Von allen Menschen... warum nur?
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Una Llastobhar
Von allen Menschen... warum nur?
Im schwarzblauem Lichte der Nacht schien sich alles zu verwandeln. Dunkles, beinahe teerartig glänzendes Wasser zog heimlich und leise flüsternd vor den knochenhaft weißen Zehen vorbei und fügte sich aalglatt in den pulsierenden Rhythmus des Baches ein.
Angezogen von der plötzlichen Tiefe, wie Motten vom Licht, streckten sich zittrig und fein die porzellangleichen Fingerspitzen gen schimmernde Oberfläche und durchschnitten diesen weichen Spiegel wie scharfe, dünne Messer.
Das kühle, dunkle Nass wirkte wie Funke Leben und entriss ihr die trübe, dumpfe Melancholie sowie das Selbstmitleid und den ungewohnten, albernen Schmerz für wenige Augenblicke. Silbrig leuchtete das Mondlicht im Haar, welches, losgelöst vom Zopfband, wie ein Meer aus kleinen Schneekristallen über ihre Schultern bis zur Taille fiel.
Vielleicht faszinierend, bestimmt gespenstisch, sicherlich nicht berauschend schön…
Von einem nur mäßig unterdrücktem Ächzen untermalt, ließ sie sich von der Hocke aus nun rückwärts auf den Hosenboden fallen und nahm ebenso wenig elegant mit rutschender Bewegung ihren Platz am Fuße des Berges ein, die nackten Schultern gen kaltes Felsgestein gepresst. Als sie nun den Kopf hob und der kalkbleichen Scheibe Mond entgegenblickte, da war es mit einem heftigen Satz wieder in ihre Brustgegend gesprungen und zog schmerzhaft knabbernd an ihrem Inneren – dieses entsetzliche, dumme Gefühl.
Sie spürte förmlich wie trotz aufsteigender Hitze, genährt von Scham und dem restlichen Alkohol, die Farbe weiterhin aus ihrem Gesicht wich und sich ein trüber, glanzloser Schleier vor die nebelgraue Iris schob. Sie verstand nicht, warum sie sich plötzlich schwächer fühlte, begriff nicht wieso ihr erneut zum weinen zumute war und konnte nicht erfassen was mit ihr geschah. Verstört ließ sie sich in ihre gezwungene und ewige Alltagsrolle des Kindes fallen und zog die dürren, bleichen Knie näher an den Körper heran um sich enger an den Stein zu kauern bevor der Gedankensumpf auf sie zusteuerte.
Der Weinrausch züchtete indessen weiterhin Wahrheit…
Irgendwann hatte sich alles so einfach in Heiterkeit aufgelöst.
All der Ernst und die stille Mäßigung wurden von Leichtigkeit verdrängt als der Weingeist dem jungen Mädchen schmackhaft weismachen konnte, dass es nun endlich an der Zeit war Schüchternheit und brave Etikette fallen zu lassen um ausgelassen zu scherzen und zu lachen.
Ihre Familie machte ihr dabei keinen Strich durch die Rechnung, sondern war vielmehr prunkvolle Ermutigung noch einmal den Becher nachschenken zu lassen.
Sorcha kicherte glockenhell aufgrund einiger Erzählungen, Cathal lallte einen Heldenepos herab und Leith warf mit spitzen Worten, welche ihr Ziel nie verfehlten, um sich.
Einzig Taras Miene blieb still, nachdenklich und von zarter Melancholie durchzogen. Für gewöhnlich hätte sie jene liebevoll beiseite geführt und unter vier Augen geredet… doch heute…
Als Leith gerade gegenüber ihr eine recht schmerzliche, kleine Bosheit offerierte, bezog Tara mit wenigen, doch verständnislosen Worten für ihre kleine Nichte Stellung, ehe sie sich rascher von allen verabschieden ließ. Die zwei Worte Leith’ hallten unangenehm in ihren Ohren wider und um dem aufkommenden Tief zu entfliehen lockte sie den Rest mit schleppenden, Weinberauschten Worten nach Varuna… man wollte doch nur die Statue am Konvent ansehen…
Sie wusste wirklich nicht wie sie es dorthin geschafft hatte und dass Sorcha sich bald im hinter den Stadttoren vom Rest absetzte bemerkte sie erst viele Momente später, als auch Cathal sie plötzlich alleine zu lassen schien… während sie unter einem Baum im Innenhof des Konvents stand. Wann hatte man die Türe geöffnet? Wer hatte sie hineingebracht? Sicher nicht ihre Füße, denn jene versagten nun den Dienst und gaben dem ekelhaften Schaukelschauspiel nach, welches die Welt vor ihren Augen drehen ließ. Im sicheren Dunkel der Nacht nahm sie unter dem Baume Platz und suchte nach der kleinen Pfeife, sowie dem Tabak, von jenem freundlichen Menekaner in Bajard. Leith gesellte sich zu ihr und sie versprach ihm die Pfeife gleich herüber zu reichen…
RATSCH! Ein Riss im Ganzen, ein Teil der Erinnerungen herausgetrennt… eine Gestalt im Mondlicht, welche mit unverhohlenem Argwohn in der Stimme Fragen zu ihr herab sprach und dann die Erkenntnis, dass mit dem Pfeifenkraut irgendetwas überhaupt nicht in Ordnung war.
Hitze, Panik und Atemraubende Scham überzogen sie wie glühendes Erz und ließen das Blut in ihrem Kopfe rauschen. Von allen Menschen… warum er?!
Wieder verging die Zeit breiig und ohne wahre Komponenten. Sie hörte die Worte zwar, doch kam der Inhalt nur vage an und ließ mit jedem Atemzug die Schande in ihrem Kopfe kochen. Von allen Menschen… warum nur?
Für einen aberwitzigen Moment hoffte sie an die Erfüllung jener Legende mit dem Mauseloch, doch ihr kleiner Körper, welcher nicht mehr wachsen wollte, tat ihr auch nicht den Gefallen zu schrumpfen. So musste sie paralysiert feststellen, dass sich nun die Saat der Wahrheit öffnete und ihr gerade jetzt blühend offenbarte, dass sie sich freute jene Stimme, mit dem Hauch von Spott, zu hören obwohl die Worte wie Hammerschläge trafen, dass sie sich freute jenes Gesicht zu sehen, obwohl sie den Kopf und das Augenmerk, aufgrund der strafenden und belustigten Blicke jener Augen, in Scham immer tiefer herabsenkte, dass sie sich freute Nähe zu spüren… mit Entsetzen ließ sie seinen galant dargebotenen Arm los, welchen sie zuvor noch festgekrallt hatte um der Drehpartie ein Ende zu bereiten.
Wieder wusste sie danach nicht, wie sie nach Berchgard gekommen war. Vermutlich Leith’ Verdienst, denn sie erinnerte sich an den erstickenden Klos im Halse und aufmunternde Worte von seiner Seite… wie lächerlich sie sich doch gemacht hatte. Von allen Menschen… warum… ja warum eigentlich bekümmerte es sie so, dass er sie gefunden hatte.
Es hätte doch schlimmer sein können… Calor hätte es sein können, das wäre doch weitaus schlimmer und im Grunde war doch nichts passiert, oder? Er wollte den Vorfall getrost vergessen. Es gab doch nun kein Problem mehr!
Doch all jene Gedanken lenkten nicht davon ab, dass sie der Schlaf lange nicht ereilen wollte, dass sie zur Haustüre hinausgeschlüpft und nun umhergewandert war und keine Ruhe fand. Langsam konnte sie es nicht mehr auf den Rausch schieben und sie begriff nicht, war nicht im Stande zu verstehen.
Selbst als Sorcha sie im Morgengrauen noch immer am Bache kauernd fand und mit sorgenvoller Miene sanft und liebevoll zu Bette trug, wollte nicht in den sonst so gebildeten, kleinen Kopf hinein, was unter den Rippen bei der Brust so unangenehm stach:
Die simple Antwort auf ihre unreife Frage.
Angezogen von der plötzlichen Tiefe, wie Motten vom Licht, streckten sich zittrig und fein die porzellangleichen Fingerspitzen gen schimmernde Oberfläche und durchschnitten diesen weichen Spiegel wie scharfe, dünne Messer.
Das kühle, dunkle Nass wirkte wie Funke Leben und entriss ihr die trübe, dumpfe Melancholie sowie das Selbstmitleid und den ungewohnten, albernen Schmerz für wenige Augenblicke. Silbrig leuchtete das Mondlicht im Haar, welches, losgelöst vom Zopfband, wie ein Meer aus kleinen Schneekristallen über ihre Schultern bis zur Taille fiel.
Vielleicht faszinierend, bestimmt gespenstisch, sicherlich nicht berauschend schön…
Von einem nur mäßig unterdrücktem Ächzen untermalt, ließ sie sich von der Hocke aus nun rückwärts auf den Hosenboden fallen und nahm ebenso wenig elegant mit rutschender Bewegung ihren Platz am Fuße des Berges ein, die nackten Schultern gen kaltes Felsgestein gepresst. Als sie nun den Kopf hob und der kalkbleichen Scheibe Mond entgegenblickte, da war es mit einem heftigen Satz wieder in ihre Brustgegend gesprungen und zog schmerzhaft knabbernd an ihrem Inneren – dieses entsetzliche, dumme Gefühl.
Sie spürte förmlich wie trotz aufsteigender Hitze, genährt von Scham und dem restlichen Alkohol, die Farbe weiterhin aus ihrem Gesicht wich und sich ein trüber, glanzloser Schleier vor die nebelgraue Iris schob. Sie verstand nicht, warum sie sich plötzlich schwächer fühlte, begriff nicht wieso ihr erneut zum weinen zumute war und konnte nicht erfassen was mit ihr geschah. Verstört ließ sie sich in ihre gezwungene und ewige Alltagsrolle des Kindes fallen und zog die dürren, bleichen Knie näher an den Körper heran um sich enger an den Stein zu kauern bevor der Gedankensumpf auf sie zusteuerte.
Der Weinrausch züchtete indessen weiterhin Wahrheit…
Irgendwann hatte sich alles so einfach in Heiterkeit aufgelöst.
All der Ernst und die stille Mäßigung wurden von Leichtigkeit verdrängt als der Weingeist dem jungen Mädchen schmackhaft weismachen konnte, dass es nun endlich an der Zeit war Schüchternheit und brave Etikette fallen zu lassen um ausgelassen zu scherzen und zu lachen.
Ihre Familie machte ihr dabei keinen Strich durch die Rechnung, sondern war vielmehr prunkvolle Ermutigung noch einmal den Becher nachschenken zu lassen.
Sorcha kicherte glockenhell aufgrund einiger Erzählungen, Cathal lallte einen Heldenepos herab und Leith warf mit spitzen Worten, welche ihr Ziel nie verfehlten, um sich.
Einzig Taras Miene blieb still, nachdenklich und von zarter Melancholie durchzogen. Für gewöhnlich hätte sie jene liebevoll beiseite geführt und unter vier Augen geredet… doch heute…
Als Leith gerade gegenüber ihr eine recht schmerzliche, kleine Bosheit offerierte, bezog Tara mit wenigen, doch verständnislosen Worten für ihre kleine Nichte Stellung, ehe sie sich rascher von allen verabschieden ließ. Die zwei Worte Leith’ hallten unangenehm in ihren Ohren wider und um dem aufkommenden Tief zu entfliehen lockte sie den Rest mit schleppenden, Weinberauschten Worten nach Varuna… man wollte doch nur die Statue am Konvent ansehen…
Sie wusste wirklich nicht wie sie es dorthin geschafft hatte und dass Sorcha sich bald im hinter den Stadttoren vom Rest absetzte bemerkte sie erst viele Momente später, als auch Cathal sie plötzlich alleine zu lassen schien… während sie unter einem Baum im Innenhof des Konvents stand. Wann hatte man die Türe geöffnet? Wer hatte sie hineingebracht? Sicher nicht ihre Füße, denn jene versagten nun den Dienst und gaben dem ekelhaften Schaukelschauspiel nach, welches die Welt vor ihren Augen drehen ließ. Im sicheren Dunkel der Nacht nahm sie unter dem Baume Platz und suchte nach der kleinen Pfeife, sowie dem Tabak, von jenem freundlichen Menekaner in Bajard. Leith gesellte sich zu ihr und sie versprach ihm die Pfeife gleich herüber zu reichen…
RATSCH! Ein Riss im Ganzen, ein Teil der Erinnerungen herausgetrennt… eine Gestalt im Mondlicht, welche mit unverhohlenem Argwohn in der Stimme Fragen zu ihr herab sprach und dann die Erkenntnis, dass mit dem Pfeifenkraut irgendetwas überhaupt nicht in Ordnung war.
Hitze, Panik und Atemraubende Scham überzogen sie wie glühendes Erz und ließen das Blut in ihrem Kopfe rauschen. Von allen Menschen… warum er?!
Wieder verging die Zeit breiig und ohne wahre Komponenten. Sie hörte die Worte zwar, doch kam der Inhalt nur vage an und ließ mit jedem Atemzug die Schande in ihrem Kopfe kochen. Von allen Menschen… warum nur?
