Zwischen Alkohol, Frauen und Prügeleien...

Geschichten eurer Charaktere
Zahrak Salberg

Zwischen Alkohol, Frauen und Prügeleien...

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... aus dem Leben von Zahrak Salberg!

*Er saß auf dem Sofa, neben ihm knisterte die letzte Glut des Kamins in die viel zu spät gewordene Nacht hinein und durbrach somit ihre Stille. Total übermüdet saß oder besser gesagt hang Zahrak dort und sinnierte vor sich hin. Der Tag ist stressig gewesen, doch noch stressiger war es der Abend davor gewesen. Die Rückenschmerzen meldeten sich wieder, als er sich erinnerte. Vor ihm auf dem Tisch standen eine Flasche Schnaps und ein Glas, in dem noch ein guter Schluck drin war. Ein Blick auf die Flasche verriet Zahrak, dass es wieder zu viel gewesen war, doch bald würde es auch seine Vorteile zeigen. Mit Sicherheit! Denn Alkohol betäubte, das wusste er und Betäubung war immer gut bei Schmerzen. Auch, wenn es in seinem Fall sicherlich bessere Möglichkeiten gab, mit den Rückenschmerzen, die ja noch selbst verschuldet waren, umzugehen. So griff er schließlich doch wieder zum Glas und leerte es, ehe er sich erhob und nach oben stiefelte, nur um da zu Buch und Feder zu greifen. Eher plumsend lies er sich auf dem Stuhl vorm Tisch nieder und begann, ein paar Zeilen zu Papier zu bringen. In unregelmäßigen Abständen verunstalten Tintenflecke und Schmiere das Blatt, zittrige Hände oder Anfälle von Sekundenschläfen lassen das Schriftbild mehrere Male verwackeln und in einen Zustand von "kaum noch lesbar" fallen...*

Berchgard,
10. oder auch 11. Goldblatt 257

Ich trinke zu viel und irgendwie wird mir das immer bewusst, wenn ich es wieder getan habe. Keine Ahnung, aber danach ist das alles übertrieben. Als würde ich zu viel trinken. Und Schlägereien! Meine Letzte hatte ich vor 2 Tagen. Gut, eigentlich vor einem. Aber das war mein Bruder! Das kann man doch nicht zählen!
Naja, wie auch immer. Eigentlich wollte ich das nur mal aufschreiben. Vielleicht bringts ja was. Naja, aber vielleicht auch nicht. Wir werdens sehen! Auf jeden Fall versuch ich jetzt mal zu pennen. Bin gespannt, ob das klappt. Der Idiot hat mir mächtig Rückenschmerzen bereitet. Ach, lassen wir das für heute.


*Der Bericht bricht abrupt ab, der Punkt am Ende ist einige Fingerbreiten lang, als wäre die Feder samt Hand vom Papier runter gerutscht. Hätte man Zahrak in dem Moment gesehen, wäre es ein Leichtes gewesen, zu erkennen, dass sein fehlendes Bewusstsein und die daraus reslutierende Erschlaffung des Körpers dafür verantwortlich sind. So wird er wohl direkt neben dem Stuhl liegen. Wenig gemütlich und auch nicht den Eindruck erweckend, dass es geplant war...*
Zahrak Salberg

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*Ein lautes Krachen ertönte, dann trat allgemeine Stille in der Taverne ein. Alle Köpfe ruckten herum, um zu erkennen, was los war.
Dort standen sich zwei Männer gegenüber und starrten sich an. Beide waren groß, irgend etwas zwischen 1,80m und 1,90m. Der Eine hatte lange, schwarze Haare und kleidete sich eher edel, der Andere hatte eine dunkelblonde Wuschelfrisur und schlichte, gemütliche Kleidung. Ersterer hielt eine Pistole in der Hand, hatte wohl vorgehabt, sie zu benutzen, starrte aber nun insgeheim erschrocken zu seinem Kontrahenten, dessen geballte Faust nur einen Hauch am Kopf vorbei in die hölzerne Wand eingeschlagen war und einen Splitterhaufen hinterließ. Eine gefühlte halbe Ewigkeit lang geschah nichts, bis der Zweite schließlich seine Stimme erhob:
"Bedrohe niemals die Familie eines Mannes! Capiche?" Das letzte Wort wurde deutlich betont und dann grinste er auf einmal, wenngleich es kein Zeichen von Freude war. Der Schwarzhaarige schnaubte daraufhin nur und wandte sich ruckartig ab, um zu gehen. Dabei rammte er noch mehrere Gäste der Taverne, schwieg aber weiterhin. Erst im Ausgang stehend drehte er sich noch einmal um und brüllte: "Das wird ein Nachspiel haben! Verlass' dich drauf, amigo!" Kaum waren diese Worte verklungen, knallte die Tür hinter ihm zu.
Einige Stunden später berührte Zahraks Feder wieder ein Papier und schrieb einige Zeilen nieder...*


Berchgard,
22. Goldblatt 257

Soll ich jetzt zufrieden sein, weil der Typ keinen Schaden erlitten hat oder soll ich mich ärgern, weil meine Faust schon wieder zum Einsatz gekommen ist und dazu auch noch Spuren vom Abend aufweist?

*Das Fragezeichen ähnelte mehr einem zwecklosen Tintenklecks, als hätte der Verfasser vergessen, die Feder vom Papier abzusetzen.*
Ist ja auch egal. Die sollen froh sein, dass er noch lebt und es nur die Wand war.

*Damit beendet er auch schon das Schreiben und legt es zum Anderen, ehe er sich ins Bett fallen lässt.*
Zuletzt geändert von Zahrak Salberg am Mittwoch 14. Januar 2015, 16:05, insgesamt 1-mal geändert.
Zahrak Salberg

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... kam auf einmal Verantwortung hinzu!

