Ulfsteinn, Heimat der Thyren

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Gast

Ulfsteinn, Heimat der Thyren

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Skjarlav Mandre, die Vergangenheit

Einen halben Jahreslauf ist es nun her, seit Skjarlav vor den Toren einer hölzernen Festung stand. Klamm hatte das Holz im nächtlichen Mondlicht schimmern lassen und das obere Ende blieb ihm an diesem Abend noch in der Dunkelheit verborgen. Ein schweres eisernes Tor, flankiert von massiven Türmen auf denen Feuer brannten.
Der Schnee hatte auf dem Boden noch kein kühlen Lagerplatz gefunden und so verblieb dort nur eine schlammige, matschige Pampe aus Schnee und Dreck. Trotz dieser Umstände schien es dem Wolfsheuler gelungen zu sein, ungehört bis an die Tore zu gelangen. Innen loderte noch das Feuer des Innenhofes und füllte jenen mit Licht. Stimmen erklangen selbst so spät Abends noch im Fort und das heimische Gefühl machte sich in ihm breit.
Es brauchte nicht lange, um von Donnerdamm zur nächsten Hafenstadt zu gelangen. Von dort aus waren es bloß zwei Tage auf See um Gerimore zu erreichen. Dort angekommen noch ein langer Marsch bis zum Fort des Volkes der Sturmheuler. Jenen Menschen die sich an die karge Natur des Nordens anpassten und sich in den Tieflanden der nordischen Ebenen ansiedelten. Kerle und Weyber die sich in Clans zusammen schließen und nach den strengen Regeln der Natur und vor allem, den Regeln der Ahnen lebten.
Hier in Wulfgard, hier auf Gerimore, hier würde Skjarlav Ragnarson endlich wieder jene Treffen die seines Gleichen waren. Die Thyren, entsprungen derer die sich Tiefländer nannten und ihre Kultur weiterlebten.
Der Empfang war herzlich und thyrisch echt mit gepflegten Schlägen und Met gefeiert worden. Einen Jarl hatte diese Zuflucht nicht, nein es war bloß noch ein Thain der diese Festung führte. Ein Ridda, welcher gerne seinen Plattenhandschuh zur Begrüßung trug und einem Obersten Clansschwert, welches lange Zeit später eine Seite an Skjarlav hervorbringen würde... welche er auf seiner Flucht aus Donnerdamm zurückgelassen hatte.
Es war eine hastige Flucht, ein Rennen vor dem Untergang, welches sich von Ulfstein bis nach Donnerdamm ausbreitete. Düstere Horden magischer Wesen, Unheilige Wesen denen auch die Ahnen kaum mehr etwas entgegen setzen konnten. Schwerter und Hände fielen den unheilvollen Waffen dieser Wesen zum Opfer und doch... fehlte einer.
Einer der die Gefahr in anderer Richtung suchte und sich auf seiner Reise über mehrere Tage, bereits auf dem Rückweg in seine Heimat befand.
Ein helles, zu helles Licht in dichten Rauchschwaden hatte ihm bereits aus der Ferne verraten, Donnerdamm steckt in Schwierigkeiten.
Sein Rudel ließ er zurück, ebenso seine Ausrüstung - es galt bloß noch schnell zu sein. Seine Größe war im Wald kein Segen für eine solche überhastete Reise und doch, sein Clan brauchte ihn.
Der Anblick seiner zerstörten Heimat war schmerzhafter als der Biss eines Wolfes in die Waden. Es schmerzte tief im inneren und ließ sich nicht mit einfachen Kräutern mildern. Freunde, Familie und der Jarl selbst, Skjar erkannte soviele Körper wieder, einige von ihnen in tödlich grauer Haut, wandelnd wie Kopflose Wesen.
Die Flut der Zerstörung hatte sie geholt und würde auch Skjarlav holen, sollte ihm die Flucht nicht gelingen. Er schlich durch das Dorf, grässliche Taten hatte er in der Siedlung noch beobachten können, zu unwürdig um sie je in Worte zu fassen, um den Tot eines Thyren zu beschreiben. Er konnte sich in ein Boot stürzen und sich von den Fluten bis zur Küste reißen lassen. In der Hafenstadt angekommen, war vom Boot kaum mehr als das nötigste über, damit es noch schwimmen konnte. Skjar selbst hiefte sich erschöpft aus dem Boot und hustet einen guten Schwall Wasser auf den Boden. Auf dem Rücken liegend war sein Blick gen Sternenhimmel gerichtet, doch sie waren unklar, verdeckt oder gar - wie verschwunden.
Ein hilfloses Gefühl in dem Hühnen machte sich breit und die Verzweiflung mischte sich mit Wut über sich selbst. Ein Thyre ohne Clan, ein Kerl der seine Pflicht, den Clan zu schützen, nicht hatte wahrnehmen können. Wie würden es die Ahnen ihm jemals verzeihen?

