Ein Schreiben an Faruk

Moderator: Menekaner [Mod]

Antworten
Benutzeravatar
Sahid Ibrahim Yazir
Beiträge: 742
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Ein Schreiben an Faruk

Beitrag von Sahid Ibrahim Yazir »

*Ein schmuckloses, versiegeltes Schreiben erreicht Faruk in Menek'Ur. Wird es geöffnet offenbart sich dem Leser folgender Inhalt:*

Salam Aleikum Faruk,

es sind nun genau zehn Tage vergangen, seit du mir nach einem Streit verkündet hast, dass du die Familie verlassen willst. Anlass für deine ziemlich drastische Entscheidung war dein durchweg aggressives Verhalten in Bezug auf deine Fidah Daryaa.

Ich habe sie am zwölften Lenzing in die Armee aufgenommen, wo sie seitdem als Schlossknackerin tadellos dient. Du hast mir an jenem Abend vorgeworfen, ich hätte kein Recht dazu, dem Wunsch deiner Fidah zu entsprechen. Der Erhabene selbst hatte bereits an jenem Abend in deiner Anwesenheit klargestellt, dass das Oberhaupt einer Familie sehr wohl das Recht hat, einer Natifah des Hauses dies zu erlauben. Du jedoch hast auch weiterhin hartnäckig behauptet, ich hätte kein "Recht" so etwas zu entscheiden.

Nach dem Gespräch mit dem Erhabenen habe ich dir sogar angeboten, meine Entscheidung, Daryaa in die Armee aufzunehmen, nach Rücksprache zwischen dir und deiner Fidah, noch einmal zu überdenken. Wörtlich habe ich zu dir gesagt, sie hätte auf mich geschworen und ich könne sie auch jederzeit wieder aus diesem Schwur entlassen.

Leider bist du darauf neda eingegangen und hast stattdessen zum "Schutze" deiner Fidah etwa folgenden Vorschlag gemacht: Sie solle alleine gegen eine Übermacht von Wächtern einer Schatztruhe kämpfen, und wenn sie überleben sollte, dann seist du mit ihrer Aufnahme bei den Janitscharen einverstanden. Mir aber wirfst du vor, ich würde ihr Leben aufs Spiel setzen.
Das habe ich natürlich abgelehnt, mit der logischen Begründung, dass sie bei den Janitscharen vor allem das Überleben und neda das Sterben lernen soll.

Am nächsten Tag dann, als ich gehofft hatte, du hättest dich wieder etwas beruhigt und seist wieder zur Besinnung gekommen, warst du wieder emotional aufgewühlt und hast mir mit den ersten Worten nach deiner Begrüßung bereits mitgeteilt, dass du die Familie verlassen würdest, noch ohne überhaupt ein einziges Wort von mir angehört zu haben. Jeden Versuch von mir, dir Vernunft einzureden, hast du seitdem an dir abprallen lassen, es scheint sogar als wolltest du gar neda in der Sache zuhören und nur deine Wahrheiten verkünden, etwa in diesem Gesprächsstil:
"Ich habe dies und jenes beschlossen."
"Sahid du hast kein Recht dies und jenes zu tun."
"Ich stelle folgende Bedingungen."

Auch mein Bestreben, die Familie und enge Freunde wie Hazar dazu beizutragen, mit dir zu sprechen und deine Beweggründe zu reflektieren, ebenso wie deine Entscheidung, sind ebenso lautlos verklungen wie meine eigenen Versuche mit dir zu sprechen.

Ich hoffe wirklich sehr, das die vorangegangene Schilderung der Dinge aus meiner Sicht dich ein letztes Mal ernsthaft und in Ruhe zum Nachdenken bewegen. Denn dein Verhalten als Sohn der Yazir kann so neda weitergehen.
Du musst auf die eine oder andere Weise endlich eine Entscheidung treffen, ansonsten werde ich sie für dich treffen.

1.) Du selbst verkündest öffentlich, dass du neda länger ein Sohn der Yazir bist und dich aus freiem Willen entehrst. Das ist dein Recht und du wirst mit Schande die Familie verlassen. Die Fidah, um die es dir angeblich bei all dem geht, wird dann ihren Fadrim verlieren, das ist gewiss.

2.) Der Palast verkündet, dass du aus freien Stücken die Familie deines Blutes verlässt. So oder so musst du mit dem Erhabenen sprechen, das ist jedoch deine Angelegenheit und geht mich neda etwas an.

3.) Du tust weiterhin neda etwas, um deinen Worten mir gegenüber, die Familie verlassen zu wollen, auch Taten folgen zu lassen. Dann sehe ich dich weiterhin als Sohn der Yazir, und werde dich in die Obhut des Tempels übergeben wo du dann so lange bleiben wirst, bis die Priester herausgefunden haben, was dich dazu treibt, den Namen deiner Familie so leichtfertig wegwerfen zu wollen.

4.) Du bittest die Familie dich zeitnah anzuhören, sprichst vor der versammelten Familie vor und hörst dir an, was sie zu deiner Entscheidung zu sagen hat.