Zahrak wachte irgendwann kurz vor der Morgendämmerung auf und blickte zur Seite. In seinem Arm lag Linnea. Selenruhig schlief sie noch, an ihn gekuschelt und zauberte dem Schneider ein zufriedenes Lächeln auf die Züge. Sanft streichelte er ihr über das Haar und ihre Wange, ehe er seinen Blick dann aus dem Fenster schweifen ließ. Der Himmel färbte sich nach und nach gräulich bis hellblau und ermöglichte es, Kronwalden in seiner morgendlichen Ruhe zu betrachten.
Es war die erste Nacht gewesen, in der er nicht davon wach geworden war, an den Streit mit Tius gedacht zu haben. Natürlich waren 2 Stundenläufe nicht viel, aber es war mehr, als sich 5 Stunden hin und her zu drehen. Vermutlich war es durch die lange Nacht und die Anstrengungen während der Behandlung zu dem Bisschen wirklich tiefen Schlaf gekommen, doch nun war er wieder wach und dachte nach. Das Gespräch mit Hailey vor ein paar Tagen hatte nicht mehr Aufschluss darüber gebracht, was nun zu tun war, aber immerhin war es ihm einmal möglich gewesen, seinen Frust, den er die Tage über in sich hinein gefressen hatte, los zu werden. Und dennoch gingen ihm die Bilder nicht aus dem Kopf, wie ihn Tania angsterfüllt angeschaut hatte, als seine rechte Hand ihren Hals umschloss, während die linke zu einer Faust geballt neben ihrem Kopf an der bröckeligen Wand verweilte. Wut war in dem Moment das Einzige gewesen, was er gespürt hatte und auch beim Gedanken daran verspürte er nur Wut, aber nicht auf Tania, die ihn bewusst gereizt hatte, sondern Wut über sein eigenes, impulsives und zurückhaltungsloses Verhalten Tius gegenüber, der verständlicher Weise genauso einen Schockmoment erlitten hatte wie seine Mutter. Die kurz darauf gesprochenen Worte seines Sohnes waren seit dem Tag wie in sein Gedächtnis gebrannt: "Krieg' dich ein oder ich will nichts mehr mit dir zu tun haben." Er war erst 8, ja, aber das waren nicht die Worte eines 8-jährigen gewesen und so war es noch viel schwieriger, diese Äußerung auf kindliche Naivivtät und den Schock zu schieben, als es so schon war.
Als Linnea sich bewegte wanderte sein Blick sofort wieder zu ihr rüber, aus Angst, sie würde wach werden, doch sie drehte sich nur etwas und kuschelte an ihn. Beruhigt atmete Zahrak aus und streichelte ihr wieder über das Haar, während er weiter versuchte, erneut in den Schlaf zu finden. Die ersten Strahlen der Sonne erschwerten es ungemein und so fielen ihm die Lider erst kurz vor der 9. Morgenstunde, aus reiner Übermüdung, zu.
Zahrak Salberg

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... stieg plötzlich Vernunft in ihm auf!

Er verstand schon nicht mehr, was der Mistkerl vor ihm sagte. Es war wie ein Stummfilm, als Adrenalin an die Stelle von Ruhe, Wut an jene der Selbstbeherrschung und offensives Verhalten anstatt der Defensive kamen. Sein kompletter Körper spannte sich schlagartig an, als er sich erhob und da war es auch schon zu spät. Von rechts und links kamen jeweils noch zwei Männer hinzu und drängten ihn nur aus der Taverne. Vermutlich wäre es besser gewesen, hätte er den Schutz dieses Hauses um sich behalten, doch anstandslos ging er rückwärts gen Ausgang und stand keine 5 Atemzüge später im eisigen Schnee.
Der erste Mann schlug noch mit der Faust nach Zahrak und zwang jenen in ein Ausweichmanöver, ehe er irgendeinen Namen rief und der Schneider noch im selben Moment einen dumpfen Schlag in seinem Nacken verspürte, ehe er nach vorne auf die Knie sackte. Dann verschwomm das Bild nach und nach und das Nächste, was er verspürte, waren beißende Kälte und ein stechender Schmerz in seiner Seite, während sich der Kopf wie zugedröhnt anfühlte.
Als er die Augen öffnete, sah er im ersten Moment nur Dunkelheit, dann kam mit zunehmender Sicht auch wieder Klarheit. Es war die Mietstaverne, in der er sich befand. Ein Blick zur Seite verriet ihm, dass Linnea nicht da war und ein weiterer, dass der Tag im Begrif war zu Ende zu gehen. Verschlafen tastete er nach dem Krug auf seinem Nachttisch und als er diesen sicher in der Hand hielt, nahm er erst einmal zwei kleine Schlücke, ehe er dann vergebens nach etwas Spannendem Ausschau hielt. Und es war klar, dass es dieses Mal kein Ausgang oder gar Arbeit werden würde. Er hatte versprochen, solcherlei zu unterlassen. Zugegeben hatte er dies öfter, aber diesmal wollte er sich auch wirklich daran halten.
Schließlich machte er sich einfach mal daran, ein paar Zeilen aufzuschreiben...


Adoran,
06. Hartung 258

So langsam beginne ich zu verstehen, was Onkel Arwan bei aller Antipathie, die er auf mich ausstrahlte und auch immer nocht ausstrahlt, schon immer zu wissen schien. Damals dachte ich, es sei nur eine närrische Hoffnung eines jeden erziehungsberechtigten Erwachsenen, dass Kinder früher oder später lernen und verstehen, was man ihnen predigt, doch es scheint tatsächlich zu sein. So hoffnungslos mein eigener Fall sein mag, auch ich verstehe nun, was es bedeutet Verantwortung zu übernehmen, nachdem ich mir schon Wochenläufe lang darüber klar geworden bin, dass ich sie übernehmen muss.
Für manche Entscheidungen, die ich im Leben getroffen habe kommt sie bereits zu spät, diese Einsicht, aber kaum etwas ist ganz verloren und ich sollte wohl da beginnen, wo es am meisten drückt: Tius und Tania erwarten noch immer eine Entschuldigung! Sobald es mir wieder entsprechend gut geht, werde ich sie einmal aufsuchen und mit ihnen sprechen. Auch, wenn ich davor zugegebenermaßen Angst habe.
*Der Punkt ist verwischt, als hätte Zahrak für einen Moment vergessen, die Feder wieder vom Papier abzuheben.*
Zahrak Salberg

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... schlich sich auf einmal Einsicht in sein Herz!