Für einen aberwitzigen Moment hoffte sie an die Erfüllung jener Legende mit dem Mauseloch, doch ihr kleiner Körper, welcher nicht mehr wachsen wollte, tat ihr auch nicht den Gefallen zu schrumpfen. So musste sie paralysiert feststellen, dass sich nun die Saat der Wahrheit öffnete und ihr gerade jetzt blühend offenbarte, dass sie sich freute jene Stimme, mit dem Hauch von Spott, zu hören obwohl die Worte wie Hammerschläge trafen, dass sie sich freute jenes Gesicht zu sehen, obwohl sie den Kopf und das Augenmerk, aufgrund der strafenden und belustigten Blicke jener Augen, in Scham immer tiefer herabsenkte, dass sie sich freute Nähe zu spüren… mit Entsetzen ließ sie seinen galant dargebotenen Arm los, welchen sie zuvor noch festgekrallt hatte um der Drehpartie ein Ende zu bereiten.
Wieder wusste sie danach nicht, wie sie nach Berchgard gekommen war. Vermutlich Leith’ Verdienst, denn sie erinnerte sich an den erstickenden Klos im Halse und aufmunternde Worte von seiner Seite… wie lächerlich sie sich doch gemacht hatte. Von allen Menschen… warum… ja warum eigentlich bekümmerte es sie so, dass er sie gefunden hatte.
Es hätte doch schlimmer sein können… Calor hätte es sein können, das wäre doch weitaus schlimmer und im Grunde war doch nichts passiert, oder? Er wollte den Vorfall getrost vergessen. Es gab doch nun kein Problem mehr!
Doch all jene Gedanken lenkten nicht davon ab, dass sie der Schlaf lange nicht ereilen wollte, dass sie zur Haustüre hinausgeschlüpft und nun umhergewandert war und keine Ruhe fand. Langsam konnte sie es nicht mehr auf den Rausch schieben und sie begriff nicht, war nicht im Stande zu verstehen.
Selbst als Sorcha sie im Morgengrauen noch immer am Bache kauernd fand und mit sorgenvoller Miene sanft und liebevoll zu Bette trug, wollte nicht in den sonst so gebildeten, kleinen Kopf hinein, was unter den Rippen bei der Brust so unangenehm stach:
Die simple Antwort auf ihre unreife Frage.
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Leith Llastobhar
Zuerst schienen es nur Fetzen der Gedanken in seinem Kopf. Leise Ein... und Aus... Ein... Aus... *schluck* ... Ein... Aus... ein kurzes sorgeträchtiges und gleichzeitig hart getroffenes "hahhh". Halb stöhnend, halb schluchzend drang dieses Geräusch an sein Ohr.
Wo war das? Hier? "Aber ich sehe niemanden" dacht er. "Mach die Augen auf!"
Der Blick verschwommen, die Gedanken schwer im Kopf. Der Wein nagte wohl an seinem Schädel und es fiel ihm nicht leicht seinen Blick zu konzentrieren. "Sie sitzt dort."
Das Licht des Mondes wirkte fahl und eintönig auf ihrer Haut. Sie schien wach zu sein. "Una."
Er achtete penibel darauf keinerlei Geräusche von sich zu geben, betrachtete nur die kleine Gestalt, die dort im Mondlicht saß, die Beine angewinkelt, mit den Armen umschlungen und den Kopf auf die Knie gesenkt. Es war nicht auszumachen ob sie nun wirklich nach Draussen sah oder einfach nur zu Boden.
Leith blinzelte noch einmal. Es war so geräuschlos hier. Die Welt dort draussen hielt den Atem an. So schien es ihm zumindest.
*plitsch*
Er hörte es so deutlich und laut wie man es nur hören konnte. Der kalte Holzboden fing das Gemisch aus lebensspendendem Wasser und unverzichtbarem Salz auf. Er roch es... sah den Tropfen im Holz verschwinden.
"Sie ist so allein..." dachte er bei sich. Immernoch still stützte er sich auf seinen linken Arm und blickte nach Draussen.
"Ich glaube er mag dich" hatte er doch noch vor wenigen Stunden gesagt. Sie tat ihm so Leid. Wieso fühlte er so für jemanden?
"Sie gehören einfach nicht zur Familie... weder diese elenden Frühgeburten noch dieser möchtegern Bengel von einem Knappen! Von dieser Familie von Feiglingen möchte ich garnicht erst sprechen!"
Leith saß da und es stieg ihm der Zorn ins Gesicht. Sie saß dort vor dem Fenster, hob nun den Kopf und blickte hinaus. "Nein. Damit hat er nicht recht. Ich hasse ihn." dachte Leith, während er sich sachte auf die andere Seite drehte und aus einer kleinen Tasche an seinem Reiserucksack einen sorgfältig gefalteten Brief nahm. "Es stimmt einfach nicht!" quoll es aus seinem Innersten heraus, als er sich vornahm den Brief seines Vaters mit den schlechten Bemerkungen über seine Verwandten gleich am morgen zu verbrennen.
Sie war so unschuldig. Und Leith war so dumm gewesen. "Ich werde von nun an besser auf sie Acht geben" schwor er sich im Stillen. Sie tat ihm so Leid.
Er machte sich Vorwürfe darüber, dass er sein Vorbild enttäuscht hatte. Und dabei war er doch gerade wegen seiner Reaktion zum Vorbild geworden. "Bitte... würdet ihr mich unterrichten" hatte er halb des Weines wegen gestammelt. Etwas anderes hatte er in dieser peinlichen Situation nicht hervor gebracht.
"Ich mag Vater nicht mehr... Kailen hat mich betrogen... Aber ER... Er wusste es. Wusste er auch weshalb Una traurig war?"
Sein Kopf schmerzte noch immer und dennoch betrachtete er noch eine Zeit lang seine ihm nun lieb gewonnene Verwandte, wie sie dort saß und heimlich weinte. Dennoch brachte er es nicht über sein Herz etwas zu sagen oder auch sie auch nur wissen zu lassen, dass er da war.
Seine letzten Gedanken hallten noch wie Traumbilder in seinem Schlaf wieder und verfolgten ihn auch noch die Tage darauf:
"Sie sind jetzt schon mehr eine Familie für mich als es Vater jemals war."
"Ich werde nun besser auf Una acht geben."
"Ab jetzt muss ich meine Fehler wieder gut machen."
Aber der letzte Gedanke jedoch war der Bohrendste von allen:
"Malon."
Wo war das? Hier? "Aber ich sehe niemanden" dacht er. "Mach die Augen auf!"
Der Blick verschwommen, die Gedanken schwer im Kopf. Der Wein nagte wohl an seinem Schädel und es fiel ihm nicht leicht seinen Blick zu konzentrieren. "Sie sitzt dort."
Das Licht des Mondes wirkte fahl und eintönig auf ihrer Haut. Sie schien wach zu sein. "Una."
Er achtete penibel darauf keinerlei Geräusche von sich zu geben, betrachtete nur die kleine Gestalt, die dort im Mondlicht saß, die Beine angewinkelt, mit den Armen umschlungen und den Kopf auf die Knie gesenkt. Es war nicht auszumachen ob sie nun wirklich nach Draussen sah oder einfach nur zu Boden.
Leith blinzelte noch einmal. Es war so geräuschlos hier. Die Welt dort draussen hielt den Atem an. So schien es ihm zumindest.
*plitsch*
Er hörte es so deutlich und laut wie man es nur hören konnte. Der kalte Holzboden fing das Gemisch aus lebensspendendem Wasser und unverzichtbarem Salz auf. Er roch es... sah den Tropfen im Holz verschwinden.
"Sie ist so allein..." dachte er bei sich. Immernoch still stützte er sich auf seinen linken Arm und blickte nach Draussen.
"Ich glaube er mag dich" hatte er doch noch vor wenigen Stunden gesagt. Sie tat ihm so Leid. Wieso fühlte er so für jemanden?
"Sie gehören einfach nicht zur Familie... weder diese elenden Frühgeburten noch dieser möchtegern Bengel von einem Knappen! Von dieser Familie von Feiglingen möchte ich garnicht erst sprechen!"
Leith saß da und es stieg ihm der Zorn ins Gesicht. Sie saß dort vor dem Fenster, hob nun den Kopf und blickte hinaus. "Nein. Damit hat er nicht recht. Ich hasse ihn." dachte Leith, während er sich sachte auf die andere Seite drehte und aus einer kleinen Tasche an seinem Reiserucksack einen sorgfältig gefalteten Brief nahm. "Es stimmt einfach nicht!" quoll es aus seinem Innersten heraus, als er sich vornahm den Brief seines Vaters mit den schlechten Bemerkungen über seine Verwandten gleich am morgen zu verbrennen.
Sie war so unschuldig. Und Leith war so dumm gewesen. "Ich werde von nun an besser auf sie Acht geben" schwor er sich im Stillen. Sie tat ihm so Leid.
Er machte sich Vorwürfe darüber, dass er sein Vorbild enttäuscht hatte. Und dabei war er doch gerade wegen seiner Reaktion zum Vorbild geworden. "Bitte... würdet ihr mich unterrichten" hatte er halb des Weines wegen gestammelt. Etwas anderes hatte er in dieser peinlichen Situation nicht hervor gebracht.
"Ich mag Vater nicht mehr... Kailen hat mich betrogen... Aber ER... Er wusste es. Wusste er auch weshalb Una traurig war?"
Sein Kopf schmerzte noch immer und dennoch betrachtete er noch eine Zeit lang seine ihm nun lieb gewonnene Verwandte, wie sie dort saß und heimlich weinte. Dennoch brachte er es nicht über sein Herz etwas zu sagen oder auch sie auch nur wissen zu lassen, dass er da war.
Seine letzten Gedanken hallten noch wie Traumbilder in seinem Schlaf wieder und verfolgten ihn auch noch die Tage darauf:
"Sie sind jetzt schon mehr eine Familie für mich als es Vater jemals war."
"Ich werde nun besser auf Una acht geben."
"Ab jetzt muss ich meine Fehler wieder gut machen."
Aber der letzte Gedanke jedoch war der Bohrendste von allen:
"Malon."
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Tara Llastobhar-Naweya
Diese grünen Augen, die immer diese Wärme und ein freches Funkeln in sich trugen, sie blickten sie aus seinem nun kalkweißen aber immer noch wunderschönen Gesicht kalt und leer an und versanken langsam in der roten Tiefe....
Erschrocken sprang sie hoch -eisige Kälte legte sich um ihr Herz- und stieß dabei das Weinglas mit der funkelnden Flüssigkeit um. Roter Wein ergoss sich auf den Tisch. Sie riss den Kopf hoch, zu ihren Verwandten blickend... Nein, sie hatten nichts bemerkt. Ein wenig Erleichterung versuchte ihr nun wild pochendes Herz zu erleichtern aber kam kaum gegen die drückende Schwere an.
Sie hatte sich doch vorgenommen, sich ihren Trugbildern nicht mehr hinzugeben. Aber dieses hier war anders gewesen. Niemals hatte sie seinen Tod gesehen, sondern er war ihr als Lebender erschienen...
Sie stand rasch auf um beim Wirt um einen Lappen zu holen. Ihre Verwandtschaft schien vom Wein gut abgelenkt und realisierte nicht einmal dies. Sie machte sich daran die rote Flüssigkeit vom Tisch zu wischen. Sein Gesicht, er lebte, er lächelte... Sie hielt inne und starrte auf die rote Lache... Ein inneres trotziges Nein... erfüllte ihre Brust und sie wischte mit hektischer Bewegung den Wein vom Tisch. Sie hatte sich doch etwas vorgenommen...
Ablenkung gab es doch genug. Seit sie in Berchgard angekommen war, blieb ihr kaum Zeit einen klaren Gedanken zu fassen. Auf einmal war da so viel Neues, es gab so viel zu tun, es gab so viele Menschen kennenzulernen. Erst heute war sie mit ihrer neuen Familie unterwegs gewesen. Sie hatte sie fast alle so schnell in ihr Herz geschlossen: allen voran ihre Nichte, die oft so sehr wie ein Kind und doch manchmal so erwachsen sein konnte, ihren Neffen, den sie bis jetzt nur kurz kennengelernt hatte, Cathal, der alles gab um sich um seine Familie zu kümmern, die meist freche und furchtbar vorlaute, aber liebenswerte Alleen, und sogar Leith, von dem sie bis jetzt fast nur Misstrauen und böse Sprüche mitbekommen hatte...
Jedes mal, wenn einer von ihnen auf ihren Jagdausflügen in Bedrängnis geriet, schnürte sich ihr Herz ab, fühlte sich an als würde es von einer eisigen Kälte zersprengt werden... Sie wollte keinen von ihnen verlieren, nicht schon wieder...
Den ganzen Tag war sie abgelenkt gewesen, doch als sie nun abends zusammen in der Taverne saßen und ihre Verwandtschaft ausgelassen dem Wein zusprach kamen sie wieder...die Sehnsucht, die Bilder, der Schmerz...
Nur kurzzeitig hatte sie sich ins Gespräch der Umsitzenden eingemischt, als Leith Una, zu einem Thema, das bei ihr ein wunder Punkt war, mit scharfen Worten traktierte. Wie konnte man nur so gedankenlos sein? Eindeutig schlug ein ihr unbekannter Beschützerinstinkt an und mit scharfen Blicken mahnte sie den Jungen des Schweigens, welche er gekonnt ignorierte. Sie fühlte sich unwohl, wenn ihre Verwandten sich mit mehr oder minder liebevollen Sticheleien versah... es erinnerte sie zu stark...
