Selbst wenn sie schläft, sie müsste es gehört haben...", meinte er besorgt, eine Mischung aus Nervosität und aufgebrachter Erregung schwang in seiner Stimme mit.
Nun kam Aalina doch etwas näher - und nun vernahm Saheeb auch das Hufgeklapper, das er zuvor ignoriert haben musste. Aalina saß auf ihrem roten Mustang und kam nur wenige Schritte näher, aber nah genug, dass er sie im Dunkeln ausmachen konnte.
"Dann ist sie nicht da... oder sie schläft sehr fest." Ja, das hätte er nun auch gesagt, wenn er Zaina nicht besser kennen würde. Wofür war er eigentlich ihr Bruder? Aber es hieß freundlich bleiben, keine Provokationen, sondern ein sachliches Gespräch beibehalten.
"Zaina? Du kennst doch deine Schwester. Es passt nicht zu ihr, dass sie um diese Zeit noch unterwegs ist... und so fest schläft sie nicht."
"Du wirst es wissen... ist es doch die einzige Schwester, um die du dich wirklich kümmerst."
Was? War sie nun vollkommen durchgedreht? Tausende von Gedanken schossen ihm durch den Kopf, die er ihr am liebsten lautstark und vor Zainas Haus an den Kopf geknallt hätte - aber wäre das klug gewesen? Er versuchte es diplomatischer. Diese Frau musste wieder zur Vernunft kommen. Langsam nur drehte er seinen Kopf von der Tür wieder zu Aalina hin.
"Ich geh nach Hause. Ich habe die Tasche voller Reagenzien, die ich einsortieren muss."
Oh ja. Das war typisch für sie. Kaum wurde es ärgerlich, kaum stand sie einem Konflikt gegenüber, da rannte sie weg. Wie bei Eluive sollte er sich denn um sie kümmern, wenn sie jedesmal wie ein verzogenes Gör nach Hause floh? Sollte er bei Raakin ankriechen und ihn 'bitten', er möge sie doch mal vor die Türe schicken, damit er wenigstens mit ihr sprechen konnte? Sie würde in die Wüste fliehen. Es war nicht der rechte Zeitpunkt, sich zu erklären. Und noch viel weniger, ihr Vorwürfe zu machen - dazu war nie der rechte Zeitpunkt. Sich als Opfer mangelnder Aufmerksamkeit zu fühlen, ist immer leicht - die Ursachen liegen aber nicht immer nur bei anderen.
"Aalina, du tust mir Unrecht." Mehr brauchte er nicht zu sagen. Sie würde es abstreiten. Würde ihm sagen, wieviel er sich um Zaina kümmerte und wie wenig um sie. Würde ihm zuletzt zu verstehen geben, dass sie sein Verhalten erbärmlich fand und dann enttäuscht und ohne seine Reaktion abzuwarten davonreiten. Zumindest konnte er sich das nur zu gut vorstellen.
"Saheeb, nein. Wenn ich das hier sehe, treibt es mir fast die Tränen ins Gesicht... sehe ich dich NIE vor meiner Tür stehen oder sonst irgendwas... du hast nicht einmal mitbekommen, dass ich erkrankt war... bin... wie auch immer."
Innerlich rollte Saheeb die Augen gen Himmel. Möge Eluive ihm diese Szene ersparen! Oh ja, er stand nie vor Aalinas Türe - wozu auch? War sie wirklich in der Lage, IHN zu verstehen? War sie jemals zuhause, als er es versucht hatte? Und - war sie jemals bei ihm gewesen? Zaina hatte er lange Zeit auch nicht besucht, bis sie sich ein Herz gefasst und zu ihm gekommen war. Bestand geschwisterliche Zuneigung bei Aalina darin, vor ihrer Tür anzukriechen? Saheeb war zu beschäftigt, als dass er bei allen Geschwistern stündliche Aufwartungen machen konnte, und bei Eluive - das war auch nicht seine Aufgabe. Und ja, er hatte nicht mitbekommen, dass sie erkrankt war - streng genommen hatte er gar nichts aus den letzten Wochen mitbekommen. Wieso bezog Aalina wieder einmal alles auf sich? Dieses Verhalten kannte Saheeb wirklich gut - von kleinen, jugendlichen Menekanerinnen, die sich unbeachtet fühlen. Aber das war doch seine erwachsene, verheiratete Schwester?
"Ja... und Eluive sei dir gnädig, das ist auch besser für dich. Ich habe nicht nur von dir nichts mitbekommen." Herrje. Der erste Satz war ihm heraus gerutscht. Nein, das waren Dinge, die Aalina nichts angingen - nichts angehen durften. Auch das würde sie ihm vorwerfen, da war er sich sicher, aber das war nicht zu vermeiden. Nur noch ein Kiesel in einem Meer sinnloser und haltloser Beschuldigungen.
"Für dich zählt immer nur Zaina, Zaina, Zaina... es ist auch sonst so!" Hm... ja. Dass sich seine Gedanken in Wirklichkeit mehr um Aalinas eigenen Schneiderlehrling drehten, konnte sie nicht wissen - er hatte ihr nie davon erzählt. Sie hatte es auch nie wirklich zur Kenntnis genommen - im Gegensatz zu Zaina. Denn die hatte sofort bemerkt, dass etwas mit ihm nicht gestimmt hatte. Und Zaina zählte ja soviel mehr, in der Tat. Schließlich hatte er Zaina und ihren Saalih in seinem Hause schmoren lassen, bis er ihnen endlich den Bund der Ehe genehmigt hatte. Hatte es je Zweifel gegeben, dass Aalina ihren Raakin bekommen würde? Hatte er nicht damals sein ganzes Vermögen, dass er in der kurzen Zeit nach seiner Wiederkehr gesammelt hatte, für sie abgegeben? Das war nun der Dank. Aber all dies waren nur Gedanken, die zu äußern für schreckliche Lärmbelästigung bis zum Palast des Ehrwürdigen geführt hätten. Am besten war es wohl, ihr Recht zu geben. Das konnte die Sache beschleunigen.
"Aiwa, und genau das macht mich zu einem der verzweifeltsten Menschen, der zu dieser Stunde in dieser Stadt unterwegs ist. Ich weiß, dass ich dir meine Liebe als Bruder nie so zeigte, wie ich es Zaina gegenüber getan habe. Aber auf eine gewisse Art bist du mir als Schwester wichtiger als sie. Glaube es... oder nicht."
Sollte das nicht als Beschwichtigung reichen? Er erkannte seine Schuld an, auch wenn er keine hatte. Was wollte sie noch mehr?
"Sicher, sofern du Teppiche oder Kissen benötigst." Innerlich musste Saheeb an dieser Stelle schmunzeln. Er hatte seine Schwester bisher ein einziges Mal um eine Rüstung gebeten, kein anderes Stoffteil aus seinem Haus entsprang einer Bitte an sie. Wohlweislich bat er seine Schwestern um so wenig wie möglich - er hatte genau das verhindern wollen. Betrachtete man das Ergebnis, so war es wohl doch besser, niemals zu heiraten. Das schien schlimme Folgen zu haben.
"Nun, ich darf vermutlich nicht damit rechnen, dass du mich verstehst. Und ich bin froh darüber." Ja, und froh war er wirklich darüber. Wer weiß, was für eine Szene sie ihm gemacht hätte, hätte sie wirklich gewusst, um wen und was es hier ging. "Denn... würdest du es, Schwester... du würdest mich hassen." Falls sie das nicht schon tat. Sie würde ihn hassen, dass er ihr nichts erzählt hatte, sondern nur ZAINA, dass er ihr nicht vertraute, sondern nur ZAINA, dass er nicht ihren Rat wollte, sondern nur ZAINAS. Saheeb wusste zwar, dass er durchaus ein stattlicher Mann war, aber Machtkämpfe unter seinen Schwestern um seine Gunst? Eine seltsame Vorstellung, für einen besorgten Bruder aber dennoch irgendwie belustigend.
"Inshallah... edler Führer des Hauses Masari" Ja, das war zu erwarten gewesen. Die lief davon und gab ihm noch eine letzte Spitze mit. Vielleicht hoffte sie, dass es ihn aufwühlte, dass er ihr nachlief, oder dass er sich nun um sie bemühte? Wie auch immer, er hatte den Kopf für solche Spielereien nicht frei. Sollte sie zu ihrem Raakin laufen, sollte sie in ihrem Hass auf ihren Bruder Freude finden. Wenn Eluive in seinem Verhalten jemals Grund zur Strafe sah, sie sollte ihn züchtigen, wie es sich gehörte. Aber er, Saheeb, Oberhaupt der Masari und Salzschürfer, würde ihr bestimmt nicht nachlaufen, solange nicht Eluive selbst oder der Emir es ihm befahlen. Nicht, solange sie nicht ernsthaft mit ihm sprach.
"Ma'asalema, Aalina. Auf dass du mich eines Tages verstehst." Bei diesen Worten drehte sie sich noch einmal herum. "Nein, ich verstehe es nicht... dass du deine kleineren Schwestern außen vor lässt... und es ist... ja.. es ist wahrlich... TRAURIG"
Damit ritt sie von dannen. Oh ja, es war wirklich traurig. Traurig, wie sehr sich Aalina verändert hatte, seit Raakin sie zur Frau nahm. Sollte er ihm leid tun? Aber sie würde es nicht wagen, ihrem Raakin auch nur einen kleinen Vorwurf zu machen. Wieso hatte nur sie das Recht, zu lieben? Sich dadurch zu verändern?
Aus dem Dunkeln trat nun ein fremder Menekaner heran, Kemail aus dem Hause der Razin. Für einen kurzen Moment freute er sich über die Gesellschaft eines Menekaners, mit dem man noch reden konnte. Etwas musste Zaina zugestoßen sein, denn anderenfalls wäre sie nach diesem Intermezzo in der Tür gestanden und hätte ungeduldig mit dem Fuß getippelt. Aber... nein. Es war zu spät. Er würde am Morgen nach ihr suchen, er brauchte seine Ruhe. Musste seine Schwester vergessen, seine jüngere Schwester, die so sehr an mangelnder Beachtung litt. Oh ja, bei Eluive und allen großen Göttern, ein älterer Bruder zu sein ist nicht immer leicht.
-
Zaina Masari
Spät abends ging sie spazieren. Gedanken erfüllt. Immer wieder kreisten ihre Gedanken um Said Omar, sollte sie das Geschehene nicht längst vergessen haben? Dann wieder schweiften ihr Gedanken an Saalih, dem Mann ihres Herzens, der ihr all das Glück und die Sterne vom Himmel holte, glücklich war sie an seiner Seite … doch irgendetwas trübte ihr Herz dabei, doch fand sie es nicht … ein weiterer Gedanke fiel auf ihren Bruder Saheeb, der sich glücklich verliebte … nein, wohl eher unglücklich sowie er auf sie wirkte. So fröhlich und verwirrt hat sie ihn schon lange nichtmehr gesehen, doch irgendetwas schien auch sein Herz zu trüben. Sorgen machte sich Zaina, viele Sorgen … warum überhaupt? Sollte sie nicht endlich anfangen sich von ihrer Familie zu lösen und nur noch an sich und ihr Glück denken. Nein. Das konnte sie nicht. Nie. Sie würde sich schlecht fühlen dabei. Aber fühlte sie sich momentan besser? … grübelnd und verzweifelt ging sie den Weg vom Salzberg zurück nach Hause. Vielleicht finde ich dort meine Ruhe. Doch als sie vor den Stadttoren stand und einen Blick auf ihr Haus werfen konnte, schüttelte Sie insgeheim den Kopf und murmelte zu sich selbst: „Nein … nein jetzt nicht, heute nicht!“ … sie konnte es nicht ertragen, all die Ecken zu sehen, die sie an vieles erinnerte und jäh an ihren Gedanken nagten, die sie glücklich machten und zugleich unglücklich. Zaina machte kehrt und lief wieder in Richtung des Salzberges … „Kalt war es geworden“ schoss es ihr durch den Kopf, doch lief sie weiter, fast wie in Trance, gedankenverloren und nichts beachtend. Wie aus dem Nichts hörte sie plötzlich eine Stimme.