Leise und doch penetrant, verräterisch hallten die immer schleichenderen Schritte durch die offenen Hallen des Klosters. Er hatte das Gefühl sie seien furchtbar laut. Es störte ihn, war ihm unangenehm, denn er war sich unsicher, was er hier tun sollte. Wusste nicht einmal, ob man ihn tatsächlich dabei sehen würde oder ob das reine Einredungssache war...
Mitten in der Halle angekommen blieb er stehen und ließ seinen graublauen Blick jedes einzelne noch so kleine Detail erforschen. Die riesigen Statuen und das Fensterbild, aber auch die kleinen Papierlaternen, die Fugen im marmornen Boden. Alles erstrahlte anmutig im hellen Blau Temoras und führte ihn schließlich unbewusst weiter ins Innere, bis er vor den Stufen stehen blieb und andächtig auf die Knie ging. Für jeden, der Zahrak bisher kannte ein für unmöglich gehaltenes Phänomen. Kniend vor etwas Anderem, als sich selbst...
Er schwieg, wusste nicht, was er hätte sagen sollen. Sein Blick war nach unten gerichtet auf den Boden vor seinen Knien. Die Hände lagen locker neben seinen Seiten auf, während die Arme entspannt von seinen leicht gesenkten Schultern herab hingen.
War das dieses Gefühl, was Arwan ihm die ganze Zeit hatte versucht zu vermitteln?
Zahrak Salberg

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Erneut wurde der Krug aufgefüllt und während der tiefbraune Inhalt die Kehle runter rann wurde Zahrak bewusst, dass dies schon der 6. Krug für diesen Tag war. Seufzend stellte er das Behältnis auf der Küchentheke ab, ein leises Pocken ertönte und ein Blick durch das Haus folgte, woraufhin der Schneider schließlich leise vor sich her brummend in den Garten hinausging. Dort erwarteten ihn die Hühner schon nervös gackernd, denn ihr letztes Essen war genau so lange her wie das des Menschen und zwar bald 2 Tage. Typisch Zahrak eben. Weiter brummend füllte er also den Futtertrog auf und ging wieder herein, nur um dann oben im Arbeitszimmer weiter an den Frühlingsklamotten für Learnia zu arbeiten. Die bereits üblichen roten und grünen Stoffe wurden wie schon am Vorabend auf dem Tisch ausgebreitet und mit einer weißen Kreide deutete er einige Linien an, bevor er sich ans Schneiden machte. Stunden vergingen und nach und nach nahmen die einzelnen Stücke immer mehr Gestalt an.
Als er ein Magenknurren spürte, war er wie wieder in die Gegenwart gerufen und blickte zum Fenster, was mittlerweile einen tiefblauen Nachthimmel offenbarte. Erneut seufzte er entnervt und ging runter in die Küche, um sich mehr notdürftig einen Laib Brot und etwas Käse zu nehmen. Bereits während des erneuten Hochgehens aß er es oder wie er sagen würde: er schob es sich zwischen die Kauleisten. Es folgten somit noch ein paar Stunden Arbeit, die diesmal den Vorbereitungen zum Berchgardfest galten. Zwischendurch landeten ein paar Notizen auf einem Schmierzettel, welcher dank der Sauklaue des Salbergs seinem Namen alle Ehre machte und irgendwann bei Morgendämmerung kippte dann der Kopf endlich mal nach vorne auf die Tischplatte und der Schneider ging ein paar Stunden Schlaf nach, bevor es so weiter gehen würde... Der Morgen beginnt jedoch immerhin etwas besinnlicher mit dem Niederschreiben von ein paar Gedanken, die dann auch zu den anderen Blättern der letzten Mondläufe wandern.


Kronwalden,
26. Eisbruch 258

Aye, was soll ich sagen? Hailey und Keylon seh ich eigentlich gar nicht mehr die letzte Zeit, Amelie nur selten, was wohl aber an unserem Arbeitswahn liegt, Linnea ist auf einer Reise und Marina, Aries und Kiara seh ich ja sowieso kaum. Im Moment geht irgendwie alles drunter und drüber. Die angedachte Arbeitspause konnte genau einen Tag andauern, dann holten mich wieder die Aufgaben ein, die ich erledigen muss. Neben der Arbeit als Schneider stehen aktuell noch das Haus an und der Versuch, die Familie ein wenig zu erreichen. Was Tius derzeit macht weiß ich grad nicht wirklich, wenn ich ehrlich bin. Tania erwähnte bei meinem letzten Besuch etwas von 'zurück ins Heim'. Temora sei Dank, dass ich nicht schon wieder ausgerastet bin, aber es geht mir wirklich gegen den Strich, dass sie meint alles selbst entscheiden zu können. Ach, ist ja jetzt auch egal. Die Arbeit wartet.
*Die letzten zwei Zeilen erwecken einen noch hektischeren Eindruck, als es die krakelige Handschrift ohnehin schon hergibt und dann ist das Schreiben auch abrupt abgebrochen.*
Zahrak Salberg

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... musste er Beständigkeit beweisen.

