Dunkle Ränder unter den noch immer wachsamen und nachdenklich dreinblickenden, nebelgrauen Augen waren das einzige offene Indiz für die aufkommende Schwäche und Müdigkeit im kleinen Körper des Mädchens. Ihre Ausbildung und auch die vorher vom Vaters stets geforderte Disziplin, sowie der gemeinsame Familientraum jedoch hielten sie aufrecht und strafften ihre schmalen Schultern. Obwohl diese kleine Person aufgrund der flachen, schmalen Gestalt und dem fast puppenhaftem Kindergesicht optisch kaum älter als dreizehn Sommer geschätzt werden konnte, wagten die beiden jungen Maurer, welche den ersten Lehm und Mörtel anrührten kein einziges Mal zu widersprechen, als sie ihnen ruhig erklärte wo man was unterzustellen hatte und dass sie vorerst die Aufsicht über die Bauten übernehmen wolle.
Sie selber hatte lange gebraucht um sich mit Cathals Idee wirklich anzufreunden.
Sicher, eine Burg – sogar eine kleine Familienburg wie jene – bot ihnen allen auf Dauer Zuflucht und war zudem ein recht stattlicher Sitz für ein gut bürgerliches Haus wie das ihre. Doch hätte sie sich weiterhin mit einem kleinen, eigenen Türmlein begnügt … wenn nicht sogar mit einem einfachen Herbergszimmer. Ihre bisherige Kemenate hatte all das geboten, was sie bisher zum Glücke brauchte:
Truhen und ein Schrank für Kleider und ähnlichen, weibischen Zierkram, welchem sie so verfallen war, ein netter Arbeitstisch mit einem simplen Stuhl und ein Fenster davor, durch dessen Scheiben sich das Licht strahlend brach.
Ein nassmatschiges Klatschen unterbrach ihre Gedanken, als der frische Lehm auf die wenigen, ersten Grundsteine geschaufelt wurde. Bauen…. erneut.
Zuerst hatte der Konvent angefangen und erst seit wenigen Tagen hatte sie, völlig überfordert mit dem regen Treiben am Pier, der Ankunft weiterer Lehrkräfte entgegengefiebert. Stoßen, rangeln und immer dicht hinter Finja, da sie hoffte jene am einfachsten im Gewühl wieder zu finden. Letztendlich hatten sie es geschafft und nebst den etwas unterkühlten Blicken des Herren Drachman überschüttete sie die exotisch schöne Dame Mascari mit Begrüßungsküsschen. Dann war auch dieser Punkt seitens der Konventsplanung vorerst abgehakt.
Nun allerdings standen neue Arbeiten an und dennoch nahmen das Schicksal und die verschlungenen Pfade, welche sich Zukunft nannten, auch keine Rücksicht auf diesen erneuten bienenartig geschäftigen Stressschwall.
Stein auf Stein, unendlich langsam, doch beständig wurde hier nun die kleine Burg errichtet, welche alsbald Heimat genannt werden sollte… Burg Llastobhar?
Sie schüttelte den Kopf matt und eine der schneefarbenen Strähnen löste sich aus dem hochgesteckten Haarwust um neckend über ihre Schulter nach vorne zu fallen.
Es geschah doch so viel um sie herum, was zudem eigentlich jede Aufmerksamkeit wert war.
Sie wurde schwächer und plötzlich brachten sie Worte über welche sie vor wenigen Mondläufen nur milde gelächelt hätte aus der inneren Ruhe. So hatte das Gespräch mit jener seltsamen, schmächtigen und scheinbar ebenso wie sie recht bleichen Gestalt im Hügelgrabe Spuren hinterlassen, die ihre Aufmerksamkeit noch immer ab und an einforderten und sie über das Gesprochene grübeln ließen… aber das war längst nicht alles!
Ihr Herz hatte erst am gestrigen Tage einen doppelten Sprung gemacht, zunächst vor Freude über die sanften, alles andere als erbosten oder verfeindeten Blicke ihrer Großbase, welche sie nun nicht mehr Shanna, sondern mit viel Mühe und nachdrücklicher Erinnerung Alassea nannte, dann vor Überraschung und Verwirrung über das plötzliche Auftauchen ihrer Tante Tara.
Unsicherheit war in jenen Momenten ständiger Begleiter ihres Herzens.
Wo wollte Alassea mit der Familie noch zu tun haben, wo zog diese nun ihre eigenen Grenzen?
Wann sprach sie welches falsche Wort gegenüber ihr oder der jungen Schwester ihrer eigenen Mutter, welche sie bisher nur auf einem Portrait im Hause ihres Vaters, erblickt hatte?