Leise seufzend gab sie sich eine Weile dem Harfenspiel hin, ein kläglicher Versuch sich Abzulenken... die altbekannten Melodien schienen die Erinnerungen noch stärker heraufzubeschwören.
Vor ihren Augen schienen sich erneut die alten Bilder aufzutun... sie musste hier weg, ehe die anderen etwas bemerkten,... sie musste das doch überwinden.
Ein wenig zögerlich verabschiedete sie sich. Sie hoffte ein wenig Schlaf würde ihre Gefühle beruhigen.
Doch in dieser Nacht waren die Trugbilder so stark wie nie zuvor... Dann gab sie auf. Sie ließ es einfach zu.. für diesmal.
Leise, melancholische Harfentöne erfüllten die sternenlose Nacht.
Erschrocken sprang sie hoch -eisige Kälte legte sich um ihr Herz- und stieß dabei das Weinglas mit der funkelnden Flüssigkeit um. Roter Wein ergoss sich auf den Tisch. Sie riss den Kopf hoch, zu ihren Verwandten blickend... Nein, sie hatten nichts bemerkt. Ein wenig Erleichterung versuchte ihr nun wild pochendes Herz zu erleichtern aber kam kaum gegen die drückende Schwere an.
Sie hatte sich doch vorgenommen, sich ihren Trugbildern nicht mehr hinzugeben. Aber dieses hier war anders gewesen. Niemals hatte sie seinen Tod gesehen, sondern er war ihr als Lebender erschienen...
Sie stand rasch auf um beim Wirt um einen Lappen zu holen. Ihre Verwandtschaft schien vom Wein gut abgelenkt und realisierte nicht einmal dies. Sie machte sich daran die rote Flüssigkeit vom Tisch zu wischen. Sein Gesicht, er lebte, er lächelte... Sie hielt inne und starrte auf die rote Lache... Ein inneres trotziges Nein... erfüllte ihre Brust und sie wischte mit hektischer Bewegung den Wein vom Tisch. Sie hatte sich doch etwas vorgenommen...
Ablenkung gab es doch genug. Seit sie in Berchgard angekommen war, blieb ihr kaum Zeit einen klaren Gedanken zu fassen. Auf einmal war da so viel Neues, es gab so viel zu tun, es gab so viele Menschen kennenzulernen. Erst heute war sie mit ihrer neuen Familie unterwegs gewesen. Sie hatte sie fast alle so schnell in ihr Herz geschlossen: allen voran ihre Nichte, die oft so sehr wie ein Kind und doch manchmal so erwachsen sein konnte, ihren Neffen, den sie bis jetzt nur kurz kennengelernt hatte, Cathal, der alles gab um sich um seine Familie zu kümmern, die meist freche und furchtbar vorlaute, aber liebenswerte Alleen, und sogar Leith, von dem sie bis jetzt fast nur Misstrauen und böse Sprüche mitbekommen hatte...
Jedes mal, wenn einer von ihnen auf ihren Jagdausflügen in Bedrängnis geriet, schnürte sich ihr Herz ab, fühlte sich an als würde es von einer eisigen Kälte zersprengt werden... Sie wollte keinen von ihnen verlieren, nicht schon wieder...
Den ganzen Tag war sie abgelenkt gewesen, doch als sie nun abends zusammen in der Taverne saßen und ihre Verwandtschaft ausgelassen dem Wein zusprach kamen sie wieder...die Sehnsucht, die Bilder, der Schmerz...
Nur kurzzeitig hatte sie sich ins Gespräch der Umsitzenden eingemischt, als Leith Una, zu einem Thema, das bei ihr ein wunder Punkt war, mit scharfen Worten traktierte. Wie konnte man nur so gedankenlos sein? Eindeutig schlug ein ihr unbekannter Beschützerinstinkt an und mit scharfen Blicken mahnte sie den Jungen des Schweigens, welche er gekonnt ignorierte. Sie fühlte sich unwohl, wenn ihre Verwandten sich mit mehr oder minder liebevollen Sticheleien versah... es erinnerte sie zu stark...
Leise seufzend gab sie sich eine Weile dem Harfenspiel hin, ein kläglicher Versuch sich Abzulenken... die altbekannten Melodien schienen die Erinnerungen noch stärker heraufzubeschwören.
Vor ihren Augen schienen sich erneut die alten Bilder aufzutun... sie musste hier weg, ehe die anderen etwas bemerkten,... sie musste das doch überwinden.
Ein wenig zögerlich verabschiedete sie sich. Sie hoffte ein wenig Schlaf würde ihre Gefühle beruhigen.
Doch in dieser Nacht waren die Trugbilder so stark wie nie zuvor... Dann gab sie auf. Sie ließ es einfach zu.. für diesmal.
Leise, melancholische Harfentöne erfüllten die sternenlose Nacht.
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Una Llastobhar
Auf und ab, in leicht tänzelndem Schritte.
Nie war ihr zuvor so bewusst gewesen, dass ihre Füsse zu diesen federnden, winzigen Sprüngen inmitten des Ganges so ganz von selber fähig waren und eigentlich hatte sie auch lange keinen so wunderbaren, warmen Tag erlebt wie jenen. Er schmeckte nach Hitze und doch nach prickelndem Leben. Die abermillionen, vom leichten Wind angetriebenen, kleinen Sonnenstrahlen hauchten über die bloße, blasse Haut wie warmer Atem und weckten die Lebensgeister des Mädchens von der kleinen Sommerinsel Tiaresh.
Ähnlich wie am gestrigen Tage, als es angenehm war auf jener leicht schiefen Holzbank vor der Taverne, das gedämpfe der örtlichen Teichfrösche und das Zirpen der Grillen als Untermalung, munteren und warmen Worten zu lauschen. Jene, gemischt mit einem Lächeln, welches der belebenden Sonne dann doch noch Konkurrenz machte, hatten den letzten Rest Winter aus den jungen Knochen getrieben - oder einfach im wahrsten Sinne des Wortes weggeschmolzen.
Auf eine gute Freundschaft...
Erneut konnte sie sich nicht erklären warum jene Worte oder auch die sanfte Berührung an ihren Händen, welche zwar nur einen Lidschlag angedauert hatte, doch aberwitzigerweise noch immer spürbar auf der bleichen Haut prickelte, ihre Geister förmlich nach oben zog.
Sie war erneut versucht jene Glückseligkeit rasch auf die großartige Neuigkeit bezüglich Taras Aufnahme an der Academia Arcana und dem Auftreten Owyns, welcher zumindest gut für Leith' Seelenheil sein konnte, zu schieben. Diese Erklärung schien ihr einfach sehr viel eingängiger und zwang sie nicht, sich weiter mit dem verwirrenden Gedanken zu beschäftigen ob sie die Erinnerung an einen etwas forschen, lebendigen Blick aus zwei verschiedenfarbenen Augen vielleicht so ruhelos machte...
Die würzigen Düfte des gesammten Blumenmeers, inmitten welchem sie nun stand und eigentlich die weiteren Bauarbeiten überwachen sollte, mussten ihr danach wohl nur allzu heftig in die Nase und weiter gen Kopf gestiegen sein - oder sollte sie die Schuld dem animierendem Jubellied der Vögel zuschreiben, welches so im Einklang mit der wirren Glücksmelodie in ihrem Ohr zu sein schien? - und so breiteten sich ihre Arme ganz von selbst aus, ehe sie sich leise lachend mit etwas Schwung kurz im Kreise drehte und die etwas verwunderten Blicke des jungen Maurerlehrlings ignorierte.
"Na, ist doch n wunnerschöner Dag, hmn?" rief jener nach einer wohl ein wenig überrumpelter Atempause in die Richtung der kleinen Bauherrin, welche nun ihrerseits innehielt und ihm selig lächelnd zunickte, das Funkeln in den nebelfarbenen Augen kaum übersehbar.
Dann legte sie den Kopf in alter Angewohnheit ein bisschen wie ein kleiner Vogel seitlich und schmunzelte zum jungen Manne auf der kleinen, frisch entstandenen Mauer hoch um halblaut eine zart und mit Nachdruck gesprochene Antwort abzugeben:
"Na, wenn er noch besser als gestern wird, dann ist das doch schon nahe an einem kleinen Wunder..."
Nie war ihr zuvor so bewusst gewesen, dass ihre Füsse zu diesen federnden, winzigen Sprüngen inmitten des Ganges so ganz von selber fähig waren und eigentlich hatte sie auch lange keinen so wunderbaren, warmen Tag erlebt wie jenen. Er schmeckte nach Hitze und doch nach prickelndem Leben. Die abermillionen, vom leichten Wind angetriebenen, kleinen Sonnenstrahlen hauchten über die bloße, blasse Haut wie warmer Atem und weckten die Lebensgeister des Mädchens von der kleinen Sommerinsel Tiaresh.
Ähnlich wie am gestrigen Tage, als es angenehm war auf jener leicht schiefen Holzbank vor der Taverne, das gedämpfe der örtlichen Teichfrösche und das Zirpen der Grillen als Untermalung, munteren und warmen Worten zu lauschen. Jene, gemischt mit einem Lächeln, welches der belebenden Sonne dann doch noch Konkurrenz machte, hatten den letzten Rest Winter aus den jungen Knochen getrieben - oder einfach im wahrsten Sinne des Wortes weggeschmolzen.
Auf eine gute Freundschaft...
Erneut konnte sie sich nicht erklären warum jene Worte oder auch die sanfte Berührung an ihren Händen, welche zwar nur einen Lidschlag angedauert hatte, doch aberwitzigerweise noch immer spürbar auf der bleichen Haut prickelte, ihre Geister förmlich nach oben zog.
Sie war erneut versucht jene Glückseligkeit rasch auf die großartige Neuigkeit bezüglich Taras Aufnahme an der Academia Arcana und dem Auftreten Owyns, welcher zumindest gut für Leith' Seelenheil sein konnte, zu schieben. Diese Erklärung schien ihr einfach sehr viel eingängiger und zwang sie nicht, sich weiter mit dem verwirrenden Gedanken zu beschäftigen ob sie die Erinnerung an einen etwas forschen, lebendigen Blick aus zwei verschiedenfarbenen Augen vielleicht so ruhelos machte...
Die würzigen Düfte des gesammten Blumenmeers, inmitten welchem sie nun stand und eigentlich die weiteren Bauarbeiten überwachen sollte, mussten ihr danach wohl nur allzu heftig in die Nase und weiter gen Kopf gestiegen sein - oder sollte sie die Schuld dem animierendem Jubellied der Vögel zuschreiben, welches so im Einklang mit der wirren Glücksmelodie in ihrem Ohr zu sein schien? - und so breiteten sich ihre Arme ganz von selbst aus, ehe sie sich leise lachend mit etwas Schwung kurz im Kreise drehte und die etwas verwunderten Blicke des jungen Maurerlehrlings ignorierte.
"Na, ist doch n wunnerschöner Dag, hmn?" rief jener nach einer wohl ein wenig überrumpelter Atempause in die Richtung der kleinen Bauherrin, welche nun ihrerseits innehielt und ihm selig lächelnd zunickte, das Funkeln in den nebelfarbenen Augen kaum übersehbar.
Dann legte sie den Kopf in alter Angewohnheit ein bisschen wie ein kleiner Vogel seitlich und schmunzelte zum jungen Manne auf der kleinen, frisch entstandenen Mauer hoch um halblaut eine zart und mit Nachdruck gesprochene Antwort abzugeben:
"Na, wenn er noch besser als gestern wird, dann ist das doch schon nahe an einem kleinen Wunder..."
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Cathal Llastobhar
Kritisch richtete er den Blick immer noch auf den holprigen Pflasterstein und verschränkte plötzlich im Gehen die Hände vor der Brust. Er hasste Verunsicherungen und mit der Missbilligung über die eigene Unsicherheit verdüsterte sich das ansehnliche, junge Gesicht. Die fein geschnittenen und edlen Züge strahlen deutliches Unzufrieden aus. Nur kurze Zeit später, noch immer auf dem umständlich gewählten Weg zum Gasthof, bemerkte er, wie er eine von Unas Angewohnheiten imitierte und auf der Unterlippe herumkaute um zu grübeln.
Etwas überfordert schnaubte er leise durch.
Una, damit war er schon beim Kern des ganzen Problems angelangt!
Seit einigen Tagen hatte sie sich seltsam verhalten und einige Verhaltensweisen an den Tag gelegt, die er so gar nicht mit seiner kleinen Base verband. Das ganze Schauspiel hatte sich in ein seltsames Desaster gegipfelt, welches offensichtlich erst letzte Woche im Konvent abgespielt hatte, als sie (Leith, Una und er) jenen in nicht mehr allzu nüchternem Zustand besichtigen wollten.
Es hatte auch ihn überrascht, dass die Türen des Konvents geöffnet waren und somit trieb ihn, ungleich Leith, nicht nur die Neugierde durch das kleine Atrium als vielmehr eine böse Vorahnung, welche Geschichten von dreisten Einbrechern in seinem Kopfe wieder belebte.
Mit raschen Schritten, fast schon rennend, näherte er sich der zweiten Türe, den trunkenen und kichernden Leith im Rücken. Entsetzen breitete sich aus, als er auch diese unverschlossen vorfand… und fand sich im nächsten Moment mit einem recht ungehaltenen Verwalter konfrontiert, welcher ihn bitterböse anfunkelte und mit nur wenigen, erzürnten Worten wieder zum umdrehen brachte.