Wenn du wirklich wegen einer einzigen Meinungsverschiedenheit die Familie deiner Ahnen verlassen willst, so werde ich dich neda aufhalten. ich werde dir aber auch neda den Gefallen tun, dich persönlich als Oberhaupt zu entehren, damit du dich in diesem ganzen Unsinn noch als Opfer inszenieren kannst. Ich jedenfalls kann keine Familie führen, wenn meine Cousins bereits nach einem einzigen Vorfall, bei dem sie einen Streit oder eine andere Meinung haben als ich, mir androhen die Familie zu verlassen. Auf diese Weise ist der Kern des Zusammenhalts der menekanischen Familie gefährdet und wenn du dich entschließt diesen Weg zu gehen, wirst du mit den Konsequenzen leben müssen.

Du hast bis heute um Mitternacht Zeit mir mitzuteilen, für welche der vier Möglichkeiten du dich entscheidest.

Mara segne dich mit Vernunft für diese Entscheidung, weder sie noch ich haben dich bereits aufgegeben.
Inshallah!

*schwungvoll unterzeichnet*

Sahid Ibrahim Yazir

Sajneen der Truppen des Reichs der Sonne
Charim des heiligen Ordens
Oberhaupt der Familie Yazir
Zuletzt geändert von Sahid Ibrahim Yazir am Montag 23. März 2015, 19:06, insgesamt 5-mal geändert.
*Das "G" in Yazir steht für Gönnen
Gast

Beitrag von Gast »

Aus Faruk's Gesicht wich jedwede Farbe. Aber er war froh nach soviel Tagen der Trauer wieder einen Grund zum Lächeln zu finden. So zückte er Feder und Tintenfässchen um ihm eine fristgerechte Antwort zukommen zu lassen.


Frönend laß ich deine Worte, die Inszenierung als Unschuldslamm war nicht anders zu erwarten, aber ich werde von dieser tieferen Sinnlosigkeit absehen - das kann nur ein Scherz sein, wenn du wirklich glaubst das ich versuche mit Tränen in den Augen um Verständnis zu bitten. Meine Fidah ist nicht der Grund für meine Entscheidung, dein Verhalten ist es - du bist es.

Keine Entschuldigung, kein Verständnis und deine zügellose Zunge wird keinen Sohn der Wüste, der ein Quäntchen stolz besitzt, beeindrucken.

Dennoch ist etwas vollkommen Unerklärliches geschehen, wie ich erstaunt lese hast du deine Gedanken in ehrlichster Zunge verbreitet.

Es scheint je mehr das Unausweichliche zur Realität wird, desto eher bist du bereit Ansätze von Charakterstärke zu zeigen, die Du sonst in deiner Familienführung hast immer vermissen lassen. Ich fragte mich so oft im absoluten Missverständnis:
Haben sie dich nur gewählt, weil du eine schöne Handschrift hast und leicht zu behandeln bist?

Deine schlechte Führung entehrt die Familie und ich führe lieber unabhängig und wenn dies auch bedeutet allein, die ehrenwerte Tradition meiner wirklichen Ahnen fort, als unter der Knechtschaft dieses unwürdigen Erben zu stehen.
Ich werde nicht mehr meinen Kopf einziehen, um deinem Willen zu folgen. Ich werde keiner deiner vier Lösungen akzeptieren, so wie du es dir ausgemalt hast. Der einzige Grund wieso ich überhaupt diesen Schrieb zu der von Dir geforderten Frist entsandt habe ist, weil dies das Verhalten eines ehrenwerten Wüstensohnes ist.
Egal was du machst, du wirst es niemals schaffen das Band zwischen mir und meinen Geschwistern zu durchschneiden.

Wenn überhaupt all das einen Sinn haben kann, dann, dass das herzliche Lachen, was mich bei dem Beobachten deiner Bemühungen durchfährt mir einen kleinen Anteil meines Schmerzes nimmt, den der baldige Abschied von meiner Fidah in mir verursacht.

Auf den Straßen ignorierst du mich, aber wohlüberlegte Geschichten zu erzählen fällt dir leicht. Lieber Reden als zu Handeln hat noch nie einen guten Familienführer ausgemacht.

Nun ist alles gesagt und ich werde ebenfalls schweigen, denn deine Forderungen wurden im Kern ihres Anliegens eh schon am ersten Tag unseres Zwist erfüllt - wir werden getrennte Wege gehen. In der Oase wollte ich dir das Angebot machen, eine andere Familie als Zuflucht zu ersuchen, um einen Hauch von Harmonie zu wahren, aber deine Engstirnigkeit lies mich diesen Gedanken nicht einmal aussprechen. Die Familie kennt mein Wesen und als Oberhaupt derer solltest du dem am meisten Verständnis und Gehör entgegenbringen können, doch zu diesem Thema habe ich bereits genug gesagt.

Möge die gütige Mara meine Familie auf ewig behüten,

Ma'salame.


Faruk Amaru
Zuletzt geändert von Gast am Dienstag 24. März 2015, 00:10, insgesamt 5-mal geändert.
Antworten