Kreuzwege, Irrwege, Sackgassen
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Veehrs Usil
- Beiträge: 19
- Registriert: Freitag 20. Februar 2015, 14:14
Kreuzwege, Irrwege, Sackgassen
Ein Bier in der rechten Hand, ein bequemer Stuhl in der Schenke, den Blick auf das Meer gerichtet und absolute Stille. Wenn man vom ewigen Gezirpe der Grillen und dem Singsang der vielen unterschiedlichen Vögel mal absah. Und dem Geschrei der Möwen.
So, dachte er bei sich, lässt es sich durchaus leben. Ruhe, in mitten des größten Durcheinanders im Reich. Ruhe, da es hier scheinbar keine Hektik gab wie in der großen Stadt Rahal. Ruhe, da hier Tagsüber jeder seiner Arbeit nachging und auch ihn im Moment in Ruhe ließen.
Einfach nur Ruhe und Frieden.
Frieden; ein komischer Gedanke, nach dem er so viele Jahre unter Waffen und im Krieg stand. Eigentlich sollte er mit diesem Umstand, diesem Zustand, nicht klar kommen. Und entgegen all seinen Erwartungen sog er jeden Tag dieses Friedens in sich auf. Frieden… innerhalb der Mauern Düstersees, innerhalb dieser kleinen Veranda der Taverne. Friedlich, so friedlich wie das Meer heute vor ihm lag.
Langsam führte er die Bierflasche an seinen Mund und dachte weiter über all diese Umstände nach, die erst dazu führten, dass er nun diesen inneren Frieden fühlte. Erst ließ er seine Truppe im Stich, auf der Flucht sank sein Schiff, dann wurde er in Düstersee angespült, Ritter Wolfseiche nahm ihn mehr oder weniger in Arrest und ohne diesen Arrest hätte er sicherlich nicht diese wunderbare Frau kennen gelernt, die gänzlich anders zu sein scheint, als sie auf den ersten Blick wirkte.
Er hatte so vieles gesehen und doch noch gar nichts. Er hatte so viel hier erlebt und es kam ihm nur wie ein paar Tage vor. Er hatte so viel kennen gelernt und kannte doch kaum einen Floh auf dem Rücken eines verlausten Köters.
Ja, dies war durchaus ein schönes Leben. Viele würden es als langweilig, fade und ohne große Aufregungen beschreiben. Aber für ihn war es im Moment die Erfüllung all seiner Wünsche. Einfach nur in Ruhe gelassen werden mit den vielen Problemen anderer, endlich sein Leben leben können und nicht mehr auf jeden Befehl eines anderen Springen müssen. Endlich sein eigener Herr sein.
Und doch, in den hintersten Winkeln, irgendwo, weit verborgen in einer dunklen Ecke seines seins, rührte sich etwas. Es schien eine kleine Stimme zu sein, vielleicht auch ein Gefühl oder ein Bedürfnis. Es war zu weit weg, als das Veehrs es beschreiben könnte. Aber selbst aus dieser großen Entfernung drückte es auf sein Gefühl der inneren Ruhe, machte ihn mit einem Schlag Rastlos, umtriebig, nervös.
Was auch immer es war, er wollte es wegdrücken, verdrängen, einsperren. Dieses kleine Nichts sollte nicht die Oberhand gewinnen, ihn aus seinem entspannt-entrückten Zustand holen. Er wollte weiterhin hier auf der Veranda sitzen, dem Konzert der Grillen lauschen, sein Bier trinken. Sein Bier…
Schon wieder leer. Seufzend stellte er die Falsche auf dem Boden ab… Zu den sechs anderen Flaschen. Seit er hier war trank er von Tag zu Tag mehr. Und kaum das er sich diesem Umstand bewusst wurde, erschallte dieses kleine Nichts in seinem Kopf lauter, wurde heller, dominierender und mit aller Kraft konnte er den Drang, den dieses Nichts herauf beschwor, wieder in seine Schranken verweisen. Nein, er hatte kein Problem mit dem Trinken. Er tat es eben einfach nur ausgiebiger, was er die letzten Jahre einfach nicht konnte. Er trank… den ganzen Tag lang und tat eigentlich nichts anderes.
Hier sitzen, trinken und auf das Meer hinaus sehen, während alle anderen ihrem Tagwerk nachgingen, etwas für sich und die Gemeinschaft taten. Und er? Tat nichts. Er rührte keinen Finger, um etwas für sich oder andere zu tun. Er saß jeden Tag einfach nur da.
Dies war ganz sicher nicht der Platz, den er nun unter seinem neuen Gott finden wollte. Er war aufgerufen, auch etwas zu tun, damit Er sein Ziel erreichen würde. Sein Ziel. Was war eigentlich sein Ziel? Oder was war sein eigenes Ziel? Was wollte er eigentlich?
Darüber hatte er sich eigentlich noch gar keine Gedanken gemacht. Irgendwas sollte er tun, mit seinem Leben, seiner Kraft und seinem Dasein anstellen. Irgendwas musste es doch für ihn geben. Irgendetwas Sinnvolles. Irgendetwas… Irgendetwas…
So, wie es war, konnte es nicht weiter gehen. Er würde sich auf machen, etwas mit seinem Leben anfangen. Etwas Sinnvolles. Gleich nach dem nächsten Bier. Denn bezahlt war bezahlt und Durst war Durst.
So, dachte er bei sich, lässt es sich durchaus leben. Ruhe, in mitten des größten Durcheinanders im Reich. Ruhe, da es hier scheinbar keine Hektik gab wie in der großen Stadt Rahal. Ruhe, da hier Tagsüber jeder seiner Arbeit nachging und auch ihn im Moment in Ruhe ließen.
Einfach nur Ruhe und Frieden.
Frieden; ein komischer Gedanke, nach dem er so viele Jahre unter Waffen und im Krieg stand. Eigentlich sollte er mit diesem Umstand, diesem Zustand, nicht klar kommen. Und entgegen all seinen Erwartungen sog er jeden Tag dieses Friedens in sich auf. Frieden… innerhalb der Mauern Düstersees, innerhalb dieser kleinen Veranda der Taverne. Friedlich, so friedlich wie das Meer heute vor ihm lag.
Langsam führte er die Bierflasche an seinen Mund und dachte weiter über all diese Umstände nach, die erst dazu führten, dass er nun diesen inneren Frieden fühlte. Erst ließ er seine Truppe im Stich, auf der Flucht sank sein Schiff, dann wurde er in Düstersee angespült, Ritter Wolfseiche nahm ihn mehr oder weniger in Arrest und ohne diesen Arrest hätte er sicherlich nicht diese wunderbare Frau kennen gelernt, die gänzlich anders zu sein scheint, als sie auf den ersten Blick wirkte.
Er hatte so vieles gesehen und doch noch gar nichts. Er hatte so viel hier erlebt und es kam ihm nur wie ein paar Tage vor. Er hatte so viel kennen gelernt und kannte doch kaum einen Floh auf dem Rücken eines verlausten Köters.
Ja, dies war durchaus ein schönes Leben. Viele würden es als langweilig, fade und ohne große Aufregungen beschreiben. Aber für ihn war es im Moment die Erfüllung all seiner Wünsche. Einfach nur in Ruhe gelassen werden mit den vielen Problemen anderer, endlich sein Leben leben können und nicht mehr auf jeden Befehl eines anderen Springen müssen. Endlich sein eigener Herr sein.
Und doch, in den hintersten Winkeln, irgendwo, weit verborgen in einer dunklen Ecke seines seins, rührte sich etwas. Es schien eine kleine Stimme zu sein, vielleicht auch ein Gefühl oder ein Bedürfnis. Es war zu weit weg, als das Veehrs es beschreiben könnte. Aber selbst aus dieser großen Entfernung drückte es auf sein Gefühl der inneren Ruhe, machte ihn mit einem Schlag Rastlos, umtriebig, nervös.
Was auch immer es war, er wollte es wegdrücken, verdrängen, einsperren. Dieses kleine Nichts sollte nicht die Oberhand gewinnen, ihn aus seinem entspannt-entrückten Zustand holen. Er wollte weiterhin hier auf der Veranda sitzen, dem Konzert der Grillen lauschen, sein Bier trinken. Sein Bier…
Schon wieder leer. Seufzend stellte er die Falsche auf dem Boden ab… Zu den sechs anderen Flaschen. Seit er hier war trank er von Tag zu Tag mehr. Und kaum das er sich diesem Umstand bewusst wurde, erschallte dieses kleine Nichts in seinem Kopf lauter, wurde heller, dominierender und mit aller Kraft konnte er den Drang, den dieses Nichts herauf beschwor, wieder in seine Schranken verweisen. Nein, er hatte kein Problem mit dem Trinken. Er tat es eben einfach nur ausgiebiger, was er die letzten Jahre einfach nicht konnte. Er trank… den ganzen Tag lang und tat eigentlich nichts anderes.
Hier sitzen, trinken und auf das Meer hinaus sehen, während alle anderen ihrem Tagwerk nachgingen, etwas für sich und die Gemeinschaft taten. Und er? Tat nichts. Er rührte keinen Finger, um etwas für sich oder andere zu tun. Er saß jeden Tag einfach nur da.
Dies war ganz sicher nicht der Platz, den er nun unter seinem neuen Gott finden wollte. Er war aufgerufen, auch etwas zu tun, damit Er sein Ziel erreichen würde. Sein Ziel. Was war eigentlich sein Ziel? Oder was war sein eigenes Ziel? Was wollte er eigentlich?
Darüber hatte er sich eigentlich noch gar keine Gedanken gemacht. Irgendwas sollte er tun, mit seinem Leben, seiner Kraft und seinem Dasein anstellen. Irgendwas musste es doch für ihn geben. Irgendetwas Sinnvolles. Irgendetwas… Irgendetwas…
So, wie es war, konnte es nicht weiter gehen. Er würde sich auf machen, etwas mit seinem Leben anfangen. Etwas Sinnvolles. Gleich nach dem nächsten Bier. Denn bezahlt war bezahlt und Durst war Durst.
- Cara DelMur
- Beiträge: 891
- Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20
Eine ganze Weile lang hatte sie ihn beobachtet, wie er da in der Hängematte hing. Er hatte wieder getrunken. Und erneut war es zu viel gewesen. War es das? Der Geruch von Schweiss und Alkohol hing schwer über dem Schläfer und kroch zu ihr hinüber wie ein ungebetener Gast. Ein Krug Wasser stand neben seiner Schlafstatt. Er würde sicher durstig sein. Nur spärlich gab die Dunkelheit seine Züge frei und liessen sie in ihrer Gedankenwelt treiben. Irgendwo musste es ja einen Haken geben und anscheinend hatte sie ihn nun gefunden. Kein Glück ohne Unglück. Kein Licht ohne Schatten. Sie würde ihn darauf ansprechen müssen. Vielleicht war es aber auch nur einfach Zufall. Eine kleine Feier, ein gemütlicher Abend bei Wein und Gesprächen. Da konnte sie ihm doch das ein oder andere Glas nicht verübeln, schliesslich hatte sie selbst auch etwas getrunken. Und ausserdem hatte er etwas Entspannung nach der Jagd und den Schmerzen auch verdient! Womöglich machte sie sich ja auch wirklich nur unnötig Gedanken. Ja, gewiss so war es sicherlich. Und so schob sie trotzig alle Warnsignale erst einmal zur Seite und begann Ausflüchte und Entschuldigungen für ihn zu suchen und zu finden. Verschieben wir es auf morgen, ein wenig frische Luft und Seife... flüsterte sie noch mehr zu sich selbst, ehe der Schlaf sie doch in sein Reich zog.
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Veehrs Usil
- Beiträge: 19
- Registriert: Freitag 20. Februar 2015, 14:14
Und die Tage ziehen ins Land
und wir trinken immer noch ohne Verstand...
Völlig benebelt waren seine Sinne, als er die Augen aufschlug. Finster war es um ihn herum, der Mond und die Sterne schon lange aufgegangen und die Grillen zirpten ihr gute Nachtlied.
Schwer waren die Glieder, ließen sich kaum bewegen, als wären sie in Ketten geschlagen und obendrein mit riesigen Felsen beschwert. Ihm drehte sich alles. Der Alkohol verhinderte, dass er klar denken konnte und wo er war, konnte er nur erahnen.
Langsam richtete sich die dreckige Gestalt auf, wankte, schwankte, stolperte vorwärts und kegelte die sauber zusammengestellten Flaschen mit einem unkoordinierten Fußtritt um. Seine Hand versuchte sich, am nächst besten Baum abzustützen und... griff ins Leere.
Dumpf schlug Veehrs auf dem Boden auf, in seiner Nase sammelte sich neben den Gerüchen von Gras und Wildkräutern auch der von Dung, in dem er nun lag. So gerne er sich rasch und rascher aus dieser Lage befreien wollte, seine Extremitäten verweigern ihren Dienst. So musste er länger in dieser misslichen Lage verharren, als ihm lieb war.
Als er es dann endlich schaffte, seine Arme anzuwinkeln, die Handflächen auf den trockenen Waldboden zu stützen und sich mit aller Kraft aufzudrücken, spuckte er erstmal den ganzen Mist aus, der sich in seinem Mund gesammelt hatte.
Fluchend wischte er sich die Schieße aus dem Gesicht. Nie mehr würde er im Wald trinken, so viel stand für ihn fest. Aber auf die Erkenntnis, vielleicht nie wieder etwas zu trinken oder nur sehr wenig, kam er nicht.
Der Geschmack im Mund war ekelerregend und reizte ihn nahe an die Grenze des Erbrechens und er machte sich auf, die Bierflaschen am Boden einer Untersuchung zu unterziehen. Aber wie sollte es anders sein... alle leer... Lange würde er diesen Reiz nicht mehr unterdrücken können und so torkelte er gen Düstersee los.
Aber so konnte er Cara unmöglich unter die Augen treten. Betrunken, dreckig und stinkend nach den Exkrementen irgendeines Tieres. Er musste sich waschen, umkleiden, nüchtern werden und den Geschmack aus dem Mund bekommen. Den Geschmack...
Nun konnte er es nicht mehr halten und übergab sich, als seine Gedanken ihn zurück auf den Umstand lenkten, dass er immer noch Schieße gefressen hatte. Im hohen Bogen spie er alles aus, was er in seinem Magen finden konnte. Die letzte Mahlzeit, kleine, undefinierbare Bröckchen von Fleisch, Gemüse und Brot. Das ganze Bier, welches eine eher unnatürlich, dunkelgrüne braune Farbe angenommen hatte. Und zu guter Letzt konnte er feststellen, dass der Geschmack... nicht gewichen war, sondern es jetzt nicht nur nach Schieße schmeckte sondern Gleichzeitig nach erbrochenem.
Weiterhin fluchend rappelte er sich mit Hilfe eines kleinen, dürren Bäumchens wieder auf, dass seine dargereichte Hilfe leider nicht überlebte und abgeknickt wurde. Achtlos ließ er das Opfer liegen und sah nicht einmal zurück, als er weiter gen Düstersee streben wollte. Allerdings, so stellte er nach einer geraumen Weile fest, musste er wohl in die falsche Richtung gelaufen sein, da vor ihm Grenzwarth auftauchte.
Seufzend näherte er sich der Siedlung. Es war Nacht, die Lichter in den Fenstern erloschen, alle würden schlafen. Was würde das wohl für ein Geschwätz werden, wenn man ihn so in dem Zustand sah. Magister Althan wohnte hier, die Rundhammers und viele andere. Und alle kannten Cara. So, wie er jetzt war, wollte er nicht unter deren Augen treten und schon gar nicht unter Cara´s. Und das Geschwätz der Leute konnte er erst recht nicht gebrauchen.
So leise er konnte steuerte er den Brunnen in der Mitte der Siedlung an und... setzte sich gleich komplett hinein. Am Rand war er schon flach und es fiel ihm leicht, sich zu waschen. Zumindest so weit, dass er halbwegs annehmbar aussah und seinen ramponierten, nassen und nicht wirklich ansehbaren Zustand mit einem Spaziergang bei Nacht und einem Sturz in einen Bach erklären konnte. Er musste vor allem den Gestank weg bekommen.
Langsam legte er sich lang in dem kleinen Brunnen, bedacht, so wenig Geräusche zu machen wie möglich, jedoch den Kopf unter Wasser zu bekommen. Als der Kopf unter Wasser tauchte, breitete sich Stille um ihn aus. Die Nachteule verklang, die Grillen sangen nicht mehr ihr Liebeslied bei Nacht. Nur Stille umgab ihn. Oder doch nicht.
Dieses kleine Gefühl, dieses kleine Nichts, welches sich in der hintersten Ecke seines Kopfes eingenistet hatte, war gewandert. Es kam näher, glitt tiefer, wurde lauter und größer. Es ließ sich so nun nicht mehr einfach verdrängen, nicht mehr wegschieben. Es summte, brummte, pulsierte und... es schien mit einer Stimme zu ihm zu sprechen. Aber noch war es zu weit weg, als dass er es verstehen konnte. Noch.
Rasch hob Veehrs den Kopf wieder an, das Wasser spritzte in alle Richtungen und er machte in der Stille der Nacht einen Mords Krach. Aber um ihn herum blieb es dunkel. So hoffte er zumindest.
Mit den aufkommenden Geräuschen der Nacht verebbte das Summen und Brummen des Nichts zu einem fernen Rauschen, welches er nach und nach ausblenden konnte. Was auch immer es war, er wollte es gar nicht wissen. Er wollte nur raus aus dem Brunnen, zurück nach Düstersee und schlafen. Aber so, wie er jetzt war, konnte er sich unmöglich in seine Hängematte legen. Er brauchte erstmal andere Kleider, musste trocken werden, ansehnlicher. Seine Hand fuhr über seine Wange. Rasieren sollte er sich auch einmal wieder. So wäre er früher niemals rumgelaufen. Früher. Im Dienst. Mit einer Aufgabe. Mit einer... Aufgabe.
Die Worte halten zwar in seinem Kopf nach und er dachte, das Nichts hätte jenes Wort aufgeschnappt, aber das bildete er sich wohl ein. Er hatte doch eine Aufgabe. Oder nicht?
Grübelnd stieg er nun aus dem Brunnen, seine Kleider waren voll Wasser gesogen und es strömte in großen Rinnsalen von den Stofffalten gen Boden. Rasch hatte sich eine Pfütze unter ihm gebildet und bei jedem Schritt gaben seine Stiefel einen seufzend, matschigen Klageruf von sich. Der Weg bis Düstersee war nicht weit, aber in Nassen Kleidern und Stiefeln konnte er rasch zur Tortur werden. Und das Wort Aufgabe schallte in seinem Kopf nach.
Hatte er wirklich eine Aufgabe? Hatte er etwas Sinnvolles zu tun? Was wollte er eigentlich? Wohin sollte sein Weg führen? Stand er nun an einer Kreuzung? Oder war er schon vor langer Zeit in eine Sackgasse gelaufen und statt sich umzudrehen und zurück zu laufen drehte er sich nur im Kreise vor der Mauer, die sich da vor ihm auftat.
Das kalte Wasser des Brunnens hatte seine Wirkung wohl nicht verfehlt und ihn ein gutes Stück seines alkoholgeschwängerten Zustandes beraubt. Er konnte halbwegs klar denken doch im nächsten Moment überfiel ihn wieder dieses Gefühl von Unruhe und Umtriebigkeit. So, wie er es spätestens zum Mittagsgeläut verspürte.
Er schob das Gefühl beiseite, erklärte es sich damit, dass die Gedanken in seinem Kopf nun kreisten, er nicht wusste, was er wollte, was er sollte. Das er nass war und etwas fror, da diese Nacht doch nicht die Wärmste der letzten Tage war. Dass er nun zwar den Geschmack aus dem Mund hatte, dafür aber immer noch Übelkeit verspürte ob des nun leeren Magens. Er kam nicht mal auf den Gedanken, den jeder Außenstehende haben musste, der ihn nun beobachtete oder zu jeder anderen Stunde nach dem Mittagsschlag der Glocke. Wo er eine Flasche nach der anderen leerte, so er wieder irgendwo in Düstersee hockte, ohne Aufgabe, ohne Ziel.
Er wusste, er brauchte ein Ziel, eine Aufgabe. Aber er selbst erkannte nicht, welche. Wusste nicht, was er mit seinem Leben anfangen sollte. Er hatte den Armeedienst hinter sich gelassen und dahin wollte er nicht wieder zurück. Aber was sollte ein Mann seines Alters denn tun, wenn nicht mit der Waffe in der Hand Dienst schieben? Er hatte ja nichts anderes gelernt, als mit Waffen umzugehen, sie zu gebrauchen und anderen das Leben zu nehmen, die nach seinem Leben trachteten.
