Nach langer Ohnmacht - der Tod ist gekommen

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Gast

Nach langer Ohnmacht - der Tod ist gekommen

Beitrag von Gast »

Als Syrion wieder zu sich kam, lag er auf einem Bett, welches mit Stroh gepolstert wurde und am Rande eines großen Raumes stand, in welchem noch mehrerer solcher Betten standen. In jedem dieser Betten konnte er andere Personen sehen die wohl alle vor Erschöpfung schlafen mussten, schließlich war es mitten am Tag. Die Sonnenstrahlen fielen durch die Fenster des Raumes und blendeten Syrion der sich erst einmal instinktiv von der Helligkeit im Raum weg drehte. Nach einem kurzen Moment des Sammelns richtete sich Syrion unter enormen Kraftaufwand auf dem Bett auf und dann wagte er einen Blick aus dem Fenster in seiner Nähe. Draußen sah er dunkel verputzte Häuser mit roten Dächern. In den Straßen tummelten sich eine große Menge an Menschen in den Straßen. Es bestand für Syrion nicht der geringste Zweifel, dass er in Rahal sein müsste. Er versuchte sich zu erheben, doch seine Beine erfüllten ihm diesen Wunsch nicht. Sie waren kraftlos. Syrion erschrak bei dieser Erkenntnis und versuchte es erneut mit allem Willen den er aufbringen konnte. Erneut keine Regung. "Was ist mit mir passiert...wieso kann ich meine Beine nicht bewegen?". Nun kroch langsam Panik in Syrion hinauf. "Wie soll ich so bei Anastasia meine Ausbildung fortsetzen?", stellte er kühl fest. Was würde sie dazu sagen wenn sie erfährt, dass ich nicht mehr gehen kann. "Wieso kann ich meine Beine nicht mehr bewegen?". Syrion wurde wütend auf seinen Körper und begann auf seine Beine einzuschlagen. Doch wider erwarten spürte er die Schläge auf seinen Beinen nicht. Wieder erschrak er als er langsam erkannte, dass er wohl nicht nur die Kontrolle über seine Beine, sondern auch noch sein Gefühl verloren hatte. "Das muss ein Traum sein.", stellte er fest. "Das ist ein wirklich schlechter Traum, ich muss aufwachen!". Er kniff sich direkt nach dieser Aussage in die Wange, aber nichts passierte. Wieder geriet er in Panik.