Es war sechs Jahre vor diesem Einbruch der Dunkelheit in Skjars Leben, als ihm die Ahnen das gewährten, was sein Leben mit etwas füllte... was ihm neben dem Clan eine Person gab, welcher er besonderen Schutz versprach. Die Geisterwächter hatten ihm gemeinsam mit dem Jarl den zweiten Segen ausgesprochen. Eyn blaues Auge gab es dafür noch vom Jarl, bevor die Claner sich alle mit Skjar zu messen begannen. Natürlich hatte Skjar nie eine Chance, doch ging es bloß darum zu zeigen - Sein Wille sei stärker als sein Körper, um sein Weyb zu bekommen.
Sie verstarb bereits wenige Wochen später in einem starken Regensturz, welcher den Damm der Siedlung zum Bersten brachte und Trümmer durch das gesamte Dorf schleuderte.
Doch Skjar hatte seinen Willen einst bewiesen und selbst die Ahnen schienen dies erkannt zu haben, so jedenfalls deuteten die Ahnenrufer die folgenden Wochen. Skjar's Wolfsrudel hatte sich immer weiter fort bewegt und so folgte Skjarlav ihnen schließlich. Ein breiter Ring eines Nadelwaldes lag um das Dort, jenen durchquerte Skjar mit seinem Rudel und wanderte über die Ebenen vor dem Gebirgszug, aus welchem der Fluss entsprang, welcher durch Donnerdamm floss. Auf der Ebene wurde Skjar auf einige Raben aufmerksam, welche in einiger Entfernung die Gruppe zu begleiten schien. Zunächst schenkte Skjar ihnen keine weitere Aufmerksamkeit, war sich jedoch bewusst, die Raben kommen um die Augen der Toten zu fressen. Nur so konnten ihre Seelen auf den Flügeln der Raben in das Reich der Ahnen getragen werden.
Am nächsten Morgen, mit einem Mund voll Wolfshaaren und einer klamm nassen Ausrüstung, war Skjar sich sicher, im Nebel des Morgens habe er einen Hirsch erkennen können. Doch möglicherweise, war es bloß eine Einbildung. Das Alphatier des Rudels führte die Gruppe weiter und Skjar schien zum ersten mal in seinem eigenen Rudel, bloß einer zu sein, welcher dazu gehöre und es nicht leite.
Nach einem erneuten Waldstück offenbarte sich ein großer, merkwürdig verwachsener Baum umgeben von einem sumpfigen Gebiet. Die Wölfe blieben wie gesteuert, am Rand des Sumpfes stehen und bewegten sich auch die nächsten Stundenläufe nicht mehr weiter. Skjar war sich nun sicher, diesen Weg haben nicht seine Wölfe gewählt und der Ahnenrufer aus Donnerdamm sollte mit seinen Worten vermutlich doch recht bekommen - die Ahnen haben seine Entschlossenheit erkannt.
Skjar verbrachte den Rest des Tages an den Wurzelansätzen des Baumes und lauschte den Geräuschen des Waldes, der Tiere und dem Rauschen des Windes. Spät als die Sterne längst ihren Glanz am Nachthimmel offenbart hatten, übermannte Skjarlav die Müdigkeit und seine Augen fielen ihm zu.
Kälte, kribbeln, ein entferntes Flüstern und plötzlich eine Berührung. Skjarlav schreckte auf und noch bevor er zu den Waffen greifen wollte, besinnte er sich an den Ort, an welchem er sich befand. Dem Lebensbaum der Insel, der Ort, an welchem Skjarlav nie hätte sein sollen. Ein Ort, welcher den höchsten Schamanen vorbehalten ist. Und doch, es war kein erboster Schamane, welcher Skjarlav geweckt hatte und ihn vertreiben wollte. Es war ein Wolf, ein weißes Tier mit dunklen Augen. Und da war er wieder, der Schmerz, welcher ihn einst heimsuchte als eine Flutwelle das Dorf verwüstete und das Leben eines Weibes nahm, welches Skjarlav das seine hätte nennen wollen.
"Runa, haben die Ahnen dich mir geschickt?"
Eine Antwort kam nie vom Wolf. Auch die Ahnen hatten ihm nie mehr ein Zeichen überlassen.
So kam Skjarlav nach mehreren Wochen der Reise wieder zurück nach Donnerdamm, begleitet von seinem Rudel in das Dorf hinein. Sein Weg führte ihn direkt zu dem Ahnenrufer, welcher Skjarlav bloß unter einem lächeln mitteilte, das vereint sei, was vereint sein sollte.

