Unter dem roten Mond

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Keylon von Salberg
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Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Beitrag von Keylon von Salberg »

Weg!
Sie waren einfach weg.
Key war verzweifelt. Wenn sie jetzt etwas anstellten. Er sollte doch auf sie aufpassen.
Das hatte er auch die ganzen drei Tage gemacht gehabt. Stets vor der Tür des Lazarettes. Nur ab und an hatte er sich für ein paar Stunden Schlaf ablösen lassen.
Auf die Idee das sie überhaupt hätten entkommen wollen wäre er nicht einmal im Traum gekommen.

Keylon stöhnte. Die Angst um seine Familie hatte ihn ergriffen und auch die Tatsache das es das wohl war mit seiner erhofften Beförderung, er konnte froh sein wenn man ihn nicht sogar degradierte.
Würde er sich nicht so viele Sorgen machen, wäre er wütend auf sie.
Was wenn sie jetzt jemanden beißen würden.
Szenen einer Epidemie füllten seinen Kopf. Ja die Familie würde in die Geschichtsbücher eingehen als jene die für den Ausbruch einer großen Plage verantwortlich waren.
Egal wie er musste sie finden, und auch irgendwie aufhalten etwas Dummes zu tun.
Gemeinsam mit den Klosterwachen begab er sich noch direkt auf die Suche in direkter Umgebung, aber es war zwecklos. In dunkler Nacht fand man nicht mal Spuren von den Dreien.
So machte er sich im Morgengrauen selber auf die Suche.
Zuletzt geändert von Keylon von Salberg am Samstag 4. Juli 2015, 15:17, insgesamt 2-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

Die Wut, die zur Rastlosigkeit führt

Die Momente der kleinen quirligen Piratin in denen sie noch klar denken konnte, waren selten geworden. Immer häufiger wachte sie morgens auf und konnte sich an die letzte Nacht nicht erinnern. Manchmal jedoch hatte sie die Szenen der Nacht widerum klar vor Augen. An das woran sie sich dann erinnern konnte, liess ihr das Blut in den Adern gefrieren. Angst machte sich in ihr breit, die sie auch durchaus zeigte. Kaum ein Tag veging, an dem Joschuar sie nicht wider zusammen flicken musste, als sie bei Morgengrauen zurück auf die Insel kam.
Joschuar war Ratlos und wusste keinen Rat mehr und bat deshalb schriftlich bei Kysira um Hilfe. So hoffte er, das vieleicht sie etwas dagegen unternehmen könne, bevor noch mehr Unheil passierte. In seinem Labor machte sich Joschuar daran, einen Trank zu brauen, den er der der kleinen Piratin mit folgenden Worten gab. Wenn du merkst, das die Wut und der Durst dich droht zu übermannen, trinke das Zeug. Es haut einen Gorilla von den Füssen und lässt ihn schlafen.
Sie nahm die Tränke an sich und nickte nur schwach, in seine Richtung blickend. Irgendwas war am heutigen Morgen jedoch anders als sonst. Sie verspürte eine gewisse Präsenz, obwohl sie doch ganz alleine in ihrem Haus auf der Insel saß. Es war, als würde sie jemand rufen, doch konnte sie weder jemanden sehen, noch konnte sie lokalisieren, woher diese Stimme kam.
Langsam erhob sie sich von ihrem Sitzkissen, griff zu ihrem Mantel und ging hinaus vor die Türe. Ruhig ging der Blick aufmerksam umher und suchte die gegend ab. Sie versuchte sich dagegen ein letztes mal zu wehren und wollte die gedanken frei kriegen. Doch sie war mittlerweile zu schwach und brachte nicht mehr die Kraft auf, sich dagegen zu wehren.
So gab sie schlussendlich nach und irrte umher, dem fremden Ruf in ihrem Kopf folgend. Wohin mag es sie wohl führen, was oder besser, wen würde sie wohl vorfinden?
Adelena Bergon

Beitrag von Adelena Bergon »

Verdammter Mist!
Mit verschränkten Armen vor der Brust stand sie am Fenster im Gästehaus des Klosters und starrte nun schon eine gefühlte Ewigkeit hinaus auf den Teich.
Wenn man sonst nichts tun kann, ist das Grübeln über das eigene Leben und die Zukunft das aller schlimmste, das einem einfallen kann, besonders, wenn man erfuhr, dass man wahrscheinlich von einem krathorischen Fluch besessen ist.