Wenige Augenblicke später öffnete irgendjemand am anderen Ende des Raumes die Tür. Eine junge hübsche Frau betrat den Raum, in ihrer Hand ein Holzbrett und einige Pergamente. Sie betrat den Raum ohne auf die ganzen Menschen zu achten und ging zu einer Kommode die der Tür gegenüber stand. Sie legte das Brett und die Pergamente dort ab, holte einen Kohlestift aus der Kommode und drehte sich wieder zur Tür herum, als sie Syrion dann direkt in die Augen sah. Sie weitete ihre verblüfft und meinte nur kurz zu ihm: "Ich bin gleich wieder da!". Dann rannte sie voller Eifer hinaus und kehrte wenig später mit einem Mann im Schlepptau zurück. "Dort Hagen, der Mann dort hinten am Fenster ist aufgewacht." Hagen betrat den Raum und blickte zu Syrion, ehe er ihr einmal zunickte. "Vielen Dank, Syra." Syra ging hinaus und Hagen kam auf Syrion zu. "Sie sind aufgewacht! Wir haben schon gedacht Sie bleiben ewig bewusstlos.", sagte der Heiler mit Überraschung in der Stimme und einem Lächeln. Syrion hob seine Brauen und meinte ungläubig: "Ich war bewusstlos?". "Aber ja, über zwei Jahresläufe. Sie waren am Leben, doch wachten nicht auf. Wir wollten die Hoffnung schon fast aufgeben. Es ist fast ein kleines Wunder." Syrion stockte der Atem. Zwei Jahresläufe war er ohnmächtig. Plötzlich wurde ihm bewusst in was für einer Situation er sich befand. Wenn er auf Anastasia treffen würde, wäre er noch ein Knappe? Würde sie ihn verstoßen? Würde sie ihn töten, weil sie denken würde er wäre vor seinen Pflichten weg gelaufen? Wahrscheinlich war wohl am ehesten sein letzter Gedanke. Dann fielen ihm wieder seine Beine ein und meinte zum Heiler: " Was ist mit meinen Beinen? Ich kann sie nicht mehr bewegen. Außerdem fühle ich mit ihnen nichts mehr.". Auf diese Frage hin senkte der Heiler seinen Blick. "Sie werden ihre Beine nie wieder fühlen oder benutzen können." Syrions Augenbrauen wandern während dieses Satzes noch höher. "Als Sie gefunden wurden, waren Sie dem Tode nahe. Viele Knochen in Ihrem Körper waren gebrochen. Auch Ihr Rücken. Wir können Ihnen dabei nicht helfen. Sie werden nie wieder laufen können." Syrion zog scharf die Luft ein und blickte vom Heiler weg, hinaus aus dem Fenster. "Sie sagten ich wurde gefunden. Wo wurde ich gefunden?" Der Heiler blickte noch immer zu Syrion welcher aus dem Fenster starrte. Hagen sagte daraufhin: "An der Küste von Tersoin. Sie wurden wohl angespült. Als Sie hier zu uns ins Heilerhaus von Ewasin kamen waren Sie stark unterkühlt durch das Meerwasser." Syrion blickte den Heiler fragend an und meinte unwissend: "Bitte wo bin ich? Ich habe diesen Namen noch nie gehört." Hagen blickte auf Syrion hinab und hob eine Braue. "Ewasin. Die Hauptstadt des westlichen Inselreiches Irmensundt. Sie sind sicher von einem Schiff gefallen als Sie an den Inseln vorbei gefahren sind." Syrion verzog nun keine Miene. Er wusste nicht wo er war. Er wusste auch nicht wie er zurück nach Rahal kommen sollte. Vor allem in seinem Zustand. Er senkte den Blick und dachte an seine Zeit in Rahal. Er hatte einen Auftrag erhalten und verließ dafür die Stadt. Doch was danach geschah wusste er nichts mehr. Was war geschehen? Eigentlich war es ja egal. Er war weit weg von Rahal. Er war zwei Jahresläufe lang bewusstlos und würde sicher schon als tot angesehen werden. Wenn er dennoch zurückkehren würde, dann müsste er sterben. Dann auch noch die Behinderung. In diesen wenigen Momenten zerbrach sein gesamtes Leben. Wofür lohnt es sich jetzt noch zu leben? Niemand würde ihn vermissen, niemand würde für ihn sorgen können. Er blickte zum Arzt. "Ist es möglich, dass ich an die frische Luft komme? Ich möchte nachdenken." Der Arzt schüttelte den Kopf. "Wir haben leider keine Möglichkeit Sie andauernd hinaus zu bringen. Es tut mir sehr Leid." Wieder senkte der Heiler den Blick und wandte sich um. "Ich schicke Ihnen Syra hinein. Sie wird sich sicher etwas um Sie kümmern können, dass Sie nicht so alleine sind." Syrion nickte nur und blickte weiter hinaus. Hagen wandte sich ab und verließ den Raum.

Syra kümmerte sich fürsorglich um Syrion. Irgendwie gefiel sie ihm sehr gut. Sie war so jung, unschuldig und wirklich eine Augenweide. Zu schade, dass an ihm nichts mehr war, was sie hätte reizen können, wo er doch nun zu einem Krüppel geworden war. Er beobachtete sie die ganze Zeit aufmerksam. Wie sie die anderen Patienten untersuchte, die Medikamente in der Kommode auffüllte und ihm Essen und Trinken brachte. Er wusste nun alles was er brauchte. Nun musste er nur noch die Zeit überbrücken.

