Ritterliche Nachtwachen [Teilnahme erwünscht]

Antworten
Benutzeravatar
Helisande von Alsted
Beiträge: 4067
Registriert: Mittwoch 8. Mai 2013, 05:42

Ritterliche Nachtwachen [Teilnahme erwünscht]

Beitrag von Helisande von Alsted »

Die erste Nacht

Erkenntnis.
Friede.
Schuld.
Ungehorsam.
Sühne.


Die ritterliche Nachtwache dient der Schwertleite eines Knappen auf dem letzten Schritt hin. Der Knappe soll Einkehr finden und Erkenntnis, dabei führt ihn sein Ritter an einen dafür geeigneten Ort. Ihr geeigneter Ort war das Grab Sir Fjalons gewesen, dort hatte sie Frieden mit sich und dem Vergangenen geschlossen. Der befohlene Ort war das Kloster gewesen und kaum hatte sie jenes betreten wurde die Schuld offenbahrt.
Befehl versäumt. Sie war ungehorsam gewesen und musste nun sühnen. Die geforderten Zeilen hatte sie verfasst und war in der Kirche niedergekniet. Sophia mit dem gleichen Schicksal an ihrer Seite.
Vereint in Gebet und Sühne knieten die beiden Knappinnen dort in tiefem andächtigen Gebet.

Der erste Tag


Man mied sie. Der Bruder in der blauen Robe in der Kirche beäugte beide argwöhnisch. Schien der zu befürchten, dass die beiden Sünderinnen noch die Lichter vom Altar klauen würden? Er gab ihr keine Auskunft ob Hochwürden bereit sei die Entschuldigung der Knappinnen anzunehmen. Auch die Klosterwachen vor der Pforte benahmen sich kühl und unfreundlich. Sie gaben wenn überhaupt die Tageszeit bekannt oder vermeldeten, dass sie es eilig hätten.
Die Glieder, insbesondere die Beine schmerzten langsam vom ausdauernden knien. Beide Knappinnen standen nur zum Wasserholen oder Wasserlassen auf. Helisande dämmerte hin und wieder weg nur um erschreckt aufzufahren. Hatte sie Hochwürden verpasst? War Seine Gnaden erschienen?
Nein.
Nur der argwöhnische Bruder an der Tür zum Baum des Lichtes hin. Eine Schwelle die zu überschreiten den beiden verwehrt wurde. Es hatte sich wohl schon herumgesprochen, war öffentlich.

Die zitternden Hände der Rosthaarigen klammerten sich um ihr Medaillon. Ihr letzter Halt an diesem kalten und abweisenden Ort. Sie wäre so gern seiner endlich würdig gewesen. Für eine kurze Zeit konnte sie die Tränen wegbeißen, mit der Zähigkeit des Drachens in dessen Feuer bannen. Doch dieser Wall hielt nicht ewig.

Die zweite Nacht

Irgendwann siegte ihre Erschöpfung wie die Sophias und sie fiehl zur Seite hin um. Die Hand um das kostbare Kleinod geklammert und an ihr Herz gedrückt. Der Ort in ihr, den ein immer dicker werdender Panzer umgab und der innerlich überfloss.

  • Das Gefühl warmer Arme, ein fester Halt. Ein vertrauter Duft nach Tabak Leder und der Politur einer Rüstung. Eine Hand streicht ihr in weicher und schmerhaft vertrauter Geste eine Haarsträhne hinter das Ohr.
    Kein kalter Stein mehr, kein harter Boden mehr.
    Nur noch das Gefühl das Glück greifen zu können und sich darin einzuwickeln wie in eine Bettecke.
    Ewig so sein zu können, ewig zu lieben.
    Ewig geliebt zu werden.


Der zweite Tag


Erwachen.
Schande.
Kälte.
Keine Gnade


Der rettende Traum der Nacht verpufft in dem Licht des Altars, das keine Wärme in sich birgt. Zerschellt am harten, kalten Stein des Klosters. Das Leben des Klosters scheint seinen weiteren Gang zu gehen. Zwei unbemerkt Fremdkörper darin.
Gast

Beitrag von Gast »

Nur langsam schlug ihr Herz, ihr Körper deutlich geschwächt von den letzten Tagen, von den vielen Strapazen und von dem stundenlangen knien und beten. Erst am Schrein des Mitgefühls und nun im Kloster von Schwingenstein. Wie lange sie da schon neben der Knappin Senheit saß wusste sie nicht. Kein Wort wurde zwischen den beiden gewechselt gleich ihre Kraft dafür noch reichte. Die vielen Priester, welche durch das Kloster gingen, warfen den beiden lediglich kurze Blicke zu aber folgten weiter schweigend ihrem tun.
Ihre Augenlider waren schwer geworden und drohten immer wieder zu zu fallen doch ihr Wille war das einzige was dem halbwegs standhalten konnte, noch.
So kalt hatte sie war ihr die Kirche noch nie vorgekommen aber was soll man schon erwarten von einem Gebäude welches so hoch erbaut wurde. Zu besonders heißen Tagen war die leichte Kühle willkommen doch nicht so, nicht wenn man nur in einem einfachen Gewand gehüllt ist.
Die Hände wurden mal zu mal rötlicher und auch ihre Wangen nahmen gleiche Farbe an doch ihr Wille hielt auch der Kälte stand, noch.
Ein tiefes Grummeln unterbrach hin und wieder die Stille welche um der beiden Knappen herrschte, ein tiefes Grummeln aus der Magengegend. Nicht verwunderlich für jemanden der Tagelang nichts gegessen oder gar getrunken hatte.
Und so verweilt sie weiterhin, kniend auf dem kalten Boden des Klosters im Gebet an die Lichtbringerin und in der Hoffnung dass ihre Zeilen an denn König jenen milde stimmen werden. Eben so sind ihre Gedanken und Gebete bei Helisande um auch ihr im Geiste Kraft zu spenden sowie bei ihrem Ritter, die Schande die ihm durch ihre Taten zugefügt wurde waren einfach nicht zu entschuldigen.