3 Tage war es nun her, dass sie von Melina und ... nein, es war nur Melina, zum Glück, gebissen wurde.
Sie hatte Adelena und Zahrak am kleinen See in Kronwalden ausfindig gemacht. Wahrscheinlich spürte sie seine Anwesenheit. Auch Adelena konnte nun den zarten dunklen Faden spüren, der sie mit Zahrak und Aries verband. Und er wurde mit jeder Minute stärker, genau wie ihre Kopfschmerzen und der Druck auf ihrer Brust. Das hatte sie höchstwahrscheinlich diesem vermaledeitem Kloster zu verdanken.

Blutdurst war es, das Melina antrieb. Sie wusste es, denn auch sie konnte bereits das Brennen in den Adern und die nicht enden wollende Trockenheit im Mund zu spüren. Sie war aus ihrem Versteck im Busch gekommen, hatte Zahrak ihre blutige Hand hingestreckt und versucht, ihn mit dem Blut anzulocken, ihn zu reizen, zu verzaubern! Und es gelang ihr!
Mit ungläubigem Blick musste sie mit ansehen, wie Zahrak verzweifelt versuchte, sich gegen das zu wehren, wonach sich sein ganzer Körper sehnte, Blut, IHR Blut … und wie er verlor.
Schulter an Schulter stand er mit Melina, wie ein Wolfsrudel, das die Beute in die Falle bugsierte. Ihr blieb nur noch weg zu laufen, doch sie stolperte über eine Wurzel und schrammte sich Gesicht und Hände auf. Der Duft des frischen Blutes spornte die beiden aber nur noch mehr an und mit einem Satz waren sie bei ihr und beugten sich über sie.
Nur einem glücklichen Zufall verdankte sie wohl, dass sie nun noch hier stehen und grübeln konnte, Hailey! Nie hätte sie gedacht, dass sie ausgerechnet ihr das Leben verdanken würde, aber Adelena war mehr als dankbar darüber. Haileys Ankuft lenkte Zahrak ab und er versuchte sie von Melina´s Beute fern zu halten, oder von Melina selbst, die in der Zwischenzeit sie bewusstlos gewürgt hatte um von ihrem Hals zu trinken. Die Schwärze der Bewusstlosigkeit hatte sie schnell umarmt und doch war es Haileys Gesicht, das sie als letztes sah.
Wenn sie das alles hier überstand, musste sie dringend mal mit Keylon über seine Frau sprechen … und sich bei Hailey bedanken. Eigentlich auch entschuldigen, aber das wäre wohl zu viel fürs erste.

Als sie wieder zu Bewusstsein kam, war alles nur noch ein heilloses Durcheinander, alle möglichen Leute liefen wild durcheinander und sie hörte am Rande ihres Bewusstseins auch immer wieder die Salbergschen Kinder. Kinder? Bei Temora! Sie hätten nie so etwas sehen sollen. Besonders die kleine Millie. Aries war schon etwas größer, aber dennoch ein Kind und noch keine Erwachsene. Und sie machte auch so schon genug durch mit ihrem eigenen Biss vor ein paar Tagen. Und dann noch das Blut von Zahrak zu bekommen…sie mochte sich gar nicht vorstellen, was das für die arme Aries bedeutete.

Zahrak, Aries und sie waren jetzt schon seit drei Tagen hier im Kloster im Gästehaus und konnten nichts anderes als warten. Seine Gnaden Emric hatte sie einer äußerst schmerzhaften Untersuchung unterzogen und festgestellt, dass sie wohl unter einem Fluch Krathors stand. Seitdem waren sie hier „Gäste“, nur eben mit einer Wache vor der Türe.

Zahrak ging schon sicher seit einer Stunde wieder oben auf und ab und seine Schritte machten sie langsam wahnsinnig, also ging sie nach oben um ihm eine Idee mitzuteilen, die sie eben hatte.
„Erinnerst du dich an Claudius Delart, der mich damals mit zu dir in den Laden brachte? Er diente einst einer Bruderschaft der Herrin Temora. Vielleicht hat er noch Unterlagen, die helfen könnten?“
Doch sie erntete nur einen höhnischen Blick von Zahrak und er sprach aus, was sie nur zu gut wusste. „Blödsinn, uns hilft nur eines …. Trinken!“

Allein bei dem Gedanken stand jede Faser ihres Körpers unter Feuer und lechzte danach. Der Fluch verband sie irgendwie mit Zahrak und Aries, die wohl von dem Gespräch aufgewacht war und nun zu ihnen stieß. Das war jedoch sicher der einzige Grund, warum sie nicht auf die beiden losging. Würde jemand zur Türe herein kommen, sie könnte für nichts garantieren und das erschreckte sie. Eigentlich war sie doch nicht so … oder doch? Wieviel war eigentlich der Fluch und was war sie?