„Salam Zaina … „ kam es von hinten an sie gesprochen. Wer nur sprach sie mitten in der Nacht an, kannte sie und war um diese Uhrzeit noch wach. Sie drehte sich um und erkannte Kemails Umrisse in der dunklen Nacht, sie neigte ihr Haupt, begrüsste ihn, wie es sich unter Menekanern gebührte, doch musst man ihr ansehen, wie sie sich fühlte, innerlich zerrüttet von vielen Gedanken, frierend und schwach von der vielen Arbeit, den langen Spaziergängen die sie in letzter Zeit immer häufiger unternahm. Schliesslich fragte Kemail sie danach: „Zaina, geht es dir nicht gut? …“ woher konnte er nur wissen … Nein … er konnte es nicht wissen, woher denn auch, sie kannte ihn kaum, viel wusste er nicht von ihr, doch schien es ganz offentsichlich in ihrem Gesicht zu stehen, dass sie Sorgen hatte, müde war, geschwächt … wurde sie krank? Nein … es war wohl nur die viele Arbeit, die sorgenvollen Gedanken, die Angst die Menschen zu verlieren, die sie am meisten liebte. Verlor sie doch schon einmal jemanden, was ihr unendlich das Herz brach, war es doch ein schrecklicher Anblick. Sie wollte das einfach nicht nochmal erleben, aber das musste Kemail nicht wissen und konnte er nicht. So versuchte sie jenes zu unterdrücken, doch gelang es ihr nicht. Kemail versuchte mit Worten aus ihr herauszulocken, er wollte das sie redete, es musste ihn sehr bedrücken, sie so unglücklich zu sehen. Stotterte und stammelte er doch einige Sätze zusammen, mit denen er wohl recht hatte … aber sie konnte sich ihm nicht anvertrauen, was würde er von ihr denken? Das sie verrückt wäre … oder würde er sie verstehen? Sie wusste es nicht.
„Ich habe deinen Bruder getroffen … und er meinte, dass es dir nicht gut ging“ … Kemail sah Zaina nochmals eingehend dabei an, ehe er weitersprach … „und du siehst wirklich nicht gut aus“ Daraufhin senkte sie nur den Blick, sah sie denn so schrecklich aus, konnten Gefühle und Gedanken einen so zerrütten, warum konnte sie sich nicht besser hinter ihren Gefühlen verstecken, warum konnte sie nicht so fröhlich durch die Welt gehen, wie Aalina es immer tat, ihr sah man nie an, wenn sie Kummer oder Sorgen hatte, hatte Aalina überhaupt Kummer und Sorgen? Jedenfalls spürte sie dieses Gefühl nicht, was sie bei Saheeb deutlich hatte, bei ihrem Bruder konnte sie spüren, wenn irgendetwas nicht stimmte. Wie sagte Yasemeen, ihre Mutter immer zu ihr: „Ein inneres Band, das euch verbündet und ein Leben mit euch gehen wird, ihr seid eins sowie ihr auch zwei seid!“ Diese Worten fielen ihr ins Gedächtnis und ein leichtes, doch schwaches Lächeln zeichnete ihr Gesicht dabei ab. Zaina versuchte sich mit Müdigkeit und Überarbeitung herauszureden, doch glaubte Kemail ihr diese Worte nicht, ihm fiel es nicht leicht auf sie einzureden, das merkte man ihm an. War er doch schüchtern, ängstlich … Zaina konnte es nicht recht deuten, aber irgendwie trugen seine Worte, Herzlichkeit und sanfte Besorgnis. Zaina fror immer mehr, ungewöhnlich für sie, wo sie doch die Kälte der Wüste gewohnt war, sie kannte die Wüste, war sie doch oft dort draussen und wenn es nur zum Angeln war … und sie sehnte sich dort hin. Allein die Ruhe, die Stille die sie anlockte, damit sie mit sich und ihren Gefühlen allein sein konnte. Sie hörte die Worte Kemails nur noch schleierhaft, doch die letzten Worte vergaß sie nicht.
„Schau mich bitte an … ich will dich zu nichts drängen, aber ich weiß, dass es dein Herz noch mehr brechen wird, wenn du nicht mit jemandem darüber redest … wenn du jemals mit jemandem reden möchtest … dann denke an mich, ich werde dir zuhören“
Liebe Worte hat er gesprochen … rührend, die ihr Herz für einen kurzen Moment zum Lächeln brachte. So ging sie einen Schritt auf ihn zu, zog ihren Schleier beiseite und hauchte ihm einen freundschaftlichen Kuss auf die Wange, sah ihn danach noch kurz an und verabschiedete sich mit den Worten „Ma’asalema Kemail“ bei ihm. Sollte er doch beruhigt sein, wenn sie in Richtung Stadt ging und ihr Haus aufsuchte, so ging sie in jene Richtung.
Vor ihrem Haus angekommen, starrte sie die Türen an und schüttelte innerlich den Kopf. Nein, sie konnte jetzt noch nicht nach Hause … war sie doch innerlich immer noch zu aufgewühlt von all ihren Gedanken, von der vielen Arbeit die um sie herum vorhanden war, sie wollte ihr Leben so und so ist es nun mal … aber ein Spaziergang würde ihr gut tun. So ging sie wieder hinaus, langsam, leise … darauf bedacht, dass sie keiner sah, wie sie wieder aus der Stadt schlich …
… am nächsten Morgen erwachte sie … zuhause … gebettet auf ihren vielen Kissen, der Kopf pochte und sie fühlte sich schrecklich, war sie doch immer noch gekleidet wie am Abend zuvor … wirr sah Zaina sich um. Warum lag sie nicht in ihrem Bett … Warum war ihre Kleidung von Sand gezeichnet und zerknittert, sie wusste nichts mehr von dem langen Spaziergang, sie konnte sich kaum erinnern, doch schmerzte ihr Kopf und sie rieb sich die Schläfen, als ihr Blick auf Ismaael fiel, der neben ihr kniete …. Nur bekleidet im Ledenschurz und den Säbel umgebunden. Erschrocken und zugleich fragend sah sie ihn an …
Was war nur passiert … was war los? Wieso? ….
„Salam Zaina … „ kam es von hinten an sie gesprochen. Wer nur sprach sie mitten in der Nacht an, kannte sie und war um diese Uhrzeit noch wach. Sie drehte sich um und erkannte Kemails Umrisse in der dunklen Nacht, sie neigte ihr Haupt, begrüsste ihn, wie es sich unter Menekanern gebührte, doch musst man ihr ansehen, wie sie sich fühlte, innerlich zerrüttet von vielen Gedanken, frierend und schwach von der vielen Arbeit, den langen Spaziergängen die sie in letzter Zeit immer häufiger unternahm. Schliesslich fragte Kemail sie danach: „Zaina, geht es dir nicht gut? …“ woher konnte er nur wissen … Nein … er konnte es nicht wissen, woher denn auch, sie kannte ihn kaum, viel wusste er nicht von ihr, doch schien es ganz offentsichlich in ihrem Gesicht zu stehen, dass sie Sorgen hatte, müde war, geschwächt … wurde sie krank? Nein … es war wohl nur die viele Arbeit, die sorgenvollen Gedanken, die Angst die Menschen zu verlieren, die sie am meisten liebte. Verlor sie doch schon einmal jemanden, was ihr unendlich das Herz brach, war es doch ein schrecklicher Anblick. Sie wollte das einfach nicht nochmal erleben, aber das musste Kemail nicht wissen und konnte er nicht. So versuchte sie jenes zu unterdrücken, doch gelang es ihr nicht. Kemail versuchte mit Worten aus ihr herauszulocken, er wollte das sie redete, es musste ihn sehr bedrücken, sie so unglücklich zu sehen. Stotterte und stammelte er doch einige Sätze zusammen, mit denen er wohl recht hatte … aber sie konnte sich ihm nicht anvertrauen, was würde er von ihr denken? Das sie verrückt wäre … oder würde er sie verstehen? Sie wusste es nicht.
„Ich habe deinen Bruder getroffen … und er meinte, dass es dir nicht gut ging“ … Kemail sah Zaina nochmals eingehend dabei an, ehe er weitersprach … „und du siehst wirklich nicht gut aus“ Daraufhin senkte sie nur den Blick, sah sie denn so schrecklich aus, konnten Gefühle und Gedanken einen so zerrütten, warum konnte sie sich nicht besser hinter ihren Gefühlen verstecken, warum konnte sie nicht so fröhlich durch die Welt gehen, wie Aalina es immer tat, ihr sah man nie an, wenn sie Kummer oder Sorgen hatte, hatte Aalina überhaupt Kummer und Sorgen? Jedenfalls spürte sie dieses Gefühl nicht, was sie bei Saheeb deutlich hatte, bei ihrem Bruder konnte sie spüren, wenn irgendetwas nicht stimmte. Wie sagte Yasemeen, ihre Mutter immer zu ihr: „Ein inneres Band, das euch verbündet und ein Leben mit euch gehen wird, ihr seid eins sowie ihr auch zwei seid!“ Diese Worten fielen ihr ins Gedächtnis und ein leichtes, doch schwaches Lächeln zeichnete ihr Gesicht dabei ab. Zaina versuchte sich mit Müdigkeit und Überarbeitung herauszureden, doch glaubte Kemail ihr diese Worte nicht, ihm fiel es nicht leicht auf sie einzureden, das merkte man ihm an. War er doch schüchtern, ängstlich … Zaina konnte es nicht recht deuten, aber irgendwie trugen seine Worte, Herzlichkeit und sanfte Besorgnis. Zaina fror immer mehr, ungewöhnlich für sie, wo sie doch die Kälte der Wüste gewohnt war, sie kannte die Wüste, war sie doch oft dort draussen und wenn es nur zum Angeln war … und sie sehnte sich dort hin. Allein die Ruhe, die Stille die sie anlockte, damit sie mit sich und ihren Gefühlen allein sein konnte. Sie hörte die Worte Kemails nur noch schleierhaft, doch die letzten Worte vergaß sie nicht.
„Schau mich bitte an … ich will dich zu nichts drängen, aber ich weiß, dass es dein Herz noch mehr brechen wird, wenn du nicht mit jemandem darüber redest … wenn du jemals mit jemandem reden möchtest … dann denke an mich, ich werde dir zuhören“
Liebe Worte hat er gesprochen … rührend, die ihr Herz für einen kurzen Moment zum Lächeln brachte. So ging sie einen Schritt auf ihn zu, zog ihren Schleier beiseite und hauchte ihm einen freundschaftlichen Kuss auf die Wange, sah ihn danach noch kurz an und verabschiedete sich mit den Worten „Ma’asalema Kemail“ bei ihm. Sollte er doch beruhigt sein, wenn sie in Richtung Stadt ging und ihr Haus aufsuchte, so ging sie in jene Richtung.
Vor ihrem Haus angekommen, starrte sie die Türen an und schüttelte innerlich den Kopf. Nein, sie konnte jetzt noch nicht nach Hause … war sie doch innerlich immer noch zu aufgewühlt von all ihren Gedanken, von der vielen Arbeit die um sie herum vorhanden war, sie wollte ihr Leben so und so ist es nun mal … aber ein Spaziergang würde ihr gut tun. So ging sie wieder hinaus, langsam, leise … darauf bedacht, dass sie keiner sah, wie sie wieder aus der Stadt schlich …
… am nächsten Morgen erwachte sie … zuhause … gebettet auf ihren vielen Kissen, der Kopf pochte und sie fühlte sich schrecklich, war sie doch immer noch gekleidet wie am Abend zuvor … wirr sah Zaina sich um. Warum lag sie nicht in ihrem Bett … Warum war ihre Kleidung von Sand gezeichnet und zerknittert, sie wusste nichts mehr von dem langen Spaziergang, sie konnte sich kaum erinnern, doch schmerzte ihr Kopf und sie rieb sich die Schläfen, als ihr Blick auf Ismaael fiel, der neben ihr kniete …. Nur bekleidet im Ledenschurz und den Säbel umgebunden. Erschrocken und zugleich fragend sah sie ihn an …
Was war nur passiert … was war los? Wieso? ….
-
Saheeb Masari
Die Nacht war unruhig gewesen. Das Gespräch mit Aalina wollte ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen. Hatte er Zaina stets so bevorzugt? War das nicht seine Sache? Warum mischte sie sich ein? Was maßte sie sich an, über ihn zu urteilen, ihn zu beschimpfen, anzuklagen?
Andererseits... auch sie war seine Schwester. Und in der Tat hatte er sie selten gesehen, erst ein ganzes langes Jahr nicht, in dem er vor sich selbst in die Wüste geflohen war, und auch dann kaum, hin und wieder einmal zufällig. Ihre Argumente waren natürlich aus der Luft gegriffen, entbehrten jeder Grundlage und waren schlicht und ergreifend falsch. Teilweise zumindest. Aber war das wirklich das Entscheidende? Sie fühlte sich von ihm zurückgesetzt, das ungeliebte Schwesterchen, mit dem er nichts zu tun haben wollte, für das er sich nicht interessierte. Dabei stimmte das gar nicht. Aalinas Wohl war ihm stets wichtig gewesen, aber nach ihrer Hochzeit wähnte er sie bei Raakin in guten Händen, beschützt und gehütet.