Temora. Lichtbringerin der Menschen erhöre meine Worte.
Ich brachte Schade über meinen Ritter, welcher stets an mich geglaubt hat.
Ich enttäuschte deine Majestät in dem ich seinem Wort nicht folgte.
Ich brachte Schande über alles was ich mir je schwor und über mich selbst.
Daher bete ich hier zu Euch. An diesem heiligen Ort und um Vergebung zu bitten.
Ich merke wie mein Körper an Kraft verliert doch bleibt mein Wille stark.
Schenkt mir bitte weiterhin die Kraft diese schwere Zeit zu überstehen.
Temora, ich flehe Euch an.


Das Kreide bleiche Gesicht, tief von der Kapuze verdeckt, starrt mit leerem Blick vor sich auf den Boden.
Die Hände vor ihrer Brust fest ineinander gefaltet.
Benutzeravatar
Helisande von Alsted
Beiträge: 4067
Registriert: Mittwoch 8. Mai 2013, 05:42

Beitrag von Helisande von Alsted »

Der zweite Tag - Abend

Loyalität.
Miteinander.
Gnade.
Fürsorge.

Zeit wird zu einem watteweichen Etwas, wenn man sie ohne Fixpunkte, ohne ritualisierte Abläufe verbringt. Sie verschwimmt, wie man selbst auch verschwimmt. Die beiden Knappinnen beteten weiter. Stimmengewirr. Das Auftocken eines Stabes. Sie wurden angesprochen, einige ihrer Kammeraden waren angekommen.
Durch den Nebel aus Gebet, Träumen und schlichten Wünschen nahm die Rosthaarige Vertrautheiten wahr. Daske, Alsted, Vannae, Luninara und... noch jemand. Breg. Schon recht bald zuckte das Leben durch sie hindurch, der Drache wollte erwachen und zwei der Besucher wegen ihres Benehmens im Angesicht Temoras so zusammenfalten, dass sie hochkant unter der Klosterpforte durchgepasst hätten.
Aber jemand kam ihr zuvor.
Eine zierliche Frau von ungeheuer gerader und scharfer Haltung. Alt und doch irgendwie alterslos, gleichsam erfahren wie geduldig. Eine Hohenpriesterin der Schwertmaid. Mit Betonung auf Schwert. Schon fand sie sich auf eine freundliche aber konsequente Art gescholten. So sehr sie sich auch versuchte zu rechtfertigen, im Grunde hatte die Frau recht. Sie durfte sich nicht so selbst zu Grunde richten. Ein Ritter muss seinen Körper und seine Kampfkraft erhalten und sich nicht unnötig schwächen.
Sie raffte sich auf.
Heim.
Ihre Bitten waren nicht abgelehnt worden, den Rest würde die Zeit weisen, die hoffentlich bald nicht mehr wie zäher Honig um sie herum floss. Hochwürden stand einem Sterbenden bei, sie würde sicher sobald sie konnte auf einen Brief reagieren. Schreiben. Morgen. Watte.
Heim.

Die dritte Nacht

Gewaschen und in weiche Kleidung gehüllt kuschelte sich die erschöpfte Frau in ihr Bett. Der Schlaf kam noch eine Weile nicht. Sie vermisste etwas, genauer gesagt jemanden. Doch der Geruch war da und lullte sie langsam in den Schlaf.


  • "Lauf, Mama fängt dich..."
    Sie lief einem kleinen, blonden Jungen nach, der lachend und quietschend auf seinen stämmigen Kleinkindbeinen eine wilde Jagd mit ihr um eine sehr große Tafel veranstaltete. Wendig, wie der Bursche war flutschte er unter dem Tisch durch und kürzte so ab.
    Nur um sich in die Arme seines Vaters zu flüchten. "Papa, du helfen. Mama fangt mir noch!" Ihr eigenen Bewegungen kamen zum Erliegen. Zu sehr hatte der Anblick der beiden männlichen Wesen gefangen. Vater und Sohn, die gleichen Augen und sie fühlte wie Ihre Augen begannen überzulaufen. Überzulaufen wie ihr Herz vor Liebe für diesen mächtigen Ritter und dieses kleine Wesen, ihr Kind.
    "Fjalon du schummelst! Und Papa hilft dir noch..."


Kein erschrecktes Aufwachen, sondern eines mit einem Lächeln. Nach einem ausführlichen Strecken und dem wiedererlangte Gefühl für den eigenen Körper fand ihr Blick das, was sie suchte.

Erlösung.
Gnade.
Glück.
Zuletzt geändert von Helisande von Alsted am Dienstag 28. Juli 2015, 21:39, insgesamt 1-mal geändert.
Antworten