Er fühlte sich schlichtweg nutzlos. Nutzlos, überflüssig und verloren. Und wäre dort nicht eine einzige spezielle Frau, die ihm Halt gab, wenigstens einen Sinn am Leben, er hätte sich womöglich schon etwas angetan.
Im nächsten Moment stieß sein linker Fuß gegen etwas hartes, blieb hängen, der rechte Fuß wollte weiterlaufen doch trat ins Leere. Er verlor das Gleichgewicht, kippte, für ihn wie zehnfach Verlangsam nach vorne um und... konnte sich gerade noch mit den Händen soweit abfangen, dass er nicht mit dem Gesicht der Länge nach auf dem Boden aufschlug. Im Dreck lag er allemal.
Gelächter ertönte von weiter vorne. Als er aufsah, erkannte er die Wachen von Düstersee hinter dem Fallgatter und auf den Mauern, die einen heiden Spaß daran hatten, ihn auszulachen, mit ihren Fingern auf ihn zu deuten und ihn zu verspotten. So weit war es also gekommen. Er war nicht nur unnütz, überflüssig und verloren. Nein, er war auch nur noch eine Lachnummer für andere. Ein Hanswurst, der einzige dazu da war, um andere zu erheitern mit seinen Kapriolen, Fehltritten und Erscheinung. Vielleicht sollte er sich in die bunten Lumpen eines Hofnarren hüllen. Dann war seine Erscheinung wenigstens komplett. Vielleicht... Vielleicht...
Nun musste er erstmal sehen, wie er in die Siedlung kam. Es war Nacht, die Tore geschlossen. Er hatte keinen Bürgerbrief. Auch wenn die Wachen ihn kannten, würde der Spaß für sie jetzt erst los gehen und bis er in die Siedlung käme, war es sicherlich schon fast heller morgen. Wenn sie ihn überhaupt vor dem siebten Schlag der Glocke rein ließen. Erst da wurde das eine Tor für alle geöffnet und er konnte hinein. Und so es so war, würde er wohl den halben Tag verschlafen. Jenen Tag verschlafen, an dem andere ihrem Tagwerk nachgingen, etwas Sinnvolles taten, nicht nutzlos waren, nicht überflüssig, sondern ein Rädchen im Ganzen und den Wagen am Laufen hielten. Er hingegen war das fünfte Rad am Wagen. Unnütz für das Vorankommen, noch nicht seinen rechten Platz gefunden habend.
Und wieder wurde das Nichts in seinem Kopf lauter, pulsierte, hämmerte, brummte. Er ignorierte es, gab es doch im Moment wichtigeres. Hinein in die Stadt zu kommen zum Beispiel. Und ein Bier.
und wir trinken immer noch ohne Verstand...
Völlig benebelt waren seine Sinne, als er die Augen aufschlug. Finster war es um ihn herum, der Mond und die Sterne schon lange aufgegangen und die Grillen zirpten ihr gute Nachtlied.
Schwer waren die Glieder, ließen sich kaum bewegen, als wären sie in Ketten geschlagen und obendrein mit riesigen Felsen beschwert. Ihm drehte sich alles. Der Alkohol verhinderte, dass er klar denken konnte und wo er war, konnte er nur erahnen.
Langsam richtete sich die dreckige Gestalt auf, wankte, schwankte, stolperte vorwärts und kegelte die sauber zusammengestellten Flaschen mit einem unkoordinierten Fußtritt um. Seine Hand versuchte sich, am nächst besten Baum abzustützen und... griff ins Leere.
Dumpf schlug Veehrs auf dem Boden auf, in seiner Nase sammelte sich neben den Gerüchen von Gras und Wildkräutern auch der von Dung, in dem er nun lag. So gerne er sich rasch und rascher aus dieser Lage befreien wollte, seine Extremitäten verweigern ihren Dienst. So musste er länger in dieser misslichen Lage verharren, als ihm lieb war.
Als er es dann endlich schaffte, seine Arme anzuwinkeln, die Handflächen auf den trockenen Waldboden zu stützen und sich mit aller Kraft aufzudrücken, spuckte er erstmal den ganzen Mist aus, der sich in seinem Mund gesammelt hatte.
Fluchend wischte er sich die Schieße aus dem Gesicht. Nie mehr würde er im Wald trinken, so viel stand für ihn fest. Aber auf die Erkenntnis, vielleicht nie wieder etwas zu trinken oder nur sehr wenig, kam er nicht.
Der Geschmack im Mund war ekelerregend und reizte ihn nahe an die Grenze des Erbrechens und er machte sich auf, die Bierflaschen am Boden einer Untersuchung zu unterziehen. Aber wie sollte es anders sein... alle leer... Lange würde er diesen Reiz nicht mehr unterdrücken können und so torkelte er gen Düstersee los.
Aber so konnte er Cara unmöglich unter die Augen treten. Betrunken, dreckig und stinkend nach den Exkrementen irgendeines Tieres. Er musste sich waschen, umkleiden, nüchtern werden und den Geschmack aus dem Mund bekommen. Den Geschmack...
Nun konnte er es nicht mehr halten und übergab sich, als seine Gedanken ihn zurück auf den Umstand lenkten, dass er immer noch Schieße gefressen hatte. Im hohen Bogen spie er alles aus, was er in seinem Magen finden konnte. Die letzte Mahlzeit, kleine, undefinierbare Bröckchen von Fleisch, Gemüse und Brot. Das ganze Bier, welches eine eher unnatürlich, dunkelgrüne braune Farbe angenommen hatte. Und zu guter Letzt konnte er feststellen, dass der Geschmack... nicht gewichen war, sondern es jetzt nicht nur nach Schieße schmeckte sondern Gleichzeitig nach erbrochenem.
Weiterhin fluchend rappelte er sich mit Hilfe eines kleinen, dürren Bäumchens wieder auf, dass seine dargereichte Hilfe leider nicht überlebte und abgeknickt wurde. Achtlos ließ er das Opfer liegen und sah nicht einmal zurück, als er weiter gen Düstersee streben wollte. Allerdings, so stellte er nach einer geraumen Weile fest, musste er wohl in die falsche Richtung gelaufen sein, da vor ihm Grenzwarth auftauchte.
Seufzend näherte er sich der Siedlung. Es war Nacht, die Lichter in den Fenstern erloschen, alle würden schlafen. Was würde das wohl für ein Geschwätz werden, wenn man ihn so in dem Zustand sah. Magister Althan wohnte hier, die Rundhammers und viele andere. Und alle kannten Cara. So, wie er jetzt war, wollte er nicht unter deren Augen treten und schon gar nicht unter Cara´s. Und das Geschwätz der Leute konnte er erst recht nicht gebrauchen.
So leise er konnte steuerte er den Brunnen in der Mitte der Siedlung an und... setzte sich gleich komplett hinein. Am Rand war er schon flach und es fiel ihm leicht, sich zu waschen. Zumindest so weit, dass er halbwegs annehmbar aussah und seinen ramponierten, nassen und nicht wirklich ansehbaren Zustand mit einem Spaziergang bei Nacht und einem Sturz in einen Bach erklären konnte. Er musste vor allem den Gestank weg bekommen.
Langsam legte er sich lang in dem kleinen Brunnen, bedacht, so wenig Geräusche zu machen wie möglich, jedoch den Kopf unter Wasser zu bekommen. Als der Kopf unter Wasser tauchte, breitete sich Stille um ihn aus. Die Nachteule verklang, die Grillen sangen nicht mehr ihr Liebeslied bei Nacht. Nur Stille umgab ihn. Oder doch nicht.
Dieses kleine Gefühl, dieses kleine Nichts, welches sich in der hintersten Ecke seines Kopfes eingenistet hatte, war gewandert. Es kam näher, glitt tiefer, wurde lauter und größer. Es ließ sich so nun nicht mehr einfach verdrängen, nicht mehr wegschieben. Es summte, brummte, pulsierte und... es schien mit einer Stimme zu ihm zu sprechen. Aber noch war es zu weit weg, als dass er es verstehen konnte. Noch.
Rasch hob Veehrs den Kopf wieder an, das Wasser spritzte in alle Richtungen und er machte in der Stille der Nacht einen Mords Krach. Aber um ihn herum blieb es dunkel. So hoffte er zumindest.
Mit den aufkommenden Geräuschen der Nacht verebbte das Summen und Brummen des Nichts zu einem fernen Rauschen, welches er nach und nach ausblenden konnte. Was auch immer es war, er wollte es gar nicht wissen. Er wollte nur raus aus dem Brunnen, zurück nach Düstersee und schlafen. Aber so, wie er jetzt war, konnte er sich unmöglich in seine Hängematte legen. Er brauchte erstmal andere Kleider, musste trocken werden, ansehnlicher. Seine Hand fuhr über seine Wange. Rasieren sollte er sich auch einmal wieder. So wäre er früher niemals rumgelaufen. Früher. Im Dienst. Mit einer Aufgabe. Mit einer... Aufgabe.
Die Worte halten zwar in seinem Kopf nach und er dachte, das Nichts hätte jenes Wort aufgeschnappt, aber das bildete er sich wohl ein. Er hatte doch eine Aufgabe. Oder nicht?
Grübelnd stieg er nun aus dem Brunnen, seine Kleider waren voll Wasser gesogen und es strömte in großen Rinnsalen von den Stofffalten gen Boden. Rasch hatte sich eine Pfütze unter ihm gebildet und bei jedem Schritt gaben seine Stiefel einen seufzend, matschigen Klageruf von sich. Der Weg bis Düstersee war nicht weit, aber in Nassen Kleidern und Stiefeln konnte er rasch zur Tortur werden. Und das Wort Aufgabe schallte in seinem Kopf nach.
Hatte er wirklich eine Aufgabe? Hatte er etwas Sinnvolles zu tun? Was wollte er eigentlich? Wohin sollte sein Weg führen? Stand er nun an einer Kreuzung? Oder war er schon vor langer Zeit in eine Sackgasse gelaufen und statt sich umzudrehen und zurück zu laufen drehte er sich nur im Kreise vor der Mauer, die sich da vor ihm auftat.
Das kalte Wasser des Brunnens hatte seine Wirkung wohl nicht verfehlt und ihn ein gutes Stück seines alkoholgeschwängerten Zustandes beraubt. Er konnte halbwegs klar denken doch im nächsten Moment überfiel ihn wieder dieses Gefühl von Unruhe und Umtriebigkeit. So, wie er es spätestens zum Mittagsgeläut verspürte.
Er schob das Gefühl beiseite, erklärte es sich damit, dass die Gedanken in seinem Kopf nun kreisten, er nicht wusste, was er wollte, was er sollte. Das er nass war und etwas fror, da diese Nacht doch nicht die Wärmste der letzten Tage war. Dass er nun zwar den Geschmack aus dem Mund hatte, dafür aber immer noch Übelkeit verspürte ob des nun leeren Magens. Er kam nicht mal auf den Gedanken, den jeder Außenstehende haben musste, der ihn nun beobachtete oder zu jeder anderen Stunde nach dem Mittagsschlag der Glocke. Wo er eine Flasche nach der anderen leerte, so er wieder irgendwo in Düstersee hockte, ohne Aufgabe, ohne Ziel.
Er wusste, er brauchte ein Ziel, eine Aufgabe. Aber er selbst erkannte nicht, welche. Wusste nicht, was er mit seinem Leben anfangen sollte. Er hatte den Armeedienst hinter sich gelassen und dahin wollte er nicht wieder zurück. Aber was sollte ein Mann seines Alters denn tun, wenn nicht mit der Waffe in der Hand Dienst schieben? Er hatte ja nichts anderes gelernt, als mit Waffen umzugehen, sie zu gebrauchen und anderen das Leben zu nehmen, die nach seinem Leben trachteten.
Er fühlte sich schlichtweg nutzlos. Nutzlos, überflüssig und verloren. Und wäre dort nicht eine einzige spezielle Frau, die ihm Halt gab, wenigstens einen Sinn am Leben, er hätte sich womöglich schon etwas angetan.
Im nächsten Moment stieß sein linker Fuß gegen etwas hartes, blieb hängen, der rechte Fuß wollte weiterlaufen doch trat ins Leere. Er verlor das Gleichgewicht, kippte, für ihn wie zehnfach Verlangsam nach vorne um und... konnte sich gerade noch mit den Händen soweit abfangen, dass er nicht mit dem Gesicht der Länge nach auf dem Boden aufschlug. Im Dreck lag er allemal.
Gelächter ertönte von weiter vorne. Als er aufsah, erkannte er die Wachen von Düstersee hinter dem Fallgatter und auf den Mauern, die einen heiden Spaß daran hatten, ihn auszulachen, mit ihren Fingern auf ihn zu deuten und ihn zu verspotten. So weit war es also gekommen. Er war nicht nur unnütz, überflüssig und verloren. Nein, er war auch nur noch eine Lachnummer für andere. Ein Hanswurst, der einzige dazu da war, um andere zu erheitern mit seinen Kapriolen, Fehltritten und Erscheinung. Vielleicht sollte er sich in die bunten Lumpen eines Hofnarren hüllen. Dann war seine Erscheinung wenigstens komplett. Vielleicht... Vielleicht...
Nun musste er erstmal sehen, wie er in die Siedlung kam. Es war Nacht, die Tore geschlossen. Er hatte keinen Bürgerbrief. Auch wenn die Wachen ihn kannten, würde der Spaß für sie jetzt erst los gehen und bis er in die Siedlung käme, war es sicherlich schon fast heller morgen. Wenn sie ihn überhaupt vor dem siebten Schlag der Glocke rein ließen. Erst da wurde das eine Tor für alle geöffnet und er konnte hinein. Und so es so war, würde er wohl den halben Tag verschlafen. Jenen Tag verschlafen, an dem andere ihrem Tagwerk nachgingen, etwas Sinnvolles taten, nicht nutzlos waren, nicht überflüssig, sondern ein Rädchen im Ganzen und den Wagen am Laufen hielten. Er hingegen war das fünfte Rad am Wagen. Unnütz für das Vorankommen, noch nicht seinen rechten Platz gefunden habend.
Und wieder wurde das Nichts in seinem Kopf lauter, pulsierte, hämmerte, brummte. Er ignorierte es, gab es doch im Moment wichtigeres. Hinein in die Stadt zu kommen zum Beispiel. Und ein Bier.
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Veehrs Usil
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- Registriert: Freitag 20. Februar 2015, 14:14
Schwer gingen die Augenlieder auf. So verklebt wie sie waren. Schummerlicht drang zu ihm vor, er hatte wieder einmal keine Ahnung, wo er war. Scheinbar hatte er wieder einen oder zwei über den Durst getrunken und war irgendwo eingeschlafen.
Der Geschmack in seinem Mund war einfach nur fürchterlich und zum Spucken geeignet. Am liebsten hätte er gleich alles herauf gewürgt, was er gestern zu sich genommen hatte.
Gestern…
Was war gestern eigentlich geschehen? Wo war er gestern eigentlich gewesen? Und wo war er jetzt?
Sein Kopf und seine Glieder schmerzten, als er sich endlich in Bewegung setzte und aufstehen wollte. Schnell merkte er, dass er in einem Bett lag und das erste Mal flammte ein schlechtes Gewissen in seinem Kopf auf. In welchem Bett mag er wohl gelandet sein?
Mit jeder Bewegung und jedem Stück Schmerz, dass sich zum Restlichen Schmerz addierte, kamen mehr Fragen auf. Daher machte er sich erst einmal daran, die ersten Fragen zu beantworten.
Wo war er gestern gewesen?
Er konnte sich an eine Schiffsreise ganz wage erinnern. An eine blaue Flüssigkeit, die süß schmeckte und gleichzeitig scharf brannte. An Bier, ein oder zwei Flaschen. Oder mehr. Und dass es verdammt stark war und dann… war alles erloschen.
Schlussfolgernd würde er wohl auf die Pirateninsel wetten, wenn man ihn dazu auffordern würde. Aber genau konnte er es einfach nicht mehr sagen. Daher machte er sich an die nächste Frage.
Was ist gestern geschehen?
Das wiederum ließ sich schnell und einfach beantworten. Er hatte wieder zu viel getrunken. Wieder einmal, nach dem er doch Tage ohne jeden Tropfen ausgekommen war, hat es ihn gestern nach dem ersten Schluck von diesem blauen Gesöff gepackt.
Und diese Konsequenzen hatte er nun deutlich zu tragen. Sein Kopf fühlte sich mindestens doppelt so breit an wie normal. Alles tat weh, sein Magen drehte sich im Kreis wie eine Windhose und war jederzeit dazu bereit, dass Bisschen, was noch in ihm war, frei zu geben und sich somit zu erleichtern. Aber er zwang sich dazu, es nicht zu tun. Nicht, bevor er die nächste Frage beantwortet hatte.
Wo war er nun?
Sein Blick wurde langsam klarer und er konnte im Schummerlicht etwas mehr erkennen. Es war ein Keller. Keller… das konnte eigentlich nur bedeuten, dass er bei Cara war. Hoffte er zumindest. Ein kurzer Schwenk seines Blicks genügte, um dies zu bestätigen. Zwei Schritt neben dem Bett spannte sich die Hängematte, in der er die ersten Nächste verbracht hatte.
Aber er wunderte sich, dass er im Bett lag. Und die Seite neben ihm war unbenutzt. Und warum hatte er noch seine Stiefel an. Ein Blick aufs Bett reichte, um ihm das nächste schlechte Gewissen einzutrichtern.
Die gesamte linke Seite des Bettes war komplett verdreckt. Und das nicht nur da, wo seine Stiefel lagen. Als er seine Handflächen nach innen drehte, sah er auch gleich die Bescherung. Die Hände, sein Hemd und alles anderen Kleidungsstücke waren derart verdreckt, dass sich der überschüssige Dreck nur allzu bereitwillig über die gesamte Bettseite verteilt hatte. Und es war noch so viel übrig, dass er nach wie vor wie eine Wildsau aussah.
Seufzend rollte er sich gänzlich aus dem Bett und entledigte sich erstmal seiner dreckigen Kleider und tastete sich langsam mit den nackten Füßen über die kalten Fließen zum Waschplatz hin. Der Dreck musste erstmal runter, bevor er weitere Maßnahmen ergreifen konnte.
Jedoch war das Glück ihm dennoch hold, denn er fand am Waschplatz frische Bezüge für das Bett. Immerhin konnte er so das Schlimmste schon mal beseitigen. Auch wenn er nicht wusste, wo er die Sachen waschen sollte geschweige denn, wie man jene wusch.
Es dauerte einige Zeit, bis er das Bett frisch bezogen hatte. Schließlich hatte er sowas zuvor nie machen müssen und ihm war wohl nicht nur wegen des Alkohols schlecht. Ihm schwante nichts Gutes, wenn er daran dachte, dass auch Cara gestern Abend mit dabei war. Und da er zu ihr Heim kam, wusste sie ganz sicher um seinen Zustand.
Und so kam es, dass sein schlechtes Gewissen weiter anschwoll, als er die Treppe empor stieg. Kaum war er oben angekommen, sah er eine Gestalt vor sich; nasse Haare, der Blick ausdruckslos, dunkle Ränder unter den Augen und selbige gerötet. Der Bart ungepflegt wie das Haar, auf den Wangen Stoppeln seines Bartes. Diese Gestalt sah einfach erbärmlich aus.
Und es dauerte einige Augenblicke, ehe er erkannte, dass es sein Spiegelbild war. Irgendwer hatte wohl einen Spiegel so aufgestellt, dass er direkt vor ihn rennen und nun das hier unausweichlich sehen musste. Und dieses Spiegelbild starrte unbarmherzig zurück zu ihm.
Jetzt war es mit ihm gänzlich vorbei und er stand da wie das berühmte Häufchen Elend. Er sah so aus, wie die Säufer, die er damals immer so abstoßend fand, weil sie nichts mit ihrem Leben anfingen außer sich mit jedem Schluck weiter dem Tod zu nähern. Weil sie sich nicht aufraffen konnten, etwas zu ändern. Weil sie einfach schwach waren. Und jetzt?
Jetzt gehörte er dazu. Er war kein Deut besser wie diese armen Teufel.
Er empfand es als beschämend und der stete starrende Blick seines Spiegelbildes bohrte sich schier durch seinen Körper, ermahnte ihn, tadelte ihn, schellte ihn. Er war ein Säufer. Und dennoch im ersten Moment glücklich, nicht zu wissen, was er gestern alles angestellt hatte.
Doch schon stach es ihn in Kopf und Herz und wieder kam diese Stimme leise mahnend zum Vorschein. Sie flüsterte unentwegt, bohrte, tadelte, sprach aus, was er nicht einmal denken wollte. Warum war er glücklich, nicht zu wissen, was vorgefallen war? Vielleicht hatte er sich so sehr daneben benommen, dass er etwas angestellt hatte. Oder jemanden verletzte. Oder andere beschämte.
