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Kapitel 1 - Scylfing
Ein neuer Tag war herein gebrochen, und mit diesem auch ein neuer Falk.
Langsam erhob er sich aus den Fellen, zog diese sorgfältig wieder über Caillean. Sein sanftes Lächeln in der graublauen Dunkelheit vor Sonnenaufgang kündete von inniger Liebe und sanfter Zuneigung. Ein wenig Rauch der Schmiede drang durch das immer geöffnete Fenster hinein und brachte den herben Duft nach schwelender Steinkohle. Die Arbeiten in Grimwould hatten schon wieder begonnen.
Im leichten Dunst des Morgends der wie ein Vorhang auch im Zimmer hing blickte er sich um und genoss die kühlen Lüftchen die die seltenen Windböen hinein brachten. Tauwetter hatte Grimwould erfasst und das verhaltene Knirschen des hohen Winterschnees war dem saugenden Schmatzen des aufgeweichten Lehmbodens gewichen. Aus den Ställen der Pferde drang ein steter Dampf der vom warmen Mist und den erhitzten Pferdekörpern ausging. Über die Palisade der Festung hinweg glitt sein Blick zum beeindruckenden Panorama des Unheilsgebirges. Bis hoch in die Wolken ragten die schroffen Gipfel und zu dieser Jahreszeit ergossen sich zahlreiche Taubäche von den höheren Lagen ins Nebeltal.
Tief atmete der Hüne durch und belächelte das friedliche Bild. Seit über einem Mond hatten sie keine Konflikte durch Waffengewalt mehr lösen müssen und es schien dass auch Rahal Interesse daran zeigte einen direkten Konflikt zu vermeiden. Sicher, sowohl Grimwould als auch Rahal würden den jeweiligen Verbündeten beistehen, aber bei einem direkten Aufeinandertreffen schien es einfach keinen Grund mehr zu geben die Waffen zu ziehen.
Und eben dieser Frieden machte es erst möglich... langsam drehte er sich um und schaute zu der gewaltigen Klinge an der Wand. Aus feinstem Metall gefertigt, von den besten Schmieden die der Clan jemals gesehen hatte hing dort Scylfing, der Fangzahn, das Schwert seines Vaters und dessen Vater und dessen bis hinauf zu Hammar, Sohn des Hinrah. Scylfing diente dem Clan seit Generationen und nun endlich spürte er wieder dass er es würdig war diese gewaltige Waffe zu führen. Langsam nahm er die Klinge von der Wand, wiegte sie vorsichtig in seinen Händen, das leise Singen der rasiermesserscharfen Klinge ließ ein Leuchten auf seinem Gesicht entstehen.
Perfekt ausgewogen, immer scharf und beinahe so dreiviertel so lang wie er selbst empfand er es beinahe als erschreckend wie lange er gebraucht hatte zu verstehen dass diese Waffe nur einem friedfertigen Gemüt bestimmt war.
Er begriff um so deutlicher warum Scylfing eine Waffe des Friedens war. Diese Klinge war geschmiedet den Clan zu beschützen, ihre Macht war sondergleichen und mit grosser Macht, ging auch grosse Verantwortung einher. Er hatte sich als würdig erwiesen Scylfing an zu nehmen, doch noch galt es zu beweisen dass er auch würdig war diese Waffe als sein Eigen zu betrachten. Ein Beweis der sein ganzes Leben lang anhalten würde, jedes Mal wenn er die Waffe ziehen würde müsste er beweisen ihrer würdig zu sein, jede seiner Handlungen als Clanskrieger würde ausdrücken müssen dass er der richtige Mann für eine solch unglaubliche Waffe sei.
Langsam glitt Scylfing in die lange Lederscheide, die schwarzen Drachenschuppen der Scheide waren mit Einlegearbeiten aus reinstem Gold und Diamant versehen die Wölfe und ihr Rudel darstellten. Und auf jedem Bild fand sich eine Gestalt, halb Wolf, halb Mann die scheinbar über das Rudel wachte.
Er hatte schon von ihnen gehört, den legendären Einherjern... den Wolfskriegern... von nun an würde er sich nicht nur beweisen müssen... nein, es würde seine Aufgabe sein der Legende der Einherjer auf den Grund zu gehen, nach zu forschen und irgendwann tiefer in ihre Geheimnisse ein zu tauchen. Vielleicht würde auch er eines Tages zum sagenumwobenen Kreis derer gehören die die Kraft Wolfs in sich selbst spüren konnten.
Mit einem leisen Klicken rastete die Parierstange am Mundblech ein, ohne einen festen Druck auf dem Griff und das vorsichtige Auslösen der geheimen Haltevorrichtung würde diese Klinge nicht mehr aus der Scheide entkommen.
Kurz war er versucht sie sich auf den Rücken zu binden. Doch dann besann er sich eines Besseren. Vorsichtig lehnte er sie an seinen grossen Sessel und setzte sich hinein. Es war nicht an der Zeit zu erkunden wie viele Gegner er in kürzester Zeit mit der Klinge seines Vaters töten könnte. So ein Verhalten war einem Clanskrieger unwürdig. Statt dessen zog er einen der alten Folianten aus seinem Regal.
Nackt da in der Nähe des Kamins, beschienen vom blaugoldenen Licht der aufgehenden Sonne, den Folianten in der Linken, mit der rechten blätternd sass er da. Gedankenverloren, stolz, schön und mit einem altbekannten, unverwüstlichen Lächeln sowie einer Aura von Machtbewusstsein, Ruhe und unerschütterlicher Zuversicht machte der Anblick den er bot alles vergessen was einmal war. Vergessen die langen Nächte im Kerker Varunas, vergessen die geöffneten Pulsadern unter einem Baum in Berchgard, vergessen der mitleiderregende Anblick als er vor der Palisade Grimwoulds lag, umringt von leeren Flaschen und stinkend durch sein eigenes Erbrochenes und seinen eigenen Urin. Alles vergessen.
Es war ein neuer Tag und er brachte einen ganz und gar neuen Falk dem man nicht mehr ansah, welche dunklen Stunden ihn letztlich dazu brachten aus der Asche auf zu erstehen und sich strahlend zu erheben.
Ein findiger Städter der dem Clan Hinrah vor Generationen angehört hatte und den Hinrah nicht nur das Rechnen, sondern auch das Lesen und Schreiben beigebracht hatte, hatte das Buch geschrieben. Hatte aufgeschrieben was die alten Schamanen ihm erzählten. In diesem Buch fanden sich fast alle wichtigen Legenden. Unter diesen gewiss auch die Legende der Wolfskrieger.
Langsam und vorsichtig blätterte er die vergilbten Seiten um...
Clanskrieger - Auf den Pfaden Thrails.