Gaben sie ihr Schuld?
Schuld für den Namenswechsel und den damit verbundenen Bruch in einer seltsamen Familie?
Schuld an Tode ihrer Mutter, geliebter Schwester Taras, da es Geburt der Zwillinge Viljo und Una war, welche Cinnia Naweya Llastobhar, nicht überleben sollte?
Schuld, wie ihr dieses junge, verzweifelte Mädchen namens Viola einst entgegengeschleudert hatte...
Wieder ließ ein Geräusch sie aufblicken und die Gedanken verpufften ein weiteres Mal, als Stein auf Stein traf.
Ja, die Burg wuchs… unendlich langsam, doch sie wuchs und mit dem Bau in sommerwarmen Gefilden auf einem ihr noch immer heiligen Grunde, bewilligt vom Grafen persönlich, kam die Zuversicht wieder in die junge Seele zurück. Sie hatte diesem Bau zugestimmt, weil sie das Leuchten in Cathals lavendelfarbenen Augen gesehen hatte, als er ihnen von seinem großen Traum, dieser Festung, erzählt hatte.
Nie zuvor hatte sie ihn derart schwelgen sehen und der Glanz der Begeisterung hatte sich auf den Gesichtern jener, welche sie liebevoll Familie nannte, gespiegelt.
Stein um Stein wuchs nun ein gemeinsamer Traum im Lichte der Sonne heran… zu einer Burg.
[img]http://www.armin-grewe.com/holiday/scotland2003summer/ness-eilean-donan-castle.jpg[/img]
Stein um Stein eine kleine Burg
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Cathal Llastobhar
Eigentlich wollte er vor Müdigkeit jetzt schon sofort umfallen und er merkte wie seine Beine krampfhaft versuchten ihm weisszumachen sie wären aus altem Haferbrei gebildet, dennoch blieb er nun an der Brücke stehen, lehnte sich an das Geländer und ließ den Blick über das offene, sanfte und liebliche Feld schweifen.
Die kühle Nachtluft hauchte ihm wohltuend entgegen und beruhigte die Hitze auf den Wangen und der Stirn, die langen Gräser der ruhigen Ebene wurden vom leichten Wind in eine fast regelmäßige Bewegung dirrigiert, welche den Sinnen das Trugbilder unterjubeln wollte man stehe vor einer See aus Halmen.... ein wahres Gräsermeer und über allem lächelte ein silbrig weißer Mond und tauchte die Fläche in sein zartes Licht.
Das Lächeln auf dem Gesicht des jungen Mannes wurde noch breiter als er in der Ferne ein erster, spärliches Mauerwerk erblickte, dessen Anblick in ihm Wärme und auch jetzt, am Ende seiner Kräfte, noch immer klopfende Begeisterung hervor rief:
Die Grundmauern der Familienburg!
Ein Bauwerk, welches jetzt schon jedes der so verschiedenen Herzen seiner zukünftigen Bewohner in einem gemeinsamen Takt klopfen ließ und sie allesamt dazu brachte lange und hart zu arbeiten. Mal zusammen, mal jeder für sich alleine und auf unterschiedliche Weisen in verschiedenen Bereichen um den jeweiligen Beitrag zum Glück zu erbringen.
Briefe wurden verfasst, erste zaghafte Verhandlungen über das weitere Material und tatkräftige Hilfe mit den Handwerkern geführt und nicht zuletzt kümmerte man sich auch um die noch so unmöglichsten Sparmethoden um Münzen herbeizuschaffen.
Kopfschüttelnd und mit leisem Lachen in der Kehle erinnerte er sich an das letzte gemeinsame Unternehmen, welches sie trotz großer Gefahr irgendwie doch gemeistert hatten.
Alle gaben doch ihr bestes!
Leith kam ständig mit neuen abstrusen Ideen für etwaigen Verdienst an und führte dann meist die verblüffensten sehr gut durch. Tara war jetzt schon eine Art Ruhepol, welcher jedes Mitglied mit neuer Kraft erfüllte und sie lernte alles, was sie nur anpackte in unglaublich rascher Geschwindigkeit. Beim Stichwort "lernen" dachte er auch mit etwas Neid an Alleen und musste zugeben, wie gut sie sich aufs "tanzen" verstand. Ihre freche, vorlaute und fröhliche Art trug immer zur allgemeinen Herzensleichtigkeit bei. Una ging auch plötzlich aus sich heraus und überwachte den Bau mit Argusaugen, wenn sie nicht gerade wie wild ihren Beitrag zu allem beizusteuern - es tat ihm gut zu sehen, dass sie sich aber im Grundwesen nicht geändert hatte und dennoch ab und an unschuldiges Kind oder zerstreute Akademikerin sein konnte. Nialls Besuch brachte das Licht weiter zum glänzen und mit ihm auch das sanfte Gespräch mit Alassea. Beide waren aufgrund des Waisenhauses und ihrem eigenen Leben eingeschränkt und dennoch waren sie da- stützten, hielten und gaben Boden unter den Füssen.