Schwestern waren nicht einfach. Wäre da nur nicht diese Sache mit Charis, diese Zweifel und Unsicherheiten. Er wollte keinen Streit mit Aalina, und ihre offene Abneigung gegen ihn bedrückte ihn mehr, als er es sich selbst eingestehen wollte. Dass sie nicht selten verletztend, fast beleidigend wurde, war das nicht verständlich? Jetzt, da sie nicht mehr den Namen ihrer Familie trug, war es da nicht verständlich, dass sie die Nähe ihrer Familie suchte? Ihrer Brüder und Schwestern?
Saheeb spirtzte sich etwas Wasser ins Gesicht. Das hörte sich fast wie eine Analyse ihres psychischen Zustandes an. Wenn er ihr vorwarf, dass sie sich nicht anmaßen konnte, so über ihn zu urteilen - konnte er seinerseits das gleiche?
Aber die Sache mit Aalina brauchte Aufschub. Sie war aufgebracht, enttäuscht und sicherlich auch verletzt. Wieso reagierte sie nur so allergisch auf die früher so geliebte Schwester? Nach der gestrigen Konfliktsituation machte Saheeb einen weiten Bogen um Zainas Haus. Vielleicht würde sie verstehen, dass er sich von ihr zurück ziehen musste.. alleine, um den Frieden der Geschwister zu wahren. Er würde warten müssen, bis Aalina sich beruhigt hatte, bis er wieder mit ihr sprechen konnte. Ihr vielleicht ein Geschenk machen, um sie zu versöhnen.
Es widerstrebte ihm zutiefst, sich um sie bemühen zu müssen - aber war das nicht seine Aufgabe? Seine Pflicht als Oberhaupt der Familie, als älterer Bruder? Sich um den Zusammenhalt zu kümmern, den Frieden? Und, neben all den Pflichten - konnte er mit sich selbst noch leben, wenn er Aalina mied und von ihr nur noch giftige Blicke erntete?
Nachdenklich nahm er die kleine Kerze und die kleine Notiz zur Hand, die er sich bereit gelegt hatte. Aalina musste Geduld haben. Saheeb würde das Unternehmen nicht wagen, sie um Vergebung für Dinge zu bitten, die er sich selbst nicht eingestand, wenn er nicht mit sich im Reinen war. Es bedurfte erst der Klärung mit Charis, bevor er daran auch nur denken konnte.
Vor deren Haus blieb er wenige Minuten später stehen. Er hatte es ja nicht weit dorthin, zwei Straßenzüge wohnte sie von ihm entfernt. Sorgsam achtete er darauf, dass sie ihn nicht bemerkte, doch er konnte sich nirgends entdecken. Mit geschickten Fingern nahm er die schmale lange Kerze und befestigte sie vorsichtig neben dem kleinen Briefkasten auf dem Steinsockel. Mit einer kleinen Zunderbüchse entfachte er deren Docht, der schwach im Dunkeln vor sich hinflackerte. Daneben legte er eine kleine Notiz, auf der in sauberen, eleganten Lettern geschrieben stand:
Diese Kerze sei dir Stütze,
in der Dunkelheit der Nacht.
Denn dein Wesen, deine Seele
hat mein Feuer neu entfacht.
Für dein Lächeln, deine Augen,
ist in mir die Glut entbrannt,
Liebe nennt sich, was ich meine,
nie zuvor hab ichs gekannt.
Dich stets zu sehen und zu fühlen,
deine Stimme, hell und klar
in meinen Ohren zu vernehmen,
ja, das wäre wunderbar.
Möge Eluive dich führen
bei allen Schritten, jeder Tat,
denn du bist ein Geschenk des Himmels,
dass sie mir und allen andern gab.
Leise entfernte sich Saheeb dann wieder. Sie würde wissen, von wem dieses schlecht geschriebene Gedicht kam, auch wenn er stundenlang daran überlegt hatte. Es fiel ihm so unendlich schwer zu beschreiben, was er für diese Frau empfand. Und, bei Eluive, er hoffte und betete zu der erhabenen Mutter: mochte sie es sein, die seine kurze Botschaft fand - und mochte sie in der Lage sein, ihn darin zu erkennen.
Andererseits... auch sie war seine Schwester. Und in der Tat hatte er sie selten gesehen, erst ein ganzes langes Jahr nicht, in dem er vor sich selbst in die Wüste geflohen war, und auch dann kaum, hin und wieder einmal zufällig. Ihre Argumente waren natürlich aus der Luft gegriffen, entbehrten jeder Grundlage und waren schlicht und ergreifend falsch. Teilweise zumindest. Aber war das wirklich das Entscheidende? Sie fühlte sich von ihm zurückgesetzt, das ungeliebte Schwesterchen, mit dem er nichts zu tun haben wollte, für das er sich nicht interessierte. Dabei stimmte das gar nicht. Aalinas Wohl war ihm stets wichtig gewesen, aber nach ihrer Hochzeit wähnte er sie bei Raakin in guten Händen, beschützt und gehütet.
Schwestern waren nicht einfach. Wäre da nur nicht diese Sache mit Charis, diese Zweifel und Unsicherheiten. Er wollte keinen Streit mit Aalina, und ihre offene Abneigung gegen ihn bedrückte ihn mehr, als er es sich selbst eingestehen wollte. Dass sie nicht selten verletztend, fast beleidigend wurde, war das nicht verständlich? Jetzt, da sie nicht mehr den Namen ihrer Familie trug, war es da nicht verständlich, dass sie die Nähe ihrer Familie suchte? Ihrer Brüder und Schwestern?
Saheeb spirtzte sich etwas Wasser ins Gesicht. Das hörte sich fast wie eine Analyse ihres psychischen Zustandes an. Wenn er ihr vorwarf, dass sie sich nicht anmaßen konnte, so über ihn zu urteilen - konnte er seinerseits das gleiche?
Aber die Sache mit Aalina brauchte Aufschub. Sie war aufgebracht, enttäuscht und sicherlich auch verletzt. Wieso reagierte sie nur so allergisch auf die früher so geliebte Schwester? Nach der gestrigen Konfliktsituation machte Saheeb einen weiten Bogen um Zainas Haus. Vielleicht würde sie verstehen, dass er sich von ihr zurück ziehen musste.. alleine, um den Frieden der Geschwister zu wahren. Er würde warten müssen, bis Aalina sich beruhigt hatte, bis er wieder mit ihr sprechen konnte. Ihr vielleicht ein Geschenk machen, um sie zu versöhnen.
Es widerstrebte ihm zutiefst, sich um sie bemühen zu müssen - aber war das nicht seine Aufgabe? Seine Pflicht als Oberhaupt der Familie, als älterer Bruder? Sich um den Zusammenhalt zu kümmern, den Frieden? Und, neben all den Pflichten - konnte er mit sich selbst noch leben, wenn er Aalina mied und von ihr nur noch giftige Blicke erntete?
Nachdenklich nahm er die kleine Kerze und die kleine Notiz zur Hand, die er sich bereit gelegt hatte. Aalina musste Geduld haben. Saheeb würde das Unternehmen nicht wagen, sie um Vergebung für Dinge zu bitten, die er sich selbst nicht eingestand, wenn er nicht mit sich im Reinen war. Es bedurfte erst der Klärung mit Charis, bevor er daran auch nur denken konnte.
Vor deren Haus blieb er wenige Minuten später stehen. Er hatte es ja nicht weit dorthin, zwei Straßenzüge wohnte sie von ihm entfernt. Sorgsam achtete er darauf, dass sie ihn nicht bemerkte, doch er konnte sich nirgends entdecken. Mit geschickten Fingern nahm er die schmale lange Kerze und befestigte sie vorsichtig neben dem kleinen Briefkasten auf dem Steinsockel. Mit einer kleinen Zunderbüchse entfachte er deren Docht, der schwach im Dunkeln vor sich hinflackerte. Daneben legte er eine kleine Notiz, auf der in sauberen, eleganten Lettern geschrieben stand:
Diese Kerze sei dir Stütze,
in der Dunkelheit der Nacht.
Denn dein Wesen, deine Seele
hat mein Feuer neu entfacht.
Für dein Lächeln, deine Augen,
ist in mir die Glut entbrannt,
Liebe nennt sich, was ich meine,
nie zuvor hab ichs gekannt.
Dich stets zu sehen und zu fühlen,
deine Stimme, hell und klar
in meinen Ohren zu vernehmen,
ja, das wäre wunderbar.
Möge Eluive dich führen
bei allen Schritten, jeder Tat,
denn du bist ein Geschenk des Himmels,
dass sie mir und allen andern gab.
Leise entfernte sich Saheeb dann wieder. Sie würde wissen, von wem dieses schlecht geschriebene Gedicht kam, auch wenn er stundenlang daran überlegt hatte. Es fiel ihm so unendlich schwer zu beschreiben, was er für diese Frau empfand. Und, bei Eluive, er hoffte und betete zu der erhabenen Mutter: mochte sie es sein, die seine kurze Botschaft fand - und mochte sie in der Lage sein, ihn darin zu erkennen.
-
Aalina Yazir
Eigentlich wollte sie Zaina nur etwas in den Briefkasten werfen. Das sie so spät nachts auf ihren vermeindlichen Bruder treffen würde hätte sie am wenigsten angenommen. Verzweifelt, fast schon als würde es um sein Leben gehen, klopfte und hämmerte er gegen die Tür. Aalina überlegte innerlich, doch schien sie äußerlich keinerlei Regung zu zeigen. Schnell zog sie die Zügel von Minou an und ritt zurück. Und wäre da nicht diese verdammte Schlange gewesen, die Minou in den Vorderlauf gebissen hätte wäre sie auch schneller weg gewesen als Saheeb "Salam" hätte sagen können.
Sie hörte ihn weiter murren und meckern während sie an ihrem Pferd heruntersah. Sie musste es vorerst stillhalten, war Minou es mittlerweile doch gewohnt auf Schlangen oder Skorpione zu treten. "Verdammt, warum macht sie nicht auf..?" Saheeb führte eindeutig Gespräche mit einer Holztür. Aalina schüttelte nur den Kopf. "Weil es mitten in der Nacht ist und alle schlafen...!" entgegnete Aalina aus ihrer dunklen Ecke, sie wiegte sich in dem Schatten, vielleicht weil sie dachte dort in Sicherheit zu sein. In Sicherheit vor was? Vor ihrem Bruder? Sie ritt ums Eck herum, war es nicht ihre Art sich vor irgend etwas zu verstecken. Sie war nun seit geraumer Zeit die Frau des Großwesiren, von ihr sollte man weitaus mehr erwarten können. Was dann entstand war eine Auseinandersetzung der Beiden. Aalina hatte es satt, dass Saheeb sich immer nur um Zaina kümmerte. Wie lange hatte Aalina darauf warten müssen, dass Raakin mit Saheeb sprechen konnte? Bei Zaina ging alles so schnell. Wie oft sah sie Saheeb? Ja, richtig - so gut wie nie. Was würde er ihr vorhalten, wenn sie ihn darauf ansprechen würde? Sicher. Sie wäre ja auch nie bei ihm. Oh wie oft stand sie vor seiner Tür und überlegte ob sie klopfen sollte, aber jedes Mal hatte sie es sich anders überlegt. Zu verletzt war sie. Verletzt von Dingen, von denen Saheeb anscheinend keinerlei Ahnung hatte. Schwach erinnerte sie sich an die Situation am Hafen. Es war alles andere als unehrenhaft einen armen, kranken Menekaner darzustellen nur um an mehr Gold zu geraten. Und schon gar nicht bei einer guten Familienfreundin von Aalina, die wohl wusste, wie es um den Stand der beiden Familien stand. Doch Saheeb schien es nicht zu verstehen und er schien zu platzen, als sie erwähnte, dass er nun ja eine Schwester weniger zum durchfüttern hat. "AALINA, RUHE!" auf menekanisch verbot er ihr ihren Mund. Musste sie sich das gefallen lassen? Sicher, er war ihr Bruder. Er war Führer des Hause Masari, was sie einst ihre Familie nennen konnte. Und dennoch würde sie sich nicht wegen so etwas den Mund verbieten lassen.