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Falk Hinrah
Kapitel 2 - Wolf
Die Menekaner waren Wüstenkatzen oder Wüstenfüchse, die einen rollig und schnurrend mit weichem Gebaren aber scharfen Krallen, die anderen listig und flink mit gut gemünzter Rede, Überlebenskünstler die aus allem ihren Vorteil schlagen konnten. Ehrlos manchmal, aber der Erfolg sprach für sie.
Die Anguren waren Bären, gross, stark und schwerfällig, nicht nur körperlich, sondern auch im Geiste. Schwer vorauszusehen wie ihre Stimmung war, unmöglich zu sagen wie sie reagieren würden. Doch mit einem Willen gesegnet, so fest wie ein Fels und ebenso mit der Macht eines Felsen so man diesen erst einmal ins Rollen brachte.
Die Städter waren zumeist Lämmer, einige unter ihnen Hunde die die Herde beschützten, wieder einige waren Löwen deren unerschütterlicher Wille gegen List und Tücke der Panther anstand. Leider viel zu viele waren Panther, Räuber der Nacht, heimlich, tückisch, trotzdem kräftig und gefährlich für die Herde. Diesen folgten zumeist die Köter, streunende Hunde die die Schafe rissen und sich von den Abfällen der Panther ernährten, keine grosse Gefahr wären ihrer nicht soviele wie die Sterne am Himmel. Nur die wenigsten, die allerwenigsten Städter waren Wölfe. In seinem Leben hatte Falk nur einen Menschen kennen gelernt der diese Bezeichnung verdiente. Shaja.
Die Wölfe fand man zumeist im Volk der Tieflande, ihr Leben, ihr Glaube, ihr Alltag waren am Vorbild der grauen Brüder ausgerichtet. Nicht umsonst wurden die vollwertigen Clansmitglieder Wölfe genannt während Kinder und Neuzugänge Welpen gerufen wurden. Diese Verbindung lag schon sehr sehr lange Zeit zurück, es war Thrail der den Clans die Nachricht überbrachte dass Wolf sich ihrer annehmen würde und sie nicht nur auf seinem Land leben ließ, sondern ihren Kämpfern auch noch seine Macht zuteil werden lassen wollte. Er, Wolf, Hüter der Wälder und wichtigster Freund und Verbündeter von Hirsch, dem Jarl der Waldgeister bat dem einstmals grossen und stolzen Volke seine helfende Hand um sie vor allen Gefahren zu schützen. Doch kein Totem hatte jemals gegeben ohne eine Gegenleistung zu verlangen.
Nicht nur Macht, Kraft und Stolz brachte die innige Verbindung zum kämpferischsten aller grossen Geister mit sich, sondern ebenso ein Leben in seinem Sinne, Handeln und Geisteshaltung mussten seinem Willen entsprechen. Von jeh her war Wolf der Beschützer der Wälder, wie Löwe die Ebenen beherrschte und Adler die luftigen Berge bewachte so hatte auch Wolf seine Aufgabe. Und diese musste sein Volk nun mit ihm teilen.
Einst, als die grosse Mutter noch über die Lande zog, hatte sie Hirsch berufen um über die Wälder zu herrschen, hatte ihm die deutlich sichtbare Krone als Geweih aufgesetzt. Ihm zur Seite stellte sie zwei besondere Krieger, Wolf und Panther mussten sich ihm unterwerfen, sollten für ihn kämpfen und durften sich als Gegenleistung von seinem Fleisch nähren. Doch der Schwarze war Listig und mit seiner List kam die Tücke. Er verriet nicht nur den Hirsch sondern auch die grosse Mutter und trat auf die Seite des Brudermörders. Seine Strafe hatte er sich selbst erwählt ohne es zu wissen. Alatar verschlang den Panther und verleibte sich so seine Macht ein.
So bleib Wolf alleine der loyale Kämpfer seines Herrn und zu seiner Unterstützung erwählte er sich die Bewohner der Tieflande. Fortan galt ihnen der Schutz der Wälder ebenso viel wie er Wolf bedeutete und ebenso seine Tugenden. Aufopferung für das Rudel, Hingabe und Treue waren für sie fortan mehr als Worte. Die Bindung an seinen Clan konnte jeder Tiefländer seither immer in sich spüren und wenn man sie lange Zeit von ihrem Clan trennte und sie keine neue clansähnliche Gemeinschaft fanden an die sie sich binden konnten würden sie innerhalb kürzester Zeit regelrecht verwelken und eingehen. Clan - dieses Wort bedeutete ihnen soviel mehr als nur Familie, soviel mehr als nur Gemeinschaft. Viel mehr war der Clan die Welt eines jeden Tiefländers, in einem Clan wurde man geboren und in einem Clan starb man eines Tages wieder. Lebensinhalt, Existenzgrundlage, Daseinsberechtigung und Sinn des Lebens war der Clan. Der Clan war Mutter und Vater, würde eines Tages Söhne, Töchter und Enkel sein.
Doch nicht nur auf das Leben im Clan hatte Wolf Einfluss genommen. Die gesamte Geisteshaltung der Tiefländer hatte sich in den Jahren der Erwählung grundlegend geändert. Thrails Lehren gingen zurück auf Wolf und dessen Lebensart. Die heiligen Traditionen, aber auch Thrails Kriegerlehre, der sogenannte Weg des Schwertes und der Axt kamen letztlich von Wolf.
Verteidige dein Rudel mit deinem Leben.
Gehorche dem Leitwolf bedingungslos solange er stark ist.
Meide den Kampf wenn du kannst.
Zeige deine Kraft um deine Gegner kampflos zu verschrecken.
Wenn du kämpfen musst, kämpfe mit all deiner Wildheit.
Wenn dein Gegner sich auf den Rücken dreht, lass ihn gehen.
Im besten Falle gehörte zum Leben eines Tiefländers besonders viel Knurren und Zähnefletschen um jeden Gegner auch ohne Kampf ein zu schüchtern. Deshalb müsste ein Tiefländer im besten Falle auch besonders wenig kämpfen. Ein Problem tat sich erst dann auf wenn der Gegner trotzdem nicht weichen wollte oder ein Rückzug gar dafür sorgen würde dass der Respekt und die Angst vor den tiefländischen Kriegern, die sie brauchten um Konflikte allein durch Drohgebärden zu lösen, verschwinden würde. Dann war die Zeit gekommen sich Respekt zu verschaffen und den Ruf als brutale Krieger aufrecht zu erhalten. Und letztlich waren sie es auch, die grössten und brutalsten Kämpfer Gerimors.
Lange Zeit hatte Falk dies nicht verstanden. Wie ein wütiger Wolf hatte er Konflikte zu oft mit dem Schwert gelöst und Thrails Lehren als Aufforderung zum Kampf verstanden. Doch das Gegenteil war der Fall. Brutalität war das Mittel zum Zweck, und nicht sich selbst Sinn genug. Man musste sie ebenso gekonnt einsetzen wie ein Schwert und zu wissen wann man sie nicht brauchte war mindestens genau so wichtig wie zu wissen wann der Zeitpunkt gekommen war.