Für die Bewohner des Dorfes war der Anblick des Tieres einschüchternd, bedrückend. War es ein Zeichen der Ahnen? Sei es wirklich ein Wolf und kein Dämon? Woher stammt dieses Tier und warum ist es so weiß wie der Schnee im Winter?
Fragen die nie beantworten werden könnten, doch auch die Geisterwächter des Clans waren sich noch nicht einig, was die Ahnen mit diesem Zeichen haben offenbaren wollen. Skjarlav jedenfalls war überzeugt davon, sein Rudel hatte fortan ein neues Weibchen bei sich. Eines das sich von den braunen und grauen Fellfarben deutlich hervor tat und sich nicht davor scheute, seine Besonderheit zu offenbaren. Doch wusste Skjar auch, dieses Tier könne ihren Namen tragen und seine Zuneigung genießen. Doch würde dieser Wolf niemals das füllen, was einst ein Trümmerregen in sein Herz, seine Seele gerissen hatte.

Zurück blieb vieles, Skjars Leben, Skjars Ausrüstung, Skjars Rudel und das letzte, was ihn noch an seine Runa hatte erinnert.
Es war notwendig, so sehr Skjarlav es auch verabscheuen würde, sich wieder diesem Schmerz auszusetzen. Seine Nächte waren ohnehin immer kürzer geworden, seit eine von den Ahnen beschenkte Kriegerin dieses Leben wieder in sein Bewusstsein holte. Der Schmerz, seinen Clan, sein Ursprung und sein Leben, erneut in Trümmern zu sehen würde ihn erneut die ablehnende, distanzierte Art einbringen. Und doch! Es musste sein, Skjar musste die letzten Stücke seines Lebens aus dem Unheil retten, welches die Tieflande heimsuchte.


Poltern und rumpeln weckte Skjarlav auf und seine Augen erkannten die neue, vertraute Umgebung Wulfgards. Ein Ort an dem junge Kerle noch mit Flusen im Kopf umher irrten und sich überall messen wollen. Einem Ridda und einem Obersten Clansschwert, welche sich deutlich wichtigeren Aufgaben zu widmen hatten und so war es an den Älteren - diese Flusen aus den Köpfen zu holen. Doch Skjarlav war sich einer Sache sicher, er hatte über Nacht eine Person gefunden, die ihn verstand und ihm mit Sicherheit bei dieser Aufgabe helfen würde. Nicht nur bei dieser einen, da war sich Skjarlav sicher.
Zuletzt geändert von Gast am Freitag 24. Juli 2015, 03:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Die Reise zurück ins Pantherland