Das war damals gewesen. Zornig und mit einer Wut im Bauch war sie davongeritten. Und jetzt? Jetzt stand sie da. Saheeb hatte nicht einmal mitbekommen, wie krank Aalina war. Er hatte nicht einmal mitbekommen, wie schlecht es ihr noch immer ging. Einerseits war sie froh, dass sie nicht bemuttert wurde. Auf der anderen Seite war es so enttäuschend, dass er sich nicht einmal ein kleines bisschen dafür interessierte. Nicht einmal, als sie es erwähnte schien er auch nur eine Regung zu zeigen. Klar, es war Saheeb. Der Mann, der Zaina mehr als nur vergötterte. So wie Aalina da stand mit ihrem Mustang fühlte sie sich schäbig und dreckig. Fallen gelassen wie eine zermatschte Dattel in dem Schatten einer Palme. Interessierte es ihn denn gar nicht was mit seiner Schwester war? Oder zählte sie nun auf einmal nicht mehr zu seinen Schwestern, seit sie verheiratet war? Sie hatte sich sehr verändert nach ihrer Hochzeit. Die Einsamkeit, welche eine Ehe zwangsläufig mit sich brachte machte sie halb wahnsinnig. Doch schien das niemand zu bemerken. Wie auch? Sie sprach nicht darüber. Sie weinte heimlich, nicht einmal Raakin bekam davon mit. Sie wollte ihn nicht beunruhigen, so liebte sie ihn doch. Aber manchmal vermisste sie es schon mit ihren Geschwistern herumzualbern. Aber wie würde das denn aussehen, wenn sie herumalbernd über Menek'Ur rennen oder reiten würde? Dicht gefolgt von einem ihrer Geschwister? Nein. Das konnte sie nicht mehr tun. Sie war verheiratet, eine ehrenvolle Frau geworden und ihr Mann? Er war Großwesir. Zwar dachte Aalina nicht immer an seinen Status und auch die beiden hatten Stunden in denen sie so viel Unsinn machten. Aber irgendwann.. irgendwann kam immer wieder die Erinnerung.
Aalina war sauer, sie war wütend. Auf Saheeb, auf sich selbst, auf alle anderen die in ihrer näheren Umgebung waren. Was hatte sie getan, damit sie diese Ignoranz von Saheeb ertragen musste? Diese Ignoranz, die ihr so weh tat? Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Sie war eine reife Frau. Aalina Yazir, seit sie diesen Namen trug war ihr zuhause in einer anderen Familie. In einer Familie, die ihr erst so fremd war und nun fühlte sie sich dort so wohl wie nie zuvor. Doch sollte sie die Familie in der sie geboren war einfach so aufgeben? Es bereitete ihr Schmerzen. Ein Stechen in der Lunge. Ihre Entzündung war immer noch nicht vollständig ausgeheilt. Ihr ging Saheeb nicht mehr aus dem Kopf. Immer hatte er nur Augen für sich und höchstens noch für Zaina. Was hieß höchstens. Zaina war alles. Zaina war ja so toll, Zaina hier, Zaina da. Sie umschloss ihren Mantel. Die kühle Luft würde ihr gut tun.
Lange lief sie durch den Sand. Barfuß. Der Wind peitschte um ihre Ohren, den Mantel hatte sie tief ins Gesicht gezogen. Er roch nach dem Mann, den sie so sehr liebte. Es war ein Geschenk Eluives das sie an seiner Seite so glücklich war, ist. Gedankenverloren setzte sie sich an den Steg des Meeres. Tränen rannen über ihre Wangen. Warum war Saheeb alles so egal? Sie musste abschließen. Egal wie weh es ihr tun würde, sie würde abschließen müssen. Früher war sie die kleine, unbedeutende Schwester gewesen, die man herumschubsen konnte, wie es einem gerade in den Kram gepasst hatte. Doch jetzt? Aalina schüttelte den Kopf. Dann war da noch Kamahir. Er hatte sie vorhin noch besucht. Er schien Liebeskummer gehabt zu haben und doch sagte er Aalina immer wieder, dass wohl nur sie diejenige wäre, die er wirklich aufrichtig lieben würde. Aalina hatte doch gar keinen Kopf dafür. Ihr war so schlecht und so schwindlig. Sie wusste gar nicht, was sie tun sollte. Doch sie hörte zu. Sie hörte zu, versuchte ihm zu helfen. Und er sprach etwas an, was Aalina nicht hören wollte. Worüber sie nicht nachdenken wollte. Er sprach davon, dass es sein könne, dass sie Nachwuchs bekam. Weil ihr andauernd schlecht war. Nachwuchs? Sie erinnerte sich an das Gespräch.. nein, an den Streit mit Raakin. "In so eine zerrüttete Familie möchte ich keine Kinder setzen!" Aalina sah zu Boden. Sie sah an sich herab. Zog ihren Bauch ein, ließ die Luft wieder hinaus, tastete den Bauch ab. Schwanger? Das konnte doch nicht sein. Also natürlich konnte es sein, aber nein.. sie war nicht schwanger. Alles, nur nicht das. Abermals ließ sie den Blick über ihren Körper schweifen. Sie hatte sich verändert, ganz klar. Aber... schwanger? Nein. Wenn es so wäre, dann... wäre es die Nacht nach dem großen Tag gewesen.. und somit.. wäre sie schon... langsam zählte sie gedanklich und an ihren Fingern. Zwei.. drei.. oder gar vier? Sie warf ein paar Steine, die sie in ihrer Hand hielt weit hinaus in das Meer. Ein kleiner Vogel setzte sich neben sie. Sah sie wohl an, wie ihr Haar im Wind wehte. Es war dunkel, windig, kalt. Sie hatte sich nicht verhüllt. Sie wollte einfach nur raus, weinen. Es schien ihr alles über den Kopf zu wachsen und Raakin war nicht da. Sie konnte mit ihm über nichts sprechen. Nicht über ihre Vermutungen, dass sie schwanger sein könnte, nicht darüber, was mit Saheeb war.. über nichts. Er war nicht da. Die Dunkelheit der Einsamkeit schien sie förmlich zu verschlingen. Aalina sah zum Steg. Eine Träne perlte ab und landete auf dem brüchigen und morschen Holz, ehe sie bitterlich zu weinen und schluchzen begann. Was blieb ihr für eine Wahl? Wie sollte sie weitermachen? Ihre Sachen packen und erst einmal verschwinden? Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Sie wusste es einfach nicht. Langsam schloss sie ihre Augen....
Sie musste Abstand gewinnen. Es tat zu weh. War es besser für sie, wenn sie ihrer einst über alles geliebten Familie den Rücken kehrte? War es gekränkter Stolz der sie zu diesen Gedanken trieb? Nein. Aalina hatte in den letzten Tagen oftmals den Gedanken gehabt, dass es Saheeb ganz recht gekommen war, das Raakin und Aalina den Bund der Ehe eingehen wollten. Warum dachte sie das? Das kam doch nicht von ungefähr? Sie wischte sich die Tränen weg. Sie liebte Raakin, mehr als sie sich je hätte erdenken können. Und ihre Entscheidung würde auch klar auf der Hand liegen, wenn sie sich entscheiden müsste. Sie würde alles für ihn aufgeben, solange sie nur an seiner Seite war. Sie hatte das Gefühl... das er der einzige war... der sie wirklich verstehen konnte. Immer wieder versuchte sie, die Reaktionen von Saheeb zu verstehen. Aber sie verstand nicht. Sie verstand einfach nicht, sie konnte nicht verstehen. Sie liebte doch auch jedes ihrer Geschwister gleich. Sie versuchte auch jeden derer gleich zu behandeln. Ihre Arme schlangen sich um ihre Knie, die fest an ihren Oberkörper gepresst waren. Sie musste was tun. Irgendwas... vielleicht war es wirklich sinnvoll für einige Zeit zu gehen, irgendwohin. Aber wie würde sie Raakin das erklären? Gar nicht? Einfach gehen?
Sie hörte ihn weiter murren und meckern während sie an ihrem Pferd heruntersah. Sie musste es vorerst stillhalten, war Minou es mittlerweile doch gewohnt auf Schlangen oder Skorpione zu treten. "Verdammt, warum macht sie nicht auf..?" Saheeb führte eindeutig Gespräche mit einer Holztür. Aalina schüttelte nur den Kopf. "Weil es mitten in der Nacht ist und alle schlafen...!" entgegnete Aalina aus ihrer dunklen Ecke, sie wiegte sich in dem Schatten, vielleicht weil sie dachte dort in Sicherheit zu sein. In Sicherheit vor was? Vor ihrem Bruder? Sie ritt ums Eck herum, war es nicht ihre Art sich vor irgend etwas zu verstecken. Sie war nun seit geraumer Zeit die Frau des Großwesiren, von ihr sollte man weitaus mehr erwarten können. Was dann entstand war eine Auseinandersetzung der Beiden. Aalina hatte es satt, dass Saheeb sich immer nur um Zaina kümmerte. Wie lange hatte Aalina darauf warten müssen, dass Raakin mit Saheeb sprechen konnte? Bei Zaina ging alles so schnell. Wie oft sah sie Saheeb? Ja, richtig - so gut wie nie. Was würde er ihr vorhalten, wenn sie ihn darauf ansprechen würde? Sicher. Sie wäre ja auch nie bei ihm. Oh wie oft stand sie vor seiner Tür und überlegte ob sie klopfen sollte, aber jedes Mal hatte sie es sich anders überlegt. Zu verletzt war sie. Verletzt von Dingen, von denen Saheeb anscheinend keinerlei Ahnung hatte. Schwach erinnerte sie sich an die Situation am Hafen. Es war alles andere als unehrenhaft einen armen, kranken Menekaner darzustellen nur um an mehr Gold zu geraten. Und schon gar nicht bei einer guten Familienfreundin von Aalina, die wohl wusste, wie es um den Stand der beiden Familien stand. Doch Saheeb schien es nicht zu verstehen und er schien zu platzen, als sie erwähnte, dass er nun ja eine Schwester weniger zum durchfüttern hat. "AALINA, RUHE!" auf menekanisch verbot er ihr ihren Mund. Musste sie sich das gefallen lassen? Sicher, er war ihr Bruder. Er war Führer des Hause Masari, was sie einst ihre Familie nennen konnte. Und dennoch würde sie sich nicht wegen so etwas den Mund verbieten lassen.
Das war damals gewesen. Zornig und mit einer Wut im Bauch war sie davongeritten. Und jetzt? Jetzt stand sie da. Saheeb hatte nicht einmal mitbekommen, wie krank Aalina war. Er hatte nicht einmal mitbekommen, wie schlecht es ihr noch immer ging. Einerseits war sie froh, dass sie nicht bemuttert wurde. Auf der anderen Seite war es so enttäuschend, dass er sich nicht einmal ein kleines bisschen dafür interessierte. Nicht einmal, als sie es erwähnte schien er auch nur eine Regung zu zeigen. Klar, es war Saheeb. Der Mann, der Zaina mehr als nur vergötterte. So wie Aalina da stand mit ihrem Mustang fühlte sie sich schäbig und dreckig. Fallen gelassen wie eine zermatschte Dattel in dem Schatten einer Palme. Interessierte es ihn denn gar nicht was mit seiner Schwester war? Oder zählte sie nun auf einmal nicht mehr zu seinen Schwestern, seit sie verheiratet war? Sie hatte sich sehr verändert nach ihrer Hochzeit. Die Einsamkeit, welche eine Ehe zwangsläufig mit sich brachte machte sie halb wahnsinnig. Doch schien das niemand zu bemerken. Wie auch? Sie sprach nicht darüber. Sie weinte heimlich, nicht einmal Raakin bekam davon mit. Sie wollte ihn nicht beunruhigen, so liebte sie ihn doch. Aber manchmal vermisste sie es schon mit ihren Geschwistern herumzualbern. Aber wie würde das denn aussehen, wenn sie herumalbernd über Menek'Ur rennen oder reiten würde? Dicht gefolgt von einem ihrer Geschwister? Nein. Das konnte sie nicht mehr tun. Sie war verheiratet, eine ehrenvolle Frau geworden und ihr Mann? Er war Großwesir. Zwar dachte Aalina nicht immer an seinen Status und auch die beiden hatten Stunden in denen sie so viel Unsinn machten. Aber irgendwann.. irgendwann kam immer wieder die Erinnerung.
Aalina war sauer, sie war wütend. Auf Saheeb, auf sich selbst, auf alle anderen die in ihrer näheren Umgebung waren. Was hatte sie getan, damit sie diese Ignoranz von Saheeb ertragen musste? Diese Ignoranz, die ihr so weh tat? Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Sie war eine reife Frau. Aalina Yazir, seit sie diesen Namen trug war ihr zuhause in einer anderen Familie. In einer Familie, die ihr erst so fremd war und nun fühlte sie sich dort so wohl wie nie zuvor. Doch sollte sie die Familie in der sie geboren war einfach so aufgeben? Es bereitete ihr Schmerzen. Ein Stechen in der Lunge. Ihre Entzündung war immer noch nicht vollständig ausgeheilt. Ihr ging Saheeb nicht mehr aus dem Kopf. Immer hatte er nur Augen für sich und höchstens noch für Zaina. Was hieß höchstens. Zaina war alles. Zaina war ja so toll, Zaina hier, Zaina da. Sie umschloss ihren Mantel. Die kühle Luft würde ihr gut tun.