Im Krieg um Berchgard ein zu schreiten war wichtig gewesen. Ein Sieg Rahals hätte früher oder später auch Grimwould bedroht. Es war ein guter Kampf, kurz, heftig und siegreich. Nun würde alles wieder in den alten Trott verfallen. Varuna würde natürlich nicht den Mumm haben einen Gegenangriff auf Rahal zu kommandieren und ohne die Verbündeten war es unsinnig in die Schlacht zu ziehen. Wie also eine Hand voll Clansschwerter denen die Langeweile aus den Ohren quoll beschäftigen in einer Zeit die Brutalität noch nicht gekommen sah? Auch etwas das Falk noch lernen musste. Den Berserker zügeln und die innere Unruhe für etwas Gutes Nutzen... erst wenn ihm das gelingen würde wäre er auch bereit den nächsten Schritt auf dem Weg des Schwertes und der Axt zu gehen.
Da kam ihm eine Idee und mit langsamen Schritten begab sich der Hüne mit den stechend blauen Augen und dem goldenen Haar an seinen Schreibtisch, einen Brief auf zu setzen.
Die Menekaner waren Wüstenkatzen oder Wüstenfüchse, die einen rollig und schnurrend mit weichem Gebaren aber scharfen Krallen, die anderen listig und flink mit gut gemünzter Rede, Überlebenskünstler die aus allem ihren Vorteil schlagen konnten. Ehrlos manchmal, aber der Erfolg sprach für sie.
Die Anguren waren Bären, gross, stark und schwerfällig, nicht nur körperlich, sondern auch im Geiste. Schwer vorauszusehen wie ihre Stimmung war, unmöglich zu sagen wie sie reagieren würden. Doch mit einem Willen gesegnet, so fest wie ein Fels und ebenso mit der Macht eines Felsen so man diesen erst einmal ins Rollen brachte.
Die Städter waren zumeist Lämmer, einige unter ihnen Hunde die die Herde beschützten, wieder einige waren Löwen deren unerschütterlicher Wille gegen List und Tücke der Panther anstand. Leider viel zu viele waren Panther, Räuber der Nacht, heimlich, tückisch, trotzdem kräftig und gefährlich für die Herde. Diesen folgten zumeist die Köter, streunende Hunde die die Schafe rissen und sich von den Abfällen der Panther ernährten, keine grosse Gefahr wären ihrer nicht soviele wie die Sterne am Himmel. Nur die wenigsten, die allerwenigsten Städter waren Wölfe. In seinem Leben hatte Falk nur einen Menschen kennen gelernt der diese Bezeichnung verdiente. Shaja.
Die Wölfe fand man zumeist im Volk der Tieflande, ihr Leben, ihr Glaube, ihr Alltag waren am Vorbild der grauen Brüder ausgerichtet. Nicht umsonst wurden die vollwertigen Clansmitglieder Wölfe genannt während Kinder und Neuzugänge Welpen gerufen wurden. Diese Verbindung lag schon sehr sehr lange Zeit zurück, es war Thrail der den Clans die Nachricht überbrachte dass Wolf sich ihrer annehmen würde und sie nicht nur auf seinem Land leben ließ, sondern ihren Kämpfern auch noch seine Macht zuteil werden lassen wollte. Er, Wolf, Hüter der Wälder und wichtigster Freund und Verbündeter von Hirsch, dem Jarl der Waldgeister bat dem einstmals grossen und stolzen Volke seine helfende Hand um sie vor allen Gefahren zu schützen. Doch kein Totem hatte jemals gegeben ohne eine Gegenleistung zu verlangen.
Nicht nur Macht, Kraft und Stolz brachte die innige Verbindung zum kämpferischsten aller grossen Geister mit sich, sondern ebenso ein Leben in seinem Sinne, Handeln und Geisteshaltung mussten seinem Willen entsprechen. Von jeh her war Wolf der Beschützer der Wälder, wie Löwe die Ebenen beherrschte und Adler die luftigen Berge bewachte so hatte auch Wolf seine Aufgabe. Und diese musste sein Volk nun mit ihm teilen.
Einst, als die grosse Mutter noch über die Lande zog, hatte sie Hirsch berufen um über die Wälder zu herrschen, hatte ihm die deutlich sichtbare Krone als Geweih aufgesetzt. Ihm zur Seite stellte sie zwei besondere Krieger, Wolf und Panther mussten sich ihm unterwerfen, sollten für ihn kämpfen und durften sich als Gegenleistung von seinem Fleisch nähren. Doch der Schwarze war Listig und mit seiner List kam die Tücke. Er verriet nicht nur den Hirsch sondern auch die grosse Mutter und trat auf die Seite des Brudermörders. Seine Strafe hatte er sich selbst erwählt ohne es zu wissen. Alatar verschlang den Panther und verleibte sich so seine Macht ein.
So bleib Wolf alleine der loyale Kämpfer seines Herrn und zu seiner Unterstützung erwählte er sich die Bewohner der Tieflande. Fortan galt ihnen der Schutz der Wälder ebenso viel wie er Wolf bedeutete und ebenso seine Tugenden. Aufopferung für das Rudel, Hingabe und Treue waren für sie fortan mehr als Worte. Die Bindung an seinen Clan konnte jeder Tiefländer seither immer in sich spüren und wenn man sie lange Zeit von ihrem Clan trennte und sie keine neue clansähnliche Gemeinschaft fanden an die sie sich binden konnten würden sie innerhalb kürzester Zeit regelrecht verwelken und eingehen. Clan - dieses Wort bedeutete ihnen soviel mehr als nur Familie, soviel mehr als nur Gemeinschaft. Viel mehr war der Clan die Welt eines jeden Tiefländers, in einem Clan wurde man geboren und in einem Clan starb man eines Tages wieder. Lebensinhalt, Existenzgrundlage, Daseinsberechtigung und Sinn des Lebens war der Clan. Der Clan war Mutter und Vater, würde eines Tages Söhne, Töchter und Enkel sein.
Doch nicht nur auf das Leben im Clan hatte Wolf Einfluss genommen. Die gesamte Geisteshaltung der Tiefländer hatte sich in den Jahren der Erwählung grundlegend geändert. Thrails Lehren gingen zurück auf Wolf und dessen Lebensart. Die heiligen Traditionen, aber auch Thrails Kriegerlehre, der sogenannte Weg des Schwertes und der Axt kamen letztlich von Wolf.
Verteidige dein Rudel mit deinem Leben.
Gehorche dem Leitwolf bedingungslos solange er stark ist.
Meide den Kampf wenn du kannst.
Zeige deine Kraft um deine Gegner kampflos zu verschrecken.
Wenn du kämpfen musst, kämpfe mit all deiner Wildheit.
Wenn dein Gegner sich auf den Rücken dreht, lass ihn gehen.