Und je mehr sich Veehrs gegen die Stimme stemmte, sich gegen sie wehrte, um so hartnäckiger klammerte sie sich fest, zerrte an jedem Stück Bewusstsein, an der sie sich festklammern konnte. Dieses Wegschieben verstärkte nur noch seine physischen Schmerzen im Kopf um ein vielfaches und so ließ er von dem Vorhaben rasch ab. Dies wiederrum hatte aber die Ursache, dass diese kleine, feine Stimme nun kontinuierlich vier kleine Worte wiederholte, immer wieder und wieder. Und obendrein schallten sie noch nach in seinem Kopf; Du bist ein Säufer!
Schwer wogen seine Füße, als hätte jene Stimme Gewichte aus Stein an ihnen befestigt. Jeder Schritt fiel ihm schwer und so dauerte es gefühlt drei Mal so lange, bis er endlich das Sofa erreicht hatte und schwer auf jenes darauf fiel. Er fühlte sich nun noch Antriebsloser wie zuvor und wenn dem nicht so gewesen wäre, er hätte sich sicherlich das nächste Bier geholt.
So aber blieb er einfach sitzen, starrte wie ins Leere vor sich hin und schien darauf zu warten, dass Cara zurück kam und ihn mit bösen Worten zu Recht wies. Oder ihn zumindest mit bösem Blick ansah. Irgendetwas würde kommen, da war er sich gewiss. Es war das Beste, dachte er bei sich, hier einfach sitzen zu bleiben und darauf zu warten, dass Cara nach Hause kam. Je schneller er das ganze hinter sich hatte, umso besser. Einfach da sitzen und auf das unausweichliche warten.
Der Geschmack in seinem Mund war einfach nur fürchterlich und zum Spucken geeignet. Am liebsten hätte er gleich alles herauf gewürgt, was er gestern zu sich genommen hatte.
Gestern…
Was war gestern eigentlich geschehen? Wo war er gestern eigentlich gewesen? Und wo war er jetzt?
Sein Kopf und seine Glieder schmerzten, als er sich endlich in Bewegung setzte und aufstehen wollte. Schnell merkte er, dass er in einem Bett lag und das erste Mal flammte ein schlechtes Gewissen in seinem Kopf auf. In welchem Bett mag er wohl gelandet sein?
Mit jeder Bewegung und jedem Stück Schmerz, dass sich zum Restlichen Schmerz addierte, kamen mehr Fragen auf. Daher machte er sich erst einmal daran, die ersten Fragen zu beantworten.
Wo war er gestern gewesen?
Er konnte sich an eine Schiffsreise ganz wage erinnern. An eine blaue Flüssigkeit, die süß schmeckte und gleichzeitig scharf brannte. An Bier, ein oder zwei Flaschen. Oder mehr. Und dass es verdammt stark war und dann… war alles erloschen.
Schlussfolgernd würde er wohl auf die Pirateninsel wetten, wenn man ihn dazu auffordern würde. Aber genau konnte er es einfach nicht mehr sagen. Daher machte er sich an die nächste Frage.
Was ist gestern geschehen?
Das wiederum ließ sich schnell und einfach beantworten. Er hatte wieder zu viel getrunken. Wieder einmal, nach dem er doch Tage ohne jeden Tropfen ausgekommen war, hat es ihn gestern nach dem ersten Schluck von diesem blauen Gesöff gepackt.
Und diese Konsequenzen hatte er nun deutlich zu tragen. Sein Kopf fühlte sich mindestens doppelt so breit an wie normal. Alles tat weh, sein Magen drehte sich im Kreis wie eine Windhose und war jederzeit dazu bereit, dass Bisschen, was noch in ihm war, frei zu geben und sich somit zu erleichtern. Aber er zwang sich dazu, es nicht zu tun. Nicht, bevor er die nächste Frage beantwortet hatte.
Wo war er nun?
Sein Blick wurde langsam klarer und er konnte im Schummerlicht etwas mehr erkennen. Es war ein Keller. Keller… das konnte eigentlich nur bedeuten, dass er bei Cara war. Hoffte er zumindest. Ein kurzer Schwenk seines Blicks genügte, um dies zu bestätigen. Zwei Schritt neben dem Bett spannte sich die Hängematte, in der er die ersten Nächste verbracht hatte.
Aber er wunderte sich, dass er im Bett lag. Und die Seite neben ihm war unbenutzt. Und warum hatte er noch seine Stiefel an. Ein Blick aufs Bett reichte, um ihm das nächste schlechte Gewissen einzutrichtern.
Die gesamte linke Seite des Bettes war komplett verdreckt. Und das nicht nur da, wo seine Stiefel lagen. Als er seine Handflächen nach innen drehte, sah er auch gleich die Bescherung. Die Hände, sein Hemd und alles anderen Kleidungsstücke waren derart verdreckt, dass sich der überschüssige Dreck nur allzu bereitwillig über die gesamte Bettseite verteilt hatte. Und es war noch so viel übrig, dass er nach wie vor wie eine Wildsau aussah.
Seufzend rollte er sich gänzlich aus dem Bett und entledigte sich erstmal seiner dreckigen Kleider und tastete sich langsam mit den nackten Füßen über die kalten Fließen zum Waschplatz hin. Der Dreck musste erstmal runter, bevor er weitere Maßnahmen ergreifen konnte.
Jedoch war das Glück ihm dennoch hold, denn er fand am Waschplatz frische Bezüge für das Bett. Immerhin konnte er so das Schlimmste schon mal beseitigen. Auch wenn er nicht wusste, wo er die Sachen waschen sollte geschweige denn, wie man jene wusch.
Es dauerte einige Zeit, bis er das Bett frisch bezogen hatte. Schließlich hatte er sowas zuvor nie machen müssen und ihm war wohl nicht nur wegen des Alkohols schlecht. Ihm schwante nichts Gutes, wenn er daran dachte, dass auch Cara gestern Abend mit dabei war. Und da er zu ihr Heim kam, wusste sie ganz sicher um seinen Zustand.
Und so kam es, dass sein schlechtes Gewissen weiter anschwoll, als er die Treppe empor stieg. Kaum war er oben angekommen, sah er eine Gestalt vor sich; nasse Haare, der Blick ausdruckslos, dunkle Ränder unter den Augen und selbige gerötet. Der Bart ungepflegt wie das Haar, auf den Wangen Stoppeln seines Bartes. Diese Gestalt sah einfach erbärmlich aus.
Und es dauerte einige Augenblicke, ehe er erkannte, dass es sein Spiegelbild war. Irgendwer hatte wohl einen Spiegel so aufgestellt, dass er direkt vor ihn rennen und nun das hier unausweichlich sehen musste. Und dieses Spiegelbild starrte unbarmherzig zurück zu ihm.
Jetzt war es mit ihm gänzlich vorbei und er stand da wie das berühmte Häufchen Elend. Er sah so aus, wie die Säufer, die er damals immer so abstoßend fand, weil sie nichts mit ihrem Leben anfingen außer sich mit jedem Schluck weiter dem Tod zu nähern. Weil sie sich nicht aufraffen konnten, etwas zu ändern. Weil sie einfach schwach waren. Und jetzt?
Jetzt gehörte er dazu. Er war kein Deut besser wie diese armen Teufel.
Er empfand es als beschämend und der stete starrende Blick seines Spiegelbildes bohrte sich schier durch seinen Körper, ermahnte ihn, tadelte ihn, schellte ihn. Er war ein Säufer. Und dennoch im ersten Moment glücklich, nicht zu wissen, was er gestern alles angestellt hatte.
Doch schon stach es ihn in Kopf und Herz und wieder kam diese Stimme leise mahnend zum Vorschein. Sie flüsterte unentwegt, bohrte, tadelte, sprach aus, was er nicht einmal denken wollte. Warum war er glücklich, nicht zu wissen, was vorgefallen war? Vielleicht hatte er sich so sehr daneben benommen, dass er etwas angestellt hatte. Oder jemanden verletzte. Oder andere beschämte.
Und je mehr sich Veehrs gegen die Stimme stemmte, sich gegen sie wehrte, um so hartnäckiger klammerte sie sich fest, zerrte an jedem Stück Bewusstsein, an der sie sich festklammern konnte. Dieses Wegschieben verstärkte nur noch seine physischen Schmerzen im Kopf um ein vielfaches und so ließ er von dem Vorhaben rasch ab. Dies wiederrum hatte aber die Ursache, dass diese kleine, feine Stimme nun kontinuierlich vier kleine Worte wiederholte, immer wieder und wieder. Und obendrein schallten sie noch nach in seinem Kopf; Du bist ein Säufer!
Schwer wogen seine Füße, als hätte jene Stimme Gewichte aus Stein an ihnen befestigt. Jeder Schritt fiel ihm schwer und so dauerte es gefühlt drei Mal so lange, bis er endlich das Sofa erreicht hatte und schwer auf jenes darauf fiel. Er fühlte sich nun noch Antriebsloser wie zuvor und wenn dem nicht so gewesen wäre, er hätte sich sicherlich das nächste Bier geholt.
So aber blieb er einfach sitzen, starrte wie ins Leere vor sich hin und schien darauf zu warten, dass Cara zurück kam und ihn mit bösen Worten zu Recht wies. Oder ihn zumindest mit bösem Blick ansah. Irgendetwas würde kommen, da war er sich gewiss. Es war das Beste, dachte er bei sich, hier einfach sitzen zu bleiben und darauf zu warten, dass Cara nach Hause kam. Je schneller er das ganze hinter sich hatte, umso besser. Einfach da sitzen und auf das unausweichliche warten.
- Cara DelMur
- Beiträge: 891
- Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20
Die Nacht schien kein Ende zu nehmen. Sie lag auf dem Sofa und drehte sich unruhig von einer Seite zur Anderen. Wirklich gemütlich war es hier auch nicht, ihr Nacken schmerzte bereits. Aber sie sollte schlafen. Morgen würde die Welt wieder besser aussehen. Ja, Morgen. "Der Schlaf ist der Vater der Lügen und die Mutter der Hoffnung". Die Worte bahnten sich ihren Weg zu ihr. Sie seufzte leise und nachdem sie eine Weile die Wand angestarrt hatte, warf sie murrend die Decke von sich und schlich zur Küche, um ein Glas Wasser zu holen.
Nur ein Schluck Wasser.
Ihr Blick fiel dabei auf den Treppenabsatz und den Spiegel den sie gestern noch dorthin geschoben hatte, damit er sein Elend mit eigenen Augen sehen konnte und auch ertragen musste. Mit dem Glas in der Hand ging sie dorthin, schob sich am Spiegel vorbei und versuchte so lautlos wie möglich hinunter zu gelangen. Sie musste sich doch versichern, dass es ihm gut ging. Ein Blick in den wieder einmal von Alkohol und Schweiss geschwängerten Raum und auf ihr Bett hinab, in dem er schlief, voller Dreck. Sie verzog ihr Gesicht. Zumindest konnte sie ihm keinen Vorwurf machen, was das Bett anging, den Vorwurf musst sie wohl Enomis machen, obwohl sie hatte es nur gut gemeint. Man konnte die Bezüge wechseln und waschen oder verbrennen. Verbrennen, ja. Und die kleine unschöne Flamme nährte sich an dem Gedanken. Er schlief. Ganz im Gegensatz zu ihr selbst. Einen momentlang drehte sie das Glas Wasser in ihrer Hand und..., aber ... nein. Stattdessen nahm sie einen weiteren Schluck davon, um das boshafte Feuer das eben in ihr aufflammte damit zu löschen.
Nur ein Schluck Wasser.
Was sollte sie nur mit ihm anfangen? Er hatte ihr doch Hoffnung gegeben, Hoffnung ihm Vertrauen zu können. Sie musste vorsichtig sein. "Kindermund tut Wahrheit kund" Gleiches galt für Betrunkene. Wie oft war er nun mehr als nur Betrunken gewesen? Zweimal hatte sie sich schon für ihn entschuldigt. Peinlich. Sie hatte sich für ihn geschämt. Das wollte sie nicht. Sie wollte sich nicht schämen für den Mann an ihrer Seite. Und noch schlimmer, sie schämte sich, dass sie sich schämte. So war sie doch garnicht? Hätte sie sich für eine ihrer Schwestern geschämt? Nein! Niemals. Warum war es dann in Herzensdingen anders? Es gefiel ihr nicht, so ganz und garnicht.
Nur ein Schluck Wasser.
Damit machte sie sich wieder auf, stieg die Treppen empor, um in ihre eigene Falle zu tappen. Die Frau die ihr aus dem Spiegel entgegen blickte, war von Müdigkeit gezeichnet, sie trug noch das Kleid des Vortages, sie wirkte blass im kalten Mondlicht, aus den dunklen Augen sprach Erschöpfung, die nicht nur körperlicher Art war, es machte sie älter als sie tatsächlich an Jahren war. "Der Spiegel offenbart dir nur was du zu sehen bereit bist" mahnten die roten Lettern, eingefasst von Weinranken. Wie passend! Erneut setzte sie das Glas Wasser an die Lippen, es leerend.
Nur ein Schluck Wasser.
Ihr Blick blieb dabei auf der Frau im Spiegel haften, deren Züge sich augenblicklich glätteten, als hätte man einer Pflanze das langersehnte Wasser gespendet. So wechselte Müdigkeit zu Frische, Haare wurden belebt und Blässe wich einer gesunden Hautfarbe und rosigen Lippen. Lediglich das Kleid des Vortages blieb. Sie drückte das leere Glas zu fest in ihrer Hand und hastig schob sie es auf die Anrichte, wo es über jene rutschte, die Kante hinab stürzte und zersprang. Betrug. Sie drängte sich am Spiegel vorbei. Sie würde den Rest der Nacht auf der Sumpfinsel verbringen.
Nur ein Schluck Wasser.
Ihr Blick fiel dabei auf den Treppenabsatz und den Spiegel den sie gestern noch dorthin geschoben hatte, damit er sein Elend mit eigenen Augen sehen konnte und auch ertragen musste. Mit dem Glas in der Hand ging sie dorthin, schob sich am Spiegel vorbei und versuchte so lautlos wie möglich hinunter zu gelangen. Sie musste sich doch versichern, dass es ihm gut ging. Ein Blick in den wieder einmal von Alkohol und Schweiss geschwängerten Raum und auf ihr Bett hinab, in dem er schlief, voller Dreck. Sie verzog ihr Gesicht. Zumindest konnte sie ihm keinen Vorwurf machen, was das Bett anging, den Vorwurf musst sie wohl Enomis machen, obwohl sie hatte es nur gut gemeint. Man konnte die Bezüge wechseln und waschen oder verbrennen. Verbrennen, ja. Und die kleine unschöne Flamme nährte sich an dem Gedanken. Er schlief. Ganz im Gegensatz zu ihr selbst. Einen momentlang drehte sie das Glas Wasser in ihrer Hand und..., aber ... nein. Stattdessen nahm sie einen weiteren Schluck davon, um das boshafte Feuer das eben in ihr aufflammte damit zu löschen.
Nur ein Schluck Wasser.
Was sollte sie nur mit ihm anfangen? Er hatte ihr doch Hoffnung gegeben, Hoffnung ihm Vertrauen zu können. Sie musste vorsichtig sein. "Kindermund tut Wahrheit kund" Gleiches galt für Betrunkene. Wie oft war er nun mehr als nur Betrunken gewesen? Zweimal hatte sie sich schon für ihn entschuldigt. Peinlich. Sie hatte sich für ihn geschämt. Das wollte sie nicht. Sie wollte sich nicht schämen für den Mann an ihrer Seite. Und noch schlimmer, sie schämte sich, dass sie sich schämte. So war sie doch garnicht? Hätte sie sich für eine ihrer Schwestern geschämt? Nein! Niemals. Warum war es dann in Herzensdingen anders? Es gefiel ihr nicht, so ganz und garnicht.
Nur ein Schluck Wasser.
Damit machte sie sich wieder auf, stieg die Treppen empor, um in ihre eigene Falle zu tappen. Die Frau die ihr aus dem Spiegel entgegen blickte, war von Müdigkeit gezeichnet, sie trug noch das Kleid des Vortages, sie wirkte blass im kalten Mondlicht, aus den dunklen Augen sprach Erschöpfung, die nicht nur körperlicher Art war, es machte sie älter als sie tatsächlich an Jahren war. "Der Spiegel offenbart dir nur was du zu sehen bereit bist" mahnten die roten Lettern, eingefasst von Weinranken. Wie passend! Erneut setzte sie das Glas Wasser an die Lippen, es leerend.
Nur ein Schluck Wasser.
Ihr Blick blieb dabei auf der Frau im Spiegel haften, deren Züge sich augenblicklich glätteten, als hätte man einer Pflanze das langersehnte Wasser gespendet. So wechselte Müdigkeit zu Frische, Haare wurden belebt und Blässe wich einer gesunden Hautfarbe und rosigen Lippen. Lediglich das Kleid des Vortages blieb. Sie drückte das leere Glas zu fest in ihrer Hand und hastig schob sie es auf die Anrichte, wo es über jene rutschte, die Kante hinab stürzte und zersprang. Betrug. Sie drängte sich am Spiegel vorbei. Sie würde den Rest der Nacht auf der Sumpfinsel verbringen.
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Veehrs Usil
- Beiträge: 19
- Registriert: Freitag 20. Februar 2015, 14:14
Es fühlte sich komisch an, abends einmal einfach nur da zu sitzen, den Blick aufs Meer gerichtet, den warmen Sommerwind auf Haut und Haaren zu spüren und kein Bier in der Hand zu halten. Aber er hatte es versprochen. Und so etwas würde er nicht brechen.
Und dennoch, es fühlte sich wirklich merkwürdig an, nach all den Jahren und der Gewohnheit, abends mindestens eine Flasche Bier zu trinken, nun gänzlich ohne auszukommen. Und diese Gedanken schossen ihm gleich am ersten Abend in den Kopf.
Er redete sich ein, ihm fehle nur die Beschäftigung, etwas Sinnvolles zu tun. Und da ihm nie etwas Besseres einfiel, als in seiner freien Zeit zu trinken, tat er es eben. Ganz so, als wäre dies wohl das einzig Sinnvolle, was es zu tun gäbe auf der ganzen, weiten Welt.
Das er auch einfach ein Buch lesen könnte, das kam ihm nicht in den Sinn. Wenn er bisher las, dann, weil er etwas wissen wollte oder er es tun sollte, um sich Informationen anzueignen. Und wenn er dann etwas gelesen las, meist in den Abendstunden, wenn Dienstschluss war oder er keine Wache schieben musste, stand immer nie Glas Wein auf dem Tisch, griffbereit, meist auch viel zu schnell leer und daher auch die Flasche nicht weit weg.
Schon wieder waren seine Gedanken bei berauschenden Getränken. Konnte er denn wirklich an nichts anderes denken wie daran, sich zu besaufen?
Du bist ein Säufer!
Diese vermaledeite kleine Drecksstimme in seinem Kopf gab heute gar keine Ruhe. Wahrscheinlich gelang es ihm auch nur dieses ermahnende, tadelnde piepsen einer Stimme mit genügen Bier, Wein oder Schnaps ruhig zu stellen. Wahrscheinlich war sie jedes Mal an der schieren Menge an Alkohol darin ersoffen und bauchte einiges an Zeit, wieder bis ganz vor in sein Bewusstsein zu schwimmen.
Ein grinsen legte sich auf seine Züge, als er sich das ganze Bildlich vorstellte, wie diese kleine Stimme, nicht mehr als ein großer Kopf, ohne Augen, Nase oder Ohren, nur mit einem riesen Mund, dürren Armen und Beinen, gluckernd in einem Meer aus Bier schwamm und dann in einem Strudel verschwand.
Du bist nur ein Säufer! Ein Säufer, mehr nicht! Und los wirst du mich auch niemals!
Kaum dass die Stimme diese Drohung ausgesprochen hatte, verschwand das Biermeer, es wurde schlagartig trocken in seinen Gedanken. Tiefe schwärz breitete sich aus, es gab nichts mehr zu erkennen, ehe ein fahler Lichtschein ganz hinten in der Schwärze auftauchte und etwas beleuchtete.
Und dieses etwas kam näher, was allerdings nicht zur folge hatte, dass die Szenerie heller werden würde. Lediglich der Lichtschein blieb auf diese Gestalt gerichtet, die langsam, unaufhaltsam näher nach vorne kam und immer mehr Platz in seinem Bewusstsein einnahm. Veehrs wehrte sich, versuchte, das ganze zu verdrängen, wieder das Bild des Meeres vor Düstersee vor Augen zu bekommen, aber irgendwie konnte er sich nicht von diesem Bild lösen.
Als die Gestalt fast ganz vorne war, erkannte er, was es war. Es war dieses Männchen, das Aussehen, dass er dieser kleinen, schwachen Stimme verpasst hatte. Doch jetzt war es nicht mehr so ausdruckslos und es grinste nur gehässig in sich hinein.