Lange lief sie durch den Sand. Barfuß. Der Wind peitschte um ihre Ohren, den Mantel hatte sie tief ins Gesicht gezogen. Er roch nach dem Mann, den sie so sehr liebte. Es war ein Geschenk Eluives das sie an seiner Seite so glücklich war, ist. Gedankenverloren setzte sie sich an den Steg des Meeres. Tränen rannen über ihre Wangen. Warum war Saheeb alles so egal? Sie musste abschließen. Egal wie weh es ihr tun würde, sie würde abschließen müssen. Früher war sie die kleine, unbedeutende Schwester gewesen, die man herumschubsen konnte, wie es einem gerade in den Kram gepasst hatte. Doch jetzt? Aalina schüttelte den Kopf. Dann war da noch Kamahir. Er hatte sie vorhin noch besucht. Er schien Liebeskummer gehabt zu haben und doch sagte er Aalina immer wieder, dass wohl nur sie diejenige wäre, die er wirklich aufrichtig lieben würde. Aalina hatte doch gar keinen Kopf dafür. Ihr war so schlecht und so schwindlig. Sie wusste gar nicht, was sie tun sollte. Doch sie hörte zu. Sie hörte zu, versuchte ihm zu helfen. Und er sprach etwas an, was Aalina nicht hören wollte. Worüber sie nicht nachdenken wollte. Er sprach davon, dass es sein könne, dass sie Nachwuchs bekam. Weil ihr andauernd schlecht war. Nachwuchs? Sie erinnerte sich an das Gespräch.. nein, an den Streit mit Raakin. "In so eine zerrüttete Familie möchte ich keine Kinder setzen!" Aalina sah zu Boden. Sie sah an sich herab. Zog ihren Bauch ein, ließ die Luft wieder hinaus, tastete den Bauch ab. Schwanger? Das konnte doch nicht sein. Also natürlich konnte es sein, aber nein.. sie war nicht schwanger. Alles, nur nicht das. Abermals ließ sie den Blick über ihren Körper schweifen. Sie hatte sich verändert, ganz klar. Aber... schwanger? Nein. Wenn es so wäre, dann... wäre es die Nacht nach dem großen Tag gewesen.. und somit.. wäre sie schon... langsam zählte sie gedanklich und an ihren Fingern. Zwei.. drei.. oder gar vier? Sie warf ein paar Steine, die sie in ihrer Hand hielt weit hinaus in das Meer. Ein kleiner Vogel setzte sich neben sie. Sah sie wohl an, wie ihr Haar im Wind wehte. Es war dunkel, windig, kalt. Sie hatte sich nicht verhüllt. Sie wollte einfach nur raus, weinen. Es schien ihr alles über den Kopf zu wachsen und Raakin war nicht da. Sie konnte mit ihm über nichts sprechen. Nicht über ihre Vermutungen, dass sie schwanger sein könnte, nicht darüber, was mit Saheeb war.. über nichts. Er war nicht da. Die Dunkelheit der Einsamkeit schien sie förmlich zu verschlingen. Aalina sah zum Steg. Eine Träne perlte ab und landete auf dem brüchigen und morschen Holz, ehe sie bitterlich zu weinen und schluchzen begann. Was blieb ihr für eine Wahl? Wie sollte sie weitermachen? Ihre Sachen packen und erst einmal verschwinden? Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Sie wusste es einfach nicht. Langsam schloss sie ihre Augen....
Sie musste Abstand gewinnen. Es tat zu weh. War es besser für sie, wenn sie ihrer einst über alles geliebten Familie den Rücken kehrte? War es gekränkter Stolz der sie zu diesen Gedanken trieb? Nein. Aalina hatte in den letzten Tagen oftmals den Gedanken gehabt, dass es Saheeb ganz recht gekommen war, das Raakin und Aalina den Bund der Ehe eingehen wollten. Warum dachte sie das? Das kam doch nicht von ungefähr? Sie wischte sich die Tränen weg. Sie liebte Raakin, mehr als sie sich je hätte erdenken können. Und ihre Entscheidung würde auch klar auf der Hand liegen, wenn sie sich entscheiden müsste. Sie würde alles für ihn aufgeben, solange sie nur an seiner Seite war. Sie hatte das Gefühl... das er der einzige war... der sie wirklich verstehen konnte. Immer wieder versuchte sie, die Reaktionen von Saheeb zu verstehen. Aber sie verstand nicht. Sie verstand einfach nicht, sie konnte nicht verstehen. Sie liebte doch auch jedes ihrer Geschwister gleich. Sie versuchte auch jeden derer gleich zu behandeln. Ihre Arme schlangen sich um ihre Knie, die fest an ihren Oberkörper gepresst waren. Sie musste was tun. Irgendwas... vielleicht war es wirklich sinnvoll für einige Zeit zu gehen, irgendwohin. Aber wie würde sie Raakin das erklären? Gar nicht? Einfach gehen?
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Saheeb Masari
Den ganzen Tag saß Saheeb zuhause. Seine Schwestern, seine Brüder, sie alle schienen vergessen. Ja, nicht einmal Zaina, die Bevorzugte, die Heißgeliebte, die Einzigartige, die Beste aller Schwester, nicht einmal sie vermochte noch, sich in Saheebs Gedanken zu drängen. Nur ein einziger Gedanke beherrschte ihn, seine Gefühle, sein Handeln - Angst.
Wie würde sie reagieren? Sie würde wissen, von wem dieses läppische Gedicht war. Sie würde wissen, warum er es ihr geschrieben hatte. Er brauchte Antworten. Würde sie zu ihm kommen? Würde sie an seiner Türe klopfen? Was würde ihn erwarten?
Ja... was erwartete er? Dass sie ihm um den Hals fiel, ihm, einer Menekanerin ganz untypisch, einen Kuss auf die Lippen brannte? Nein, das hätte er zu gerne gehabt, aber das passte nicht. Sie war frech und trotzig, aber nicht unsittlich. Würde sie nicht eher gehen und ihm ins Gesicht sagen, was sie von ihm hielt? Dass er sie in Ruhe lassen sollte? Ihm vielleicht sogar einen Schlag ins Gesicht verpassen?
Die Ungewissheit ließ ihn unruhig hin und her laufen. Den ganzen Tag verbrachte er damit, seine Kleider, Metalle, Möbel, seinen ganzen Keller, alles umzuräumen, zu sortieren, einzuräumen. Er fegte das ganze Haus aus, klopfte die Felle aus, strich die Tischdecken glatt, sortierte einige Briefe ein. Die Schmutzwäsche der letzten Woche schob er in den letzten Winkel seines Kellers, einen Ort, wo er selbst kaum hinkam. Wenn sie schon kam um ihm zu zeigen, was sie von ihm hielt, so sollte sie wenigstens den Anschein haben, dass er ordentlich war.
Was gab es Schlimmeres auf dieser Welt, als zu warten? Zu wissen, man konnte nichts mehr tun? Kein Leid der Welt kann schlimmer sein, als mit sicherer Gewissheit dem Unvorhersehbaren zu begegnen und sich nicht vorbereiten zu können. Hätte er nur das Gedicht hübscher gemacht! Eine schönere Kerze genommen! Vielleicht an ihrer Tür geklopft, es ihr selbst gegeben? Nein, dazu fehlte ihm der Mut. Saheeb hatte es noch nie verkraftet, wenn ein hübsches Mädchen oder eine junge Frau ihm eine Abfuhr erteilt hatten. Diesmal konnte er es weniger ertragen denn je. Was würde er tun, sollte sie ihn zurück weisen? Was würde sie tun? Es in ihrer Familie herum erzählen? Das Gedicht herum zeigen wie eine Trophäe?
Ein Gutes hätte das gehabt, aiwa. Aalina hätte endlich wieder einen Grund gehabt, über ihn zu lachen. Nicht nur, ihn zu beschimpfen. Ihn mit sinnlosen Dingen zu belästigen, die er nicht zu ändern vermochte. Saheeb hatte Selbstverliebtheit bei keiner seiner Schwestern je kennen gelernt, und doch schien Aalina so wichtig zu sein, dass er sich um sie kümmerte, mehr als um jede andere. Wie würde nur Amira reagieren? Er hatte sie bisher nur zweimal gesehen, seit er wieder zurück war, einmal ihr sogar einen Tanz verweigert. Das war auf Aalinas Hochzeit gewesen. Er musste trotz seiner nervösen Gemütslage lächeln - was sollte er auch tun? Konnte er seiner Schwester wirklich antun, ihre Hochzeit mit seinem unvermögenen Getanze zu ruinieren? Er war Amira noch einen Tanz schuldig, und er würde es nicht vergessen. Und auch Aalina war er noch ein Geschenk schuldig, dass er nie vergessen hatte. Hatte er ihr nicht gesagt, sie könnte mit jedem Wunsch zu ihm kommen? Er würde ihn ihr erfüllen?
Sie hatte es wohl vergessen, denn sie war lange nicht gekommen. Sehr lange. Gut, er hatte nicht gewartet auf sie. Er hatte auf niemanden gewartet. Sie waren erwachsen, jeder musste irgendwann seinen eigenen Weg gehen. Das kindische Herumgealbere, mit dem sie sich als Kinder die Zeit vertrieben hatten, die rührseligen Anhänglichkeiten, all das war Vergangenheit, unwichtig. War das ein Grund, ihm das gleiche vorzuwerfen?
Was war wirklich der Grund für diese Ausbrüche? Der Vorfall am Hafen? Aiwa, er erinnerte sich gut, dass diese seltsame Festländerin bei ihm Salz kaufen wollte. Es war ein angenehmes Gespräch, er genoß es, und er wusste, diese Frau konnte handeln. Er wollte es auskosten, denn zu selten kamen Festländer, die handelten. Zu oft kamen Menschen, die seine überzogenen Preise zahlten. Es war ein Spiel, nicht mehr. Man bot alles auf, gab jedes Argument und entblößte sich scheinbar selbst, um den anderen zu überzeugen. Man gestikulierte, trauerte, jammerte und fuhr im nächsten Moment wütend empor, erzürnt über die Forderungen des anderen. Saheeb war kein Meister in dieser Kunst, so wie sein Lehrer, aber er liebte es. Kannte seine Schwester ihn so schlecht, dass sie ihn mitten in diesem Spiel der beiden Händler entblößen und demütigen musste? Konnte sie sich nicht beherrschen? Es hätte ihm gereicht, hätte sie ihm seine Meinung auf Menekanisch erzählt, hätte sie ihn später angeklagt. Aber ihn vor einer Festländerin zu demütigen, verzieh Saheeb ihr nicht. Egal, wie wenig er sich um sie gekümmert haben sollte, dieses Verhalten duldete er nicht, weder von seinen Schwestern noch von einer Frau des Großwesirs.
Mit einem Mal war sein Zorn wieder übermächtig. Wie sollte er einer Frau verzeihen, die sich so grausam verhielt? Die in einem Augenblick jammernd und gebrochen vor ihm stand, ihm Vorwürfe machte, sich als Schwester verstoßen fühlte, und im nächsten Moment Stand und Stolz vergaß? Wieso sollte er auch nur einen Funken Mitgefühl und Interesse für eine Frau zeigen, die ihrem Bruder kein Verständnis entgegen brachte?
Er war Zaina so viel ähnlicher als ihr. Auch Zaina liebte nur einen Mann mehr als das weiße Gold der Mutter. Auch Zaina wusste um die Freuden, die das Feilschen bringen konnte. Den Sinn dieses entehrenden Spieles. Aalina hatte noch so viel zu lernen, zu begreifen, um ihn zu verstehen. Sie war noch jünger, unerfahrener. Und ihr Verhalten bewies es jeden Tag aufs Neue. Manchmal, in dunklen Stunden, bedauerte er, dass er der Hochzeit zugestimmt hatte. Raakin war sicherlich ein wunderbarer Mann, und sie mochte ihn lieben wie keinen anderen. Aber sie hatte sich so sehr verändert, war unnahbar geworden. Sie war nun eine wichtige Frau, die Frau des zweiten Mannes in einem Staat, der für Stolz und Ehre berühmt war. Doch war sie nicht bereit dafür, nicht, wenn sie sich so verhielt. Er hätte es kommen sehen müssen. Vielleicht, ja, vielleicht war er schuld an ihrer Veränderung. Vielleicht hätte er dem nicht zustimmen sollen.
Lächelnd setzte er sich wieder auf. Im Grunde musste er ihr danken. Sie lenkte ihn ab, machte ihn zornig und wütend und vertrieb die ungewissen Gedanken über Charis. Doch nun wanderte sein Blick wieder zum Fenster. Und mit angehaltenem Atem wartete er nur darauf, dass sie ums Eck gebogen kam um vor seiner Türe Stellung zu beziehen.
Wie würde sie reagieren? Sie würde wissen, von wem dieses läppische Gedicht war. Sie würde wissen, warum er es ihr geschrieben hatte. Er brauchte Antworten. Würde sie zu ihm kommen? Würde sie an seiner Türe klopfen? Was würde ihn erwarten?
