Rashar sind nicht gefühllos. Um hinderliche Emotionen von sich abzuwenden, verewigt RashoAkun ihre Gedanken durch kurze Texte auf kleinen Steinen, die vorher in Lava getaucht wurden, um für scharfes Werkzeug formbar zu sein. Ein kleines Messer ritzt ins weiche Material Schriftzeichen ihrer Rassensprache ein. Die beschrifteten Gedankensteine bewahrt die Kriegerin in einer Teller-förmigen, verschließbaren Truhe des Hauses ihrer Wohngemeinschaft auf.
Stein Eins:
Es sind bereits einige Tage vergangen seitdem mein Volk auf der Oberfläche verweilt und die rote, unterirdische Hölle verlassen hat. Vieles ist geschehen: Ich habe einige Wörter der Handelssprache dazugelernt - wie Torte, Schokolade oder Statthalter - und bin vielen Mitgliedern anderer Völker begegnet, die sich als friedlich entpuppt haben; angefangen bei Enomis und ihrer Tochter Phreya, über Statthalter Tzion und seinem Weib Rayana, dem kleinen Ean samt Schreibunterricht, Kriegstrommlerin Tin'veraxa, dem Thyrenvolk und ihrem herrlichen Feuermet, einem Kaluren mit einem riesigen Käfer-Reittier, die Elfe ShaeRa mit ihrer weichen Haut, bis hin zu Aline, einer BrakNa aus Bajard.
Stein Zwei:
Jede Begegnung empfinde ich als interessant und ich werde weiterhin versuchen, Kontakte zu pflegen und aufrecht zu halten. Manche sind mir sogar näher gegangen als erwartet: Die kleine Phreya hatte mich umarmt, nachdem ich ihr zum Geburtstag einen Bären aus Stoff in der Gestalt eines Rasho mit Doppelaxt geschenkt hatte. Das Gefühl war unbeschreiblich nahe gehend und ließ in mir den Wunsch aufkeimen, es erneut zu versuchen. Die Lebensglut in mir ist im Laufe der sechsunddreißig Jahre bereits zur Hälfte erkältet; es wäre eigentlich höchste Zeit, Mutter Ahamani Nachkommen zu schenken.
Stein Drei:
Es gibt jedoch auch Unschönes zu berichten: Rasho ShraKraRo hat seinen letzten Kampf nicht überlebt. Der Gedanke, einen Bruder verloren zu haben, schmerzt. Jeder Rashar ist wie Familie für mich. Diese Gefühle sind menschlich. Sie machen mich gleichzeitig schwach. Ich muss für meine Geschwister stark sein und stark bleiben. Gewährt mir nur einen Moment der Ruhe, der Meditation, damit ich mein inneres Feuer regenerieren kann. Gib mir neue Kraft, Mutter Ahamani. Ich brauche sie.
Aus den Ereignissen einer Rasharii
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Gast
Stein Vier:
Es ist warm. Viel zu warm. Selbst für eine Rasharii. Aus dem Hintergrund dringt ein permanentes Dröhnen an mein Ohr, ebenso hallen die Geräusche blubbernder Lava und das Rauschen ganzer Lavafälle wieder. Die gesamte Umgebung ist in ein Orangerot getaucht und man kann keine fünf Meter nach geradeaus sehen, ohne einem starken Hitzeflimmern entgegenzustarren. Tag und Nacht gibt es nicht. Ein Blick nach oben lässt eine Art Dach erahnen, als wäre man in einer riesigen, heißen Käseglocke gefangen. Auf erkaltetem Lavagestein stehen steinerne Häuser, zweckmäßig eingerichtet, aber nicht ungemütlich. Selbst Höfe findet man hier und da, mit Pflanzen und Tieren, die sich den widrigen Umständen angepasst haben: Unsere gewohnten Schellacs und Krarks. Rasho und ShoRa, zu denen ich auch gehöre, verteidigen die kleinen Siedlungen täglich vor verwirrten Ausgeburten des Feuers, wie Golems, Flammentrolle, Lavasirenen oder aggressiven Elementaren, und beschützen unsere wertvollen KunBra in ihren Tempeln.