Viele Tage, gar Wochen hatte Skjarlav bereits davon gesprochen, hatte Rückhalt und Verständnis für dieses schier selbstmörderische Vorhaben gesucht.
Wenige trauten sich, viele dachten es: Die Reise zurück nach Ulfstein, eine Reise zurück ins Land des Panthers, die Heimat und den Ursprung der Thyren... nie würde ein Thyre von solch einer Reise heimkehren.
So hatte auch Skjarlav seine Worte des Abschieds zu Vielen bereits gesprochen, erfuhr im selben Zug jedoch so viel Unterstützung wie es wohl nur ein wahres Rudel hätte geben können.
Mey begleite dey! - Nicht nur Hamingja sprach solche Worte, zumindest ließ sie sich überreden, erst in einem Jahr hinterher zu reisen um den brummigen Wolfsheuler aus der Patsche zu helfen. Immerhin hatte Skjar nun die Gedanken des Rudels im Rücken, ihre Bitten an die Ahnen würden ihm sicher einmal zu Gute kommen.
Ein einfaches Langboot, gerade groß genug um sechs, vielleicht sogar acht Leute über die See zu tragen, war die Wahl des Waldläufers. Fern von seinem gewohnten Habitat, fern von Freund und Rudel, hinauf auf die weite See in Richtung Norden. Kaum mehr als den nötigsten Proviant und das gesammelte Wissen aus guten dreißig Jahren Lebensalter waren auf der länglichen Nussschale hinaus in die Wellen geglitten.
Wo Wölfe gehen, dort bleibt ein Jaulen zurück. Doch Skjarlav hatte genau dies vermieden. Spät Nachts hatte sich der große Kerl aus dem Fort geschlichen, hinterließ nicht mehr als ein Brett mit der Bitte, sein Hab und Gut wieder in die Rudelskasse übergehen zu lassen und sein Rudel an jenen Wolfsheuler zu vermachen, welcher es vermochte, Reißzahn zu bezwingen... sollte es der Thyre nicht binnen der nächsten zwei Mondläufe zurück in das Fort schaffen.

So trieb es nun, von einer geradezu schwachen Briese der Nordmeere getrieben, in Richtung des Landes... wo nichts als der Tot lauern würde.
Eine Insel, voll mit Dienern des Panthers, Dämonen und Höllenwesen wie sie nur ein Gott hätte erschaffen können.
Ein Ruck fuhr durch das Boot, an eine der Schnüre hatte ein Fisch angebissen, kein Kleiner! Der würde sicher für einige Tage auf See reichen und einen guten Köder für Seevögel abgeben - diese würden Skjar bereits einen halben Tag vor Ankunft verraten, das er bald schon da sein würde.
Unter einem Stoffzelt auf dem Boot, harrte der Kerl aus, schlief und ruhte, ruhte und schlief. Die Zeit auf der See hatte Skjarlav seltsamer Weise anders in Erinnerung. Vorfreude und Spannung segelte stets mit und erfüllte die Reise mit etwas Hoffnungsvollem. Doch diese Reise war anders - natürlich war sie es. Sie war zum scheitern verurteilt und das schon von Beginn an. Der Proviant würde an Land kaum mehr als einen Tag reichen, frisches Wasser war ebenfalls äußerst knapp bemessen - wollte Skjar doch nicht unnötige Vorräte vom Rudel fort tragen und möglicherweise nie wieder zurückkehren.
Waffen und Ausrüstung waren dahingegend deutlich besser vorbereitet. Sogar spezielle Lederhüllen für die Metallteile seiner Rüstung waren geschaffen, nur um das Metall vor der salzigen Luft zu schützen.

Skjar wusste stets was er tut, war stets überzeugt davon, seine Erfahrungen würden ihn ohne Probleme, allen Herausforderungen trotzen lassen.
So war es... stets.

Von einem Krächzten wird Skjar geweckt und ein Rütteln der Zeltplane verriet unmissverständlich, ein ungebetener Gast war an Bord.
Es war Skjarlavs Fischfang, welcher die Seevögel hatte an Bord gelockt. Das Indiz für die nahende Küste... wo auch immer Skjar anlanden würde - er musste sich vorbereiten. Wie ein Sporter wurde sich gestreckt, gedehnt und ein wenig auf der Stelle getippelt. Das Segel wurde zur Hälfte bereits eingezogen und die Augen hielten stets den Horizont im Blick.

Und schließlich erhob er sich... der Ulmgoth, der größte Berg der Insel in mitten einer Gebirgskette, welche das Land teilt. Langsam erhob sich die gesamte Gebirgskette aus dem Meer und sogar den Ursprung des Flusses, welcher durch Donnerdamm floss, war für Skjarlav bereits zu erspähen.
Für einen Moment kam Wehmut in Skjarlav auf, die Bilder der zerstörten Heimat kamen wieder in ihm auf, der Verlust seines Clans... die Bilder von un-toten Clansmitgliedern... der Untote-Jarl.
Beinahe Idyllisch war der Anblick der alten Heimat der Thyren, ein weites Land von Bäumen übersäht, selbst der alte Hafen mitsamt seiner Gebäude geriet in sein Blickfeld. Doch plötzlich...