Im besten Falle gehörte zum Leben eines Tiefländers besonders viel Knurren und Zähnefletschen um jeden Gegner auch ohne Kampf ein zu schüchtern. Deshalb müsste ein Tiefländer im besten Falle auch besonders wenig kämpfen. Ein Problem tat sich erst dann auf wenn der Gegner trotzdem nicht weichen wollte oder ein Rückzug gar dafür sorgen würde dass der Respekt und die Angst vor den tiefländischen Kriegern, die sie brauchten um Konflikte allein durch Drohgebärden zu lösen, verschwinden würde. Dann war die Zeit gekommen sich Respekt zu verschaffen und den Ruf als brutale Krieger aufrecht zu erhalten. Und letztlich waren sie es auch, die grössten und brutalsten Kämpfer Gerimors.
Lange Zeit hatte Falk dies nicht verstanden. Wie ein wütiger Wolf hatte er Konflikte zu oft mit dem Schwert gelöst und Thrails Lehren als Aufforderung zum Kampf verstanden. Doch das Gegenteil war der Fall. Brutalität war das Mittel zum Zweck, und nicht sich selbst Sinn genug. Man musste sie ebenso gekonnt einsetzen wie ein Schwert und zu wissen wann man sie nicht brauchte war mindestens genau so wichtig wie zu wissen wann der Zeitpunkt gekommen war.
Im Krieg um Berchgard ein zu schreiten war wichtig gewesen. Ein Sieg Rahals hätte früher oder später auch Grimwould bedroht. Es war ein guter Kampf, kurz, heftig und siegreich. Nun würde alles wieder in den alten Trott verfallen. Varuna würde natürlich nicht den Mumm haben einen Gegenangriff auf Rahal zu kommandieren und ohne die Verbündeten war es unsinnig in die Schlacht zu ziehen. Wie also eine Hand voll Clansschwerter denen die Langeweile aus den Ohren quoll beschäftigen in einer Zeit die Brutalität noch nicht gekommen sah? Auch etwas das Falk noch lernen musste. Den Berserker zügeln und die innere Unruhe für etwas Gutes Nutzen... erst wenn ihm das gelingen würde wäre er auch bereit den nächsten Schritt auf dem Weg des Schwertes und der Axt zu gehen.
Da kam ihm eine Idee und mit langsamen Schritten begab sich der Hüne mit den stechend blauen Augen und dem goldenen Haar an seinen Schreibtisch, einen Brief auf zu setzen.
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Falk Hinrah
Kapitel 3 - Aufmerksamkeit
Es gab viel zu überlegen. Vor allem über sich selbst. Falk hatte Fehler begangen unter denen der Clan litt, Fehler die sich nicht wiederholen durften.
Hatte er noch mehr Fehler gemacht von denen er selbst noch gar nicht wusste? Sich in eine Geisteshaltung verrannt die er jetzt einfach als gegeben akzeptierte die aber einer genaueren Nachbetrachtung bedurfte?
Erneut sass er nackt vor dem Kamin, in seinem Denksessel und ließ sich alles noch einmal durch den Kopf gehen während er in dem grossen Folianten blätterte in dem der Städter der damals die Tiefländer lesen und schreiben lehrte alles aufgezeichnet hatte.
Eine Formulierung trat vor seine Augen, angeblich ein Ausspruch Thrails den er hier fand:
"Verwechsle Agressivität nicht mit Stärke."
Das sollte ein Tiefländer eigentlich am besten Wissen, gaben sie sich doch selbst agressiv um dem Gegner Stärke zu signalisieren wie es ein Wolf tat in der Absicht einen Kampf zu vermeiden.
Und doch... etwas klingelte dabei in Falk.
Die Städter waren zumeist Lämmer, einige unter ihnen Hunde die die Herde beschützten, wieder einige waren Löwen deren unerschütterlicher Wille gegen List und Tücke der Panther anstand.
Leider viel zu viele waren Panther, Räuber der Nacht, heimlich, tückisch, trotzdem kräftig und gefährlich für die Herde. Diesen folgten zumeist die Köter, streunende Hunde die die Schafe rissen und sich von den Abfällen der Panther ernährten, keine grosse Gefahr wären ihrer nicht soviele wie die Sterne am Himmel.
Er hatte die einfachen Varunesen immer als Schafe betrachtet, zu sehr in ihrem nur scheinbar friedlichen Leben gefangen um auch nur die geringste Kampfeslust zu zeigen. Während die Rahaler ihre Agressivität gradezu auf die Haut tätowiert trugen.
Aber was wenn das eine Fehlannahme war? Wenn er Agressivität mit Stärke verwechselt hatte.
Waren die Varunesen bei genauerem Nachdenken denn noch Schafe?
Im Krieg hatte er sein Hauptaugenmerk den Kriegern geschenkt, hatte die einfachen Bürger in den Strassen gar nicht wahrgenommen. Doch ließ man ihren Schafsglauben mal aussen vor, was blieb dann? Einfache Leute, Handwerker, Männer und Frauen die ihre Familien mit ihrem Leben beschützten.
Mutig wie der Hund vor der Herde.
Waren die Lämmer also eher eine Fehleinschätzung? Steckte unter den Varunesen nicht der Panther im Schafspelz sondern der Hütehund der nur auf die Panther und streunenden Köter lauerte?
Nun was lauern anging war diese neue Annahme mit Sicherheit falsch. Lauern bedeutet den Feind erwarten und Vorbereitungen Treffen. Der brave Hütehund lag aber eher bei seinem Herrn und hoffte dass der Panther nicht kam. Das entsprach den Varunesen schon eher.
Also musste er sein Bild wohl grundlegend verändern Schafe fanden sich überall, soviel war klar. Nur die Zahl derer schien in Varuna wohl doch unter der Zahl der braven Hunde zu liegen. Und Hunde mochten zwar eine schwächliche, verfälschte Zucht aus Wölfen sein, waren letztlich aber loyal, mutig und gute Beschützer von Heim und Herd.
Beinahe hätte man die Rahaler mit Schafen vergleichen können die ihrem Hirten brav folgten aber selbst kaum etwas zustande brachten. Doch ein solches Symbol der Unschuld war dann doch eher unangebracht. Da passten die dreckigen Köter schon besser die in grossen Gruppen mutig waren, alleine aber den Schwanz einzogen und sich in eine dunkle Ecke flüchteten. Sie folgten einfach dem Stärkeren und nährten sich von den Resten der Panther. Diese Einschätzung zumindest musste man als korrekt ansehen und das schien Falk zumindest ein kleiner Lichtblick.
Mit einem missmutigen Brummen schloss er das Buch wieder und legte es beiseite. Grosse Schritte trugen ihn zum Fesnter wo er nachdenklichen in den nebel hinaus blickte.
Wehte dieser nun aus einer anderen Richtung? Es schien so. Der Wind hatte sich gedreht und liess durch den Nebel vereinzelte Fetzen Landschaft erkennen. Mit Sicherheit ein Zeichen dass er auf dem richtigen Weg war den Nebel beiseite zu ziehen und den wahren Kern der Dinge zu beschauen.