Erst draußen wieder hatte er die Zeit um nun seinerseits einen klareren Kopf zu fassen. Schon erwachte die Wut!
Was sollte das?
Er war gekommen um zu helfen und statt einem Danke hatte man ihn verbal vor die Türe geworfen… zumindest waren das wohl seine Gedanken, als er nur wenige Abschiedsworte murmelte und dann die vom Wein hilflose Una und den vom Alkohol völlig weggetretenen Leith zurück ließ… hier spürte er noch jetzt den schmerzlichen Vorwurf an sich selbst.
Nicht zuletzt weil wohl irgendetwas passiert war, was seine kleine Base sowie seinen Vetter zweiten Grades enorm mitgenommen hatte. Warum sonst war sie des Nachts umhergewandelt und konnte erst am nächsten Morgen von der fürsorglichen Sorcha gefunden und zu Bette getragen werden?
Aber diese kleine Dame, Una, ging vollends in ihrer Trauerphase auf, welche Leith nur mit wissenden, verständnisvollen Blicken untermalte. Als er es nicht mehr ertrug und beschloss sie eines Abends zur Rede zu stellen, da war es mit einem Schlage zu spät und er fand eine strahlende Una, welche mehr den Blumenwuchs als die Bauarbeiten besichtigte, vor. Aus jenem Hoch riss sie so schnell wohl gar nichts mehr und nach einigen Tagen musste er empört feststellen, dass nicht nur Leith, sondern auch Tara und Sorcha dem kleinen Honigkuchenpferd namens Una ab und an verstehende, ja fast schon neckende Blicke zuwarfen, wann immer sie besonders vor Freude glühte. Hatte man ihn denn nun völlig ausgeschlossen? Viljo und er waren bisher die Vertrauten des Mädchens gewesen, doch scheinbar hatte man gerade sie übergangen und eine bizarre Eifersucht schlich sich in das Herz des jungen Knappen.
Den Höhepunkt fand jene an diesem Abend, vor wenigen Augenblicken, als er mit kritisch schmalen Augen beobachten musste, wie Unas Augen zu leuchten begannen, als dieser Magier, kaum älter als er selber, bei eben jener Heilerin zugegen war, die Unas verwundeten Arm versorgte. Kaum mehr als ein Kratzer mit einem blauen Flecken und Una hatte gejammert wie ein kleiner Hund. Schlagartig allerdings hatte die Anwesenheit und Zuwendung des ihm bis dato unbekannten Kerls alles geändert… damit nicht genug, als Una die beiden einander vorstellte und er, Cathal, sich noch lächelnd bemühte Unas Affektion zu verstehen, da würde die Stimme des Magiers plötzlich tonloser und trocken.
Der Grund lag wohl darin, dass sowohl der fuchsteufelswilde Portier als auch Una und Leith diesem Jungspund, mit all seinen Titeln, Posten und Ansehen, den Sturm in den Konvent gebeichtet hatten. Alte Schande, Vorwürfe und die Eifersucht, welche nun ein Ziel gefunden hatte, verbanden sich und als dann noch das Wort „Ehre“ fiel, reagierte er mit hitzigen Wortstichen.
Es war die ruhige Art des jungen Mannes, welche ihn recht schnell wieder abkühlen ließ und mit einem Mal tat ihm alles leid. Vielleicht entschied er sich deshalb so rasch Una diesem Mann für den Abend anzuvertrauen… und nun überlegte er ob dies vielleicht ZU rasch war.
Mit unnötigem Kraftaufwand riss er die Türe zum Gasthof auf und betrat die Treppenstiege zu seinem Zimmer.
Er kannte diesen Mann nicht und dennoch hatte er Una bei ihm gelassen. Dies konnte sich als bitterböser Fehler herausstellen. Seine Schritte ebbten langsam ab und er blieb nun am Ende der Treppe stehen. Die Zimmertüre zum greifen nah blickte er nun wieder unsicher zurück.
Sicher, Una war eigentlich nicht gerade wehrlos, wie er erst wieder im Kampf gegen jene Ratten gesehen hatte. Ihre Beschwörungen waren stark und schnell. Dennoch, hier ging es um einen Magier, welcher wohl mit ihren Zaubern vertraut war und sobald es um rein körperliche Kraft ging war Una einer Neunjährigen unterlegen.
Seufzend und nun mit schmerzlichem Gesichtsausdruck wanderte sein Blick die Treppe herab.
Una war nicht nur klein und kindlich. Sie war auch innerlich zerbrechlich, naiv und unschuldig. Im Grunde konnte jeder dieses Wesen wie dünnes Glas brechen. Es war ihm und Viljo erst gelungen die Risse zu flicken, welche ihr zugefügt worden waren… viel fehlte dank einem fleischgewordenen Schreckensgespinst inmitten der Familie nicht mehr… und was sagte ihm, dass dieser leicht arrogante, junge Kerl mit seiner schicken Robe nicht derjenige sein würde, der das Glaswesen grob anpackte?
Stutzig hielt er nun inne. Ja… was?
War es die zarte und vorsichtige Berührung gewesen, welche er kurz mit Unas Schulter hatte?
Waren es die stets freundlichen und beherrschten Worte mitsamt dem noch spitzbübischen Zwinkern in den seltsamen, zweifarbenen Augen gewesen?
Oder eben jener Blick, der sanft auf dem Mädchen ruhte? Er kannte diesen Blick. Er hatte ihn bei Leith gesehen, bei Alleen, Sorcha, Tara, Viljo, Alassea… ein Blick der Schutz versprach. Schutz, wie ihn die Familienmitglieder untereinander ohne jede Worte stetig versprachen.
Seufzend drehte er sich zur Türe und wünschte dem zu groß geratenen Lümmel, dass er Una zum eigenen Besten mehr als gut behandeln möge…
Dann blickte er stöhnend in sein Zimmer und stellte fest, dass er selber nun gerade auch ganz andere Probleme hatte… Alleen hatte sich quer über das Doppelbett gelegt und hielt die Decke fest umschlungen. Er musste zusehen, wie er nun, ohne einen Kleinkrieg zu beginnen, Platz und Decke von dem schlafenden Drachen zurück ergattern konnte.
Lächelnd schüttelte er den Kopf… seine kleinen Basen und Vettern – er wurde schon zur Glucke!
Etwas überfordert schnaubte er leise durch.
Una, damit war er schon beim Kern des ganzen Problems angelangt!
Seit einigen Tagen hatte sie sich seltsam verhalten und einige Verhaltensweisen an den Tag gelegt, die er so gar nicht mit seiner kleinen Base verband. Das ganze Schauspiel hatte sich in ein seltsames Desaster gegipfelt, welches offensichtlich erst letzte Woche im Konvent abgespielt hatte, als sie (Leith, Una und er) jenen in nicht mehr allzu nüchternem Zustand besichtigen wollten.
Es hatte auch ihn überrascht, dass die Türen des Konvents geöffnet waren und somit trieb ihn, ungleich Leith, nicht nur die Neugierde durch das kleine Atrium als vielmehr eine böse Vorahnung, welche Geschichten von dreisten Einbrechern in seinem Kopfe wieder belebte.
Mit raschen Schritten, fast schon rennend, näherte er sich der zweiten Türe, den trunkenen und kichernden Leith im Rücken. Entsetzen breitete sich aus, als er auch diese unverschlossen vorfand… und fand sich im nächsten Moment mit einem recht ungehaltenen Verwalter konfrontiert, welcher ihn bitterböse anfunkelte und mit nur wenigen, erzürnten Worten wieder zum umdrehen brachte.
Erst draußen wieder hatte er die Zeit um nun seinerseits einen klareren Kopf zu fassen. Schon erwachte die Wut!
Was sollte das?
Er war gekommen um zu helfen und statt einem Danke hatte man ihn verbal vor die Türe geworfen… zumindest waren das wohl seine Gedanken, als er nur wenige Abschiedsworte murmelte und dann die vom Wein hilflose Una und den vom Alkohol völlig weggetretenen Leith zurück ließ… hier spürte er noch jetzt den schmerzlichen Vorwurf an sich selbst.
Nicht zuletzt weil wohl irgendetwas passiert war, was seine kleine Base sowie seinen Vetter zweiten Grades enorm mitgenommen hatte. Warum sonst war sie des Nachts umhergewandelt und konnte erst am nächsten Morgen von der fürsorglichen Sorcha gefunden und zu Bette getragen werden?
Aber diese kleine Dame, Una, ging vollends in ihrer Trauerphase auf, welche Leith nur mit wissenden, verständnisvollen Blicken untermalte. Als er es nicht mehr ertrug und beschloss sie eines Abends zur Rede zu stellen, da war es mit einem Schlage zu spät und er fand eine strahlende Una, welche mehr den Blumenwuchs als die Bauarbeiten besichtigte, vor. Aus jenem Hoch riss sie so schnell wohl gar nichts mehr und nach einigen Tagen musste er empört feststellen, dass nicht nur Leith, sondern auch Tara und Sorcha dem kleinen Honigkuchenpferd namens Una ab und an verstehende, ja fast schon neckende Blicke zuwarfen, wann immer sie besonders vor Freude glühte. Hatte man ihn denn nun völlig ausgeschlossen? Viljo und er waren bisher die Vertrauten des Mädchens gewesen, doch scheinbar hatte man gerade sie übergangen und eine bizarre Eifersucht schlich sich in das Herz des jungen Knappen.
Den Höhepunkt fand jene an diesem Abend, vor wenigen Augenblicken, als er mit kritisch schmalen Augen beobachten musste, wie Unas Augen zu leuchten begannen, als dieser Magier, kaum älter als er selber, bei eben jener Heilerin zugegen war, die Unas verwundeten Arm versorgte. Kaum mehr als ein Kratzer mit einem blauen Flecken und Una hatte gejammert wie ein kleiner Hund. Schlagartig allerdings hatte die Anwesenheit und Zuwendung des ihm bis dato unbekannten Kerls alles geändert… damit nicht genug, als Una die beiden einander vorstellte und er, Cathal, sich noch lächelnd bemühte Unas Affektion zu verstehen, da würde die Stimme des Magiers plötzlich tonloser und trocken.
Der Grund lag wohl darin, dass sowohl der fuchsteufelswilde Portier als auch Una und Leith diesem Jungspund, mit all seinen Titeln, Posten und Ansehen, den Sturm in den Konvent gebeichtet hatten. Alte Schande, Vorwürfe und die Eifersucht, welche nun ein Ziel gefunden hatte, verbanden sich und als dann noch das Wort „Ehre“ fiel, reagierte er mit hitzigen Wortstichen.
Es war die ruhige Art des jungen Mannes, welche ihn recht schnell wieder abkühlen ließ und mit einem Mal tat ihm alles leid. Vielleicht entschied er sich deshalb so rasch Una diesem Mann für den Abend anzuvertrauen… und nun überlegte er ob dies vielleicht ZU rasch war.
Mit unnötigem Kraftaufwand riss er die Türe zum Gasthof auf und betrat die Treppenstiege zu seinem Zimmer.
Er kannte diesen Mann nicht und dennoch hatte er Una bei ihm gelassen. Dies konnte sich als bitterböser Fehler herausstellen. Seine Schritte ebbten langsam ab und er blieb nun am Ende der Treppe stehen. Die Zimmertüre zum greifen nah blickte er nun wieder unsicher zurück.
Sicher, Una war eigentlich nicht gerade wehrlos, wie er erst wieder im Kampf gegen jene Ratten gesehen hatte. Ihre Beschwörungen waren stark und schnell. Dennoch, hier ging es um einen Magier, welcher wohl mit ihren Zaubern vertraut war und sobald es um rein körperliche Kraft ging war Una einer Neunjährigen unterlegen.
Seufzend und nun mit schmerzlichem Gesichtsausdruck wanderte sein Blick die Treppe herab.
Una war nicht nur klein und kindlich. Sie war auch innerlich zerbrechlich, naiv und unschuldig. Im Grunde konnte jeder dieses Wesen wie dünnes Glas brechen. Es war ihm und Viljo erst gelungen die Risse zu flicken, welche ihr zugefügt worden waren… viel fehlte dank einem fleischgewordenen Schreckensgespinst inmitten der Familie nicht mehr… und was sagte ihm, dass dieser leicht arrogante, junge Kerl mit seiner schicken Robe nicht derjenige sein würde, der das Glaswesen grob anpackte?
Stutzig hielt er nun inne. Ja… was?
War es die zarte und vorsichtige Berührung gewesen, welche er kurz mit Unas Schulter hatte?
Waren es die stets freundlichen und beherrschten Worte mitsamt dem noch spitzbübischen Zwinkern in den seltsamen, zweifarbenen Augen gewesen?
Oder eben jener Blick, der sanft auf dem Mädchen ruhte? Er kannte diesen Blick. Er hatte ihn bei Leith gesehen, bei Alleen, Sorcha, Tara, Viljo, Alassea… ein Blick der Schutz versprach. Schutz, wie ihn die Familienmitglieder untereinander ohne jede Worte stetig versprachen.
