Say your prayers little one
Don't forget my son
To include everyone...
***
Seltsam, wie etwas augenscheinlich Totes, nur eine Mischung aus altem Gestein, Ruß, Lehmmörtel und Eisen, so unglaublich lebendig und zugleich bedrohlich wirken konnte. Wie ein grässliches, knochiges Ungetier drückte sich das Gebäude an den Berg und schien dort geduckt und geduldig zu lauern - auf ganz besondere Beute.
In gewisser Weise konnte sich auch der kleine Rabenvogel, augenscheinlich eine Art Dohle, die da im Schatten des knorrigen Ulmendickichts versteckt kauerte, nicht ganz aus dem Beuteraster streichen. Ein Gefühl der Ergriffenheit und seelischer Berührung durchflutete den unreifen, flaumigen Vogelkörper und ließ das eigene Rabenherz fast bis zum Halse schlagen. Seit bald zwei Stunden saß sie nun quasi im Vorgarten des ganzen Komplexes, zwischen onyxfarbenen Statuen, die es auf wundersame Weise vollbrachten sowohl sakral-harmlos, als schrecklich-ungewiss zugleich zu wirken, und den gussseisernen Käfiggebilden, die an den kahlen, kräftigen Ästen der grotesk-verdrehten Schwarzeichen hingen, und beobachtete nur stumm fasziniert das unheimliche Refugium.
Ein hungriges Ungeheuer, welches nicht nur die düstere Ausstrahlung und all den verdorbenen Charme Varunas gierig aufgesogen, sondern vor allem genüsslich eine Menge Zeit verschlungen hatte. Nun aber war das Projekt, diese faule Frucht, soweit gereift, dass man es nur noch ausstaffieren musste, danach präsentieren, beziehungsweise die Saat ausstreuen konnte und schließlich sollte das Ganze auch irgendwann am Ende noch ertragreiche Ernte einfahren.
Ernte in Form von... Kontakt.
Die kleine Dohle schauderte heftig und schüttelte sich unweigerlich. Die flaumigen Federn wurden aufgeplustert und bald glich sie einem weichen, blauschwarzen Ball. Langsam zog sie die Flügel etwas höher und den Hals dazwischen ein. Vorsicht war besser als Nachsicht und wenn der Vogel etwas gelernt hatte, dann, dass man in seinem 'Metier' und der dazugehörigen Umgebung immer vorsichtig sein musste.
Kontakt war obendrein nicht wirklich ihre Stärke und nun trug das ganze Gebäude vor ihrer Na... ihrem Schnabel just dieses Ziel quasi als Aushängeschild über den schweren Flügeltüren stehen. Man wollte sich präsentieren, ein klein wenig öffnen und raus aus den Gruften der Vergessenheit, näher an die wimmelnd-wuselnde Menschenmasse treten, deren Aufmerksamkeit vorsichtig erhaschen, Verbindungen herstellen und in gewisser Weise auch berühren.
Berührungen... wäre es der Dohle möglich gewesen, so hätte sie in genau dem Augenblick nun die Nase heftig krausgezogen, doch blieb ihr nichts anderes übrig als sich einfach nochmals zu schütteln und ein unzufriedenes "Tschirrp!" zu trällern.
Das Gemäuer würde sich wohl gefräßig noch ein wenig mehr Zeit einverleiben, ehe sie es der Öffentlichkeit zugängig machen könnten. Nunja, einer schwer begrenzten Öffentlichkeit in einem noch engeren Rahmen. Doch immerhin - die Schritte waren getan und das alte Ungeheuer voller Albträume und Schatten lauerte nun, wartend und rastlos... ruhelos.
"Nimmer Nimmerruh!"
Zumindest die Namenstaufe, so stellte die Dohle befremdet fest, war gelungen!
***
Sleep with one eye open
Gripping your pillow tight
Exit light
Enter night
Take my hand
We're off to never never land
Auf zur Nimmer Nimmerruh...
-
Gast
There's a little creepy house
In a little creepy place...
