Die Tröpfelburg

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Luka Ehrenfeld
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Registriert: Samstag 28. Juni 2014, 14:36

Die Tröpfelburg

Beitrag von Luka Ehrenfeld »

Am Strand der Pirateninsel ist ein Bauwerk entstanden, das mit feucht nassem Sand auf den geglätteten Boden getröpfelt wurde. Tatsächlich ist es eine ganze Burganlage geworden, also eine Burg mit mehren Türmen, Wohnhäusern, einer Schmiede und einem Backhaus sowie einer Scheune und Stallungen. Alles umringt von einer mächtigen Wehrmauer, die mit einer Auswahl von Muscheln und Kieseln geschmückt wurde, nebst Graben. Der Graben ist etwa so breit und tief wie er eben von einer eher schmalen Hand geformt werden kann.

Ein paar Büschel mit hoch gewachsenem Gras sind im Burghof vergraben, deren schnell in der Hitze verdorrendes Grün von der sanften Briese sacht raschelnd hin und her geweht wird.

Hier ein etwas schief geflochtenes Körbchen, davor zwei Steine, Pferde und Karren. Dort bei der Schmiede ein größerer Kiesel, der Amboss.

Wer sich mit solcherlei Sandtröpfeleien auskennt, der dürfte wissen, dass ein solches Bauwerk einiges an Beharrlichkeit sowie Geschick erfordert. Viele Stunden Mühen dürften diese Geduldsarbeit verschlungen haben. Eine wunderbar lange Zeit zum nachdenken und durchdenken, überlegen, hinterfragen, Vorsätze fassen und, ja, und um immer wieder den Blick anzuheben und Ausschau zu halten.
Zuletzt geändert von Luka Ehrenfeld am Samstag 25. Juli 2015, 10:28, insgesamt 1-mal geändert.
Luka Ehrenfeld
Beiträge: 421
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Beitrag von Luka Ehrenfeld »

Die Tage und Nächte vergingen und die vom Meer heran kommende Brise wehte in der Gluthitze der Tage und während der mild warmen Nächten mal sanfter, mal kräftiger um das Bauwerk herum und darüber hinweg. Sie umschmeichelte die Formen und nagte an Mauern und Türmchen, dass so manche Kontur verloren ging und die feineren Strukturen in sich zusammen brachen. Auch den Büschel mit grünen Halmen, die Linde im Schlosshof, hatte sie schließlich umgeblasen und ließ vereinzelte trockne Strähnen des einstigen Grüns in der Ecke zwischen Schmiede und Wehrgang kratzen.

Die Fußspuren im Sand die zu jener Sandburg führten, waren stets Spuren der selben Größe, von eher kleineren Füßen. Viele Fußspuren, die hin und zurück führten. Am Rand der Burg, dicht vor dem kräftigen Stamm einer Palme, waren dann noch Sitzspuren mit geglättetem Sand und etwas weiter davor zwei Löcher, breit genug für zwei Fersen, die sich immer tiefer bohrten.

Nichts weiter war mit der einst so stolzen Tröpfelburg geschehen. Keine großen Füße, sie zu besuchen, keine großen Füße, die sie zertrat, keine Tiere, die durch sie hindurch hetzten, einzig die eher kleinen Füße, die kamen und gingen. Und nur der Wind spielte mit ihr, umwehte sie und koste sie. Das alte Spiel, das Wind und Sand schon immer miteinander spielen.
Zuletzt geändert von Luka Ehrenfeld am Freitag 31. Juli 2015, 16:47, insgesamt 1-mal geändert.
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