Seufzend drehte er sich zur Türe und wünschte dem zu groß geratenen Lümmel, dass er Una zum eigenen Besten mehr als gut behandeln möge…
Dann blickte er stöhnend in sein Zimmer und stellte fest, dass er selber nun gerade auch ganz andere Probleme hatte… Alleen hatte sich quer über das Doppelbett gelegt und hielt die Decke fest umschlungen. Er musste zusehen, wie er nun, ohne einen Kleinkrieg zu beginnen, Platz und Decke von dem schlafenden Drachen zurück ergattern konnte.
Lächelnd schüttelte er den Kopf… seine kleinen Basen und Vettern – er wurde schon zur Glucke!
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Una Llastobhar
Das kalte, klare Wasser des Baches tat gut auf dem etwas zu sehr von sommerlicher Hitze und schwerem Gedankengut glühendem Gesicht. Wie ein belebendes Tuch schien es Müdigkeit und Sorgen gleichermaßen abzustreifen – ein Jammer, dass solcherlei Wirkung nur immer von so kurzer Dauer war. Schon als sie das frisch gewaschene Haar mit einem rauen Linnentuch trocknete und den frechen Wind jener Ebene in Berchgard auf der noch feuchten Haut wie kalte Berührungen spürte, zog das Wissen um die schwere, bevorstehende Aufgabe an ihrem Gewissen wie ein Mühlstein. Nervös und unstet flackerte der Blick ohne irgendetwas wirklich zu sehen über die immergrüne Halmweide.
„Bitte rede zuerst nochmals mit mir, ehe du zu Viljo gehst…“
Welch unnötiger Satz. Dankbar hatte sie schnell registriert, dass auch diesmal nach dem Erstaunen und dem leichten Zorn über die „Entdeckung“ des Paares, milde Akzeptanz in den lavendelbläulichen, intensiven Augen ihres Vetters aufblitzte. Auch wenn er mit seinen albernen Folgephrasen hinsichtlich der Frage wann er sie Zuhause abzuliefern habe doch ein wenig Wut in ihr weckte, so hätte sie Cathal innerlich doch herzen können… aus irgendeinem Grunde akzeptierte er diese Neuerung im Leben seiner Base.
Aber wie würde es Viljo auffassen – was würde ihr zweiter Teil, ihre andere Seite, ihr Zwilling dazu zu sagen haben? Wie würde er reagieren?
Sie fröstelte merklich und kurz schlugen die Zähne klappernd aufeinander.
Sicherlich nicht aufgrund des neckenden Windes als vielmehr einem lebendigen Fetzen Erinnerung, welches ihr schon einmal einen vor Wut und Hass flammenden Viljo gezeigt hatte. Auch hierbei war sie der Grund gewesen – nur die Umstände waren doch ein wenig anders gewesen. Als sie realisierte was sie gerade tat, war es auch schon zu spät und als müsse sie sich selber festhalten, schlang sie die Arme um den bebenden Oberkörper. Sie stocherte in begrabenen Erinnerungen, wie ein Leichenfledderer in einem Grab…
Helle, stechende grünblaue Augen; schneeweißes Haar, einige Strähnen fielen in die Stirn; anmutige, eigentlich sogar schöne Züge – entstellt von einem bitteren, sarkastischen, zynischen und allen voran sadistischen Lächeln… welches ihr galt, dem plötzlich innerlich schrumpfenden Mädchen. Es blieb nie mehr als ein verängstigtes Kind zurück… nie.
Sie rang wild nach Luft und schüttelte den Kopf so energisch, dass die noch nassen Haare ihr wüst ins Gesicht fielen und ein wildes Bild vermittelten. Bis hierher und nicht weiter. Man sollte vergangenes ruhen lassen, tief ruhen lassen! Ihr Blick fand unbewusst den Weg zum Bette des Baches und mit trüber Miene betrachtete sie ihr eigenes Spiegelbild. Die Fragen, welche sie ihm am ersten Abend beinahe gestellt hätte drängten sich ihr auf wie eine penetrante Marktschreierin. Zwar verflog so der dunkle Brunnen Erinnerung, doch sank sie mit einem kläglichen Ächzen in die Knie und zwang sich an ihrem Körper herabzustarren.
Warum? Wieso ich? Weshalb?
Sicher, sie war bestimmt nett anzusehen, eben wie diese adretten Glaspüppchen, welche man den gut betuchteren, kleinen Mädchen gerne präsentierte. Doch wo blieb der Charme einer erwachsenen, strahlend schönen Frau? Mit Missbilligung erinnerte sie sich an die etwas peinliche Kleideranprobe in den Hallen des Handelsbundes.
„Haben sie ein solches, feines Kleid auch in Kindergrößen?“
Sie haderte für wenige Momente tatsächlich ob sie aufgrund dieser Frage Alleen nun vor Dankbarkeit um den Halse fallen oder ihr lieber in den Rücken springen sollte. Aber sie hatte doch Recht gehabt – ihr kleiner Körper wies zu wenig Fraulichkeit auf. Würde er ewiglich darüber hinwegsehen können?
Keuchend raffte sie im nächsten Augenblick ihren einfachen Rock auf und drehte sich vom Bache ab. Wie albern war denn dieser Gedankengang? Er hatte erzürnt gewirkt, als er Leith’ Bemerkung aus ihrem Munde vernommen hatte, nie war sein Blick abwertend gewesen und in den faszinierenden Augen hatte sie sich selber nicht ein einziges Mal als Kind gesehen.
Zudem… was fragte sie nach zwei Tagen schon nach der Ewigkeit?!
Es war zu früh um sich wieder der Unsicherheit hinzugeben, denn die Zeit des Glücks strahlte über ihr wie eine silberweiße Sonne. Sie hatte etwas erlangt, was ihr noch immer wie ein unbegreiflich schöner, fleischgewordener Traum erschien… gegenseitige Liebe.
Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen machte sie sich auf den Weg zum kleinen Steinschuppen. Erst einmal musste sie weitere, greifbare Hürden überwinden… ja, es war zu früh für all die nagenden, ängstlichen Fragen!
… und doch blieben sie auf der Seele des jungen Mädchens liegen, nur von einem dünnen Stofftuch bedeckt – zum temporären Schlafe gebracht.
„Bitte rede zuerst nochmals mit mir, ehe du zu Viljo gehst…“
Welch unnötiger Satz. Dankbar hatte sie schnell registriert, dass auch diesmal nach dem Erstaunen und dem leichten Zorn über die „Entdeckung“ des Paares, milde Akzeptanz in den lavendelbläulichen, intensiven Augen ihres Vetters aufblitzte. Auch wenn er mit seinen albernen Folgephrasen hinsichtlich der Frage wann er sie Zuhause abzuliefern habe doch ein wenig Wut in ihr weckte, so hätte sie Cathal innerlich doch herzen können… aus irgendeinem Grunde akzeptierte er diese Neuerung im Leben seiner Base.
Aber wie würde es Viljo auffassen – was würde ihr zweiter Teil, ihre andere Seite, ihr Zwilling dazu zu sagen haben? Wie würde er reagieren?
Sie fröstelte merklich und kurz schlugen die Zähne klappernd aufeinander.
Sicherlich nicht aufgrund des neckenden Windes als vielmehr einem lebendigen Fetzen Erinnerung, welches ihr schon einmal einen vor Wut und Hass flammenden Viljo gezeigt hatte. Auch hierbei war sie der Grund gewesen – nur die Umstände waren doch ein wenig anders gewesen. Als sie realisierte was sie gerade tat, war es auch schon zu spät und als müsse sie sich selber festhalten, schlang sie die Arme um den bebenden Oberkörper. Sie stocherte in begrabenen Erinnerungen, wie ein Leichenfledderer in einem Grab…
Helle, stechende grünblaue Augen; schneeweißes Haar, einige Strähnen fielen in die Stirn; anmutige, eigentlich sogar schöne Züge – entstellt von einem bitteren, sarkastischen, zynischen und allen voran sadistischen Lächeln… welches ihr galt, dem plötzlich innerlich schrumpfenden Mädchen. Es blieb nie mehr als ein verängstigtes Kind zurück… nie.
Sie rang wild nach Luft und schüttelte den Kopf so energisch, dass die noch nassen Haare ihr wüst ins Gesicht fielen und ein wildes Bild vermittelten. Bis hierher und nicht weiter. Man sollte vergangenes ruhen lassen, tief ruhen lassen! Ihr Blick fand unbewusst den Weg zum Bette des Baches und mit trüber Miene betrachtete sie ihr eigenes Spiegelbild. Die Fragen, welche sie ihm am ersten Abend beinahe gestellt hätte drängten sich ihr auf wie eine penetrante Marktschreierin. Zwar verflog so der dunkle Brunnen Erinnerung, doch sank sie mit einem kläglichen Ächzen in die Knie und zwang sich an ihrem Körper herabzustarren.
Warum? Wieso ich? Weshalb?
Sicher, sie war bestimmt nett anzusehen, eben wie diese adretten Glaspüppchen, welche man den gut betuchteren, kleinen Mädchen gerne präsentierte. Doch wo blieb der Charme einer erwachsenen, strahlend schönen Frau? Mit Missbilligung erinnerte sie sich an die etwas peinliche Kleideranprobe in den Hallen des Handelsbundes.
„Haben sie ein solches, feines Kleid auch in Kindergrößen?“
Sie haderte für wenige Momente tatsächlich ob sie aufgrund dieser Frage Alleen nun vor Dankbarkeit um den Halse fallen oder ihr lieber in den Rücken springen sollte. Aber sie hatte doch Recht gehabt – ihr kleiner Körper wies zu wenig Fraulichkeit auf. Würde er ewiglich darüber hinwegsehen können?
Keuchend raffte sie im nächsten Augenblick ihren einfachen Rock auf und drehte sich vom Bache ab. Wie albern war denn dieser Gedankengang? Er hatte erzürnt gewirkt, als er Leith’ Bemerkung aus ihrem Munde vernommen hatte, nie war sein Blick abwertend gewesen und in den faszinierenden Augen hatte sie sich selber nicht ein einziges Mal als Kind gesehen.
Zudem… was fragte sie nach zwei Tagen schon nach der Ewigkeit?!
Es war zu früh um sich wieder der Unsicherheit hinzugeben, denn die Zeit des Glücks strahlte über ihr wie eine silberweiße Sonne. Sie hatte etwas erlangt, was ihr noch immer wie ein unbegreiflich schöner, fleischgewordener Traum erschien… gegenseitige Liebe.
Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen machte sie sich auf den Weg zum kleinen Steinschuppen. Erst einmal musste sie weitere, greifbare Hürden überwinden… ja, es war zu früh für all die nagenden, ängstlichen Fragen!
… und doch blieben sie auf der Seele des jungen Mädchens liegen, nur von einem dünnen Stofftuch bedeckt – zum temporären Schlafe gebracht.
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Cathal Llastobhar
Tränen? Waren das nun Tränen?
Entgeistert blickte er ihr nach, unfähig sich zu rühren. Sah die kleine Gestalt in der dunklen Gewandung mit Hast in den düsteren Straßen verschwinden. Lediglich das weiße, lange Haar flatterte noch kurz leuchtend, ehe der Abendnebel auch dieses Licht verschlang. Dann stand er alleine inmitten der gut gepflasterten Straße, welche zum Osttor führte und starrte ins Nichts.
Erneut begriff er einfach nicht und fühlte sich direkt vor den Kopf gestoßen.
Sicher war ihr letztes Gespräch nicht gerade zum Besten ausgegangen und obwohl seine Intention nur die Allerbeste war, merkte er, dass die Worte etwas falsch von seinen Lippen perlten.
Mit ihrer Wut hatte er beinahe schon gerechnet, denn auch er musste zugeben, dass er sie wohl verbal in jenem Moment zum kleinen Dummchen degradiert hatte und ihr beinahe unterstellt hätte sie wäre so naiv sich von dem Erstbesten mit Wonne verführen zu lassen.
Aber er wusste, dass gerade bei Una hier die Hemmschwelle enorm war und sie wusste, dass er es wusste... ihr Ärger traf ihn also hart, aber gerecht.
Allerdings war es das beinahe vergnügte Lächeln des jungen Mannes an ihrer Seite, welcher scheinbar aufgrund der lauten Wiederworte seitens Una sehr erheitert wirkte, was Cathals Zorn langsam entfachte.
Dieser Kerl war so verdammt schwer einzuschätzen.
Einmal war Cathal davon überzeugt, dass er nur Ärger bedeutete und grollte innerlich über jede Bemerkung des jungen Magiers, welche in den Ohren des Knappens plötzlich schrecklich arrogant und abgehoben klang.
Im nächsten Moment fing er einen Blick des Kerls auf, welcher gen Una gerichtet war und konnte nicht anders als Symapthie für den magischen Dreikäsehoch zu empfinden, welcher es scheinbar ernst mit seiner kleinen Base meinte. Er konnte sie ihm anvertrauen... und im nächsten Moment schaffte er es doch erneut, dass Cathal ihm zu gerne die Faust in das hämliche Lächeln schlagen wollte.
Demut, ah und sämtliche stille Tugenden. Geduld... nein, er würde ihm nichts tun. Nicht solange... solange... solange er ihr nicht weh tat.
Waren das Tränen gewesen?
"Ich bin kein Kind mehr, hörst du? Ich kann auf mich selber achten also WAGE es nochmals mich derart dumm hinzustellen.."