Jetzt kannst du mir nicht mehr entkommen, auch nicht, wenn du wach bist!
Mit diesen Worten blieb diese jämmerliche Gestalt stehen, Augen taten sich auf, dunkle Augen, tiefe Augen, in die man eintauchte und nie wieder den Weg zurück fand. Aber es veränderte sich noch mehr, das Männchen wurde breiter, wohlgeformter, weicher, weiblicher. Es wurde zu einer Frau, mit mittellangen, blonden Haare, braunen, weichen Augen und einer Silhouette, die ihm wohl bekannt war. Er meinte gar, dass er ihren Duft wahrnehmen würde.
Na, erkennst du mich noch, Wachmann?
Sogar ihre Stimme hatte dieses… Unding? Bestie? Gewissen? Er fand keinen Namen für das, was nun damit beginnen wollte, ihm richtige Qualen zu bereiten. Natürlich erkannte er diese Frau, Rosana. Wie hätte er die Dirne je vergessen können. Sie oder die Stunden, die sie nur mit reden zubrachten und er ihr dafür die Münzen zusteckte, die sie mit ihrer eigentlichen Arbeit hätte verdienen können.
Oder ist dir mein Bild so eher in Erinnerung geblieben?
Schon wieder veränderte sich diese Erscheinung, die Frau wurde blasser, fahler, es schien, als wäre jegliches Leben aus ihr gewichen, denn auch ihre Augen wurden trüber, zeigten keinen Ausdruck mehr und dann… öffnete sich ihr Hals, Blut trat aus und lief ihren Körper hinab, durchtränke ihre Kleider und wie eine Puppe hin sie nun im schwarzen nichts, lediglich durch den feinen Lichtstrahl beleuchtet.
Ohne Vorwarnung zuckt ihr Kopf hoch, ihre Augen starrten voran und ihr Gesicht nahm einen flehenden, gequälten und fordernden Ausdruck an. Die leeren, durch einen feinen Schleier überlagerten Augen, bohrten sich tief in seinen Kopf und er fühlte Schmerz, tiefe Betroffenheit, Kummer und Scham.
Warum hast du mich nicht beschützt, wie du es versprochen hast? Wo warst du, als man mir den Hals aufschnitt und ich mein Leben lassen musste?
Er wollte etwas erwidern, doch konnte er nicht. Seine Stimme versagte, die Worte blieben im Halse stecken und weitere Bilder flammten in seinem Kopf auf. Er sah sich, auf seinem Wachposten am Tor, Rosana saß wie immer neben ihm, sie unterhielten sich, es war spät. Die anderen Damen, die demselben Handwerk nachgingen, strömten gemächlich aus allen Richtungen zum Tor des Lagers. Man sammelte sich, plauderte frei und gelöst.
Als alle anwesend waren, eine Zahle zwischen acht und zehn, gingen sie los. Auch Rosana verabschiedete sich von Veehrs, ging mit den anderen den Weg zurück in das nahe, kleine Städtchen. Und würden dort nie ankommen.
Am nächsten Tag war Veehrs zur Patrouille eingeteilt, ritt mi vier anderen aus, die nahe Umgebung auszukundschaften. Es drangen Berichte ins Lager, wonach der Feind kleine Trupps über die Grenze geschickt hatte. Man sollte Spuren suchen und bestenfalls einen der Trupps finden und gefangen nehmen oder ihn unschädlich machen.
Doch was sie fanden, raubte ihnen für die nächsten Nächte den Schlaf. Nicht einmal verscharrt lagen sie noch halb auf dem Weg, keine zwei Meilen weg von ihrem Lager und noch knapp eine Meile vor der kleinen Stadt. Allen hatte man die Kehle aufgeschlitzt, ihre Röcke und Kleider gerafft und so lagen sie halb entblößt da.
Die Gefühle, die er damals für sie hegte, schossen in ihm hoch, brachten sein Blut in Wallung, es wurde ihm erst heiß, dann kalt und das Bild der toten und geschändeten Frauen verschwand. Einzig Rosana blieb, blass, blutüberströmt. Doch sie veränderte sich wieder, ihre Haare wurden dunkler, schwarz, lockig, ihre Erscheinung wurde ihm schlagartig gewahr; vor sich sah er Cara.
Aber nicht die fröhliche Cara, mit ihrem immer breiten und freundlichen Lächeln. Nein, eine fahle Cara, ganz so wie Rosana aussah, als er sie das aller letzte Mal sah. Und auch ihr hatte man die Kehle aufgeschnitten.
Nun fror er wie ein Schneider. Angst schoss in ihm hoch, Angst um Cara. Ihr Gesicht verzog sie zu einer Fratze, grinste ihn an und die toten, leblosen Augen starrten ein weiteres Mal direkt in sein Herz hinein.
Auch hier wirst du wieder versagen. Du kannst sie nicht die ganze Zeit beschützen.
Cara verschwand, als sich der fahle Lichtschein auflöste, schwärze breitete sich erneut aus, ehe weitere Bilder aufflammten, von anderen Toten, die er kannte oder auch nicht. Kameraden, Freunde, Feinde. Blutüberström, aufgespießt, erschlagen und erstochen. In einer schnellen Abfolge drehten sich die Bilder um ihn herum wie ein viel zu schneller Kreisel, womit Kinder spielten.
Und mit einem Schlag – nichts. Leere, schwärze, stille.
Das, mein lieber Veehrs, war nur ein kleiner Vorgeschmack auf die vielen Bilder, die dein Kopf hergibt. Du kannst nicht entkommen, denn auch ich bin ein Teil von dir. Und ich werde dich immer dann heimsuchen, wenn du es am wenigsten erwartest oder du am glücklichsten bist. Du kannst deiner Vergangenheit nicht entkommen, auch wenn du weit gelaufen bist. Denn deine Vergangenheit steckt in dir.
Kaum hatten die Worte geendet, tauchte das Meer vor ihm wieder auf. Es war etwas dunkler geworden, die Sonne stand schon fast auf dem Horizont. Er selbst war durchgeschwitzt, seine Hände zitterten. Strähnig klebten ihn die Haare im Gesicht und er musste einen verwirrten Gesichtsausdruck in eben jenem tragen. Denn er wusste im ersten Moment nicht, wo er eigentlich war.
Doch dann klärten sich seine Gedanken wieder, seine Atmung beruhigte sich und er zupfte an seinem Hemd, das durchnässt an seinem Oberkörper klebte. Er hatte den Platz, an dem er saß, nie verlassen, er war nicht in ein Nichts getappt. Es war nur…
Nur deine Erinnerung. Und diese Erinnerungen wirst du niemals los.
Wieder erschallte die Stimme in seinem Kopf und er hielt kurz den Atem an. Das war er wohl, der Kampf, den Cara meinte, den er selbst ausfechten musste, und bei dem ihm niemand beistehen konnte. Ein Kampf ohne Waffen, bei dem man jedoch sterben konnte. Entweder, in dem man sein Leben verlor oder den Verstand.
Schöne Aussichten. Aber würde er nicht kämpfen, würde es seinen Verstand kosten. Würde er kämpfen, kostete es ihn vielleicht beides, Verstand und Leben. Und doch, so gering auch die Chance auf einen Sieg stand, wenn er nicht kämpfen würde, hätte er schon verloren. Das war ihm mehr als nur klar.
Ihm war eigentlich nicht mehr nach kämpfen, dass hatte ihm die Bilder in seinem Kopf schon klar gemacht. Aber was sollte er tun? Er hatte nie etwas anderes gelernt, es war sein Schicksal, zu kämpfen. Also würde er wieder und wieder in den Kampf ziehen, mit erhobenen Waffen, gesenkten Kopf und wehenden Fahnen, zur Not bis in den Tod.
Und er würde keinen Schluck mehr anrühren, bis dies ausgestanden war. Er nahm die Herausforderung an, stellte sich dem Kampf und würde ihn fechten, bis zum Ende. Bis zu seinem Ende.
Und dennoch, es fühlte sich wirklich merkwürdig an, nach all den Jahren und der Gewohnheit, abends mindestens eine Flasche Bier zu trinken, nun gänzlich ohne auszukommen. Und diese Gedanken schossen ihm gleich am ersten Abend in den Kopf.
Er redete sich ein, ihm fehle nur die Beschäftigung, etwas Sinnvolles zu tun. Und da ihm nie etwas Besseres einfiel, als in seiner freien Zeit zu trinken, tat er es eben. Ganz so, als wäre dies wohl das einzig Sinnvolle, was es zu tun gäbe auf der ganzen, weiten Welt.
Das er auch einfach ein Buch lesen könnte, das kam ihm nicht in den Sinn. Wenn er bisher las, dann, weil er etwas wissen wollte oder er es tun sollte, um sich Informationen anzueignen. Und wenn er dann etwas gelesen las, meist in den Abendstunden, wenn Dienstschluss war oder er keine Wache schieben musste, stand immer nie Glas Wein auf dem Tisch, griffbereit, meist auch viel zu schnell leer und daher auch die Flasche nicht weit weg.
Schon wieder waren seine Gedanken bei berauschenden Getränken. Konnte er denn wirklich an nichts anderes denken wie daran, sich zu besaufen?
Du bist ein Säufer!
Diese vermaledeite kleine Drecksstimme in seinem Kopf gab heute gar keine Ruhe. Wahrscheinlich gelang es ihm auch nur dieses ermahnende, tadelnde piepsen einer Stimme mit genügen Bier, Wein oder Schnaps ruhig zu stellen. Wahrscheinlich war sie jedes Mal an der schieren Menge an Alkohol darin ersoffen und bauchte einiges an Zeit, wieder bis ganz vor in sein Bewusstsein zu schwimmen.
Ein grinsen legte sich auf seine Züge, als er sich das ganze Bildlich vorstellte, wie diese kleine Stimme, nicht mehr als ein großer Kopf, ohne Augen, Nase oder Ohren, nur mit einem riesen Mund, dürren Armen und Beinen, gluckernd in einem Meer aus Bier schwamm und dann in einem Strudel verschwand.
Du bist nur ein Säufer! Ein Säufer, mehr nicht! Und los wirst du mich auch niemals!
Kaum dass die Stimme diese Drohung ausgesprochen hatte, verschwand das Biermeer, es wurde schlagartig trocken in seinen Gedanken. Tiefe schwärz breitete sich aus, es gab nichts mehr zu erkennen, ehe ein fahler Lichtschein ganz hinten in der Schwärze auftauchte und etwas beleuchtete.
Und dieses etwas kam näher, was allerdings nicht zur folge hatte, dass die Szenerie heller werden würde. Lediglich der Lichtschein blieb auf diese Gestalt gerichtet, die langsam, unaufhaltsam näher nach vorne kam und immer mehr Platz in seinem Bewusstsein einnahm. Veehrs wehrte sich, versuchte, das ganze zu verdrängen, wieder das Bild des Meeres vor Düstersee vor Augen zu bekommen, aber irgendwie konnte er sich nicht von diesem Bild lösen.
Als die Gestalt fast ganz vorne war, erkannte er, was es war. Es war dieses Männchen, das Aussehen, dass er dieser kleinen, schwachen Stimme verpasst hatte. Doch jetzt war es nicht mehr so ausdruckslos und es grinste nur gehässig in sich hinein.
Jetzt kannst du mir nicht mehr entkommen, auch nicht, wenn du wach bist!
Mit diesen Worten blieb diese jämmerliche Gestalt stehen, Augen taten sich auf, dunkle Augen, tiefe Augen, in die man eintauchte und nie wieder den Weg zurück fand. Aber es veränderte sich noch mehr, das Männchen wurde breiter, wohlgeformter, weicher, weiblicher. Es wurde zu einer Frau, mit mittellangen, blonden Haare, braunen, weichen Augen und einer Silhouette, die ihm wohl bekannt war. Er meinte gar, dass er ihren Duft wahrnehmen würde.
Na, erkennst du mich noch, Wachmann?
Sogar ihre Stimme hatte dieses… Unding? Bestie? Gewissen? Er fand keinen Namen für das, was nun damit beginnen wollte, ihm richtige Qualen zu bereiten. Natürlich erkannte er diese Frau, Rosana. Wie hätte er die Dirne je vergessen können. Sie oder die Stunden, die sie nur mit reden zubrachten und er ihr dafür die Münzen zusteckte, die sie mit ihrer eigentlichen Arbeit hätte verdienen können.
Oder ist dir mein Bild so eher in Erinnerung geblieben?
Schon wieder veränderte sich diese Erscheinung, die Frau wurde blasser, fahler, es schien, als wäre jegliches Leben aus ihr gewichen, denn auch ihre Augen wurden trüber, zeigten keinen Ausdruck mehr und dann… öffnete sich ihr Hals, Blut trat aus und lief ihren Körper hinab, durchtränke ihre Kleider und wie eine Puppe hin sie nun im schwarzen nichts, lediglich durch den feinen Lichtstrahl beleuchtet.
Ohne Vorwarnung zuckt ihr Kopf hoch, ihre Augen starrten voran und ihr Gesicht nahm einen flehenden, gequälten und fordernden Ausdruck an. Die leeren, durch einen feinen Schleier überlagerten Augen, bohrten sich tief in seinen Kopf und er fühlte Schmerz, tiefe Betroffenheit, Kummer und Scham.
Warum hast du mich nicht beschützt, wie du es versprochen hast? Wo warst du, als man mir den Hals aufschnitt und ich mein Leben lassen musste?
Er wollte etwas erwidern, doch konnte er nicht. Seine Stimme versagte, die Worte blieben im Halse stecken und weitere Bilder flammten in seinem Kopf auf. Er sah sich, auf seinem Wachposten am Tor, Rosana saß wie immer neben ihm, sie unterhielten sich, es war spät. Die anderen Damen, die demselben Handwerk nachgingen, strömten gemächlich aus allen Richtungen zum Tor des Lagers. Man sammelte sich, plauderte frei und gelöst.
Als alle anwesend waren, eine Zahle zwischen acht und zehn, gingen sie los. Auch Rosana verabschiedete sich von Veehrs, ging mit den anderen den Weg zurück in das nahe, kleine Städtchen. Und würden dort nie ankommen.
Am nächsten Tag war Veehrs zur Patrouille eingeteilt, ritt mi vier anderen aus, die nahe Umgebung auszukundschaften. Es drangen Berichte ins Lager, wonach der Feind kleine Trupps über die Grenze geschickt hatte. Man sollte Spuren suchen und bestenfalls einen der Trupps finden und gefangen nehmen oder ihn unschädlich machen.
Doch was sie fanden, raubte ihnen für die nächsten Nächte den Schlaf. Nicht einmal verscharrt lagen sie noch halb auf dem Weg, keine zwei Meilen weg von ihrem Lager und noch knapp eine Meile vor der kleinen Stadt. Allen hatte man die Kehle aufgeschlitzt, ihre Röcke und Kleider gerafft und so lagen sie halb entblößt da.
Die Gefühle, die er damals für sie hegte, schossen in ihm hoch, brachten sein Blut in Wallung, es wurde ihm erst heiß, dann kalt und das Bild der toten und geschändeten Frauen verschwand. Einzig Rosana blieb, blass, blutüberströmt. Doch sie veränderte sich wieder, ihre Haare wurden dunkler, schwarz, lockig, ihre Erscheinung wurde ihm schlagartig gewahr; vor sich sah er Cara.
Aber nicht die fröhliche Cara, mit ihrem immer breiten und freundlichen Lächeln. Nein, eine fahle Cara, ganz so wie Rosana aussah, als er sie das aller letzte Mal sah. Und auch ihr hatte man die Kehle aufgeschnitten.
Nun fror er wie ein Schneider. Angst schoss in ihm hoch, Angst um Cara. Ihr Gesicht verzog sie zu einer Fratze, grinste ihn an und die toten, leblosen Augen starrten ein weiteres Mal direkt in sein Herz hinein.
Auch hier wirst du wieder versagen. Du kannst sie nicht die ganze Zeit beschützen.
Cara verschwand, als sich der fahle Lichtschein auflöste, schwärze breitete sich erneut aus, ehe weitere Bilder aufflammten, von anderen Toten, die er kannte oder auch nicht. Kameraden, Freunde, Feinde. Blutüberström, aufgespießt, erschlagen und erstochen. In einer schnellen Abfolge drehten sich die Bilder um ihn herum wie ein viel zu schneller Kreisel, womit Kinder spielten.
Und mit einem Schlag – nichts. Leere, schwärze, stille.
Das, mein lieber Veehrs, war nur ein kleiner Vorgeschmack auf die vielen Bilder, die dein Kopf hergibt. Du kannst nicht entkommen, denn auch ich bin ein Teil von dir. Und ich werde dich immer dann heimsuchen, wenn du es am wenigsten erwartest oder du am glücklichsten bist. Du kannst deiner Vergangenheit nicht entkommen, auch wenn du weit gelaufen bist. Denn deine Vergangenheit steckt in dir.
Kaum hatten die Worte geendet, tauchte das Meer vor ihm wieder auf. Es war etwas dunkler geworden, die Sonne stand schon fast auf dem Horizont. Er selbst war durchgeschwitzt, seine Hände zitterten. Strähnig klebten ihn die Haare im Gesicht und er musste einen verwirrten Gesichtsausdruck in eben jenem tragen. Denn er wusste im ersten Moment nicht, wo er eigentlich war.
Doch dann klärten sich seine Gedanken wieder, seine Atmung beruhigte sich und er zupfte an seinem Hemd, das durchnässt an seinem Oberkörper klebte. Er hatte den Platz, an dem er saß, nie verlassen, er war nicht in ein Nichts getappt. Es war nur…
Nur deine Erinnerung. Und diese Erinnerungen wirst du niemals los.
Wieder erschallte die Stimme in seinem Kopf und er hielt kurz den Atem an. Das war er wohl, der Kampf, den Cara meinte, den er selbst ausfechten musste, und bei dem ihm niemand beistehen konnte. Ein Kampf ohne Waffen, bei dem man jedoch sterben konnte. Entweder, in dem man sein Leben verlor oder den Verstand.
Schöne Aussichten. Aber würde er nicht kämpfen, würde es seinen Verstand kosten. Würde er kämpfen, kostete es ihn vielleicht beides, Verstand und Leben. Und doch, so gering auch die Chance auf einen Sieg stand, wenn er nicht kämpfen würde, hätte er schon verloren. Das war ihm mehr als nur klar.
Ihm war eigentlich nicht mehr nach kämpfen, dass hatte ihm die Bilder in seinem Kopf schon klar gemacht. Aber was sollte er tun? Er hatte nie etwas anderes gelernt, es war sein Schicksal, zu kämpfen. Also würde er wieder und wieder in den Kampf ziehen, mit erhobenen Waffen, gesenkten Kopf und wehenden Fahnen, zur Not bis in den Tod.
Und er würde keinen Schluck mehr anrühren, bis dies ausgestanden war. Er nahm die Herausforderung an, stellte sich dem Kampf und würde ihn fechten, bis zum Ende. Bis zu seinem Ende.
- Cara DelMur
- Beiträge: 891
- Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20
Unerwartet. Sie war selbst über sich erstaunt wie sie auf ihn reagiert hatte.
Sarkasmus. "Du kennst ja den Weg, falls du dich noch daran erinnerst". Sie hätte sich am liebsten selbst dafür geohrfeigt. Das war sie nicht, so wollte sie nicht sein. Das die Kerle immer derartiges in ihr herauf beschworen!
Aber sie hatte Stärke bewiesen. Sie musste es, für ihn. Am Ende hatte sie dennoch gezögert. Hoffentlich würde es reichen.
[img]http://fs2.directupload.net/images/150624/j338yhjh.jpg[/img]
Da sass sie nun, liess ihre Hand über die verschiedenen Kräuter und Wurzeln gleiten und traf ihre Auswahl.
Mondwurz.... nur die Wurzeln... er war ja keine Katze....hm.
Hopfen... wie sinnig... hm.
Schwindelkraut.... der Duft konnte vermutlich selbst Krathor vertreiben, sässe man auf einen Lavendelstock.... hm.
Behände verrichtete sie ihr Werk und befüllte das Kräutersäckchen. Sie würde es unter sein Kissen legen, damit sich sein Leib entspannen und der Schlaf zu ihm finden konnte.
Nicht genug.
Erneut schwebte ihre Hand über die bunte Vielfalt. Erneut wurde einiges heraus gezupft und fand seinen Weg in die Mörserschale. Sie würde ihm noch eine Tinktur mischen, die er tropfenweise zu sich nehmen konnte.
Besenkraut.... für die Reise....
Melissenblätter... hinein und darüber hinaus...
und einige Blätter der blauen Kletterblume..... keine Angst...
Während sie das Öl abfüllte und mit einem Korken die Phiole verschloss, flossen ihre Gedanken zu dem Mann hin, für welchen jenes bestimmt war. Ihre Nase kribbelte, hatte sie da unbewusst zum Nieswurz gegriffen. Ein Blick zu Kröti hinüber, als müsse sie sich rechtfertigen. Was denn? Ich habe ja nicht! Jetzt schau nicht so!