„Wir müssen hier raus und zwar sofort!“ brachte es Zahrak wieder auf den Punkt.
Gesagt getan! Sie berieten sich kurz was wohl die beste Möglichkeit zur Flucht sein würde und schließlich einigte man sich darauf, dass es wohl am besten ist, über die unbewachte Seite des kleinen Teiches zu fliehen. So stiegen die drei also aus dem Fenster, in den Teich hinein, ohne auch nur einen Laut zu machen und bahnten sich ihren Weg durch die Häuser und durch die Dunkelheit bis nach Bajard, wo man sich in einem kleinen Baumhaus versteckte bis sich die Nacht über sie senkte.
Und dann.. wenn alles schlief, würde sie sich endlich holen können, wonach sie gierte, was sie so verzweifelt begehrte….BLUT!!
Gast

Beitrag von Gast »

Als wir den Platz betraten, kam es einen so unreal vor, dass man sich fragte ob man auf dem Weg, den man gerade beschritten hatte, einfach eingeschlafen war. Als hätte man einen Traum betreten, der verworrener nicht hätte sein können. Ein Traum, aus dem man am Morgen aufwachte und sich dreimal überlegen musste, was denn eigentlich geschehen war. Also, als wir den Platz betraten, erblickte man, zwischen diversen Ruinen, altem Holz, zerfallenen Zäunen und verdorbenen Boden die Diener Krathors, welche, eingehüllt in ihren Kutten, ein Ritual abhielten oder abgehalten hatten oder noch vor hatten zu halten... Die Präsenz um uns herum war unangenehm drückend und gesellte sich zu dem Gefühl hinzu, welches einen denken ließ, dass das nicht möglich war, was dort geschah.

Weswegen war man also da: Wir wollten unseren Wüstensohn beschützen, ihn retten und zurück in die Heimat bringen, wurde er umgarnt von den falschen Versprechungen, welche die Totengräber ihm gaben. Es stellte sich nur die Frage wie. Ich starrte dem Phoenix entgegen, ich fürchtete ihn und doch, seitdem der Lethar mir mein Augenlicht nahm, war die Angst vor dem Tod nicht mehr so vorhanden, wie ich es einst gewohnt war. Er war verletzt und doch unterschätzte ich ihn nicht, was bedauerlich war, denn manchmal sind gerade die Handlungen in solch einer Stimmungslage die Besten. Denn jene erwartet man nicht.

Die Sekban gab mir das Wort, ein Wort was ich in dem Fall nicht haben wollte. Ich musste Entscheidungen treffen, Entscheidungen, die eventuell das Leben des Sanjak gekostet hätten, das Leben der hinter mir stehenden. So stand ich da, starrte Saajid eine ganze Weile an und versuchte mich an sein Wesen zu erinnern. Er wirkte so verloren in den Fängern des Dieners, das ich immer wieder den Gedanken in mir trug, dass wir bereits versagt hätten, ohne angefangen zu haben. Es blieb also nur dieser Moment, diese Idee und ich hoffte auf sein Herz und seine Seele, das Wichtigste seines Seins. So drangen Worte aus meinen Mund, die ihn an sein Volk, seine Familie und sein Blut erinnern sollten und als das sogar seinen nötigen Zweck erfüllte, bat ich seine Familie darum mit ihm zu sprechen, auf ihn einzureden. Erinnerungen wurden durch den Abend getragen, die ihn wieder an sein wahres Leben binden sollten, Erinnerungen, die ihn zu dem machten was er war, ein Menekaner, ein Azeezah. Nach und nach, dann brach das Band, der Phoenix fiel. Nicht aus dem Feuer in die Asche. Sonder von Asche zu Asche. Der Sohn war frei und Eluive selbst zeigte erneut, auf was es wirklich ankam, in der dunkelsten Stunde: Das Herz.

  • "Wir denken nie wirklich an das Leben nach dem Tod, erst wenn er direkt vor einem steht und einem die Angst die Kehle zudrückt, befasst mich sich damit. Bedauerlich, für mich, weniger für ihn."
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Cara DelMur
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Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Beitrag von Cara DelMur »