Doch war es Viljo, welcher ihn heute am meisten stolz gemacht hatte... er hätte das Gespräch zwischen den Zwillingen nicht belauschen sollen aber nun konnte auch er mit gutem Gewissen, dass noch jemand sich mit ganzem Herzen bei der Sache war, die Daumen für seinen kleinen Vetter drücken. Einst hatte er zu ihm aufgeblickt und nun ertappte sich Cathal ein weiteres Mal, wie er zu ihm, nein zu ihnen allen, mit Bewunderung aufsah...
Wieder glitt sein Blick über die erst spärlich bebaute Fläche.
Morgen würde der alte, doch renomierte Architekt Gaspar Federkrug kommen und sich sicher mit der Kostenberechnung nicht zurückhalten...
... aber gemeinsam schafften sie auch die nächste Hürde!
[img]http://reportit.unh.edu/images/hands._smjpg.jpg[/img]
Die kühle Nachtluft hauchte ihm wohltuend entgegen und beruhigte die Hitze auf den Wangen und der Stirn, die langen Gräser der ruhigen Ebene wurden vom leichten Wind in eine fast regelmäßige Bewegung dirrigiert, welche den Sinnen das Trugbilder unterjubeln wollte man stehe vor einer See aus Halmen.... ein wahres Gräsermeer und über allem lächelte ein silbrig weißer Mond und tauchte die Fläche in sein zartes Licht.
Das Lächeln auf dem Gesicht des jungen Mannes wurde noch breiter als er in der Ferne ein erster, spärliches Mauerwerk erblickte, dessen Anblick in ihm Wärme und auch jetzt, am Ende seiner Kräfte, noch immer klopfende Begeisterung hervor rief:
Die Grundmauern der Familienburg!
Ein Bauwerk, welches jetzt schon jedes der so verschiedenen Herzen seiner zukünftigen Bewohner in einem gemeinsamen Takt klopfen ließ und sie allesamt dazu brachte lange und hart zu arbeiten. Mal zusammen, mal jeder für sich alleine und auf unterschiedliche Weisen in verschiedenen Bereichen um den jeweiligen Beitrag zum Glück zu erbringen.
Briefe wurden verfasst, erste zaghafte Verhandlungen über das weitere Material und tatkräftige Hilfe mit den Handwerkern geführt und nicht zuletzt kümmerte man sich auch um die noch so unmöglichsten Sparmethoden um Münzen herbeizuschaffen.
Kopfschüttelnd und mit leisem Lachen in der Kehle erinnerte er sich an das letzte gemeinsame Unternehmen, welches sie trotz großer Gefahr irgendwie doch gemeistert hatten.
Alle gaben doch ihr bestes!
Leith kam ständig mit neuen abstrusen Ideen für etwaigen Verdienst an und führte dann meist die verblüffensten sehr gut durch. Tara war jetzt schon eine Art Ruhepol, welcher jedes Mitglied mit neuer Kraft erfüllte und sie lernte alles, was sie nur anpackte in unglaublich rascher Geschwindigkeit. Beim Stichwort "lernen" dachte er auch mit etwas Neid an Alleen und musste zugeben, wie gut sie sich aufs "tanzen" verstand. Ihre freche, vorlaute und fröhliche Art trug immer zur allgemeinen Herzensleichtigkeit bei. Una ging auch plötzlich aus sich heraus und überwachte den Bau mit Argusaugen, wenn sie nicht gerade wie wild ihren Beitrag zu allem beizusteuern - es tat ihm gut zu sehen, dass sie sich aber im Grundwesen nicht geändert hatte und dennoch ab und an unschuldiges Kind oder zerstreute Akademikerin sein konnte. Nialls Besuch brachte das Licht weiter zum glänzen und mit ihm auch das sanfte Gespräch mit Alassea. Beide waren aufgrund des Waisenhauses und ihrem eigenen Leben eingeschränkt und dennoch waren sie da- stützten, hielten und gaben Boden unter den Füssen.