Sarkasmus. "Du kennst ja den Weg, falls du dich noch daran erinnerst". Sie hätte sich am liebsten selbst dafür geohrfeigt. Das war sie nicht, so wollte sie nicht sein. Das die Kerle immer derartiges in ihr herauf beschworen!
Aber sie hatte Stärke bewiesen. Sie musste es, für ihn. Am Ende hatte sie dennoch gezögert. Hoffentlich würde es reichen.
[img]http://fs2.directupload.net/images/150624/j338yhjh.jpg[/img]
Da sass sie nun, liess ihre Hand über die verschiedenen Kräuter und Wurzeln gleiten und traf ihre Auswahl.
Mondwurz.... nur die Wurzeln... er war ja keine Katze....hm.
Hopfen... wie sinnig... hm.
Schwindelkraut.... der Duft konnte vermutlich selbst Krathor vertreiben, sässe man auf einen Lavendelstock.... hm.
Behände verrichtete sie ihr Werk und befüllte das Kräutersäckchen. Sie würde es unter sein Kissen legen, damit sich sein Leib entspannen und der Schlaf zu ihm finden konnte.
Nicht genug.
Erneut schwebte ihre Hand über die bunte Vielfalt. Erneut wurde einiges heraus gezupft und fand seinen Weg in die Mörserschale. Sie würde ihm noch eine Tinktur mischen, die er tropfenweise zu sich nehmen konnte.
Besenkraut.... für die Reise....
Melissenblätter... hinein und darüber hinaus...
und einige Blätter der blauen Kletterblume..... keine Angst...
Während sie das Öl abfüllte und mit einem Korken die Phiole verschloss, flossen ihre Gedanken zu dem Mann hin, für welchen jenes bestimmt war. Ihre Nase kribbelte, hatte sie da unbewusst zum Nieswurz gegriffen. Ein Blick zu Kröti hinüber, als müsse sie sich rechtfertigen. Was denn? Ich habe ja nicht! Jetzt schau nicht so!
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Liska Erlengrund
„Ich kenn die Sucht... die Macht der inneren Stimme. Und wenn du jahrelang da dran hängst, ist es noch schwerer...“
Kein Buch der Welt würde ihr helfen in diesem Moment. Keine Zeile ihr erklären, was das Beste nun wäre. Sie wusste, wie es damals bei ihr war, aber genauso war sie sich dessen bewusst, dass jeder seine Gründe hatte.
Cara meinte, er würde Dinge verdrängen. Erinnerungen, die er am liebsten gänzlich vergessen will... Es war jene Art von Sucht, die eigentlich kein Entrinnen zuließ. Nur der härteste Wille hatte eine wesentliche Aussicht auf Erfolg, aus diesem Kreis zu entrinnen. So aber, mit all der Hoffnungslosigkeit, würde der Kreis sich immer enger schliessen. So weit, bis nicht nur eine Person daran zerbrechen würde.
Sie hatte Cara an einem Nachmittag getroffen, verkatert und hoffnungslos übermüdet. Und doch wusste der Rotschopf, dass es nur ein seltener Anblick war, den sie in diesem Moment auf sich wirken ließ. Dass das anfängliche Necken in ein ernstes Gespräch über den Alkohol gehen würde, hatte sie schlichtweg nicht erwartet. Die Gründe lagen klar auf der Hand: Der Mann, der Cara etwas bedeutete, hatte ein Problem. Ein nicht unwesentliches Problem.
„Wie schlimm?
„Jahrelang... Ich habe ihn schon zweimal vom Boden aufgekratzt... und ich schäme mich dafür, dass ich mich dafür geschämt habe.“
„Ist er sich dessen wenigstens bewusst?“
„Ja, er will es lassen.“
„Wird er nicht Cara. Nicht, wenn er grundlegend alles ändert.
Die Sorge um ihre Schwester war größer als die Sorge um den Abstieg Veehrs. Die jüngste Erinnerung an den Kerl war nicht von guter Natur geprägt worden durch dessen Verhalten. Merkmale, die man auf Entzugserscheinungen schieben konnte... oder auf einen neuen Rausch. Sie kannte die Merkmale zu gut, viel zu gut, sodass sie das ausschliessen konnte. Der Blick war klar gewesen, keine Fahne hatte sich an ihn angeheftet.
Sie wollte Cara so gern beschützen. Nur das Wie schob sich deutlich in ihre Gedanken, wog auf und ab mit Für und Wider. Sicherlich könnte sie zum Ritter, ihm berichten. Würde dies helfen? Er hatte ihr den Weg ebnen können aus dem Ganzen, aus dem endlosen Kreisel der Versuchung. Sie kannte immer noch die schlechten Tage und die flüsternde Stimme. Das Locken und die Vorstellung des Genusses, der die Kehle hinabrinnt... doch der Kopf war klar genug, um zu widerstehen. Der Kampf mit ihrem inneren Dämon war schon lange keiner mehr, weil sie schlichtweg jenen ignorierte. Doch Veehrs? Er stand noch ganz am Anfang. Und das weitaus mit schwierigeren Bedingungen als sie jemals hatte.
Sie konnte nur hoffen. Darauf, dass bestimmte Dinge ihren Lauf nahmen. Inständig hoffte sie, dass Cara ihren Ratschlag annehmen und ihrem Gefährten die Beschaffung des Alkohols erschweren würde.
„Du solltest einfach allen Alkohol aus dem Haus verbannen und dafür sorgen, dass er keinen bekommt.“
Kalter Entzug. Ablenkung. Körperliches Bewegen. Sie hatte ihr alles von sich erzählt, wie sie die Tage dann verbracht hatte. Studium. Lernen. Schreiben. Geistige und körperliche Betätigung. Dinge, die ablenkten, bis der Abend kam. Und jenen konnte man schlichtweg aushalten. Nicht mehr und nicht weniger. Sie hatte es vermieden, Cara zu erzählen, wie wütend sie manchen Abend gewesen war, wie gern sie mal Bücher an die Wand geworfen hatte oder aus der Stadt hinausgegangen war, um mit ihren Kräften Feuerbälle in die Wellen zu werfen. Die Wut war das Schlimmste in einem. Die Wut über die eigene Unfähigkeit. Wut darüber, dass man so sehr etwas wollte, dass es in einem schmerzte. Oh ja, der Abend war die schlimmste Zeit. So lange, bis der Schlaf endlich einen fand und für einige wenige Momente Ruhe brachte.
Was auch immer das Richtige war, selbst sie musste nun Entscheidungen in dieser Situation treffen. Würde sie dem Ritter etwas stecken? Oder wäre ein Gespräch mit Veehrs sinniger, wenn sie ihm in Ruhe erklärte, wie es damals bei ihr war?
Und was, wenn alles nichts brachte? Lohnte es wirklich, weiter zu gehen als des menschlich möglichen? Cara und sie hatten auch darüber gesprochen, doch die Unsicherheit wog in ihr hin und her bei dieser Option. War es das wert?
„Wenn er sich nicht retten will, dann kannst du das auch nicht. Klar? Es ist nicht deine Schuld. Du kannst ihm helfen, aber nicht ihn retten... Das muss er schon selbst.
Kein Buch der Welt würde zeigen können, ob Veehrs diesen Kampf gewinnen würde. Einzig das Kartendeck, das sie für diese Frage weiterhin unangetastet ließ, hätte ihr vielleicht Antworten gegeben. Doch sie fürchtete die Antwort; sie hatte Caras Angst gesehen, die Sorge in ihrem Blick. Es musste etwas an diesem Mann sein, dass man alles ausprobieren würde. Und wenn die natürlichen Pfade nicht halfen, so war es sicherlich Schicksal, dass Veehrs sich Cara ausgesucht hatte. Nicht nur der Liebe wegen, sondern auch seiner Genesung.
Die Schwester in ihr war bereit, jede Hilfe anzubieten. Und wenn es sein müsste, würde sie auch für Cara weiter gehen. Viel weiter...
Kein Buch der Welt würde ihr helfen in diesem Moment. Keine Zeile ihr erklären, was das Beste nun wäre. Sie wusste, wie es damals bei ihr war, aber genauso war sie sich dessen bewusst, dass jeder seine Gründe hatte.
Cara meinte, er würde Dinge verdrängen. Erinnerungen, die er am liebsten gänzlich vergessen will... Es war jene Art von Sucht, die eigentlich kein Entrinnen zuließ. Nur der härteste Wille hatte eine wesentliche Aussicht auf Erfolg, aus diesem Kreis zu entrinnen. So aber, mit all der Hoffnungslosigkeit, würde der Kreis sich immer enger schliessen. So weit, bis nicht nur eine Person daran zerbrechen würde.
Sie hatte Cara an einem Nachmittag getroffen, verkatert und hoffnungslos übermüdet. Und doch wusste der Rotschopf, dass es nur ein seltener Anblick war, den sie in diesem Moment auf sich wirken ließ. Dass das anfängliche Necken in ein ernstes Gespräch über den Alkohol gehen würde, hatte sie schlichtweg nicht erwartet. Die Gründe lagen klar auf der Hand: Der Mann, der Cara etwas bedeutete, hatte ein Problem. Ein nicht unwesentliches Problem.
„Wie schlimm?
„Jahrelang... Ich habe ihn schon zweimal vom Boden aufgekratzt... und ich schäme mich dafür, dass ich mich dafür geschämt habe.“
„Ist er sich dessen wenigstens bewusst?“
„Ja, er will es lassen.“
„Wird er nicht Cara. Nicht, wenn er grundlegend alles ändert.
Die Sorge um ihre Schwester war größer als die Sorge um den Abstieg Veehrs. Die jüngste Erinnerung an den Kerl war nicht von guter Natur geprägt worden durch dessen Verhalten. Merkmale, die man auf Entzugserscheinungen schieben konnte... oder auf einen neuen Rausch. Sie kannte die Merkmale zu gut, viel zu gut, sodass sie das ausschliessen konnte. Der Blick war klar gewesen, keine Fahne hatte sich an ihn angeheftet.
Sie wollte Cara so gern beschützen. Nur das Wie schob sich deutlich in ihre Gedanken, wog auf und ab mit Für und Wider. Sicherlich könnte sie zum Ritter, ihm berichten. Würde dies helfen? Er hatte ihr den Weg ebnen können aus dem Ganzen, aus dem endlosen Kreisel der Versuchung. Sie kannte immer noch die schlechten Tage und die flüsternde Stimme. Das Locken und die Vorstellung des Genusses, der die Kehle hinabrinnt... doch der Kopf war klar genug, um zu widerstehen. Der Kampf mit ihrem inneren Dämon war schon lange keiner mehr, weil sie schlichtweg jenen ignorierte. Doch Veehrs? Er stand noch ganz am Anfang. Und das weitaus mit schwierigeren Bedingungen als sie jemals hatte.
Sie konnte nur hoffen. Darauf, dass bestimmte Dinge ihren Lauf nahmen. Inständig hoffte sie, dass Cara ihren Ratschlag annehmen und ihrem Gefährten die Beschaffung des Alkohols erschweren würde.
„Du solltest einfach allen Alkohol aus dem Haus verbannen und dafür sorgen, dass er keinen bekommt.“
Kalter Entzug. Ablenkung. Körperliches Bewegen. Sie hatte ihr alles von sich erzählt, wie sie die Tage dann verbracht hatte. Studium. Lernen. Schreiben. Geistige und körperliche Betätigung. Dinge, die ablenkten, bis der Abend kam. Und jenen konnte man schlichtweg aushalten. Nicht mehr und nicht weniger. Sie hatte es vermieden, Cara zu erzählen, wie wütend sie manchen Abend gewesen war, wie gern sie mal Bücher an die Wand geworfen hatte oder aus der Stadt hinausgegangen war, um mit ihren Kräften Feuerbälle in die Wellen zu werfen. Die Wut war das Schlimmste in einem. Die Wut über die eigene Unfähigkeit. Wut darüber, dass man so sehr etwas wollte, dass es in einem schmerzte. Oh ja, der Abend war die schlimmste Zeit. So lange, bis der Schlaf endlich einen fand und für einige wenige Momente Ruhe brachte.
Was auch immer das Richtige war, selbst sie musste nun Entscheidungen in dieser Situation treffen. Würde sie dem Ritter etwas stecken? Oder wäre ein Gespräch mit Veehrs sinniger, wenn sie ihm in Ruhe erklärte, wie es damals bei ihr war?
Und was, wenn alles nichts brachte? Lohnte es wirklich, weiter zu gehen als des menschlich möglichen? Cara und sie hatten auch darüber gesprochen, doch die Unsicherheit wog in ihr hin und her bei dieser Option. War es das wert?
„Wenn er sich nicht retten will, dann kannst du das auch nicht. Klar? Es ist nicht deine Schuld. Du kannst ihm helfen, aber nicht ihn retten... Das muss er schon selbst.
Kein Buch der Welt würde zeigen können, ob Veehrs diesen Kampf gewinnen würde. Einzig das Kartendeck, das sie für diese Frage weiterhin unangetastet ließ, hätte ihr vielleicht Antworten gegeben. Doch sie fürchtete die Antwort; sie hatte Caras Angst gesehen, die Sorge in ihrem Blick. Es musste etwas an diesem Mann sein, dass man alles ausprobieren würde. Und wenn die natürlichen Pfade nicht halfen, so war es sicherlich Schicksal, dass Veehrs sich Cara ausgesucht hatte. Nicht nur der Liebe wegen, sondern auch seiner Genesung.
Die Schwester in ihr war bereit, jede Hilfe anzubieten. Und wenn es sein müsste, würde sie auch für Cara weiter gehen. Viel weiter...
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Veehrs Usil
- Beiträge: 19
- Registriert: Freitag 20. Februar 2015, 14:14
Schweißgebadet lag er auf der Hängematte im Keller, wo es eigentlich kühl war. Im Vergleich zu den Temperaturen, die zu dieser Jahreszeit im Freien herrschten. Und doch rann ihm der Schweiß in Strömen über den Körper. Er fühlte sich, als läge er auf einem Gitterrost und unter ihm würde irgendwer ein großes Feuer schüren, um alles aus ihm heraus zu brennen.
Seine Hände zitterten seit Tagen. Von morgens bis abends. Er konnte sie einfach nicht ruhig halten, war drauf und dran, sogar das Wasser zu verschütten, das er begonnen hatte, zu trinken. Und über seine gereizte Stimmung wollte er erst gar nicht nachdenken.
Cara war mehr als reserviert. Sie hatte ihn gemieden, was er ihr nicht einmal verdenken konnte. Immerhin kam sie heute Nacht wieder hinab und schlief sogar bei ihm in der Hängematte. Das Bett hatten beide wohl seit Tagen nicht mehr gesehen.
Sie sah mitgenommen aus, völlig erschöpft und… älter. Er tat ihr nicht gut. Das war ihm klar. Und das hatte sie nicht verdient.
Ach, kommst du endlich zur Einsicht?
Veehrs starrt erschrocken an die Decke. Es konnte doch eigentlich nicht sein. Sein Blick ging durch das halbdunkel des Raumes, doch er konnte nichts erkennen. Er hatte diese Stimme doch seit Tagen nicht mehr vernommen. Seit er wieder schlief und soweit ausgeruht war, hatte er ruhige Tage verlebt.
Ausgeruht? Sieht man so ausgeruht aus? Du bist ein Frack, Veehrs. Ein Frack! Und du wirst mich niemals los!
Von der Treppe her löste sich ein Schatten und kam auf ihn zu. Langsam, mit bedacht, durchsichtig und doch wieder nicht. Doch mit jedem Schritt, den der Schatten näher kam, festigte sich seine Gestalt. Sie bekam menschliche Züge, Haare, trug wohl eine Rüstung und ein Schwert. Und all das kam Veehrs so verdammt vertraut vor.
Und dann durchzuckte es ihn wie einen Blitzschlag. Oberst Daarsoon. Die Bestie von Trariel. Der Schlächter von Zusdar. Der Mörder seiner eigenen Armee. Und sein direkter Vorgesetzter.
Veehrs sträubte sich, wollte aufstehen, doch lag fest wie ein Stein in der Hängematte, als Daarsoon langsam näher trat und sich über sein Gesicht beugte. Sein Atem stank wieder nach Wein und Rauchkraut, seine Zähne gelblich braun wie eh und je. Und leis, aber so kalt wie der eisige Nordwind, war seine Stimme, die zu ihm sprach.
Du dachtest doch nicht, dass du dich vor mir verstecken könntest, Vääährs?
Er sprach seinen Namen immer noch so ekelhaft langgezogen aus. Eine Woge des Unbehagens lief ihm über den Rücken und eine Gänsehaut bildete sich auf seinen Armen und Beinen.
Du wusstest, dass ich dich finde, nicht, Vääährs? Mir ist noch keiner entkommen!
Veehrs wollte seine Waffe packen und Daarsoon einfach erschlagen, aber er konnte sich einfach nicht rühren. Er konnte nur still da liegen und ihn anstarren. Denn selbst das Schließen der Augen war ihm nicht vergönnt.
Mit einem Ruck packte Daarsoon ihn einfach und hob ihn so leicht ein Stück von der Hängematte an, als wäre er nur ein Blatt des Birkenbaums, das rein gar nichts wog.
Dich zu töten, wie du deine Kameraden getötet hast, wäre zu einfach.
Ich habt mir die Befehle dazu gegeben!
Veehrs versuchte aufzubegehren, aber seine Stimme war so schwach wie die eines Neugeborenen.
Vääährs, Vääährs, Vääährs… Verdrehe doch die Tatsachen nicht. Jeder hat es gesehen, jeder war Zeuge. Dein Schwert schnitt in das warme Fleisch, deine Waffe war es, der ihr Blut zum Vorschein brachte.
Veehrs wollte etwas erwidern, aber mehr wie ein „A“ kam nicht mehr aus seinem Mund.
RUHE, SOLDAT! Du bist der Mörder all dieser Soldaten.
Daarsoon zeigte mit seiner rechten Hand durch den Raum und wie auf einen stummen Befehl traten weitere Schatten von den Wänden hervor und als sie näher kamen, erkannte Veehrs einen jeden von ihnen.
Da war Pandrok, ein junger Gefreiter. Er kam lediglich zu spät zurück von seinem Freigang. Wäre Daarsoon nicht da gewesen, hätte er zehn Stockhiebe auf den nackten Hintern bekommen und drei Tage lang nicht sitzen können. So aber wollte diese Bestie ein Exempel an ihm statuieren, um die Moral und den gehorsam zu festigen.
Und natürlich war es wieder an Veehrs, diese Strafe durchzuführen. Er konnte ganz klar die große, klaffende Wunde an Pandroks Hals sehen, die sein Schwert hinterließ. Sein Blut klebte ihm noch am Hals und auf dem Wappenrock und seine Augen sahen vorwurfsvoll zu ihm.
Daneben kam Lyane, eine junge Unteroffizierin. Man warf ihr Unzucht vor, sie soll ihre Untergebenen für ihre eigenen Gelüste benutzt haben. Veehrs konnte sich das nicht vorstellen, aber Daarsoon lies ihr nicht einmal die Möglichkeit, sich zu verteidigen.
Eigentlich lag auf Unzucht ein paar Tage Verschlag. Ein kleiner Holzverhau, der mitten auf dem Platz stand und auf den die Sonne den ganzen Tag lang niederbrannte. Aber auch hier reagierte Daarsoon wieder vollkommen unakzeptabel und verhängte die Todesstrafe.
Was das ganze aber immer für Veehrs am schlimmsten machte, war der Befehl, den er von Daarsoon vor den Hinrichtungen bekam. Und als könnte er seine Gedanken lesen, beugte er sich wieder über Veehrs und neben sein Ohr, leise, kalt und mit einer so großen Portion an Verachtung in der Stimme, drangen seine Worte zu ihm vor.
Wenn ich nach Freiwilligen für die Hinrichtung aufrufe, trittst du unverzüglich vor. Machst du es nicht, kannst du dich gleich daneben stellen und deine Strafe empfangen.
Wieder lief ein Schauer über seinen ganzen Körper und ihm wurde übel. Im nächsten Moment waren die Gestalten der Toten Kameraden, die durch seine Hand, seinem Schwert, starben, um ihn versammelt und ihre kalten, toten Hände griffen nach seinem Körper, zerrten, rissen. Er versuchte sich zu wehren, strampelte und…
Er fiel aus der Hängematte, schweißgebadet war sein Körper. Hastig suchte sein Körper den Raum ab. Alles leer, keine Spur von irgendwem. Es war totenstill. Seine Hände zitterten, als wäre er drauf und dran zu erfrieren.