Langsam wandle ich mit nackten Füßen auf dem erkalteten Weg entlang, der sich aus Lavagestein geformt hat. Ich sehe mich um, schaue in ein meist unbekümmertes Geschwisterngesicht und lächle gezwungen. Auch, wenn es meine unterirdische Heimat ist, fühle ich mich nicht wohl. Ich bezeichne sie als "Rote Hölle". Wie sähe wohl ein Leben an der Oberfläche aus? Was hat Mutter Ahamani mit uns vor? Warum müssen wir so viele Jahre hier unten verbringen? Will Sie uns prüfen? Vielleicht. Ich halte durch. Versuche ein normales Leben zu führen, und träume immer wieder von Landschaften oberhalb dieser riesigen, feurigen Grotte.
Plötzlich wache ich auf, schlage das Fell von meinem Leib zur Seite, reiße meinen Oberkörper hoch und lasse den Blick zum offenen Steinfenster herüberschweifen. Ich bin im RaKun? Nebenbei vernehme ich CrensBarakShars und DirrShaTeras lautes Schnarchen über den Fellbetten neben meinem eigenen. Ich lächle erleichtert. Nur ein Traum. Ein Traum, der mich an meine alte Heimat erinnern sollte. Auch, wenn sich viele Rashar in ihrer vorherigen Umgebung wohl fühlten: Ich gehöre zu denjenigen, die glücklich sind, die Oberwelt erleben zu dürfen und danke Mutter dafür, der Roten Hölle, samt ihrer unliebsamen Erinnerungen, entkommen zu sein.
Es ist warm. Viel zu warm. Selbst für eine Rasharii. Aus dem Hintergrund dringt ein permanentes Dröhnen an mein Ohr, ebenso hallen die Geräusche blubbernder Lava und das Rauschen ganzer Lavafälle wieder. Die gesamte Umgebung ist in ein Orangerot getaucht und man kann keine fünf Meter nach geradeaus sehen, ohne einem starken Hitzeflimmern entgegenzustarren. Tag und Nacht gibt es nicht. Ein Blick nach oben lässt eine Art Dach erahnen, als wäre man in einer riesigen, heißen Käseglocke gefangen. Auf erkaltetem Lavagestein stehen steinerne Häuser, zweckmäßig eingerichtet, aber nicht ungemütlich. Selbst Höfe findet man hier und da, mit Pflanzen und Tieren, die sich den widrigen Umständen angepasst haben: Unsere gewohnten Schellacs und Krarks. Rasho und ShoRa, zu denen ich auch gehöre, verteidigen die kleinen Siedlungen täglich vor verwirrten Ausgeburten des Feuers, wie Golems, Flammentrolle, Lavasirenen oder aggressiven Elementaren, und beschützen unsere wertvollen KunBra in ihren Tempeln.
Langsam wandle ich mit nackten Füßen auf dem erkalteten Weg entlang, der sich aus Lavagestein geformt hat. Ich sehe mich um, schaue in ein meist unbekümmertes Geschwisterngesicht und lächle gezwungen. Auch, wenn es meine unterirdische Heimat ist, fühle ich mich nicht wohl. Ich bezeichne sie als "Rote Hölle". Wie sähe wohl ein Leben an der Oberfläche aus? Was hat Mutter Ahamani mit uns vor? Warum müssen wir so viele Jahre hier unten verbringen? Will Sie uns prüfen? Vielleicht. Ich halte durch. Versuche ein normales Leben zu führen, und träume immer wieder von Landschaften oberhalb dieser riesigen, feurigen Grotte.
Plötzlich wache ich auf, schlage das Fell von meinem Leib zur Seite, reiße meinen Oberkörper hoch und lasse den Blick zum offenen Steinfenster herüberschweifen. Ich bin im RaKun? Nebenbei vernehme ich CrensBarakShars und DirrShaTeras lautes Schnarchen über den Fellbetten neben meinem eigenen. Ich lächle erleichtert. Nur ein Traum. Ein Traum, der mich an meine alte Heimat erinnern sollte. Auch, wenn sich viele Rashar in ihrer vorherigen Umgebung wohl fühlten: Ich gehöre zu denjenigen, die glücklich sind, die Oberwelt erleben zu dürfen und danke Mutter dafür, der Roten Hölle, samt ihrer unliebsamen Erinnerungen, entkommen zu sein.