Vielleicht würde sich noch mehr finden.
Es gab viel zu überlegen. Vor allem über sich selbst. Falk hatte Fehler begangen unter denen der Clan litt, Fehler die sich nicht wiederholen durften.
Hatte er noch mehr Fehler gemacht von denen er selbst noch gar nicht wusste? Sich in eine Geisteshaltung verrannt die er jetzt einfach als gegeben akzeptierte die aber einer genaueren Nachbetrachtung bedurfte?
Erneut sass er nackt vor dem Kamin, in seinem Denksessel und ließ sich alles noch einmal durch den Kopf gehen während er in dem grossen Folianten blätterte in dem der Städter der damals die Tiefländer lesen und schreiben lehrte alles aufgezeichnet hatte.
Eine Formulierung trat vor seine Augen, angeblich ein Ausspruch Thrails den er hier fand:
"Verwechsle Agressivität nicht mit Stärke."
Das sollte ein Tiefländer eigentlich am besten Wissen, gaben sie sich doch selbst agressiv um dem Gegner Stärke zu signalisieren wie es ein Wolf tat in der Absicht einen Kampf zu vermeiden.
Und doch... etwas klingelte dabei in Falk.
Die Städter waren zumeist Lämmer, einige unter ihnen Hunde die die Herde beschützten, wieder einige waren Löwen deren unerschütterlicher Wille gegen List und Tücke der Panther anstand.
Leider viel zu viele waren Panther, Räuber der Nacht, heimlich, tückisch, trotzdem kräftig und gefährlich für die Herde. Diesen folgten zumeist die Köter, streunende Hunde die die Schafe rissen und sich von den Abfällen der Panther ernährten, keine grosse Gefahr wären ihrer nicht soviele wie die Sterne am Himmel.
Er hatte die einfachen Varunesen immer als Schafe betrachtet, zu sehr in ihrem nur scheinbar friedlichen Leben gefangen um auch nur die geringste Kampfeslust zu zeigen. Während die Rahaler ihre Agressivität gradezu auf die Haut tätowiert trugen.
Aber was wenn das eine Fehlannahme war? Wenn er Agressivität mit Stärke verwechselt hatte.
Waren die Varunesen bei genauerem Nachdenken denn noch Schafe?
Im Krieg hatte er sein Hauptaugenmerk den Kriegern geschenkt, hatte die einfachen Bürger in den Strassen gar nicht wahrgenommen. Doch ließ man ihren Schafsglauben mal aussen vor, was blieb dann? Einfache Leute, Handwerker, Männer und Frauen die ihre Familien mit ihrem Leben beschützten.
Mutig wie der Hund vor der Herde.
Waren die Lämmer also eher eine Fehleinschätzung? Steckte unter den Varunesen nicht der Panther im Schafspelz sondern der Hütehund der nur auf die Panther und streunenden Köter lauerte?
Nun was lauern anging war diese neue Annahme mit Sicherheit falsch. Lauern bedeutet den Feind erwarten und Vorbereitungen Treffen. Der brave Hütehund lag aber eher bei seinem Herrn und hoffte dass der Panther nicht kam. Das entsprach den Varunesen schon eher.
Also musste er sein Bild wohl grundlegend verändern Schafe fanden sich überall, soviel war klar. Nur die Zahl derer schien in Varuna wohl doch unter der Zahl der braven Hunde zu liegen. Und Hunde mochten zwar eine schwächliche, verfälschte Zucht aus Wölfen sein, waren letztlich aber loyal, mutig und gute Beschützer von Heim und Herd.
Beinahe hätte man die Rahaler mit Schafen vergleichen können die ihrem Hirten brav folgten aber selbst kaum etwas zustande brachten. Doch ein solches Symbol der Unschuld war dann doch eher unangebracht. Da passten die dreckigen Köter schon besser die in grossen Gruppen mutig waren, alleine aber den Schwanz einzogen und sich in eine dunkle Ecke flüchteten. Sie folgten einfach dem Stärkeren und nährten sich von den Resten der Panther. Diese Einschätzung zumindest musste man als korrekt ansehen und das schien Falk zumindest ein kleiner Lichtblick.
Mit einem missmutigen Brummen schloss er das Buch wieder und legte es beiseite. Grosse Schritte trugen ihn zum Fesnter wo er nachdenklichen in den nebel hinaus blickte.
Wehte dieser nun aus einer anderen Richtung? Es schien so. Der Wind hatte sich gedreht und liess durch den Nebel vereinzelte Fetzen Landschaft erkennen. Mit Sicherheit ein Zeichen dass er auf dem richtigen Weg war den Nebel beiseite zu ziehen und den wahren Kern der Dinge zu beschauen.
Vielleicht würde sich noch mehr finden.
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Falk Hinrah
Kapitel 4 Teil 1 - Berserker
Er war zurück.
Lange, lange Zeit hatte er in Ketten gelegen, geschlagen und gepeinigt, im tiefsten Dunkel des Abgrunds der in Falks Seele lauerte. Seit dem Massaker von Berchgard war er nicht mehr an die Oberfläche gelangt.
Doch nun... Falk blickte sich in seinem Wohnzimmer um, Vasen waren umgeschmissen, einige Stühle kaum noch mehr als Splitter, die Regale umgerissen und eine ganzen Anzahl von Büchern ins Kaminfeuer geworfen. Nun sass er in seinem Sessel und blickte in die Flammen des Kamins. Schob die Pfeife von einem Mundwinkel in den anderen und zog den beruhigenden Rauch tief in seine Lunge.
Der Berserker war zurück. Wie immer wenn Falks Seele gepeinigt und geschlagen am Boden lag.
Selten, so selten zeigte sich Caillean überhaupt. Seit Monden hatten sie nichts gemeinsam unternommen. Auch wenn es weh tat. Wenn es nicht richtig war so für die Frau zu fühlen die sein Kind erwartete... die Liebe schwand.
Dafür hatte sich Falk neu verliebt. Auch wenn er es nicht wahr haben wollte. Er hatte es abgetan, als Schwärmerei, hatte sich nicht erlaubt solche Gefühle für eine andere Frau als Caillean zu hegen. Das hatte nicht sein dürfen... und nun, wo er es endlich wusste. Wo er fühlte dass es mit Caillean keine Zukunft geben würde, dass er sich eine Zukunft mit dieser anderen Frau wünschte...
Er schauderte. Die Ironie des Schicksals, dass Argos ausgerechnet Falk gemäß den Traditionen darum bitten musste mit Hailey eine Beziehung zu beginnen, schnitt ihm tief ins Herz. Hätte er nur diese Gefühle nicht. Und wenn sie doch sein mussten, hätte er sich bloss längst von Caillean getrennt, dann wäre es gut möglich dass Hailey nun an seiner Seite wäre... Aber die Gefühle für Caillean... auch sie waren noch immer vorhanden, nährten sich aus einer Vergangenheit die auch eine Zukunft sein könnte. Wenn nur Caillean sich wieder mehr einbringen würde. Er hatte viel zu lange gezögert und nun hatte er seine Chance verpasst.