Er musste eingeschlafen sein. Und das ohne den Trank, den Cara für ihn bereitet hatte. Das durfte ihm nicht wieder passieren. Sicherlich war es eh schon spät. Ihm war zwar nicht unbedingt nach Schlafen zu mute, nach diesem netten Traum, aber mit der Medizin würde er nicht wieder kommen.
Er tastete sich langsam vor, wacklig, unsicher, auf allen Vieren und kam zu dem kleinen Beutel, worin alles verstaut war. Seine feuchten Finger umschlossen die letzte Flasche und als er sie heraus nahm…
Er sah nur noch, wie Scherben aufstoben. Das Geräusch von berstendem Glas nahm er schon gar nicht mehr war. Wie betäubt und regungslos musste er mit ansehen, wie der letzte Tropfen der Medizin sich über den kühlen Holzboden ausbreitete und von den alten, trockenen Dielen begierig aufgesogen wurde.
Wie paralysiert saß er da, unfähig, sich zu bewegen. Er hatte Cara vergessen, um neue Flaschen zu bitten. Er hatte es hinaus geschoben, da sie im Moment eh vollkommen übermüdet schien und er ihr nicht noch mehr Arbeit aufhalsen wollte. Und jetzt…?
Kein Ausweg. Entweder wach bleiben oder wieder diese Alpträume. Die Wahl war wahrlich nicht berauschend. Er lehnte sich zurück an eines der Fässer im Keller und als er mit seinem Rücken dagegen schlug, klirrte es leise im inneren.
Verwundert darüber rappelte er sich auf und sah hinein. Ganz unten, versteckt unter dreckiger Wäsche, fand er seine eiserne Reserve, die er schon vergessen hatte. Bier, Schnaps, Wein. Eine Schnapsflasche fand den Weg in seine Hand und er betrachtete sie nachdenklich.
Nein, das konnte nicht die Lösung sein. Er hatte es Cara versprochen. Seine Hand begann aber wie auf Kommando zu zittern und die Flasche wurde schwerer. Just in diesem Moment meldete sich eine neue Stimme in seinem Kopf.
Veehrs… du willst doch schlafen… Ohne Alpträume… und du weißt, dass du es damit kannst… also ist doch nichts Schädliches daran, wenn du etwas von dem wohltuenden Saft zu dir nimmst. Er lässt dich schlafen, dich vergessen. Es ist doch nur Medizin.
Die Worte hörten sich verlockend an und doch wollte er die Flasche wieder abstellen.
Veehrs… Cara ist doch nicht da. Und sie kommt heute bestimmt nicht mehr hinunter. Ein Schluck und es wird keiner mitbekommen.
Seine Bewegung kam zum Stillstand und er betrachtete die Flasche. Wie von jemand anders geführt bewegte sich seine linke Hand zum Verschluss, umfasst ihn, drehte ihn auf und warf ihn ins Fass. Und wie als würde Veehrs neben sich stehen, sah er, wie er sich die Flasche an den Mund führte und…
Aus einem kleinen Schluck wurde ein Großer. Aus einem großen Schluck wurde rasch die erste Flasche, nach der ersten Flasche folgte die nächste. Und binnen eines Stundenlaufes war er so betrunken, dass er sich kaum auf den Beinen halten konnte und sich selbst nicht mehr unter Kontrolle habend, grölte er Sau- und Schlachtlieder im Keller einher.
Ein leises, hinterhältiges Lachen vernahm er weit aus der Ferne in seinem Kopf, aber Veehrs war einfach nicht mehr in der Lage, irgendetwas Sinnvolles zu denken oder zu tun. Sein vom Alkohol geschwängerter Atem füllte rasch die Luft des Kellers auf und torkelnd schwankte er gen Hängematte, in die er stumpf hinein fiel und recht schnell einschlief.
Ein Säufer, du bist nur ein Säufer…
Die letzte Stimme, die er in seinem Kopf vernahm, war leicht verzerrt, ihm war so, als wäre es eine Mischung aus der Stimme, die ihm immer drohte und der Stimme, die ihm nur gutes wollte. Aber er war einfach viel zu müde nun. Immerhin zitterten seine Hände nun nicht mehr.
Seine Hände zitterten seit Tagen. Von morgens bis abends. Er konnte sie einfach nicht ruhig halten, war drauf und dran, sogar das Wasser zu verschütten, das er begonnen hatte, zu trinken. Und über seine gereizte Stimmung wollte er erst gar nicht nachdenken.
Cara war mehr als reserviert. Sie hatte ihn gemieden, was er ihr nicht einmal verdenken konnte. Immerhin kam sie heute Nacht wieder hinab und schlief sogar bei ihm in der Hängematte. Das Bett hatten beide wohl seit Tagen nicht mehr gesehen.
Sie sah mitgenommen aus, völlig erschöpft und… älter. Er tat ihr nicht gut. Das war ihm klar. Und das hatte sie nicht verdient.
Ach, kommst du endlich zur Einsicht?
Veehrs starrt erschrocken an die Decke. Es konnte doch eigentlich nicht sein. Sein Blick ging durch das halbdunkel des Raumes, doch er konnte nichts erkennen. Er hatte diese Stimme doch seit Tagen nicht mehr vernommen. Seit er wieder schlief und soweit ausgeruht war, hatte er ruhige Tage verlebt.
Ausgeruht? Sieht man so ausgeruht aus? Du bist ein Frack, Veehrs. Ein Frack! Und du wirst mich niemals los!
Von der Treppe her löste sich ein Schatten und kam auf ihn zu. Langsam, mit bedacht, durchsichtig und doch wieder nicht. Doch mit jedem Schritt, den der Schatten näher kam, festigte sich seine Gestalt. Sie bekam menschliche Züge, Haare, trug wohl eine Rüstung und ein Schwert. Und all das kam Veehrs so verdammt vertraut vor.
Und dann durchzuckte es ihn wie einen Blitzschlag. Oberst Daarsoon. Die Bestie von Trariel. Der Schlächter von Zusdar. Der Mörder seiner eigenen Armee. Und sein direkter Vorgesetzter.
Veehrs sträubte sich, wollte aufstehen, doch lag fest wie ein Stein in der Hängematte, als Daarsoon langsam näher trat und sich über sein Gesicht beugte. Sein Atem stank wieder nach Wein und Rauchkraut, seine Zähne gelblich braun wie eh und je. Und leis, aber so kalt wie der eisige Nordwind, war seine Stimme, die zu ihm sprach.
Du dachtest doch nicht, dass du dich vor mir verstecken könntest, Vääährs?
Er sprach seinen Namen immer noch so ekelhaft langgezogen aus. Eine Woge des Unbehagens lief ihm über den Rücken und eine Gänsehaut bildete sich auf seinen Armen und Beinen.
Du wusstest, dass ich dich finde, nicht, Vääährs? Mir ist noch keiner entkommen!
Veehrs wollte seine Waffe packen und Daarsoon einfach erschlagen, aber er konnte sich einfach nicht rühren. Er konnte nur still da liegen und ihn anstarren. Denn selbst das Schließen der Augen war ihm nicht vergönnt.
Mit einem Ruck packte Daarsoon ihn einfach und hob ihn so leicht ein Stück von der Hängematte an, als wäre er nur ein Blatt des Birkenbaums, das rein gar nichts wog.
Dich zu töten, wie du deine Kameraden getötet hast, wäre zu einfach.
Ich habt mir die Befehle dazu gegeben!
Veehrs versuchte aufzubegehren, aber seine Stimme war so schwach wie die eines Neugeborenen.
Vääährs, Vääährs, Vääährs… Verdrehe doch die Tatsachen nicht. Jeder hat es gesehen, jeder war Zeuge. Dein Schwert schnitt in das warme Fleisch, deine Waffe war es, der ihr Blut zum Vorschein brachte.
Veehrs wollte etwas erwidern, aber mehr wie ein „A“ kam nicht mehr aus seinem Mund.
RUHE, SOLDAT! Du bist der Mörder all dieser Soldaten.
Daarsoon zeigte mit seiner rechten Hand durch den Raum und wie auf einen stummen Befehl traten weitere Schatten von den Wänden hervor und als sie näher kamen, erkannte Veehrs einen jeden von ihnen.
Da war Pandrok, ein junger Gefreiter. Er kam lediglich zu spät zurück von seinem Freigang. Wäre Daarsoon nicht da gewesen, hätte er zehn Stockhiebe auf den nackten Hintern bekommen und drei Tage lang nicht sitzen können. So aber wollte diese Bestie ein Exempel an ihm statuieren, um die Moral und den gehorsam zu festigen.
Und natürlich war es wieder an Veehrs, diese Strafe durchzuführen. Er konnte ganz klar die große, klaffende Wunde an Pandroks Hals sehen, die sein Schwert hinterließ. Sein Blut klebte ihm noch am Hals und auf dem Wappenrock und seine Augen sahen vorwurfsvoll zu ihm.
Daneben kam Lyane, eine junge Unteroffizierin. Man warf ihr Unzucht vor, sie soll ihre Untergebenen für ihre eigenen Gelüste benutzt haben. Veehrs konnte sich das nicht vorstellen, aber Daarsoon lies ihr nicht einmal die Möglichkeit, sich zu verteidigen.
Eigentlich lag auf Unzucht ein paar Tage Verschlag. Ein kleiner Holzverhau, der mitten auf dem Platz stand und auf den die Sonne den ganzen Tag lang niederbrannte. Aber auch hier reagierte Daarsoon wieder vollkommen unakzeptabel und verhängte die Todesstrafe.
Was das ganze aber immer für Veehrs am schlimmsten machte, war der Befehl, den er von Daarsoon vor den Hinrichtungen bekam. Und als könnte er seine Gedanken lesen, beugte er sich wieder über Veehrs und neben sein Ohr, leise, kalt und mit einer so großen Portion an Verachtung in der Stimme, drangen seine Worte zu ihm vor.
Wenn ich nach Freiwilligen für die Hinrichtung aufrufe, trittst du unverzüglich vor. Machst du es nicht, kannst du dich gleich daneben stellen und deine Strafe empfangen.
Wieder lief ein Schauer über seinen ganzen Körper und ihm wurde übel. Im nächsten Moment waren die Gestalten der Toten Kameraden, die durch seine Hand, seinem Schwert, starben, um ihn versammelt und ihre kalten, toten Hände griffen nach seinem Körper, zerrten, rissen. Er versuchte sich zu wehren, strampelte und…
Er fiel aus der Hängematte, schweißgebadet war sein Körper. Hastig suchte sein Körper den Raum ab. Alles leer, keine Spur von irgendwem. Es war totenstill. Seine Hände zitterten, als wäre er drauf und dran zu erfrieren.
Er musste eingeschlafen sein. Und das ohne den Trank, den Cara für ihn bereitet hatte. Das durfte ihm nicht wieder passieren. Sicherlich war es eh schon spät. Ihm war zwar nicht unbedingt nach Schlafen zu mute, nach diesem netten Traum, aber mit der Medizin würde er nicht wieder kommen.
Er tastete sich langsam vor, wacklig, unsicher, auf allen Vieren und kam zu dem kleinen Beutel, worin alles verstaut war. Seine feuchten Finger umschlossen die letzte Flasche und als er sie heraus nahm…
Er sah nur noch, wie Scherben aufstoben. Das Geräusch von berstendem Glas nahm er schon gar nicht mehr war. Wie betäubt und regungslos musste er mit ansehen, wie der letzte Tropfen der Medizin sich über den kühlen Holzboden ausbreitete und von den alten, trockenen Dielen begierig aufgesogen wurde.
Wie paralysiert saß er da, unfähig, sich zu bewegen. Er hatte Cara vergessen, um neue Flaschen zu bitten. Er hatte es hinaus geschoben, da sie im Moment eh vollkommen übermüdet schien und er ihr nicht noch mehr Arbeit aufhalsen wollte. Und jetzt…?
Kein Ausweg. Entweder wach bleiben oder wieder diese Alpträume. Die Wahl war wahrlich nicht berauschend. Er lehnte sich zurück an eines der Fässer im Keller und als er mit seinem Rücken dagegen schlug, klirrte es leise im inneren.
Verwundert darüber rappelte er sich auf und sah hinein. Ganz unten, versteckt unter dreckiger Wäsche, fand er seine eiserne Reserve, die er schon vergessen hatte. Bier, Schnaps, Wein. Eine Schnapsflasche fand den Weg in seine Hand und er betrachtete sie nachdenklich.
Nein, das konnte nicht die Lösung sein. Er hatte es Cara versprochen. Seine Hand begann aber wie auf Kommando zu zittern und die Flasche wurde schwerer. Just in diesem Moment meldete sich eine neue Stimme in seinem Kopf.
Veehrs… du willst doch schlafen… Ohne Alpträume… und du weißt, dass du es damit kannst… also ist doch nichts Schädliches daran, wenn du etwas von dem wohltuenden Saft zu dir nimmst. Er lässt dich schlafen, dich vergessen. Es ist doch nur Medizin.
Die Worte hörten sich verlockend an und doch wollte er die Flasche wieder abstellen.
Veehrs… Cara ist doch nicht da. Und sie kommt heute bestimmt nicht mehr hinunter. Ein Schluck und es wird keiner mitbekommen.
Seine Bewegung kam zum Stillstand und er betrachtete die Flasche. Wie von jemand anders geführt bewegte sich seine linke Hand zum Verschluss, umfasst ihn, drehte ihn auf und warf ihn ins Fass. Und wie als würde Veehrs neben sich stehen, sah er, wie er sich die Flasche an den Mund führte und…
Aus einem kleinen Schluck wurde ein Großer. Aus einem großen Schluck wurde rasch die erste Flasche, nach der ersten Flasche folgte die nächste. Und binnen eines Stundenlaufes war er so betrunken, dass er sich kaum auf den Beinen halten konnte und sich selbst nicht mehr unter Kontrolle habend, grölte er Sau- und Schlachtlieder im Keller einher.
Ein leises, hinterhältiges Lachen vernahm er weit aus der Ferne in seinem Kopf, aber Veehrs war einfach nicht mehr in der Lage, irgendetwas Sinnvolles zu denken oder zu tun. Sein vom Alkohol geschwängerter Atem füllte rasch die Luft des Kellers auf und torkelnd schwankte er gen Hängematte, in die er stumpf hinein fiel und recht schnell einschlief.
Ein Säufer, du bist nur ein Säufer…
Die letzte Stimme, die er in seinem Kopf vernahm, war leicht verzerrt, ihm war so, als wäre es eine Mischung aus der Stimme, die ihm immer drohte und der Stimme, die ihm nur gutes wollte. Aber er war einfach viel zu müde nun. Immerhin zitterten seine Hände nun nicht mehr.
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Veehrs Usil
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Zuletzt geändert von Veehrs Usil am Freitag 3. Juli 2015, 07:19, insgesamt 1-mal geändert.
- Cara DelMur
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Die letzten Tage.....
Die letzten Tage waren... schwierig und die Nächte erdrückend dunkel. Er war aufbrausend, ungerecht, gleichgültig und machte es sich verdammt einfach.. und.. sie selbst? Hatte etwas von ihrer Leichtigkeit verloren. An die Stellen von Unbeschwertheit, waren kleine Schatten getreten. Wo war der Mann hin, der sie neugierig auf ihn gemacht hatte? Oder war dies nun gar der wahre Veehrs und sie war einer Täuschung unterlegen? Womöglich funktionierte seine Welt nur mit einem Schluck Bier oder Stärkerem?
Die rosa Wolken die sie eigentlich umgeben hätten sollen, zogen sich ein neues Kleid an und dieses war triefend grau und trug Donner und Blitz in sich. Und trotzdem kribbelte noch immer ihre Haut, wenn er den Raum betrat, so ein angenehmes kribbeln, bei dem es einem ganz wohlig wird und jede Faser in ihr schrie nach ihm. Aber die düsteren Wolken versperrten ihr die Sicht, der Sturm erstickte das Wort, eh es gesprochen ward und so lief sie im Kreis und konnte weder Weg noch Wort zu ihm finden.
Jedoch gab es auch lichte Momente zwischen all dem Gesagten und Ungesagtem. Eine Berührung, kaum der Bemerkung wert, jene ihr Zuversicht schenkte. Und... er war noch immer da.
Und da war noch Liska. Ein Lichtblick an ihrer Seite. Liska, die ihr Rat gab, wo sie selbst sich wenig Rat geben konnte. Liska, die ihr Klarheiten verschaffte, wo ihre Gedanken sich verirrten. Liska, die Cara nicht zerbrechen lassen würde. Die Gespräche mit ihr waren hilfreich und gaben ihr neue Kraft. Und sie konnte ihr ohnehin nicht vortäuschen, dass es ihr gut gehe, auch wenn sie jenes vorzugeben versuchte.
Ausserdem kreisten ihre Gedanken um Alatar. Wenn sie nicht achtgab, verlor sie Veehrs ganz an ihn. Aber dafür brauchte sie einen Veehrs, dem sie restlos vertrauen konnte. Vielleicht sogar mehr als das. Kurz rang sie mit dem Gedanken Veehrs ein Glas Wein zu bringen. Eines konnte doch nicht schaden und es entspannte ihn. Und wenn er entspannt war, würde sie auch entspannt sein können. Würde grau der Sonne weichen. Würde vielleicht alles so werden, wie zu Anfang. Ihre Finger spielten mit dem Knopf, den sie seither am Handgelenk gebunden trug. Nein! Veehrs war stark. Sie glaubte an ihn. Er würde es schaffen. Wie es danach weiter gehen würde, wusste sie allerdings nicht zu beantworten.
Während ihre Gedanken sich wanden, fanden ihre Finger etwas in ihrer Tasche. Es war sein Haustürschlüssel. Er fühlte sich leicht an, und er glänzte verführerisch, erzählte fantasiereiche Geschichten einer glücklichen Zukunft. Sie hatte ihn noch nie benutzt. Eine Weile noch musterte sie den kleinen Gegenstand skeptisch, dann klickte sie ihn ein, in den Bund, zu all den anderen Schlüsseln.
So vergingen die Tage, Tage an denen sie sich ... begegneten..., Tage an denen sie sprachen, aber nicht redeten... und Nächte, die sie getrennt verbrachten. Und als sie keine Worte mehr hatte, die sie ihm einfach schenken konnte, legte sie sich still zu ihm in die Hängematte, lauschte seinen Atemzügen und spürte seine Nähe.
___________
Den eigenen Augen nicht trauen...
Zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort hätte sie sich zu ihm gesetzt, mit ihm gelacht, mit ihm getrunken und sogar mit ihm gesungen. Aber es war das Kellergewölbe in welches sie hinab stieg, um dort einen grölenden, betrunkenen Veehrs vorzufinden...
Sie erstarrte. Ungläubig heftete sich ihr Blick auf den Gefallenen. Ein Woge an tausend Gefühlen brach über ihr zusammen, ihre Narbe begann zu schmerzen, das Bildnis des Phönix drängte sich ihr kurz auf und sie spürte wie das Feuer aufloderte. Einen Moment später roch es auch schon angekokelt, als die Diele unter ihren Füssen zischend aufbegehrte und es sich schwarz ins Holz frass. Sie musste raus hier! Sofort! Wenn sie jetzt etwas sagte, würde sie es nicht mehr zurück nehmen können!
_____________
Auf der Sumpfinsel...
Seltsam was der Geist in nur einem winzigen, vergänglichen Augenblick aufnehmen kann, um sich zu verankern.
Sie hatte leere Flaschen gesehen. Woher stammten jene? Sie hätte besser achtgeben müssen!
"Du solltest einfach allen Alkohol aus dem Haus verbannen und dafür sorgen, dass er keinen bekommt"
Sie hatte Glassplitter gesehen, eine verschüttete Flüssigkeit. Was war darin gewesen? Schlaftropfen. Sie waren ihm aus den Händen geglitten."Hat das Zittern schon bei ihm begonnen?"
Er konnte die Geister nicht bannen, weil er keine Tropfen mehr hatte und hatte zum einzigen Mittel gegriffen das wirkt. Und sie war nicht da gewesen, um ihm zur Seite zu stehen. "es ist nicht deine Schuld"
Das würde sich ändern! Sie würde ihm eine Möglichkeit anbieten! Liska stand dabei hinter ihr und sie vertraute auf ihre Schwestern!
"Du kannst ihm helfen, aber nicht ihn retten... Das muss er schon selbst."
und vielleicht würde sie es wagen, einen Blick auf seine Dämonen zu werfen... vielleicht.
Die letzten Tage waren... schwierig und die Nächte erdrückend dunkel. Er war aufbrausend, ungerecht, gleichgültig und machte es sich verdammt einfach.. und.. sie selbst? Hatte etwas von ihrer Leichtigkeit verloren. An die Stellen von Unbeschwertheit, waren kleine Schatten getreten. Wo war der Mann hin, der sie neugierig auf ihn gemacht hatte? Oder war dies nun gar der wahre Veehrs und sie war einer Täuschung unterlegen? Womöglich funktionierte seine Welt nur mit einem Schluck Bier oder Stärkerem?
