- "Süße Wehmut ist der eigentliche Charakter einer echten Liebe - das Element der Sehnsucht und Vereinigung‘‘ (Novalis)
22. Lenzing 258
Vier Tage hatte ich ihn nicht gesehen und schon spürte ich die Sehnsucht. Ich fühlte mich unvollständig, als hätte ein wichtiger Teil von mir gefehlt. "Laonel", hörte ich mich des nachts murmeln und lag stundenlang wach, starrte die Stelle an, auf der er normalerweise neben mir lag und die Stunden der Zweisamkeit mit mir genoss. Meine Hand fuhr über die leere, weiche Stelle des Feldbetts und ich hörte mich seufzen. Natürlich wusste ich, dass er als Waldläufer auch außerhalb des Regiments seine Pflichten hatte. Aber ich dachte nicht daran, dass es dermaßen mühsam werden würde, auch nur wenige Tage von ihm getrennt zu sein. "Komm bitte wieder bald nach Hause, Liebster", flüsterte ich leise, in der Hoffnung, meine Worte würden ihn erreichen. Daraufhin musste ich kurz schmunzeln - tatsächlich vermisste ich selbst die albernen, neckischen Kosenamen, die er mir gab.
Plötzlich. Ein Klopfen an der Tür, sofort huscht mein Blick in die Richtung des Geräusches. Ich erhebe mich vom Stuhl, eile und werfe meine Arme um ihn. "Wehe, du lässt mich nochmals so lange warten", ermahne ich ihn, aber die Hand, die sich streichelnd über meinen Hinterkopf bewegt, lässt mich allen Unmut der letzten Tage vergessen, wo er nicht bei mir sein konnte. Endlich atme ich wieder seinen Duft ein, spüre seine Nähe, vernehme den Klang seiner tiefen Stimme und fühle mich in seinen Armen geborgen. Er ist ein Mann, auf den ich mich verlassen, an dessen Seite ich kämpfen und wissen kann, dass er mich auffangen wird, wenn ich falle.
Er ist mein Mann.
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