"Du hast hiermit offiziell die Erlaubnis mir eine zu verpassen, wenn ich morgen wieder nen Kater hab."
"Ach, Zahrak! Das würde ich nicht tun. Du bist immer so lieb."
"Aber das ist echt scheiße. Ich hatte auch gestern nicht vor zu trinken. Soll ich dich vielleicht drum bitten?"
"Du hälst durch."

...
"Denn schlaf gut und nicht trinken! Denk an mich und die Kkleidung."
"Mach ich! .. Versprochen!"
"Wunderbar. Und ein versprechen hält man."
"Aye. Salbergehrenwort!"
"Du bist ein schatz. Wenn Lin dich nicht genommen hätte, wärst du schon mein."


Immer wieder spielte sich dieser Abend vor Zahraks innerem Auge ab. Wie eine Endlosschleife, doch es verfolgte ihn nicht auf eine Art und Weise, dass er sich davon bedrängt fühlte, sondern er untersuchte förmlich bei jedem erneuten Abspielen eine andere Stelle in seinem Leben und dachte darüber nach, was aktuell war:
Das Handelshaus Allerlei konnte sich über mangelnde Kundschaft und ausbleibenden Ruf nicht beschweren, erfreute sich vielmehr seit ein paar Tagen nun an einem weiteren Meister in seinen Reihen.
Der Streit mit Shyra war offenbar beidseitig vergeben und vergessen, denn er hatte mittlerweile einige schöne Abende im HhG verbracht und das auch oder gerade in Anwesenheit der Kriegerin.
Doch dann waren da zwei gewaltige Probleme und genau die Beiden drohten alles oder besser gesagt den Schneider aus der Bahn zu werfen. Zum Ersten - und das war vielleicht sogar noch das Schlimmere von Beiden - war Keylon offenbar immer noch krank. Lange schon hatte Zahrak darüber nachgedacht einfach mal einen Boten in die alte Heimat zu schicken und sich damit bei Onkel Arwan darüber zu informieren, ob es Keylon bereits besser ginge oder ob man ihn wenigstens mal besuchen kommne könnte. Niemand gab gerne Gefühle zu und schon gar nicht Männer, geschweige denn untereinander, aber leugnen konnte sie am Ende keiner und darüber war Zahrak sich auch im Klaren. So oder so: Irgend etwas stimmte nicht. Ob es nun einfach die Krankheit war, die Keylon und damit auch der Familie einen Streich spielen wollte oder die Tatsache, dass Keylon offenbar einfach nur vergessen hatte, sich mal zu melden. Die Zeit würde zeigen, ob Zahrak die Geduld hatte auf seinen Bruder zu warten und auf ihn zu vertrauen oder ob er doch ganz der große Bruder nach dem Rechten sehen würde.
Allerdings war da ja auch noch das zweite große Problem, was ihn zeitweise ja auch von der Bruderproblematik ablenkte. Linnea war lange auf Reisen gewesen und jetzt war sie zwar offiziell wieder da, doch es fand sich einfach absolut keine Zeit mit ihr ein paar Stunden zu verbringen. War er arbeiten, war sie zu Hause oder im Wald, war er mal zu Hause, schlief sie schon längst. Es zehrte ungemein an den Kräften des Schneiders. Gerade, weil er erst kürzlich von einer alten Art und Weise mit Frauen und Alkohl umzugehen weggekommen war. In nicht unbedingt gut versteckten Regionen des Gehirns waren diese Verhaltenszüge noch abgespeichert und gerade wenn die Arbeit wieder so einnehmend war, dass an Schlaf ohnehin nicht zu denken war, verspürte Zahrak immer mehr den Drang danach einfach wieder in alte Muster zu verfallen. Alkohol gab es ja mittlerweile wieder frei zugänglich, denn man vertraute ihm dahingehend, dass er verantwortungsbewusst damit umgehen würde. Aber wie verlockend es doch war, wenn man schon nicht eigenmächtig die Schlafmittel einnehmen durfte einfach ein, zwei zu trinken und dadurch dann auch auf Kurz oder Lang müde zu werden. Zu blöd, dass es niemals am guten Willen gescheitert hatte, sondern eher an dem noch dran Denken, während man es tut und so wurden aus 'ein, zwei' einfach mal 'ein, zwei über den Durst', alles war gut und dann folgte am nächsten Tag das schlechte Gewissen.
Aly hatte bestimmt Recht mit ihrer Annahme, dass er es schaffen würde, doch nun saß er da auf einem der Thröne vorm Kamin und stierte die geöffnete, aber nicht angefangene Bierflasche in seiner rechten Hand an, ohne nur irgend etwas Anderes dabei zu tun.
Die Zeit würde zeigen... doch wer hat schon Zeit?
Zahrak Salberg

Beitrag von Zahrak Salberg »

Es war doch tatsächlich das erste Mal in seinem Leben, dass weder eine Überdosis an Alkohol, noch eine Prügelei - die meistens ja daraus resultierte - daran Schuld waren, dass er Rückenschmerzen hatte... Nein, es war natürlich die ehrgeizige Arbeit im Laden, fürs Reich und für seine netten Kunden, die ihm sprichwörtlich das Genick brach. Wie war das noch gleich?: "Arbeite nicht so viel, du braucht auch mal Ruhe und Erholung!" "Das ich den Tag noch erlebe, an dem du freiwillig eine Pause machst.." Ja, von wegen. Hat nicht mal was gebracht. Nun hatte er trotzdem den Salat: Zwischen den Schulterblättern fühlte es sich wie eine Blockade an, die Lenden erinnerten im entferntesten Sinne an einen Muskelkater und die Beine erfroren, wenn sie nicht gerade kribbelten. Tragen konnten sie den Schneider sowieso im Moment kaum. Und was war mal wieder das Schlimmste daran? Der Männerstolz war gekränkt, der Verstand beleidigt, weil er zu langsam geschaltet hatte und Zahrak als Person genervt von dem Gemisch aus Fürsorge, Sorge und "Tja, ich habs dir doch gesagt!"
Naja, die Zeit würde schon wieder Besserug bringen. Schließlich waren doch auch die schlechten Zeiten im Leben lediglich eine Prüfung, um die darauf folgenden guten Zeiten noch mehr genießen zu können. So hatte seine Mutter es zumindest immer gesagt. Mal sehen, ob da was dran war...
Zuletzt geändert von Zahrak Salberg am Freitag 17. April 2015, 19:10, insgesamt 1-mal geändert.
Zahrak Salberg

