Es gibt nur wenige Momente, die von einer so lauten Stille geprägt sind, wie die wenigen Minuten, zwischen den ersten Sonnenstrahlen und ihrem vollständigen Sieg über die Dunkelheit der Nacht.
Ein einzelner Vogel kann für wenige Herzschläge akustischer Herrscher über ein ganzes Fischerdorf werden.
Welches Wesen würde sich eine solche Gelegenheit schon entgehen lassen?
In eben diesen Minuten taucht in der Herberge 'Zur schlummenden Jungfrau' ein kleiner Leinenbeutel auf. Geschickt an der nördlichen Wand der oberen Etage platziert, so dass er ins Auge fällt ohne als Stolperfalle direkt im Weg zu liegen.
Schnürt man ihn auf, kommen drei Gegenstände zum Vorschein:
Ein halber Laib einfachen, aber frischen Brotes
Ein viertel Glas Erdbeermarmelade
Ein kleines Säckchen mit ein paar getrockneten Lindenblüten
Auf dem Fußboden unter dem Säckchen verborgen könnte eine kleine, überdurchschnittlich symetrische Muschel schnell übersehen werden.
Um für die junge Autorin nicht als Stolperfalle zu taugen, hätte er schon weit über ihrem Kopf schweben müssen und so kam an diesem stahlenden Morgen was kommen musste, als sie beim Verlassen ihrer Wohnung von einem kleinen Leinenbeutel zu Fall gebracht wurde. Wider Erwarten fand sie aber keinen schadenfroh grinsenden Bergmann an der Tür zur Nachbarwohnung, sondern ein Glas mit Marmelade nebst Brot und Tee.
Das lange und überflüssige Warten vom Vortag war vergessen, als sie wenig später mit dem Finger im Marmeladenglas an ihrem Esstisch saß und zum Fenster hinaus blickte. Es würde ihr schon eine angemessene Erwiderung einfallen ...
Zuletzt geändert von Gast am Sonntag 8. März 2015, 12:47, insgesamt 2-mal geändert.