Dunkelheit...
Gast

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Staub der Vergangenheit...

Es war kalt, die Nacht war längst hereingebrochen und Skjar spuckte Wasser aus. Seine Ausrüstung war am Körper, sein Proviant samt Schiff verloren. Aus irgendeinem Grund hatte Skjar überlebt, dort wo sein Schiff hätte sein sollen... war bloß eine raue, unruhige See.
Nunja, Glück hatte Skjar, selbst im Unglück. Doch war sein Überleben nun von ihm abhängig, auch wenn es sicher mehr als nur ein Ahne war, der Skjarlav bis an die Küste brachte. Geschwächt und bis auf die Knochen durchnässt begannen Skjars Schritte über den Strand, welcher aus groben Kies bestand. Leise konnte Skjar hier jedenfalls nicht sein und so musste er möglichst schnell in das Landesinnere gelangen, zumindest solange er noch unentdeckt war.
Orientierung, Anhaltspunkte und geeignetes Feuerholz musste Skjarlav finden. Wärme war das erste, was sein Körper und seine Rüstung nun brauchte.
Die Nacht war kurz, das Feuer klein. Die Rast genügte gerade so um die oberen Felle der Rüstung zu trocknen und die zehrende Kälte gerade so zu bezwingen. Doch Skjarlav durfte sich nicht zu lange an einem Ort aufhalten, des Panthers Schergen würden ihn sicher schon jagen.
Als die ersten Sonnenstrahlen die Baumwipfel erreichten, wurde das Ausmaß des dunklen Einflusses erst wirklich sichtbar. Die Blätter trugen kein grün mehr in sich und die Äste hingen schwach in Richtung Boden, der Schwerkraft schutzlos ausgesetzt. Knochen zeugten vom ehemaligen Leben der Insel und der schweflige Geruch war allgegenwärtig. Die Gebirgskette ragte hin und wieder durch die mittlerweile sehr licht gewordenen Bäume hindurch und bot Skjar eine ideale Orientierungshilfe. Waren es doch jene Wälder, durch die seine Pfade einst führten und seine Aufgabe ihn dazu anregte, sich mehr und mehr dessen Beschaffenheit einzuprägen.
Doch optisch, war dort kaum mehr etwas von dem, was in Skjars Erinnerungen ruhte.
Schwere Schwingenschläge ertönten in der Ferne und Skjarlav suchte Schutz vor Blicken, indem er sich zunächst auf den Rücken schmiss und im Anschluss mit dem in Ruß gehüllten Umhang an einen der Bäume ruhte. Staub wirbelte unweit von ihm auf und zog saubere Wirbel auf dem Boden, jeder Schlag der Schwingen erhob einen neuen Wirbel aus Staub und Ruß. Erst als die Schwingenschläge verklungen waren, bewegte Skjar sich wieder aus der Deckung des Baumes hervor und ließ den Blick wandern, während sein Gehört ein jedes Knacken und Knirschen vernahm, zwischen jedem seiner Herzschläge... während sein Atem still stand.
Die Gefahr war noch fern, doch sie waren ihm bereits auf den Fersen. Ein Kampf würde sicher bald folgen.
Die Schritte wurden weiter, die Spuren tiefer, die Geschwindigkeit höher. Noch am selben Tag, wollte Skjarlav einen Blick auf seine alte Heimat werfen und einen Metschlauch zurück lassen. Ein Gruß an seine Ahnen, ein Gruß an die Ahnen dieses Dorfes. Ein Geschenk zum Abschied... ein letzter Blick auf das, was einst sein Leben war.
Ein letztes mal... ein Abschied für immer.

Die Nacht brach herein und Skjarlav ruhte unter dem alten Lebensbaum, einem verwachsenen Baum, welcher dort seit Jahrhunderten zu stehen schien... doch sein Leben war vorbei und die Äste neigten sich wie die Wälder drum herum... gen Boden. Schwach und seinem Leben beraubt... waren nicht einmal mehr die Ahnen an diesem Ort spürbar. Skjars Augen schlossen sich, ein tiefer Seufzer entfährt ihm und der große Thyre kauerte sich in die Überreste des Baumes, dort schlief Skjarlav... mit Sicherheit war seine Hoffnung die Einfache... seine Runa würde ihn erneut an jenem Ort aufsuchen.