***
Nur schlecht vom fahlen Mondlicht und einigen herabgebrannten Kerzen illuminiert, erstreckte sich der große, dunkle Saal im ersten Stock des seltsamen Gemäuers. Er glich ein wenig einer Gebetshalle oder einem schmucken Versammlungsraum, doch konnten die Innenarchitekten wohl einem kleinen Hang zur Auslebung des Makaberenfrönen, als sie die Dekoration der weiten Flur ausgesucht hatten. Hier und dort wanden sich tote, schneefarbene Rosen mit dennoch unwirklich lebendig kriechenden, schwarzen Ranken um die Säulen, welche das windschiefe Schindeldach stützten. Zwei blanke Skelette flankierten den Altar und das Sternenlicht ließ die bleichen Knochen beinahe leuchten. Doch am meisten wussten die Kunstwerke zu beunruhigen, welche den Saal zierten und die düstere Gesamtstimmung auf morbide Art und Weise bizarr verstärkten. Eines zeigte Schatten, welche aber keineswegs stillstanden und den Schemen darin wabernd umgaben, von einem Anderen lächelte ein blasses Mädchen herab, dessen Schädel durch die mamorgleiche Haut schimmerte. Vor wenigen Stunden noch hatte dieses Mädchen schmunzelnd eine höchst bizarre Versammlung beobachtet...
Sie waren im Kreis gestanden.
Allesamt in dunkle nachtblaue Roben gekleidet, deren Stoff selbst hier und da so rauschend belebt wirkte, wie wahres Rabengefieder, das sich aufstellte und mit jedem Schritt den Wind einzufangen versuchte. Im Zentrum der vermummten Runde der kleine Kessel, in welchen nach und nach scheinbar vollkommen wertlose und auch höchst unspektakuläre Zutaten wanderten. Brackiges Wasser, Sand, Salz, Staub und während eine Litanei nach der Nächsten herabgepredigt wurde, fand noch etwas Anderes seinen Weg in diese schlackenartige Suppe, die nur darauf einigen weißen Kreidestücken einen unheilvollen Zauber schenkte.
Jene wiederum wurden von den Gezeichneten genutzt, um Runen quer über das Gebäude verteilt, anzubringen - Schutz und Segen, Siegel und Schloss.
ER segnete das Bauwerk!
Flirrend verschmolzen die Kreidestriche mit dem Mauerwerk, wurden aufgesogen und kündeten so vom vollen Erfolg, die Nimmerruh war SEIN Grund und Boden und all das, was in und auf diesem Stand, wurde vom Unleben beseelt. Die toten Rosen begannen zu blühen, die Skelette knackten leise und die Bilderszenen bewegten sich im eigenen Rhythmus. Das Schädelmädchen schmunzelte seither sanft und beobachte blinzelnd die kleine, ebenfalls fast kindlich wirkende Gestalt, welche ihr eine ganze Weile still entgegengestarrt hatte und sich scheinbar auch jetzt, als fast alle Gezeichneten die Hallen verlassen hatten, nicht wirklich vom Ort lösen konnte.
Unbeobachtet und gelöst, vom Geschenk eines Bilderschemen verzückt, tänzelte sie nun durch den Raum, ließ den gefledderten Robensaum im Drehen wirbeln und die bläulich-schwarze, lange Strähnen fliegen. Da stahl sich ein Mondstrahl recht direkt durch die Löcher in der Decke und traf das Haupt des Mädchens aus Fleisch und Blut. Weißes Licht färbte das pechfarbene Haar und zeichnete es für den Bruchteil weniger Momente so rein und hell wie frischgefallener Schnee mit einem Hauch bläulichem Eis.
Die glückselige Traumtänzerin wusste noch nicht, dass sie an jenem Abend zweifach gezeichnet und gesegnet worden war.
Die Illusion, die Phantastische war erwacht und träumte mit...
***
That little creepy girl
Oh... she loves to sing
She has a little gift
An amazing thing!
In a little creepy place...