Ihre Laune war bestens, trotz... oder auch gerade deswegen! Auf jeden Fall war es eben eher himmelhoch jauchzend. Und das zu Tode betrübt würde eh irgendwann wieder anklopfen. Zum Kuckuck damit!
Das Gespräch mit Enomis war erfrischend gewesen mitsamt ihrer bildlichen Enthauptung Liska's. Nur Tzion's Wortwitzspiel war ihr irgendwo nicht aufgegangen. Einerlei. Ihre Laune war bestens gewesen, trotz... oder auch gerade deswegen!
So war sie mit ihren Gedanken noch leichthin den Worten der Ritterin gefolgt, als jene mit Tzion über Flüche sprach. "Hatt er eine lange Nase oder grosse Ohren bekommen?" Im Nachhinein nun... wie hm. Nicht das erste Mal, dass sie unangenehm bei der Ritterin auffiel. Fehlte nur noch das goldene dritte Mal, um es rund zu machen!
Nunja, je länger die Ritterin gesprochen hatte, desto mehr wich Heiterkeit Besorgnis, mit dem aufrichtigem Wunsch zu helfen. Gut, eine gewisse Neugier verlangte natürlich auch nach Befriedigung. Ob es wirklich mit den Tieren in Verbindung stand, wie Tzion anmerkte? KohleAugen, Aggression.... Es war nicht auszuschliessen.

So machte sich der ganze Trupp auf, um einen Blick auf das Opfer zu werfen. Das Opfer war augenscheinlich wohl auf und noch zu Scherzen aufgelegt. Dunkel schimmerten die sonst blauen Adern unter der Haut. Keine Schmerzen. Bei Lille sei man gewesen. Kein Gift. Und Tzion konnte keine ungewöhnlichen Überlagerungen erkennen. Er war erfahren genug, als das sie ihm nicht geglaubt hätte. Trotzdem erlaubte sie sich selbst einen kleinen Blick in die Schöpfungsklänge des Opfers. Nichts. Aber das Nichts war so unschuldig, dass es eigentlich kein Nichts sein konnte. Sie konnte es regelrecht schmecken, wie versalzene Suppe. Dieses Bauchgefühl war ihr vertraut. Ja, die Suppe war versalzen.
Sie sollten das Opfer unbedingt zum Tempel bringen und jede Möglichkeit ausschöpfen.

Vielleicht war es auch etwas persönliches. Hm. Dunkel erinnerte sie sich an das Schreiben der Heilerin, welches Tage davor eingetroffen war und von einem? ähnlichen Fall berichtete. Hm.
Alle Möglichkeiten ausschöpfen. Sie hatte erst neue Egel aus dem Sumpf geholt... Vielleicht...

Alle Möglichkeiten ausschöpfen. Also brachte sie ein paar der kleinen Biester, damit sie sich am Opfer nähren konnten und man würde sehen, was sich daraus gab, falls sich überhaupt etwas ergab. Erst einmal mussten sie sich satt fressen.
Jacqueline Perera
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Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Jacqueline Perera »

        • Lebenskraft zeigt sich nicht nur als Stehvermögen,
            • sondern als Mut zum Neubeginn.
          • Francis Scott Fitzgerald (1896 - 1940), US-amerikanischer Schriftsteller (u.a. "Der große Gatsby")

Der Sand unter ihrem Leib drückt sich in die Haut hinein um später wohl kleine Spuren zu hinterlassen, das ein oder andere Sandkorn wird wohl so fest an ihren Körper gepresst sein das es dort, wohl auch noch nachdem sie sich erhoben hat, verweilen wird. Die Augen blicken zum Himmelszelt und den funkelnden Sternen während sie der Stille der Nacht Gehör schenken wird. Ein tiefer Atemzug wird die Lungen füllen während sich ein flüchtiges Lächeln auf ihre Züge stiehlt. Zwischen Daumen und Zeigefinger wird sie einen Ring hin und her drehen, immer und immer wieder dabei die Signatur streifend.

Viele Monde waren vergangen seit sich all jenes verändert hatte und Tag ein Tag aus hat sich die Heimat noch mehr als etwas etabliert was sie nicht mehr hinfort denken konnte, es war ihr Zuhause, ihr Herz und vor allem etwas was mit ihrem Blut verflochten war. Nach und nach ließ sie diese eine Nacht Revue passieren, das was dort geschehen war, das was dort von statten ging und auch wenn sie sich nun auf eine Art und Weiße unvollständig fühlte, fühlte sie sich doch gleichsam freier. Als hätte man ihr eine Last genommen, als hätte man ihr etwas beraubt und dennoch ein so befreiendes Gefühl wie schon lange zuvor nicht mehr. Als hätte eine Hand welche ihr Herz krampfhaft zerquetscht hatte, nun ihren Griff etwas gelockert und dadurch wieder Freiräume geschaffen.
Trotz jenes gefühlten Freiraumes war da noch diese drückende Leere, dieses Nichts was dort plötzlich inne wohnte, ein Beigeschmack welcher trotz des teils erleichternden Gefühls, einen bitteren Beigeschmack hatte.