Eifersucht und Verzweiflung sind zwei schreckliche Gifte. Gifte für die Seele.
Und so geschwächt wie die Seine nun war, war es dem Berserker ein leichtes gewesen seine Ketten zu sprengen. Ruppig hatte er Isara abgewiesen, ruppig, gradezu bösartig hatte er Isara aus Grimwould fort geschickt.
Als Falk in Gedanken die letzten Tage durchging fand er ihn überall.
Die vielen Aufenthalte in Bajard bei denen er kleine Städter so eingeschüchtert hatte dass diese denken mussten der wahrhaftige Tod stünde ihnen gegenüber.
Sein Auftritt bei der Verhandlung gegen Erinna und die Bereitschaft sich Zutritt auch mit brutaler Gewalt zu verschaffen.
Seine Kneipenschlägerei mit Tosh, wenn diese auch wirklich freundschaftlich war...
Es war nicht zu übersehen. Der Berserker gewann mehr und mehr Gewalt über ihn machte ihn immer brutaler, gewaltbereiter und drängt ihn immer näher an den Abgrund. Irgendwann würde er ihn über die Kannte stossen und er, der gute Falk würde in Ketten gelegt im Abgrund verfaulen während der Berserker den Körper lenkte in dem sie beide wohnten.
"Um wahrhaft unbesiegbar zu sein, muss man sich zuerst selbst besiegen." Hatte Thrail einmal gesagt. Und Falk verstand diese Worte wohl besser als jeder Andere. Nur, etwas zu verstehen und danach zu handeln sind zwei Dinge von ganz unterschiedlicher Schwierigkeit.
Bisher war es immer die Liebe, die reinen und guten Gefühle die ihn gerettet hatten. Den Berserker zurück in sein dunkles Loch trieben. Doch ohne Caillean und mit Hailey an der Seite von Argos, wer würde ihn diesmal retten? Niemand!
Zum ersten Mal würde er sich der Herausforderung alleine stellen müssen, würde er den Berserker aus eigener Kraft und ohne Hilfe besiegen müssen.
Erst dann, dann würde er glücklich sein können. Und erst dann, dann würde er nicht nur bereit sein in die Riege der Einherjer auf zu steigen, sondern ebenso fähig sein Leben zu leben und ohne andauernde, kräftezehrende Selbstkontrolle, ausgeglichen, ruhig, gelassen und stark für den Clan da zu sein.
Er war zurück.
Lange, lange Zeit hatte er in Ketten gelegen, geschlagen und gepeinigt, im tiefsten Dunkel des Abgrunds der in Falks Seele lauerte. Seit dem Massaker von Berchgard war er nicht mehr an die Oberfläche gelangt.
Doch nun... Falk blickte sich in seinem Wohnzimmer um, Vasen waren umgeschmissen, einige Stühle kaum noch mehr als Splitter, die Regale umgerissen und eine ganzen Anzahl von Büchern ins Kaminfeuer geworfen. Nun sass er in seinem Sessel und blickte in die Flammen des Kamins. Schob die Pfeife von einem Mundwinkel in den anderen und zog den beruhigenden Rauch tief in seine Lunge.
Der Berserker war zurück. Wie immer wenn Falks Seele gepeinigt und geschlagen am Boden lag.
Selten, so selten zeigte sich Caillean überhaupt. Seit Monden hatten sie nichts gemeinsam unternommen. Auch wenn es weh tat. Wenn es nicht richtig war so für die Frau zu fühlen die sein Kind erwartete... die Liebe schwand.
Dafür hatte sich Falk neu verliebt. Auch wenn er es nicht wahr haben wollte. Er hatte es abgetan, als Schwärmerei, hatte sich nicht erlaubt solche Gefühle für eine andere Frau als Caillean zu hegen. Das hatte nicht sein dürfen... und nun, wo er es endlich wusste. Wo er fühlte dass es mit Caillean keine Zukunft geben würde, dass er sich eine Zukunft mit dieser anderen Frau wünschte...
Er schauderte. Die Ironie des Schicksals, dass Argos ausgerechnet Falk gemäß den Traditionen darum bitten musste mit Hailey eine Beziehung zu beginnen, schnitt ihm tief ins Herz. Hätte er nur diese Gefühle nicht. Und wenn sie doch sein mussten, hätte er sich bloss längst von Caillean getrennt, dann wäre es gut möglich dass Hailey nun an seiner Seite wäre... Aber die Gefühle für Caillean... auch sie waren noch immer vorhanden, nährten sich aus einer Vergangenheit die auch eine Zukunft sein könnte. Wenn nur Caillean sich wieder mehr einbringen würde. Er hatte viel zu lange gezögert und nun hatte er seine Chance verpasst.
Eifersucht und Verzweiflung sind zwei schreckliche Gifte. Gifte für die Seele.
Und so geschwächt wie die Seine nun war, war es dem Berserker ein leichtes gewesen seine Ketten zu sprengen. Ruppig hatte er Isara abgewiesen, ruppig, gradezu bösartig hatte er Isara aus Grimwould fort geschickt.
Als Falk in Gedanken die letzten Tage durchging fand er ihn überall.
Die vielen Aufenthalte in Bajard bei denen er kleine Städter so eingeschüchtert hatte dass diese denken mussten der wahrhaftige Tod stünde ihnen gegenüber.
Sein Auftritt bei der Verhandlung gegen Erinna und die Bereitschaft sich Zutritt auch mit brutaler Gewalt zu verschaffen.
Seine Kneipenschlägerei mit Tosh, wenn diese auch wirklich freundschaftlich war...
Es war nicht zu übersehen. Der Berserker gewann mehr und mehr Gewalt über ihn machte ihn immer brutaler, gewaltbereiter und drängt ihn immer näher an den Abgrund. Irgendwann würde er ihn über die Kannte stossen und er, der gute Falk würde in Ketten gelegt im Abgrund verfaulen während der Berserker den Körper lenkte in dem sie beide wohnten.
"Um wahrhaft unbesiegbar zu sein, muss man sich zuerst selbst besiegen." Hatte Thrail einmal gesagt. Und Falk verstand diese Worte wohl besser als jeder Andere. Nur, etwas zu verstehen und danach zu handeln sind zwei Dinge von ganz unterschiedlicher Schwierigkeit.
Bisher war es immer die Liebe, die reinen und guten Gefühle die ihn gerettet hatten. Den Berserker zurück in sein dunkles Loch trieben. Doch ohne Caillean und mit Hailey an der Seite von Argos, wer würde ihn diesmal retten? Niemand!
Zum ersten Mal würde er sich der Herausforderung alleine stellen müssen, würde er den Berserker aus eigener Kraft und ohne Hilfe besiegen müssen.