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Gast
Stein Fünf:
"Wusch!" Die Zweihandaxt saust nach unten und zerschneidet mit einem wuchtigen Geräusch die Luft. Unter meinem quetschenden Fuß sehe ich in die erzürnten Augen eines Drachen, der sein Maul aufreißt und mit einem aggressiven Fauchen antwortet. Sein warmer Atem stinkt nach Tod, nach verbranntem Fleisch. Wahrscheinlich haben viele wagemutige Abenteurer ihr Ende in der Nähe seiner Flammen ausstoßenden Nasenlöcher gefunden - als willkommenes, geröstetes Abendmahl. Ich knirsche mit den Zähnen, während meine Gedanken um die zahlreichen Opfer dieser Bestie schweben, und bringe anschließend einen lauten, kehligen Wutschrei über meine Lippen. Wie ein warmes Messer durch Butter fährt das scharfe Klingenbatt durch den langen, gestreckten Drachenhals und Blut spritzt gegen meinen, von Bruder RashaToar frisch geschmiedeten, Plattenharnisch. Der Kopf des Drachen, von seinem Rumpf getrennt, badet in einer zähen Lache seines eigenen Bluts; er gibt einen letzten, erschütternden Schrei von sich, bevor er mit geweiteten Augen erstarrt. Ich atme tief durch, spüre die Hitze der Aufregung, die durch meinen Körper fließt, den warmen Schweiß auf meiner Stirn, und mein Herz panisch unter der Brust rasen. Eine falsche Bewegung und auch für mich hätte diese Bestie der Tod bringende Sensenmann sein können.
Nur langsam beruhigt sich mein Herzschlag. Das Adrenalin in meinem Körper baut wieder ab. Weitere tiefe Atemzüge, bei geschlossenen Augen, geben mir die notwendige Ruhe, um weiterzumachen. Meine Augen legen sich auf den abgetrennten Kopf des Drachen, den ich als Trophäe auf meine Hörner spieße. Für den Moment eines Herzschlags empfinde ich ungewohntes Mitgefühl. "Warum jagst du täglich diese Wesen? Wäre es nicht sinnvoller, ihnen ihre Ruhe zu lassen? Wäre das nicht gleichzeitig ungefährlicher? Werden sie nur aggressiv, weil Abenteurer, wie ich, ihr Territorium beschmutzen?" Merkwürdige Gedanken nahmen in meinem Kopf vorwurfsvolle Stimmen an. Ich kniff die Augen zu und schüttelte sie ab. Schwachsinn! Je mehr dieser Monster den Waffen tapferer Krieger zum Opfer fallen, umso sicherer darf man sich fühlen. Es war nur ein kleiner Drache. Aber ein weiteres Monster, das mir gleichzeitig den Schub an Lebensfreude gebracht hatte, den ich täglich brauchte, den mitleidvollen Gedanken zum Trotz. Das angenehm berauschende Gefühl des kriegerischen Siegs, oder die tiefe Befriedigung, nach einer erfolgreichen Jagd nach Hause zu kommen. Und nichts anderes bin ich: Eine Kriegerin; eine Jägerin.
"Wusch!" Die Zweihandaxt saust nach unten und zerschneidet mit einem wuchtigen Geräusch die Luft. Unter meinem quetschenden Fuß sehe ich in die erzürnten Augen eines Drachen, der sein Maul aufreißt und mit einem aggressiven Fauchen antwortet. Sein warmer Atem stinkt nach Tod, nach verbranntem Fleisch. Wahrscheinlich haben viele wagemutige Abenteurer ihr Ende in der Nähe seiner Flammen ausstoßenden Nasenlöcher gefunden - als willkommenes, geröstetes Abendmahl. Ich knirsche mit den Zähnen, während meine Gedanken um die zahlreichen Opfer dieser Bestie schweben, und bringe anschließend einen lauten, kehligen Wutschrei über meine Lippen. Wie ein warmes Messer durch Butter fährt das scharfe Klingenbatt durch den langen, gestreckten Drachenhals und Blut spritzt gegen meinen, von Bruder RashaToar frisch geschmiedeten, Plattenharnisch. Der Kopf des Drachen, von seinem Rumpf getrennt, badet in einer zähen Lache seines eigenen Bluts; er gibt einen letzten, erschütternden Schrei von sich, bevor er mit geweiteten Augen erstarrt. Ich atme tief durch, spüre die Hitze der Aufregung, die durch meinen Körper fließt, den warmen Schweiß auf meiner Stirn, und mein Herz panisch unter der Brust rasen. Eine falsche Bewegung und auch für mich hätte diese Bestie der Tod bringende Sensenmann sein können.