Ja... was erwartete er? Dass sie ihm um den Hals fiel, ihm, einer Menekanerin ganz untypisch, einen Kuss auf die Lippen brannte? Nein, das hätte er zu gerne gehabt, aber das passte nicht. Sie war frech und trotzig, aber nicht unsittlich. Würde sie nicht eher gehen und ihm ins Gesicht sagen, was sie von ihm hielt? Dass er sie in Ruhe lassen sollte? Ihm vielleicht sogar einen Schlag ins Gesicht verpassen?
Die Ungewissheit ließ ihn unruhig hin und her laufen. Den ganzen Tag verbrachte er damit, seine Kleider, Metalle, Möbel, seinen ganzen Keller, alles umzuräumen, zu sortieren, einzuräumen. Er fegte das ganze Haus aus, klopfte die Felle aus, strich die Tischdecken glatt, sortierte einige Briefe ein. Die Schmutzwäsche der letzten Woche schob er in den letzten Winkel seines Kellers, einen Ort, wo er selbst kaum hinkam. Wenn sie schon kam um ihm zu zeigen, was sie von ihm hielt, so sollte sie wenigstens den Anschein haben, dass er ordentlich war.
Was gab es Schlimmeres auf dieser Welt, als zu warten? Zu wissen, man konnte nichts mehr tun? Kein Leid der Welt kann schlimmer sein, als mit sicherer Gewissheit dem Unvorhersehbaren zu begegnen und sich nicht vorbereiten zu können. Hätte er nur das Gedicht hübscher gemacht! Eine schönere Kerze genommen! Vielleicht an ihrer Tür geklopft, es ihr selbst gegeben? Nein, dazu fehlte ihm der Mut. Saheeb hatte es noch nie verkraftet, wenn ein hübsches Mädchen oder eine junge Frau ihm eine Abfuhr erteilt hatten. Diesmal konnte er es weniger ertragen denn je. Was würde er tun, sollte sie ihn zurück weisen? Was würde sie tun? Es in ihrer Familie herum erzählen? Das Gedicht herum zeigen wie eine Trophäe?
Ein Gutes hätte das gehabt, aiwa. Aalina hätte endlich wieder einen Grund gehabt, über ihn zu lachen. Nicht nur, ihn zu beschimpfen. Ihn mit sinnlosen Dingen zu belästigen, die er nicht zu ändern vermochte. Saheeb hatte Selbstverliebtheit bei keiner seiner Schwestern je kennen gelernt, und doch schien Aalina so wichtig zu sein, dass er sich um sie kümmerte, mehr als um jede andere. Wie würde nur Amira reagieren? Er hatte sie bisher nur zweimal gesehen, seit er wieder zurück war, einmal ihr sogar einen Tanz verweigert. Das war auf Aalinas Hochzeit gewesen. Er musste trotz seiner nervösen Gemütslage lächeln - was sollte er auch tun? Konnte er seiner Schwester wirklich antun, ihre Hochzeit mit seinem unvermögenen Getanze zu ruinieren? Er war Amira noch einen Tanz schuldig, und er würde es nicht vergessen. Und auch Aalina war er noch ein Geschenk schuldig, dass er nie vergessen hatte. Hatte er ihr nicht gesagt, sie könnte mit jedem Wunsch zu ihm kommen? Er würde ihn ihr erfüllen?
Sie hatte es wohl vergessen, denn sie war lange nicht gekommen. Sehr lange. Gut, er hatte nicht gewartet auf sie. Er hatte auf niemanden gewartet. Sie waren erwachsen, jeder musste irgendwann seinen eigenen Weg gehen. Das kindische Herumgealbere, mit dem sie sich als Kinder die Zeit vertrieben hatten, die rührseligen Anhänglichkeiten, all das war Vergangenheit, unwichtig. War das ein Grund, ihm das gleiche vorzuwerfen?
Was war wirklich der Grund für diese Ausbrüche? Der Vorfall am Hafen? Aiwa, er erinnerte sich gut, dass diese seltsame Festländerin bei ihm Salz kaufen wollte. Es war ein angenehmes Gespräch, er genoß es, und er wusste, diese Frau konnte handeln. Er wollte es auskosten, denn zu selten kamen Festländer, die handelten. Zu oft kamen Menschen, die seine überzogenen Preise zahlten. Es war ein Spiel, nicht mehr. Man bot alles auf, gab jedes Argument und entblößte sich scheinbar selbst, um den anderen zu überzeugen. Man gestikulierte, trauerte, jammerte und fuhr im nächsten Moment wütend empor, erzürnt über die Forderungen des anderen. Saheeb war kein Meister in dieser Kunst, so wie sein Lehrer, aber er liebte es. Kannte seine Schwester ihn so schlecht, dass sie ihn mitten in diesem Spiel der beiden Händler entblößen und demütigen musste? Konnte sie sich nicht beherrschen? Es hätte ihm gereicht, hätte sie ihm seine Meinung auf Menekanisch erzählt, hätte sie ihn später angeklagt. Aber ihn vor einer Festländerin zu demütigen, verzieh Saheeb ihr nicht. Egal, wie wenig er sich um sie gekümmert haben sollte, dieses Verhalten duldete er nicht, weder von seinen Schwestern noch von einer Frau des Großwesirs.
Mit einem Mal war sein Zorn wieder übermächtig. Wie sollte er einer Frau verzeihen, die sich so grausam verhielt? Die in einem Augenblick jammernd und gebrochen vor ihm stand, ihm Vorwürfe machte, sich als Schwester verstoßen fühlte, und im nächsten Moment Stand und Stolz vergaß? Wieso sollte er auch nur einen Funken Mitgefühl und Interesse für eine Frau zeigen, die ihrem Bruder kein Verständnis entgegen brachte?
Er war Zaina so viel ähnlicher als ihr. Auch Zaina liebte nur einen Mann mehr als das weiße Gold der Mutter. Auch Zaina wusste um die Freuden, die das Feilschen bringen konnte. Den Sinn dieses entehrenden Spieles. Aalina hatte noch so viel zu lernen, zu begreifen, um ihn zu verstehen. Sie war noch jünger, unerfahrener. Und ihr Verhalten bewies es jeden Tag aufs Neue. Manchmal, in dunklen Stunden, bedauerte er, dass er der Hochzeit zugestimmt hatte. Raakin war sicherlich ein wunderbarer Mann, und sie mochte ihn lieben wie keinen anderen. Aber sie hatte sich so sehr verändert, war unnahbar geworden. Sie war nun eine wichtige Frau, die Frau des zweiten Mannes in einem Staat, der für Stolz und Ehre berühmt war. Doch war sie nicht bereit dafür, nicht, wenn sie sich so verhielt. Er hätte es kommen sehen müssen. Vielleicht, ja, vielleicht war er schuld an ihrer Veränderung. Vielleicht hätte er dem nicht zustimmen sollen.
Lächelnd setzte er sich wieder auf. Im Grunde musste er ihr danken. Sie lenkte ihn ab, machte ihn zornig und wütend und vertrieb die ungewissen Gedanken über Charis. Doch nun wanderte sein Blick wieder zum Fenster. Und mit angehaltenem Atem wartete er nur darauf, dass sie ums Eck gebogen kam um vor seiner Türe Stellung zu beziehen.
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Zaina Masari
Ismaael war ihr so fremd, kannte sie ihn doch gar nicht, er kniete neben ihr kaum bekleidet. Wirr schienen ihre Gedanken: "Sie hatte doch nicht ... nein, das konnte nicht sein ... warum lag sie hier? Warum war Ismaael da und nicht Saalih?" Ismaael erklärte er ihr, dass er sie kurz vor den Stadttoren gefunden hätte, ohnmächtig, zusammengebrochen. Sie schüttelte den Kopf. So schwach konnte sie doch nicht sein, schliesslich war sie täglich, ständig, immer wieder in der Wüste. Sicher, hauptsächlich hielt sie sich am Ufer entlang auf, um zu angeln ... da dürfte ihr ein Spaziergang doch nicht so zusetzen. Schwächlich fühlte sie sich und beschämt, dass es ihr so erging. Hatte sie die Einsamkeit, die sie innerlich fühlte soweit getrieben, dass ihr Kräfte nachließen. War es ein Zeichen Eluives, dass sie ihr Leben ordnen und in den Griff kriegen sollte? Glaubte sie nicht schon daran, dass alles in Ordnung sei. Hatte sie nicht alles, was sich eine Frau, wie sie es war, nur wünschte oder gar zu träumen wagte?
Schliesslich hatte sie einen wundervollen Mann an ihrer Seite, der ihr die Sterne vom Himmel holen würde, wenn er es könnte, eine wundervolle Familie, bei der sie wusste, sie ist immer da, wenn man sie brauchte ... sie verrichtete eine gute Arbeit, die ihr wohl den Luxus bietete, den sie sich leisten konnte, auch wenn ihr das gleichgültig war. Warum war sie so zerrüttet, sie hatte doch alles?!
Sie wollte nur noch alleine sein mit ihren Gedanken, mit den Gefühlen in ihrem Herzen und sich darüber klar werden, um nur die einzige Frage in ihrem Herzen zu beantworten: Wollte sie so leben, hatte sie das Recht egoistisch zu sein und auch mal nur an sich zu denken?
Ismaael kümmerte sich rührend um sie, sie sprachen nicht viel miteinander, doch respektierte er ihren Wunsch allein zu sein, und er ging.
Sie hatte ihm viel zu verdanken ... was wäre gewesen, wenn er sie nicht gefunden hätte? Doch verdrängte sie jenen Gedanken wieder schnell, sie wollte sich gar nicht erst ausmalen was geschehen wäre.
Zaina erholte sich recht schnell, sie brauchte jemanden zum reden ... doch keiner war aufzufinden, als sie sich auf den Weg machte ... weder Aalina, Saheeb noch Saalih, die einzigen denen sie sich anvertrauen würde ... keiner schien da zu sein. Vergeblich suchte sie nach ihnen. Nichts. Leere.
Kemail lief ihr über den Weg, er bot sich abermals an, dass sie ihm ihr Herz ruhig ausschütten könnte, er mochte sie wohl ... doch konnte sie sich ihm nicht anvertrauen, schliesslich kannte sie ihn doch kaum. Genauso wie Ismaael, er bot sich ebenso an, doch auch er war nicht der richtige. War denn keine Seele da, die sie jetzt brauchte? Warum sind sie nie da, wenn man sie braucht. KEINER. KEIN einziger! *murmelte sie vor sich hin und vergrub ihre Finger im Ende des langen Haarzopfes.
"Gut, ich werde Vergangenes aus meinem Leben streichen, jene hinter mir lassen, neues geniessen und die Zukunft auf mich zu kommen lassen! Schliesslich bin ich glücklich ... oder sollte ich es sein!" sprach sie innerlich ermahnend zu sich. Keiner soll mehr merken, wie zerstört sie sich fühlte. Keiner! Die Vergangenheit schmerzte, doch sie ist vorbei. Sie schlenderte durch die Stadt, als ihr schliesslich auffiel dass sie vor Fadi und Rajas Haus stand, die Tür stand offen und Hadiya stand im Haus, Fadi´s Schwester. Sie musste leicht grinsen als sie sah, wie sich Hadiya mit Händen und Füssen gegenüber dem Festländer zu verständigen versuchte. Zaina bot ihre Hilfe an und sie wurde endlich von Ihren Gedanken abgelöst. Sie verhandelten mit dem Festländer und sahen zu, dass sie ihn so schnell wie möglich wieder los wurden.
Daraufhin ging sie abermals zurück zu Hadiya, sie brauchte Ablenkung, und was gab es besser, als eine Bekannte zu besuchen und fröhlich zu plaudern.
Kemail war wohl in der Zwischenzeit auch eingetroffen, während Zaina den Festländer zum Hafen brachte. Was sie nicht weiter störte, schliesslich war auch er ein zuvorkommender Mann, wenn auch etwas verschüchtert, was sie innerlich immer wieder schmunzeln lies. Niedlich war seine Art und er würde es schon noch lernen, mit Frauen und anderen umzugehen, um seine schüchterne, verlegene Art irgendwann abzulegen.
Schliesslich hatte sie einen wundervollen Mann an ihrer Seite, der ihr die Sterne vom Himmel holen würde, wenn er es könnte, eine wundervolle Familie, bei der sie wusste, sie ist immer da, wenn man sie brauchte ... sie verrichtete eine gute Arbeit, die ihr wohl den Luxus bietete, den sie sich leisten konnte, auch wenn ihr das gleichgültig war. Warum war sie so zerrüttet, sie hatte doch alles?!
Sie wollte nur noch alleine sein mit ihren Gedanken, mit den Gefühlen in ihrem Herzen und sich darüber klar werden, um nur die einzige Frage in ihrem Herzen zu beantworten: Wollte sie so leben, hatte sie das Recht egoistisch zu sein und auch mal nur an sich zu denken?