Die Abenddämmerung schwand und es wurde draußen dunkel. Die Nacht die hinein brach leerte die Straßen der Stadt augenblicklich. Syrion der inzwischen wieder aus dem Fenster gestarrt hatte, wandte sich Syra zu, die ihm etwas Wasser reichte. Er bedankte sich dafür und sie verließ den Raum. Dies war seine Chance. Er versuchte sich aus dem Bett zu rollen, was ihm nach einigen Versuchen gelang. Dabei schlug er hart auf dem kalten Steinboden auf. Er hob seinen Oberkörper dann unter großem Kraftaufwand an und begann damit so schnell er konnte zur Kommode zu schleifen. Nur langsam kam er voran und seine Kräfte schwandten des öfteren. Doch nach mehreren Minuten des Schleifens zwischen den anderen Betten hindurch, erreichte er schließlich die Kommode und brach keuchend vor ihr zusammen. Noch nie in seinem Leben hatte er sich so ausgelaugt gefühlt. Noch nie so macht- und kraftlos. Er konnte sich nicht mehr aufrichten. Ihm fehlten die Kräfte. Sicher würde sein Plan nun scheitern. Sicher würde man ihn gleich finden und wieder in sein Bett tragen, damit er sein inzwischen jämmerliches Leben weiter führen muss. In diesem Moment dachte er an sein Leben in Rahal. Das in Bajard. Das in seiner Geburtstadt. Er dachte an alles was er verloren und hinzu gewonnen hatte. Sogar an eine Frau. Die Frau, für die er Gefühle hegte es ihr aber nicht gesagt hat. Die er nun sowieso nie wieder sehen würde. Ebenso würde er auch Rahal nie wieder sehen. Seine Lehrmeisterin. Seine Freunde. Er würde mit dem was er vor hatte den feigen weg gehen. Ja sogar aufgeben. Doch er kann damit nicht leben. Syrion öffnete die unterste Schublade der Kommode. Er stüzte sich auf seine Ellenbogen um in die Schublade hinein sehen zu können und fand nichts als Bandagen. Syrion fluchte zu sich selbst. Dann öffnete er unter einigem Aufwand die darüber liegende Schublade, ja schon fast flehend, dass er das darin fand, was er brauchte. Er hiefte sich vom Bauch auf den Rücken. So war es ihm möglich in die höher liegende Schublade zu greifen in der sich mehrere Fläschchen befanden. Er griff nach ihnen und zog eine nach der anderen hinaus. Unter dem Türspalt schien etwas Licht von Fackeln in den großen Raum und fiel glücklicherweise direkt auf den Boden vor ihm. Dies ermöglichte es ihm die Flaschenetiketten zu lesen. Nach etwa zwölf Flaschen fand er das was er zu finden versucht hatte. Fingerhut. Wieso die Heiler den Fingerhut in dieser Kommode bei den Ohnmächtigen lagerten war ihm ein Rätsel. Vielleicht dachten sie, dass dort sowieso niemand mehr erwacht und es somit auch keine toten gäbe. Was für eine Naivität. Syrion grinste. Er öffnete die Flasche und zog Fingerhut hinaus. Dann dachte er noch einmal an Rahal und seine Ausbildung und er wurde traurig. Er hätte gerne bei Anastasia seine Ausbildung abgeschlossen, wäre gerne ein Ritter Rahals gewesen. Hätte das Reich gerne mit seiner Macht und Kraft unterstützt. Dann steckte er den Fingerhut in den Mund und schluckte es. In den letzten Sekunden seines Lebens dachte er an seine toten Eltern die er nun wieder sehen würde, endlich. An Rahal seine neue Heimat in die er gerne zurückgekehrt wäre und zu guter letzt an sie. Die die er geliebt hat. Mit diesem letzten Gedanken setzte das Gift seine Wirkung frei. Unter dem Schmerz bebend zuckte sein Körper und hauchte den Rest seines verkrüppelten Lebens aus ihm heraus.
Zuletzt geändert von Gast am Donnerstag 19. März 2015, 08:01, insgesamt 1-mal geändert.
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