Nur langsam beruhigt sich mein Herzschlag. Das Adrenalin in meinem Körper baut wieder ab. Weitere tiefe Atemzüge, bei geschlossenen Augen, geben mir die notwendige Ruhe, um weiterzumachen. Meine Augen legen sich auf den abgetrennten Kopf des Drachen, den ich als Trophäe auf meine Hörner spieße. Für den Moment eines Herzschlags empfinde ich ungewohntes Mitgefühl. "Warum jagst du täglich diese Wesen? Wäre es nicht sinnvoller, ihnen ihre Ruhe zu lassen? Wäre das nicht gleichzeitig ungefährlicher? Werden sie nur aggressiv, weil Abenteurer, wie ich, ihr Territorium beschmutzen?" Merkwürdige Gedanken nahmen in meinem Kopf vorwurfsvolle Stimmen an. Ich kniff die Augen zu und schüttelte sie ab. Schwachsinn! Je mehr dieser Monster den Waffen tapferer Krieger zum Opfer fallen, umso sicherer darf man sich fühlen. Es war nur ein kleiner Drache. Aber ein weiteres Monster, das mir gleichzeitig den Schub an Lebensfreude gebracht hatte, den ich täglich brauchte, den mitleidvollen Gedanken zum Trotz. Das angenehm berauschende Gefühl des kriegerischen Siegs, oder die tiefe Befriedigung, nach einer erfolgreichen Jagd nach Hause zu kommen. Und nichts anderes bin ich: Eine Kriegerin; eine Jägerin.
Zuletzt geändert von Gast am Samstag 22. August 2015, 04:05, insgesamt 1-mal geändert.
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Gast
Stein Sechs:
Tag und Nacht gibt es hier unten nicht. Ein Zeitgefühl fehlt den meisten Rashar dadurch ebenfalls. Wir schlafen und wachen auf, sobald uns Körpersignale entsprechenden Bedarf oder Befriedigung mitteilen. Deswegen kann ich nicht sagen, wie spät es gerade ist. Da meine Wachsamkeit jedoch zu wünschen übrig lässt, bin ich entweder schon lange wach oder habe viel zu wenig geschlafen. Mit einer großen Doppelaxt bewaffnet, stehe ich neben meinen Geschwistern. Wir bilden vor den Toren unserer kleinen, unterirdischen Siedlung eine Reihe und starren einen riesigen Lavafall an. Laut Aussagen der jungen RakBro würden in letzter Zeit Lavaechsen die Steinhäuser terrorisieren, die in einer Höhle hinter dem flüssigen Feuer ihr Zuhause hätten.
Ich betrachte meinen Körper und sehe so jung aus, wie ich mich fühle. Vielleicht in den Anfängen der Zwanziger. Viel Zeit, um zu sinnieren, bleibt mir allerdings nicht: Ein leichtes Beben vibriert unter den Füßen der Torwächter, während wir weiterhin den Lavafall anstarren. Die Fäuste legen sich enger um die ausgerüsteten Waffen und wir nehmen Kampfhaltungen ein. Eine Lavaechse springt aus ihrer Höhle, durch den Lavafall, und stürmt mit erhobener Klinge kreischend auf uns zu. Danach hört man das Magma wieder rumoren, als zwei weitere, große Feuerreptilien ihr Heim verlassen. Ihr Kreischen klingt ohrenbetäubend widerlich, ihre Figuren ähneln stark den Echsenmenschen auf der Oberfläche. Nur, dass die schuppige Haut rötlich ist, als hätte sie sich auch farblich an die feurigen Temperaturen der unterirdischen roten Hölle gewöhnt. Diese primitive Rasse führt mit Vorliebe Krummsäbel und Rundschild.