Die lebhafte Erinnerung an ihr vor Wut beinahe brennendes Gesicht ließ ihn zusammenzucken. Falsch, er würde ihm gar nichts tun... sie war erwachsen und sie hatte entschieden, in allem. Das hatte er vollends nun verstanden!
Warum also fühlte er sich nun so hilflos und unfähig und grübelte noch immer darüber nach, was den stechenden Schmerz auf ihren kindlichen Zügen hervorgerufen hatte? Wenn es ihn doch eigentlich gar nichts anging... waren das nun Tränen?
Entgeistert blickte er ihr nach, unfähig sich zu rühren. Sah die kleine Gestalt in der dunklen Gewandung mit Hast in den düsteren Straßen verschwinden. Lediglich das weiße, lange Haar flatterte noch kurz leuchtend, ehe der Abendnebel auch dieses Licht verschlang. Dann stand er alleine inmitten der gut gepflasterten Straße, welche zum Osttor führte und starrte ins Nichts.
Erneut begriff er einfach nicht und fühlte sich direkt vor den Kopf gestoßen.
Sicher war ihr letztes Gespräch nicht gerade zum Besten ausgegangen und obwohl seine Intention nur die Allerbeste war, merkte er, dass die Worte etwas falsch von seinen Lippen perlten.
Mit ihrer Wut hatte er beinahe schon gerechnet, denn auch er musste zugeben, dass er sie wohl verbal in jenem Moment zum kleinen Dummchen degradiert hatte und ihr beinahe unterstellt hätte sie wäre so naiv sich von dem Erstbesten mit Wonne verführen zu lassen.
Aber er wusste, dass gerade bei Una hier die Hemmschwelle enorm war und sie wusste, dass er es wusste... ihr Ärger traf ihn also hart, aber gerecht.
Allerdings war es das beinahe vergnügte Lächeln des jungen Mannes an ihrer Seite, welcher scheinbar aufgrund der lauten Wiederworte seitens Una sehr erheitert wirkte, was Cathals Zorn langsam entfachte.
Dieser Kerl war so verdammt schwer einzuschätzen.
Einmal war Cathal davon überzeugt, dass er nur Ärger bedeutete und grollte innerlich über jede Bemerkung des jungen Magiers, welche in den Ohren des Knappens plötzlich schrecklich arrogant und abgehoben klang.
Im nächsten Moment fing er einen Blick des Kerls auf, welcher gen Una gerichtet war und konnte nicht anders als Symapthie für den magischen Dreikäsehoch zu empfinden, welcher es scheinbar ernst mit seiner kleinen Base meinte. Er konnte sie ihm anvertrauen... und im nächsten Moment schaffte er es doch erneut, dass Cathal ihm zu gerne die Faust in das hämliche Lächeln schlagen wollte.
Demut, ah und sämtliche stille Tugenden. Geduld... nein, er würde ihm nichts tun. Nicht solange... solange... solange er ihr nicht weh tat.
Waren das Tränen gewesen?
"Ich bin kein Kind mehr, hörst du? Ich kann auf mich selber achten also WAGE es nochmals mich derart dumm hinzustellen.."
Die lebhafte Erinnerung an ihr vor Wut beinahe brennendes Gesicht ließ ihn zusammenzucken. Falsch, er würde ihm gar nichts tun... sie war erwachsen und sie hatte entschieden, in allem. Das hatte er vollends nun verstanden!
Warum also fühlte er sich nun so hilflos und unfähig und grübelte noch immer darüber nach, was den stechenden Schmerz auf ihren kindlichen Zügen hervorgerufen hatte? Wenn es ihn doch eigentlich gar nichts anging... waren das nun Tränen?
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Una Llastobhar
Innerer Monolog
Eigentlich ist es nur eine gewöhnliche Decke. Hölzern, von Verstrebungen gezeichnet, gehalten durch Stützpfeiler und bewohnt von einigen wenigen Termiten und bretternagenden Würmchen. Eine gewöhnliche Decke… welche sich nun für mich dreht, zirkuliert wie die bunten Gedankenstreifen in meinem Kopf. Das macht die Verwirrung auch optisch komplett!
Wann hat all das angefangen? Wieso hat es mich so gepackt, mit eiserner Klaue ergriffen und lässt mich jetzt nicht mehr los. Bittersüßer Schmerz und herzerbebende Verzückung. Alle Fragen sind im Grunde nichtig und vergänglich wenn er so nahe bei mir ist, denn dann zählt der Moment, sofern die Zeit dann überhaupt noch eine Rolle spielt.
Es langt der Gedanke an ihn, an seine sanften und stetig sinnierenden Blicke, an ein entwaffnendes Lächeln zärtlicher Lippen, an Eigenarten wie ein verdattertes Blinzeln mit gehobenen Brauen, an seine nicht absonderlich laute, doch durchdringende Stimme, an mit unendlicher Vorsicht gelenkte Berührungen… an ihn eben. Ein einziger Gedankenhauch langt um alles federleicht zu machen und die Wirklichkeit gleichermaßen zu entzerren wie verzaubern. Mächtiger als jede Wirkung meines gelernten Repertoires oder überhaupt mir Bekanntem.
Ich sehne mich nach dir, in dem Augenblick, in welchem dein Anblick meinen Augen entschwindet…
Dennoch bin ich kein illusioniertes Kind mehr, kann mit Zukunftsbilder und Schreckensvisionen umgehen, kann sie einrechnen und doch nie kalkulieren.
Ich renne dann, renne davon, so wie das letzte Mal.
Vermutlich weil ich feige bin, weil ich mich selber nicht mehr einschätzen kann sobald es um dich geht, weil ich Angst habe zu verlieren.
Ich renne dann, weil ich gut im wegrennen und verstecken bin.
Die Decke hat aufgehört sich zu drehen, ich versuche zu schlafen – wünsche mir die Alpträume weit fort und hoffe auf etwas Stille im Orkangemisch in mir drin.
Eigentlich ist es nur eine gewöhnliche Decke. Hölzern, von Verstrebungen gezeichnet, gehalten durch Stützpfeiler und bewohnt von einigen wenigen Termiten und bretternagenden Würmchen. Eine gewöhnliche Decke… welche sich nun für mich dreht, zirkuliert wie die bunten Gedankenstreifen in meinem Kopf. Das macht die Verwirrung auch optisch komplett!
Wann hat all das angefangen? Wieso hat es mich so gepackt, mit eiserner Klaue ergriffen und lässt mich jetzt nicht mehr los. Bittersüßer Schmerz und herzerbebende Verzückung. Alle Fragen sind im Grunde nichtig und vergänglich wenn er so nahe bei mir ist, denn dann zählt der Moment, sofern die Zeit dann überhaupt noch eine Rolle spielt.
Es langt der Gedanke an ihn, an seine sanften und stetig sinnierenden Blicke, an ein entwaffnendes Lächeln zärtlicher Lippen, an Eigenarten wie ein verdattertes Blinzeln mit gehobenen Brauen, an seine nicht absonderlich laute, doch durchdringende Stimme, an mit unendlicher Vorsicht gelenkte Berührungen… an ihn eben. Ein einziger Gedankenhauch langt um alles federleicht zu machen und die Wirklichkeit gleichermaßen zu entzerren wie verzaubern. Mächtiger als jede Wirkung meines gelernten Repertoires oder überhaupt mir Bekanntem.
Ich sehne mich nach dir, in dem Augenblick, in welchem dein Anblick meinen Augen entschwindet…
Dennoch bin ich kein illusioniertes Kind mehr, kann mit Zukunftsbilder und Schreckensvisionen umgehen, kann sie einrechnen und doch nie kalkulieren.
Ich renne dann, renne davon, so wie das letzte Mal.
Vermutlich weil ich feige bin, weil ich mich selber nicht mehr einschätzen kann sobald es um dich geht, weil ich Angst habe zu verlieren.
Ich renne dann, weil ich gut im wegrennen und verstecken bin.
Die Decke hat aufgehört sich zu drehen, ich versuche zu schlafen – wünsche mir die Alpträume weit fort und hoffe auf etwas Stille im Orkangemisch in mir drin.
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Kailen
Mit mattem Amüsement betrachtete er die rasche Bewegungsabfolge bestehend aus Arm- und Beingezappel und einem auf- und abtauchendem Gesicht, vom Entsetzen mit weitaufgerissenen Augen entstellt. Fast schon ließ er sich dazu überreden jenen Anblick zu genießen, als der stumme Mann den Mund öffnete und einen gurgelnden, kehligen Schrei in seine Richtung ausstieß. Panik und bitteres Flehen lagen im verzweifelten Blick. Mit nun schwindender Kraft streckte der Gepeinigte eine Hand nach dem einzig möglichen Retter an der Rehling aus. Doch jener verschränkte die Arme mit geschmeidiger, majestätischer Geste vor der Brust und legte den Kopf schief um fast liebevoll lächelnd das kümmerlich- kurze Schauspiel namens Mensch gegen Ozean zu verfolgen. Eine Gestik, die er erst seit wenigen Monaten in seine Angewohnheiten übernommen hatte.
Während der Matrose weiterhin verzweifelt mit dem Tod in Form der eiskalten, gewaltigen und wütenden Salzwassermasse rang, gab sich der baldige Mörder mit sanftem Schmunzeln ganz eigenen Gedanken hin und schwelgte in einem süßen Bad der Erinnerungen.
Verdorbene, kindliche Unschuld. So einfach überredet und schon hatte der kleine, gute Sohn, ein güldener Stolz der Familie, wie eigentlich all ihre Bengel, den eigenen Vater verraten und ihm ein so erfreuliches Präsent gemacht. Bei dem Gedanken an den verwirrten und verzauberten Blick des Jungen schloss er die feingliedrige, blasse Hand um das Medaillon an seinem Hals. Es passte doch so gut zu jenem grünlich glitzernden Ring an seinem Zeigefinger. Ah, sein Bruder hatte sich eh nie viel aus Schmuck gemacht und sein armes, schwächliches Schwesterlein trug noch immer den Ehering des grobschlächtigen, endlich toten Barbaren. Sie liebte ihn noch immer… ebenso wie den kleinen, vermaledeiten Bastard, welcher edles Blut nun entstellte. Unweigerlich verstärkte er den Griff um das Amulett und spürte wie ein Fingerknochen leise knackte. Warte nur, Knappe, wir beide sind noch lange nicht miteinander fertig!
Rasch lenkte er den Gedankengang auf den nächstbesten Lichtblick und ein dünnes, befriedigtes Lächeln verdrängt kalten Hass. Er sah schwarzblaues Haar, ernste, klare Augen wie ein stiller See inmitten der Nacht und eine feenhafte, schlanke, dunkle Gestalt. Sie hätte sein werden sollen, er hätte sie betten sollen und nicht jener Flötenspieler. Zumindest hätte er ihr etwas Extase und Freude geschenkt… wenn sie denn nur seine Gespielin geworden wäre. Ein nüchterner Seufzer drang aus seiner Brust und er zuckte bedauernd die Achseln.
Man konnte nicht alles haben. Vielleicht würde er sich in baldiger Zukunft das ein oder andere Späßchen mit Arienhs schöner, doch wertloser Brut erlauben können. Gesetzt die Zeit ließ all dies zu! Er hatte zu lernen, zu ergründen und zusammenfügen was er noch aus der Ignoranz der kümmerlich verkrüppelten Familie, welche ein Geschenk verstoßen hatte, retten konnte. Nur wenig Zeit blieb ihm für das eigene Vergnügen.
Ein Funke Wahnsinn glomm in den kalten Augen auf und selig sah er in der Ferne die letzten Luftbläschen an der Wasseroberfläche zerplatzen. Armer Tor, hätte er nur die neugierige Nase nicht ohne anzuklopfen in jene unbewachte Kajüte gesteckt… der dunkle Raum hatte ihn angezogen wie eine verdrehte Motte. Schon in jenem Moment hatte er in den brennenden Augen des Zimmerherren sein Leben verwirkt, doch hätte es schnell gehen können, hätten die schmutzigen Finger des armseligen Mannes nicht über das einzige Bildnis, ein zart skizziertes Portrait zweier Kinder, am Pult gefahren…
Das Spiel war beendet.
Nicht einmal mehr ein toter Körper, eine alte Komplikation, die man loswerden musste, blieben vom Matrosen über und sanft hauchte der Mörder ein abschließendes
„Mann über Bord…“ ins Morgengrauen.
Während der Matrose weiterhin verzweifelt mit dem Tod in Form der eiskalten, gewaltigen und wütenden Salzwassermasse rang, gab sich der baldige Mörder mit sanftem Schmunzeln ganz eigenen Gedanken hin und schwelgte in einem süßen Bad der Erinnerungen.
Verdorbene, kindliche Unschuld. So einfach überredet und schon hatte der kleine, gute Sohn, ein güldener Stolz der Familie, wie eigentlich all ihre Bengel, den eigenen Vater verraten und ihm ein so erfreuliches Präsent gemacht. Bei dem Gedanken an den verwirrten und verzauberten Blick des Jungen schloss er die feingliedrige, blasse Hand um das Medaillon an seinem Hals. Es passte doch so gut zu jenem grünlich glitzernden Ring an seinem Zeigefinger. Ah, sein Bruder hatte sich eh nie viel aus Schmuck gemacht und sein armes, schwächliches Schwesterlein trug noch immer den Ehering des grobschlächtigen, endlich toten Barbaren. Sie liebte ihn noch immer… ebenso wie den kleinen, vermaledeiten Bastard, welcher edles Blut nun entstellte. Unweigerlich verstärkte er den Griff um das Amulett und spürte wie ein Fingerknochen leise knackte. Warte nur, Knappe, wir beide sind noch lange nicht miteinander fertig!