Ismaael kümmerte sich rührend um sie, sie sprachen nicht viel miteinander, doch respektierte er ihren Wunsch allein zu sein, und er ging.
Sie hatte ihm viel zu verdanken ... was wäre gewesen, wenn er sie nicht gefunden hätte? Doch verdrängte sie jenen Gedanken wieder schnell, sie wollte sich gar nicht erst ausmalen was geschehen wäre.
Zaina erholte sich recht schnell, sie brauchte jemanden zum reden ... doch keiner war aufzufinden, als sie sich auf den Weg machte ... weder Aalina, Saheeb noch Saalih, die einzigen denen sie sich anvertrauen würde ... keiner schien da zu sein. Vergeblich suchte sie nach ihnen. Nichts. Leere.
Kemail lief ihr über den Weg, er bot sich abermals an, dass sie ihm ihr Herz ruhig ausschütten könnte, er mochte sie wohl ... doch konnte sie sich ihm nicht anvertrauen, schliesslich kannte sie ihn doch kaum. Genauso wie Ismaael, er bot sich ebenso an, doch auch er war nicht der richtige. War denn keine Seele da, die sie jetzt brauchte? Warum sind sie nie da, wenn man sie braucht. KEINER. KEIN einziger! *murmelte sie vor sich hin und vergrub ihre Finger im Ende des langen Haarzopfes.
"Gut, ich werde Vergangenes aus meinem Leben streichen, jene hinter mir lassen, neues geniessen und die Zukunft auf mich zu kommen lassen! Schliesslich bin ich glücklich ... oder sollte ich es sein!" sprach sie innerlich ermahnend zu sich. Keiner soll mehr merken, wie zerstört sie sich fühlte. Keiner! Die Vergangenheit schmerzte, doch sie ist vorbei. Sie schlenderte durch die Stadt, als ihr schliesslich auffiel dass sie vor Fadi und Rajas Haus stand, die Tür stand offen und Hadiya stand im Haus, Fadi´s Schwester. Sie musste leicht grinsen als sie sah, wie sich Hadiya mit Händen und Füssen gegenüber dem Festländer zu verständigen versuchte. Zaina bot ihre Hilfe an und sie wurde endlich von Ihren Gedanken abgelöst. Sie verhandelten mit dem Festländer und sahen zu, dass sie ihn so schnell wie möglich wieder los wurden.
Daraufhin ging sie abermals zurück zu Hadiya, sie brauchte Ablenkung, und was gab es besser, als eine Bekannte zu besuchen und fröhlich zu plaudern.
Kemail war wohl in der Zwischenzeit auch eingetroffen, während Zaina den Festländer zum Hafen brachte. Was sie nicht weiter störte, schliesslich war auch er ein zuvorkommender Mann, wenn auch etwas verschüchtert, was sie innerlich immer wieder schmunzeln lies. Niedlich war seine Art und er würde es schon noch lernen, mit Frauen und anderen umzugehen, um seine schüchterne, verlegene Art irgendwann abzulegen.
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Charis Yazir
Wie jeden Tag schlenderte Charis verträumt durch die Stadt, ihre Hand war längst verheilt. Lange hatte sie Saheeb nicht mehr gesehen. "Was er wohl trieb? Ob er sie schon vergessen hat?" sie runzelte die Stirn bei dem Gedanken daran und hoffte innerlich, dass er sie nicht vergessen hat, aber wäre es ihm zu verdenken gewesen? Wenn dem so wäre? Schliesslich hatte sie sich nicht mehr gezeigt seit dem letzten Aufeinander-Treffen. Sie konnte nicht, irgendetwas hemmte sie. Spürte sie solche Gefühle in sich doch noch nie. Erklären konnte sie es sich nur mit "Verliebtheit". Wie sagte ihre Mutter immer zu ihr: "Irgendwann wird auch dir ein Mann begegen, der dir das Herz raubt!" Konnte das in so kurzer Zeit geschehen. Sie sah ihn doch nur zwei-dreimal, doch war sie beeindruckt von seiner Art, seinem Auftreten, auch wenn er sich aufführte wie ein kleiner Junge, der noch nie ein Mädchen sah. Sie schmunzelte innerlich und dachte dabei an die letzten, zufälligen Treffen. Es schmeichelte ihr, ob sie es nun zugeben wollte oder nicht. "Doch will ich mich jetzt noch nicht binden!" murmelte sie vor sich hin und sah erschrocken zu der Wache, als diese frech meinte: "Dich will keiner an einen Baum binden, dafür bist du noch zu jung und viel zu hübsch!"
Sie musste lachen. Was redete der Kerl da, die Sonne hat ihm wohl den Verstand vernebelt ... oder hat sie wirklich laut gedacht?! Sie schüttelte den Kopf und ging weiter zu ihrem neu erworbenen Haus. Es war noch immer nicht eingerichtet, sie sollte sich endlich mal darum kümmern. Sie musste auch wieder zu Aalina, lange hatte sie sich nicht mehr sehen lassen, wie erklärte sie das nur ... dass sie in ihren Bruder verliebt sei und über ihre Gefühle sich erstmal klar werden musste? Ob sie das verstehen würde? Aber schliesslich ist sie selbst verheiratet und kennt das Wort Liebe, warum also nicht.
Ihr Blick schweifte abermals über ihr kleines Häuschen, dass sie mit Stolz erfüllte, ehe ihr Blick auf ihrem Briefkasten hängen blieb.
"Was zum Teufel ... ist das?" flüsterte sie verwundert vor sich hin und nahm der Kerze erstmal mit einem kleinen Lufthauch die Flamme. Nahm dann den kleinen Zettel zur Hand und laß aufmerksam die darauf stehenden Buchstaben. Ein zartes Lächeln legte sich über ihr Gesicht und ihre schwarzen Augen schienen aufzuleuchten, mit jedem Wort das sie in sich aufnahm. Als sie zu Ende war, drückte sie den Zettel an sich, nahm die Kerze und ging ins Haus. Wer schrieb ihr solche Zeilen. Wahrlich, brauchte sie sich da überhaupt fragen, so kam doch nur einer in Frage, nur Saheeb hätte solche Worte für sie übrig ... oder täuschte sie sich, wollte es nur ihr Herz so wissen, oder war es doch tatsächlich so?
Eine Weile überlegte sie ... ehe sie selbste eine Feder und ein Pergament zur Hand nahm. "Ich werde es herausfinden, und koste es mich meine Ehre und meinen Stolz!" flüsterte sie mit funkelnden Augen in den leeren Raum hinein. Sie schrieb folgende Zeilen nieder:
Wenn dein Herz dich sucht
nach Liebe ruft, dann folge seinem Drang
Benutz dein Herz für dich, zeige wie du bist
dein ganzes Leben lang...
Bewusst schrieb sie jene Zeilen sorgfältig und mit Eleganz geschwungen, umrahmte es mit vielerlei kleinen undeutsamen Zeichen und faltete es sorgfältig. "Er wird wissen zu wem er kommen muss, wenn er diese Zeilen laß!" sagte sie zu sich, hauchte dem Pergament einen Kuss auf, drückte es nochmal an sich, ehe sie den Umhang umwarf und sich auf den Weg zu Saheebs Briefkasten machte. Dort angekommen betrachtete sie sein Haus eine Weile schweigend, steckte daraufhin den kleinen Brief in seine Posttruhe und verschwand still und leise in der Dunkelheit.
Sie musste lachen. Was redete der Kerl da, die Sonne hat ihm wohl den Verstand vernebelt ... oder hat sie wirklich laut gedacht?! Sie schüttelte den Kopf und ging weiter zu ihrem neu erworbenen Haus. Es war noch immer nicht eingerichtet, sie sollte sich endlich mal darum kümmern. Sie musste auch wieder zu Aalina, lange hatte sie sich nicht mehr sehen lassen, wie erklärte sie das nur ... dass sie in ihren Bruder verliebt sei und über ihre Gefühle sich erstmal klar werden musste? Ob sie das verstehen würde? Aber schliesslich ist sie selbst verheiratet und kennt das Wort Liebe, warum also nicht.
Ihr Blick schweifte abermals über ihr kleines Häuschen, dass sie mit Stolz erfüllte, ehe ihr Blick auf ihrem Briefkasten hängen blieb.
"Was zum Teufel ... ist das?" flüsterte sie verwundert vor sich hin und nahm der Kerze erstmal mit einem kleinen Lufthauch die Flamme. Nahm dann den kleinen Zettel zur Hand und laß aufmerksam die darauf stehenden Buchstaben. Ein zartes Lächeln legte sich über ihr Gesicht und ihre schwarzen Augen schienen aufzuleuchten, mit jedem Wort das sie in sich aufnahm. Als sie zu Ende war, drückte sie den Zettel an sich, nahm die Kerze und ging ins Haus. Wer schrieb ihr solche Zeilen. Wahrlich, brauchte sie sich da überhaupt fragen, so kam doch nur einer in Frage, nur Saheeb hätte solche Worte für sie übrig ... oder täuschte sie sich, wollte es nur ihr Herz so wissen, oder war es doch tatsächlich so?
Eine Weile überlegte sie ... ehe sie selbste eine Feder und ein Pergament zur Hand nahm. "Ich werde es herausfinden, und koste es mich meine Ehre und meinen Stolz!" flüsterte sie mit funkelnden Augen in den leeren Raum hinein. Sie schrieb folgende Zeilen nieder:
Wenn dein Herz dich sucht
nach Liebe ruft, dann folge seinem Drang
Benutz dein Herz für dich, zeige wie du bist
dein ganzes Leben lang...
Bewusst schrieb sie jene Zeilen sorgfältig und mit Eleganz geschwungen, umrahmte es mit vielerlei kleinen undeutsamen Zeichen und faltete es sorgfältig. "Er wird wissen zu wem er kommen muss, wenn er diese Zeilen laß!" sagte sie zu sich, hauchte dem Pergament einen Kuss auf, drückte es nochmal an sich, ehe sie den Umhang umwarf und sich auf den Weg zu Saheebs Briefkasten machte. Dort angekommen betrachtete sie sein Haus eine Weile schweigend, steckte daraufhin den kleinen Brief in seine Posttruhe und verschwand still und leise in der Dunkelheit.
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Zaina Masari
Ein wohl erfolgreicher und schöner Tag verging. Zaina´s trübe Gedanken schienen wie weg geblasen. Die nette Plauderei mit Kemail und Hadiya nahm ihr wohl den letzten trübseeligen Gedanken, der je in ihr aufkeimte, so konnte sie jenen bestens in den Hintergrund schieben.
Sie alberten herum und lachten viel. Hadiya erzählte davon, wie Ismaael, ihr und Sahar, behauptete, sie wären zu verweichlicht, um einige Tage in der Wüste überleben zu können. Daraufhin heckten sie gemeinsam Pläne aus, womit sie Ismaael bestrafen konnte für solche Worte, die erst noch zu beweisen galten. Eingraben wollten sie ihn, in Sand, bis zum Hals, so dass nur noch der Kopf zu erkennen war. Sie lachten, allein schon das Bild das sich bieten würde, wäre ein Spaß wert. Nur leider schien Kemail an dem ganzen keinen Gefallen zu finden, und wohl auch noch zu glauben, dass Zaina und Hadiya die Worte ernst meinten. Was waren sie doch für garstige, hinterhältige Frauen. Innerlich lachte sie. Das konnte doch nicht sein, er kann uns doch nicht ernst nehmen. Für den ersten Moment schien er wirklich daran zu glauben, doch konnten Hadiya und Zaina ihn beruhigen, indem sie ihn aufklärten, dass jenes wirklich nur ein Spaßgedanke gewesen sei. Ein schöner und auch lustiger Nachmittag, davon mal abgesehen, dass Zaina noch wundervolle neue Kleider erwarb, die ihren Frust nun endgültig zu begraben schienen.
Gegen später schlenderte sie gen Hafen … „Nein, arbeiten würde sie heute nicht!“ sagte sie zu sich. Es muss auch Tage geben, an denen ich einfach nichts tue und mein Leben anders genieße wie üblich. Am Hafen traf sie auf eine grössere Gruppe … unter Ihnen Aasim Omar, erhabener Emir unter uns, Aalina ihre liebste Schwester die sie schon länger nichmehr sah, Khalida, Sharie, Ismaael … sie wollten wohl zur neuen Insel um Erkundungen zu tätigen. Kurz überlegte sie, ehe sie sich dann entschloss mit ihnen zu reisen. Hätte sie gewusst, wie anstrengend und nervenaufreibend diese Reise wurde, hätte sie sich wohl doch lieber im heiligen Salzberg verkrochen um zu arbeiten. Trug sie doch einige Schnittwunden mit sich, als sie das Erdreich betraten, dort einen komischen, wie ausgestorbenen Wald entdeckten indem sich seltsame Tiere aufhielten … wo sie die Jagd doch gar nicht mochte. Vor allem, wie sollte sie Saalih erklären, woher die Wunden stammten, schliesslich ließen sich jene nicht vor ihm verstecken. Sie wusste, dass er es genauso wenig mochte, wie sie, wenn sie auf der Jagd ist. Sie hatte deswegen schon mal eine, wohl kleine, Auseinandersetzung mit ihm, als Aalina sie, vor seinen Augen fragte, ob sie Lust hätte mit auf die Jagd zu gehen. Aalina schien der Jagd mächtig zu sein und sich wohl nicht um ihren Körper scheren und Raakin befürwortete jenes vermutlich. „Wie unterschiedlich wir doch alle sind?!“ schoss es ihr durch die Gedanken.