Beitrag von Zahrak Salberg »

Hach, es gab doch Momente im Leben, da wünschte Mann sich doch nicht zugegeben zu haben, was einen plagte. So war es auch jetzt, als Zahrak bei Fin im Haus stand und sich - oder besser gesagt seinen Rücken - begutachten ließ. "Komm mal bitte zu mir und geh dann wieder zurück zum Tisch.", sagte sie und so tat Zahrak wie ihm gehießen. War ja noch alles schön und gut. Bis zu dem Moment, an dem es hieß: "Streck dich mal bitte nach vorne und versuch mit den Händen deine Füße zu berühren." Er hatte sie ganz kurz verwirrt angesehen und als ihm dann klar wurde, was sie da von ihm verlangte, stockte er. Zum Glück kam noch während des bloßen Ansatzes der Übung eine Erklärung: "Sobald es weh tut, hörst du auf. Du musst mir nichts beweisen." Einerseits sehr gut, denn der Schneider ahnte schon, dass es schmerzhaft werden würde, andererseits würde es wieder darauf hinauslaufen, dass er Schmerzen ganz offenkundig zugeben musste. Schmerzen, die ihm selbst wohl mehr Nerven abverlangten, als allen Beteiligten drumherum, die ihm etwas helfend beistehen mussten. Er schaffte es also sage und schreibe zu einem Drittel diese Übung durchzuführen, da glaubte er für den Bruchteil einer Sekunde keine Luft mehr zu bekommen, ehe er wieder klar denken konnte und merkte, dass es nur der Schmerz war, der blitzschnell hochgestiegen war. Sofort half Fin ihm wieder in eine aufrechte Haltung und beendete die Untersuchung. Es war wohl auch eine zu eindeutige Diagnose. Haltungsschäden!
Quadratisches Kissen basteln! Füße drauflegen, wenn du auf dem Rücken liegst.
Das A und O ist Wärme, Wärme, Wärme. Bad oder warme Steine auf den schmerzenden Bereich.
3-4 mal täglich einreiben mit der Salbe.
Eher stehen oder liegen, anstatt zu sitzen.
RÜCKENLEHNE!
Viel laufen und gehen, statt zu reiten.

schrieb sie ihm auf einen Zettel und drückte ihm jenen in die Hand. Das war sozusagen jetzt seine Hausaufgabe für die nächsten Tage und so bedankte er sich noch, verabschiedete sich und ging nach Hause, mit dem Versprechen sich zu melden, sollten die Schmerzen weggehen oder im schlimmsten, nicht zu hoffenden Fall der nicht-Genesung.
Zu Hause angekommen blickte er sich kurz um, stellte fest, dass er allein war und genoss erst einmal weitesgehend ein heißes Bad, bevor er dann vorm Einschlafen noch eine Notiz machte:

Valgar um Erlaubnis bitten: erhöhtes Thresenelement zur rückenschonenden Arbeit!? (Falls dagegen, zu Fin schicken, die regelt das!)
Stuhl mit Rückenlehne bauen. (Nur für den Fall der Fälle)
Zahrak Salberg

Beitrag von Zahrak Salberg »

Gesagt, getan.. Der Stuhl war gebaut. Eigenständig sogar, was rein psychologische Hintergründe hatte und nun würde die Arbeit wieder weiter ausgeführt werden können, denn die Tips von Fin hatten nach konsequenter Anwendung ihre Wirkung gezeigt. Jetzt hieß es nur noch, sich an die neue Situation im Laden gewöhnen und nebenbei bloß nicht wieder in alte Gewohnheiten verfallen!
Was jedoch noch positiv an der Auszeit gewesen war, war die Gedankenfreiheit. Zahrak hatte sich Gedanken machen können über alles mögliche und so hatte die Kollektion einen großen Schritt gen Vollendung gefunden, die Hochzeit war weiter geplant wurden und der Umbau des alten Herrenzimmers konnte nun auch beginnen. Also alles richtig gemacht. Ende gut, Salberg gut!

[url]http://img.prntscr.com/img?url=http://i.imgur.com/MHIyapi.png[/url]
Zuletzt geändert von Zahrak Salberg am Sonntag 26. April 2015, 18:52, insgesamt 4-mal geändert.
Zahrak Salberg

Beitrag von Zahrak Salberg »

ZWISCHEN DEN ROLLEN:

Es hätte so schön sein können. So schön, dass es zu schön war, um wahr zu sein. Der Verdacht beschlich Zahrak nachts, als - weiß Temora, warum - wach geworden war und im Bett lag und bestätigen tat sich dieser Verdacht am folgenden jungen Abend, als ihn ein Bote aufsuchte. Er erzählte, dass er Tage geritten sei, um hier her zu kommen und glücklich war, Zahrak so schnell anzutreffen. Irritiert über so weit geschickte Zeilen öffnete er den Brief noch, als der Bote da war und las die ersten Zeilen, um zu verstehen...

12. Wechselwind 258
Kihranton


Ich grüße dich, Zahrak!

Bevor du weiterliest: Setz dich bitte hin, bleib weit weg von jeglichem Alkohol und atme ein mal tief ein und wieder aus! Es geht um Tius. Dir wird sicherlich schon bei deinem letzten Besuch aufgefallen sein, dass irgend etwas nicht stimmt.