Rasch lenkte er den Gedankengang auf den nächstbesten Lichtblick und ein dünnes, befriedigtes Lächeln verdrängt kalten Hass. Er sah schwarzblaues Haar, ernste, klare Augen wie ein stiller See inmitten der Nacht und eine feenhafte, schlanke, dunkle Gestalt. Sie hätte sein werden sollen, er hätte sie betten sollen und nicht jener Flötenspieler. Zumindest hätte er ihr etwas Extase und Freude geschenkt… wenn sie denn nur seine Gespielin geworden wäre. Ein nüchterner Seufzer drang aus seiner Brust und er zuckte bedauernd die Achseln.
Man konnte nicht alles haben. Vielleicht würde er sich in baldiger Zukunft das ein oder andere Späßchen mit Arienhs schöner, doch wertloser Brut erlauben können. Gesetzt die Zeit ließ all dies zu! Er hatte zu lernen, zu ergründen und zusammenfügen was er noch aus der Ignoranz der kümmerlich verkrüppelten Familie, welche ein Geschenk verstoßen hatte, retten konnte. Nur wenig Zeit blieb ihm für das eigene Vergnügen.
Ein Funke Wahnsinn glomm in den kalten Augen auf und selig sah er in der Ferne die letzten Luftbläschen an der Wasseroberfläche zerplatzen. Armer Tor, hätte er nur die neugierige Nase nicht ohne anzuklopfen in jene unbewachte Kajüte gesteckt… der dunkle Raum hatte ihn angezogen wie eine verdrehte Motte. Schon in jenem Moment hatte er in den brennenden Augen des Zimmerherren sein Leben verwirkt, doch hätte es schnell gehen können, hätten die schmutzigen Finger des armseligen Mannes nicht über das einzige Bildnis, ein zart skizziertes Portrait zweier Kinder, am Pult gefahren…
Das Spiel war beendet.
Nicht einmal mehr ein toter Körper, eine alte Komplikation, die man loswerden musste, blieben vom Matrosen über und sanft hauchte der Mörder ein abschließendes
„Mann über Bord…“ ins Morgengrauen.
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Una Llastobhar
Rausch… brennend, bebend, verzehrend.
Knisternd bahnt er sich wie flüssiges Feuer durch die unzähligen Adern hin zum Körper,
weckt die Wahrheit, das Sehnen und Verlangen.
Prickelnde Spannung zwischen Körpern, Berührungen und Blicken.
Fallen… endlos, schwerelos, bedeutungslos.
Hinabgleiten, Glut spüren und ganz unendlich langsam öffnen sich die zu Fäusten geballten
Hände in Aufgabe – gebrochener Widerstand.
Unschuldige Hingabe des Leibes, des Herzens und der Seele.
Annäherung… im Rhythmus, Herzschlag, Intensität.
Gemeinsam von der Flut mitgerissen und in an- und absteigender Wellenbewegung im
gleichen Zuge verbunden, treibend.
….
Verschmelzung
….
Ein unvergleichlich kleiner Schmerz im Austausch für eine andere Welt, unbekannt und von
einer Magie gezeichnet, welche nicht erfasst werden kann.
Mächtiger als alles andere… einend.
[img]http://mitglied.lycos.de/sherahadh/Sense.JPG[/img]
Knisternd bahnt er sich wie flüssiges Feuer durch die unzähligen Adern hin zum Körper,
weckt die Wahrheit, das Sehnen und Verlangen.
Prickelnde Spannung zwischen Körpern, Berührungen und Blicken.
Fallen… endlos, schwerelos, bedeutungslos.
Hinabgleiten, Glut spüren und ganz unendlich langsam öffnen sich die zu Fäusten geballten
Hände in Aufgabe – gebrochener Widerstand.
Unschuldige Hingabe des Leibes, des Herzens und der Seele.
Annäherung… im Rhythmus, Herzschlag, Intensität.
Gemeinsam von der Flut mitgerissen und in an- und absteigender Wellenbewegung im
gleichen Zuge verbunden, treibend.
….
Verschmelzung
….
Ein unvergleichlich kleiner Schmerz im Austausch für eine andere Welt, unbekannt und von
einer Magie gezeichnet, welche nicht erfasst werden kann.
Mächtiger als alles andere… einend.
[img]http://mitglied.lycos.de/sherahadh/Sense.JPG[/img]
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Lir Var Rhemar
Mit zufriedenem Lächeln, welches fast stetig die bläulichen Lippen des jungen Mannes in arroganter oder hämischer Weise hob, überflog er das kleine Notizbuch, die dunklen, schwarzbraunen Augen hingen an einem Wort, oder Namen fest, ehe er mit salopper Geste der schmalen Hand einen Haken dahinter plazierte. Aufatmend hob er den Kopf und starrte der Morgenröte entgegen. Man konnte auch in Bajard eine Menge des Nachts in der gemütlichen Taverne erfahren und so blickte er nun nach ergebnisreicher, getaner Arbeit dem wohlverdienten Schlafe entgegen. Der helle Tag war ihm eh eher ein Gräuel und bekam der blassen, ebenmäßigen Haut auch nicht besonders gut. Müde streckte er sich wie eine junge Katze und strich das rabenschwarze, gewellte, kinnlange Haar aus dem Gesicht. Einige störrische Locken versuchten stets ihm etwas Sicht zu rauben und unterstrichen die jugendliche Frische des galanten, etwas affektierten Kerls, welcher noch immer überaus selbstzufrieden langsam blinzelte und für sich zusammenfasste.
Er hatte den Namen.
In diesem Fall auch einige Titel, die den Herren überaus interessieren würden. Ja, er hatte sogar den Wohnsitz lokalisiert... allerdings war hierbei Bajard wohl doch die falsche Ecke des Landes gewesen.
Er hatte ihn gefunden und sicherlich keine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Nun galt es weitere Anweisungen abzuwarten und vorerst zu beobachten, denn (und hierbei freute er sich schon fast diebisch) auch in Bajard geschahen Dinge, die für seinen Herren von höchster Interesse sein mussten...
Er hatte den Namen.
In diesem Fall auch einige Titel, die den Herren überaus interessieren würden. Ja, er hatte sogar den Wohnsitz lokalisiert... allerdings war hierbei Bajard wohl doch die falsche Ecke des Landes gewesen.
Er hatte ihn gefunden und sicherlich keine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Nun galt es weitere Anweisungen abzuwarten und vorerst zu beobachten, denn (und hierbei freute er sich schon fast diebisch) auch in Bajard geschahen Dinge, die für seinen Herren von höchster Interesse sein mussten...
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Una Llastobhar
Einmal wieder... die Sonne spitzte neugierig durch den Mantel der Nacht und schickte die ersten Strahlen wie dünnen, nur hauchig-zarte Fingerchen vorsichtig herab gen Erdboden. Ein Tautropfen im Moos glitzerte unter ihrer Berührung stolz wie ein reiner Diamant und lenkte die Aufmerksamkeit des Mädchens, welches mit dem Rücken zu einem der flechtenbewachsenen Ringsteine saß und abwechselnd mit dem Federkiel in ein Notizbuch schrieb und mit kritischem Blicke die vergilbten Seiten eines offensichtlich alten Buches stumm studierte, mit diesem Funkelspiel schnell auf sich.
Ein eher unschöner, nicht sehr damenhafter Fluch entwischte den bleichen Lippen und mit wenigen, hastigen Bewegungen rafften die porzellanweissen, schmalen Hände übereilt all die verstreuten Studierutensilien wie unter Anderem staubige Pergamentbögen, Kohlegriffen, eine Schiefertafel und ein Beutel, welcher sehr würzig-herb nach starken Kräutern roch, vom Waldboden in eine brüchige Ledertasche, ehe sie "die Beine in die Hand nahm" um loszuhetzen.
Sie achtete nicht auf die kleineren Zurückhalteversuche der tieferhängenden Ästchen oder der Kletten und Dornen, sondern stolperte mit einem Tempo, als säße Alatar persönlich in ihrem Nacken, zurück gen Westtor der Stadt Varuna.
Jedoch war es eine andere Höllenfratze, ein anderer Dämon oder Teufel, welcher ihre Schritte immens antrieb und sie scheuchte wie ein verängstigtes Kaninchen:
Die Sonne, welche in Bälde die Bürger jener strahlenden Hauptstadt des Reiches wecken würde. Mit ihr veranstaltete sie nun diesen Wettlauf, vorbei an zwei wachhabenden Gardisten, welche mit diesem bizarren Schauspiel seit einigen Tagen nun schon allzu vertraut waren und längst von Fragen absahen, als der kleine Wirbelwind aus tiefblauer Kleidung und schneefarbenem Haar an ihnen vorbeiflatterte und das Ledertäschchen dabei hinterherriss. Ebenso minder beeindruckt zeigte sich der Milchmann und blickte nicht einmal mehr auf, als klappernde Rennschritte mit flachem Tone an seinem Rücken vorbeizogen. Das noch freie Kopfsteinpflaster machte ihr den Weg leichter und als sie letzendlich vor der schweren Eisentüre zum Stehen kam und mit etwas bebenden Händen den Schlüssel im Schloss drehte, da lauschte sie längst nicht mehr dem bis zum Halse klopfenden Herzen oder dem nur mühsam unterdrücktem Gekeuche ihres Atems, sondern der Stille im noch anheimelnd dunklen Inneren der Villa.
Erst als sie sich mit nervös angehaltener Luft dann endlich gänzlich davon überzeugt hatte, dass noch keine Menschenseele in dem großen Gebäude wach war, stellte sie die Tasche neben der Garderobe ab, löste die leise klickende Mantelfibel und zog Stiefel wie Käppchen aus. Nur wenige Augenblicke später balancierte sie Schritt um Schritt die hölzerne Treppe hinauf, unendlich langsam und peinlich darauf bedacht nicht auf die knarrzenden Stiegenteile zu steigen... aber auch jene waren im Laufe der letzten Nächte bekannt geworden. Die letzte Hürde, nachdem auch der geliebte Wohnsaal durchquert war, stellte nur noch die Türe zum Schlafzimmer dar und selbst diese konnte sie nun beinahe geräuschlos öffnen.
Stille schlug ihr entgegen und nach einiger Zeit hörte sie die regelmäßigen Atemzüge, welche vom Bette her zu ihr drangen, klar und deutlich. Das leise Aufseufzen der Erleichterung konnte sie nicht zurückhalten und auf Zehenspitzen arbeitete sie sich zur Wasch- und Umkleidekabine vor.
Als sie sich das zweite Mal dem Bette näherte, in eines der weißen, dünnen Linnennachthemdchen gekleidet, welche sie wieder zum Innbegriff eines Püppchens machten, da war es nun draussen hell genug um mit Hilfe des Lichtes vom Fenster her die Züge des Schlafenden mit weichem Glanze schemenhaft zu illuminieren.
Vorsichtig stieg sie ins Bett und verharrte dann doch auf der Bettdecke kniend ohne sich zuzudecken, da der nun ebenso vertraute Anblick einmal mehr alles in ihrer Brust rührte und mit pochender Schuld ein Gespräch, so von Lügen ihrerseits durchzogen, ins Gedächtnis rief.
Gute Nacht dir Cathal... und träum etwas feines, Bester.....
Du auch und grüße Feoras solltest du ihn sehen
- ein heftiges Zucken, wie unter einem Schlag. Der Name ist gefallen -
Tut...mir leid...
- ein kleinlautes Nicken. Finde eine rasche Antwort, Mädchen -
Na, er hat nicht viel Zeit im Moment, weisst du?
- Lüge! LÜGE LÜGE LÜGE!!! -
Das weis ich ja...Aber lass dich nicht unterkriegen die ganze Arkorithergeschichte nimmt euch beide eben sehr mit
- ein sachtes, schiefes Lächeln um den Blödsinn zu verdecken -
Ich weiss... und ich weiss, dass er auch nur versucht alles besser zu machen... Himmel, ich mach ihm ja keine Vorwürfe... gar nicht... ich vermisse ihn nur so schrecklich, weisst du?
- die Wahrheit, dummes Kind aber du bist doch die Schuldige! -
Ja..inzwischen weiss ich was du meinst
Mit zittrigen Fingern hatte sie die Hand nach dem Gesicht des schlafenden, entkräfteten, jungen Mannes ausgestreckt und behutsam legte sie zärtlich die bleichen Spitzen auf seine Wangen, fuhr mit hauchzarter Hingabe langsam die eher feinen Züge nach, welche das Antlitz jenes Mannes formten, den sie liebte... und im Moment im Stich ließ.
Es ist besser so, hatte sie sich eingeredet, ich bin keine Last, kein albernes Püppchen, kein Sorgengrund. Er braucht doch seine Ruhe gerade jetzt mehr als je zuvor und ich stärke mich indem ich studiere, studiere und studiere...