Die rosa Wolken die sie eigentlich umgeben hätten sollen, zogen sich ein neues Kleid an und dieses war triefend grau und trug Donner und Blitz in sich. Und trotzdem kribbelte noch immer ihre Haut, wenn er den Raum betrat, so ein angenehmes kribbeln, bei dem es einem ganz wohlig wird und jede Faser in ihr schrie nach ihm. Aber die düsteren Wolken versperrten ihr die Sicht, der Sturm erstickte das Wort, eh es gesprochen ward und so lief sie im Kreis und konnte weder Weg noch Wort zu ihm finden.
Jedoch gab es auch lichte Momente zwischen all dem Gesagten und Ungesagtem. Eine Berührung, kaum der Bemerkung wert, jene ihr Zuversicht schenkte. Und... er war noch immer da.
Und da war noch Liska. Ein Lichtblick an ihrer Seite. Liska, die ihr Rat gab, wo sie selbst sich wenig Rat geben konnte. Liska, die ihr Klarheiten verschaffte, wo ihre Gedanken sich verirrten. Liska, die Cara nicht zerbrechen lassen würde. Die Gespräche mit ihr waren hilfreich und gaben ihr neue Kraft. Und sie konnte ihr ohnehin nicht vortäuschen, dass es ihr gut gehe, auch wenn sie jenes vorzugeben versuchte.
Ausserdem kreisten ihre Gedanken um Alatar. Wenn sie nicht achtgab, verlor sie Veehrs ganz an ihn. Aber dafür brauchte sie einen Veehrs, dem sie restlos vertrauen konnte. Vielleicht sogar mehr als das. Kurz rang sie mit dem Gedanken Veehrs ein Glas Wein zu bringen. Eines konnte doch nicht schaden und es entspannte ihn. Und wenn er entspannt war, würde sie auch entspannt sein können. Würde grau der Sonne weichen. Würde vielleicht alles so werden, wie zu Anfang. Ihre Finger spielten mit dem Knopf, den sie seither am Handgelenk gebunden trug. Nein! Veehrs war stark. Sie glaubte an ihn. Er würde es schaffen. Wie es danach weiter gehen würde, wusste sie allerdings nicht zu beantworten.
Während ihre Gedanken sich wanden, fanden ihre Finger etwas in ihrer Tasche. Es war sein Haustürschlüssel. Er fühlte sich leicht an, und er glänzte verführerisch, erzählte fantasiereiche Geschichten einer glücklichen Zukunft. Sie hatte ihn noch nie benutzt. Eine Weile noch musterte sie den kleinen Gegenstand skeptisch, dann klickte sie ihn ein, in den Bund, zu all den anderen Schlüsseln.
So vergingen die Tage, Tage an denen sie sich ... begegneten..., Tage an denen sie sprachen, aber nicht redeten... und Nächte, die sie getrennt verbrachten. Und als sie keine Worte mehr hatte, die sie ihm einfach schenken konnte, legte sie sich still zu ihm in die Hängematte, lauschte seinen Atemzügen und spürte seine Nähe.
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Den eigenen Augen nicht trauen...
Zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort hätte sie sich zu ihm gesetzt, mit ihm gelacht, mit ihm getrunken und sogar mit ihm gesungen. Aber es war das Kellergewölbe in welches sie hinab stieg, um dort einen grölenden, betrunkenen Veehrs vorzufinden...
Sie erstarrte. Ungläubig heftete sich ihr Blick auf den Gefallenen. Ein Woge an tausend Gefühlen brach über ihr zusammen, ihre Narbe begann zu schmerzen, das Bildnis des Phönix drängte sich ihr kurz auf und sie spürte wie das Feuer aufloderte. Einen Moment später roch es auch schon angekokelt, als die Diele unter ihren Füssen zischend aufbegehrte und es sich schwarz ins Holz frass. Sie musste raus hier! Sofort! Wenn sie jetzt etwas sagte, würde sie es nicht mehr zurück nehmen können!
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Auf der Sumpfinsel...
Seltsam was der Geist in nur einem winzigen, vergänglichen Augenblick aufnehmen kann, um sich zu verankern.
Sie hatte leere Flaschen gesehen. Woher stammten jene? Sie hätte besser achtgeben müssen!
"Du solltest einfach allen Alkohol aus dem Haus verbannen und dafür sorgen, dass er keinen bekommt"
Sie hatte Glassplitter gesehen, eine verschüttete Flüssigkeit. Was war darin gewesen? Schlaftropfen. Sie waren ihm aus den Händen geglitten."Hat das Zittern schon bei ihm begonnen?"
Er konnte die Geister nicht bannen, weil er keine Tropfen mehr hatte und hatte zum einzigen Mittel gegriffen das wirkt. Und sie war nicht da gewesen, um ihm zur Seite zu stehen. "es ist nicht deine Schuld"
Das würde sich ändern! Sie würde ihm eine Möglichkeit anbieten! Liska stand dabei hinter ihr und sie vertraute auf ihre Schwestern!
"Du kannst ihm helfen, aber nicht ihn retten... Das muss er schon selbst."
und vielleicht würde sie es wagen, einen Blick auf seine Dämonen zu werfen... vielleicht.
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Gast
Auf der Schwelle findet nun die Verwandlung statt, wenn das Nichts überwunden ist und das Bewusstsein langsam, wie eine zuvor verklumpte Sanduhr, erneut in die Gänge kommt und sich träge rieselnd regt - dann zwang sie sich hellwach zu werden. Hellwach, Geist und alle Sinne geschärft... mitten in den wirren, unendlich in sich verschlungenen Windungen der Traumebene. Der Sinn, der hier vollends ansprang und auf seine Kosten kam, trug die wenig malerische Vorsilbe "Wahn-" und auch in jenem wohnte sie bereits, war kein Opfer, keine Beute, doch ebensowenig Täter und Jäger. Nur ein Teil des großen Ganzen.
Ein klein wenig Traum, eine Prise Albtraum, ein Quäntchen Wahnsinn, eine Messerspitze Verwirrung, gewürzt mit der puren, unendlichen und unsterblichen Macht der Fantasie in all ihren schillernden Facetten.
So fand also die Verwandlung schon in dem Moment statt, als ihr Bewusstsein die klebrigen, erstickenden, farblosen Fäden des Nichts abschütteln konnte und sich neu definierte. Binnen weniger Lidschläge, in einem fließenden Übergang wurde aus der jungen, schwarzhaarigen Frau mit der bleichen Haut, tiefen Augenrändern und Segelohren eine noch kleinere, fast durchsichtige Geistergestalt. Ein blasses, nebenlartiges Irrlicht, welches sich in den Traumfluss ergab und sich darin eine ganze Weile treiben ließ. Sie suchte im Moment nichts Bestimmtes, nur den vagen Dunst der Alben und niederen Mahre, welche irgendwo dort ihr Geschäft mit dem Grauen betrieben und die Ängste der mehr oder minder Sterblichen, das süße Elixir, genüsslich aufsogen.
Dort wo der Albtraum tobte, glommen auch Erinnerungen und nicht selten spiegelten sie unglaublich schlechte Seiten der Menschen wider, zeigten Monster... offenbarten ihr das eigentliche Ziel:
All jene Täter und Jäger, welchen sie nun die Rolle der Beute, der Opfer angedachte.
Das zuvor so sanfte Geplätscher der Träume wurde zum Rauschen, als der Fluss zu wachsen begonen hatte und sie ahnte, dass es nun nicht mehr lange dauern konnte, bis...
... ein durchsichtiges Irrlicht-Geistermädchen bekommt keine Gänsehaut, die wird bestenfalls verteilt und doch war das gruselige Schaudern irgendwie spürbar, als würden schattenhafte Finger langsam, doch beständig an der Strömung zehren, sie aufklauben... umleiten. Das Geisterwesen drehte sich und folgte dem übersinnlichen Wink, spazierte geräuschlos und ungesehen über die Barrieren, tauchte durch Vorhänge und Schleier, bis sie mit einem Male in einem Kellergewölbe stand.
Zwei Männer.
Der Eine real, greifbar, der Träumende, die "Beute".
Der Andere ein Gespinst aus geifernden Schatten und Schemen der Albenwelt, der "Jäger".
Ich lausche einem Zwiegespräch, welches sich langsam zum Monolog entwickelt und irgendwo darin spüre ich die Regungen, die mich zu dem machen, was ich bin: Traumwandlerin, Märchenweberein, Gefühlswesen.
Emotionen überkommen mich - Abscheu, Zorn, Wut.
DER WUNSCH ZU RICHTEN!
Und erst in dem Moment, in welchem ich wild grüble, wie ich den Schattenmahren dieses Futter verderben und die Angstsuppe versalzen kann, erhasche ich einen besseren Blick auf das Gesicht der "Beute".
Ein Bild und ein Name taucht aus meinen Erinnerungen hervor, manifestiert sich im Kopf, wird scharf und klar:
Der Gemeinschaftsraum der Prätorianer und etwas abseits sitzt ein junger Mann am Tisch. Der Präfekt nennt seinen Namen - Veehrs.
Damit ergibt auch der schnarrende, langezogene Laut des Albenabbilds einen Sinn. Er, der Träumende, weiß nicht, dass es nur eine Illusion ist, welche ihm den Geist zermartert und einen Abdruck auf der Seele hinterlässt. Doch ich weiß es und ich ahne, dass irgendwo dort draußen in der weiten Welt der eigentliche Übeltäter, das wahre Ungeheuer aus Fleisch und Blut noch umherwandelt.
Vielleicht träumt er gerade selbst?...
Drehen wir den Spieß um! Es gilt dringend mehr zu erfahren...
Daher ruhten schieferfarbene Kohleaugen auch in der nächsten, der übernächsten... und den weiteren Nächten auf dem "Opfer", dem Träumenden, Veehrs Usil.
Ein klein wenig Traum, eine Prise Albtraum, ein Quäntchen Wahnsinn, eine Messerspitze Verwirrung, gewürzt mit der puren, unendlichen und unsterblichen Macht der Fantasie in all ihren schillernden Facetten.
So fand also die Verwandlung schon in dem Moment statt, als ihr Bewusstsein die klebrigen, erstickenden, farblosen Fäden des Nichts abschütteln konnte und sich neu definierte. Binnen weniger Lidschläge, in einem fließenden Übergang wurde aus der jungen, schwarzhaarigen Frau mit der bleichen Haut, tiefen Augenrändern und Segelohren eine noch kleinere, fast durchsichtige Geistergestalt. Ein blasses, nebenlartiges Irrlicht, welches sich in den Traumfluss ergab und sich darin eine ganze Weile treiben ließ. Sie suchte im Moment nichts Bestimmtes, nur den vagen Dunst der Alben und niederen Mahre, welche irgendwo dort ihr Geschäft mit dem Grauen betrieben und die Ängste der mehr oder minder Sterblichen, das süße Elixir, genüsslich aufsogen.
Dort wo der Albtraum tobte, glommen auch Erinnerungen und nicht selten spiegelten sie unglaublich schlechte Seiten der Menschen wider, zeigten Monster... offenbarten ihr das eigentliche Ziel:
All jene Täter und Jäger, welchen sie nun die Rolle der Beute, der Opfer angedachte.
Das zuvor so sanfte Geplätscher der Träume wurde zum Rauschen, als der Fluss zu wachsen begonen hatte und sie ahnte, dass es nun nicht mehr lange dauern konnte, bis...
... ein durchsichtiges Irrlicht-Geistermädchen bekommt keine Gänsehaut, die wird bestenfalls verteilt und doch war das gruselige Schaudern irgendwie spürbar, als würden schattenhafte Finger langsam, doch beständig an der Strömung zehren, sie aufklauben... umleiten. Das Geisterwesen drehte sich und folgte dem übersinnlichen Wink, spazierte geräuschlos und ungesehen über die Barrieren, tauchte durch Vorhänge und Schleier, bis sie mit einem Male in einem Kellergewölbe stand.
Zwei Männer.
Der Eine real, greifbar, der Träumende, die "Beute".
Der Andere ein Gespinst aus geifernden Schatten und Schemen der Albenwelt, der "Jäger".
Ich lausche einem Zwiegespräch, welches sich langsam zum Monolog entwickelt und irgendwo darin spüre ich die Regungen, die mich zu dem machen, was ich bin: Traumwandlerin, Märchenweberein, Gefühlswesen.
Emotionen überkommen mich - Abscheu, Zorn, Wut.
DER WUNSCH ZU RICHTEN!
Und erst in dem Moment, in welchem ich wild grüble, wie ich den Schattenmahren dieses Futter verderben und die Angstsuppe versalzen kann, erhasche ich einen besseren Blick auf das Gesicht der "Beute".
Ein Bild und ein Name taucht aus meinen Erinnerungen hervor, manifestiert sich im Kopf, wird scharf und klar:
Der Gemeinschaftsraum der Prätorianer und etwas abseits sitzt ein junger Mann am Tisch. Der Präfekt nennt seinen Namen - Veehrs.
Damit ergibt auch der schnarrende, langezogene Laut des Albenabbilds einen Sinn. Er, der Träumende, weiß nicht, dass es nur eine Illusion ist, welche ihm den Geist zermartert und einen Abdruck auf der Seele hinterlässt. Doch ich weiß es und ich ahne, dass irgendwo dort draußen in der weiten Welt der eigentliche Übeltäter, das wahre Ungeheuer aus Fleisch und Blut noch umherwandelt.
Vielleicht träumt er gerade selbst?...
Drehen wir den Spieß um! Es gilt dringend mehr zu erfahren...
Daher ruhten schieferfarbene Kohleaugen auch in der nächsten, der übernächsten... und den weiteren Nächten auf dem "Opfer", dem Träumenden, Veehrs Usil.
- Beyla Tjosfin
- Beiträge: 145
- Registriert: Mittwoch 4. Februar 2015, 13:17
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Zuletzt geändert von Beyla Tjosfin am Donnerstag 16. Juli 2015, 12:48, insgesamt 1-mal geändert.
-
Veehrs Usil
- Beiträge: 19
- Registriert: Freitag 20. Februar 2015, 14:14
Alles was man vergessen hat, schreit im Traum um Hilfe.
Elias Canetti
Traumlose Nächte wären für viele wohl erschreckend, wenn sie des Nachts nicht wunderbare Abenteuer erleben könnten, ohne dass ihnen Schaden zugefügt würde und sie sich dabei entspannten. Sie könnten im Traum die größten Ungetüme erschlagen, die schönsten Frauen retten oder wie ein Vogel über die Welt dahin gleiten.
Seelig jene, die träumen können wie ein Kind, frei und ungebunden, gar unschuldig. Wem es allerdings nicht vergönnt ist, leidet Höllenqualen und liegt des Nachts wach, da er sich vor seinen Träumen, vor dem Schlaf, fürchtet. Es mag ein innerer Zustand sein, jedoch wird er nach Tagen hinaus auf das Antlitz des Menschen getragen und ein jeder kann es sehen.
Veehrs gehörte nun zu jener erlesenen Gruppe, die ihr Schicksal im Gesicht trug. Dicke Augenringe, müde Augen, fahler Blick. Man sah es ihm förmlich im blassen Gesicht an, dass er seit Tagen nicht mehr richtig geschlafen hatte. Und für die Eingeweihten musste es gar noch mehrwürdiger sein, nahm er doch jeden Abend eine Menge von Caras Schlafmittel ein.
An der Wirkung des Trunkes konnte man nicht rütteln. Es dauerte keinen Minutenlauf, ehe ihm die Augen zufielen und er selig schlummerte. Finsternis umgab ihn da, leere, stille. Ein Zustand, über den er sich innerlich freute, verhieß es doch für ihn, dass er wenigstens ein paar Stunden Ruhe fand.
Doch in den letzten Nächten wurde es immer merkwürdiger. Die Stille, die er schätzte, hielt von Nacht zu Nacht nicht mehr so lange an, wie er es gewohnt war. Immer früher drangen Geräusche an sein Ohr und just in dieser Nacht war es, als spüre er, wie etwas oder jemand an der Stille zerrte, dagegen stieß, die Barriere einreißen wollte. Irgendetwas mit einer immensen Macht versucht, in seinen Traum, seinen Geist, einzudringen.
Er konnte es nicht zuordnen, woher es kam, wer oder was es war und wie er es aufhalten konnte. Er stemmte sich dagegen, versucht, das schöne Gefühl der Stille aufrecht zu halten und konnte doch nichts ausrichten. Mit einem Schlag brach erst gleißendes Licht über ihn herein und im nächsten Moment tauchte die hässliche Fratze von Oberst Daarsoon vor ihm auf.
Wolltest mich wohl nicht herein lassen, Väährs, hm? Dachtest, du könntest mich aussperren? Du bist so naive, Väährs. Naive und ein schlechter Soldat.
Das Grinsen der gelblich faulen Zähne wurde hämischer und er konnte den Gestank aus seinem Mund riechen, gar schmecken. Wie gelähmt stand er da und starrte die Bestie von Trariel an. Entsetzen machte sich in ihm breit, Grabeskälte lief ihm über den Rücken. Und als hätte er es ahnen können, waren beide mit einemmal von den Leichen der Vergangenheit umstellt, die jetzt im fahlen Lichtschein zu ihnen hinüber sahen.
Unzählige Gesichter, teils ausdruckslos, teils zu Fratzen verkommen. Ein jedes Gesicht sprach seine Geschichte zu ihm. Ein Jedes Gesicht war ihm bekannt und für jedes Gesicht, das ihn ansah, schmerzte es in seinen Eingeweiden. Schuldgefühle kamen in ihm hoch, zu wissen, dass er ihr Henker war.
Aus den Augenwinkeln zu beiden Seiten vernahm er aber noch etwas anderes, was er nicht zuordnen konnte. Vielleicht nur ein Schatten oder gar seine eigene Einbildung. Das konnte er nicht sagen. Aber sein Gefühl sagte ihm, dass noch weitere Wesen anwesend sind. Aber bei der Vielzahl von Kreaturen, die seinen Alptraum bevölkerten, was machten da zwei mehr aus?
Daarsoon packte mit seiner linken Hand Veehrs Kinn und zwang ihn, zu ihm hin zu sehen. Mit der rechten Hand zeigte an halb an sich vorbei in die Menge an Totenfratzen, die hinter Daarsoon standen.
Heute habe ich etwas ganz wundervolles für dich, Väährs. Das wird die Spaß bereiten. Diese Hinrichtung ist ganz nach deinem Geschmack.
Veehrs zwang sich, nicht in die Richtung zu sehen, die Augen zu schließen, aber als hätte Daarsoon die Macht über seinen Körper, zwang er ihn, in die Richtung zu sehen. Langsam tauchte aus dem Zwielicht inmitten der Reihen eine Gestalt auf. Die Umrisse, die der Körper der Gestalt warf, schienen ihm bekannt, die Frisur, der Gang.
Und dann traf es ihn wie ein Schlag; Cara. Und just in diesem Augenblick wurde ihre Erscheinung erhellt und er sah sie langsam vortreten, der Kopf gesenkt, die Hände vor dem Körper gefesselt. Sie schien nicht geschlagen worden zu sein, auch ihre Kleider waren intakt. Aber was sollte das alles hier.
Und, Väährs? Habe ich deinen Geschmack getroffen? Hier… Dein Schwert… Verrichte deine Arbeit!
Mit Entsetzen weiteten sich seine Augen, als er das kalte Heft der Klinge in die Hand gedrückt bekam und die Schwere des Eisens spürte, welches nach unten Zog. Mit einem Stoß in den Rücken beförderte Daarsoon Veehrs in Richtung Cara, die nun in mitten des Kreises der Verdammten stand, den Kopf langsam hob und mit ihren braunen Augen seinen Blick suchte. Er wollte ausweichen, doch konnte er nicht. Er sah darin ihre Liebe zu ihm und ihr Vertrauen und im nächsten Moment kniete sie hin und entblößte ihre Kehle für ihn und seinen todbringenden Schlag.
Und wie an Fäden gezogen hob sich das Schwert an und damit beide Arme Veehrs, als er zum Schlag ausholte. Die Klinge verweilte oberhalb rechts seines Kopfes, sie zitterte, bebte und alle Muskeln in seinem Körper sträubten sich gegen diese Tat.
Na los, Väährs, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit!
In diesem Moment entbrannte ein unbändiger Aufschrei der Wut in ihm. Jahrelang aufgestaute Gefühle, Hass und alle Abscheu gegen diesen Menschen kamen nun in ihm hoch. Mit dem Aufschrei eines Berserkers wendete er sich gegen den Tyrannen, hieb mit der erhobenen Klinge nach ihm und…
Hämisches Gelächter ertönte, als der Schwertstreich vollführt war und eine geköpfte Cara vor ihm lag. Dieses Scheusal hatte die Plätze der beiden getauscht. Kraftlos sackte Veehrs in sich zusammen. Er hat das getötet, was er liebte.
