Sie nannten sich die Diebesgilde. Stets auf der Suche nach Männern mit Schneid und Geschick.
Fermindia war zwar kein Mann, doch als sie erfuhr, was hier mit Frauen geschah,
hielt sie es für angebrachter auch diese Tatsache für sich zu behalten.
Hier war sie Fermin. Ein mädchenhafter Junge der gerne deswegen gehänselt wurde.
Doch dies war besser als zuzugeben eine Frau zu sein.
Sie lernte tatsächlich viel, und erhielt für kleinere Diebstähle auch einige Groschen,
auch wenn sie fand es hätte mehr sein können.
Doch sie lebte nun hier, hatte ein Dach über dem Kopf und bekam ausreichend Nahrung.
Und - sie war einfach nicht alleine.
Auch wenn sie der Gesellschaft dieser Männer oftmals entfliehen wollte, war es besser als die Einsamkeit.
Probleme entwickelten sich, als Fermindias Körper zu verändern begann.
Ihre Oberweite begann zu wachsen und ihre Taille war deutlich schmaler als ihre Hüfte geworden.
Durch die Kleidung ließ sich viel verdecken, aber auch viel erahnen.
Sie wickelte sich mit einem Tuch stets den Oberkörper eng ein,
damit kaum ein Brustansatz zu erkennen war.
Kritisch wurde es, als sie während einer Versammlung zu bluten begann...
Schnell spielte sie eine Schnittverletzung am Oberschenkel vor,
die sie sich durch einen Kampf mit einer Zwergin zugezogen hätte, vorerst mit Erfolg.
Einige Zeit verging, wenn nicht sogar weitere Jahre, in welchen sie es mit Erfolg zu verheimlichen schien.
Sie war nun 17 Jahre jung. Sie lernte viel dazu, wurde flink und geschickt auch im Umgang
mit Waffen und leichten Rüstungen.
Magnos, ein junger doch sehr hinterhältiger Mann aus der Diebesgilde,
kam eines Tages ungebeten in ihr Zimmer, als sie sich gerade einen neuen Brustverband angelegt hatte.
Schnell schoss sie um ihn, schlug die Tür zu und hielt ihm im selben
Moment bereits ein Messer an die Kehle.
,,Sagst du ein Wort, bist du des Todes...", flüsterte sie ihm ins Ohr.
Plötzlich spürte sie eine Klinge an ihrem Oberschenkel.
,,Schnittverletzung, ja?" Sie ließ von ihm ab. ,,Wer weiß es noch?"
,,Ich weiß es nicht. Die meisten sind hier sicher eh zu dumm um so etwas zu bemerken."
Deprimiert ließ sie sich auf ihr Bett sinken.
,,Ich werde es auch niemandem sagen, wenn du tust was ich sage..."
„Ich unterstehe dir nicht. Hokrus ist mein Lehrer.“
,,Ich rede nicht von Diebstählen die du für mich durchführen sollst meine Liebe..."
Sie wusste genau worauf er hinaus will, und schmiedete bereits einen Plan ihn los zu werden.
Doch plötzlich warf er sich auf sie und begann ihr die restlichen Kleider vom Leib zu reißen.
Ein erbitterter Kampf entbrannte, bis Fermindia das soeben niedergelegte Messer fassen konnte,
und es ihm gen Schlüsselbein rammte.
Sie wandte sich unter ihm hinaus, legte schnell ihre Kleidung an,
und packte zusammen was sie tragen konnte.
Sie durchsuchte den leblosen Körper von Magnos und nahm sich seine restlichen Münzen.
Zwischen den Münzen fand sie einen Schlüssel.
Magnos war einer der drei Schlüsselträger.
Er war der Sohn von Amendor, der Mann, und auch Oberhaupt der hier ansässigen Diebesgilde,
der sie vor Jahren aus der Taverne gezogen hatte.
Selbst verständlich, dies war der Schlüssel zu der Kiste mit der Beute.
Sie ließ all die schlecht gearbeiteten und schweren Gegenstände liegen und lief nur schnell zu der Kiste.
Kaum jemand wusste wo diese steht, doch Fermindia war wie auch früher noch sehr neugierig
und folgte gerne unbemerkt den Schlüsselträgern. Da stand sie, die Kiste.
Sie schloss sie auf, griff nach den Beuteln voller Gold und rannte hinaus. Aus dem Haus, aus der Stadt.
Sie lachte. Ein Kutscher hatte sie mit in eine weit entfernte Stadt genommen.
Ein Goldstück hatte dem Kutscher gereicht um ihr eine angenehme Fahrt zu ermöglichen.
Nun erst konnte sie ihre Beute überblicken.
In der Stadt angekommen begann sich Fermindia neu auszurüsten.
Das Beste vom Besten sollte es sein, eine Kettenrüstung, ein neuer Dolch, ein Rapier und ein Langbogen.
Alles was sie in der Diebesgilde lernte, könnte sie nun zu einem der reichsten Menschen machen.
Nun hatte sie alles. Genug um sich zu verteidigen, genug um etwas zu stehlen,
genug um jemand etwas vorzugaukeln oder um mit jemandem zu verhandeln.
Nun konnten neue Abenteuer beginnen…