Ja, in der Tat hatten die nächtlichen Lerneinheiten, die täglichen Besuche beinahe sämtlicher, zugänglicher Bibliotheken und die enorme Schreibarbeit ihre Früchte getragen und den Geist der jungen Magierin langsam geschärft, ihre Kraft aufgefrischt und das Selbstbewusstsein ungemein bestärkt.
Doch warum fühlte sie sich dennoch gerade eben so ausgelaugt, ohne jegliche Energie, klein und leer wie ein hohles Gefäß?
Ein weiteres Mal schob sie müde und bequem die Gedanken von sich, deren Lösung sie im Inneren längst erraten hatte und beugte sich vorsichtig herab um die blassen, kühlen Lippen mit einem gehauchten Kuss auf seine warme Stirn zu legen. Nach der flüchtigen Berührung jedoch kuschelte sie sich eilig in die leichte Sommerdaunendecke und nahm mit einem letzten, längeren Blick für diese Nacht Abschied von dem geliebten Anblick um sich dann von ihm abzudrehen und zusammen zu kauern.
Müde, unendlich müde und benommen schloss sie dann die verräterisch feucht glitzernden, nebelgrauen Augen und versuchte zu schlafen, wissend, dass das Bett neben ihr leer sein würde, wenn sie gen Mittag endlich wieder erwachen würde, wissend, dass sie irgendetwas schon wieder so unendlich falsch wie nur möglich zu lösen versuchte... dummes, dummes Kind, du hast noch so ewig viel zu lernen!
Ein eher unschöner, nicht sehr damenhafter Fluch entwischte den bleichen Lippen und mit wenigen, hastigen Bewegungen rafften die porzellanweissen, schmalen Hände übereilt all die verstreuten Studierutensilien wie unter Anderem staubige Pergamentbögen, Kohlegriffen, eine Schiefertafel und ein Beutel, welcher sehr würzig-herb nach starken Kräutern roch, vom Waldboden in eine brüchige Ledertasche, ehe sie "die Beine in die Hand nahm" um loszuhetzen.
Sie achtete nicht auf die kleineren Zurückhalteversuche der tieferhängenden Ästchen oder der Kletten und Dornen, sondern stolperte mit einem Tempo, als säße Alatar persönlich in ihrem Nacken, zurück gen Westtor der Stadt Varuna.
Jedoch war es eine andere Höllenfratze, ein anderer Dämon oder Teufel, welcher ihre Schritte immens antrieb und sie scheuchte wie ein verängstigtes Kaninchen:
Die Sonne, welche in Bälde die Bürger jener strahlenden Hauptstadt des Reiches wecken würde. Mit ihr veranstaltete sie nun diesen Wettlauf, vorbei an zwei wachhabenden Gardisten, welche mit diesem bizarren Schauspiel seit einigen Tagen nun schon allzu vertraut waren und längst von Fragen absahen, als der kleine Wirbelwind aus tiefblauer Kleidung und schneefarbenem Haar an ihnen vorbeiflatterte und das Ledertäschchen dabei hinterherriss. Ebenso minder beeindruckt zeigte sich der Milchmann und blickte nicht einmal mehr auf, als klappernde Rennschritte mit flachem Tone an seinem Rücken vorbeizogen. Das noch freie Kopfsteinpflaster machte ihr den Weg leichter und als sie letzendlich vor der schweren Eisentüre zum Stehen kam und mit etwas bebenden Händen den Schlüssel im Schloss drehte, da lauschte sie längst nicht mehr dem bis zum Halse klopfenden Herzen oder dem nur mühsam unterdrücktem Gekeuche ihres Atems, sondern der Stille im noch anheimelnd dunklen Inneren der Villa.
Erst als sie sich mit nervös angehaltener Luft dann endlich gänzlich davon überzeugt hatte, dass noch keine Menschenseele in dem großen Gebäude wach war, stellte sie die Tasche neben der Garderobe ab, löste die leise klickende Mantelfibel und zog Stiefel wie Käppchen aus. Nur wenige Augenblicke später balancierte sie Schritt um Schritt die hölzerne Treppe hinauf, unendlich langsam und peinlich darauf bedacht nicht auf die knarrzenden Stiegenteile zu steigen... aber auch jene waren im Laufe der letzten Nächte bekannt geworden. Die letzte Hürde, nachdem auch der geliebte Wohnsaal durchquert war, stellte nur noch die Türe zum Schlafzimmer dar und selbst diese konnte sie nun beinahe geräuschlos öffnen.
Stille schlug ihr entgegen und nach einiger Zeit hörte sie die regelmäßigen Atemzüge, welche vom Bette her zu ihr drangen, klar und deutlich. Das leise Aufseufzen der Erleichterung konnte sie nicht zurückhalten und auf Zehenspitzen arbeitete sie sich zur Wasch- und Umkleidekabine vor.
Als sie sich das zweite Mal dem Bette näherte, in eines der weißen, dünnen Linnennachthemdchen gekleidet, welche sie wieder zum Innbegriff eines Püppchens machten, da war es nun draussen hell genug um mit Hilfe des Lichtes vom Fenster her die Züge des Schlafenden mit weichem Glanze schemenhaft zu illuminieren.
Vorsichtig stieg sie ins Bett und verharrte dann doch auf der Bettdecke kniend ohne sich zuzudecken, da der nun ebenso vertraute Anblick einmal mehr alles in ihrer Brust rührte und mit pochender Schuld ein Gespräch, so von Lügen ihrerseits durchzogen, ins Gedächtnis rief.
Gute Nacht dir Cathal... und träum etwas feines, Bester.....
Du auch und grüße Feoras solltest du ihn sehen
- ein heftiges Zucken, wie unter einem Schlag. Der Name ist gefallen -
Tut...mir leid...
- ein kleinlautes Nicken. Finde eine rasche Antwort, Mädchen -
Na, er hat nicht viel Zeit im Moment, weisst du?
- Lüge! LÜGE LÜGE LÜGE!!! -
Das weis ich ja...Aber lass dich nicht unterkriegen die ganze Arkorithergeschichte nimmt euch beide eben sehr mit
- ein sachtes, schiefes Lächeln um den Blödsinn zu verdecken -
Ich weiss... und ich weiss, dass er auch nur versucht alles besser zu machen... Himmel, ich mach ihm ja keine Vorwürfe... gar nicht... ich vermisse ihn nur so schrecklich, weisst du?
- die Wahrheit, dummes Kind aber du bist doch die Schuldige! -
Ja..inzwischen weiss ich was du meinst
Mit zittrigen Fingern hatte sie die Hand nach dem Gesicht des schlafenden, entkräfteten, jungen Mannes ausgestreckt und behutsam legte sie zärtlich die bleichen Spitzen auf seine Wangen, fuhr mit hauchzarter Hingabe langsam die eher feinen Züge nach, welche das Antlitz jenes Mannes formten, den sie liebte... und im Moment im Stich ließ.
Es ist besser so, hatte sie sich eingeredet, ich bin keine Last, kein albernes Püppchen, kein Sorgengrund. Er braucht doch seine Ruhe gerade jetzt mehr als je zuvor und ich stärke mich indem ich studiere, studiere und studiere...
Ja, in der Tat hatten die nächtlichen Lerneinheiten, die täglichen Besuche beinahe sämtlicher, zugänglicher Bibliotheken und die enorme Schreibarbeit ihre Früchte getragen und den Geist der jungen Magierin langsam geschärft, ihre Kraft aufgefrischt und das Selbstbewusstsein ungemein bestärkt.
Doch warum fühlte sie sich dennoch gerade eben so ausgelaugt, ohne jegliche Energie, klein und leer wie ein hohles Gefäß?
Ein weiteres Mal schob sie müde und bequem die Gedanken von sich, deren Lösung sie im Inneren längst erraten hatte und beugte sich vorsichtig herab um die blassen, kühlen Lippen mit einem gehauchten Kuss auf seine warme Stirn zu legen. Nach der flüchtigen Berührung jedoch kuschelte sie sich eilig in die leichte Sommerdaunendecke und nahm mit einem letzten, längeren Blick für diese Nacht Abschied von dem geliebten Anblick um sich dann von ihm abzudrehen und zusammen zu kauern.
Müde, unendlich müde und benommen schloss sie dann die verräterisch feucht glitzernden, nebelgrauen Augen und versuchte zu schlafen, wissend, dass das Bett neben ihr leer sein würde, wenn sie gen Mittag endlich wieder erwachen würde, wissend, dass sie irgendetwas schon wieder so unendlich falsch wie nur möglich zu lösen versuchte... dummes, dummes Kind, du hast noch so ewig viel zu lernen!
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Feoras de Jagotin
Man kann Feoras mit Sicherheit nicht nachsagen, dass er einen schlechten Schlaf hat. Doch hätte wahrscheinlich selbst ein Murmeltier im Winterschlaf es bemerkt, was dort des Nächtens im Hause de Jagotin und Llastobhar vor sich geht.
Lange Zeit hatte er nichts zu Unas Ausflügen in der Dunkelheit gesagt. Er wusste nicht, wohin sie geht, was sie tut. Er hat auch gar nicht versucht, es in Erfahrung zu bringen, denn einmal davon abgesehen, dass er sich seinen Teil denken konnte, wollte er das ganze irgendwann mal von ihr selber erklärt bekommen.
Doch eben jene Erklärung ließ auf sich warten... lange. Die Tatsache, dass er ihren Tatendrang nicht wirklich schlecht fand, war vielleicht der Grund dafür, dass es so lange dauerte, bis er sich letztlich ein Herz fasste und eines Abends im vom Mondlicht getränkten Garten auf sie wartete.
........
"Die Nächte in letzter Zeit müssen wohl immer so schön sein, wieso sollte man sonst immer wieder aufs Neue nicht im Bett sein?"
........
Das geführte Gespräch war ungewöhnlich, erfreulich und klärend zugleich. Eine so selbstbewusste und angriffslustige Una, vor allem ihm gegenüber, das hätte er nicht erwartet - und umso mehr freute es ihn skurilerweise, dass sie ihm Paroli bot, denn genau das ist eine Eigenschaft, die zwar durchaus immer in ihr vorhanden, aber zu selten zum Vorschein gekommen war.
Irgendwann wusste er dann auch, warum sie nie mit ihm sprach... sie wollte nicht zur Last fallen, und ebenso wollte sie nicht erneut die sein, die sich hinter dem vermeindlich starken Feoras versteckt, sondern selber Stärke zeigen.
"Das letzte, was ich will, ist, dich in einen goldenen Käfig zu sperren - aber bitte bau auch keine Mauer auf..." - Natürlich wollte Una keine Mauer aufbauen, aber es gab Momente, da wirkte es fast schon so auf Feoras. Er machte sich doch solche Sorgen um sie, was eindeutig auf Gegenseitigkeit beruhte.
Letzlich war es wichtig, dass gesprochen wurde... es war eines dieser Gespräche, die zusammenschweißen - falls man bei dieser starken und bedinungslosen Liebe, die nach wie vor zwischen den beiden in der Luft lag, überhaupt noch etwas fester zusammenschweißen konnte.
Aber es sorgte dafür, dass Una wieder einmal die Nacht zuhause verbrachte...
Lange Zeit hatte er nichts zu Unas Ausflügen in der Dunkelheit gesagt. Er wusste nicht, wohin sie geht, was sie tut. Er hat auch gar nicht versucht, es in Erfahrung zu bringen, denn einmal davon abgesehen, dass er sich seinen Teil denken konnte, wollte er das ganze irgendwann mal von ihr selber erklärt bekommen.
Doch eben jene Erklärung ließ auf sich warten... lange. Die Tatsache, dass er ihren Tatendrang nicht wirklich schlecht fand, war vielleicht der Grund dafür, dass es so lange dauerte, bis er sich letztlich ein Herz fasste und eines Abends im vom Mondlicht getränkten Garten auf sie wartete.
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"Die Nächte in letzter Zeit müssen wohl immer so schön sein, wieso sollte man sonst immer wieder aufs Neue nicht im Bett sein?"
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Das geführte Gespräch war ungewöhnlich, erfreulich und klärend zugleich. Eine so selbstbewusste und angriffslustige Una, vor allem ihm gegenüber, das hätte er nicht erwartet - und umso mehr freute es ihn skurilerweise, dass sie ihm Paroli bot, denn genau das ist eine Eigenschaft, die zwar durchaus immer in ihr vorhanden, aber zu selten zum Vorschein gekommen war.
Irgendwann wusste er dann auch, warum sie nie mit ihm sprach... sie wollte nicht zur Last fallen, und ebenso wollte sie nicht erneut die sein, die sich hinter dem vermeindlich starken Feoras versteckt, sondern selber Stärke zeigen.
"Das letzte, was ich will, ist, dich in einen goldenen Käfig zu sperren - aber bitte bau auch keine Mauer auf..." - Natürlich wollte Una keine Mauer aufbauen, aber es gab Momente, da wirkte es fast schon so auf Feoras. Er machte sich doch solche Sorgen um sie, was eindeutig auf Gegenseitigkeit beruhte.
Letzlich war es wichtig, dass gesprochen wurde... es war eines dieser Gespräche, die zusammenschweißen - falls man bei dieser starken und bedinungslosen Liebe, die nach wie vor zwischen den beiden in der Luft lag, überhaupt noch etwas fester zusammenschweißen konnte.
Aber es sorgte dafür, dass Una wieder einmal die Nacht zuhause verbrachte...