Obwohl die Angreifer es schaffen, mich und meine Geschwister durch ihre bloßen Schreie abzulenken und zu verwirren, bleiben wir standhaft. Wir rücken enger zusammen, so dass sich die Rücken treffen und lassen die Blicke aufmerksam von einer Feuerechse zur anderen springen. Sie knurren, kreischen und fauchen; Geduld scheint nicht die Stärke dieser hitzigen Rasse zu sein. Ich reiße meine schwere, zweihändige Axt nach oben, pariere dadurch den vertikalen Schwerthieb eines springenden Angreifers und setze mit einem wuchtigen, horizontalen Konter nach. Das dem Widersacher zugewandte Klingenblatt bohrt sich in die Hüfte des aggressiven Reptils und ich knirsche mit den Zähnen. "Unverschämt hart, diese Schuppenpanzer", höre ich mich innerlich fluchen, während meine Axt mühsam durch den Körper meines Gegners gleitet, sich durch sein Inneres frisst, und abschließend zwei leblose Körperhälften ins eigene Blutbad fallen lässt.
Schwer atmend sehe ich prüfend über meine Schulter. Nur noch eine große Feuerechse ist übrig. Schreiend vor Zorn, seine toten Artgenossen auf dem Boden zu sehen, befindet sich das Wesen im Sprung. Der gekrümmte Säbel ist erneut angehoben und setzt zum Hieb an. Das Ziel soll der Rücken unseres Neuzugangs der unterirdischen Siedlungswache sein. Der junge RasharHo hat sich in diversen Übungen als talentiert gezeigt, geht seinem ersten Einsatz aber mit deutlicher Nervosität nach. Meine Augen weiten sich, ich strecke meine Hand nach ihm aus und öffne meinen Mund, um ihm etwas zuzurufen. Plötzlich: Ich schaue zur Decke hoch und atme erleichtert durch. Nur ein Traum. Ein Traum, der jedoch ein Ereignis der Vergangenheit Revue passieren ließ. Er fühlte sich sehr echt an. KaChaRii und ReKaSha scheinen das Haus bereits verlassen zu haben, um ihrer Arbeit nachzugehen. Ich bleibe noch etwas in meinen Fellen liegen und denke nach. Gleichzeitig komme ich nicht um den erleichternden Gedanken herum, die alte Heimat verlassen zu haben. Für mich bleibt sie die "Rote Hölle". Armer ReshTaRak; sein erster Dienst wurde dem jungen, lebensfrohen RasharHo zum Verhängnis. Umso mehr muss ich an mir arbeiten - auf dass ich eines Tages in der Lage sein werde, meine Geschwister beschützen zu können.
Tag und Nacht gibt es hier unten nicht. Ein Zeitgefühl fehlt den meisten Rashar dadurch ebenfalls. Wir schlafen und wachen auf, sobald uns Körpersignale entsprechenden Bedarf oder Befriedigung mitteilen. Deswegen kann ich nicht sagen, wie spät es gerade ist. Da meine Wachsamkeit jedoch zu wünschen übrig lässt, bin ich entweder schon lange wach oder habe viel zu wenig geschlafen. Mit einer großen Doppelaxt bewaffnet, stehe ich neben meinen Geschwistern. Wir bilden vor den Toren unserer kleinen, unterirdischen Siedlung eine Reihe und starren einen riesigen Lavafall an. Laut Aussagen der jungen RakBro würden in letzter Zeit Lavaechsen die Steinhäuser terrorisieren, die in einer Höhle hinter dem flüssigen Feuer ihr Zuhause hätten.