Er unterbrach das Lesen und schaute zum Boten auf. Einen kurzen Moment blickte er ihn nur nachdenklich an, bis er schließlich meinte: "Danke fürs Bringen... Stärk dich in der Mietstaverne. Nordwesten Adorans, du wirst es finden. Ansonsten frag nach dem Handelshaus Allerlei. Ich werde.. keine Antwort schicken, denke ich. Reis einfach ab, wenn du wieder möchtest." Als der Bote nach einem dankbaren Nicken gegangen war, las Zahrak den Brief weiter und ging dabei ein paar Schritte durch den Wald. Sich bewusst vom Haus mit dem kleinen Alkoholvorrat entfernend...

Ich habe versucht, es dir zu verheimlichen. Deswegen war ich auch o merkwürdig drauf und habe vermutlich einfach nur noch mehr kaputt gemacht. Es tut mir Leid, ich wollte das nicht, es war dumm von mir. Was ich aber eigentlich sagen wollte ist, dass Tius eine unheilbare Krankheit hat. Sie breitet sich rasendschnell aus und befällt seine Muskulatur.

Der Schritt des Schneiders verlangsamte sich und die Brauen schoben sich leicht zusammen, während er versuchte zu begreifen, was da stand...

Die Heiler geben ihm noch einige Wochenläufe, aber wie viele es sind hängt von seiner Kraft ab. Ich kann nicht mehr, ich brauch Hilfe. Bitte, Zahrak! Ich weiß, ich habe vieles falsch gemacht - genau, wie du es ja auch tatest - aber wir müssen jetzt bitte für einander da sein. Wenn du es nicht für mich tust, dann tu es bitte für Tius. Er wird seinen Vater jetzt brauchen und das bist du. Das weißt du. Bitte!

Tania

Sofort riss Zahrak den Blick vom Schreiben und schnappte nach Luft, während die graublauen Augen verzweifelt nach einer Ablenkung suchten. Immer wieder wanderten sie hin und her, bis sie den Brief dann schließlich gedankenverloren anstierten. Warum jetzt? Warum zur Verdammnis musste ihm das genau jetzt widerfahren? Als wäre es schicksalhafte Fügung, nahm sein Blick erneut die Zeilen vom Anfang auf. "und atme einmal tief durch." Er tat es erneut und lenkte den Blick zurück nach Hause. Linnea war gerade mit Paul ausreiten und er könne jetzt nicht einfach vorm 28. das Land verlassen. Das würde Linnea nach den letzten Wochenläufen zu sehr verwirren.
Noch einmal feste ausatmend faltete er den Brief, steckte ihn in seine Jackentasche und begann dann einfach drauf los zu laufen. Die Bäume zogen in einer bunten Wand an ihm vorbei und es war wohl den guten Ortskenntnissen und den dem Menschen angeborenen Reflexen zu verdanken, dass er nicht über etwas stolperte oder gar gegen etwas lief. Es hieß den Kopf frei kriegen, bevor er wieder unter Menschen ging und so tat, als wäre nichts. Zumindest für den Moment...
Zahrak Salberg

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Auf dem Weg zu den Wurzeln des Glaubens
... oder viel mehr auf dem Weg zu seinen eigenen Wurzeln

"Dürfte ich denn dann noch eine Frage stellen, Hochwürden?"
"Sicher."
...
"Bringt beten denn dann was?"