Erst dann, dann würde er glücklich sein können. Und erst dann, dann würde er nicht nur bereit sein in die Riege der Einherjer auf zu steigen, sondern ebenso fähig sein Leben zu leben und ohne andauernde, kräftezehrende Selbstkontrolle, ausgeglichen, ruhig, gelassen und stark für den Clan da zu sein.
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Falk Hinrah
Kapitel 4 Teil 2 - Selbstbeherrschung
Beherrschung ist das Streben der Lehren Thrails. Alles was sie beinhalten: Die eigene Mitte zu finden, weder Licht noch Dunkel die Überhand gewinnen zu lassen, das Gleichgewicht zu bewahren, aus Gefühl UND Gedanke heraus zu entscheiden... All dies diente letztlich nur dazu dem Krieger Selbstbeherrschung zu geben, eine Selbstbeherrschung die dieser bitter nötig hatte wenn die Geschichten über die Einherjer stimmten - und Falk zweifelte keine Sekunde an ihnen.
Das tiefländische Gemüt ist rauh, aufbrausend, hitzköpfig und emotional. Es kann wie ein Feuerball explodieren und eine Verheerung hinterlassen die es tief bereut wenn es erst einmal abkühlt. Grade als Krieger, als jemand der ausgebildet wurde um zu töten - denn nichts anderes ist es was Krieger tun - können diese Folgen furchtbar sein.
Und doch ist diese Wut, der Wille zu vernichten genau das was der Krieger braucht, was ihn antreibt und den Feind verlieren lässt. Der eiserne Wille und die unglaubliche Zerstörungskraft eines Tiefländers in Berserkerwut sind die Waffen die die tiefländischen Krieger jedem Menschen überlegen machen. Und sie müssen überlegen sein, denn die Menschen sind unvorstellbar viel mehr als sie.
Um die Beserkerwut zu nutzen, sie für das Richtige ein zu setzen und nicht um die eigene Familie ab zu schlachten braucht es Beherrschung. Selbstbeherrschung um genau zu sein und einen unbezwingbaren Willen der die Fesseln knüpft mit denen der Berserker gelenkt wird.
Den Willen haben die Tiefländer, nur für viele von ihnen ist die Selbstbeherrschung das Problem.
Doch wie erlangt man Selbstbeherrschung? Durch Übung? Durch das regelmäßige Rauchen von Wildkraut, das einen sehr beruhigt und friedlich werden lässt? Durch Meditation oder den Rückhalt der Familie?
Nein.
Falk hatte all das versucht, hatte aber jedes mal zusehen müssen wie etwas schief ging. Als seine Welt zerbrach und seine Gefühle sich verwirrten gab es nichts mehr, nichts woraus er die Selbstbeherrschung hätte schöpfen können und da musste er erkennen dass er diese Kontrolle nicht irgendwo finden konnte. Denn alles was man findet, kann man auch wieder verlieren. Nein. Diese innere Stärke musste aus ihm selbst kommen, denn alles andere konnte man ihm nehmen.
Es war an ihm seine Welt zu ordnen.
Es war an ihm seine Gefühle zu ordnen.
Es war an ihm seinen Clan zu führen.
Es war an ihm seine Fehler zu bereinigen.
Und es war seine Entscheidung fortan beherrschter zu sein.
Selbstbeherrschung ist eine Entscheidung. Nicht mehr und nicht weniger. Die Schwierigkeit liegt einfach darin den Willen auf zu bringen diese Entscheidung zu treffen und durch zu halten.
Er würde fortan seinen ganzen Willen aufbringen um nicht die Kontrolle zu verlieren, würde Thrails Lehren des Gleichgewichts nutzen um nicht alles und jeden kontrollieren zu wollen und seine Kräfte zu schonen während er sich darauf konzentrierte sich zur richtigen Zeit und in den richtigen Momenten unter Kontrolle zu haben.
Das mit Hailey... war es wirklich Verliebtheit? War es Schwärmerei? Oder einfach nur Einsamkeit?
Er wusste es nicht. Und hatte kein Bedürfniss es tiefer zu ergründen. Eines wusste er. Er liebte Caillean. Auch wenn er sich eingeredet hatte die Liebe zu ihr würde schwinden. So war sie doch immer da und niemals würde sie ihren Platz in seinem Herzen verlieren. Basta.
Er hatte eine Frau und würde bald einen Sohn haben, mehr wollte er nicht, mehr brauchte er nicht und alles andere würde von Thrail verurteilt, der auch die Tradition der Mäßigung erdacht hatte, die Falk immer auf den Genuss von Met und Bier bezogen hatte - jedoch niemals eingehalten.
Dabei stellte er nun fest dass sie eigentlich besagte dass man viel zufriedener ist, wenn man sich mit dem zufrieden gibt was man hat und nicht nach immer mehr und mehr strebt wie es die Städter tuen. Es galt endlich einmal zufrieden zu sein und das Streben durch Geniessen zu ersetzen. Die wohl verdienten Früchte seines Lebens aus zu kosten bevor er eines Tages alt und grau sein würde und durch Gicht und Zipperlein des Geniessens nicht mehr fähig wäre.
Zufrieden lächelnd blickte Falk auf Grimwould hinab. Er hatte mit Argos gesprochen, ebenso mit Leif. Das Gespräch mit Laila stand noch aus, aber Hailey wohnte immerhin schon wieder in Grimwould. Sie lag in Argos Zimmer und wenn er vorher eine leichte Eifersucht fühlte wenn er die beiden zusammen sah... nun war sie weg. Vielleicht war es ja doch nur eine Phase gewesen, eine Verwirrung seiner Gefühle, eingegeben von einem bösen Geist. Oder vielleicht auch von einem Guten, um ihn zu prüfen?
Alles kehrte in seine gewohnten Bahnen zurück. Zwar war der Berserker noch immer hellwach und würde immer wieder versuchen die Kontrolle an sich zu bringen. Doch er würde einsehen müssen das Falks Wille und neu gewonnene Selbstbeherrschung ihm nur wenig Spielraum liessen. Letztlich, würde er sich mit Falk arrangieren müssen und sie würden zusammen Arbeiten, um den Feind zu besiegen. Falk und sein innerer Berserker. Der lichte Falk und die dunklen Triebe und Begierden in ihm. Gemeinsam würden sie Thrails Lehren gerecht werden und in dessen Fußstapfen dem Wolfstotem folgen.
Schon jetzt, als Falk oben auf dem Dach der Festung stand und mit dem Schwert vor sich über die Lander blickte, konnte er beinahe einen Schatten spüren der neben ihm stand, mit wildem Haar und zerzaustem Bart, dessen dunkle Augen all das in sich bargen, was auch ein Teil von ihm selbst war. Dessen hartes Antlitz dem seinen so gleich war wie das Bild eines Spiegels.
Er würde den Berserker nicht mehr in Ketten legen, wenn dieser sich fortan besser benehmen würde... Naja, er musste sich nicht immer gut benehmen...