Ich betrachte meinen Körper und sehe so jung aus, wie ich mich fühle. Vielleicht in den Anfängen der Zwanziger. Viel Zeit, um zu sinnieren, bleibt mir allerdings nicht: Ein leichtes Beben vibriert unter den Füßen der Torwächter, während wir weiterhin den Lavafall anstarren. Die Fäuste legen sich enger um die ausgerüsteten Waffen und wir nehmen Kampfhaltungen ein. Eine Lavaechse springt aus ihrer Höhle, durch den Lavafall, und stürmt mit erhobener Klinge kreischend auf uns zu. Danach hört man das Magma wieder rumoren, als zwei weitere, große Feuerreptilien ihr Heim verlassen. Ihr Kreischen klingt ohrenbetäubend widerlich, ihre Figuren ähneln stark den Echsenmenschen auf der Oberfläche. Nur, dass die schuppige Haut rötlich ist, als hätte sie sich auch farblich an die feurigen Temperaturen der unterirdischen roten Hölle gewöhnt. Diese primitive Rasse führt mit Vorliebe Krummsäbel und Rundschild.
Obwohl die Angreifer es schaffen, mich und meine Geschwister durch ihre bloßen Schreie abzulenken und zu verwirren, bleiben wir standhaft. Wir rücken enger zusammen, so dass sich die Rücken treffen und lassen die Blicke aufmerksam von einer Feuerechse zur anderen springen. Sie knurren, kreischen und fauchen; Geduld scheint nicht die Stärke dieser hitzigen Rasse zu sein. Ich reiße meine schwere, zweihändige Axt nach oben, pariere dadurch den vertikalen Schwerthieb eines springenden Angreifers und setze mit einem wuchtigen, horizontalen Konter nach. Das dem Widersacher zugewandte Klingenblatt bohrt sich in die Hüfte des aggressiven Reptils und ich knirsche mit den Zähnen. "Unverschämt hart, diese Schuppenpanzer", höre ich mich innerlich fluchen, während meine Axt mühsam durch den Körper meines Gegners gleitet, sich durch sein Inneres frisst, und abschließend zwei leblose Körperhälften ins eigene Blutbad fallen lässt.
Schwer atmend sehe ich prüfend über meine Schulter. Nur noch eine große Feuerechse ist übrig. Schreiend vor Zorn, seine toten Artgenossen auf dem Boden zu sehen, befindet sich das Wesen im Sprung. Der gekrümmte Säbel ist erneut angehoben und setzt zum Hieb an. Das Ziel soll der Rücken unseres Neuzugangs der unterirdischen Siedlungswache sein. Der junge RasharHo hat sich in diversen Übungen als talentiert gezeigt, geht seinem ersten Einsatz aber mit deutlicher Nervosität nach. Meine Augen weiten sich, ich strecke meine Hand nach ihm aus und öffne meinen Mund, um ihm etwas zuzurufen. Plötzlich: Ich schaue zur Decke hoch und atme erleichtert durch. Nur ein Traum. Ein Traum, der jedoch ein Ereignis der Vergangenheit Revue passieren ließ. Er fühlte sich sehr echt an. KaChaRii und ReKaSha scheinen das Haus bereits verlassen zu haben, um ihrer Arbeit nachzugehen. Ich bleibe noch etwas in meinen Fellen liegen und denke nach. Gleichzeitig komme ich nicht um den erleichternden Gedanken herum, die alte Heimat verlassen zu haben. Für mich bleibt sie die "Rote Hölle". Armer ReshTaRak; sein erster Dienst wurde dem jungen, lebensfrohen RasharHo zum Verhängnis. Umso mehr muss ich an mir arbeiten - auf dass ich eines Tages in der Lage sein werde, meine Geschwister beschützen zu können.
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Gast
Stein Sieben:
"Zu helfen heißt nicht, in den Arsch zu kriechen." So oder ähnlich lauteten die belehrenden Worte meines Bruders, während unserer Diskussion über das Verhältnis zwischen Rashar, Letharen und den Mitgliedern Alatariens. Es kratzte an meinem Stolz, von einem RasharHo korrigiert zu werden, aber er hatte Recht. Ich war vom Gedanken absolut überzeugt, dass unser Volk seinen Verbündeten jeden Wunsch, sprichwörtlich, von den Lippen ablesen und sich fast schon unterwürfig freundlich zeigen müsse. Zusätzlich schwirrte mir die Fantasie durch den Kopf, dass wir von Mutter Ahamani nur als Werkzeug an die Oberfläche geschickt wurden, um von Letharen und Reichsmitgliedern - vor allem im Kriegsfall - benutzt zu werden. Zum Glück lag ich falsch.