Schlagartig öffnete Zahrak die Augen und brauchte lediglich kurz blinzeln, um wieder zu wissen, wo er sich befand. Die Tatsache, dass sein Sohn mittlerweile an sein Bett gebunden war hatte ihn dazu veranlasst genau an jenem zu bleiben und Tag wie Nacht über ihn zu wachen. Dennoch änderten jede Entschlossenheit und der beste salberg'sche Starrsinn nichts daran, dass ein Mensch Schlaf benötigte und so holte sich sein Körper jenes allernötigste Bisschen davon. Immer dann, wenn der Geist zu schwach wurde, um dagegen anzugehen.
Unten ertönte das Klirren von Geschirr, ein Blick auf Tius offenbarte lediglich das kleine unschuldige Gesicht eines tapferen Jungen, der ebenso dem Drang nach Schlaf nachgab, wenngleich bereitwilliger, als sein Vater. Mittlerweile kaum noch zitternd berührten die Fingerspitzen des Vaters die Wange des Sohnes und streichelten einmal hinüber, ehe er stockte, die Hand zurücknahm und sich erhob. Vater hin oder her, seine Gefühle konnte er beim besten Willen nicht einmal einem Schlafenden offenbaren. Einmal tief durchatmend ging der Schneider also die Treppen des Hauses herunter, vom Kinderzimmer in die Küche. Dort stand Tania am Feuer und rührte im Kessel herum. Langsam trat Zahrak näher und schaute ihr über die Schulter. Von außen betrachtet hätte man meinen können, es wäre ein normaler Morgen im Hause einer Kleinfamilie. Auch, wenn der Morgen in diesem Fall den 4. Glockenschlag meinte. "Das Essen ist gleich fertig. Möchtest du Brot dazu oder ist dein Appetit immer noch verloren gegangen?", frug Tania den Mann hinter sich und zwang sich zu einem klitzekleinen Lächeln des Friedens und vor allem des Beistands Willen wegen. "Nicht sonderlich, aber es wird wohl besser sein, wenn wir was Ordentliches zu uns nehmen, hm?", entgegnete der Salberg und setzte ebenso ein Lächeln auf, womit er ein leises Seufzen und das Umdrehen Tanias erzwang. "Wieso nur wirkt dein Lächeln schon seit einem halben Jahr falsch?" "Tut mir Leid..", brachte er heraus und hob dabei entschuldigend noch mal die Mundwinkel an. "Zahrak, du weißt, dass ich dich immer für deine optimistische und gut gelaunte Art geliebt habe. ... Die täte hier wirklich gut." "Ich weiß... Es-" Und wie es so ist, wenn man mit den Gedanken ganz woanders ist, bemerkte Zahrak erst verspätet, dass die Situation sich in eine - unter Bedingung des klaren Verstandes - unerwünschte Lage verwandelte. Er atmete hörbar fester, als er versuchte dem Verstand die Oberhand zu geben, doch dieser hatte sich offenbar mit der anhaltenden Übermüdung und angesichts der verzweifelten Art Zahraks verabschiedet. So blieb es bei dem Kuss zwischen dem Ex-Paar und keine der beiden Seiten werhte sich gegen die Beistand sichernde Geste. Erst, als die Suppe über den Kesselrand spritzte und zischend im Feuer verdampfte, schraken beide zusammen und lösten sich schlagartig voneinander. "Die Suppe!", war das Erste, was Tania zu ihrer Verteidigung sagte und schnell wendete sie sich dann auch jener Quelle der Ausrede zu.
"Ich schau noch mal kurz nach Tius..", redete auch Zahrak sich mehr oder minder elegant heraus, verließ jedoch dann lieber das Haus, anstatt seine Worte wahr zu machen. Sein Weg führte ihn durch die noch frierenden Straßen der Stadt. Zum Glück war zu dieser Zeit keine Menschenseele dort, was ihm die missmutigen Blicke der Älteren ersparte. Leicht fröstelnd legte er seine Arme um sich und stapfte über die fast noch glattgefrorenen Pflastersteine. Zu Hause musste es mittlerweile selbst um die Zeit so warm sein, dass man keinen Odem mehr in der Morgenluft betrachten könnte. Tagsüber wäre es dann wahrscheinlich sogar so warm, dass ein Mantel völlig überbewertet und Hüte auch nur noch reine Modesache wären. Einen Spaziergang am Strand könnte man machen oder einen Ritt durch Wellenruhs Wälder. Diese Gedanke ließen den Kronwaldener eine Weile die Kälte um sich herum vergessen und ehe er sich versah, war er auch schon am hiesigen Kloster angekommen. Es war nicht so groß wie in Schwingenstein, aber es war ein Kloster und Zahrak als Mensch fühlte sich davor immer noch so klein, als erstreckten sich die Gemäuer bis zum Himmel selbst.
Seinen Mut fassend stieß er die Luft aus und öffnete dann erst die schwere, hölzerne Tür. Aufmerksam wanderte der graublaue Blick durch die Räumlichkeiten und prägte sich auch hier jedes einzelne Detail ein, während ruhige Schritte ihn weiter ins Innere führten. Zwar sagte man, dass der Glaube schützte und Kraft spendete, doch faktisch war es hier bald noch kälter, als drinnen und so bildeten sich immer wieder kleine Wölkchen vor Mund und Nase. "Morgen...", grüßte der Schneider einfach mal in die augenscheinliche Leere herein und heftete seinen Blick dabei auf eine Statuette Temoras. "Ich weiß, es ist lange her, dass ich zu dir gesprochen habe... Also ich meine 'Euch'-" Er stockte und stieß erneut Luft aus, welche sich in gräulichen Wirbeln von seinem Mund wegbewegte und irgendwo in naher Ferne auflöste. "Ich hätte da eine Bitte, wenn es mir zusteht...", redete er immer noch so, als wäre jemand in den Räumlichkeiten. "Es ist nicht für mich, sondern für meinen Sohn!", fügte er hinzu und kniete sich hin, als ihm einfiel, dass man das bei Gebeten so macht. "Er.. ist totkrank und ich.. möchte ihn nicht verlieren. .. Er hat mehr verdient. Mehr Zeit und Möglichkeiten etwas aus seinem Leben zu machen. Er ist zu jung, um zu sterben, Temora! Bitte! Ich tu alles, was nötig ist, aber es liegt nicht in meiner Kraft, ihn vorm Tod zu beschützen. Ich bin nur ein Mann, der damit überfordert ist, Vater zu sein. Ich.. kann bald nicht mehr und ich muss doch noch ein Versprechen einlösen!" Immer mehr Wölkchen formten sich um ihn und die Augen schlossen sich, als sie sich mit Tränen füllten. "Ich kann wirklich nicht mehr machen, als ich zu sein. Ich kann keine Rolle spielen, nur weil sie von Nöten ist." Dann kehrte Stille ein im Kloster und der Schneider versank in ein stilles in sich Kehren...
Gast

Beitrag von Gast »

...
Zuletzt geändert von Gast am Mittwoch 13. Mai 2015, 21:21, insgesamt 1-mal geändert.
Zahrak Salberg

Beitrag von Zahrak Salberg »

"Immer wieder ist es das Selbe mit dir. Du arbeitest so lange bis dein Körper so sehr streikt, dass er die Oberhand gewinnt und dann ruhst du dich gezwungenermaßen so lange aus, bis du wieder genug Kraft zum Arbeiten hast.", hörte Zahrak eine undefinierbare Stimme in seinem Kopf hallen, während er sich nach Hause schleppte. Der Gedanke war durchaus auch jetzt im halb schlafwandelnden Zustand noch da einfach südwestlich nach Adoran abzubiegen und noch die letzten Sachen im Laden zu erledigen. Doch irgendeine bessere Seite an ihm hielt ihn davon ab und so schluffte er Schritt für Schritt weiter voran, bis er irgendwann am Haus ankam, Salur an den Anbindepfosten band, durch das Gartentörchen stolperte und dann drinnen die Treppe nach oben ins Schlafzimmer erklimmte. Kurz blieb er noch einmal stehen und starrte das Bett vor sich an, bevor er sich umwandte und gen des Schreibtisches im Vorraum des Obergeschosses ging nur, um sich dort hinzusetzen und nach Langem mal wieder einen Tagebucheintrag zu fertigen...