Der Schlaf kam schnell über ihn und doch war der Schlaf nicht tief. Immer wieder öffneten sich seine Augen nachdem ein Kreischen oder Fauchen über das tote Land schallte. Bäume wurden umgerissen und Holz brach... viele Geräusche störten die Nacht und einen ruhigen Schlaf.
Mit der Sonne gingen die lauten Geräusche, als würden die Wesen bei Tag ruhiger und die Gewalt an der Insel ließ plötzlich nach.
Runa, der weiße Wolf... für Skjar war sie das Symbol der Ahnen - stets voran zu schreiten und auf jene zu vertrauen, die mehr als nur dein Äußeres sehen.

Erst als Skjarlav am nächsten Tag aus der Baumhöhle heraus kroch, wurde ihm bewusst... das nicht einmal mehr der Sumpf vorhanden sei, welcher einst den Baum umgab und ihm seine Mystik verlieh. Doch dann wurde ihm bewusst... Skjar hatte verloren - in der Zeit, welche Skjar zum Ruhen verbrauchte... holten die Verfolger auf und waren so zahlreich, dass ein Kampf Aussichtslos war. Die langen Beinen trugen ihn weit, die Füße bewegten sich schneller voran als Skjar es bei den kühnsten Versuchen wagte. Adrenalin trieb seinen Körper zu so hohen Leistungen, wie Skjarlav sie nie zuvor erbrachte - doch sein Verstand arbeitete selbst in diesem Moment hervorragend, dort wo Skjarlav einst dem Hirsch begegnete und sein Geweih entgegen nahm... dort waren einst Fallen und jene könnten noch funktionieren, selbst wenn nicht... dort könnte Skjarlav Seile und Taue finden, welche gegen eine Übermacht notwendig würden.

Es wurde ein Katz- und Mausspiel, welches im toten Wald durch eine staubige Wand erschwert wurde. Sowohl die Nasen der Panther als auch die Augen des Thyren wurden nutzlos und so blieb beiden Kontrahenten nur noch ihr Gehör - zum Vorteil des Waldläufers... hatte dieser Seile und Taue, ein Gebiet in dem er sich auskannte und seine Ausrüstung aus der neuen Heimat... doch sein Ass würde Skjarlav erst noch ausspielen.
Sein Bogen, sein Geschenk des Hirsches... ein Werkzeug, welches den Tot bringen würde. Pfeile surrten durch den Staub und zogen sichtbare Linien hinter sich her, jaulende Panther zogen sich in den Schutz des Nebels zurück und abgebrochene Zähne ragten aus seinem wirr erscheinenden Rüstzeug.
Aus der Beute wurde der Jäger und die Flucht gelang ihm ... nachdem zumindest drei verschiedene Tiere vor Schmerz aufschrien.

Skjar wusste... einen weiteren Kampf würde er nicht dank Staub und Ruß gewinnen können. Es würden ihn mehr als nur ein paar Panther und anderes Getier jagen. So führte sein Weg hinauf an den Hängen des Ulmgoth, dort wo einst das Rudel des Wolfsheulers seine Höhle hatte.
Der Aufstieg war beschwerlich und das einstige Tau, welches als Kletterhilfe diente, war längst verrottet oder verbrannt. Kaum mehr als ein paar Reste ließen sich erkennen. So verbrachte Skjar einige Stundenläufe damit in die Höhe zu gelangen und die unbeweglicheren Wesen hinter sich zurück zu lassen.
Eine weiche Wiese, einst in einem gräulichen Ton gehaucht, lag nun in schwarz auf dem Fels. Verdorrt und lebensfeindlich kratzig, nichts erinnerte mehr daran, wie einst ein junger Wolfsheuler auf diesem grün stück mit seinem Rudel ringte. die Höhle war etwas höher gelegen und Skjar würde heute Nacht dort nächtigen können, auch Wasser sollte sich dort problemlos finden können - wäre dort nicht dieses tiefe Grollen, welches offenbar aus eben jener Höhle drang.
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