Ich habe von den meisten Kaluren, Elfen, Thyren und Menekanern keinen schlechten Eindruck erhalten. Ganz im Gegenteil: Es war immer interessant, Eigentümlichkeiten auszutauschen und mein Wissen über Fremdvölker zu mehren. Ebenso versuchte ich, Türen zu nutzen, die einen Weg in Richtung Handelsbeziehungen versprachen. Ganz gleich, ob es sich um die Aussicht auf Salz, Waffen aus dem blauen Kalurengold oder sogar Feuermet handelte. Ich blieb allerdings skeptisch: Wie sollten Rashar reagieren, falls eine Schlacht zwischen Letharen und Kaluren unvermeidlich wäre? Einerseits eine Gefahr für die Handelsbeziehung zwischen Hornträger und Zwerg, sollten wir die Waffen ziehen. Andererseits ein sicherer Garant für Vertrauenszweifel hinsichtlich der Kooperation zwischen den Kindern Alatars und unserem Volk, käme eine rasharische Teilnahmslosigkeit zustande. Deswegen: Ich habe für mich selbst bestimmt, in erster Linie für das Wohl meiner Geschwister, meines Volkes, zu handeln. Und wenn sich ein Salzhandel mit Menek'Ur als sinnvoller herausstellt, als das zehnte Blutvergießen an Letharen- oder Reichsseite, sollte die Wahl eigentlich eine eindeutige sein. "Eigentlich"... Bitte, Mutter Ahamani, gib mir die notwendige Kraft, um entscheiden zu können.
"Zu helfen heißt nicht, in den Arsch zu kriechen." So oder ähnlich lauteten die belehrenden Worte meines Bruders, während unserer Diskussion über das Verhältnis zwischen Rashar, Letharen und den Mitgliedern Alatariens. Es kratzte an meinem Stolz, von einem RasharHo korrigiert zu werden, aber er hatte Recht. Ich war vom Gedanken absolut überzeugt, dass unser Volk seinen Verbündeten jeden Wunsch, sprichwörtlich, von den Lippen ablesen und sich fast schon unterwürfig freundlich zeigen müsse. Zusätzlich schwirrte mir die Fantasie durch den Kopf, dass wir von Mutter Ahamani nur als Werkzeug an die Oberfläche geschickt wurden, um von Letharen und Reichsmitgliedern - vor allem im Kriegsfall - benutzt zu werden. Zum Glück lag ich falsch.
Ich habe von den meisten Kaluren, Elfen, Thyren und Menekanern keinen schlechten Eindruck erhalten. Ganz im Gegenteil: Es war immer interessant, Eigentümlichkeiten auszutauschen und mein Wissen über Fremdvölker zu mehren. Ebenso versuchte ich, Türen zu nutzen, die einen Weg in Richtung Handelsbeziehungen versprachen. Ganz gleich, ob es sich um die Aussicht auf Salz, Waffen aus dem blauen Kalurengold oder sogar Feuermet handelte. Ich blieb allerdings skeptisch: Wie sollten Rashar reagieren, falls eine Schlacht zwischen Letharen und Kaluren unvermeidlich wäre? Einerseits eine Gefahr für die Handelsbeziehung zwischen Hornträger und Zwerg, sollten wir die Waffen ziehen. Andererseits ein sicherer Garant für Vertrauenszweifel hinsichtlich der Kooperation zwischen den Kindern Alatars und unserem Volk, käme eine rasharische Teilnahmslosigkeit zustande. Deswegen: Ich habe für mich selbst bestimmt, in erster Linie für das Wohl meiner Geschwister, meines Volkes, zu handeln. Und wenn sich ein Salzhandel mit Menek'Ur als sinnvoller herausstellt, als das zehnte Blutvergießen an Letharen- oder Reichsseite, sollte die Wahl eigentlich eine eindeutige sein. "Eigentlich"... Bitte, Mutter Ahamani, gib mir die notwendige Kraft, um entscheiden zu können.
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