Kronwalden Haus Salberg und Kardice,
der, ich glaube 13.
*der Punkt ist verlaufen, als hätte er vergessen, die Feder abzusetzen.* Eluviar 258

Was soll ich schreiben? Ich hab lang nichts mehr geschrieben und bin eigentlich nur müde. Klar, ich hab wieder zu viel gearbeitet, aber was bleibt mir anderes über? Ich will nicht die ganze Zeit damit verbringen über die erbärmliche Situation meines Lebens nachzudenken und daran mindestens dreimal qualvoller kaputt zu gehen, als an diesem Schlafmangel, der jetzt eh bald wieder vorbei ist, wenn ich mich ein paar Tage zurückgenommen hab. Wobei das auch erst nächsten Wochenlauf geht. Schließlich muss ich noch das Gespräch mit Hochwürden Aurea führen, Kethyrr die Pilze bringen und was auch immer mir grad nicht einfallen will. Da war bestimmt noch was. Egal, ich hau mich jetzt aufs Ohr. Komm eh nicht drum rum.


Ohne noch irgendwas zu tun - geschweige denn mal das Tagebuch zu schließen oder wegzuräumen wird er sich wieder erheben und ins Schlafzimmer zurückstapfen. Dort angekommen setzt er sich noch auf die Bettkante, drückt die Schuhe aus und legt sich hin, ohne sie sorgsam wie sonst wegzustellen oder sich zuzudecken. Sollte es kalt werden die Nacht, würde er die Decke auch im Schlaf finden...
Zuletzt geändert von Zahrak Salberg am Mittwoch 13. Mai 2015, 21:26, insgesamt 1-mal geändert.
Zahrak Salberg

Beitrag von Zahrak Salberg »

Schnelle Schritte hallten an diesem für normale Menschen viel zu frühen Morgen durch die Straßen und Gassen Adorans. Vielleicht waren die Bauern schon wach, aber sonst niemand, der etwas von stressfreien und entspannten Starts in den Tag hielt. Doch Zahrak sprintete gerade durch eine Gasse nahe des Marktplatzes und steuerte geradewegs eines der Wohnhäuser an. Das Mäuerchen kurz davor war keineswegs ein Hinderniss, sondern vielmehr eine Hilfe für etwas, was man durchaus salberg'schen Übermut nennen konnte, wenn man es nicht selbst gelegentlich tat. Ein außen stehender Betrachter hätte nun sehen können, wie der Schneider mit einem kräftigen Satz auf besagte Mauer sprang und sich noch im selben Atemzug erneut mit den Füßen abdrückte, um schließlich so hoch zu kommen, dass seine Hände in der Lage waren ihn auf dem Dach des Hauses hochzudrücken und ein weiterer Schwung befördete dann auch den Rest des Körpers hinterher. Nur ganz kurz stoppte er, um sich aufzurichten, dann schnellte er auch schon wieder los. Erhöht und doch regelmäßig ging Zahraks Atem und die durch den Sommer bedingte leichte Bräune seiner Haut wurde allmälig von einem Rot der Anstrengung überdeckt, als er das Ende des Daches unter sich zu ignorieren schien und mit einem großen Satz auf die Stadtmauer gelang, welche direkt am Haus entlang verlief. Ohne sich selbst Zeit zu geben, darüber nachzudenken sprang er von dort aus schließlich runter. Im Flug zog er sich zusammen und rollte sich förmlich ein, um unten angekommen auf der Schulter aufzukommen und sich abzurollen.
Das dieser Sprung zu viel Schwung gehabt hatte, merkte er, als er noch einmal vornüber rollte, als er sich bereits wieder aufrichten wollte. Ein Schnauben entdrang seinem Mund und keuchend verweilte er irgendwann einfach in der Hocke. Die kurzen Locken hingen ihm nassgeschwitzt ins Gesicht und eine aufkommende Windböhe machte ihn darauf aufmerksam, dass auch sein Rücken nicht vom Schweiß verschont geblieben war. "Zu schnell!", sagte er noch etwas schwer atmend zu sich selbst und schon erhob er sich wieder. Joggend ging es zurück zum Wohnhaus und das sogar mal über den üblichen Weg. Dort angekommen öffnete er die Haustür, ging herein, schloss sie hinter sich wieder und entledigte sich gleich des Oberteils, um wenige Schritte später einen Lappen in die Wasserschüssel zu tauchen und sich zu waschen. Mauzend striff der kleine Kater 'Key' um die Beine des Schneiders und schnurrte herzallerliebst. "Was, hast du etwa auch Hunger?", sprach jener runter und musste dann doch grinsen. "Ich geb dir gleich was, Kleiner. Aber erst muss ich dafür sorgen, dass uns Beiden nicht die Nase in Scheiben fällt." Da trocknete er sich auch schon mit einem Tuch ab. Gerade, als er einen Schritt in Richtung des Essens machen wollte, stolperte er über den Kater und schnaubte. "Es gibt gleich nichts, wenn du so weiter rum schleimst. Temora noch eins!" Ein bilderbuchreifes Unschuldsmauzen ging zum Menschen hoch und da begann Key zu schnurren. "Guck mich gar nicht erst so an. Du weißt, dass das bei mir nicht zieht. Ich weiß gar nicht, warum du eigentlich immer noch hier wohnst.", murrte Zahrak den Kater an und da schien die Stimmung dann auch richtig interpretiert zu werden, denn sofort tapste das Tier ein paar Schritte weg und mauzte nur noch mal etwas weniger aufdringlich. "Ist ja gut. Tut mir Leid! Ich mag dich schon.." Den Rest ließ er offen und gab dem Kater einfach Essen. Verstehen würde er es eh nicht.
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