Mit einem dreckigen, anzüglichen Grinsen dachte Falk an Caillean und das sie versprochen hatte heute Abend mit ihm zu baden...
Beherrschung ist das Streben der Lehren Thrails. Alles was sie beinhalten: Die eigene Mitte zu finden, weder Licht noch Dunkel die Überhand gewinnen zu lassen, das Gleichgewicht zu bewahren, aus Gefühl UND Gedanke heraus zu entscheiden... All dies diente letztlich nur dazu dem Krieger Selbstbeherrschung zu geben, eine Selbstbeherrschung die dieser bitter nötig hatte wenn die Geschichten über die Einherjer stimmten - und Falk zweifelte keine Sekunde an ihnen.
Das tiefländische Gemüt ist rauh, aufbrausend, hitzköpfig und emotional. Es kann wie ein Feuerball explodieren und eine Verheerung hinterlassen die es tief bereut wenn es erst einmal abkühlt. Grade als Krieger, als jemand der ausgebildet wurde um zu töten - denn nichts anderes ist es was Krieger tun - können diese Folgen furchtbar sein.
Und doch ist diese Wut, der Wille zu vernichten genau das was der Krieger braucht, was ihn antreibt und den Feind verlieren lässt. Der eiserne Wille und die unglaubliche Zerstörungskraft eines Tiefländers in Berserkerwut sind die Waffen die die tiefländischen Krieger jedem Menschen überlegen machen. Und sie müssen überlegen sein, denn die Menschen sind unvorstellbar viel mehr als sie.
Um die Beserkerwut zu nutzen, sie für das Richtige ein zu setzen und nicht um die eigene Familie ab zu schlachten braucht es Beherrschung. Selbstbeherrschung um genau zu sein und einen unbezwingbaren Willen der die Fesseln knüpft mit denen der Berserker gelenkt wird.
Den Willen haben die Tiefländer, nur für viele von ihnen ist die Selbstbeherrschung das Problem.
Doch wie erlangt man Selbstbeherrschung? Durch Übung? Durch das regelmäßige Rauchen von Wildkraut, das einen sehr beruhigt und friedlich werden lässt? Durch Meditation oder den Rückhalt der Familie?
Nein.
Falk hatte all das versucht, hatte aber jedes mal zusehen müssen wie etwas schief ging. Als seine Welt zerbrach und seine Gefühle sich verwirrten gab es nichts mehr, nichts woraus er die Selbstbeherrschung hätte schöpfen können und da musste er erkennen dass er diese Kontrolle nicht irgendwo finden konnte. Denn alles was man findet, kann man auch wieder verlieren. Nein. Diese innere Stärke musste aus ihm selbst kommen, denn alles andere konnte man ihm nehmen.
Es war an ihm seine Welt zu ordnen.
Es war an ihm seine Gefühle zu ordnen.
Es war an ihm seinen Clan zu führen.
Es war an ihm seine Fehler zu bereinigen.
Und es war seine Entscheidung fortan beherrschter zu sein.
Selbstbeherrschung ist eine Entscheidung. Nicht mehr und nicht weniger. Die Schwierigkeit liegt einfach darin den Willen auf zu bringen diese Entscheidung zu treffen und durch zu halten.
Er würde fortan seinen ganzen Willen aufbringen um nicht die Kontrolle zu verlieren, würde Thrails Lehren des Gleichgewichts nutzen um nicht alles und jeden kontrollieren zu wollen und seine Kräfte zu schonen während er sich darauf konzentrierte sich zur richtigen Zeit und in den richtigen Momenten unter Kontrolle zu haben.
Das mit Hailey... war es wirklich Verliebtheit? War es Schwärmerei? Oder einfach nur Einsamkeit?
Er wusste es nicht. Und hatte kein Bedürfniss es tiefer zu ergründen. Eines wusste er. Er liebte Caillean. Auch wenn er sich eingeredet hatte die Liebe zu ihr würde schwinden. So war sie doch immer da und niemals würde sie ihren Platz in seinem Herzen verlieren. Basta.
Er hatte eine Frau und würde bald einen Sohn haben, mehr wollte er nicht, mehr brauchte er nicht und alles andere würde von Thrail verurteilt, der auch die Tradition der Mäßigung erdacht hatte, die Falk immer auf den Genuss von Met und Bier bezogen hatte - jedoch niemals eingehalten.
Dabei stellte er nun fest dass sie eigentlich besagte dass man viel zufriedener ist, wenn man sich mit dem zufrieden gibt was man hat und nicht nach immer mehr und mehr strebt wie es die Städter tuen. Es galt endlich einmal zufrieden zu sein und das Streben durch Geniessen zu ersetzen. Die wohl verdienten Früchte seines Lebens aus zu kosten bevor er eines Tages alt und grau sein würde und durch Gicht und Zipperlein des Geniessens nicht mehr fähig wäre.
Zufrieden lächelnd blickte Falk auf Grimwould hinab. Er hatte mit Argos gesprochen, ebenso mit Leif. Das Gespräch mit Laila stand noch aus, aber Hailey wohnte immerhin schon wieder in Grimwould. Sie lag in Argos Zimmer und wenn er vorher eine leichte Eifersucht fühlte wenn er die beiden zusammen sah... nun war sie weg. Vielleicht war es ja doch nur eine Phase gewesen, eine Verwirrung seiner Gefühle, eingegeben von einem bösen Geist. Oder vielleicht auch von einem Guten, um ihn zu prüfen?
Alles kehrte in seine gewohnten Bahnen zurück. Zwar war der Berserker noch immer hellwach und würde immer wieder versuchen die Kontrolle an sich zu bringen. Doch er würde einsehen müssen das Falks Wille und neu gewonnene Selbstbeherrschung ihm nur wenig Spielraum liessen. Letztlich, würde er sich mit Falk arrangieren müssen und sie würden zusammen Arbeiten, um den Feind zu besiegen. Falk und sein innerer Berserker. Der lichte Falk und die dunklen Triebe und Begierden in ihm. Gemeinsam würden sie Thrails Lehren gerecht werden und in dessen Fußstapfen dem Wolfstotem folgen.
Schon jetzt, als Falk oben auf dem Dach der Festung stand und mit dem Schwert vor sich über die Lander blickte, konnte er beinahe einen Schatten spüren der neben ihm stand, mit wildem Haar und zerzaustem Bart, dessen dunkle Augen all das in sich bargen, was auch ein Teil von ihm selbst war. Dessen hartes Antlitz dem seinen so gleich war wie das Bild eines Spiegels.
Er würde den Berserker nicht mehr in Ketten legen, wenn dieser sich fortan besser benehmen würde... Naja, er musste sich nicht immer gut benehmen...
Mit einem dreckigen, anzüglichen Grinsen dachte Falk an Caillean und das sie versprochen hatte heute Abend mit ihm zu baden...