Unterdes wurde das hämische Lachen nur lauter und ekelerregender. Er konnte es nicht mehr ertragen. Diese Bestie hatte genug Schaden angerichtet. Es war Zeit für sein Ende. Und Cara war nichts geschehen, denn es war nur ein Traum, sein Traum. Und in seinen Träumen machte er die Regeln.
Und mit neuerlicher Wut sprang er auf und hieb nach Daarsoon, der immer noch hämisch lachend die Schläge einzig mit seinen Panzerhandschuhen parierte. Funken stoben auf und tatsächlich konnte Veehrs ihn ein paar Schritte zurück treiben, ehe sein Gesichtsausdruck wieder grimmig wurde und er die Klinge packte.
Oh, hat der naive Veehrs etwa gedacht, er könnte hier die Spielregeln machen? Vergiss es! Das hier ist mein Reich!
Und mit diesen Worten begann das Eisen zu glühen. Es wurde heller und heller bis die Hitze das Heft erreichte und Veehrs die Klinge loslassen musste. Wieder erklang schallendes Gelächter und das Schwert segelte im hohen Bogen irgendwo in die Finsternis hinter der Meute.
Ich habe gerade erst angefangen. Es gibt noch so viele schöne Erinnerungen, die wir zwei Teilen können. Verlass dich darauf, dass ich dich jetzt jede Nacht heimsuche, wenn dein Schild schwächer wird. Entkommen wirst du mir nie!
Mit seinen Worten hob er den linken Arm an. Eine Gestalt, deren Form ihm nur zu gut bekannt war, trat heran und lehnte sich an ihn. Die kopflose Cara stand da, blutüberströmt, den eigenen Kopf unter dem linken Arm tragend. Und ein ebenso hämisches Grinsen auf den Lippen wie Daarsoon.
Er redete sich ein, dass sei nicht Cara, so hatte er sie noch nie gesehen. Das konnte sie einfach nicht sein. Das war eines der vielen Trugbilder, die Daarsoon in seinen Kopf pflanzte. Und doch waren die Worte so leise, dass er sie kaum vernehmen konnte. Zu sehr schmerzte es in seiner Brust, dass er den Schlag gegen sie ausgeführt hatte.
Oh, Veehrs… Wie konntest du nur… Hattest du mir doch mein Herz geraubt und nun…
Langsam löste sie sich wieder von ihm und steuerte auf ihn zu.
Ich glaube, ich brauche Ersatz… Ersatz für mein eigenes Herz…
Mit den Worten schnellte ihre Hand voran, durchdrang Fleisch und Knochen seiner Brust, ein stechender Schmerz brannte in ihm auf, er konnte keine Luft mehr holen und seine Augen sprangen ihm fast aus den Höhlen.
Als Cara ihre Hand zurückzog, lag wieder dieses hämische Grinsen auf ihren Zügen und in ihrer Hand hielt sie ein schlagendes Herz; sein Herz. Unter hämischem Gelächter der beiden drückte sie ihre Hand zusammen und zerquetsche das Herz und…
__________
Mit einem erstickten Schrei schreckte er nach Luft ringend aus dem Schlaf. Er packte sich an die Brust, sein Herz hämmerte, die Brust schmerzte, das Atmen tat weh und brannte. Der Raum schien sich zu drehen, als er da im Bett saß und völlig orientierungslos schien. Der Schweiß rann ihm nur so den Körper hinab.
Er bekam gar nicht mit, ob Cara irgendwas zu ihm sagte, ob sie überhaupt wach wurde oder gar im Bett neben ihm lag. Er packte einfach nur eine Flasche des Mittels und leerte sie sich in den Hals. Kaum wenige Augenblicke später sank er wieder zurück ins Bett.
Stille war zurückgekehrt. Stille, Finsternis, Einsamkeit. Und er genoss es.
Elias Canetti
Traumlose Nächte wären für viele wohl erschreckend, wenn sie des Nachts nicht wunderbare Abenteuer erleben könnten, ohne dass ihnen Schaden zugefügt würde und sie sich dabei entspannten. Sie könnten im Traum die größten Ungetüme erschlagen, die schönsten Frauen retten oder wie ein Vogel über die Welt dahin gleiten.
Seelig jene, die träumen können wie ein Kind, frei und ungebunden, gar unschuldig. Wem es allerdings nicht vergönnt ist, leidet Höllenqualen und liegt des Nachts wach, da er sich vor seinen Träumen, vor dem Schlaf, fürchtet. Es mag ein innerer Zustand sein, jedoch wird er nach Tagen hinaus auf das Antlitz des Menschen getragen und ein jeder kann es sehen.
Veehrs gehörte nun zu jener erlesenen Gruppe, die ihr Schicksal im Gesicht trug. Dicke Augenringe, müde Augen, fahler Blick. Man sah es ihm förmlich im blassen Gesicht an, dass er seit Tagen nicht mehr richtig geschlafen hatte. Und für die Eingeweihten musste es gar noch mehrwürdiger sein, nahm er doch jeden Abend eine Menge von Caras Schlafmittel ein.
An der Wirkung des Trunkes konnte man nicht rütteln. Es dauerte keinen Minutenlauf, ehe ihm die Augen zufielen und er selig schlummerte. Finsternis umgab ihn da, leere, stille. Ein Zustand, über den er sich innerlich freute, verhieß es doch für ihn, dass er wenigstens ein paar Stunden Ruhe fand.
Doch in den letzten Nächten wurde es immer merkwürdiger. Die Stille, die er schätzte, hielt von Nacht zu Nacht nicht mehr so lange an, wie er es gewohnt war. Immer früher drangen Geräusche an sein Ohr und just in dieser Nacht war es, als spüre er, wie etwas oder jemand an der Stille zerrte, dagegen stieß, die Barriere einreißen wollte. Irgendetwas mit einer immensen Macht versucht, in seinen Traum, seinen Geist, einzudringen.
Er konnte es nicht zuordnen, woher es kam, wer oder was es war und wie er es aufhalten konnte. Er stemmte sich dagegen, versucht, das schöne Gefühl der Stille aufrecht zu halten und konnte doch nichts ausrichten. Mit einem Schlag brach erst gleißendes Licht über ihn herein und im nächsten Moment tauchte die hässliche Fratze von Oberst Daarsoon vor ihm auf.
Wolltest mich wohl nicht herein lassen, Väährs, hm? Dachtest, du könntest mich aussperren? Du bist so naive, Väährs. Naive und ein schlechter Soldat.
Das Grinsen der gelblich faulen Zähne wurde hämischer und er konnte den Gestank aus seinem Mund riechen, gar schmecken. Wie gelähmt stand er da und starrte die Bestie von Trariel an. Entsetzen machte sich in ihm breit, Grabeskälte lief ihm über den Rücken. Und als hätte er es ahnen können, waren beide mit einemmal von den Leichen der Vergangenheit umstellt, die jetzt im fahlen Lichtschein zu ihnen hinüber sahen.
Unzählige Gesichter, teils ausdruckslos, teils zu Fratzen verkommen. Ein jedes Gesicht sprach seine Geschichte zu ihm. Ein Jedes Gesicht war ihm bekannt und für jedes Gesicht, das ihn ansah, schmerzte es in seinen Eingeweiden. Schuldgefühle kamen in ihm hoch, zu wissen, dass er ihr Henker war.
Aus den Augenwinkeln zu beiden Seiten vernahm er aber noch etwas anderes, was er nicht zuordnen konnte. Vielleicht nur ein Schatten oder gar seine eigene Einbildung. Das konnte er nicht sagen. Aber sein Gefühl sagte ihm, dass noch weitere Wesen anwesend sind. Aber bei der Vielzahl von Kreaturen, die seinen Alptraum bevölkerten, was machten da zwei mehr aus?
Daarsoon packte mit seiner linken Hand Veehrs Kinn und zwang ihn, zu ihm hin zu sehen. Mit der rechten Hand zeigte an halb an sich vorbei in die Menge an Totenfratzen, die hinter Daarsoon standen.
Heute habe ich etwas ganz wundervolles für dich, Väährs. Das wird die Spaß bereiten. Diese Hinrichtung ist ganz nach deinem Geschmack.
Veehrs zwang sich, nicht in die Richtung zu sehen, die Augen zu schließen, aber als hätte Daarsoon die Macht über seinen Körper, zwang er ihn, in die Richtung zu sehen. Langsam tauchte aus dem Zwielicht inmitten der Reihen eine Gestalt auf. Die Umrisse, die der Körper der Gestalt warf, schienen ihm bekannt, die Frisur, der Gang.
Und dann traf es ihn wie ein Schlag; Cara. Und just in diesem Augenblick wurde ihre Erscheinung erhellt und er sah sie langsam vortreten, der Kopf gesenkt, die Hände vor dem Körper gefesselt. Sie schien nicht geschlagen worden zu sein, auch ihre Kleider waren intakt. Aber was sollte das alles hier.
Und, Väährs? Habe ich deinen Geschmack getroffen? Hier… Dein Schwert… Verrichte deine Arbeit!
Mit Entsetzen weiteten sich seine Augen, als er das kalte Heft der Klinge in die Hand gedrückt bekam und die Schwere des Eisens spürte, welches nach unten Zog. Mit einem Stoß in den Rücken beförderte Daarsoon Veehrs in Richtung Cara, die nun in mitten des Kreises der Verdammten stand, den Kopf langsam hob und mit ihren braunen Augen seinen Blick suchte. Er wollte ausweichen, doch konnte er nicht. Er sah darin ihre Liebe zu ihm und ihr Vertrauen und im nächsten Moment kniete sie hin und entblößte ihre Kehle für ihn und seinen todbringenden Schlag.
Und wie an Fäden gezogen hob sich das Schwert an und damit beide Arme Veehrs, als er zum Schlag ausholte. Die Klinge verweilte oberhalb rechts seines Kopfes, sie zitterte, bebte und alle Muskeln in seinem Körper sträubten sich gegen diese Tat.
Na los, Väährs, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit!
In diesem Moment entbrannte ein unbändiger Aufschrei der Wut in ihm. Jahrelang aufgestaute Gefühle, Hass und alle Abscheu gegen diesen Menschen kamen nun in ihm hoch. Mit dem Aufschrei eines Berserkers wendete er sich gegen den Tyrannen, hieb mit der erhobenen Klinge nach ihm und…
Hämisches Gelächter ertönte, als der Schwertstreich vollführt war und eine geköpfte Cara vor ihm lag. Dieses Scheusal hatte die Plätze der beiden getauscht. Kraftlos sackte Veehrs in sich zusammen. Er hat das getötet, was er liebte.
Unterdes wurde das hämische Lachen nur lauter und ekelerregender. Er konnte es nicht mehr ertragen. Diese Bestie hatte genug Schaden angerichtet. Es war Zeit für sein Ende. Und Cara war nichts geschehen, denn es war nur ein Traum, sein Traum. Und in seinen Träumen machte er die Regeln.
Und mit neuerlicher Wut sprang er auf und hieb nach Daarsoon, der immer noch hämisch lachend die Schläge einzig mit seinen Panzerhandschuhen parierte. Funken stoben auf und tatsächlich konnte Veehrs ihn ein paar Schritte zurück treiben, ehe sein Gesichtsausdruck wieder grimmig wurde und er die Klinge packte.
Oh, hat der naive Veehrs etwa gedacht, er könnte hier die Spielregeln machen? Vergiss es! Das hier ist mein Reich!
Und mit diesen Worten begann das Eisen zu glühen. Es wurde heller und heller bis die Hitze das Heft erreichte und Veehrs die Klinge loslassen musste. Wieder erklang schallendes Gelächter und das Schwert segelte im hohen Bogen irgendwo in die Finsternis hinter der Meute.
Ich habe gerade erst angefangen. Es gibt noch so viele schöne Erinnerungen, die wir zwei Teilen können. Verlass dich darauf, dass ich dich jetzt jede Nacht heimsuche, wenn dein Schild schwächer wird. Entkommen wirst du mir nie!
Mit seinen Worten hob er den linken Arm an. Eine Gestalt, deren Form ihm nur zu gut bekannt war, trat heran und lehnte sich an ihn. Die kopflose Cara stand da, blutüberströmt, den eigenen Kopf unter dem linken Arm tragend. Und ein ebenso hämisches Grinsen auf den Lippen wie Daarsoon.
Er redete sich ein, dass sei nicht Cara, so hatte er sie noch nie gesehen. Das konnte sie einfach nicht sein. Das war eines der vielen Trugbilder, die Daarsoon in seinen Kopf pflanzte. Und doch waren die Worte so leise, dass er sie kaum vernehmen konnte. Zu sehr schmerzte es in seiner Brust, dass er den Schlag gegen sie ausgeführt hatte.
Oh, Veehrs… Wie konntest du nur… Hattest du mir doch mein Herz geraubt und nun…
Langsam löste sie sich wieder von ihm und steuerte auf ihn zu.
Ich glaube, ich brauche Ersatz… Ersatz für mein eigenes Herz…
Mit den Worten schnellte ihre Hand voran, durchdrang Fleisch und Knochen seiner Brust, ein stechender Schmerz brannte in ihm auf, er konnte keine Luft mehr holen und seine Augen sprangen ihm fast aus den Höhlen.
Als Cara ihre Hand zurückzog, lag wieder dieses hämische Grinsen auf ihren Zügen und in ihrer Hand hielt sie ein schlagendes Herz; sein Herz. Unter hämischem Gelächter der beiden drückte sie ihre Hand zusammen und zerquetsche das Herz und…
__________
Mit einem erstickten Schrei schreckte er nach Luft ringend aus dem Schlaf. Er packte sich an die Brust, sein Herz hämmerte, die Brust schmerzte, das Atmen tat weh und brannte. Der Raum schien sich zu drehen, als er da im Bett saß und völlig orientierungslos schien. Der Schweiß rann ihm nur so den Körper hinab.
Er bekam gar nicht mit, ob Cara irgendwas zu ihm sagte, ob sie überhaupt wach wurde oder gar im Bett neben ihm lag. Er packte einfach nur eine Flasche des Mittels und leerte sie sich in den Hals. Kaum wenige Augenblicke später sank er wieder zurück ins Bett.
Stille war zurückgekehrt. Stille, Finsternis, Einsamkeit. Und er genoss es.
-
Gast
Diesmal saß sie bereits bereit.
Keine Zeit für filigrane Traumwebereien, keine Zeit für schillernde Farbmischungen, keine Zeit aus der Hülle und Fülle der endlosen Fantasiekluften zu schöpfen und daraus Traumgebilde zu verbasteln... um diejenigen, die es verdient hatten, zur Buße zu zwingen, zu verurteilen und zu richten. Diesmal war dafür keine Zeit!
Weshalb auch?
Sie musste kein Opfer in der anderen Welt ausfindig machen und die Fährte hier in der Ebene der Träume aufspüren, nein. Hier direkt vor ihr stand der Inbegriff aller Schuld, Verkörperung der Grausamkeiten, Fokus ihres Hasses - ein geradezu formidables Opfertier... BEUTE!
Die Mundwinkel auf den marmorhaften Zügen begannen zu zucken und formten langsam ein weites, boshaft-süffisantes Lächeln, welches sogar die kleinen, knochenbleichen Zähne blitzen ließ. Er konnte ja nicht ahnen, dass hinter den Schleiern der diffuseren Zwielichtschatten eine mittlerweile durchaus gewandte Nachtmär saß, welche im Grunde nur auf mehr Informationen, mehr Greifbares gierte.
Wie sollte er es auch nur ahnen können?
ER war ja schließlich nicht wirklich hier.
ER war ein wirres Traumgespinst, geformt von einem gebeutelten Geist.
Es war ja nicht SEIN Traum, sondern eben.... seiner, Veehrs'.
Langsam lenkte sie den Blick vom Beutebild zum Gepeinigten und legte den Kopf in alter Angewohnheit schief. Eine Manier, um abzuwägen, um die Gedanken quasi mit einem Ruck anzustoßen und kreisen zu lassen.
Hier klebten die niederen Alben und Mahre in jeder Ecke, schlangen genüsslich schlürfen blanke Angst in sich hinein und mussten doch nicht einmal einen einzigen Finger krumm machen, denn für all die kreischende, knallrote Panik und den wimmernden Wahnsinn darin, sorgte Veehrs selbst, denn seinen Erinnerungen, seiner Fantasie und allen voran seinem Gewissen entsprang dieses monströse Gebilde.
Faszinierend...
... und ein klein wenig bemitleidenswert.
Mit einem lautlosen Seufzen ließ sie den Blick wieder zurückwandern, bohrte ihn fest in die fleischgewordene Fratze des Grauens.
Er würde seine Schuld schon begleichen, würde zahlen müssen, nun, da mit dem Gesicht und den Taten einen Namen verbinden konnte:
"Daarsoon..."
Das geisterhafte Irrlichtmädchen zuckte zusammen und blickte sich hektisch um. Zwar hatte sie die Worte nur geflüstert, doch konnte man hier nie sicher sein, wer was aufgeschnappt hatte... oder WAS generell lauschte.
Doch die Alben interessierten sich nicht für das Gebrabbel und der Träumer hatte sie nicht vernommen...
Wieder pappte der Kohleblick an Veehrs und plötzlich mischte sich ein seltsamer Gedanke in das ganze Konstrukt.
Wie einfach und für alle Beteiligten angenehmer könnte die Chauce ablaufen, wenn sie ihm einen kleinen Handel unterbreiten konnte.
Ein paar Informationen zu Daarsoon im Austausch gegen süße RACHE?
Keine Zeit für filigrane Traumwebereien, keine Zeit für schillernde Farbmischungen, keine Zeit aus der Hülle und Fülle der endlosen Fantasiekluften zu schöpfen und daraus Traumgebilde zu verbasteln... um diejenigen, die es verdient hatten, zur Buße zu zwingen, zu verurteilen und zu richten. Diesmal war dafür keine Zeit!
Weshalb auch?
Sie musste kein Opfer in der anderen Welt ausfindig machen und die Fährte hier in der Ebene der Träume aufspüren, nein. Hier direkt vor ihr stand der Inbegriff aller Schuld, Verkörperung der Grausamkeiten, Fokus ihres Hasses - ein geradezu formidables Opfertier... BEUTE!
Die Mundwinkel auf den marmorhaften Zügen begannen zu zucken und formten langsam ein weites, boshaft-süffisantes Lächeln, welches sogar die kleinen, knochenbleichen Zähne blitzen ließ. Er konnte ja nicht ahnen, dass hinter den Schleiern der diffuseren Zwielichtschatten eine mittlerweile durchaus gewandte Nachtmär saß, welche im Grunde nur auf mehr Informationen, mehr Greifbares gierte.
Wie sollte er es auch nur ahnen können?
ER war ja schließlich nicht wirklich hier.
ER war ein wirres Traumgespinst, geformt von einem gebeutelten Geist.
Es war ja nicht SEIN Traum, sondern eben.... seiner, Veehrs'.
Langsam lenkte sie den Blick vom Beutebild zum Gepeinigten und legte den Kopf in alter Angewohnheit schief. Eine Manier, um abzuwägen, um die Gedanken quasi mit einem Ruck anzustoßen und kreisen zu lassen.
Hier klebten die niederen Alben und Mahre in jeder Ecke, schlangen genüsslich schlürfen blanke Angst in sich hinein und mussten doch nicht einmal einen einzigen Finger krumm machen, denn für all die kreischende, knallrote Panik und den wimmernden Wahnsinn darin, sorgte Veehrs selbst, denn seinen Erinnerungen, seiner Fantasie und allen voran seinem Gewissen entsprang dieses monströse Gebilde.
Faszinierend...
... und ein klein wenig bemitleidenswert.
Mit einem lautlosen Seufzen ließ sie den Blick wieder zurückwandern, bohrte ihn fest in die fleischgewordene Fratze des Grauens.
Er würde seine Schuld schon begleichen, würde zahlen müssen, nun, da mit dem Gesicht und den Taten einen Namen verbinden konnte:
"Daarsoon..."
Das geisterhafte Irrlichtmädchen zuckte zusammen und blickte sich hektisch um. Zwar hatte sie die Worte nur geflüstert, doch konnte man hier nie sicher sein, wer was aufgeschnappt hatte... oder WAS generell lauschte.
Doch die Alben interessierten sich nicht für das Gebrabbel und der Träumer hatte sie nicht vernommen...
Wieder pappte der Kohleblick an Veehrs und plötzlich mischte sich ein seltsamer Gedanke in das ganze Konstrukt.
Wie einfach und für alle Beteiligten angenehmer könnte die Chauce ablaufen, wenn sie ihm einen kleinen Handel unterbreiten konnte.
Ein paar Informationen zu Daarsoon im Austausch gegen süße RACHE?