Die Augen schließen sich während sich nach und nach jene Nacht wieder in ihr Gedächtnis schleicht, Bilder, Gefühle.....Angst, Panik...

Von weitem ist leises Glockenspiel zu vernehmen, das kreischen einiger Möwen und ihre Flügelschläge welche die Luft hörbar aufwirbeln. Gerüche welche sich in die Nase drängen und den Geruchssinn aufs äußerste reizen, so weit das es einem der Geschmack von Eisen in den Gaumen zieht und das Erbrechen immer weiter hinauszögert.
All jenes wandert dabei in eine Ferne, gefühlt scheint es, als würden sich kalte Finger um mein Fußgelenk schlingen und mir langsam und dennoch mit einem dann schnellen Ruck, den Boden unter den Füßen ziehen. Zwanghaft versuchen meine Finger nach einem Halt zu suchen, versuchend mich irgendwo zu greifen um mich nicht weiter in das Nichts ziehen zu lassen. Die Geräusche schwinden, die Gerüche ebenso, als würde alles um mich herum wie von Geisterhand hinfort gewischt werden. Mein Magen krampft sich zusammen, jener krampfende fast stechende Schmerz wandert empor zu meinem Herzen und ab dann schwindet das Gefühl in meinen Händen. Ich spüre meine Glieder kaum noch ein Gefühl als würde all jenes aus einer sämigen Masse bestehen welche jederzeit ihre Festigkeit verlieren könnte. Mir wird schlecht, kotzübel und schwindelig und dann...ist da Nichts....meine Augenlider fallen nieder....schlafen....ruhe....


Kleiner Schelm bist du, weißt du was ich tu.
Ich steck dich in nen Hafersack und bind den zackig zu.
Wenn du von Herzem dann noch schreist
und bittest, flehst das du am leben bleibst.
Dann bind ich ihn noch fester zu
und zünd ihn an in Nimmeruh.


Getragen von klarer Kinderszunge klingt jene Strophe an mein Ohr als würde der Wind selbst jene leichte Stimme mit sich tragen. Langsam kehrt mein Geist zurück, leben...ich fühle es, ich fühle wieder Puls in meinen Adern das Blut zum Herzen pumpt. Die Übelkeit verweilt weiter und auch das Dumpfe dröhnen, brummend, drückend, welches sich in meinem Gehör manifestiert hat. Es ist kalt, der Stein ist kalt und hart....Leise höre ich das tapsen, als würden vier Pfoten auf dem Weg zu mir immer näher kommen. Dann halten jene Schritte inne und ich spüre den warmen Atem in meinem Nacken.

Bin ich hier? Bin ich dort? Bin ich am falschen Ort?

Warst du je falsch?

War ich?

Warst du?


Schmerz, da war er, der Schmerz. Ich blicke auf meine Brust hinab, Blut strömt vom platze wo mein Herz einst inne wohnte, jenes Herz welches nun die Pranke - welche haariger nicht sein könnte - schmückt, es pumpt..das dunkle, triefende Herz...es pumpt. Krampfhaft, schnell, als würde es versuchen bei Leben zu bleiben und dann...dann wird es langsamer...immerzu...langsamer bis es gänzlich still zu sein scheint. Kein zucken, kein ruckeln, kein pumpen...kein schlag.....nichts...und meine Brust, jene fühlt sich ebenso leer an. Lediglich das Blut welches dort siechend den Weg hinab auf die Erde findet schmückt die Stelle und dennoch sitze ich auf dem kalten Stein und starre das Herz an....ich lebe?



Die Augen öffnen sich wieder, ein abermals tiefer Atemzug füllt die Lungen, als würde sie ihrem Körper damit wieder die nötige Kraft spenden wollen um sich dann endlich zu erheben. Eher schleppend klopft sie sich den Sand vom Körper und macht sich auf den Weg in Richtung Haus. Ein flüchtiger Blick zu ihrer Hand, der Ring an ihrem Finger, er war wieder zurück, ihr Herzstück. Leise knarzend öffnet sie die Türe und hält einige Augenblicke vor dem Spiegel inne sich anblickend...sie hatte sich verändert...etwas, hatte sich verändert.

      • Eine Veränderung bewirkt stets eine weitere Veränderung.
          • Niccoló Machiavelli (1469 - 1527), italienischer Staatsmann und Schriftsteller
Zuletzt geändert von Jacqueline Perera am Mittwoch 15. Juli 2015, 00:59, insgesamt 1-mal geändert.
Auch du bist nur ein Mensch.
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