Doch Saalih belügen? Nur deswegen? Nein. Das konnte sie nicht. Das würde ihren ganzen Stolz verletzen, sie liebte ihn, warum sollte sie ihm dann auch noch was vormachen wollen?
Letztendlich konnte sie sich ja gut verteidigen, wenn es darauf ankam und sie provozierte es schliesslich nicht täglich sowie sie sich auch nicht freiwillig in Gefahr brachte. Und was blieb ihr anderes übrig, wenn ein wildes Tier auf sie zu rannte, und sie fast umbringen wollte.
Andererseits barg diese Höhle, was auch immer das war, wunderschöne, funkelnde Kristalle, die einen fast in ihren Bann zogen. Der Boden dort schien verlockend und sogleich ordnete der Emir an, wieder dorthin zu reisen, mit einer Gruppe Krieger und Salzschürfer um jene kostbaren Kristalle zu gewinnen. Doch war sie nach der langen Reise doch wieder froh, zuhause angekommen zu sein und sie musste wirklich darüber nachdenken, ob sie das nächste Mal wieder mit reisen sollte, oder das lieber den anderen überlassen, denn schliesslich war es gefährlich und das konnte sie nicht abstreiten. Andererseits würde sie sich auch nicht gerne nachsagen lassen, sie wäre verweichlicht.
Abends stand Zaina noch eine Weile vorm Kontor. Sie traf auf Aalina und Raakin, war es doch schön, die beiden mal wieder zu Gesicht zu bekommen. Kurz darauf erschien Saalih mit einer Elfe an seiner Seite. Eine wahrlich hübsche Frau. Zainas Blicke schweiften über sie, mit Bewunderung, doch konnte sie den Blick von Saalih nicht lassen, der sie doch mehr in seinen Bann zog als jede wundervolle Elfe. Schliesslich bekam sie ihn in letzter Zeit so selten zu Gesicht. Sie sehnte sich nach ihm, wie sie das eigentlich immer tat. Was konnte ein Mann an sich haben, der sie so in den Bann zog. Wie konnte man einen Menschen nur so unendlich lieben, das man manchmal glaubte es zerreiße einem das Herz. Doch was nützte es ihr, schliesslich war die Elfe sein Gast und sie hatte sie ihn wieder nicht für sich allein. Innerlich seufzte sie aber dennoch nahm sie es gewahr. Wer sagte denn, dass sie seine Nähe nicht trotzdem geniessen konnte. Doch nahm alles eine andere Wendung. Raakin nahm die Elfe recht lange in Anspruch, was auch nicht weiter verwunderlich war, wie oft traf man denn schon auf eine solche. Nach einer Weile kam der Emir ebenso mit hinzu, was dazu führte, dass die Elfe nun als Gast des Emirs galt, auch wenn dem nicht so war.
Ärgerlich für Saalih, man merkte es ihm an. Zaina sah es ihm an, ob die anderen es sahen, wusste sie nicht, aber sie kannte ihren Liebsten nur zu gut. Schweigend folgte sie ihm, als er den Platz verließ. Zuhause versuchte sie ihn zu beschwichtigen, mit ihren Worten und hoffte, dass es ihr gelang. Sie konnte ihn nur zu gut verstehen, schliesslich wäre sie auch gekränkt gewesen, doch was konnte man schon ausrichten, wenn der Emir das Gastverhältnis selbst in die Hand nimmt. Dann kam auch noch hinzu, dass sich Schnittwunden und leichte Kratzer auf ihren Armen abzeichnete. Sie bekam ein schlechtes Gewissen, fast Angst schloss sich in ihren Gedanken vor ihm ein. Wie würde er reagieren, wenn sie ihm sagte, woher jene kamen. Vorallem sie, die täglich darauf achtete ihre Schönheit für ihn zu bewahren. Nicht mal das Salz, dass sie täglich auf der Haut spürte konnte ihre Haut rau und kratzig werden lassen. Sorgsam pflegte sie sich, er war es nicht gewohnt, sie in solch verschandeltem Zustand zu sehen, wobei die Wunden harmlos schienen, dennoch zeichneten sie sich ab. Aber auch er liebte sie, was sollte schon passieren, als mahnende Worte, die sie selbst nur unterstreichte.
….
Ein langer Abend verging … ein Abend, der ihren Kummer vollends beiseite schob. Sie wusste wo sie hin gehörte, wen sie liebte, warum sie ihn liebte, weshalb sie so gebannt von ihm war. Allein der Gedanke irgendwann ihm zu gehören, für die Ewigkeit für Immer machte sie glücklich und zufrieden und lies all den Gram der letzten Tage vergessen.
Sie alberten herum und lachten viel. Hadiya erzählte davon, wie Ismaael, ihr und Sahar, behauptete, sie wären zu verweichlicht, um einige Tage in der Wüste überleben zu können. Daraufhin heckten sie gemeinsam Pläne aus, womit sie Ismaael bestrafen konnte für solche Worte, die erst noch zu beweisen galten. Eingraben wollten sie ihn, in Sand, bis zum Hals, so dass nur noch der Kopf zu erkennen war. Sie lachten, allein schon das Bild das sich bieten würde, wäre ein Spaß wert. Nur leider schien Kemail an dem ganzen keinen Gefallen zu finden, und wohl auch noch zu glauben, dass Zaina und Hadiya die Worte ernst meinten. Was waren sie doch für garstige, hinterhältige Frauen. Innerlich lachte sie. Das konnte doch nicht sein, er kann uns doch nicht ernst nehmen. Für den ersten Moment schien er wirklich daran zu glauben, doch konnten Hadiya und Zaina ihn beruhigen, indem sie ihn aufklärten, dass jenes wirklich nur ein Spaßgedanke gewesen sei. Ein schöner und auch lustiger Nachmittag, davon mal abgesehen, dass Zaina noch wundervolle neue Kleider erwarb, die ihren Frust nun endgültig zu begraben schienen.
Gegen später schlenderte sie gen Hafen … „Nein, arbeiten würde sie heute nicht!“ sagte sie zu sich. Es muss auch Tage geben, an denen ich einfach nichts tue und mein Leben anders genieße wie üblich. Am Hafen traf sie auf eine grössere Gruppe … unter Ihnen Aasim Omar, erhabener Emir unter uns, Aalina ihre liebste Schwester die sie schon länger nichmehr sah, Khalida, Sharie, Ismaael … sie wollten wohl zur neuen Insel um Erkundungen zu tätigen. Kurz überlegte sie, ehe sie sich dann entschloss mit ihnen zu reisen. Hätte sie gewusst, wie anstrengend und nervenaufreibend diese Reise wurde, hätte sie sich wohl doch lieber im heiligen Salzberg verkrochen um zu arbeiten. Trug sie doch einige Schnittwunden mit sich, als sie das Erdreich betraten, dort einen komischen, wie ausgestorbenen Wald entdeckten indem sich seltsame Tiere aufhielten … wo sie die Jagd doch gar nicht mochte. Vor allem, wie sollte sie Saalih erklären, woher die Wunden stammten, schliesslich ließen sich jene nicht vor ihm verstecken. Sie wusste, dass er es genauso wenig mochte, wie sie, wenn sie auf der Jagd ist. Sie hatte deswegen schon mal eine, wohl kleine, Auseinandersetzung mit ihm, als Aalina sie, vor seinen Augen fragte, ob sie Lust hätte mit auf die Jagd zu gehen. Aalina schien der Jagd mächtig zu sein und sich wohl nicht um ihren Körper scheren und Raakin befürwortete jenes vermutlich. „Wie unterschiedlich wir doch alle sind?!“ schoss es ihr durch die Gedanken.
Doch Saalih belügen? Nur deswegen? Nein. Das konnte sie nicht. Das würde ihren ganzen Stolz verletzen, sie liebte ihn, warum sollte sie ihm dann auch noch was vormachen wollen?
Letztendlich konnte sie sich ja gut verteidigen, wenn es darauf ankam und sie provozierte es schliesslich nicht täglich sowie sie sich auch nicht freiwillig in Gefahr brachte. Und was blieb ihr anderes übrig, wenn ein wildes Tier auf sie zu rannte, und sie fast umbringen wollte.
Andererseits barg diese Höhle, was auch immer das war, wunderschöne, funkelnde Kristalle, die einen fast in ihren Bann zogen. Der Boden dort schien verlockend und sogleich ordnete der Emir an, wieder dorthin zu reisen, mit einer Gruppe Krieger und Salzschürfer um jene kostbaren Kristalle zu gewinnen. Doch war sie nach der langen Reise doch wieder froh, zuhause angekommen zu sein und sie musste wirklich darüber nachdenken, ob sie das nächste Mal wieder mit reisen sollte, oder das lieber den anderen überlassen, denn schliesslich war es gefährlich und das konnte sie nicht abstreiten. Andererseits würde sie sich auch nicht gerne nachsagen lassen, sie wäre verweichlicht.
Abends stand Zaina noch eine Weile vorm Kontor. Sie traf auf Aalina und Raakin, war es doch schön, die beiden mal wieder zu Gesicht zu bekommen. Kurz darauf erschien Saalih mit einer Elfe an seiner Seite. Eine wahrlich hübsche Frau. Zainas Blicke schweiften über sie, mit Bewunderung, doch konnte sie den Blick von Saalih nicht lassen, der sie doch mehr in seinen Bann zog als jede wundervolle Elfe. Schliesslich bekam sie ihn in letzter Zeit so selten zu Gesicht. Sie sehnte sich nach ihm, wie sie das eigentlich immer tat. Was konnte ein Mann an sich haben, der sie so in den Bann zog. Wie konnte man einen Menschen nur so unendlich lieben, das man manchmal glaubte es zerreiße einem das Herz. Doch was nützte es ihr, schliesslich war die Elfe sein Gast und sie hatte sie ihn wieder nicht für sich allein. Innerlich seufzte sie aber dennoch nahm sie es gewahr. Wer sagte denn, dass sie seine Nähe nicht trotzdem geniessen konnte. Doch nahm alles eine andere Wendung. Raakin nahm die Elfe recht lange in Anspruch, was auch nicht weiter verwunderlich war, wie oft traf man denn schon auf eine solche. Nach einer Weile kam der Emir ebenso mit hinzu, was dazu führte, dass die Elfe nun als Gast des Emirs galt, auch wenn dem nicht so war.
Ärgerlich für Saalih, man merkte es ihm an. Zaina sah es ihm an, ob die anderen es sahen, wusste sie nicht, aber sie kannte ihren Liebsten nur zu gut. Schweigend folgte sie ihm, als er den Platz verließ. Zuhause versuchte sie ihn zu beschwichtigen, mit ihren Worten und hoffte, dass es ihr gelang. Sie konnte ihn nur zu gut verstehen, schliesslich wäre sie auch gekränkt gewesen, doch was konnte man schon ausrichten, wenn der Emir das Gastverhältnis selbst in die Hand nimmt. Dann kam auch noch hinzu, dass sich Schnittwunden und leichte Kratzer auf ihren Armen abzeichnete. Sie bekam ein schlechtes Gewissen, fast Angst schloss sich in ihren Gedanken vor ihm ein. Wie würde er reagieren, wenn sie ihm sagte, woher jene kamen. Vorallem sie, die täglich darauf achtete ihre Schönheit für ihn zu bewahren. Nicht mal das Salz, dass sie täglich auf der Haut spürte konnte ihre Haut rau und kratzig werden lassen. Sorgsam pflegte sie sich, er war es nicht gewohnt, sie in solch verschandeltem Zustand zu sehen, wobei die Wunden harmlos schienen, dennoch zeichneten sie sich ab. Aber auch er liebte sie, was sollte schon passieren, als mahnende Worte, die sie selbst nur unterstreichte.
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Ein langer Abend verging … ein Abend, der ihren Kummer vollends beiseite schob. Sie wusste wo sie hin gehörte, wen sie liebte, warum sie ihn liebte, weshalb sie so gebannt von ihm war. Allein der Gedanke irgendwann ihm zu gehören, für die Ewigkeit für Immer machte sie glücklich und zufrieden und lies all den Gram der letzten Tage vergessen.