Es sind die kleinen Dinge des Lebens, die uns vor Glück lächeln lassen. Und die dafür sorgen, dass unser Herz voll Sonnenschein ist...
Der frische Schnee knackte und knotterte unter den Schritten meiner Stiefel und hinterließen einen saftig tiefen Abdruck, während ich in den Himmel blinzelte. Die Mittagssonne blitzte hinter einer Wolke hervor. Aber noch würde es dauern, bis sie nicht nur den Tag aufhellen, sondern auch wärmen würde. Jetzt aber ließ sie den Schnee aufblitzen und tauchte alles um mich herum in eine funkelnd-weiße Landschaft, die mir ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Ach was war dieser Tag schön!
Meine Wunde hatte sich gut erholt und ich könnte bald die Fäden ziehen lassen...und bei der heiligen Schildmaid, das würde ich sicher tapfer durchstehen! Doch mein Herz klopfte deswegen nicht so nervös vor sich hin, sondern wegen des kleinen Korbes, den ich unter meinen Arm geklemmt hatte. Eine leuchtend gelbe Blüte lugte neugierig heraus und bewunderte mit mir zusammen die verschneite Gegend, die so viel unschuldiger schien als mein geheimes Vorhaben. Ach je was war ich nervös! Ich hatte mich doch wirklich dazu verleiten lassen, mein erspartes Gold für die kleinen Leckereien auszugeben, anstatt meine Schuld auszuzahlen. Aber ich schwor mir, nun jede Münze eisern bei mir zu behalten und sie zurückzuzahlen. Taler für Taler, wie es sich gehörte. Auch wenn der Herr sicher nicht darauf wartete, aber immerhin war er ihr Bruder und... ach was war es doch kompliziert! Besser war es doch, es nicht groß an die Glocke zu hängen. Ich war ja auch ein Träumer. Solange sie nicht wüsste, von wem die kleinen Dinge kämen, würde sie mich nicht abweisen können. Und solange konnte ich ihr Lächeln noch genießen, den Klang ihrer Stimme und das schimmernd dunkle Haar...
Das Zwitschern eines Vogels riss mich wieder aus den Gedanken in das Hier und Jetzt und die wohlige Wärme in meinem Bauch und Lenden ließ den Weg durch die Kälte besser durchstehen. Auch wenn meine Kniee immer weicher wurden mit jedem Schritt, den ich näher gen Stadttore kam. Doch wie jedes Mal nickte ich den Wachen höflich zu, schenkte ihnen einen Gruß der Herrin und überquerte die Brücken, bis ich im Zentrum angekommen war. Nun hieß es, ihr Haus zu finden.
Ich konnte es ja schlecht auf den Tag der kleinen Geschenke schieben. Und genauso schlecht konnte ich es einfach wieder in die Liefertruhe werfen wie beim letzten Mal. Was wenn nun diesmal mich jemand erwischen würde und es verräte?! Das konnte ich ja schlecht riskieren, also striff ich durch die Strassen und Gassen, mühte mich bei jedem einzelnen Hausschild gefühlte Stunden damit ab, den Namen abzulesen und wurde erst fündig, als meine Füße schon langsam auskühlten und ganz, ganz langsam meine Zehen kribbelig wurden. Irgendwie war das schon klar, dass es fast das letzte Haus war, dass ich mir ansah. Und als ich es entdeckte, da erschrak ich ordentlich erstmal. Was, wenn sie nun daheim wäre und aus dem Fenster sieht, wenn ich das vor ihrer Tür abstelle?! Der Gedanke daran war so arg erschreckend, dass mir das Herz gefühlt in die Hose rutschte und dort ordentlich nervös und laut vor sich hinpochte. Erstarrt vor Ehrfurcht stand ich vor dem kleinen Häuschen, lauschte dem Blöken der Schafe in dem kleinen Gärtchen und wartete. Wobei ich nicht einmal wusste, worauf ich wartete. Doch als nach einigem Minuten immer noch nur das Blöken der Schafe mitsamt dem Wind in meinen Ohren zu vernehmen war, stapfte ich entschieden zu den Stufen, stellte das Körbchen ab und starrte noch einige Momente das Holz der Türe an, ehe ich mich rasch umwendete und losging. Na gut, nicht ging, sondern lief...entschieden lief, um rasch wegzukommen. Und ich hoffte, sie würde die Blumen finden, bevor sie einfroren oder zu welken begannen...