Doch war es Viljo, welcher ihn heute am meisten stolz gemacht hatte... er hätte das Gespräch zwischen den Zwillingen nicht belauschen sollen aber nun konnte auch er mit gutem Gewissen, dass noch jemand sich mit ganzem Herzen bei der Sache war, die Daumen für seinen kleinen Vetter drücken. Einst hatte er zu ihm aufgeblickt und nun ertappte sich Cathal ein weiteres Mal, wie er zu ihm, nein zu ihnen allen, mit Bewunderung aufsah...
Wieder glitt sein Blick über die erst spärlich bebaute Fläche.
Morgen würde der alte, doch renomierte Architekt Gaspar Federkrug kommen und sich sicher mit der Kostenberechnung nicht zurückhalten...
... aber gemeinsam schafften sie auch die nächste Hürde!
[img]http://reportit.unh.edu/images/hands._smjpg.jpg[/img]
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Niall Llastobhar
Er sah sie!
Natürlich nicht ganz so wie all die anderen sie sehen konnten, aber er spürte
den Schatten auf der Haut und ahnte nur vage wie weit der den
schneeweißen Wuschelkopf in den Nacken legen musste. Seine blinden
Augen wurden größer und ein heftiges Jappsen entwich ihm. Die kindliche
Begeisterung nahm stetig zu.
Es dauerte nicht lange, da fand seine kleine Hand die von Sorcha und fest
war der Griff, als er sich an sie klammerte.
"Heute wird der letzte Stein gelegt, ja?"
Sie musste nicht sprechen, er hatte die Antwort schon, als sie einmal tief
aufatmete und ihm danach mit der noch freien Hand liebevoll über die Stirn
strich.
Wie lange hatten sie darauf gehofft, wie oft hatte er den Unmut und die
Enttäuschung Cathals gesprürt, wenn wieder das Gold knapper wurde und
die Arbeiter doch auf den Lohn pochen mussten.
Einmal war die Werkelei für mehrere Wochen unterbrochen gewesen und
das Kind, dem es weiterhin an nichts fehlen sollte, hatte nicht lange
gebraucht um zu merken, dass jeder um ihn herum dafür nun die Gürtel
enger schnallte.
Es gab ihn nicht, den Luxus, die gewünschten Kleider oder Rüstungen.
Dafür musste gearbeitet werden. Immer und immer wieder.
Bis... ja bis zu diesem Tag.
In nur wenigen Stunden sollte sie stehen.
Die Burg des Hauses Llastobhar. Ein Ziel, welches ein emsiger, junger
Ritter mit seiner Familie nun ergreifen konnte.
Nialls Lächeln wurde breiter, als die blinden Augen über den Schatten
huschten und seine junge Cousine Keara neben ihn trat, seine freie
Patschehand ergriff und mit den beiden in stummes Staunen versank.
[img]http://people.cornell.edu/pages/jo24/comments/images/meditations04.jpg[/img]
Natürlich nicht ganz so wie all die anderen sie sehen konnten, aber er spürte
den Schatten auf der Haut und ahnte nur vage wie weit der den
schneeweißen Wuschelkopf in den Nacken legen musste. Seine blinden
Augen wurden größer und ein heftiges Jappsen entwich ihm. Die kindliche
Begeisterung nahm stetig zu.
Es dauerte nicht lange, da fand seine kleine Hand die von Sorcha und fest
war der Griff, als er sich an sie klammerte.
"Heute wird der letzte Stein gelegt, ja?"
Sie musste nicht sprechen, er hatte die Antwort schon, als sie einmal tief
aufatmete und ihm danach mit der noch freien Hand liebevoll über die Stirn
strich.
Wie lange hatten sie darauf gehofft, wie oft hatte er den Unmut und die
Enttäuschung Cathals gesprürt, wenn wieder das Gold knapper wurde und
die Arbeiter doch auf den Lohn pochen mussten.
Einmal war die Werkelei für mehrere Wochen unterbrochen gewesen und
das Kind, dem es weiterhin an nichts fehlen sollte, hatte nicht lange
gebraucht um zu merken, dass jeder um ihn herum dafür nun die Gürtel
enger schnallte.
Es gab ihn nicht, den Luxus, die gewünschten Kleider oder Rüstungen.
Dafür musste gearbeitet werden. Immer und immer wieder.
Bis... ja bis zu diesem Tag.
In nur wenigen Stunden sollte sie stehen.
Die Burg des Hauses Llastobhar. Ein Ziel, welches ein emsiger, junger
Ritter mit seiner Familie nun ergreifen konnte.
Nialls Lächeln wurde breiter, als die blinden Augen über den Schatten
huschten und seine junge Cousine Keara neben ihn trat, seine freie
Patschehand ergriff und mit den beiden in stummes Staunen versank.
[img]http://people.cornell.edu/pages/jo24/comments/images/meditations04.jpg[/img]