***
Nur schlecht vom fahlen Mondlicht und einigen herabgebrannten Kerzen illuminiert, erstreckte sich der große, dunkle Saal im ersten Stock des seltsamen Gemäuers. Er glich ein wenig einer Gebetshalle oder einem schmucken Versammlungsraum, doch konnten die Innenarchitekten wohl einem kleinen Hang zur Auslebung des Makaberenfrönen, als sie die Dekoration der weiten Flur ausgesucht hatten. Hier und dort wanden sich tote, schneefarbene Rosen mit dennoch unwirklich lebendig kriechenden, schwarzen Ranken um die Säulen, welche das windschiefe Schindeldach stützten. Zwei blanke Skelette flankierten den Altar und das Sternenlicht ließ die bleichen Knochen beinahe leuchten. Doch am meisten wussten die Kunstwerke zu beunruhigen, welche den Saal zierten und die düstere Gesamtstimmung auf morbide Art und Weise bizarr verstärkten. Eines zeigte Schatten, welche aber keineswegs stillstanden und den Schemen darin wabernd umgaben, von einem Anderen lächelte ein blasses Mädchen herab, dessen Schädel durch die mamorgleiche Haut schimmerte. Vor wenigen Stunden noch hatte dieses Mädchen schmunzelnd eine höchst bizarre Versammlung beobachtet...
Sie waren im Kreis gestanden.
Allesamt in dunkle nachtblaue Roben gekleidet, deren Stoff selbst hier und da so rauschend belebt wirkte, wie wahres Rabengefieder, das sich aufstellte und mit jedem Schritt den Wind einzufangen versuchte. Im Zentrum der vermummten Runde der kleine Kessel, in welchen nach und nach scheinbar vollkommen wertlose und auch höchst unspektakuläre Zutaten wanderten. Brackiges Wasser, Sand, Salz, Staub und während eine Litanei nach der Nächsten herabgepredigt wurde, fand noch etwas Anderes seinen Weg in diese schlackenartige Suppe, die nur darauf einigen weißen Kreidestücken einen unheilvollen Zauber schenkte.
Jene wiederum wurden von den Gezeichneten genutzt, um Runen quer über das Gebäude verteilt, anzubringen - Schutz und Segen, Siegel und Schloss.
ER segnete das Bauwerk!
Flirrend verschmolzen die Kreidestriche mit dem Mauerwerk, wurden aufgesogen und kündeten so vom vollen Erfolg, die Nimmerruh war SEIN Grund und Boden und all das, was in und auf diesem Stand, wurde vom Unleben beseelt. Die toten Rosen begannen zu blühen, die Skelette knackten leise und die Bilderszenen bewegten sich im eigenen Rhythmus. Das Schädelmädchen schmunzelte seither sanft und beobachte blinzelnd die kleine, ebenfalls fast kindlich wirkende Gestalt, welche ihr eine ganze Weile still entgegengestarrt hatte und sich scheinbar auch jetzt, als fast alle Gezeichneten die Hallen verlassen hatten, nicht wirklich vom Ort lösen konnte.
Unbeobachtet und gelöst, vom Geschenk eines Bilderschemen verzückt, tänzelte sie nun durch den Raum, ließ den gefledderten Robensaum im Drehen wirbeln und die bläulich-schwarze, lange Strähnen fliegen. Da stahl sich ein Mondstrahl recht direkt durch die Löcher in der Decke und traf das Haupt des Mädchens aus Fleisch und Blut. Weißes Licht färbte das pechfarbene Haar und zeichnete es für den Bruchteil weniger Momente so rein und hell wie frischgefallener Schnee mit einem Hauch bläulichem Eis.
Die glückselige Traumtänzerin wusste noch nicht, dass sie an jenem Abend zweifach gezeichnet und gesegnet worden war.
Die Illusion, die Phantastische war erwacht und träumte mit...
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That little creepy girl
Oh... she loves to sing
She has a little gift
An amazing thing!
Zuletzt geändert von Gast am Dienstag 23. Juni 2015, 19:23, insgesamt 1-mal geändert.